{"id":681350,"date":"2022-12-17T15:19:31","date_gmt":"2022-12-17T14:19:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=681350"},"modified":"2022-12-17T15:19:31","modified_gmt":"2022-12-17T14:19:31","slug":"buchauszug-tillmann-pruefer-vatersein-warum-wir-mehr-denn-je-neue-vaeter-brauchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/12\/17\/buchauszug-tillmann-pruefer-vatersein-warum-wir-mehr-denn-je-neue-vaeter-brauchen\/","title":{"rendered":"Buchauszug Tillmann Pr\u00fcfer: &#8222;Vatersein: Warum wir mehr denn je neue V\u00e4ter brauchen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug Tillman Pr\u00fcfer: &#8222;Vatersein: Warum wir mehr denn je neue V\u00e4ter brauchen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_681380\" style=\"width: 474px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-681380\" class=\"size-full wp-image-681380\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/12\/pruefer.tillmann.MaxZerrahn.jpg\" alt=\"\" width=\"464\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/12\/pruefer.tillmann.MaxZerrahn.jpg 464w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/12\/pruefer.tillmann.MaxZerrahn-214x300.jpg 214w\" sizes=\"auto, (max-width: 464px) 100vw, 464px\" \/><p id=\"caption-attachment-681380\" class=\"wp-caption-text\">Tillmann Pr\u00fcfer (Foto: PR\/Kindler\/ Max Zerrahn)<\/p><\/div>\n<p><strong>Schluss mit der V\u00e4ter-Verunsicherung<\/strong><\/p>\n<p>Als ich vor zwanzig Jahren das erste Mal Vater geworden war, gab es niemanden, der mich nur irgendwie darauf vorbereitet h\u00e4tte. Ich war 25 und schon auf Etliches im Leben schon trainiert worden. Auf Bundesjugendspiele, auf die Konfirmation, auf den F\u00fchrerschein. Man fand es wichtig, dass ich eine Wurzelgleichung l\u00f6sen konnte, ich wusste, wie der Zitronens\u00e4urezyklus funktioniert und wann der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg war. Aber wie es werden w\u00fcrde, Vater zu sein, dar\u00fcber erz\u00e4hlte mir niemand etwas. Es schien sich um ein merkw\u00fcrdig vorausgesetztes Wissen zu handeln. So fundamental, dass man es nicht einmal erw\u00e4hnen musste.\u00a0 Oder besser gesagt es hat kein Schwein interessiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mittlerweile habe ich vier T\u00f6chter, sie sind neun, 15, 16 und 22 Jahre alt. Vatersein ist meine Hauptbesch\u00e4ftigung. Wenn ich meinen 50. Geburtstag feiere, werde ich l\u00e4nger Vater sein als irgendetwas anderes im Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und heute wird sehr viel \u00fcber die\u00a0 V\u00e4ter diskutiert \u00ac\u2013 doch trotzdem gibt es ein seltsames Schweigen. N\u00e4mlich das der V\u00e4ter. Sie sagen nicht, was sie wollen, sie \u00e4u\u00dfern nicht, was sie sich von ihrer Vaterschaft versprechen. Sie sprechen nicht aus, was die wichtigsten Dinge sind, die sie ihrem Kindern vermitteln wollen.\u00a0 Dank des Feminismus und der Hinterfragung konservativer Lebensmodelle wissen wir nun, dass es gerechter, angemessener und besser ist, wenn sich M\u00e4nner an der Cara-Arbeit beteiligen und nicht nur stiern\u00e4ckig ihre Karrieren verfolgen. Aber was Kinder von ihren V\u00e4ter haben sollen und was V\u00e4ter ihren Kindern geben wollen \u2013 davon ist keine Rede.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stattdessen macht sich unter V\u00e4tern eher ein leichtes Beleidigtsein breit. Als w\u00fcrden irgendwelche Feministinnen\u00a0 st\u00e4ndig neue Forderungen stellen, denen man irgendwie pflichtschuldig nachkommen muss, um nicht auf der Seite des toxischen Patriachats verortet zu werden. Als h\u00e4tten wir unsere Schuldigkeit getan, indem wir einen bestimmten Betrag auf eine Quality Time Konto einzahlen \u2013 und k\u00f6nnten dann einfach irgendwie weiterwurschteln. Als h\u00e4tten sich die Aufgaben eines Vaters schon darin ersch\u00f6pft, dass er brav seine Elternzeit absitzt, regelm\u00e4\u00dfig mit dem Kinderwagen um den Block schiebt und sich am Abwasch beteiligt. Reicht die v\u00e4terliche Phantasie zu mehr nicht?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich finde, sie muss. Denn der neuen Feminismus ist vor allem eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr V\u00e4ter. Es ist eine historische M\u00f6glichkeit, selbst aus dem Muster der tradierten M\u00e4nner-Rollen auszubrechen, und sich klar zu machen. Was will ich? Was will ich selbst ver\u00e4ndern?\u00a0 Und was sollen meine Kinder davon haben? Wie werden wir alle gl\u00fccklicher? Keine Generation von V\u00e4tern hatte dazu so gute M\u00f6glichkeiten wie unsere.<\/p>\n<p>Aus meiner Sicht ist das Wichtigste, dass wir M\u00e4nner eine eigene Haltung zum Vatersein definieren. Dass wir uns klar werden, wie viele Vaterideen uns im Kopf rumschwirren, die wir f\u00fcr uns selbst gar nicht gebrauchen kann. Die gute Nachricht ist ja: Die Neudefinition der gesellschaftlichen Rollen m\u00fcssen wir nicht als Bedrohung begreifen, sondern wir k\u00f6nnen selbst kreativ werde. Zum ersten Mal in der Geschichte haben wir die M\u00f6glichkeit, unsere Rolle aktiv zu gestalten. Dieser Freiraum ist durch den Feminismus erst er\u00f6ffnet worden. Daf\u00fcr k\u00f6nnen M\u00e4nner\u00a0 vor allem dankbar sein. Die wichtigste Arbeit haben die Frauen gemacht, jetzt sind wir dran. Denn das Ende des Patriarchats ist nicht nur eine gute Nachricht auch f\u00fcr Frauen und M\u00fctter \u2013 sondern noch eine viel bessere f\u00fcr die V\u00e4ter.<\/p>\n<p>Wir M\u00e4nner r\u00fchmen uns doch gerne, dass die das Auto, die Gl\u00fchbirne und die Mondrakete erfunden haben. Da d\u00fcrfte die Neuerfindung der m\u00e4nnlichen Rolle in der Familie doch ein Klacks sein, oder?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vaterschaft scheint heute eine komplizierte Angelegenheit zu sein.\u00a0 Man m\u00f6chte es richtig machen, aber man wei\u00df nicht recht, woran man sich halten soll.\u00a0 Was eine gute Mutter ist, davon haben viele Menschen klare Vorstellungen:\u00a0 Die gute Mutter ist f\u00fcrsorglich, empathisch und opferbereit.\u00a0 Aber der gute Vater? Der wird st\u00e4ndig neu ausgerufen: In Papa-Blogs, Papa-Podcasts und Papa-Magazinen. Mal ist er der perfekte Assistent der Mutter, mal das besch\u00fctzende Vorbild, mal der beste Kamerad der Kinder \u2013 und dabei nat\u00fcrlich auch noch ein super Mann, der seiner Frau etwas zu bieten hat. Diese Superpapas geben Tipps wie, \u201eSo wirst du ein guter Vater!\u201c (\u201ekeine Raketenwissenschaft\u201c).\u00a0 Manchmal erscheint es sogar, als sei Vatersein eine Funsportart: V\u00e4ter mit Sechstagebart toben in Werbespots mit ihren Kids in der Natur, in Zeitlupe.\u00a0 Wenn ich so etwas sehe, frage ich mich, wann ich das letzte Mal mit meinen Kindern in Zeitlupe \u00fcber eine Wiese gerannt bin und dabei \u00fcbers ganze Gesicht gelacht habe. Und dann versuche ich mich weiter durch das Vatersein zu man\u00f6vrieren.<\/p>\n<p>Immerhin kann ich sagen: Es gibt im Leben nichts, was mehr Spa\u00df macht als das. Vatersein ist weder ein Job, noch ist es eine leidige Pflicht, der ein Mann nachkommen muss. Vatersein ist das gr\u00f6\u00dfte Abenteuer, das ein Mann begehen kann. Nichts wird einen im Leben mehr herausfordern, nichts wird einen mehr befriedigen als die F\u00fcrsorge f\u00fcr ein Kind. Und dies ist vermutlich die beste Zeit in der Geschichte der Menschheit, um Vater zu werden. Denn es ist zum ersten Mal der Fall, dass man als Mann ein Kind gro\u00df ziehen kann, ohne dabei von der Umwelt geg\u00e4ngelt zu werden. Festgelegt zu werden von allerlei Menschen, die es angeblich besser wissen als man selbst. Die einem vorschreiben, was die \u201ev\u00e4terlichen Pflichten\u201c\u00a0 sind, die wissen, was ein \u201eechter Mann\u201c tun muss. Es gibt keine h\u00f6here Autorit\u00e4t mehr, die wir f\u00fcr so unfehlbar halten, dass wir uns von ihr vorschreiben lassen wollen, wie wir mit unsern Kindern zu verfahren haben und wie wir uns dabei f\u00fchlen sollen. Nicht die Tradition, nicht die Kirche, ja nicht einmal unsere Arbeitgeber.<\/p>\n<p>Unsere Gro\u00dfv\u00e4ter hatten diese M\u00f6glichkeit nicht, unsere V\u00e4ter hatten sie oft nicht. Nicht einmal ich hatte sie, als ich vor etwas mehr als zwanzig Jahren zum ersten Mal Vater wurde. Endlich k\u00f6nnen wir im gro\u00dfen Drehbuch des Lebens die Rolle des Vaters selbst schreiben!<\/p>\n<p>Es gibt keine strikten Erwartungen mehr, die uns auferlegt werden. Es gibt keine Checkliste mehr, die wir abhaken, um zu wissen, dass wir als Vater \u201ealles getan\u201c haben. Es gibt nicht mehr die festgef\u00fcgten Formate, in die wir uns irgendwie einpassen, um uns danach sagen zu k\u00f6nnen, wir h\u00e4tten es richtig gemacht, obwohl es sich falsch anf\u00fchlt. Das macht uns unsicher, und es f\u00fchlt sich gef\u00e4hrlich an. Und immer, wenn wir das Gef\u00fchl haben, jetzt haben wir es raus, dann stehen wir nach der n\u00e4chsten Wegbiegung garantiert wieder vor einem gro\u00dfen Fragezeichen.<\/p>\n<p>Es wird viel dar\u00fcber diskutiert, welchen Vater es nun eigentlich gerade braucht und was er k\u00f6nnen muss. Es gibt Vaterbilder aus der Vergangenheit, die sich nicht mehr ganz wahr anf\u00fchlen: der\u00a0 Besch\u00fctzer der Familie, der Ern\u00e4hrer, der\u00a0 Haushaltsvorstand. Und auf der anderen Seite gibt es die M\u00e4r vom \u201eneuen Vater\u201c, der jeder gerne sein m\u00f6chte, von dem man aber nicht so recht wei\u00df, wie er eigentlich aussieht: Ist er eine Art Mama mit Dreitagebart und Sixpack? Ist er Teilzeitern\u00e4hrer und Flatrate-Spielkamerad? Oder ist er der gute alte Vollvater, aber mit einer Art empathisch-emotionalen Softwareupdate? Man wei\u00df gar nicht, f\u00fcr welchen dieser Konfektionsanz\u00fcge man sich mit voller Kraft begeistern soll.<\/p>\n<p>Dabei brauchen wir keine Schemata, sondern eine positive, lustvolle Definition von Vaterschaft. Denn bislang wird \u00fcber V\u00e4ter oft in Defiziten gesprochen. Was sie sind, sind sie nicht genug. Nicht genug verantwortungsbewusst, nicht genug m\u00e4nnlich, nicht genug anwesend. M\u00e4nnern wird vorgeworfen, sich zu wenig im Haushalt zu engagieren und zu viel f\u00fcr die pers\u00f6nliche Karriere. Und als Mann und Vater wird man heute das Gef\u00fchl nicht los, man m\u00fcsse zehntausend Jahre Patriachat innerhalb einer Elternzeit wieder gut machen. Als solle man ganz stolz sein auf das Anderssein und sich gleichzeitig sch\u00e4men f\u00fcr das Vielleichtdochnichtganzanderssein.<\/p>\n<p>Ich meine: Ein Vater ist ein gro\u00dfer Gewinn f\u00fcr das Leben. Und ein Vater sollte sich \u00fcberlegen, auf welche Weise er dieser Gewinn sein m\u00f6chte, und nicht nur, welche problematischen Aspekte er verk\u00f6rpert.<\/p>\n<p>Die Schweizer Erziehungswissenschaftlerin Margit Stamm geh\u00f6rt zu den Kritikerinnen der unter negativen Vorzeichen gef\u00fchrten Diskussion \u00fcber M\u00e4nnlichkeit. Sie ist der Meinung, dass sich die Debatte zu sehr darauf konzentriert, welche Anteile V\u00e4ter an der Hausarbeit leisten, und dass dabei au\u00dfer Acht gelassen wird, dass Vatersein noch aus sehr viel mehr besteht, als bei der Hausarbeit zugange und\u00a0 irgendwie \u201eda\u201c zu sein. Stamm\u00a0 bezweifelt die \u201e\u00dcberzeugung, dass ein Optimum an zeitlicher Verf\u00fcgbarkeit des Vaters die Belastung der M\u00fctter automatisch reduziert, die Entwicklung der Kinder f\u00f6rdert und die Partnerschaft gl\u00fccklicher macht.\u201c\u00a0 Bisher habe sich das nicht bewahrheitet, denn: \u201eJenseits der h\u00e4uslichen Pr\u00e4senz der V\u00e4ter spielen offenbar auch andere Faktoren eine wichtige Rolle.\u201c\u00a0 F\u00fcr sie ist die zentrale Frage: \u201cWas stellen wir uns denn unter einem guten Mann vor?\u201c<\/p>\n<p>Den Streitern f\u00fcr l\u00e4ngere Vater-Elternzeiten wirft die Wissenschaftlerin einen \u201eTunnelblick\u201c vor. Sie sagt, in den deutschsprachigen Staaten Europas agiere die Mehrheit der V\u00e4ter weiterhin als Hauptern\u00e4hrer und erwirtschafte drei Viertel des Haushaltseinkommens.\u00a0 Deswegen seien sie nicht alle schlechte V\u00e4ter. \u201eUnser Studien zeigen, dass es auch V\u00e4ter gibt, die relativ viel arbeiten, sich dann aber in der freien Zeit, etwa am Wochenende, sehr stark mit den Kindern besch\u00e4ftigen.\u201c\u00a0 F\u00fcr Stamm ist ein engagierter in Vollzeit arbeitender Vater unter Umst\u00e4nden wertvoller als ein \u201elustloser Teilzeitler\u201c.<\/p>\n<p>Denn es stimmt eben auch anders herum. Nur weil man als Vater extralange Elternzeit nimmt und ganz viel im Haushalt anpackt, hat man damit noch nicht die Frage beantwortet, was man f\u00fcr die Kinder darstellen m\u00f6chte.\u00a0 Ein guter Hausmann ist deswegen noch kein guter Vater. Das hei\u00dft nicht, dass V\u00e4ter keine Elternzeit nehmen sollen und in ihrer alten Rolle des Hauptern\u00e4hrers verbleiben sollen \u2013 im Gegenteil. Sie m\u00fcssen sich aber im Klaren sein, dass die Rolle eines Vaters dar\u00fcber weit hinaus geht. Die gerechte Aufteilung der Hausarbeit ist eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit zwischen Eheleuten. Aber Kinder interessieren sich nicht so sehr daf\u00fcr, wer die Hausarbeit macht. Kinder sch\u00e4tzen es, wenn die Eltern sich zueinander wertsch\u00e4tzend verhalten. Ihnen ist es besonders wichtig, dass Eltern ihnen gegen\u00fcber zugewandt, liebevoll, respektvoll und interessiert sind.\u00a0 Wie sie sich die Care-Arbeit aufteilen, ist f\u00fcr Kinder m\u00f6glicherweise weniger zentral, solange beide Eltern damit zufrieden sind.<\/p>\n<p>Was \u00fcberhaupt nicht hilft,\u00a0 ist die bei M\u00e4nnern immer wieder leicht s\u00e4uerliche Klage, dass es doch fr\u00fcher alles einfacher war. Als die Welt noch okay damit war, dass ein Vater einfach mal arbeiten geht und danach mit den Kumpels noch ein Bier ext. Als man noch wusste, was Papa zu tun hat und was Mamas Aufgabe ist. Die gute alte Zeit des Patriarchats, bevor alles feministisch wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-681379\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/12\/cover.tillmanneupruefer.jpg\" alt=\"\" width=\"367\" height=\"599\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/12\/cover.tillmanneupruefer.jpg 367w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/12\/cover.tillmanneupruefer-184x300.jpg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 367px) 100vw, 367px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rowohlt.de\/autor\/tillmann-pruefer-1875\"><strong>Tillman Pr\u00fcfer: &#8222;Vatersein: Warum wir mehr denn je neue V\u00e4ter brauchen&#8220;, Kindler Verlag, 208 Seiten, 20,&#8211; Euro<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesem Buch vertrete ich die gegenteilige These: Jenes Ende des Patriarchats ist f\u00fcr M\u00e4nner und besonders f\u00fcr V\u00e4ter eine Befreiung. Denn die Rollen und Aufgaben der Vergangenheit haben vor allem einer Gruppe sehr geschadet: den V\u00e4tern. Unseren V\u00e4tern. Das Ende des Patriarchats bedeutet f\u00fcr V\u00e4ter: Zum ersten Mal in unserer Geschichte\u00a0 haben wir die Chance, so V\u00e4ter sein zu k\u00f6nnen, wie wir es uns w\u00fcnschen. Uns von den Ger\u00fcsten zu befreien, die bislang die Idee von Vaterschaft und M\u00e4nnlichkeit umbaut haben. Wir k\u00f6nnen uns von einem Panzer befreien, der V\u00e4ter bislang oft genug davon abgehalten hat, gl\u00fccklich mit ihrer Identit\u00e4t und ihren Leben zu werden. Unter der Zeit, die hinter uns liegt, haben nicht nur die M\u00fctter, sondern auch die V\u00e4ter gelitten.<\/p>\n<p>V\u00e4ter haben keinen Grund, nostalgisch nach hinten zu blicken. Sie sind genauso Verlierer eines Systems, von dem einige wenige M\u00e4nner stark profitieren, viele aber nicht.\u00a0 M\u00e4nner verdienen zwar immer noch mehr Geld und werden zum Teil gewohnheitsm\u00e4\u00dfig bei Bef\u00f6rderungen bevorzugt. M\u00e4nner besetzen die Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft, 70 Prozent aller F\u00fchrungskr\u00e4fte sind m\u00e4nnlich. Nur etwa ein f\u00fcnftel der Vorst\u00e4nden in DAX-Unternehmen sind Frauen. M\u00e4nner verdienen im Schnitt knapp 20 Prozent mehr als Frauen.\u00a0 Frauen finden sich auf dem Arbeitsmarkt \u00fcberproportional in schlecht bezahlten Positionen oder in Teilzeit wieder. Mehr als 80 Prozent der Opfer von famili\u00e4rer Gewalt sind weiblich. Sp\u00e4testens seit der #MeeToo-Debatte d\u00fcrfte es keinen Zweifel mehr daran geben, was Frauen in verschiedensten Berufen (und im Privaten) an Zudringlichkeiten zu ertragen haben.<\/p>\n<p>Aber dass die Gesellschaft unter der \u00c4gide der M\u00e4nner stand, bedeutet nicht, dass dies f\u00fcr die M\u00e4nner immer eine sch\u00f6ne Sache gewesen w\u00e4re. Mannsein ist eigentlich nicht zu empfehlen, wenn man den Zahlen folgt: Laut Berechnungen der Vereinten Nationen sind 80 Prozent der Opfer t\u00f6dlicher Gewaltverbrechen M\u00e4nner (fast immer Opfer anderer M\u00e4nner). Drei Viertel aller Selbstmorde begehen M\u00e4nner. M\u00e4nner bekommen mehr Herz- Kreislauf-Erkrankungen. Etwa\u00a0 drei Viertel alles Obdachlosen sind M\u00e4nner. Und M\u00e4nner haben auch eine mehr als vier Jahre geringere mittlere Lebenserwartung als Frauen. Etwa 8 Prozent der M\u00e4nner sind arbeitslos, aber nur 6,4 Prozent der Frauen. Medizinischen Studien zufolge liegt das Sterberisiko von M\u00e4nnern nach Operationen um 50 Prozent h\u00f6her als das von Frauen.\u00a0 Mehr als 70 Prozent der Unfalltoten sind M\u00e4nner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Wirtschaftswissenschaflter und M\u00e4nnerberater Boris von Hesen hat in seinem Buch \u201eWas M\u00e4nner kosten\u201c versucht, eine Bilanz der Kollateralsch\u00e4den der patriarchalen Welt zu ziehen. Im Jahr 2021 waren 93,96 Prozent aller Gef\u00e4ngnisinsassen m\u00e4nnlich. 87 Prozent aller schweren Diebst\u00e4hle wurden von M\u00e4nnern begangen.\u00a0 73 Prozent der Alkoholkranken waren M\u00e4nner. M\u00e4nner waren f\u00fcr 80 Prozent der F\u00e4lle illegalen Drogenkonsums und 88 Prozent der F\u00e4lle illegalen Gl\u00fccksspiels verantwortlich. Der Autor bilanzierte die Mehrkosten von sch\u00e4dlichem und selbstsch\u00e4digendem M\u00e4nnlichkeitsverhalten auf 63 Milliarden Euro im Jahr.<\/p>\n<p>Nun k\u00f6nnte es ja sein, dass M\u00e4nner zwar\u00a0 fr\u00fcher sterben, aber mit der Welt, die sie sich gebastelt haben, trotzdem gl\u00fccklicher und zufriedener sind. Aber auch das ist nicht der Fall: Fragt man M\u00e4nner und Frauen nach ihrer Lebenszufriedenheit, dann stellen sich Frauen im Durchschnitt als die zufriedeneren Menschen heraus, zumindest in der Mitter ihres Lebens.<\/p>\n<p>Beispielsweise leiden M\u00e4nner viel st\u00e4rker unter Arbeitslosigkeit als Frauen. Eine Studie des israelisch-kanadischen Soziologen Eran Shor von der McGill-Universit\u00e4t in Montreal ergab, dass Arbeitslosigkeit das Sterblichkeitsrisiko der M\u00e4nner um 78 Prozent erh\u00f6ht, bei Frauen nur um\u00a0 37 Prozent. Besonders betroffen sind M\u00e4nner im Alter von f\u00fcnfzig Jahren oder j\u00fcnger. Also in der Zeit, in der sie auch f\u00fcr Kinder sorgen, sofern sie welche haben. M\u00e4nner leben mit der Vorstellung, Geld f\u00fcr die Familie zu beschaffen sei ihre Naturbestimmung. Dementsprechend verzweifelt sie, wenn das nicht klappt.<\/p>\n<p>Marc Luy, Forschungsgruppenleiter am Institut f\u00fcr Demografie in Wien, erkl\u00e4rte sogar, dass Hausmann\u00a0 heute einer der gef\u00e4hrlichsten Berufe der Welt ist: Wer als Mann dauerhaft zuhause bleibt, habe ein h\u00f6heres Sterblichkeitsrisiko als Ger\u00fcstbauer, Dachdecker und Bergleute.<\/p>\n<p>V\u00e4ter haben also jeden Grund, sich ver\u00e4nderte Zeiten zu w\u00fcnschen. Sie haben auch Grund genug, eine aktive Rolle dabei zu spielen. Gerade weil sie V\u00e4ter sind und f\u00fcr jemanden ein Vorbild sein werden \u2013 genau wie sie sich selbst am eigenen Vater ein Beispiel genommen haben.<\/p>\n<p>Darin liegt f\u00fcr mich die besondere Verantwortung des Vaterseins heute: Sich selbst bewusst zu machen, was man an Erlerntem vorlebt, was man weitergeben m\u00f6chte und was lieber nicht. \u201eDie meisten Menschen, die Vater werden, kennen\u00a0 nur einen Mann sehr gut, von dem sie wissen, dass er viel mit Kindern zu tun hatte: den eigenen Vater\u201c, sagt er Psychologe Michal Lamb. Der Amerikaner ist gewisserma\u00dfen einer der Urv\u00e4ter der Vaterschaftsforschung und hat das Fach seit den Siebziger Jahren an der Universit\u00e4t von Cambridge gepr\u00e4gt. Ihm zufolge neigen V\u00e4ter oft zu den Verhaltensweisen, die sie selbst als Kinder von ihren eigenen V\u00e4tern vorgelebt bekommen haben. Egal, ob man es als angenehm erlebt hat oder nicht. Es ist eben so, wie es ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wo fangen wir an? Zun\u00e4chst einmal sollten wir V\u00e4ter mal locker lassen und uns zugestehen: Wir sind alle keine Superm\u00e4nner und auch keine\u00a0 Superdads. Wir sind keine Roboterwesen, die es hinbekommen, im Job die reinste Wundermaschine zu sein und dann auch noch in der Familie brillant zu performen. Viele M\u00e4nner verstehen gute Vaterschaft so, dass sie einfach noch ein Dutzend mehr Bullet Points auf ihre To-Do-List schreiben und sie nacheinander anhaken m\u00fcssen, um sich selbst zu versichern, was sie schon wieder Tolles geleistet haben: Hausarbeit gemacht? Check. Kind ins Bett gebracht? Check. Vorgelesen? Check. Qualitytime verbracht? Check.<\/p>\n<p>Gerade darum soll es in diesem Buch nicht gehen. Es geht nicht um Anleitungen zum Supervatersein. Nicht darum,\u00a0 wie viele Stunden am Tag man am besten mit seinem Kind verbringt,\u00a0 ob man sich drei oder sechs Monate Elternzeit nimmt. Ob man in die Vater-Kind-Kur geht oder sich mit anderen V\u00e4tern und ihren Kindern zum gemeinsamen V\u00e4ter-Grillen trifft. Es geht nicht darum, zu wieviel Prozent man\u00a0 sich an der Hausarbeit beteiligt (wobei ich pers\u00f6nlich jeder Frau, deren Partner behauptet, er sei zu ungeschickt zum B\u00fcgeln und Wischen, raten w\u00fcrde, sich umgehend jemand Geschickteres zu suchen).\u00a0 Ich m\u00f6chte hingegen wissen: Was ist das denn heute, ein Vater? Wie findet man seine eigene Rolle, wie begleitet man sein Kind durchs Leben? Darum geht es. Nicht um das Abhaken von\u00a0 Aufgaben, die dann ergeben, dass man wieder mal alles richtig gemacht hat.<\/p>\n<p>Zuallererst die gute Nachricht: Man hat allen Grund, entspannt zu sein: Denn es gibt keinen \u201enat\u00fcrlichen\u201c Part des Vaters, den wir ausf\u00fcllen m\u00fcssen, und schon gar nicht m\u00fcssen wir als Vater \u201eunseren Mann stehen\u201c. Das sind Konzepte, die in allen Lebensbereichen eine gro\u00dfe Rolle spielen, aber nicht bei der Kindererziehung.\u00a0 Dass unsere Rolle nicht vorgeben ist, bedeutet aber auch, dass wir sie gestalten m\u00fcssen.\u00a0 Niemand tut das f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Es gibt also auch eine schlechte Nachricht: Ein solches Vatersein ist anstrengend. Einfach den Pfaden zu folgen, die vorgegeben sind, nimmt einem viel Arbeit ab. Aber nach dem Gl\u00fcck f\u00fcr sich selbst und die eigene Familien zu suchen,\u00a0 birgt die Gefahr, sich zu verlaufen, manchmal auf dem Weg wieder ein St\u00fcck zur\u00fcck zu m\u00fcssen, nicht genau zu wissen, wo man gerade steht. Und vor allem: Man muss sich ernsthaft Gedanken \u00fcber seine eigene Rolle machen. Man muss sie sich bewusst machen \u2013 das ist wirklich Arbeit. Aber sie kann gl\u00fccklich machen.<\/p>\n<p>Und gute V\u00e4ter werden gebraucht. Nie hatte die Forschung daf\u00fcr mehr Belege als heute. Der Vater wurde von der Erziehungswissenschaft und der Psychologie lange ignoriert. Man folgte der Sichtweise der Freudschen Psychoanalyse, nach der \u2013 verk\u00fcrzt gesprochen &#8211; zwischen Mutter und Kind eine symbiotische Bindung herrscht und der Vater eher als Konkurrent auftritt.<\/p>\n<p>Mittlerweile wei\u00df die Erziehungsforschung, dass V\u00e4ter wichtig sind. F\u00fcr die Kinder. Wissenschaftliche Studien zeigen, wenn der Vater die Schwangerschaft eng begleitet, steigen die Chancen auf gesunde Babys. V\u00e4ter helfen auch den Kindern bei ihrer Durchsetzungsf\u00e4higkeit in Gruppen. Und je aktiver V\u00e4ter sich mit ihren eigenen Werten und Vorstellungen in die Erziehung einbringen, desto eher profitiert das Kind. Manche Forschungsarbeiten legen sogar nahe, dass V\u00e4ter in bestimmten Bereichen einflussreicher sind als M\u00fctter. So hat der deutsch-griechische P\u00e4dagoge Wassilios Fthenakis bereits in den Neunziger Jahren herausgefunden, dass beruflicher Erfolg im Leben und auch seelische Gesundheit im st\u00e4rkeren Ma\u00df von der Beziehung zum Vater abh\u00e4ngen als zur Mutter. Ein Kind, das eine emotional erf\u00fcllende Beziehung zu seinem Vater und Wertsch\u00e4tzung von ihm erfahren hat, hat demnach gr\u00f6\u00dfere Chancen, sp\u00e4ter ein gl\u00fcckliches Leben zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den USA hat man schon l\u00e4nger erkannt, wie wichtig engagierte V\u00e4ter f\u00fcr die Gemeinschaft sind. In seiner Amtszeit als US-Pr\u00e4sident hat Barack Obama eine ganze Reihe von Vaterschafts-F\u00f6rderprogrammen auferlegt.\u00a0 2011 hat er in einem Essay f\u00fcr das People-Magazin am Vatertag dar\u00fcber geschrieben, wie sehr er als Junge darunter litt, ohne Vater aufzuwachsen. Seine Eltern hatten sich getrennt, als er zwei war, danach ist sein Vater bald verstorben. In Obamas Regierungszeit wurde auch die Website <a href=\"https:\/\/eur01.safelinks.protection.outlook.com\/?url=http%3A%2F%2Ffatherhood.gov%2F&amp;data=05%7C01%7Cclaudia.toedtmann%40wiwo.de%7C2138dd7481a14aa6b25308dadd1f3c70%7C78a6b313ae8f4324ba3685e7b2bc6f1d%7C1%7C0%7C638065424860168571%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C2000%7C%7C%7C&amp;sdata=WxW3bfbVLHg49zv0YumbrgggXi5tGU%2FvHNPj1Z9%2BkHo%3D&amp;reserved=0\">Fatherhood.gov<\/a> aufgelegt, die unter anderem ein Vaterschafts-Toolkit und die Gelegenheit bietet, ein \u201eVaterschafts-Gel\u00fcbte\u201c abzulegen. Das ist nicht nur eine sehr amerikanische Sentimentalit\u00e4t: Der Anteil der Kinder, die in den USA ohne einen Vater im Haus aufw\u00e4chst, wird auf mehr als 20 Prozent gesch\u00e4tzt \u2014 und das wird mit vielen\u00a0 sozialen Problemen in Verbindung gebracht. Kinder, die ohne V\u00e4ter gro\u00df werden, haben schlechtere Chancen auf gute Bildung und erfolgreiche Berufslaufbahn und weniger Aussicht, sp\u00e4ter selbst eine funktionierende Familie zu haben. Ein Vater ist also offenbar unter Umst\u00e4nden sehr hilfreich.<\/p>\n<p>Mittlerweile nimmt man auch in Deutschland die Rolle von V\u00e4tern in der Erziehung ernster als fr\u00fcher. Die Regierung will \u00a0V\u00e4ter dazu motivieren, l\u00e4nger Elternzeit zu nehmen, und dazu soll dem Vater bei der Geburt des Kindes Urlaub zustehen. Die Vaterschaft wird auch endlich st\u00e4rker erforscht. Die Berliner Erziehungswissenschaftlerin Lieselotte Ahnert hat etwa ein europaweites Netzwerk f\u00fcr Vaterforschung aufgebaut. Ihre Erkenntnisse sprechen daf\u00fcr, dass V\u00e4ter eine st\u00e4rkere Rolle in der Erziehung spielen sollten. Sie ermittelte au\u00dferdem, dass sich V\u00e4ter in einer viel breiteren Weise f\u00fcr ihre Kinder engagieren, als gemeinhin angenommen. Ahnert hatte zweihundert V\u00e4ter \u00fcber einen Zeitraum von einer Woche ihre Tagesaktivit\u00e4ten\u00a0 protokollieren lassen. Es zeigte sich, das etwa ein Drittel der V\u00e4ter den gesamten Alltag des Kindes begleiteten. Ein weiteres Drittel begleitete immerhin bestimmte Aktivt\u00e4ten, und nur ein Drittel entsprach dem Bild des m\u00e4\u00dfig interessieren Vaters, der sich nur eingeschr\u00e4nkt seinen Kindern widmet. Daf\u00fcr sprechen auch Umfragewerte. Im offiziellen \u201eV\u00e4terreport\u201c, dessen\u00a0 j\u00fcngstes Update die Bundesregierung 2021 ver\u00f6ffentlicht hat, gaben 69 Prozent der\u00a0 j\u00fcngeren V\u00e4ter an, sich mehr als die eigenen V\u00e4ter an der Betreuung ihrer Kinder zu beteiligen \u2013 und diese Ver\u00e4nderungen auch als pers\u00f6nlichen Gewinn anzusehen.<\/p>\n<p>V\u00e4ter machen sich heute mehr Gedanken denn je, wie sie gute V\u00e4ter sein k\u00f6nnen. Aber was bedeutet da? Was ist ein guter Vater ? Die Wissenschaft hat da durchaus nach Antworten gesucht und auch etliche gefunden. Der Soziologe Alois Herlth\u00a0 hat schon in den Neunziger Jahren an der Uni Bielefeld begonnen, positive Vatereigenschaften zu erforschen. Sein Befund: Wichtig ist, dass der Vater Familienorientierung mitbringt, also ein Interesse hat, sich aktiv in die Erziehung einzubringen. Ein zweites zentrales Merkmal ist die sogenannte \u201eRessourcivit\u00e4t\u201c: der Grad, in dem der Vater selbst den Umgang mit dem Kind als gl\u00fccklich machend empfindet. Ein Vater, der Kraft daraus zieht, mit seinen Kindern etwas zu unternehmen, ist meist auch einer, der es besser unterst\u00fctzen kann. Ein dritter wichtiger Faktor ist die Zufriedenheit der Lebenspartnerin oder des Lebenspartners. Insgesamt, so stellte die Bielefelder Forschungsgruppe fest, h\u00e4ngt dabei alles von der \u201eInterpersonalen Sensitivit\u00e4t\u201c des Vaters ab. Ein Vater, der einf\u00fchlsam und interessiert ist, hilft seinen Kindern am meisten. \u201eEin guter Vater ist offen und empf\u00e4nglich f\u00fcr emotionale Bed\u00fcrfnisse\u201c,\u00a0 sagt Herlth.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie kommt man da hin? Wie findet man seinen Weg zwischen all den Vatermodellen, die uns offeriert werden?\u00a0 Wer will man sein? Das h\u00e4ngt letztlich davon ab, welche Rolle man im Leben der eigenen Kinder spielen m\u00f6chte. Um seine Rolle als Vater bewusst gestalten zu k\u00f6nnen, muss man aber zun\u00e4chst einmal verstehen, woher all die gesellschaftlichen Vorstellungen vom Vatersein, sie uns so stark besch\u00e4ftigen, stammen. Denn all die Anspr\u00fcche, die V\u00e4ter an sich selbst haben und die von au\u00dfen an sie heran getragen werden, haben eine Geschichte. Und auch die heutigen V\u00e4ter sind Teil dieser Geschichte. Wie leben in einem Bewusstsein, das unsere V\u00e4ter und M\u00fctter geschaffen haben. Und wir selbst werden ein solches Bewusstsein an unsere T\u00f6chter und S\u00f6hne weitergeben.\u00a0 Ob wir f\u00e4hig sind, die Beziehung zu unseren Kindern achtsam zu gestalten, liegt zuallererst daran, ob wir verstehen, woher unsere eigenen Werte und Konflikte, Zielvorstellungen und Zw\u00e4nge stammen. Daher m\u00f6chte ich in diesem Buch auch zun\u00e4chst in die Geschichte des Vaterseins zur\u00fcckgehen &#8211; um zu sehen, wie wir wurden, wer wir sind.<\/p>\n<p>Als Vater ist man im Leben des Kindes um so wichtiger,\u00a0 je mehr es einem gelingt, die Beziehung zu ihm oder ihr mit Inhalten f\u00fcllt. Und das zu tun, ist auf tausend gute Weisen m\u00f6glich. Noch nie waren wir so frei darin, zu entscheiden, wie wir das tun. Es ist tats\u00e4chlich die allerbeste Zeit, um Vater zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680063\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg\" alt=\"\" width=\"227\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022-227x300.jpg 227w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Wiwo.top_.10.blog_.2022.Blogger-Relevanzindex_Top-10-Blogs-2022.jpg 492w\" sizes=\"auto, (max-width: 227px) 100vw, 227px\" \/><\/p>\n<div id=\"main\">\n<div id=\"primary\">\n<div id=\"content\" role=\"main\">\n<article id=\"post-679588\" class=\"post-679588 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-arbeitsbedingung tag-arbeitsklima tag-betriebsklima tag-big-quit tag-ey-ernst-young tag-fachkraftemangel tag-gehalt tag-great-resignation tag-jobwechsel tag-kundigung tag-kuendigungsabsicht tag-loehne tag-umfrage\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p><strong><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/06\/08\/management-blog-jetzt-unter-den-top-ten-im-blogger-relevanzindex-2022-es-gibt-was-zu-feiern-wer-die-top-100-blogs-sind-hier-die-ganze-liste\/\">Management-Blog jetzt unter den Top-Ten im Blogger-Relevanzindex 2022 \u2013 es gibt was zu feiern! Wer die Top-100 Blogs sind \u2013 hier die ganze Liste | Management-Blog (wiwo.de)<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-680145\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Superfrauen_Top5.2022.Bloggerrelavnzindex-300x300.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Superfrauen_Top5.2022.Bloggerrelavnzindex-300x300.png 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Superfrauen_Top5.2022.Bloggerrelavnzindex-150x150.png 150w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/06\/Superfrauen_Top5.2022.Bloggerrelavnzindex.png 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p><strong>Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die m\u00e4nnliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleicherma\u00dfen mit gemeint.\u00a0<\/strong><\/p>\n<\/article>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"at-below-post addthis_tool\" data-url=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/12\/12\/verdeckte-preiserhoehungen-sind-sieben-todsuenden-auf-einmal-meint-marketing-expertin-sabine-huebner\/\" data-title=\"Verdeckte Preiserh\u00f6hungen sind sieben Tods\u00fcnden auf einmal, meint Marketing-Expertin Sabine H\u00fcbner\" data-description=\"Verdeckte Preiserh\u00f6hungen sind sieben Tods\u00fcnden auf einmal Wir leben in einer Zeit, in der sich nicht nur die Preise aufbl\u00e4hen, sondern auch die Abgr\u00fcnde der Markenf\u00fchrung. Statt 500 Gramm in einer Packung nur noch 400, mindestens zum gleich\u00a0 hohen Preis und ansonstens genauso aufghemacht wie vorher. Das Mooto: Mekrt doch keiner.\u00a0Manch eine vermeintlich clevere Krisenstrategie...\">\n<div id=\"atstbx\" class=\"at-share-tbx-element at-share-tbx-native addthis_default_style addthis_20x20_style addthis-smartlayers addthis-animated at4-show\">\n<div class=\"fb-like fb_iframe_widget\" data-layout=\"button_count\" data-show_faces=\"false\" data-share=\"false\" data-action=\"like\" data-width=\"90\" data-height=\"25\" data-font=\"arial\" data-href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/12\/12\/verdeckte-preiserhoehungen-sind-sieben-todsuenden-auf-einmal-meint-marketing-expertin-sabine-huebner\/\" data-send=\"false\"><\/div>\n<div class=\"atclear\"><\/div>\n<\/div>\n<div id=\"atstbx\" class=\"at-share-tbx-element at-share-tbx-native addthis_default_style addthis_20x20_style addthis-smartlayers at4-visually-hidden\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Tillman Pr\u00fcfer: &#8222;Vatersein: Warum wir mehr denn je neue V\u00e4ter brauchen&#8220; &nbsp; Schluss mit der V\u00e4ter-Verunsicherung Als ich vor zwanzig Jahren das erste Mal Vater geworden war, gab es niemanden, der mich nur irgendwie darauf vorbereitet h\u00e4tte. 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