{"id":679321,"date":"2022-03-29T17:00:29","date_gmt":"2022-03-29T15:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=679321"},"modified":"2022-03-29T09:42:23","modified_gmt":"2022-03-29T07:42:23","slug":"buchauszug-andreas-noelke-exportismus-die-deutsche-droge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/03\/29\/buchauszug-andreas-noelke-exportismus-die-deutsche-droge\/","title":{"rendered":"Buchauszug Andreas N\u00f6lke: \u201eExportismus. Die deutsche Droge\u201c"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Buchauszug Andreas N\u00f6lke: \u201eExportismus. Die deutsche Droge\u201c<\/h1>\n<p>Westend Verlag, 2021, <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/exportismus\/\">https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/exportismus\/<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_679322\" style=\"width: 439px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-679322\" class=\"size-full wp-image-679322\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/03\/Noelke.andreas_noelke-e1648456231958.jpg\" alt=\"\" width=\"429\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/03\/Noelke.andreas_noelke-e1648456231958.jpg 429w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/03\/Noelke.andreas_noelke-e1648456231958-241x300.jpg 241w\" sizes=\"auto, (max-width: 429px) 100vw, 429px\" \/><p id=\"caption-attachment-679322\" class=\"wp-caption-text\">Andreas Noelke (Foto Westend Verlag\/PR)<\/p><\/div>\n<h1><\/h1>\n<h1><\/h1>\n<h1>Warum die deutsche Exportabh\u00e4ngigkeit in Zukunft ein gro\u00dfes Risiko darstellt<\/h1>\n<p>Die ausgepr\u00e4gte Exportabh\u00e4ngigkeit der deutschen Wirtschaft hat zwar in den letzten 15 Jahren zu einem soliden Wirtschaftswachstum und einer geringen Arbeitslosigkeit gef\u00fchrt, weist aber auch deutliche Nachteile auf. Vor der wachsenden \u00f6konomischen und sozialen Ineffizienz (Kapitel 3) stehen in diesem Kapitel zun\u00e4chst die problematischen Wechselwirkungen mit anderen \u00d6konomien im Vordergrund.<\/p>\n<p>Zum einen f\u00fchrt eine starke Exportorientierung leicht zu Konflikten mit anderen Wirtschaftsr\u00e4umen. Zum anderen f\u00fchrt sie insbesondere auch zu einer starken Abh\u00e4ngigkeit von \u00f6konomischen und politischen Entwicklungen in diesen R\u00e4umen. Andere Nationen k\u00f6nnen aufgrund der starken Rolle der Binnenwirtschaft \u00fcber ihr eigenes Schicksal selbst bestimmen, Deutschland ist dagegen vollkommen von internationalen Entwicklungen abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die internationalen Rahmenbedingungen f\u00fcr das deutsche Exportmodell in den vergangenen beiden Dekaden\u00a0\u2013 insbesondere wegen des Aufstiegs der gro\u00dfen Schwellenl\u00e4nder\u00a0\u2013 sehr g\u00fcnstig waren, verkehren sie sich nun aber in ihr Gegenteil, insbesondere im Kontext des kommenden Systemkonflikts zwischen China und den USA.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Wann f\u00fchren \u00dcbersch\u00fcsse zu Konflikten?<\/h1>\n<p>In der letzten Dekade wurde Deutschland h\u00e4ufig beschuldigt, mit seinen Au\u00dfenhandels\u00fcbersch\u00fcssen anderen \u00d6konomien zu schaden. Das war (zumindest au\u00dferhalb Deutschlands) ein gro\u00dfes Thema w\u00e4hrend der Eurokrise, wurde danach vor allem vom ehemaligen US-Pr\u00e4sidenten Trump angesprochen und zuletzt auch von den gro\u00dfen internationalen Wirtschaftsinstitutionen artikuliert.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick klingen diese Vorw\u00fcrfe vielleicht kontraintuitiv. \u00dcbersch\u00fcsse sind im Volksmund\u00a0\u2013 und in einer einzelwirtschaftlichen (unternehmerischen) Perspektive\u00a0\u2013 ja positiv besetzt, Defizite negativ (Kapitel 5).<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst m\u00fcssen wir also kl\u00e4ren, warum starke Exportorientierung \u00fcberhaupt zu Konflikten mit anderen Wirtschaften f\u00fchren kann. Nicht jeder \u00dcberschuss ist gleicherma\u00dfen ein Problem. Hier m\u00fcssen wir zwischen Handels- und Leistungsbilanz unterscheiden.<\/p>\n<p>Der Titel des \u00bbExportweltmeisters\u00ab bezieht sich im Volksmund normalerweise auf die Handelsbilanz, also einen \u00dcberschuss beim Export von Waren \u00fcber die Importe. Hier liegt derzeit China vorne, Deutschland ist \u00bbVizeweltmeister\u00ab in Bezug auf das Volumen von Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wesentlich relevanter ist allerdings die Leistungsbilanz, die als weitere wichtige Posten auch Dienstleistungen, Erwerbs- und Verm\u00f6genseinkommen (insbesondere aus Kapitalanlagen im Ausland) und \u00dcbertragungen (zum Beispiel Entwicklungshilfe oder Heimat\u00fcberweisungen ausl\u00e4ndischer Arbeitnehmer) mit einbezieht. Hier liegt Deutschland seit etwa zehn Jahren global vorne und hat andere \u00d6konomien mit traditionell hohen Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcssen (China, Japan) deutlich hinter sich gelassen, wie Christian Grimme f\u00fcr den ifo Schnelldienst dokumentiert hat.<\/p>\n<p>Sowohl (dauerhafte, gro\u00dfe) \u00dcbersch\u00fcsse in der Handelsbilanz als auch jene in der Leistungsbilanz stehen in der Kritik, allerdings aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden und mit unterschiedlicher Intensit\u00e4t.<\/p>\n<p>L\u00e4nder mit einem dauerhaft hohen Export\u00fcberschuss (insbesondere China) k\u00f6nnen in anderen L\u00e4ndern zu einer Deindustrialisierung f\u00fchren. Der Aufstieg Chinas zur \u00bbWerkbank der Welt\u00ab hat in vielen anderen L\u00e4ndern zur Schlie\u00dfung von Fabriken gef\u00fchrt. Man spricht daher bei hohen Export\u00fcbersch\u00fcssen polemisch von einem \u00bbExport von Arbeitslosigkeit\u00ab.<\/p>\n<p>Spiegelbildlich dazu k\u00f6nnen hohe Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse auch kritisch als Verzicht auf Importe gesehen werden, was sich ebenfalls negativ auf die Wirtschaft anderer L\u00e4nder auswirkt. Jan Behringer, Till van Treeck und Achim Truger haben j\u00fcngst im Wirtschaftsdienst gezeigt, dass die deutschen \u00dcbersch\u00fcsse eher als Importdefizite zu verstehen sind\u00a0\u2013 w\u00e4hrend sich die Exporte seit der Wiedervereinigung recht linear entwickelt haben, sind die Importe zeitweise stark eingebrochen und haben sich bis heute von diesem Einbruch nicht erholt.<\/p>\n<p>Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse sind keine moderne Erfindung. Bereits Adam Smith gei\u00dfelte merkantilistische Strategien, die auf einen m\u00f6glichst hohen Handelsbilanz\u00fcberschuss abzielten, als \u00bbBeggar-thy-neighbour\u00ab-Verhalten (deinen Nachbarn zum Bettler machen) und betonte deren internationale Konflikttr\u00e4chtigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_677809\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-677809\" class=\"size-full wp-image-677809\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021-300x101.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021-500x168.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-677809\" class=\"wp-caption-text\">Hier geht\u00b4s zur Beratung www.goacademy.de @goacademy_sprachschule &#8211; Anzeige &#8211;<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Noch) kritischer als hohe Handelsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse werden allerdings dauerhaft hohe Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse gro\u00dfer L\u00e4nder (wie Deutschland) gesehen. Solche L\u00e4nder bauen zunehmend finanzielle Forderungen gegen\u00fcber dem Ausland auf, sie treiben andere L\u00e4nder damit de facto in die Verschuldung.<\/p>\n<p>\u00dcbersch\u00fcsse in einem Land bedeuten notwendig Defizite in anderen L\u00e4ndern. Letztere k\u00f6nnen Importe nicht mit eigenen Exporten, Eink\u00fcnften aus eigenen Kapitalanlagen im Ausland oder finanziellen Schenkungen aus reicheren L\u00e4ndern kompensieren. Kurzfristig k\u00f6nnen Leistungsbilanzdefizite dann durch den Verkauf eigener W\u00e4hrungsreserven ausgeglichen werden, mittelfristig allerdings m\u00fcssen Kredite im Ausland aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Wichtig ist auch die Differenzierung zwischen gro\u00dfen und kleinen \u00bbExportmeistern\u00ab (genauer: \u00bb\u00dcberschussmeistern\u00ab). Bei kleinen Volkswirtschaften ist ein hoher Exportanteil an der Wirtschaftsleistung durchaus normal, bei gro\u00dfen allerdings nicht, hier spielt der Binnenmarkt im Regelfall eine deutlich wichtigere Rolle.<\/p>\n<p>Ein \u00dcberschuss\u00a0\u2013 genauer: eine starke Exportorientierung der Wirtschaft\u00a0\u2013 ist in gro\u00dfen \u00d6konomien tendenziell kontraproduktiv, weil Unternehmen in gro\u00dfen Volkswirtschaften andere Absatzm\u00f6glichkeiten auf den Binnenm\u00e4rkten haben als Unternehmen in kleinen Volkswirtschaften. Eine Krisensituation beispielsweise k\u00f6nnen gro\u00dfe L\u00e4nder vergleichsweise einfach durch Stimulierung der Binnennachfrage kompensieren. Kleine L\u00e4nder k\u00f6nnen sich hingegen aus einer solchen Situation oft nur \u00bbherausexportieren\u00ab, da ein Gro\u00dfteil ihrer Stimulierungsma\u00dfnahmen ins Ausland abflie\u00dfen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Zudem wird die Wirtschaft in gro\u00dfen \u00d6konomien durch eine ged\u00e4mpfte Binnennachfrage st\u00e4rker getroffen, als sie durch verbesserte Exporte gewinnt, wie Amit Bhaduri und Stephen Marglin zun\u00e4chst in ihrer von Keynes und Kalecki inspirierten Theorie modelliert haben, bevor dieser Zusammenhang dann in einer Vielzahl empirischer Studien \u00fcberpr\u00fcft wurde, f\u00fcr Deutschland etwa durch Engelbert Stockhammer, Eckhard Hein und Lucas Grafl. Eine gro\u00dfe \u00d6konomie mit einem hohen Leistungsbilanz\u00fcberschuss (in Relation zur Wirtschaftsleistung) stellt zudem eine deutlich gr\u00f6\u00dfere Belastung f\u00fcr die Welt\u00f6konomie dar als eine kleine, weil von den gro\u00dfen \u00d6konomien eine st\u00e4rkere Belastung f\u00fcr andere ausgeht. Dementsprechend stehen auch China und Deutschland besonders im Fokus entsprechender Vorw\u00fcrfe, auch wenn es andere \u00d6konomien gibt, bei denen die Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse in Relation zur Wirtschaftsleistung noch viel h\u00f6her sind (beispielsweise Singapur, die Schweiz und die Niederlande, von \u00d6lexporteuren wie Brunei oder Kuweit ganz zu schweigen).<\/p>\n<p>Noch wichtiger ist aber die Dauerhaftigkeit der Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse. Gelegentliche \u00dcbersch\u00fcsse\u00a0\u2013 und Defizite auf der anderen Seite\u00a0\u2013 sind kein Problem, solange der Status von \u00dcberschuss- und Defizitl\u00e4ndern immer wieder wechselt. Dauerhaft hohe \u00dcbersch\u00fcsse bei denselben L\u00e4ndern wie im Falle Deutschlands allerdings zwingen andere L\u00e4nder im Aggregat schon rein logisch (\u00bbsaldenmechanisch\u00ab) zu ebenso dauerhaften Defiziten\u00a0\u2013 solange wir nicht auf den Mars oder Mond exportieren k\u00f6nnen. In den letzten Jahren werden daher au\u00dfenwirtschaftliche Ungleichgewichte zunehmend kritisch gesehen, beispielsweise von der KfW.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Zahlungsbilanzkrisen und erzwungene Abwertungen<\/h1>\n<p>Mit den dauerhaften und gro\u00dfen Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcssen Deutschlands sind also in anderen \u00d6konomien notwendig Defizite verbunden, auch \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume. Warum und unter welchen Umst\u00e4nden ist das ein Problem? Warum f\u00fchrt es zu Konflikten?<\/p>\n<p>Kurzfristig ist ein Leistungsbilanzdefizit f\u00fcr die entsprechende \u00d6konomie angenehm. Dadurch stehen dem Land mehr Ressourcen\u00a0\u2013 f\u00fcr Konsum und Investitionen\u00a0\u2013 zur Verf\u00fcgung als bei einer ausgeglichenen Leistungsbilanz. L\u00e4nder mit Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcssen hingegen leben \u00bbunter ihren M\u00f6glichkeiten\u00ab, sie verzichten auf Konsum und Investitionen zugunsten des Auslands.<\/p>\n<p>Zudem gibt es Konstellationen, in denen auch l\u00e4ngerfristige Leistungsbilanzdefizite durchaus erw\u00fcnscht sind. Das gilt vor allem f\u00fcr dynamische Entwicklungs- und Schwellenl\u00e4nder, die sich in einem industriellen Aufholprozess befinden. Ein Leistungsbilanzdefizit bedeutet\u00a0\u2013 die Neutralit\u00e4t der Zentralbank vorausgesetzt\u00a0\u2013 automatisch einen Kapitalimport, der f\u00fcr diesen Aufholprozess eingesetzt werden kann.<\/p>\n<p>Kapitalimporte k\u00f6nnen sehr n\u00fctzlich sein, wenn sie f\u00fcr produktive Investitionen eingesetzt werden. Aus den Erl\u00f6sen dieser Investitionen (Exporte oder Verringerung von Importen durch einheimische Produktion) kann dann schlie\u00dflich das Leistungsbilanzdefizit geschlossen werden. Ein Beispiel potenziell produktiver Kapitalimporte sind ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen in Form des Aufbaus neuer Produktionsst\u00e4tten (\u00bbgreenfield investment\u00ab), die aufgrund des damit verbundenen Technologietransfers und der Schaffung von Arbeitspl\u00e4tzen in der Regel ohnehin sehr willkommen sind.<\/p>\n<p>Allerdings gilt auch f\u00fcr diese L\u00e4nder, dass sich das Defizit irgendwann wieder in einen \u00dcberschuss verwandeln muss, was h\u00e4ufig nicht der Fall ist oder erst in einer turbulenten Krise erfolgt. Sehr h\u00e4ufig werden die Kapitalimporte nicht durchgehend f\u00fcr hochproduktive Investitionen eingesetzt, sondern zumindest teilweise f\u00fcr Konsum oder f\u00fcr Immobilienkredite. Es kann dann leicht zu dauerhaften und umfangreichen Leistungsbilanzdefiziten kommen.<\/p>\n<p>Wenn nun beispielsweise in einer Wirtschaftskrise die ausl\u00e4ndischen Kapitalgeber nicht mehr bereit sind, das l\u00e4ngerfristige Leistungsbilanzdefizit durch weitere Kapitalzufl\u00fcsse zu kompensieren, kommt es zu einer Zahlungsbilanzkrise. Diese Krisen sind h\u00e4ufig sehr dramatisch, da die ausl\u00e4ndischen Investoren die nicht langfristig gebundenen Teile ihrer Finanzmittel oftmals panikartig sehr kurzfristig abziehen (\u00bbSudden Stop\u00ab), ein in Schwellenl\u00e4ndern nicht seltenes Ph\u00e4nomen. Bei flexiblen Wechselkursen f\u00fchrt das zu einem Absturz der W\u00e4hrung und\u00a0\u2013 \u00fcber verteuerte Importe\u00a0\u2013 auch zu hoher Inflation.<\/p>\n<p>In einer Zahlungsbilanzkrise besteht zudem die Gefahr, dass die Defizit\u00f6konomien ihren laufenden Konsum nicht mehr bezahlen und die akkumulierten Schulden nicht mehr bedienen k\u00f6nnen. Kurzfristig haben sie dann nur noch die M\u00f6glichkeit, \u00fcber den Verkauf ihrer Devisenreserven oder (gegen schmerzhafte Auflagen) durch einen Hilfskredit beim IWF ihr Zahlungsbilanzdefizit auszugleichen.<\/p>\n<p>Zahlungsbilanzkrisen sind nicht nur Probleme der davon direkt betroffenen L\u00e4nder, sie ber\u00fchren auch die Interessen der \u00dcberschussl\u00e4nder. Letztere m\u00fcssen in einer solchen Krise nicht nur mit verringerten Exporten rechnen, sondern auch mit der Abschreibung ihrer finanziellen Forderungen.<\/p>\n<p>Mittel- bis langfristig k\u00f6nnen solche Probleme nur durch eine Reduktion des Leistungsbilanzdefizits gel\u00f6st werden. Notwendig ist eine Wiedergewinnung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit der eigenen Wirtschaft. Langfristig erfolgt das im Idealfall durch produktive Investitionen, mittelfristig im Regelfall allerdings durch eine Abwertung. Das kann entweder durch eine Abwertung der W\u00e4hrung (\u00bbexterne Abwertung\u00ab) oder eine generelle Senkung des Lohn- und Preisniveaus (\u00bbinterne Abwertung\u00ab) erfolgen.<\/p>\n<p>Sowohl die externe als auch die interne Abwertung ist f\u00fcr gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung schmerzhaft, letztere aber im Regelfall noch viel mehr, wie Stefanie Walter in einer Studie erl\u00e4utert. Bei einer externen Abwertung verliert beispielsweise die Bev\u00f6lkerung des abwertenden Staates generell an Kaufkraft in Bezug auf Importg\u00fcter. Diese Auswirkung verteilt sich aber auf viele Schultern, sie wird von den Verbrauchern auch nicht unbedingt deutlich gesp\u00fcrt.<\/p>\n<p>Bei einer internen Abwertung sind gravierende Eingriffe in eine Vielzahl individueller Arbeits- und Lebensverh\u00e4ltnisse n\u00f6tig, durch Austerit\u00e4t im \u00f6ffentlichen Sektor (zum Beispiel die Schlie\u00dfung von Krankenh\u00e4usern), Steuererh\u00f6hungen, Lohnk\u00fcrzungen und Entlassungen. Dadurch wird auch die Binnennachfrage empfindlich getroffen, in konsumgetriebenen Wachstumsmodellen mit sehr negativen Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum.<\/p>\n<p>Die mit Deutschland besonders eng verflochtenen \u00d6konomien der Eurozone mussten die Nachteile dauerhafter Zahlungsbilanzdefizite in der Eurokrise schon schmerzhaft realisieren. Der Schmerz fiel sogar noch schlimmer aus als in vielen anderen L\u00e4ndern, weil mit dem Binnenmarkt und der gemeinsamen W\u00e4hrung weder Protektionismus noch externe Abwertung m\u00f6glich waren und stattdessen in der Eurokrise die noch schmerzhaftere einschneidendere Strategie der inneren Abwertung eingeschlagen wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-679323\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/03\/cover.Noelke_Export-Junkie-95RGB.jpg\" alt=\"\" width=\"408\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/03\/cover.Noelke_Export-Junkie-95RGB.jpg 408w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/03\/cover.Noelke_Export-Junkie-95RGB-188x300.jpg 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 408px) 100vw, 408px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Andreas N\u00f6lke: \u201eExportismus. Die deutsche Droge\u201c &#8211; 176 Seiten, 22 Euro, Westend Verlag <a href=\"https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/exportismus\/\">https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/exportismus\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Die Rolle der deutschen Exportorientierung bei der Entstehung der Eurokrise<\/h1>\n<p>In j\u00fcngerer Vergangenheit haben wir die Nachteile gro\u00dfer dauerhafter Leistungsbilanzungleichgewichte im Fall der Eurokrise gesehen\u00a0\u2013 einer Krise, die selbst vor der Corona-Krise nach wie vor andauerte, auch wenn sie in der deutschen \u00d6ffentlichkeit inzwischen weitgehend verdr\u00e4ngt wurde. Ende 2019 lag die Arbeitslosigkeit (nach Eurostat-Angaben) in Italien bei 10, Spanien 14 und Griechenland 17\u00a0Prozent, in Kontrast zu 3\u00a0Prozent in Deutschland. Bei der Jugendarbeitslosigkeit war die katastrophale Lage in S\u00fcdeuropa sogar noch viel st\u00e4rker ausgepr\u00e4gt, mit 28\u00a0Prozent in Italien und jeweils 32\u00a0Prozent in Spanien und Griechenland, im Vergleich zu 6\u00a0Prozent in Deutschland.<\/p>\n<p>Die Eurokrise wurde in der deutschen \u00d6ffentlichkeit vor allem als Schuldenkrise bezeichnet, gemeint waren damit Staatsschulden. Das ist aber eine sehr irref\u00fchrende Bezeichnung, mit Ausnahme des griechischen Falls. Die Staatsschulden in den anderen Krisenl\u00e4ndern waren vor Beginn der Eurokrise nicht sonderlich hoch, in Spanien und Irland lagen sie sogar deutlich unter jenen Deutschlands, in Portugal etwa auf gleicher H\u00f6he.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig hingegen war die rasche Herausbildung von Leistungsbilanzdefiziten in allen Krisenl\u00e4ndern. W\u00e4hrend Irland und Italien vor Einf\u00fchrung der gemeinsamen W\u00e4hrung noch Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse hatten und Spanien eine relativ ausgeglichene Leistungsbilanz, verschlechterte sich in allen L\u00e4ndern die Bilanz bis zum Ausbruch der globalen Finanzkrise 2007\/08 erheblich.<\/p>\n<p>In demselben Zeitraum glich Deutschland nicht nur sein geringes Defizit aus, sondern t\u00fcrmte ab 2001 immer h\u00f6here \u00dcbersch\u00fcsse auf. Im Jahr 2007 betrug der deutsche Leistungsbilanz\u00fcberschuss nach Eurostat-Angaben 6,9\u00a0Prozent des Bruttoinlandsproduktes, w\u00e4hrend Italien ein Defizit von 1,4\u00a0Prozent auswies, Irland 6,5\u00a0Prozent, Spanien 9,4\u00a0Prozent, Portugal 10,3\u00a0Prozent und Griechenland 15,2\u00a0Prozent.<\/p>\n<p>Die globale Finanzkrise 2007\/08 f\u00fchrte zu einer Neubetrachtung der \u00f6konomischen Situation der s\u00fcdeurop\u00e4ischen Staaten. Hinzu kamen die Verluste (insbesondere auch deutscher Banken) bei der Anlage in amerikanischen \u00bbSubprime\u00ab-Hypotheken. Die Bankenaufsicht verlangte daraufhin eine St\u00e4rkung des Eigenkapitals durch den Abbau von Forderungen\u00a0\u2013 was deutsche Banken insbesondere durch Abzug von Krediten an s\u00fcdeurop\u00e4ische Banken realisierten. Das private Kapital begann daher schlagartig diese \u00d6konomien zu verlassen (ein klassischer \u00bbSudden Stop\u00ab), so der Br\u00fcsseler Thinktank Bruegel), beginnend in Griechenland, mit den bekannten Auswirkungen auf die Risikoaufschl\u00e4ge (\u00bbspreads\u00ab) s\u00fcdeurop\u00e4ischer Staatsanleihen.<\/p>\n<p>Um in Zukunft \u00e4hnlich negative Entwicklungen zu vermeiden, war nach Ausbruch der Eurokrise eine Reduktion der erheblichen Leistungsbilanzungleichgewichte notwendig. Die\u00a0\u2013 im n\u00e4chsten Abschnitt beschriebene\u00a0\u2013 weitere Entwicklung im Rahmen der Eurozonenrettung zeigt allerdings, dass diese Anpassung einseitig von S\u00fcdeuropa getragen werden musste, de facto durch eine Reduktion von Importen im Rahmen einer schmerzhaften internen Abwertung. Die Anpassung ist auch bei Weitem noch nicht komplett, Jan Priewe bezeichnete die deutschen Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse auch 2017 noch als \u00bbZeitbombe\u00ab f\u00fcr den Euro.<\/p>\n<p>Die Entscheidung f\u00fcr diese Anpassung war ja auch nicht freiwillig, sondern sie wurde letztendlich durch deutschen Druck erzwungen. Deutschland\u00a0\u2013 und die anderen n\u00f6rdlichen Euromitglieder\u00a0\u2013 waren in einer starken Verhandlungsposition, da sie\u00a0\u2013 im Gegensatz zu den s\u00fcdlichen Krisenl\u00e4ndern\u00a0\u2013 in der Krise nicht auf Unterst\u00fctzung durch andere L\u00e4nder angewiesen waren. Es ist daher nicht \u00fcberraschend, dass das deutsche Exportmodell in diesen L\u00e4ndern seitdem erhebliche Aversionen hervorruft, besonders deutlich artikuliert in Italien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Die erzwungene Generalisierung des deutschen Exportmodells nach der Eurokrise<\/h1>\n<p>Die globale Finanzkrise 2007\/08 l\u00f6ste eine Neubewertung der wirtschaftlichen Situation der s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4nder sowie Irlands aus. Hohe Leistungsbilanzdefizite, die bisher problemlos toleriert wurden, sahen pl\u00f6tzlich gef\u00e4hrlich aus.<\/p>\n<p>Gleichzeitig erzwang die Finanzmarktkrise staatliche Bankenrettungspakete. Um die Rezession zu mildern, wurden zudem umfangreiche Konjunkturprogramme aufgelegt. Die zuvor\u00a0\u2013 mit Ausnahme Griechenlands\u00a0\u2013 unproblematische Staatsverschuldung stieg deutlich an und wurde nun auch sehr skeptisch gesehen. Die Investoren verlangten deutlich h\u00f6here Risikoaufschl\u00e4ge auf s\u00fcdeurop\u00e4ische Staatsanleihen.<\/p>\n<p>Ab 2010 etablierten die Staaten der Eurozone sukzessive ein Regime zur Eurorettung, beginnend mit den ersten bilateralen Krediten f\u00fcr Griechenland im April 2010. Seit 2012 ist der Europ\u00e4ische Stabilit\u00e4tsmechanismus (ESM) der wichtigste Unterst\u00fctzungsfonds f\u00fcr die s\u00fcdeurop\u00e4ischen \u00d6konomien. Einige L\u00e4nder haben inzwischen ESM-Kredite erhalten, gegen \u00f6konomische Bedingungen.<\/p>\n<p>Entscheidend ist, dass diese Konditionen nach dem deutschen exportorientierten Modell modelliert wurden, mit einem Fokus auf Austerit\u00e4t in \u00f6ffentlichen Haushalten und Lohnm\u00e4\u00dfigung im Privatsektor. Es ist keine \u00dcbertreibung, wenn man das Eurozonenregime als ein Versuch versteht, die s\u00fcdeurop\u00e4ischen \u00d6konomien nach dem deutschen Modell einer exportgetriebenen \u00d6konomie zu restrukturieren, mit Hilfskrediten als Zwangsinstrument.<\/p>\n<p>Deutschland hatte bereits einige zentrale Ideen seiner exportorientierten Vorstellungen im Rahmen des Maastricht-Vertrags zur Einf\u00fchrung der gemeinsamen W\u00e4hrung einbringen k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6rte zun\u00e4chst die Etablierung einer hochgradig unabh\u00e4ngigen Zentralbank, die nur dem Inflationsziel verpflichtet ist\u00a0\u2013 und nicht auch der Bek\u00e4mpfung der Arbeitslosigkeit, wie beispielsweise die US-Fed. Der 1997 beschlossene Stabilit\u00e4ts- und Wachstumspakt legt zudem ein maximales j\u00e4hrliches Haushaltsdefizit von 3\u00a0Prozent und ein Gesamtvolumen von \u00f6ffentlichen Defiziten von maximal 60\u00a0Prozent des Bruttoinlandsprodukts fest.<\/p>\n<p>Diese Regeln wurden allerdings zun\u00e4chst nicht strikt umgesetzt. Sie wurden anfangs auch nicht von anderen Kernelementen der deutschen Exportorientierung begleitet. Das hat sich nach 2010 ge\u00e4ndert. Nun wurden umfassende Regeln f\u00fcr eine wirtschaftspolitische \u00dcberwachung der Eurol\u00e4nder durch die Europ\u00e4ische Kommission beschlossen, im Rahmen der sogenannten Sixpack- und Twopack-Regulierungen 2011. Das war m\u00f6glich, weil Deutschland in dieser Situation \u00fcber Finanzmittel verf\u00fcgte, die einige der s\u00fcdlichen \u00d6konomien dringend ben\u00f6tigten.<\/p>\n<p>Auch wenn die neuen Regeln nat\u00fcrlich f\u00fcr die gesamte Eurozone gelten, laufen sie in der Praxis auf eine Restrukturierung der s\u00fcdeurop\u00e4ischen \u00d6konomien in Richtung der deutschen Exportorientierung hinaus, insbesondere durch eine D\u00e4mpfung der Lohnentwicklung und der Staatsausgaben. Charakteristisch f\u00fcr die Dominanz deutscher Vorstellungen bei der Einrichtung dieser Institutionen ist beispielsweise, dass die sogenannte \u00bbMacroeconomic Imbalance Procedure\u00ab Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse anders behandelt als -defizite und bei ersteren einen viel h\u00f6heren Grenzwert einr\u00e4umt als bei Letzteren\u00a0\u2013 was \u00f6konomisch nicht begr\u00fcndbar ist.<\/p>\n<p>Weiterhin ist es Deutschland 2011 gelungen, die meisten EU-Mitgliedsstaaten zur Implementierung einer\u00a0\u2013 nur f\u00fcr ein exportorientiertes Modell sinnvollen\u00a0\u2013 Schuldenbremse in ihren Verfassungen zu bringen (Europ\u00e4ischer Fiskalpakt), im Gegenzug zur potenziellen Bereitstellung von Mitteln \u00fcber den Europ\u00e4ischen Stabilit\u00e4tsmechanismus.<\/p>\n<p>Auf dieser Basis war die EZB schlie\u00dflich bereit, zugunsten der Krisenl\u00e4nder massiv auf den M\u00e4rkten f\u00fcr Staatsanleihen zu intervenieren (Mario Draghis \u00bbwhatever it takes\u00ab), sodass 2012 die dramatische Zuspitzung der Eurokrise mit ihren hohen Risikoaufschl\u00e4gen auf Staatsanleihen \u00fcberwunden wurde.<\/p>\n<p>In den Folgejahren war der Versuch einer Restrukturierung der s\u00fcdeurop\u00e4ischen \u00d6konomien mit dem Ziel, Leistungsbilanzdefizite auszugleichen, sogar erfolgreich. Allerdings wurden diese Erfolge mit einem hohen Preis bezahlt. Die Stabilisierung der Eurozone ist nicht dadurch erfolgt, dass sie intern ausbalanciert wurde (mit geringeren s\u00fcdeurop\u00e4ischen und st\u00e4rkeren deutschen Importen), sondern vor allem durch eine einseitige strukturelle Konvergenz (\u00bbforced structural convergence\u00ab, Fritz Scharpf) S\u00fcdeuropas auf das deutsche Modell.<\/p>\n<p>Der Preis f\u00fcr diese Restrukturierung wurde vor allem von der Bev\u00f6lkerung der s\u00fcdeurop\u00e4ischen L\u00e4nder getragen, die nun unter geringeren Sozialleistungen, geringeren L\u00f6hnen und schlechteren Anstellungsverh\u00e4ltnissen leiden. Zudem erfolgt sie auch zu Ungunsten von anderen globalen Wirtschaftsregionen, die nun die Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse der Eurozone durch entsprechende Defizite kompensieren m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Auch fast zehn Jahre nach Ausbruch der Eurokrise sind die davon betroffenen s\u00fcdeurop\u00e4ischen \u00d6konomien weiter sehr fragil. Sie hatten zwar in den letzten Jahren\u00a0\u2013 bis zum Ausbruch der Corona-Krise\u00a0\u2013 wieder etwas h\u00f6here Wachstumsraten aufzuweisen, sind aber noch immer weit entfernt von dem, was sie vor der Eurokrise ausgezeichnet hat. Insbesondere leiden sie immer noch unter einer hohen Arbeitslosigkeit, speziell der jungen Erwachsenen.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Teile der Jungen und Qualifizierten suchen inzwischen in der Emigration ihre Chance. W\u00e4hrend diese Entwicklung in Portugal, Spanien, Griechenland und Zypern relativ resigniert zur Kenntnis genommen wird, lehnt sich Italien inzwischen sehr deutlich gegen diese Situation auf.<\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1>Offener Konflikt: Italien und das deutsche Wirtschaftsmodell<\/h1>\n<p>Im Unterschied zu den anderen s\u00fcdeurop\u00e4ischen Staaten ist Italien ein Gr\u00fcndungsmitglied der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft. Es verf\u00fcgt daher \u00fcber ein ganz anderes europapolitisches Selbstbewusstsein als jene Gesellschaften, die sp\u00e4ter zum Wirtschaftsverbund gesto\u00dfen sind.<\/p>\n<p>Insbesondere in Portugal, Spanien und Griechenland ist die Mitgliedschaft in der Europ\u00e4ischen Union als Erl\u00f6sung nach den dunklen Jahren der Diktaturen gesellschaftlich extrem positiv besetzt. In diesen L\u00e4ndern k\u00f6nnen gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung es sich daher nicht vorstellen, sich grundlegend gegen Europa zu stellen, selbst wenn sie unter dem Euro und dem Eurorettungsregime leiden. Das ist in Italien anders, zumal Norditalien traditionell \u00fcber eine ausdifferenzierte Export\u00f6konomie verf\u00fcgt, die bis vor wenigen Jahrzehnten der deutschen Industrie m\u00fchelos Paroli bieten konnte (und das in Teilen immer noch kann).<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass die \u00d6konomien Griechenlands, Portugals und Spaniens zumindest zu Beginn der Einf\u00fchrung des Euros von der gemeinsamen W\u00e4hrung noch profitiert haben. Italien hingegen ist nach einer Studie des Freiburger Zentrums f\u00fcr europ\u00e4ische Politik (CEP) der gr\u00f6\u00dfte Verlierer der ersten zwei Jahrzehnte des Euros\u00a0\u2013 w\u00e4hrend Deutschland der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Gewinner ist. Inzwischen nehmen im politischen System Italiens Parteien einen gro\u00dfen Raum ein, die realisiert haben, dass das aktuelle Elend der italienischen Wirtschaft in hohem Ma\u00dfe mit der deutschen Niedriglohnpolitik zusammenh\u00e4ngt sowie der durch den Euro weggefallenen Option einer externen Abwertung. Vor diesem Hintergrund ist es wenig \u00fcberraschend, dass die Auflehnung gegen das von Deutschland dominierte Eurosystem f\u00fcr diese Parteien zu einer realen Option geworden ist.<\/p>\n<p>Insbesondere die Regierung von Movimento 5 Stelle und Lega Nord drohte 2018\/19 offen mit einem italienischen Ausstieg aus dem Euro. Angesichts der Gr\u00f6\u00dfe der italienischen \u00d6konomie und dem Volumen der italienischen Staatsanleihen d\u00fcrfte die Realisierung dieser Option zu einer noch viel gravierenderen Krise f\u00fchren als bei der ersten Eurokrise. Der Ausgang einer solchen Konfrontation w\u00e4re schwer abzusehen, zumal die europ\u00e4ischen Institutionen in der Konfrontation nur eine geringe Bereitschaft zeigten, Italien entgegenzukommen, beispielsweise durch eine Lockerung der Verschuldungsregeln.<\/p>\n<p>Derzeit ist der Konflikt weitgehend auf Eis gelegt, einerseits wegen des Ausscheidens der Lega aus der Koalition, andererseits aufgrund der Corona-Krise, dem nach der Krise beschlossenen Wiederaufbauprogramm und dem Aussetzen der restriktiven europ\u00e4ischen Fiskalregeln. Er kann aber jederzeit wieder aufflammen.<\/p>\n<p>Die latenten Spannungen gegen\u00fcber Deutschland und seinem\u00a0\u2013 nicht nur aus italienischer Perspektive\u00a0\u2013 egoistischen Wirtschaftsmodell wurden jedenfalls beim Ausbruch der Corona-Pandemie mehr als deutlich, mit scharfen Vorw\u00fcrfen an die Bundesregierung wegen mangelnder Solidarit\u00e4t gegen\u00fcber dem gebeutelten Italien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Handelspolitische Spannungen zwischen der Eurozone und dem Rest der Welt<\/h1>\n<p>In den letzten Jahren hat sich der Fokus der vom deutschen Exportmodell ausgel\u00f6sten Konflikte etwas verschoben. Diese Konflikte finden nicht mehr nur innerhalb der Eurozone statt, sondern nun auch zwischen jener und dem Rest der Welt. Im Fokus stehen die seit 2012 stark wachsenden Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse der Eurozone als Ganzes. Inzwischen erzielen nicht nur Deutschland, sondern auch die s\u00fcdlichen Krisenl\u00e4nder solche \u00dcbersch\u00fcsse.<\/p>\n<p>Langfristige und zunehmend umfangreiche Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse des gr\u00f6\u00dften Wirtschaftsblocks sind f\u00fcr die globale \u00d6konomie eine erhebliche Belastung. Andere \u00d6konomien m\u00fcssen diese \u00dcbersch\u00fcsse absorbieren, mit ung\u00fcnstigen Konsequenzen f\u00fcr ihre eigenen Arbeitsm\u00e4rkte.<\/p>\n<p>Das deutsche Modell allein konnte von den Handelspartnern noch z\u00e4hneknirschend toleriert werden, zumal die Eurozone bis vor zehn Jahren kaum \u00dcbersch\u00fcsse produzierte. Durch die Generalisierung des deutschen Modells nun auch in S\u00fcdeuropa allerdings wird die Situation unertr\u00e4glich, zumal die expansive Geldpolitik der EZB zus\u00e4tzlich dazu beitr\u00e4gt, dass der Eurowechselkurs sehr niedrig liegt.<\/p>\n<p>Trump hat in den letzten Jahren der EU mehrfach W\u00e4hrungsmanipulation vorgeworfen und mit Sanktionen gedroht. Er hat gleichzeitig erheblichen Druck auf die US-Fed ausge\u00fcbt, die Leitzinsen zu senken\u00a0\u2013 einerseits in Bezug auf eine Stimulierung des schwachen Wirtschaftswachstums, andererseits auch mit dem willkommenen Nebeneffekt einer Schw\u00e4chung des US-Dollars im Au\u00dfenverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>Nicht nur die Reaktion von Trump verweist darauf, dass die Bereitschaft unserer Handelspartner, diese Praxis weiter zu tolerieren, begrenzt ist. Da Trump in der Kritik der wachsenden EU-Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse ein legitimes Motiv hat, wird dieses Thema auch bei seinem Nachfolger Joe Biden nicht verschwinden, zumal jener seinen Wahlkampf unter der Rubrik \u00bbBuy American\u00ab gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter wird Deutschland mit dem Thema der \u00dcbersch\u00fcsse wieder konfrontiert werden. W\u00e4hrend die unter einer hohen staatlichen Verschuldung und einer wirtschaftlichen Krise leidenden s\u00fcdeurop\u00e4ischen \u00d6konomien sich allerdings gegen das deutsche Exportmodell nicht wehren konnten, sieht das beim Rest der Welt\u00a0\u2013 insbesondere den USA\u00a0\u2013 anders aus.<\/p>\n<p>Trump hat die Drohung mit Z\u00f6llen gegen die Europ\u00e4ische Union zun\u00e4chst zur\u00fcckgestellt, insbesondere im Kontext des eskalierenden Handelskonflikts zwischen den USA und China. Das kann sich aber nach der Pr\u00e4sidentschaftswahl rasch \u00e4ndern, insbesondere bei einem nachhaltigen Einbruch der amerikanischen Wirtschaft aufgrund der Corona-Krise. Der von Exporten abh\u00e4ngigen deutschen Wirtschaft drohen hier erhebliche Gefahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Deutschland auf der Anklagebank internationaler Organisationen<\/h1>\n<p>Es h\u00e4ngt wahrscheinlich mit der besonderen Pers\u00f6nlichkeit Trumps zusammen, dass die berechtigten amerikanischen Forderungen nach einer Modifikation des deutschen Wirtschaftsmodells bisher kaum ernst genommen werden. Zudem hat sich Trump mit einem Fokus auf die umfangreichen deutschen Exporte\u00a0\u2013 statt auf die zu geringen Importe\u00a0\u2013 die \u00bbdenkbar schlechteste Argumentationslinie ausgesucht\u00ab, wie Mario Huzel und Philipp Stachelsky schreiben. Man sollte sich aber nicht zu fr\u00fch freuen. Nach der akuten Phase der Corona-Krise werden diese Forderungen bald wieder auf dem Tisch liegen.<\/p>\n<p>Deutschland sitzt seit einigen Jahren auf der Anklagebank aller internationalen Organisationen, die sich mit dem Zustand der Weltwirtschaft besch\u00e4ftigen. Der IWF, die OECD und die Europ\u00e4ische Kommission kritisieren deutlich die H\u00f6he der deutschen Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse.<\/p>\n<p>Sie erg\u00e4nzen diese Forderungen zunehmend durch konkrete Vorschl\u00e4ge, wie diese \u00dcbersch\u00fcsse reduziert werden sollen. Im Vordergrund steht dabei nicht der Verzicht auf den Export deutscher Produkte, sondern die Forderung nach h\u00f6heren L\u00f6hnen und h\u00f6heren \u00f6ffentlichen Ausgaben in Deutschland. Die Deutlichkeit, mit der diese Forderungen unisono artikuliert werden, ist verbl\u00fcffend, da solche internationalen Organisationen eher nicht als besonders sozialdemokratisch oder gar \u00bblinks\u00ab bekannt sind, sondern den liberalen Mainstream der globalen \u00d6konomie repr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Aus der Sicht des IWF beschr\u00e4nkt sich das Problem nicht nur auf diese \u00f6konomischen Zusammenh\u00e4nge. Die zunehmende Konzentration von Leistungsbilanzdefiziten in einigen wenigen \u00d6konomien erh\u00f6ht aus seiner Sicht auch die Wahrscheinlichkeit einer disruptiven Handelspolitik. Von einer solchen Handelspolitik w\u00e4re Deutschland mit seiner Exportorientierung in ganz besonderem Ma\u00dfe betroffen.<\/p>\n<p>Die deutsche Exportabh\u00e4ngigkeit ist in der Vergangenheit zwar mit recht soliden Wachstumsraten einhergegangen, verspricht f\u00fcr die Zukunft allerdings nichts Gutes. In der Corona-Krise wird bereits deutlich, dass in Zukunft eher mit einer Verringerung globaler wirtschaftlicher Verflechtungen zu rechnen ist als mit deren Intensivierung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Der strukturelle R\u00fcckgang der Globalisierung als Bedrohung der deutschen Exportindustrie<\/h1>\n<p>Selbst wenn sich die Weltwirtschaft mit einem soliden Wachstum weiterentwickeln w\u00fcrde, ist noch lange nicht ausgemacht, dass diese Entwicklung wie in der Vergangenheit in besonderem Ma\u00dfe dem bisherigen Exportchampion Deutschland zugutekommen w\u00fcrde. Der Hintergrund ist eine strukturelle Verschiebung weg vom globalen G\u00fcterhandel.<\/p>\n<p>Wir sehen bereits seit einigen Jahren eine Stagnation des Globalisierungsprozesses, der noch vor kurzem als unaufhaltsam beschrieben wurde. Insbesondere im f\u00fcr Deutschland \u00fcberproportional bedeutsamen G\u00fcterhandel gibt es sogar seit der globalen Finanzkrise einen R\u00fcckgang in Relation zur Wirtschaftsleistung, so eine j\u00fcngst erschienene Studie von Prognos-Institut und BayernLB. Und innerhalb des G\u00fcterhandels behaupten sich vor allem die Konsumg\u00fcter\u00a0\u2013 nicht die f\u00fcr Deutschlands Maschinenbau besonders wichtigen Investitionsg\u00fcter.<\/p>\n<p>Nur im Dienstleistungshandel und bei Datenstr\u00f6men\u00a0\u2013 beides quantitativ bisher f\u00fcr Deutschland eher zu vernachl\u00e4ssigen\u00a0\u2013 vertieft sich die Globalisierung noch weiter. Prognos-Institut und BayernLB haben schon allein daraus geschlossen, dass die viel zu stark exportorientierte deutsche Wirtschaft nun ein neues \u00bbGesch\u00e4ftsmodell\u00ab ben\u00f6tige.<\/p>\n<p>Aus der Sicht von V\u00e9ronique Riches-Flores kommt noch die ung\u00fcnstige demographische Entwicklung in den kaufkr\u00e4ftigen L\u00e4ndern hinzu. Eine alternde Bev\u00f6lkerung neigt nicht nur zu einer eher skeptischen Haltung zur Globalisierung, sondern bringt auch weniger Nachfrage nach den Produkten der deutschen Industrie mit sich.<\/p>\n<p>Die Corona-Krise wird den R\u00fcckgang der Globalisierung im Warenhandel aller Voraussicht nach noch weiter verst\u00e4rken, einerseits durch Tendenzen zur Verlagerung der Produktion in die N\u00e4he der Absatzm\u00e4rkte (\u00bbNearshoring\u00ab), andererseits durch zunehmende protektionistische Tendenzen in vielen Weltregionen. Das liegt auch an der Schw\u00e4che der Welthandelsorganisation (WHO).<\/p>\n<p>Das Welthandelsregime stagniert schon l\u00e4nger, inzwischen seit einem Vierteljahrhundert. Vorher haben die beteiligten Regierungen in regelm\u00e4\u00dfigen Handelsrunden Ma\u00dfnahmen zur Handelsliberalisierung ausgehandelt, im Rahmen des GATT (\u00bbGeneral Agreement on Trades and Tariffs\u00ab). Die letzte erfolgreiche Runde hat 1995 auch zur Gr\u00fcndung der WHO gef\u00fchrt. Seitdem allerdings konnte kein weiteres Abkommen erfolgreich abgeschlossen werden, obwohl es in vielen Bereichen Regelungsbedarf gibt, etwa bei Subventionen oder dem E-Commerce.<\/p>\n<p>J\u00fcngst wurde nun auch noch das zweite Standbein der WHO als Schiedsgericht bei globalen Handelsstreitigkeiten lahmgelegt. Der sogenannte \u00bbAppellate Body\u00ab ist auf absehbare Zeit entscheidungsunf\u00e4hig, weil die US-Regierung die Ersatzwahl eines Richters blockiert.<\/p>\n<p>In Abwesenheit globaler Schritte zur Handelsliberalisierung ist es in den letzten zwei Jahrzehnten zwar zur Aushandlung einer Vielzahl von bilateralen und regionalen Handelsabkommen gekommen, damit droht aber zunehmend die Herausbildung von antagonistischen Handelsbl\u00f6cken, auch keine gute Perspektive f\u00fcr einen globalen Exporteur wie Deutschland\u00a0\u2013 zumal sich die dann umso wichtigeren Absatzm\u00e4rkte in Europa in absehbarer Zeit aus den oben genannten Gr\u00fcnden nicht sehr dynamisch entwickeln werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Die USA und China: vom Handelsscharm\u00fctzel zum globalen Systemkonflikt<\/h1>\n<p>W\u00e4hrend sich die Tendenzen zur Erosion der Globalisierung zun\u00e4chst eher schleichend entwickelt haben, droht im Kontext des Konflikts zwischen den USA und China mittlerweile die Eskalation eines gelegentlichen Handelskonflikts zu einem vollen Handelskrieg. Inzwischen befinden wir uns n\u00e4mlich auf einer Eskalationsspirale, bei der beide Seiten die Ma\u00dfnahmen der jeweils anderen Seite durch neue protektionistische Schritte beantworten.<\/p>\n<p>Diese Spirale wurde Ende 2019 nur vor\u00fcbergehend unterbrochen, weil Trump mit China einen Deal abgeschlossen hat, um seine W\u00e4hler in den Agrarstaaten bei Laune zu halten. Die USA haben auf weitere Strafz\u00f6lle verzichtet, da China im Gegenzug hohe Importe von Soja und Schweinefleisch versprochen hat.<\/p>\n<p>Der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt behindert nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung in den beiden L\u00e4ndern, sondern auch die globale Konjunktur. Gravierend ist dabei insbesondere die Unsicherheit, ob der Konflikt in absehbarer Zeit beigelegt werden kann oder ob er die involvierten Unternehmen zu einer v\u00f6lligen Reorganisation der globalen Lieferketten zwingt.<\/p>\n<p>Deutschland sitzt in diesem Handelskonflikt zwischen den St\u00fchlen, beide Seiten h\u00e4tten es gerne auf ihrer Seite. Die exportlastige deutsche Wirtschaft kann es sich aber nicht erlauben, es sich mit einem der beiden Handelspartner zu verscherzen. Die USA sind der wichtigste Absatzmarkt der deutschen Exporte, China\u00a0\u2013 nach Frankreich\u00a0\u2013 die Nummer drei, so das Bundeswirtschaftsministerium.<\/p>\n<p>Manche Beobachter hoffen, dass sich der chinesisch-amerikanische Konflikt nach der Abwahl von Trump entsch\u00e4rfen wird. Wir sollten aber nicht vergessen, dass diese konfrontative Haltung gegen\u00fcber China keine wirre Laune eines Pr\u00e4sidenten ist, sondern inzwischen breit im sicherheitspolitischen Establishment der USA verankert ist.<\/p>\n<p>Auch wenn es im Handelskonflikt zwischen China und den USA zwischenzeitlich zu einer Entspannung kommen sollte, spricht vieles f\u00fcr einen dauerhaften Konflikt zwischen den beiden Gro\u00dfm\u00e4chten. In den letzten Jahren hat sich auf der Seite der USA n\u00e4mlich ein fundamentaler Wandel in Bezug auf die Einsch\u00e4tzung Chinas ergeben. Seitdem wird China im au\u00dfenpolitischen Establishment der USA\u00a0\u2013 und zwar sowohl bei den Republikanern als auch bei den Demokraten\u00a0\u2013 nicht mehr als Partner, sondern als systemischer Wettbewerber um die Vormachtstellung in der Geopolitik angesehen, wie eine Studie zu den amerikanischen China-Experten herausgestellt hat.<\/p>\n<p>Selbst die Wirtschaft, einschlie\u00dflich der Wall Street, setzt sich inzwischen nicht mehr durchgehend f\u00fcr ein kooperatives Verh\u00e4ltnis zu China ein. Neben dem ewigen \u00c4rger in Bezug auf die Verletzung intellektueller Eigentumsrechte ist inzwischen der Eindruck entstanden, dass chinesische Konzerne aufgrund ihrer dynamischen Entwicklung bei Zukunftstechnologien wie 5G und K\u00fcnstlicher Intelligenz in absehbarer Zeit zu gef\u00e4hrlichen Konkurrenten ihrer amerikanischen Ebenbilder heranwachsen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Auch nach einer Trump-Pr\u00e4sidentschaft ist daher keine grunds\u00e4tzliche Entspannung im Verh\u00e4ltnis zwischen den beiden Gro\u00dfm\u00e4chten zu erwarten. An die Stelle des \u00bbWar on Terror\u00ab ist nun der geopolitische Wettbewerb mit China als zentrales Motiv der US-Au\u00dfenpolitik getreten, zunehmend unterst\u00fctzt durch geo\u00f6konomische Rivalit\u00e4ten.<\/p>\n<p>Aus der Sicht der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik kann sich aus diesem \u00bbamerikanisch-chinesischen Weltkonflikt\u00ab ganz leicht eine De-Globalisierung zugunsten zweier getrennter Sph\u00e4ren ergeben, eine unter chinesischer und eine unter amerikanischer Dominanz. Dritte L\u00e4nder werden sich entscheiden m\u00fcssen, f\u00fcr die eine oder andere Seite. F\u00fcr die deutsche Exportindustrie sind das miserable Perspektiven.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Neue Risiken in den chinesischen Absatzm\u00e4rkten<\/h1>\n<p>In den vergangenen zehn Jahren, insbesondere seit dem gro\u00dfen Konjunkturprogramm nach der Finanzkrise hat die deutsche Exportwirtschaft ganz besonders von der Nachfrage aus China profitiert. Der chinesische Appetit nach deutschen Luxusautomobilen und Maschinen war scheinbar grenzenlos.<\/p>\n<p>Auch unabh\u00e4ngig vom amerikanisch-chinesischen Konflikt droht den deutschen Exporteuren auf den chinesischen M\u00e4rkten nun allerdings Unheil. Um das Wirtschaftswachstum auf einem politisch gew\u00fcnschten hohen Niveau zu halten, hat die chinesische F\u00fchrung den Banken in den letzten Jahren eine vergleichsweise liberale Politik in Bezug auf die Kreditvergabe vorgeschrieben. Mit der stark gestiegenen Verschuldung Chinas\u00a0\u2013 die Verschuldung von Unternehmen au\u00dferhalb des Finanzsektors liegt mit \u00fcber 150\u00a0Prozent des Bruttoinlandsprodukts doppelt so hoch wie in den USA (circa 75\u00a0Prozent) und fast dreimal so hoch wie in Deutschland (etwa 55\u00a0Prozent)\u00a0\u2013 geht ein Risiko gr\u00f6\u00dferer Kreditausf\u00e4lle einher, so eine aktuelle Bestandsaufnahme von Matthias Janson. Eine Studie des Berliner MERICS-Instituts geht davon aus, dass sich diese Unternehmensverschuldung noch weiter steigern wird.<\/p>\n<p>Das deutlich gestiegene Risiko des Ausfalls von Unternehmenskrediten trifft in China auf eine Situation, in der die Banken noch unter den Kreditausf\u00e4llen der letzten wirtschaftlichen Stimulationsphase nach der globalen Wirtschaftskrise 2008 leiden, wie ich in meinen Studien zum chinesischen Wirtschaftssystem gezeigt habe. Eigentlich w\u00e4ren in dieser Situation eine eingeschr\u00e4nkte Kreditvergabe und ein langsamer Abbau der durch \u00bbfaule\u00ab Kredite entstandenen Risiken angebracht, eine Anforderung, die auf absehbare Zeit jedoch nicht erf\u00fcllt werden kann, weil das hohe Kreditniveau zur Stabilisierung der Wirtschaft in der Corona-Krise ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n<p>Nicht nur die Stabilit\u00e4t der \u00d6konomie macht den deutschen Exporteuren in Bezug auf ihre weiteren Gesch\u00e4fte in China Sorgen, sondern auch die politischen Restriktionen, denen sie zunehmend ausgesetzt sind. Damit sind weniger die Spannungen rund um Honkong gemeint, deren Auswirkungen auf deutsche Exporte bisher gering blieben. Zu den neuesten Herausforderungen geh\u00f6rt die Ausweitung des umfassenden chinesischen Sozialkreditsystems auf Unternehmen. Ganz abgesehen von generellen Sorgen \u00fcber die damit zur Verf\u00fcgung zu stellenden Daten besteht das Risiko, dass deutsche Unternehmen, die sich in irgendeiner Form politisch unliebsam gemacht haben, als \u00bbstark vertrauensunw\u00fcrdige Unternehmen\u00ab eingestuft und aus dem Land geworfen werden\u00a0\u2013 eine f\u00fcr manche Unternehmen angesichts der Bedeutung der chinesischen Exportm\u00e4rkte existentielle Bedrohung.<\/p>\n<p>Risiken drohen der deutschen Exportindustrie in Zukunft schlie\u00dflich auch von der Neuausrichtung der chinesischen \u00d6konomie. Diese wandelt sich nicht nur von der traditionellen Rolle als Produktions\u00f6konomie zu einer modernen Dienstleistungs\u00f6konomie, sondern auch weg von arbeitsintensiven Billigexporten und hin zu High-Tech-Exporten. Diese Neuorientierung bremst nicht nur die Nachfrage nach deutschen Ausr\u00fcstungsg\u00fctern im Maschinenbau, sondern sorgt mittelfristig auch daf\u00fcr, dass chinesische Unternehmen als Konkurrenten mit einem \u00e4hnlichen Produktportfolio wie die deutsche Industrie auftreten k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sieht die deutsche chemische Industrie inzwischen von \u00bbChinas Streben nach Dominanz in globalen Zuliefer- und Wertsch\u00f6pfungsketten\u00ab deutlich herausgefordert. Seit etwa 2015 sieht sie einen klaren Wandel von der Kooperation zur Systemkonkurrenz und fordert ein Nachdenken \u00fcber die Abkopplung von den zunehmend chinesisch gepr\u00e4gten Wertsch\u00f6pfungsketten.<\/p>\n<p>Weitere Spannungen ergeben sich durch Irritationen \u00fcber chinesische Firmenk\u00e4ufe in Deutschland. Gegenma\u00dfnahmen der Bundesregierung k\u00f6nnen schnell zu Restriktionen f\u00fcr deutsche Exporteure f\u00fchren. Ein China-Boom, wie ihn die deutsche Exportindustrie in den vergangenen drei Jahrzehnten erlebt hat, wird sich jedenfalls nicht wiederholen, auch wenn ordentliche Ausfuhren nach China nach der ersten Welle der Corona-Krise daf\u00fcr gesorgt haben, dass der deutsche Exportsektor 2020 nicht v\u00f6llig eingebrochen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Der Brexit und die deutschen Exporte<\/h1>\n<p>Die potenzielle Relevanz politischer Konflikte\u00a0\u2013 jenseits pur \u00f6konomischer Risiken\u00a0\u2013 ist den deutschen Exporteuren in j\u00fcngster Vergangenheit bereits im Rahmen des Brexits demonstriert worden. Immerhin ist Gro\u00dfbritannien au\u00dferhalb der Eurozone der wichtigste Exportmarkt in Europa und insgesamt Nummer f\u00fcnf auf der Liste deutscher Exportdestinationen (nach den USA, Frankreich, China und den Niederlanden).<\/p>\n<p>Die Unsicherheit \u00fcber den Verlauf und die Folgen des Brexits hat bereits fr\u00fchzeitig seine negativen Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft gezeigt. Der Handel zwischen Deutschland und Gro\u00dfbritannien ist in den letzten Jahren bereits deutlich zur\u00fcckgegangen\u00a0\u2013 fr\u00fcher war das Land die drittwichtigste deutsche Exportadresse. Nach Berechnungen des DIW hat die Brexit-Entscheidung damit in den ersten drei Jahren nach der Abstimmung 0,8\u00a0Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes gekostet, mit voraussichtlich noch einmal denselben Verlusten im Jahr 2020\/21.<\/p>\n<p>Besonders gravierend ist der Brexit f\u00fcr Unternehmen, die Produktionsst\u00e4tten in Gro\u00dfbritannien haben, so wie BMW mit dem Mini und dem Motorenwerk Hams Hall. St\u00f6rungen in den ausgefeilten grenz\u00fcberschreitenden Lieferketten k\u00f6nnen hier f\u00fcr erhebliche Turbulenzen sorgen.<\/p>\n<p>Hinzu kommen regulatorische Probleme. Von letzteren wird vor allem die Chemieindustrie getroffen. Das gilt insbesondere f\u00fcr einen Brexit ohne umfassendes Handelsabkommen, denn in diesem Falle h\u00e4tten alle Chemikalien, die in Gro\u00dfbritannien produziert werden, in der Europ\u00e4ischen Union keine Zulassung mehr. Gleiches gilt f\u00fcr die Pharmaindustrie, die zudem besonders eng mit Gro\u00dfbritannien verflochten ist.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich drohen der deutschen Exportindustrie auch jenseits der direkten Brexit-Folgen in Zukunft in Gro\u00dfbritannien empfindliche Einbu\u00dfen. Die hohen britischen Leistungsbilanzdefizite wurden bereits erw\u00e4hnt. Bisher wurden diese wegen der Bedeutung des britischen Finanzsektors f\u00fcr die europ\u00e4ische Wirtschaft toleriert. Nicht nur der Bedeutungsverlust der City nach dem Brexit, sondern auch die damit verbundene Ersch\u00f6pfung des kreditgetriebenen Wirtschaftsmodells k\u00f6nnten in Zukunft dazu f\u00fchren, dass die Rolle der britischen \u00d6konomie als Absatzmarkt deutscher Exporte weiter eingeschr\u00e4nkt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Rechtspopulismus in Osteuropa und die Abh\u00e4ngigkeit von deutschen Exportunternehmen<\/h1>\n<p>Neben der Wahl von US-Pr\u00e4sident Trump und der Brexit-Entscheidung hat in den letzten Jahren der Aufstieg des Rechtspopulismus in Osteuropa die politischen Risiken f\u00fcr das deutsche Exportmodell besonders nachhaltig verdeutlicht.<\/p>\n<p>Nach der Eurozone und Gro\u00dfbritannien sind die osteurop\u00e4ischen Transformationsstaaten der wichtigste deutsche Exportmarkt in Europa. Wirtschaftlich sind die Beziehungen mit den osteurop\u00e4ischen Staaten bisher gut. Die \u00d6konomien der Region zeigen weiterhin ein robustes Wachstum, gest\u00fctzt auf Investitionen deutscher Unternehmen.<\/p>\n<p>Die Risiken stammen hier\u00a0\u2013 wie auch im Fall des Brexits\u00a0\u2013 aus dem politischen Bereich. Unterschiedliche Vorstellungen zum Thema Migration und zur Rechtstaatlichkeit des Regierens haben in den letzten Jahren zu erheblichen Spannungen gef\u00fchrt, bis hin zur Drohung mit der Entziehung von Stimmrechten oder Finanzzuweisungen in der EU.<\/p>\n<p>Die politischen Spannungen mit den rechtspopulistischen Regierungen in Osteuropa k\u00f6nnen aber auch \u00f6konomisch an Relevanz zunehmen. Das gilt insbesondere dann, wenn diese Regierungen im Falle weiterer Sanktionen dazu \u00fcbergehen sollten, die Entscheidungsfindung in der EU generell zu blockieren.<\/p>\n<p>In einer l\u00e4ngerfristigen Perspektive droht der deutschen Exportwirtschaft noch aus anderer Richtung Unheil: In der Region w\u00e4chst das Bewusstsein f\u00fcr die extreme Abh\u00e4ngigkeit von ausl\u00e4ndischen (vor allem deutschen) multinationalen Unternehmen, die Arjan Vliegenthart und ich unter der Bezeichnung \u00bbDependent Market Economies\u00ab zusammengefasst haben. Insbesondere der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki betont dieses Problem regelm\u00e4\u00dfig, speziell im Hinblick auf die damit einhergehende Schw\u00e4chung der nationalen Industrie.<\/p>\n<p>Diese Abh\u00e4ngigkeit ist mittelbar auch f\u00fcr den Aufstieg des Rechtspopulismus in L\u00e4ndern wie Polen und Ungarn verantwortlich. Die Produktionsstandorte der ausl\u00e4ndischen Direktinvestitionen sind r\u00e4umlich sehr konzentriert. Metropolregionen haben von diesen Investitionen sehr profitiert, l\u00e4ndliche Regionen aber fast gar nicht\u00a0\u2013 genau in diesen l\u00e4ndlichen Regionen liegen aber die Hochburgen der rechtspopulistischen Parteien, die in beiden L\u00e4ndern an der Regierung sind.<\/p>\n<p>Bisher wird die prominente Rolle deutscher Exportunternehmen in der Region noch toleriert, man ben\u00f6tigt ja den damit einhergehenden Technologietransfer. Zudem werden gr\u00f6\u00dfere Konflikte mit Deutschland vermieden, um die finanziellen Transfers aus dem Agrarhaushalt und den Strukturfonds nicht zu gef\u00e4hrden. Langfristig allerdings ist nicht ausgeschlossen, dass man die Rolle der deutschen Exportunternehmen in der osteurop\u00e4ischen Wirtschaft deutlich zur\u00fcckdr\u00e4ngen m\u00f6chte, zugunsten der Firmen in eigener Hand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Die Krise der deutschen Exportm\u00e4rkte in den gro\u00dfen Schwellenl\u00e4ndern<\/h1>\n<p>Mangelhafte nationale Kontrolle \u00fcber die vor Ort t\u00e4tigen Unternehmen ist in den meisten gro\u00dfen Schwellenl\u00e4ndern im Gegensatz zu den osteurop\u00e4ischen Transformations\u00f6konomien kein gro\u00dfes Problem. In L\u00e4ndern wie Russland, der T\u00fcrkei, S\u00fcdkorea, Mexiko und Indien achtet man traditionell (wie in China) darauf, dass es zu keinem \u00bbAusverkauf\u00ab der eigenen Wirtschaft kommt.<\/p>\n<p>Nach den Hauptexportregionen der deutschen Industrie (Europa, USA und China) sind diese \u00d6konomien inzwischen die wichtigsten Absatzm\u00e4rkte. Erstere hat insbesondere vom Boom des \u00bbstaatlich durchdrungenen Kapitalismus\u00ab in den Schwellenl\u00e4ndern w\u00e4hrend der ersten Dekade nach dem Millennium profitiert.<\/p>\n<p>Der Aufstieg dieser L\u00e4nder war ung\u00fcnstig f\u00fcr Unternehmen mit \u00e4hnlichen Produktportfolios wie beispielsweise der italienischen Textilindustrie, wie Ferdi De Ville und Mattias Vermeiren demonstriert haben. F\u00fcr deutsche Unternehmen hingegen war dieser Boom uneingeschr\u00e4nkt positiv, da die deutschen Exporte bisher kaum mit jenen der Schwellenl\u00e4nder konkurrierten, gleichzeitig aber ausgesprochen komplement\u00e4r f\u00fcr diesen Aufstieg waren. Deren Industrie ben\u00f6tigte beispielsweise den deutschen Maschinenbau zum Aufbau der Produktion und die Unternehmer orderten leidenschaftlich gerne deutsche Luxusautos.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren hat sich aber die wirtschaftliche Situation in den gro\u00dfen Schwellenl\u00e4ndern deutlich schlechter entwickelt, bis hin zu schweren Wirtschaftskrisen. \u00d6konomien von gro\u00dfen Ressourcenexporteuren wie Russland oder S\u00fcdafrika stagnierten, andere gro\u00dfe Schwellenl\u00e4nder befinden sich sogar in tiefen Rezessionen, wie beispielsweise Brasilien und die T\u00fcrkei\u00a0\u2013 und all das noch vor der Corona-Krise. Auch die s\u00fcdkoreanische \u00d6konomie, einer der gr\u00f6\u00dften Gewinner der letzten Jahrzehnte, leidet bereits seit 2018 unter der weltwirtschaftlichen Eintr\u00fcbung, dem geringeren Wirtschaftswachstum in China und den politischen Spannungen mit Japan. In Indien, dem Land mit dem gr\u00f6\u00dften Wachstumspotenzial unter den deutschen Exportm\u00e4rkten, sorgt die konfrontative Politik der hindunationalistischen Regierungspartei schon seit Jahren f\u00fcr ein Wachstum unter diesem Potenzial, da sie regelm\u00e4\u00dfig zu sozialen und politischen Turbulenzen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den letzten beiden Dekaden werden die eta\u00adblierten Schwellenl\u00e4nder den Absatz der deutschen Exportwirtschaft daher in n\u00e4chster Zeit nicht mehr retten k\u00f6nnen. Ein Ausweichen auf die weniger gro\u00dfen, aber in n\u00e4chster Zeit voraussichtlich schneller wachsenden Schwellenl\u00e4nder der \u00bbzweiten Reihe\u00ab (so die Studie von BayernLB und Prognos), also beispielsweise den Irak, die Philippinen, Vietnam, \u00c4gypten, Indonesien, Nigeria, Thailand, Pakistan oder den Iran, wird aber in vielen F\u00e4llen daran scheitern, dass die deutsche Industrie eher im technologischen Premiumbedarf spezialisiert ist und nicht in der in diesen L\u00e4ndern besonders gefragten einfachen und robusten Technologie (wie sie beispielsweise von China bereitgestellt wird). Zudem fehlen hier die in anderen Schwellenl\u00e4ndern \u00fcber Jahrzehnte etablierten Vertriebskan\u00e4le der deutschen Industrie\u00a0\u2013 w\u00e4hrend chinesische Unternehmen auch hier zuletzt sehr r\u00fchrig waren. Diese ung\u00fcnstige Perspektive gilt schlie\u00dflich auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Involvierung solcher Schwellenl\u00e4nder in milit\u00e4rische Konflikte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Die globale Zunahme milit\u00e4rischer Konflikte als Risiko f\u00fcr deutsche Exporte<\/h1>\n<p>In den letzten Jahren hat sich die Zahl aktiver milit\u00e4rischer Konflikte deutlich erh\u00f6ht. Nach Angaben des norwegischen Friedensforschungsinstitut PRIO (im \u00bbJournal of Peace Research\u00ab) erreicht sie wieder die Dimension ihres bisherigen Gipfels Anfang der 1990er-Jahre. Damals wurde die Zahl dieser Konflikte allerdings durch eine Reihe von Friedensabkommen rasch reduziert\u00a0\u2013 was heute nicht in Sicht liegt.<\/p>\n<p>Die Anzahl der Konfliktherde mit Eskalationspotenzial ist inzwischen kaum noch zu \u00fcbersehen. Akut und mit Waffengewalt wird nach wie vor der Syrien-Konflikt ausgefochten, in den neben der Assad-Regierung Russland, die T\u00fcrkei, der Iran und\u00a0\u2013 \u00fcber die Kurden\u00a0\u2013 die USA verwickelt sind. Insbesondere in Bezug auf den Status der Kurden im Nordirak gibt es kaum \u00fcberbr\u00fcckbare Divergenzen zwischen der T\u00fcrkei, den USA und der syrischen Regierung. Immer st\u00e4rker zu einem internationalen Konflikt entwickelt sich zudem der Konflikt in Libyen, bei zunehmender Involvierung \u00c4gyptens, der T\u00fcrkei, Frankreichs und Russlands.<\/p>\n<p>Die USA sowie Gro\u00dfbritannien befinden sich seit der Aufk\u00fcndigung des Atomabkommens durch die USA im Jahr 2019 und den sp\u00e4teren St\u00f6rungen im Schiffsverkehr in der Stra\u00dfe von Hormus zunehmend in einer Eskalationsspirale mit dem Iran. Weiter angetrieben wurde die Eskalation durch Angriffe auf die saudische \u00d6lindustrie im September 2019. Der amerikanische Angriff auf einen iranischen General f\u00fchrte sogar zum h\u00f6chsten Ausschlag des \u00bbGeopolitical Risk Index\u00ab seit dem zweiten Golfkrieg, so eine Studie des DIW.<\/p>\n<p>Es ist auch nicht zu erwarten, dass sich diese Situation grundlegend entsch\u00e4rft. Die USA und der Iran verzichten derzeit insbesondere wegen der Corona-Krise auf eine weitere Eskalation, aber das muss nicht von Dauer sein. Die entsprechenden Spannungen sind langfristig eingebettet in der strategischen Rivalit\u00e4t zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, die an verschiedenen Schaupl\u00e4tzen im Nahen Osten ausgespielt wird.<\/p>\n<p>Weiterhin sehr angespannt ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Israel und seinen Nachbarn. Insbesondere der politisch angeschlagene Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanyahu hat die israelische Luftwaffe immer h\u00e4ufiger angewiesen, Ziele im Gazastreifen, Libanon, Syrien und dem Irak anzugreifen. Aber auch seine politischen Rivalen w\u00fcrden bei einer Regierungs\u00fcbernahme nicht unbedingt f\u00fcr mehr Frieden sorgen, teilen sie doch Netanyahus Expansionspl\u00e4ne im Westjordanland.<\/p>\n<p>Auch in weiteren Regionen sind latente Konflikte wieder virulent geworden. Dazu geh\u00f6rt insbesondere der Konflikt zwischen den Atomm\u00e4chten Indien und Pakistan, der 2019 mit einem Terroranschlag in Kaschmir begann und \u00fcber Luftangriffe und die Aufhebung der Autonomie f\u00fcr die Region Kaschmir durch die indische Regierung eskaliert ist. Hinzugekommen ist im Sommer 2020 ein Wiederaufflackern des Grenzkonflikts zwischen China und Indien.<\/p>\n<p>Weiterhin ungel\u00f6st sind auch der Ukraine-Konflikt und die entsprechenden Spannungen zwischen dem Westen und Russland, die durch die Aufk\u00fcndigung des INF-R\u00fcstungskontrollvertrags f\u00fcr Atomwaffen und j\u00fcngst durch das Attentat auf Alexej Nawalny noch weiter intensiviert wurden. Bereits die Sanktionen nach der Annexion der Krim\u00a0\u2013 und die russischen Gegensanktionen im Bereich der Landwirtschaft\u00a0\u2013 haben zu schmerzhaften Einbu\u00dfen bei den deutschen Exporten gef\u00fchrt\u00a0\u2013 und zu einer dauerhaften wirtschaftlichen Umorientierung auf der russischen Seite, berichten Svetlana Fedoseeva und Roland Herrmann.<\/p>\n<p>Sollte auch nur einer dieser latenten Konflikte in eine gr\u00f6\u00dfere milit\u00e4rische Konfrontation m\u00fcnden, d\u00fcrfte das sehr negative Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Deutschland w\u00fcrde unter der entsprechenden Eintr\u00fcbung der Weltwirtschaft st\u00e4rker leiden als jede andere gro\u00dfe Volkswirtschaft. Hinzu kommen schon jetzt Forderungen nach einem aufwendigen milit\u00e4rischen Schutz der deutschen Handelswege\u00a0\u2013 etwa in der Stra\u00dfe von Hormus\u00a0\u2013 wie sie 2019 bereits der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erhob.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Die politische Erpressbarkeit Deutschlands als Exportnation<\/h1>\n<p>Aber auch jenseits offen ausgetragener Konflikte stellt die Exportabh\u00e4ngigkeit der deutschen Wirtschaft ein gro\u00dfes politisches Risiko dar. Nicht zuletzt die aktuellen Spannungen in den transatlantischen Beziehungen machen auf einen weiteren Nachteil der besonderen Ausrichtung der deutschen Wirtschaft aufmerksam, die damit einhergehende politische Erpressbarkeit.<\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Trump hat inzwischen den deutschen Au\u00dfenhandels\u00fcberschuss mit dem deutschen Beitrag zur Finanzierung der NATO verkn\u00fcpft. Er hat damit den Druck auf die Bundesregierung erh\u00f6ht, gegen den Willen gro\u00dfer Teile des Bundestages eine deutliche Erh\u00f6hung des Milit\u00e4rbudgets vorzunehmen. Sollte er sich durchsetzen, m\u00fcssen alle Steuerzahler f\u00fcr die Ausnahmestellung des Exportsektors bezahlen.<\/p>\n<p>Diese Situation ist nicht g\u00e4nzlich neu. Bereits in den 1960er-Jahren irritierte der Kontrast zwischen den (noch moderaten) deutschen Export\u00fcbersch\u00fcssen und den\u00a0\u2013 damals sehr hohen\u00a0\u2013 Kosten, die den USA durch die Stationierung amerikanischer Soldaten in Deutschland entstanden. Nach langen Verhandlungen brachte die amerikanische Regierung 1961 die Bundesregierung dazu, einen entsprechenden Ausgleich (\u00bbOffset\u00ab) zu bezahlen; insgesamt hat die Bundesrepublik im Rahmen des bis 1976 laufenden Abkommens \u00fcber zehn Milliarden D-Mark als \u00bbTruppendollar\u00ab an die USA bezahlt, wie Hubert Zimmermann bei seiner Analyse hervorgehoben hat.<\/p>\n<p>Die politische Expressbarkeit einer exportfixierten Nation zeigt sich aber nicht nur gegen\u00fcber den USA. Zudem f\u00e4llt die deutsche Bundesregierung auch seit L\u00e4ngerem mit einer sehr gem\u00e4\u00dfigten Rhetorik gegen\u00fcber chinesischen Menschenrechtsverst\u00f6\u00dfen auf. Man kann von der Sinnhaftigkeit solcher Belehrungen halten, was man will, der Zusammenhang der Abh\u00e4ngigkeit der deutschen Industrie vom Export nach China ist jedenfalls unverkennbar.<\/p>\n<p>Auch diese Situation ist durchaus fragil, eine Situation, bei der die deutsche Au\u00dfenpolitik und die Interessen der Exportwirtschaft kollidieren, ist leicht vorstellbar. Und Sanktionen gegen\u00fcber China w\u00fcrden kaum m\u00f6glich sein, wenn man bedenkt, dass jene gegen\u00fcber Russland\u00a0\u2013 bei einem Viertel des Exportvolumens\u00a0\u2013 f\u00fcr die deutsche Industrie schon sehr schmerzhaft sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Auswirkungen des Klimawandels auf deutsche Exportunternehmen<\/h1>\n<p>In Bezug auf die kommende Belastung der deutschen Exportwirtschaft durch den Klimawandel ist man weniger auf Spekulationen angewiesen. In einer l\u00e4ngerfristigen Perspektive drohen der extrem exportorientierten deutschen Wirtschaft auch in Bezug auf den Klimawandel besondere Gefahren\u00a0\u2013 mal ganz davon abgesehen, dass die deutschen Exporte durch die CO2-Emissionen von Flugzeugen und Containerschiffen auch selbst erheblich zum Klimawandel beitragen.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu anderen Weltregionen halten sich die direkten Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland bisher in engen Grenzen. Extremwetterereignisse wie St\u00fcrme, ausgepr\u00e4gte Hitzeperioden oder Starkniederschl\u00e4ge sind bei uns\u00a0\u2013 wenngleich zunehmend\u00a0\u2013 im internationalen Vergleich noch relativ selten.<\/p>\n<p>Wenn man aber neben der direkten Verletzbarkeit durch den Klimawandel auch die indirekte hinzuzieht, \u00e4ndert sich die Situation, so jedenfalls eine Studie des Potsdam-Instituts im Auftrag des Bundesumweltamtes. Gerade den komplexen Wertsch\u00f6pfungsketten der deutschen Industrie drohen durch klimabedingte St\u00f6rungen besondere Risiken.<\/p>\n<p>Risiken des Klimawandels auf der Beschaffungsseite\u00a0\u2013 etwa in Bezug auf Lieferanten oder die Versorgung mit Wasser und Energie\u00a0\u2013 treffen potenziell jede Industrie, ob f\u00fcr die Binnennachfrage oder den Export produzierend. Prozessrisiken\u00a0\u2013 also etwa eine potenzielle Beeintr\u00e4chtigung von Mitarbeitern oder Geb\u00e4uden\u00a0\u2013 sind f\u00fcr die Exportindustrie schon problematischer, falls sie nahe an direkt vom Klimawandel stark betroffenen M\u00e4rkten wie Bangladesch oder Indien produzieren. Besonders gravierend f\u00fcr die deutsche Exportindustrie sind aber indirekte Klimarisiken auf der Nachfrageseite, wenn also ihre Kunden\u00a0\u2013 oder die zu diesen Kunden f\u00fchrende Verkehrsinfrastruktur\u00a0\u2013 unter dem Klimawandel leiden.<\/p>\n<p>Eine Differenzierung deutscher Industriebranchen in Bezug auf ihre Verletzbarkeit durch den Klimawandel zeigt, dass insbesondere die Automobilindustrie in Zukunft zu den besonders gef\u00e4hrdeten Branchen geh\u00f6rt. Sie ist nicht nur im Rahmen ihrer Just-in-time-Fertigung besonders von Importen aus Regionen abh\u00e4ngig, die stark vom Klimawandel betroffen sind, sondern produziert auch besonders stark in und f\u00fcr diese Regionen. Deutlich wurde das beispielsweise durch die Flutkatastrophe 2011 in Thailand, die zu gravierenden Produktions- und Nachfrageausf\u00e4llen f\u00fchrte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Neue Risiken aus der internationalen Steuerpolitik<\/h1>\n<p>Nicht nur durch den Klimawandel drohen der deutschen Exportwirtschaft in Zukunft gr\u00f6\u00dfere Herausforderungen, sondern auch durch die Aushandlung internationaler Steuerabkommen. Es steht zu erwarten, dass die Steuerzahlungen deutscher Exportkonzerne an den deutschen Fiskus in Zukunft deutlich geringer ausfallen werden.<\/p>\n<p>Den Hintergrund dieser Entwicklung bildet die Beobachtung, dass amerikanische Digitalkonzerne in Europa Milliarden verdienen, aber in nur sehr geringem Ma\u00dfe hier Steuern bezahlen. Das liegt daran, dass Steuerzahlungen in der Regel auf Gewinne an den Gesch\u00e4ftssitzen bezahlt werden, die Bindung an solche physischen Niederlassungen bei den modernen Digitalkonzernen aber kaum noch eine Rolle spielt. In der Folge deklarieren die Digitalkonzerne ihre Gewinne gezielt in Niedrigsteuerstandorten.<\/p>\n<p>Um diese Situation zu \u00e4ndern, haben Frankreich und einige andere L\u00e4nder damit begonnen, neue Digitalsteuern einzuf\u00fchren. Diese Initiative intensiviert nicht nur die handelspolitischen Spannungen mit den USA, sondern k\u00f6nnte f\u00fcr die deutschen Exportunternehmen noch zu gravierenden Belastungen f\u00fchren.<\/p>\n<p>In der internationalen Steuerpolitik gibt es schon lange den berechtigten Vorwurf vieler Entwicklungsl\u00e4nder, dass die Doppelbesteuerungsabkommen mit Industriel\u00e4ndern dazu f\u00fchren, dass multinationale Unternehmen viel zu geringe Steuern im globalen S\u00fcden abf\u00fchren, so eine Studie von Martin Hearson. Die Einf\u00fchrung der neuen Konzepte sollte nun in Bezug auf die Prinzipien der internationalen Steuerpolitik dazu f\u00fchren, dass Unternehmen viel st\u00e4rker in ihren Absatzm\u00e4rkten besteuert werden sollen, am Ort der Wertsch\u00f6pfung. Sollte sich diese Initiative durchsetzen, d\u00fcrften deutsche Unternehmen zu den Hauptleidtragenden geh\u00f6ren, da sie besonders exportstark sind und einen nicht geringen Anteil ihres Absatzes in den gro\u00dfen Schwellenl\u00e4ndern t\u00e4tigen, so eine Expertise des M\u00fcnchner ifo Instituts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Der riskante Charakter der deutschen Exportabh\u00e4ngigkeit in unsicheren Zeiten<\/h1>\n<p>In der Zusammenschau wird mehr als deutlich, wie gef\u00e4hrlich die ausgepr\u00e4gte Exportabh\u00e4ngigkeit der deutschen Industrie ist. Die damit verbundenen Leistungsbilanz\u00fcbersch\u00fcsse f\u00fchren zu Konflikten mit anderen Wirtschaftsr\u00e4umen. Die deutsche Exportfixierung war mitverantwortlich f\u00fcr den Ausbruch der Eurokrise und f\u00fchrt durch ihre Generalisierung im Rahmen der Eurorettung zu erheblichen Konflikten in der Europ\u00e4ischen Union, insbesondere mit Italien. Inzwischen ist sie ein erhebliches Problem f\u00fcr die Weltwirtschaft.<\/p>\n<p>In Zukunft drohen der deutschen Wirtschaft aufgrund ihrer Exportorientierung zudem erhebliche Risiken, da fast alle ihrer Kernabsatzm\u00e4rkte mit starken \u00f6konomischen und politischen Schwierigkeiten zu k\u00e4mpfen haben. Diese Risiken reichen vom strukturellen R\u00fcckgang der Globalisierung \u00fcber den Brexit sowie den neuen Kalten Krieg zwischen China und den USA bis hin zu einer Zunahme milit\u00e4rischer Konflikte. Langfristig kommen noch indirekte Risiken durch den Klimawandel hinzu.<\/p>\n<p>Selbst wenn nicht alle diese Risiken realisiert werden sollten, ist schon die wachsende Unsicherheit f\u00fcr die Exportunternehmen eine erhebliche Belastung\u00a0\u2013 wer nimmt in einer solchen Situation schon langfristige Investitionen zur Erweiterung von Produktionskapazit\u00e4ten vor?<\/p>\n<p>Stark mit dem Ausland verflochtene \u00d6konomien reagieren auf einen geopolitischen Schock weit st\u00e4rker als weniger verflochtene. Und solche Schocks sind in einer \u00c4ra der Erosion der westlich dominierten Weltwirtschaftsordnung nun einmal viel wahrscheinlicher als in den Jahrzehnten davor.<\/p>\n<p>Die ausgepr\u00e4gte Exportorientierung der deutschen Wirtschaft ist allerdings nicht nur in Zukunft wegen ihrer Abh\u00e4ngigkeit von internationalen Entwicklungen sehr riskant, sondern war auch in den letzten Jahren schon ziemlich ineffizient, trotz solider Wachstumsraten. Im n\u00e4chsten Kapitel werden wir sehen, welche Gruppen unter dem extremen deutschen Exportmodell leiden\u00a0\u2013 und welche davon profitieren.<\/p>\n<p>Matthew C. Klein und Michael Pettis haben j\u00fcngst eine sehr prononcierte Analyse vorgelegt, die die Themen dieser beiden Kapitel miteinander verkn\u00fcpft. Ihr Buch Trade Wars Are Class Wars verbindet die in diesem Kapitel dokumentierte Konflikthaftigkeit des deutschen Exportmodells mit seiner im folgenden Kapitel analysierten sozialen Ungleichheit.<\/p>\n<p>(Fu\u00dfnoten finden sich im Buch)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Buchauszug Andreas N\u00f6lke: \u201eExportismus. Die deutsche Droge\u201c Westend Verlag, 2021, https:\/\/www.westendverlag.de\/buch\/exportismus\/ Warum die deutsche Exportabh\u00e4ngigkeit in Zukunft ein gro\u00dfes Risiko darstellt Die ausgepr\u00e4gte Exportabh\u00e4ngigkeit der deutschen Wirtschaft hat zwar in den letzten 15 Jahren zu einem soliden Wirtschaftswachstum und &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/03\/29\/buchauszug-andreas-noelke-exportismus-die-deutsche-droge\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[10728,10727,10695],"class_list":["post-679321","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-buchauszug-andreas-noelke-exportismus-die-deutsche-droge","tag-buchauzug","tag-westend-verlag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/679321","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=679321"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/679321\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":679335,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/679321\/revisions\/679335"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=679321"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=679321"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=679321"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}