{"id":680965,"date":"2023-04-19T02:53:11","date_gmt":"2023-04-19T00:53:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=680965"},"modified":"2023-04-21T12:10:28","modified_gmt":"2023-04-21T10:10:28","slug":"daimler-und-benz-stiftung-warum-obduktionen-lebensrettend-fuer-lebende-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2023\/04\/19\/daimler-und-benz-stiftung-warum-obduktionen-lebensrettend-fuer-lebende-sind\/","title":{"rendered":"Daimler und Benz Stiftung: Warum Obduktionen lebensrettend f\u00fcr Lebende sind"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mortui vivos docent \u2013 Wie Leichenschau und Obduktion Leben retten<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_680973\" style=\"width: 385px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-680973\" class=\"size-full wp-image-680973\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/10\/Daimlerstiftung.Verhoff-2-003.tif_-e1666685118352.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"472\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/10\/Daimlerstiftung.Verhoff-2-003.tif_-e1666685118352.jpg 375w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/10\/Daimlerstiftung.Verhoff-2-003.tif_-e1666685118352-238x300.jpg 238w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><p id=\"caption-attachment-680973\" class=\"wp-caption-text\">Marcel Verhoff (Foto: Daimler&#8230;<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Marcel Verhoff, Professor f\u00fcr Rechtsmedizin an der Goethe-Universit\u00e4t in Frankfurt und Direktor des Insituts f\u00fcr Rechtsmedizin \u00fcber die Bedeutung von Leichenschauen und Obduktionen f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Krankheitsverl\u00e4ufen und Todesursachen in einem Vortrag in der Reihe \u201eDialog im Museum\u201c der Daimler und Benz Stiftung. <strong>Aufgeschrieben von Miriam Weiss.<\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Des M\u00fcnsteraner Professor Karl-Friedrich Boerne aus dem ARD-Tatort hat Rechtsmedizin popul\u00e4r gemacht. Dabei war noch im Jahr 2000 war fast die H\u00e4lfte der rechtsmedizinischen Institute in Deutschland von der Schlie\u00dfung bedroht\u00a0 &#8211; ohne dass sich jemand daf\u00fcr interessierte\u201c, erinnert sich der Wissenschaftler Marcel Verhoff \u00fcber die einst d\u00fcstere seiner Zunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das, obwohl Obduktionen der Verstorbenen so wichtig f\u00fcr die Lebenden sind:\u00a0Die sorgf\u00e4ltige Durchf\u00fchrung der \u00e4rztlichen Leichenschau ist die Voraussetzung f\u00fcr das Erkennen von Gefahren f\u00fcr andere Menschen, res\u00fcmiert Verhoff. \u201eNur mit einer\u00a0 Obduktion und erg\u00e4nzenden Untersuchungen inklusive molekularer Autopsie kann die genaue Todesursache festgestellt werden. So k\u00f6nnen Menschen davor bewahrt werden, dasselbe Schicksal zu erleiden.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einfache wie unerwartete Erkenntnisse bei Obduktionen<\/strong><\/p>\n<p>Zum Beispiel die Behandlung von Covid-19-Patienten: Nur durch die Obduktion konnte man das Ausma\u00df Sch\u00e4den in der Lunge feststellen. Durch sie kamen auch\u00a0 Entz\u00fcndungen in den Gef\u00e4\u00dfen wie Thromben und Blutgerinnsel zum Vorschein, die letztlich t\u00f6dlich waren. Deshalb setzte man zur Behandlung von COVID-19 auch Gerinnungshemmer ein, was sofort die \u00dcberlebensrate steigerte. \u201eDiese einfachen Erkenntnisse, mit denen vorher keiner gerechnet hatte, waren nur durch die Obduktion m\u00f6glich\u201c, erkl\u00e4rt Marcel Verhoff.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oder zum Beispiel der Verdacht eines pl\u00f6tzlichen Herztods: \u201eEtwa die H\u00e4lfte aller pl\u00f6tzlichen Herztodesf\u00e4lle treten bei scheinbar gesunden Personen auf\u201c, wei\u00df Verhoff.\u00a0 Tritt ein pl\u00f6tzlicher Herztod bei jungen Menschen unter 40 Jahren ein, ist die Rechtsmedizin sehr oft involviert, denn bei einem pl\u00f6tzlichen Tod eines jungen Menschen steht immer der Verdacht der T\u00f6tung im Raum. Verhoff: Aus juristischer Sicht sei der Fall eines nicht-nat\u00fcrlichen oder ungekl\u00e4rten Todes dann abgeschlossen, wenn kein sogenanntes Fremdverschulden bestehe. \u201eDie Pflicht des Rechtsstaates ist es, zu pr\u00fcfen, ob so ein Fall verfolgt werden muss. Denn die Frage ist, ob vielleicht jemand\u00a0 bestraft werden muss\u201c, so Verhoff. Wird bei der Obduktion eine Todesursache wie Schlaganfall, Herzinfarkt undsoweiter gefunden, die einen nat\u00fcrlichen Tod bescheinigt, sei der Fall f\u00fcr den Staatsanwalt abgeschlossen &#8211; mangels\u00a0 Fremdverschulden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Risiken f\u00fcr Angeh\u00f6rige absch\u00e4tzen<\/strong><\/p>\n<p>Jedoch: \u201eDamit sind die F\u00e4lle derjenigen jungen Menschen ungekl\u00e4rt, bei denen die Todesursache wom\u00f6glich auf etwas Erbliches zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.\u201c Doch gerade das sei wichtig herauszufinden, um eventuelle Risiken f\u00fcr deren Angeh\u00f6rige absch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liegen also F\u00e4lle von pl\u00f6tzlichem Herztod mit ungekl\u00e4rter Todesursache vor und traten auch in der Familiengeschichte der Verstorbenen solche pl\u00f6tzlichen Todesf\u00e4lle auf, dann ist es wichtig, bei der Obduktion Gewebe zu sichern, mit dem genetische Untersuchungen &#8211; die sogenannte molekulare Autopsie &#8211; erfolgen k\u00f6nnen. Parallel dazu werden die Angeh\u00f6rigen untersucht und gezielt nach Risikogenen f\u00fcr pl\u00f6tzlichen Herztod gesucht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dabei gibt es verschiedenen Arten von Leichenschauen:\u00a0Zuerst die \u00e4rztliche Leichenschau, die in der Bundesrepublik Deutschland jeder approbierte Arzt durchf\u00fchren darf und die bei jedem Verstorbenen vor der Bestattung erfolgen muss.\u00a0 Der untersucht die Leiche von au\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Soll ein Leichnam zur Bestattung verbrannt werden, wird eine zweite Leichenschau beziehungsweise Feuerbestattungsleichenschau angeordnet, zu der nur spezialisierte \u00c4rzte wie Rechtsmediziner bestellt werden d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die gerichtliche Leichenschau dagegen, zu der ein Rechtsmediziner hinzugeholt werden kann, finde in Gegenwart eines Staatsanwalts statt. Verhoff: Das ist die gesetzliche Grundlage daf\u00fcr, dass Rechtsmediziner an den Tatort gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die erste \u00e4rztliche Leichenschau hat Weichenstellerfunktion, erkl\u00e4rt Verhoff. Denn der Arzt stelle dabei fest, ob es sich um einen nat\u00fcrlichen oder nicht-nat\u00fcrlichen Tod handelt oder ob die Todesursache ungekl\u00e4rt ist. In den beiden letzten F\u00e4llen m\u00fcsse eine kriminalpolizeiliche Leichenschau erfolgen, die das sogenannte Todesermittlungsverfahren er\u00f6ffnet. \u201eDie erste \u00e4rztliche Leichenschau ist eine ganz wichtige Aufgabe &#8211; nicht nur als letzter Dienst f\u00fcr die Verstorbenen, sondern auch f\u00fcr die Lebenden\u201c, betonte Verhoff.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDas eigentliche Drama in Deutschland ist aber, dass es fast keine klinischen Sektionen mehr gibt\u201c, sagt Verhoff. Also die gerichtliche Leichen\u00f6ffnung mit zwei \u00c4rzten, die sie\u00a0 nach dem Vier-Augen-Prinzip durchf\u00fchren. Sie ist als Teil des Todesermittlungsverfahrens ureigene Aufgabe der Rechtsmedizin. Diese Art der Obduktion, die klinische Sektion, sollte die h\u00e4ufigste sein. Bei ihr wird zur Qualit\u00e4tssicherung und zur Aus- und Fortbildung f\u00fcr \u00c4rzte eine Obduktion bei einem im Krankenhaus verstorbenen Patienten durchgef\u00fchrt. Dabei soll die Todesursache herausgefunden, diese mit der klinischen Beurteilung der Todesursache abgeglichen und dann gepr\u00fcft werden, ob man bestm\u00f6glich behandelt habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute jedoch werden Todesursachen &#8211; jedenfalls teilweise &#8211; in Mortalit\u00e4tskonferenzen festgelegt, bei der sich die behandelnden \u00c4rzte auf eine Todesursache einigen Verhoff: \u201eUnd dann ist der Fall abgeschlossen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/149798077.v2.pressablecdn.com\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>M\u00f6chten Sie Blog-Beitr\u00e4ge nutzen, um nicht von Links abh\u00e4ngig zu sein? Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte, um Inhalte dauerhaft zu sichern: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. 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