{"id":680491,"date":"2022-08-19T06:00:42","date_gmt":"2022-08-19T04:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=680491"},"modified":"2022-08-19T03:02:33","modified_gmt":"2022-08-19T01:02:33","slug":"buchauszug-juergen-hesse-und-hans-christian-schrader-mein-chef-ist-irre-ihrer-auch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/08\/19\/buchauszug-juergen-hesse-und-hans-christian-schrader-mein-chef-ist-irre-ihrer-auch\/","title":{"rendered":"Buchauszug J\u00fcrgen Hesse und Hans Christian Schrader: &#8222;Mein Chef ist irre &#8211; Ihrer auch?&#8220;"},"content":{"rendered":"<h1>Buchauszug von <strong>J\u00fcrgen Hesse und Hans Christian Schrader: <\/strong>&#8222;Mein Chef ist irre &#8211; Ihrer auch?&#8220;<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><\/h1>\n<div id=\"attachment_680492\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-680492\" class=\"size-full wp-image-680492\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/08\/Hesse_Schrader_c_privat-1-002.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/08\/Hesse_Schrader_c_privat-1-002.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/08\/Hesse_Schrader_c_privat-1-002-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/08\/Hesse_Schrader_c_privat-1-002-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-680492\" class=\"wp-caption-text\">J\u00fcrgen Hesse und Hans Christian Schrader (Foto: Privat\/Ullstein)<a style=\"font-size: 15px;font-weight: bold;font-family: 'Helvetica Neue', Helvetica, Arial, 'Nimbus Sans L', sans-serif\" name=\"_Toc39312784\"><\/a><a style=\"font-size: 15px;font-weight: bold;font-family: 'Helvetica Neue', Helvetica, Arial, 'Nimbus Sans L', sans-serif\" name=\"_Toc49415574\"><\/a><a style=\"font-size: 15px;font-weight: bold;font-family: 'Helvetica Neue', Helvetica, Arial, 'Nimbus Sans L', sans-serif\" name=\"_Toc99799967\"><\/a><a style=\"font-size: 15px;font-weight: bold;font-family: 'Helvetica Neue', Helvetica, Arial, 'Nimbus Sans L', sans-serif\" name=\"_Toc99799967\"><\/a><\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Das Waffenarsenal psychopathischer Chefs<\/h1>\n<p>Es gibt nicht nur ganz unterschiedliche psychopathische Chef-Typen; sie benutzen auch unterschiedliche Waffen im t\u00e4glichen Kampf um ihren Erfolg, Macht, Geld und Anerkennung. Jede dieser Waffen ist dazu geeignet, andere zu unterwerfen, gef\u00fcgig zu halten, zu qu\u00e4len und bei vermeintlichem Ungehorsam abzustrafen. W\u00e4hrend es zu Zeiten der mittelalterlichen Inquisition brutale Bestrafungsrituale gab \u2013 von der Daumenschraube bis zum Blenden mit dem gl\u00fchenden Eisen \u2013, haben wir es heutzutage in der Arbeitswelt mit vor allem psychologischen Foltermethoden zu tun.<\/p>\n<p>Sie denken, wir \u00fcbertreiben? Das Waffenarsenal der Chefs ist erschreckend vielseitig. Es gibt eine Menge direkter sowie subtiler, handlungsorientierter wie verbaler Methoden, die zum Einsatz kommen, wenn Psychopathen auf ihre Opfer losgehen. Einige der Folterinstrumente haben Sie schon in den Beispielgeschichten kennengelernt.<\/p>\n<p>Manche kennen Sie vielleicht selbst aus leidvoller Erfahrung. Sie reichen von Kontakt- und Informationsverweigerung \u00fcber die Verbreitung \u00fcbler Ger\u00fcchte, Attacken auf das Ansehen und die Pers\u00f6nlichkeit bis hin zur Androhung von Konsequenzen wie der K\u00fcndigung und sogar die Anwendung von Psychoterror bis hin zu angedrohter k\u00f6rperlicher Gewalt. Ja, Sie haben richtig gelesen, auch k\u00f6rperliche Gewalt ist in manchen Unternehmen im Spiel \u2013 nicht etwa nur im \u201eMilieu\u201c oder einem anderen Bereich der Schattenwirtschaft. Auch im Topmanagement von Konzernen kommt es zu veritablen Drohungen und dann leider auch zu deren konsequenter Umsetzung.<\/p>\n<p>So wurde uns von einem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer berichtet, der im Rahmen von Verhandlungen mit dem Betriebsrat verbal extrem ausf\u00e4llig wurde. Als ein vom Betriebsrat hinzugezogener Sachverst\u00e4ndiger die Realisierbarkeit von Planungen des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers anzweifelte, sprang dieser auf und schrie unbeherrscht: \u201eSie m\u00f6gen ja f\u00fcr vieles ein Sachverst\u00e4ndiger sein, aber hiervon haben Sie \u00fcberhaupt keine Ahnung! Wenn Sie weitersprechen, gehen wir beide vor die T\u00fcr!\u201c<\/p>\n<p>Sich solcherlei Methoden zu bedienen, verleiht Psycho-Chefs die Macht, andere in ihrer M\u00f6glichkeit zu beschneiden, sich frei und kritisch zu \u00e4u\u00dfern, wenn nicht gar ganz mundtot zu machen. Ein Blick nach Russland offenbart ein viel diskutiertes, prominentes Beispiel der j\u00fcngeren Zeit: Der Umgang mit Alexei Anatoljewitsch Nawalny, russischer Rechtsanwalt und oppositioneller Dissident, ist nur ein Beispiel von vielen. Unter Zuhilfenahme von Drohszenarien disziplinieren, manipulieren, schikanieren und dem\u00fctigen despotische Chefs ihre Mitarbeiter, um eigene Interessen hemmungslos durchsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So unterschiedlich die Methoden und Vorgehensweisen auch sind, sie lassen sich vier Kategorien zuordnen:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Einsch\u00fcchtern, erpressen und terrorisieren\u00a0 \u00a0<\/strong><\/li>\n<li><strong>Isolieren, ausgrenzen und kaltstellen<\/strong><\/li>\n<li><strong>T\u00e4uschen, l\u00fcgen und betr\u00fcgen<\/strong><\/li>\n<li><strong>Benachteiligen, ungerecht behandeln und ausbeuten<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die meisten Handlungen von psychopathischen Chefs sind einer dieser vier Kategorien zuzuordnen oder stellen eine Kombination aus mehreren dar.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnen die Machiavellisten, die andere in ihrem Sinne manipulieren, dies auf verschiedene Weisen tun: <strong>Manipulieren<\/strong> kann man, indem man l\u00fcgt, indem man andere erpresst oder ausgrenzt und dadurch psychischen Druck und Angst aufbaut. Manipulation kann auch bedeuten, dass man andere ungerecht behandelt und ihnen eine <strong>Falle stellt<\/strong>, um sie dann \u00f6ffentlich der Dummheit oder groben Fahrl\u00e4ssigkeit zu beschuldigen.<\/p>\n<p>Die Methoden k\u00f6nnen simpel sein, in ihrer Wirkung jedoch trotzdem fatal. Ein Beispiel gef\u00e4llig? F\u00fchrungskraft A m\u00f6chte Mitarbeiter B loswerden. Deshalb geht F\u00fchrungskraft A zu Mitarbeiter C und fragt diesen, was denn Mitarbeiter B konkret im Team leiste \u2013 er sehe dies n\u00e4mlich nicht. Mitarbeiter C f\u00fchlt sich \u00fcberrumpelt und beichtet Mitarbeiter B, zu dem er ein gutes Verh\u00e4ltnis hat, dass F\u00fchrungskraft A bei ihm vorstellig wurde.<\/p>\n<p>Mitarbeiter B f\u00fchlt sich gemobbt und beginnt, wie f\u00fcr Mobbingopfer typisch, an sich zu zweifeln. So macht er erst kleinere und, nachdem er im weiteren Verlauf von F\u00fchrungskraft A scharf darauf angesprochen wird, zunehmend gr\u00f6\u00dfere Fehler, weil der psychische Druck ihm zusetzt. Er zweifelt immer mehr an sich und verl\u00e4sst am Ende das Unternehmen \u2013 F\u00fchrungskraft A hat ihr Ziel erreicht. Das ist das T\u00fcckische an den geschickteren unter den Psychopathen: Sie k\u00f6nnen <strong>andere in den Wahnsinn treiben<\/strong> und Existenzen zerst\u00f6ren, ohne sich auf dem Papier etwas zuschulden kommen zu lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Einsch\u00fcchtern, erpressen und terrorisieren<\/h2>\n<p>Unter Druck setzen, drohen, qu\u00e4len, einsch\u00fcchtern, erpressen, terrorisieren \u2013 Psychopathen in F\u00fchrungspositionen verstehen es, <strong>auf vielf\u00e4ltige Weise Angst zu erzeugen<\/strong>, damit die Mitarbeiter nach ihrer Pfeife tanzen. Ihre Opfer haben Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes oder vor Statusverlust. Sie f\u00fcrchten sich davor, blo\u00dfgestellt und l\u00e4cherlich gemacht zu werden. Andere \u00e4ngstigt die Vorstellung, heftig angegangen zu werden, verbal oder sogar mit k\u00f6rperlicher Gewalt oder der Androhung derselben. Was auch immer geeignet sein mag, einen bestimmten Mitarbeiter <strong>in die Enge zu treiben<\/strong>: Ein Psychopath hat ein besonders feines Gesp\u00fcr daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Viele der Klienten, die uns in Beratungsgespr\u00e4chen von ihren Vorgesetzten berichten, haben Angst. Einige von ihnen so sehr, dass sie es vorziehen, freiwillig zu k\u00fcndigen. Andere m\u00fcssen sich in psychologische Behandlung geben. Einige schaffen es, ihre Angst zu unterdr\u00fccken oder zu \u00fcberspielen, sodass sie von ihrem Umfeld nicht bemerkt wird \u2013 was auf lange Sicht ebenfalls gef\u00e4hrlich werden kann. Ein solcher Fall liegt im folgenden Beispiel vor, das wir im O-Ton wiedergeben. Zur Verf\u00fcgung gestellt wurde es uns von einer berufserfahrenen, promovierten Geisteswissenschaftlerin in einer halbstaatlichen Institution.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>\u201eDu wei\u00dft, ich sitze am l\u00e4ngeren Hebel\u201c<\/h2>\n<p><em>Mich besch\u00e4ftigt, was ich wohl schreiben k\u00f6nnte \u00fcber einen Mann, der nach Feierabend durch die B\u00fcros geht, um die Papierk\u00f6rbe seiner Mitarbeiter nach Informationen zu durchsuchen, die er im passenden Moment gegen sie ausspielen k\u00f6nnte. Ein Mann, der Sachverhalte erfindet, L\u00fcgen verbreitet, Ger\u00fcchte streut. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich nichts schreiben werde. Zugegeben, aus Angst. Da gibt es die Redensart: \u201eMan trifft sich immer zweimal im Leben.\u201c Und deswegen \u2013 nein! Solange mich der Mann sozusagen in der Hand hat \u2013 nein! Wom\u00f6glich bekommt er meine Zeilen zu lesen, bringt sie mit mir in Verbindung, und ich bin raus. Egal, welches Beispiel, ich verrate kein einziges. <\/em><\/p>\n<p><em>Man mag denken, meine Zeilen sagen mehr \u00fcber mich als \u00fcber meinen Chef aus. Sicher tun sie das auch, Spekulationen erlaubt. Aber auf der anderen Seite sehe ich viele ehemalige Mitarbeiter, die nicht mehr da sind. Die, die ihm nicht nach dem Munde redeten, die eine eigene Meinung vertreten hatten, die seine Intrigen nicht hinnehmen. <\/em><\/p>\n<p><em>Das Perfide an seinem Herrschaftssystem ist: Wer sein Regime duldet, um nicht rauszufliegen, h\u00e4ngt am Fliegenf\u00e4nger. Man kann das auch Erpressung nennen. \u201eWenn du mich verr\u00e4tst, bist du weg vom Fenster. Ich wei\u00df, welche Leichen du im Keller hast. Im Zweifel wird man mir glauben, nicht dir. Du wei\u00dft, ich sitze am l\u00e4ngeren Hebel.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Diesen Mann umgibt ein Klima der Angst. Und deswegen gibt es auch kein Gerede, gar nichts. Als w\u00fcrde es den Chef und seine Machtspiele gar nicht geben. Alle sind stumm. Zumindest wenn es um ihn geht. Dagegen lautet ansonsten jeder zweite Satz: \u201eIst gut, das werde ich mit Herrn X besprechen. Ist gut, ich gebe das dann so weiter. Ist gut, ich werde Herrn X informieren.\u201c In allen Variationen.<\/em><\/p>\n<p><em>In meiner Position kenne ich andere Abteilungen. Ich kann direkt vergleichen. Die Kollegen dort sind offen! Es sind Kollegen, die sich \u00fcber ihren Vorgesetzen auch mal \u201eauskotzen\u201c, die laut l\u00e4stern und die auch hin und wieder \u2013 sagen wir es ruhig \u2013 Mist erz\u00e4hlen. Aber die sich trauen, alles laut auszusprechen, was sie bewegt. So ist das eben.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p><em>Ich aber bleibe stumm. Punkt!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-680493\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/08\/Cover_Hesse_Schrader_Mein-Chef-ist-irre-002.jpg\" alt=\"\" width=\"428\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/08\/Cover_Hesse_Schrader_Mein-Chef-ist-irre-002.jpg 428w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/08\/Cover_Hesse_Schrader_Mein-Chef-ist-irre-002-198x300.jpg 198w\" sizes=\"auto, (max-width: 428px) 100vw, 428px\" \/><\/p>\n<h1><strong>J\u00fcrgen Hesse und Hans Christian Schrader: <\/strong>&#8222;Mein Chef ist irre &#8211; Ihrer auch?&#8220; 368 Seiten, 17,99 Euro, Econ Verlag\u00a0<strong><a href=\"https:\/\/www.ullstein-buchverlage.de\/nc\/buch\/details\/mein-chef-ist-irre-ihrer-auch-9783430210300.html\">Mein Chef ist irre \u2013 Ihrer auch? &#8211; Paperback | ULLSTEIN (ullstein-buchverlage.de)<\/a><\/strong><\/h1>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h3><\/h3>\n<h2>Am langen Arm verhungert<\/h2>\n<p>Eine andere Methode, Druck aufzubauen, hat der Chef im n\u00e4chsten Beispiel entwickelt. Er h\u00e4lt seinem Mitarbeiter den \u201eWurstzipfel\u201c vor die Nase, um ihn anzutreiben. Au\u00dferdem ist er unberechenbar,<strong> trifft willk\u00fcrliche Aussagen und Entscheidungen und l\u00e4sst den Untergebenen nie zur Ruhe kommen<\/strong>. Ein st\u00e4ndiges Spiel mit der Angst. Wie bei einer Katze, die mit der Maus spielt \u2013 und doch ist klar, dass es am Ende kein Entrinnen gibt. Die Katze gewinnt immer, die Maus \u00fcberlebt nie. Klaus berichtet, was er erlebt hat.<\/p>\n<p><em>Als ich meine zun\u00e4chst auf zwei Jahre befristete T\u00e4tigkeit als Referent im \u00f6ffentlichen Dienst aufnahm, war mein Vorgesetzter bereits seit zehn Jahren Leiter der Bildungseinrichtung. Schon kurz nachdem ich angefangen hatte, lie\u00df er durchblicken, dass er selbst eigentlich auf eine Versetzung auf eine andere, h\u00f6here Position innerhalb des Unternehmens gehofft hatte. Stattdessen war sein bisheriger Stellvertreter versetzt worden. Dessen vakante Stelle hatte ich \u00fcbernehmen d\u00fcrfen \u2013 r\u00fcckblickend ein heikles Erbe. Damals erschien mir das als ein gro\u00dfes Gl\u00fcck, ich war gerade mit meiner Promotion fertig, mein Engagement in der Uni endete.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich wunderte mich, warum er mir das erz\u00e4hlte, dachte mir aber nichts dabei. Ich war ja gl\u00fccklich und zufrieden, denn ich hatte einen neuen Job.<\/em><\/p>\n<p><em>Zun\u00e4chst verlief die Zusammenarbeit zwischen meinem Chef und mir recht gut. Von Anfang an wollte ich durch gute Leistungen und Engagement mein Interesse an meiner Entfristung signalisieren. Und mein Vorgesetzter beurteilte meine Leistungen w\u00e4hrend der Probezeit auch in jeder Hinsicht positiv. <\/em><\/p>\n<p><em>Doch dann ging es los: Meine engagierte Arbeitsweise missfiel ihm zunehmend. Einmal sagte er: \u201eDu musst keinen Rekord aufstellen, wir arbeiten hier nicht im Akkord. Gib nicht immer 120 Prozent, damit machst du es deinen Kollegen nur schwerer.\u201c Bei anderer Gelegenheit warf er mir pl\u00f6tzlich vor, f\u00fcr bestimmte Aufgaben zu viel Zeit zu ben\u00f6tigen. \u201eDaran musst du arbeiten, Klaus. So geht das nicht. Denk nur nicht, dass die Entfristung deines Vertrags schon sicher ist.\u201c <\/em><\/p>\n<p><em>Das passte irgendwie alles nicht zusammen. <\/em><\/p>\n<p><em>In einem Mitarbeitergespr\u00e4ch hagelte es dann ausschlie\u00dflich \u2013 teilweise sogar sehr unsachliche \u2013 Kritik. Nachdem ich auf eine entsprechende Frage meine St\u00e4rken aus eigener Sicht genannt hatte, versuchte mein Vorgesetzter, jede dieser St\u00e4rken zu widerlegen. So wurde aus meiner Aussage \u201eIch bin vielseitig interessiert\u201c ein \u201eJa, du bist vielseitig interessiert, aber du solltest dich f\u00fcr noch mehr Themen interessieren\u201c. Au\u00dferdem warf mir mein Chef vor, dass er viel Zeit in meine Einarbeitung investiert habe. Dass dies zu seinen Aufgaben als Einrichtungsleiter geh\u00f6rte, blendete er wohl bewusst aus. Manche \u00c4u\u00dferungen meines Vorgesetzten hinsichtlich meiner Arbeitsleistung empfand ich als unfair und demotivierend. Besonders bitter war f\u00fcr mich die Gesamtbeurteilung: \u201eZum jetzigen Zeitpunkt bin ich noch unentschlossen, ob ich mich f\u00fcr deine Weiterbesch\u00e4ftigung aussprechen soll.\u201c Eine Entscheidung wollte er sechs Monate sp\u00e4ter treffen. Bis dahin sollte ich zeigen, dass ich es \u201ewert\u201c bin, weiter besch\u00e4ftigt zu werden. <\/em><\/p>\n<p><em>Also riss ich mir f\u00f6rmlich den Allerwertesten auf. Doch am Ende hat das alles nichts genutzt. Mein Chef verweigerte mir, ohne mit der Wimper zu zucken, eine unbefristete Festanstellung, und ich stand mit Ablauf meines Arbeitsvertrags wieder auf der Stra\u00dfe. Nat\u00fcrlich habe ich mich tierisch aufgeregt und mir gedacht: Verdammter Mist, jetzt habe ich mich f\u00fcr nichts und wieder nichts ins Zeug gelegt. Alles gegeben und nichts erreicht! Im Nachhinein betrachtet, bin ich wohl gerade an meinem Engagement gescheitert. Der Chef wollte nicht noch einen Stellvertreter, der durch Leistung auff\u00e4llt und ihm dadurch bei der Bef\u00f6rderung wieder vorgezogen wird. Meine Bem\u00fchungen waren also von Anfang an umsonst gewesen: In seinem Machtbereich hatte ich nie eine Karrierechance gehabt. Wie konnte ich nur so naiv sein!<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Isolieren, ausgrenzen und kaltstellen<\/h2>\n<p>Der Mensch ist ein soziales Wesen. Und wer von anderen Menschen ausgegrenzt wird, leidet. Das beginnt schon im Kindergarten und in der Schule. Auf dem Pausenhof stehen die Gr\u00fcppchen mit den \u201ecoolen\u201c Leuten herum, andere d\u00fcrfen sich nicht dazustellen. Wer nicht dazugeh\u00f6rt, kann sich schnell schrecklich einsam und schmerzlich isoliert f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Auch im Berufsleben ist der gute Kontakt zu anderen enorm wichtig. Meinungsaustausch und konstruktives Feedback sind notwendige Voraussetzungen, um berufliche Probleme erfolgreich l\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Small Talk im B\u00fcro und Treffen in der Kaffeek\u00fcche sind der soziale Kitt, der die Menschen bei der Arbeit zusammenschwei\u00dft. Wer daran nicht teilnehmen kann oder darf, wird zum Au\u00dfenseiter, vereinsamt und ist irgendwann komplett abgeschrieben. Das wissen die psychopathischen Chefs und setzen Ausgrenzung gegen Mitarbeiter gezielt ein, um sie kaltzustellen, in Selbstzweifel zu st\u00fcrzen und schlussendlich loszuwerden.<\/p>\n<p><strong>Isolation<\/strong> ist ein sehr wirkungsvolles Bestrafungsinstrument: Die so betroffene Zielperson ist auf sich allein gestellt. Ihre Umgebung verh\u00e4lt sich abweisend und unfreundlich bis offen feindlich. Unter solchen Umst\u00e4nden kann kaum jemand seine normale Leistung abrufen. Die Ausgrenzung zerrt an den Nerven. Sie f\u00f6rdert Fehler und Unsicherheit \u2013 denn der Betroffene kann sich oftmals nicht wirklich erkl\u00e4ren, warum das alles geschieht.<\/p>\n<p>Die Anzeichen f\u00fcr Ausgrenzung sind vielf\u00e4ltig. Typisch sind zum Beispiel die folgenden Indikatoren:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Der <strong>Vorgesetzte ist nicht mehr erreichbar<\/strong> (Begr\u00fcndung: leider kein Termin frei).<\/li>\n<li>Eine <strong>Strafversetzung in einen Raum weitab<\/strong> von den \u00fcbrigen \u2013 insbesondere von f\u00fcr die Zielperson wichtigen \u2013 Kollegen erfolgt.<\/li>\n<li>Der Betroffene wird von Arbeitskollegen und F\u00fchrenden ignoriert und <strong>wie Luft behandelt<\/strong> (meist wurden ihnen das indirekt nahegelegt).<\/li>\n<li>Die Zielperson wird <strong>vom \u00fcblichen Informationsfluss ausgeschlossen<\/strong> und hat so Schwierigkeiten, ihre Arbeit normal zu erledigen.<\/li>\n<li>Bei der Verteilung von Aufgaben wird das Opfer entweder <strong>\u00fcbergangen oder bekommt gezielt undankbare oder unm\u00f6gliche Aufgaben<\/strong> zugeteilt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wie im Kindergarten kann auch im Berufsleben das Ausgrenzen ganz klein anfangen. Manche Kollegen werden in der Mittagspause demonstrativ nicht mit in die Kantine oder zum Lunch in ein kleines Restaurant in unmittelbarer N\u00e4he mitgenommen, wo dann informelle Kontakte intensiviert und Strippen gezogen werden. So weit, so fast noch normal. Wenn aber Vorgesetzte einige ihrer Mitarbeiter ausgrenzen, dann ist das doch schon etwas anderes und deutlich vernichtender als unter Kollegen. Meistens grenzen Chefs sehr gezielt mit voller Absicht aus. Auch das kann ganz unscheinbar beginnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Ausgrenzung hat viele Facetten<\/h2>\n<p>Ein Abteilungsleiter in der Finanzbranche dreht seine morgendliche Runde und gibt allen Mitarbeitern die Hand, nur einer Kollegin nicht. Warum? Weil sie kein teures Kost\u00fcm tr\u00e4gt wie alle anderen, sondern Bluse und Rock von H&amp;M. Das empfindet der Chef als peinlich, und deswegen ignoriert er die Kollegin v\u00f6llig, als w\u00e4re sie gar nicht im Raum. Er nimmt es pers\u00f6nlich, dass in <em>seiner<\/em> Abteilung (ohne Kundenkontakt!) jemand den unausgesprochenen Dresscode nicht befolgt.<\/p>\n<p>Oft werden solche diskriminierenden Verhaltensweisen verharmlost und als Macken abgetan, nach dem Motto: \u201eDer Chef ist eben ein komischer Typ.\u201c Wie ernst die Lage wirklich ist, wird erst deutlich, wenn die Ausgrenzung zu einem Dauerzustand wird. Wie bei Maria. Seit einiger Zeit kommt sie in der Projektgruppe nicht mehr zu Wort. Vor allem ihr Kollege Maik unterbricht sie jedes Mal, wenn sie beim Meeting etwas sagen will. Der Projektleiter Hanno unterbindet die Unterbrechungen jedoch nicht, im Gegenteil: Er <strong>w\u00fcrgt sie selbst immer h\u00e4ufiger ab<\/strong> oder <strong>ignoriert ihre Wortmeldungen<\/strong>. Maria hat mehrfach versucht, die Probleme anzusprechen \u2013 vergeblich. Ihre Kollegen haben nur mit den Schultern gezuckt. Chef Hanno verbat sich sogar weitere Kritik. Maria kann sich das alles nicht erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Karl-Heinz macht in seiner Firma eine andere Erfahrung: Sobald er sich den Kollegen n\u00e4hert, <strong>verstummen seit einiger Zeit alle Gespr\u00e4che<\/strong>. Sein \u201eGuten Morgen!\u201c findet keinen Widerhall. Wann ist er das letzte Mal gemeinsam mit den anderen zum Mittag gegangen? Das muss schon lange her sein. Und warum hat nie jemand Zeit, wenn Karl-Heinz versucht, ins Gespr\u00e4ch zu kommen? Zu guter Letzt wurde er aus dem Gro\u00dfraumb\u00fcro in ein Einzelzimmer versetzt, das eher eine Kammer ohne Fenster ist \u2013 gleich neben den Toiletten. Dass er sich das bieten lassen muss, obwohl er schon seit 30 Jahren in der Firma arbeitet und immer loyal war! Was ist da nur los?<\/p>\n<p>Ausgrenzung hat viele Facetten und kommt in der Arbeitswelt leider sehr, sehr h\u00e4ufig vor. Bei Psychopathen kann schon eine Kleinigkeit der Anlass sein, um eine Ausgrenzungskampagne gegen bestimmte Mitarbeiter in Gang zu setzen. Betroffene kommen dann auf eine Art schwarze Liste und werden systematisch kaltgestellt. Da gibt es keine Bereitschaft, sich mit dem Betroffenen auseinanderzusetzen, den Dialog aufzunehmen, eventuelle Missverst\u00e4ndnisse zu beseitigen, zu vergeben und zu vergessen, irgendwie neu anzufangen. Im Gegenteil, da wird <strong>\u201enachgetreten\u201c<\/strong>, die Daumenschrauben werden noch fester angezogen. Genau das ist es, was f\u00fcr die Betroffenen oft am schwersten zu verdauen ist \u2013 egal, was sie versuchen, sie rennen pl\u00f6tzlich gegen eine Betonwand. Einen solchen Zustand halten die wenigsten Menschen lange aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Ab ins Verlies<\/h2>\n<p><em>Die Wirtschaftsingenieurin Sabine (Anfang 40) bekam es mit einer besonders gef\u00e4hrlichen Chefin zu tun, die sie mehrfach an ihre Grenzen brachte. Sabine arbeitet seit \u00fcber zehn Jahren erfolgreich als Trainerin f\u00fcr einen weltweit agierenden Gesundheitskonzern. Ihr Job ist verbunden mit vielen Flugreisen und Auslandsaufenthalten. Die sprachtalentierte, kluge und sozialkompetente Frau bekommt stets positives Feedback von Trainingsteilnehmern und ihrem Chef. Sie ist gl\u00fccklich, lebt f\u00fcr ihren Beruf, ist Single und widmet sich ihren Aufgaben mit sehr viel Hingabe. Daf\u00fcr wird sie auch gut bezahlt. <\/em><\/p>\n<p><em>Als ihr Chef jedoch in den Ruhestand geht, \u00e4ndert sich die Situation \u2013 zun\u00e4chst schleichend, dann immer schneller. Auf einmal wirft die neue Vorgesetzte ihr vermeintliche Fehler vor, ihre Trainings kommen nicht mehr so gut an oder werden angeblich pl\u00f6tzlich nicht mehr gebraucht, sie f\u00e4llt zunehmend in Ungnade. Irgendwann ist es eindeutig: Die neue Chefin m\u00f6chte sie loswerden. Sabine bekommt ein passables Abfindungsangebot, will dies aber nicht annehmen. Stattdessen will sie wissen, was man ihr eigentlich vorwirft. <\/em><\/p>\n<p><em>Anfangs gibt es w\u00e4hrend dieser Entwicklung noch Gespr\u00e4chskontakte zwischen ihr und ihrer neuen Chefin. Doch dann lehnt diese weitere Auseinandersetzungen ab und teilt ihr ein v\u00f6llig anderes Aufgabengebiet zu. Sabine wird nicht mehr in die weite Welt geschickt und f\u00fchrt keine internationalen Trainings durch. Daf\u00fcr bekommt sie ein Arbeitszimmer im Archivkeller zugewiesen. Dort arbeitet sie allein in einem kleinen, von grellen Neonr\u00f6hren beleuchteten Raum ohne Fenster. Es gibt einen Schreibtisch, aber weder Telefon noch PC. Die neue Aufgabe der erfahrenen, hoch qualifizierten Trainerin: die Akten zu Fortbildungsma\u00dfnahmen der letzten zehn Jahre durchzusehen und neu zu sortieren \u2013 und zwar f\u00fcr \u00fcber 50 L\u00e4nder, in denen der Konzern t\u00e4tig ist. Eine Sisyphos-Aufgabe ohne jeglichen Sinn. Sabine h\u00e4lt das vier Wochen durch, dann f\u00e4llt sie in eine schwere Depression. Klinikaufenthalt und Reha sind die Folge. Nach einem halben Jahr kehrt sie wieder zur\u00fcck und \u201edarf\u201c im Archiv unter genau denselben Bedingungen weiterarbeiten. <\/em><\/p>\n<p><em>Schon hier ist niemandem mehr im Umfeld von Sabine verst\u00e4ndlich, warum sie sich das antut, und vor allem, warum sie sich nicht angemessen zur Wehr setzt. Aber nein, Sabine h\u00e4lt stoisch einige weitere Monate stand. Dann hat ihre Resilienz ihre Grenzen erreicht: Sie unternimmt einen Suizidversuch. <\/em><\/p>\n<p><em>Nach einem weiteren Klinikaufenthalt und einer l\u00e4ngeren Reha-Ma\u00dfnahme schalten sich ihre engsten Freunde vehementer ein. Sie reden Sabine lange ins Gewissen, sich nicht zur M\u00e4rtyrerin zu machen, endlich mit ihrem Selbstzerst\u00f6rungsprogramm aufzuh\u00f6ren und sich einfach einen anderen Job zu suchen. Ohne Erfolg. Sabine zeigt sich stur und beratungsresistent. Trotz guter Prozessaussichten nimmt sie sich nicht einmal einen Anwalt. Quasi freiwillig geht sie erneut zur\u00fcck in ihr Gef\u00e4ngnis und arbeitet in ihrem isolierten Kellerjob weiter \u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Inzwischen sieht Sabine mindestens zehn Jahre \u00e4lter aus, als sie ist. Sie nimmt permanent Medikamente und wei\u00df schon gar nicht mehr, was sie mehr f\u00fcrchtet: die n\u00e4chste gesundheitliche Episode oder weitere Schikanen der Chefin. <\/em><\/p>\n<p><em>Als diese schlie\u00dflich bef\u00f6rdert wird, tritt eines Tages ein neuer Chef in Sabines Verlies. \u201eWas machen Sie eigentlich hier?\u201c, will er als Erstes von ihr wissen. Sabine wird nach mehr als drei unertr\u00e4glich schweren Jahren tats\u00e4chlich aus der Isolationshaft in ihrem Verlies befreit. Sie bekommt ein neues Arbeitsgebiet und wird endlich wieder wie ein Mensch behandelt. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Beweggr\u00fcnde ihrer ehemaligen Chefin f\u00fcr das schreckliche Verhalten ihr gegen\u00fcber kennt Sabine bis heute nicht. Keiner ihrer Freunde oder anderen Personen in Sabines Umgebung versteht, warum sie sich das alles hat antun lassen. Warum sie das Martyrium stoisch beinahe bis in den Tod ertrug und nichts dagegen wirklich unternommen hat, kann niemand nachvollziehen. Auch wenn sie jetzt wieder in einer besseren Arbeitssituation ist, bleibt es ihrem Umfeld ein R\u00e4tsel, wie all das passieren konnte. Und noch etwas bleibt: die Bef\u00fcrchtung, dass Sabine sich auch in Zukunft nicht wehren wird, wenn ihr Unrecht widerf\u00e4hrt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Das f\u00fcnfte Rad am Wagen<\/h2>\n<p>Eine andere Geschichte bekamen wir von einem gestandenen Manager erz\u00e4hlt, der sich selbst nie hatte vorstellen k\u00f6nnen, einmal so kleingemacht zu werden, wie er es bei seiner T\u00e4tigkeit f\u00fcr eine Tochterfirma des Konzerns im Ausland erlebte.<\/p>\n<p><em>Seit drei Jahren arbeite ich als Entsendeter in einer Tochtergesellschaft meiner Firma in Oslo. Dort verantworte ich das Controlling als Teil des nationalen Managements. Wir sind ein internationales Team, aber die meisten Mitarbeiter sind Norweger, so wie mein Chef Gunnar. Er ist ein eloquenter, schlagfertiger Pr\u00e4sentator, ein Showman, ein exzellenter Unterhalter und Gastgeber bei gesch\u00e4ftlichen Anl\u00e4ssen und dank dieser Qualit\u00e4ten \u00fcber alle Hierarchie-Ebenen hinweg sehr beliebt. Als ich neu nach Oslo kam, war er auch zun\u00e4chst sehr nett und hilfsbereit. Ich dachte echt, ich k\u00f6nnte ihm vertrauen und w\u00fcrde einen fast v\u00e4terlichen Freund in ihm finden. <\/em><\/p>\n<p><em>Als wir irgendwann ein bisschen enger miteinander waren, kam er pl\u00f6tzlich auf mich zu und bat um ein Vieraugengespr\u00e4ch: \u201eH\u00f6r zu, die Ergebnisse waren im letzten Quartal nicht so besonders. Ich wei\u00df das, und du siehst es auch. Aber sei da nicht so streng. Dieser Standort ist wichtig, nicht nur f\u00fcr den Konzern. Es h\u00e4ngen auch Arbeitspl\u00e4tze und Existenzen davon ab.\u201c Die Situation war mir unangenehm, denn ich nehme meine Arbeit ernst und bin eigentlich niemand, der an Zahlen herumdreht. Au\u00dferdem gefiel mir der moralische Druck nicht, den Gunnar aufbaute \u2013 ich empfand das als unprofessionell und unfair. Also spielte ich sein Spiel nicht mit: \u201eDas mag sein, Gunnar. Aber die Zahlen sind nun mal so, wie sie sind. Daran kann und werde ich auch nichts \u00e4ndern.\u201c <\/em><\/p>\n<p><em>Seitdem prallen wir in beruflichen Fragen immer h\u00e4ufiger aufeinander. Und nicht nur das. In Besprechungen dreht er mir die Worte im Mund herum und bewertet die Sachlage meist anders als ich \u2013 sehr oft zudem nicht der Realit\u00e4t entsprechend. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Kollegen bekommen die Wandlung in unserer Arbeitsbeziehung nat\u00fcrlich deutlich mit. Unser Verh\u00e4ltnis verschlechtert sich immer weiter. Im B\u00fcro hat er kein gutes Wort f\u00fcr mich \u00fcbrig. St\u00e4ndig ist er am Sticheln und versucht, mich vor den Kollegen l\u00e4cherlich zu machen und herabzusetzen. Er tut so, als sei ich \u201eanders\u201c als alle anderen, irgendwie nicht \u201erichtig\u201c und unn\u00f6tig pingelig. Einmal sagte er: \u201eLeute, da ist der Korinthenkacker aus Deutschland wieder. H\u00f6rt nicht auf den Controller, sonst k\u00f6nnen wir die Firma gleich dichtmachen.\u201c Zu allen anderen Kollegen ist er immer noch sehr nett, sucht das Gespr\u00e4ch, tauscht sich aus, scherzt und erz\u00e4hlt aus seinem Privatleben. Daf\u00fcr nimmt er sich Zeit. Zu mir kommt er dagegen nur, wenn es unbedingt n\u00f6tig ist. Dann ist er kurz angebunden, sehr unterk\u00fchlt und auch schnell wieder weg. <\/em><\/p>\n<p><em>Beim Mittagstisch, den wir in der Regel als Team zusammen im B\u00fcro einnehmen, spricht er vornehmlich in der Landessprache \u2013 obwohl er wei\u00df, dass ich diese nicht so gut beherrsche. Immer wieder habe ich dabei den Eindruck, dass er Witze auf meine Kosten macht. Die anderen lachen dann und schauen mich ein bisschen komisch, fast schon mitleidig an. Das hat unter anderem dazu gef\u00fchrt, dass ich am gemeinsamen Mittagessen nicht mehr teilnehme und erst sp\u00e4ter zu Mittag esse. <\/em><\/p>\n<p><em>Auch sonst f\u00fchle ich mich wie das f\u00fcnfte Rad am Wagen. Gunnar gibt Weisungen an meine Mitarbeiter aus, ohne mich einzubeziehen. Und er hat eine neue Position im Management geschaffen, die die Ergebnisse des Controllings absegnen und abzeichnen muss. De facto hat er es also geschafft, mich nahezu \u00fcberfl\u00fcssig zu machen. Es ist jedes Mal ein z\u00e4hes Ringen \u2013 und meistens kann ich mich dabei nicht durchsetzen. Eigentlich bin ich inzwischen total isoliert \u2013 nicht nur menschlich, sondern auch professionell. Inzwischen \u00fcberlege ich ernsthaft, den Arbeitgeber zu wechseln. Dabei w\u00fcrde mich das doppelt schmerzen, denn Gunnars Masche kann ich ja nicht guthei\u00dfen. Aber ich bef\u00fcrchte, wenn ich damit zu lange warte, kommt irgendwann unvermittelt der Tag, an dem ich abges\u00e4gt werde. Und diese Dem\u00fctigung und den triumphierenden Blick von Gunnar m\u00f6chte ich nicht erleben m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>T\u00e4uschen, l\u00fcgen und betr\u00fcgen<\/h2>\n<p>Wahrscheinlich hat jeder Mensch schon mehrfach in seinem (Arbeits-)Leben gelogen, um sich Vorteile zu verschaffen \u2013 die einen mehr, die anderen weniger. Der eine hat vielleicht bei einer Reisekostenabrechnung, einer Bewirtung oder beim Sammeln von Flugmeilen ein bisschen getrickst, der andere bei einer nervigen, irrelevanten Aufgabe geschummelt. In der Regel bleiben solche kleinen \u201eNotl\u00fcgen\u201c und Betr\u00fcgereien Einzelf\u00e4lle und wirken sich nicht wirklich gravierend aus. Die meisten Menschen w\u00e4ren wahrscheinlich auch gar nicht in der Lage, dauerhaft mit folgenschweren L\u00fcgen und Unwahrheiten zu leben. Sie wissen, wann sie etwas Falsches getan haben, und k\u00e4men mit massiven Schuldgef\u00fchlen irgendwann gar nicht mehr klar \u2013 daf\u00fcr sorgt bei gesunden Menschen das Gewissen.<\/p>\n<p>Ein ganz anderes Verh\u00e4ltnis zum L\u00fcgen und Betr\u00fcgen haben dagegen Psychopathen. <strong>Sie scheren sich nicht um Moralvorstellungen und kennen keine Schuldgef\u00fchle.<\/strong> Unwahrheiten und alternative Fakten sind f\u00fcr sie Mittel zum Zweck, frei nach dem Motto: legal, illegal, schei\u00dfegal. L\u00fcgen wie die Folgenden geh\u00f6ren zum Standardrepertoire von F\u00fchrungskr\u00e4ften mit Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>angebliches Fachwissen und \u00dcberlegenheit vort\u00e4uschen<\/strong><\/li>\n<li><strong>sich mit fremden Federn schm\u00fccken<\/strong><\/li>\n<li><strong>Versprechungen machen, die nie eingehalten werden<\/strong><\/li>\n<li><strong>Ger\u00fcchte streuen, um das Ansehen des Opfers zu zerst\u00f6ren<\/strong><\/li>\n<li><strong>mit einem angeblichen \u201eSachzwang\u201c operieren, den es nicht gibt<\/strong><\/li>\n<li><strong>Scheinmitbestimmung und Pseudodemokratie praktizieren<\/strong><\/li>\n<li><strong>Heuchelei<\/strong><\/li>\n<li><strong>Irref\u00fchrung, T\u00e4uschung, Desinformation<\/strong><\/li>\n<li><strong>Betrug mit justiziablem, kriminellen Ausma\u00df<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die folgenden Geschichten erz\u00e4hlen Beispiele f\u00fcr Angriffe auf Angestellte mit einigen dieser waffenscheintr\u00e4chtigen Formen der L\u00fcge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>\u201eIst der Ruf erst ruiniert &#8230;\u201c<\/h2>\n<p>So ungeniert wie im Sprichwort lebt es sich in der Arbeitswelt leider eher nicht, wenn einem jemand nach dem Ruf trachtet \u2013 insbesondere, wenn es sich dabei um den Vorgesetzten handelt. Im Gegenteil: Angriffe auf die Reputation k\u00f6nnen das Berufsleben des Betroffenen nachhaltig zerst\u00f6ren. Und das nicht nur am aktuellen Arbeitsplatz: Wer einmal so richtig demontiert wurde, wird damit insbesondere innerhalb seiner Branche wahrscheinlich immer wieder konfrontiert werden. Firmen\u00fcbergreifende \u201eInsidergespr\u00e4che\u201c bei Stammtischen, in Kommentaren in sozialen Medien und jede andere Form von Klatsch und Tratsch sind in fast jeder Branche weitverbreitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Erst wunderte Katja sich, dass so viele Kolleginnen und Kollegen in der Bankzentrale sie von einem Tag auf den anderen eigenartig angrinsten. Als sie zum Aufzug ging, tuschelte eine dort bereits wartende Gruppe zun\u00e4chst auff\u00e4llig und schwieg dann pl\u00f6tzlich, als sie sich n\u00e4herte. Solche Ph\u00e4nomene h\u00e4uften sich eine ganze Weile. Dann kamen auch noch anz\u00fcgliche Bemerkungen von Kollegen hinzu: \u201eIch habe geh\u00f6rt, Sie sind eine emanzipierte Frau, die Abwechslung liebt. Ich bin da ganz Ihrer Meinung.\u201c Nach und nach wurden die Bemerkungen sogar noch konkreter. <\/em><\/p>\n<p><em>Irgendwann war es genug, und Katja stellte einen Kollegen zur Rede. Er antwortete: \u201eIch h\u00e4tte nicht gedacht, dass Sie die Sache selbst ansprechen. Aber glauben Sie wirklich, es ist w\u00f6rtlich gemeint, wenn es hei\u00dft, wir sollten unsere Kunden umarmen? Das schadet dem Ansehen unseres Hauses. Es ist sicher Ihre Angelegenheit, mit wem Sie privat Umgang pflegen. Aber lassen Sie bitte die Kollegen und vor allem die Kunden aus dem Spiel. Wir sind eine Bank und kein Vergn\u00fcgungsverein.\u201c<\/em><\/p>\n<p><em>Das sa\u00df. Katja erfuhr auf diesem Wege als Letzte, dass Ger\u00fcchte \u00fcber ihr angebliches Sexualverhalten die Runde gemacht hatten. Sie zermarterte sich den Kopf, weil sie sich nicht erkl\u00e4ren konnte, wer sie gestreut haben k\u00f6nnte und warum. War es der geplatzte Kredit, den sie einem Kunden gegeben hatte? Wollte man sie deswegen loswerden? Oder hatte ihr Chef selbst ein Auge auf sie geworfen und war entt\u00e4uscht, dass sie sich ihm gegen\u00fcber stets sachlich und professionell verhielt? Letztlich war es auch egal: In dieser vergifteten Atmosph\u00e4re wollte Katja nicht weiterarbeiten. So begann sie, nach einem neuen Job zu suchen. <\/em><\/p>\n<p><em>Doch die ersten Vorstellungsgespr\u00e4che bei anderen Banken verliefen erfolglos. Zun\u00e4chst konnte Katja sich nicht erkl\u00e4ren, warum. Erst, als bei einem der Job-Interviews eine merkw\u00fcrdige Bemerkung fiel, d\u00e4mmerte es Katja: \u201eIch habe geh\u00f6rt, Sie k\u00f6nnen gut mit Kunden \u2026\u201c Offenbar reichte die Macht des Ger\u00fcchtestreuers, der ihr am aktuellen Arbeitsplatz den Ruf ruiniert hatte, auch \u00fcber das Unternehmen hinaus. Erst als Katja sich in einer anderen Stadt bewarb, fand sie endlich eine neue Stelle und konnte wieder in Ruhe arbeiten, ohne sich mit ehrverletzenden Behauptungen herumschlagen zu m\u00fcssen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Der Phantom-Chef<\/h2>\n<p>Einer unserer Klienten arbeitete eine Zeit lang in einem Start-up. Der Gr\u00fcnder und Chef an diesem Arbeitsplatz belog ihn nicht nur, er entpuppte sich am Ende sogar als krimineller Betr\u00fcger.<\/p>\n<p><em>\u201eWir kommen mit unserem Produkt ganz gro\u00df raus. Nicht kleckern, sondern klotzen. Deutschland ist erst der Anfang, wir wollen mehr: in Europa und weltweit verkaufen.\u201c Mit diesen hochtrabenden Zielen empfing mich mein k\u00fcnftiger Chef, der Gr\u00fcnder einer Online-Lernplattform, zum Vorstellungsgespr\u00e4ch. <\/em><\/p>\n<p><em>Nach erfolgreicher Teilnahme an einem Assessment-Center-Auswahlverfahren erhielt ich das Jobangebot bereits am n\u00e4chsten Tag. In dem jungen Start-up herrschte Chaos. Das irritierte mich zwar etwas, ich schrieb es aber dem kreativen Anspruch der Plattform zu. Daf\u00fcr hatten alle, die dort arbeiteten, tolle Jobtitel. Der Gr\u00fcnder war nat\u00fcrlich CEO, seine Assistenz hatte COO (Chief Operating Officer) auf der Visitenkarte stehen. Ich selbst wurde zum Senior Marketing Manager ernannt und sollte vornehmlich vom Homeoffice aus arbeiten. <\/em><\/p>\n<p><em>Mein Chef hatte zwar die Angewohnheit, mich zu allen m\u00f6glichen Tages- und Nachtzeiten anzurufen. Ging ich nicht ans Telefon, hinterlie\u00df er mir lange Voicemails. Aber anfangs gab er sich eher als der lockere, sympathische Kumpeltyp. <\/em><\/p>\n<p><em>Dann schlich sich etwas anderes in unsere Arbeitsbeziehung ein: Immer seltener waren er und seine Assistenz zu erreichen. Es gab auch kaum noch Meetings und auch sonst keine nennenswerten Aktivit\u00e4ten. Von der Produktentwicklung bekam ich nichts mehr mit, konnte also auch keine Marketingkonzepte entwickeln oder Prototypen bei Kunden testen. Aus dem Kumpel-Chef war ein Phantom-Chef geworden. Und dann kam, was wohl kommen musste: Mein n\u00e4chstes Gehalt wurde versp\u00e4tet bezahlt, das darauffolgende gar nicht. Auf meine Nachfrage hin wurde ich beschwichtigt: \u201eSorry, aber das wird. Wir haben neue Investoren, es dauert nicht mehr lange. Versprochen!\u201c Als auch das n\u00e4chste Gehalt ausblieb, wurden meine Anrufe und Mails v\u00f6llig ignoriert. <\/em><\/p>\n<p><em>Eine Nachricht erhielt ich dann doch noch, kurz vor Ende meiner Probezeit: meine K\u00fcndigung. Es h\u00e4tte \u201eeinfach nicht so gut gepasst\u201c. Meine ausstehenden Geh\u00e4lter musste ich mithilfe eines Anwalts einklagen. Aber wo nichts mehr ist, ist auch nichts zu holen. Leider. <\/em><\/p>\n<p><em>Monate sp\u00e4ter erhielt ich dann auch noch eine Ladung des Landeskriminalamtes, wo ich als Zeuge zum Gesch\u00e4ftsgebaren meines Ex-Chefs geh\u00f6rt wurde. Es stellte sich heraus, dass er dem LKA aus fr\u00fcheren Aktivit\u00e4ten bekannt war und dass er sich des Subventionsbetrugs schuldig gemacht hatte. <\/em><\/p>\n<p><em>Eine Arbeitserfahrung, die man kein zweites Mal braucht \u2026 \u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Mit fremden Federn geschm\u00fcckt<\/h2>\n<p>Psychopathen sind stets auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Einige von ihnen stehen gern im Rampenlicht. Daf\u00fcr scheuen sie nicht davor zur\u00fcck, sich <strong>mit fremden Federn zu schm\u00fccken und ihre Untergebenen hemmungslos auszubeuten.<\/strong><\/p>\n<p>Sich die Leistungen anderer unter den Nagel zu rei\u00dfen, ist noch nicht einmal ein Spezialgebiet der Psychopathen; viele Chefs tun das. In etlichen Branchen ist es \u00fcblich, dass Mitarbeiter, Assistenten oder Trainees Konzepte erstellen oder Artikel schreiben, und am Ende schauen die Vorgesetzten kurz dr\u00fcber und ver\u00f6ffentlichen die Papiere unter ihrem Namen. Viele Abteilungsleiter oder noch h\u00f6here F\u00fchrungskr\u00e4fte schm\u00fccken sich auf diese Weise mit fremden Federn, n\u00e4mlich mit denen ihrer Mitarbeiter. In einer hierarchischen Organisation geht das meist relativ problemlos vonstatten: Ober sticht Unter. Wer unten ist, will sich bei den Oberen ja nicht unbeliebt machen und l\u00e4sst sich das gefallen. Bei Psychopathen nimmt dieses leider nicht un\u00fcbliche Ph\u00e4nomen allerdings besondere Ausma\u00dfe an.<\/p>\n<p>Auch in Projekten mit freiberuflichen Mitarbeitern ist Machtgehabe an der Tagesordnung. Auf einmal strebt eine Person in einem Team von Gleichberechtigten nach H\u00f6herem und reklamiert pl\u00f6tzlich alle Erfolge f\u00fcr sich. Ein Mitarbeiter einer Projektgruppe berichtete uns von so einem \u201eKollegen\u201c, der f\u00fcr die Kundenakquise zust\u00e4ndig war. Dieser agierte nach au\u00dfen stets so, als sei er der Boss. Er vermied es bei Kundenkontakten sogar gezielt, zu erw\u00e4hnen, dass \u00fcberhaupt noch andere am Projekt beteiligt waren. Und erst recht nicht wollte er die Provision teilen, die durch das erfolgreiche Projekt f\u00fcr alle Beteiligten im Team herausspringen sollte \u2013 so war jedenfalls die urspr\u00fcngliche Absprache gewesen. Bei einer Team-Konferenz schrie er die anderen Projektmitarbeiter an, dass die Provision doch ganz allein durch ihn und sein Engagement zustande gekommen sei. Deshalb st\u00fcnde sie ihm nun auch allein zu. Jedes andere Teammitglied k\u00f6nne ja schlie\u00dflich vom Renommee des Projekts profitieren und dank ihm weitere lukrative Projekte an Land ziehen.<\/p>\n<p>Auch in der Tech-Branche schm\u00fccken sich die \u201eVision\u00e4re\u201c sehr gern mit den Leistungen ihrer Mitarbeiter in den Entwicklungsabteilungen. Doch nirgends ist das Prinzip, sich mit fremden Federn zu schm\u00fccken, so etabliert und wird so wenig hinterfragt wie an <strong>Hochschulen<\/strong>. In diesem ganz besonderen Hierarchie-Biotop gilt die Aneignung von geistigem Eigentum als schlichtweg normal. Leider muss man auch heute noch konstatieren: Das r\u00fccksichtslose Streben nach wissenschaftlichen Meriten und Ansehen in der Scientific Community geht in der Arbeitsrealit\u00e4t oft einher mit gnadenloser Ausbeutung und unzureichender, manchmal g\u00e4nzlich fehlender Wertsch\u00e4tzung der abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten.<\/p>\n<p>\u201eAutorin oder Autor ist nur, wer einen wesentlichen Beitrag zu einer wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichung geleistet hat.\u201c Diese Empfehlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bleibt im Wissenschaftsbetrieb allerdings h\u00e4ufig Wunschdenken. Die Vorgesetzten an den Hochschulen, oft Professoren und andere hoch in der Hierarchie angesiedelte Leiter von Forschungsprojekten, nehmen es in Bezug auf die Autorenschaft ihrer Ver\u00f6ffentlichungen mitunter nicht so genau. Gern und v\u00f6llig selbstverst\u00e4ndlich reklamieren sie die Leistungen von Mitarbeitenden f\u00fcr sich \u2013 so wie im folgenden Beispiel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Im Rahmen eines Forschungsprojekts verfassten die promovierte Sozialwissenschaftlerin Daniela und ihre Kolleginnen zahlreiche Artikel, die in Fachzeitschriften erschienen. F\u00fcr alle Ver\u00f6ffentlichungen reklamierte die Projektleiterin jedoch ihre Autorenschaft. Sie bestand darauf, neben dem jeweiligen Mitarbeitenden als Co-Autorin genannt zu werden \u2013 ohne dass sie einen nennenswerten Beitrag zu den jeweiligen Publikationen geleistet h\u00e4tte. Daniela wunderte sich nur bedingt dar\u00fcber \u2013 sie war eben die Projektleiterin. <\/em><\/p>\n<p><em>Wenn wir ehrlich sind, stellt Daniela r\u00fcckblickend frustriert fest, ist das Diebstahl und Betrug. Es wird allerdings nicht so wahrgenommen, weil die M\u00e4chtigen es als ihr gutes Recht ansehen. Sie glauben, sie nehmen sich, was ihnen \u201ezusteht\u201c. Wahrscheinlich haben sie fr\u00fcher \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht, als sie selbst noch wissenschaftliche Mitarbeiter waren und ihre damaligen Professoren sich ebenfalls als Autoren ihrer Arbeiten haben feiern lassen \u2013 ein Perpetuum mobile der Ungerechtigkeiten.<\/em><\/p>\n<p><em>Daniela wollte diese dreiste Aneignung von geistigem Eigentum nicht l\u00e4nger hinnehmen. Sie beschloss, ihre Vorgesetzte beim n\u00e4chsten Fachartikel nicht mehr als Co-Autorin anzugeben \u2013 und zog es durch. <\/em><\/p>\n<p><em>Doch dadurch machte sie sich an ihrer Universit\u00e4t keine Freunde. \u201eMeine Chefin hat mich massiv unter Druck gesetzt und mir gedroht, dass ich nicht mehr an Ver\u00f6ffentlichungen mitarbeiten d\u00fcrfe\u201c, berichtet Daniela. \u201eAls ich mich beim Fachbereichsleiter \u00fcber sie beschwerte, h\u00f6rte der mir zwar zu und versicherte mir, sich der Sache anzunehmen. Aber was passierte? Nach Ablauf des Semesters wurde meine Projektmitarbeit nicht verl\u00e4ngert, offiziell aus \u201aBudget-Gr\u00fcnden\u2018. Zum Gl\u00fcck hatte ich mich bereits auf eine Stelle an einer anderen Universit\u00e4t beworben. Ich ahnte schon, wie der Hase l\u00e4uft. Die Machtverh\u00e4ltnisse waren eindeutig.\u201c <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<article id=\"post-677337\" class=\"post-677337 post type-post status-publish format-standard hentry category-allgemein tag-anwalte tag-juve-awards-2021 tag-kanzleien tag-nominierte tag-nominierungen\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-677338\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/Blogger-Relevanzindex_Top20Blogs_A-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/Blogger-Relevanzindex_Top20Blogs_A-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/Blogger-Relevanzindex_Top20Blogs_A.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten. Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/article>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug von J\u00fcrgen Hesse und Hans Christian Schrader: &#8222;Mein Chef ist irre &#8211; Ihrer auch?&#8220; &nbsp; &nbsp; Das Waffenarsenal psychopathischer Chefs Es gibt nicht nur ganz unterschiedliche psychopathische Chef-Typen; sie benutzen auch unterschiedliche Waffen im t\u00e4glichen Kampf um ihren Erfolg, &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/08\/19\/buchauszug-juergen-hesse-und-hans-christian-schrader-mein-chef-ist-irre-ihrer-auch\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[10965,1890,4140,10964,10963],"class_list":["post-680491","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-mein-chef-ist-irre-ihrer-auch","tag-buchauszug","tag-econ-verlag","tag-hans-christian-schrader","tag-juergen-hesse"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/680491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=680491"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/680491\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":680494,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/680491\/revisions\/680494"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=680491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=680491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=680491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}