{"id":679064,"date":"2022-02-19T19:21:10","date_gmt":"2022-02-19T18:21:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=679064"},"modified":"2022-02-20T17:22:05","modified_gmt":"2022-02-20T16:22:05","slug":"morgens-um-zehn-gabs-erst-mal-whisky-werbeikone-thomas-koch-ueber-die-wilden-zeiten-in-den-agenturen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/02\/19\/morgens-um-zehn-gabs-erst-mal-whisky-werbeikone-thomas-koch-ueber-die-wilden-zeiten-in-den-agenturen\/","title":{"rendered":"Morgens um zehn gab&#8217;s erst mal Whisky &#8211; Werbeikone Thomas Koch \u00fcber die wilden Zeiten in den Agenturen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Werbeikone Thomas Koch &#8211; bei Twitter @ufomedia &#8211; \u00fcber die alten, wilden Zeiten in den 70-ger Jahren, als es in Werbeagenturen morgens den Zehn-Uhr-Schluck Whisky gab und niemand vor dem Nachmittag zu arbeiten begann. Auf WiWo.de schreibt Koch die Kolumne Werbesprech.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><strong>Mad Men in D\u00fcsseldorf<\/strong><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Aufzug hielt im vierten Stock. Ich hatte es geschafft. Jetzt nur noch um die Ecke ins erste Zimmer rechts. Dann war ich angekommen in der bunten, aufregenden Welt der Werbung. F\u00fcr mich ging ein Traum in Erf\u00fcllung. Zugleich ahnte ich als 20-J\u00e4hriger nicht im Geringsten, was mich erwartete, was mir bevorsteht. Wie mich diese Branche ver\u00e4ndern w\u00fcrde. Was sie aus mir machen w\u00fcrde. Und dass ich doch immer ich selbst bleiben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jeder, der die preisgekr\u00f6nte US-Serie \u201eMan Men\u201c \u00fcber die Werbebranche der 60er Jahre in der New Yorker Madison Avenue kennt, muss den Eindruck gewinnen, in der Reklamebranche arbeiteten fr\u00fcher nur Zigaretten rauchende und Whiskey trinkende Machos. Gut, die Nichtraucher waren eindeutig in der Minderheit, als ich 1972 in der Werbebranche anfing. Gut, in der Mediaabteilung von Gramm &amp; Grey kam morgens um zehn, wenn endlich alle eingetrudelt waren, die Truppe zum \u201eZehn-Uhr-Schluck\u201c zusammen. Jeder hatte eine Flasche schottischen Whisky oder wahlweise auch Canadian Club in seiner Schublade und lud die Kollegen im Wechsel zum Umtrunk ein, ohne den der Arbeitstag unm\u00f6glich h\u00e4tte beginnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_679067\" style=\"width: 617px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-679067\" class=\"size-full wp-image-679067\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/02\/Mad-Men.jpg\" alt=\"\" width=\"607\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/02\/Mad-Men.jpg 607w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/02\/Mad-Men-280x300.jpg 280w\" sizes=\"auto, (max-width: 607px) 100vw, 607px\" \/><p id=\"caption-attachment-679067\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Koch anno 1974 (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens nach dem Mittagessen, zu dem reichlich Fernet Branca gereicht wurde, hatte jeder von uns einen im Tee. Nur logisch, dass fast jeden Abend bis tief in die Nacht nachgearbeitet werden musste. In einer Hinsicht unterschieden wir uns allerdings deutlich von den fiktiven Werbern der Madison Avenue: Machos, das waren wir gottwei\u00df nicht. Im Gegenteil: \u201eMutter der Kompanie\u201c war eine Kollegin, \u00e4lter als wir alle, die uns m\u00e4nnliche Jungspunde fest im Griff hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unser Chef, ein Berliner, den wir ob seiner Qualifikation in h\u00f6chstem Ma\u00dfe respektierten, bem\u00fchte sich nach Kr\u00e4ften &#8211; aber ohne gro\u00dfen Erfolg &#8211; dem Alkoholkonsum in seiner Abteilung entgegenzutreten. Eines alkoholschwangeren Tages kam er nach der Mittagspause zu uns in die vierte Etage hoch und stellte uns zur Rede: \u201eIck glob, det riecht hier nach Alkohol.\u201c Die Replik \u201eDitte, Herr Schmidt, muss ne optische T\u00e4uschung sein!\u201c, die mir unversehens herausrutschte, brachte mir zwar eine Verwarnung ein, aber nat\u00fcrlich auch den unbezahlbaren Respekt der Truppe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich war der Abteilungsj\u00fcngste, schon deshalb, weil ich zu den wenigen geh\u00f6rte, die nicht studiert hatten. Aber ich war der Einzige, der flie\u00dfend Englisch sprach &#8211; und damit als Mediaplaner unverzichtbar im t\u00e4glichen Kundenkontakt und f\u00fcr Pr\u00e4sentationen bei Firmen wie Playtex oder Block Drug, denn sie wurden komplett in englischer Sprache betreut. Das war gut. Die Kunden f\u00fchlten sich perfekt betreut. Und f\u00fcr mich war es noch besser. Meine Kollegen hatten zwar ein Studium, aber ich hatte einen kaum wettzumachenden Vorteil.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Jungplaner war ich dennoch zun\u00e4chst, glaube ich, kein gro\u00dfes Licht. Unvergessen die Episode, als der Chef am Vorabend einer wichtigen Pr\u00e4sentation meine gesamte Mediaempfehlung sprichw\u00f6rtlich vor meinen Augen zerriss. Ich solle gef\u00e4lligst, statt vom Vorjahr abzuschreiben, ein paar neue, mediastrategische Ideen entwickeln. Damit verabschiedete er sich aus der Agentur und lie\u00df das Greenhorn verzweifelt zur\u00fcck. Meine werten Kollegen waren ebenfalls l\u00e4ngst im Feierabend &#8211; und ich damit auf mich allein gestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1><strong>\u00dcber Nacht die Erfolgs-Pr\u00e4sentation f\u00fcr Knorr<\/strong><\/h1>\n<p>Eine harte Schule, doch der Lerneffekt war immens. Ich entwickelte in dieser Nacht eine neuartige Streuung der Anzeigenschaltungen f\u00fcr unseren Kunden Knorr. Es war bereits nach drei Uhr morgens, als ich fertig wurde, doch die Pr\u00e4sentation geriet zum gro\u00dfen Erfolg. Ich war m\u00fcde, aber gl\u00fccklich \u2013 ich hatte es nicht nur geschafft, sondern in dieser Nacht auch viel gelernt. Zum Beispiel, dass man in der Werbebranche autodidaktische F\u00e4higkeiten braucht. Und dass man mit dem erlernten Handwerkszeug alleine oft genug nicht weiterkommt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_679068\" style=\"width: 432px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-679068\" class=\"size-full wp-image-679068\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/02\/Mad-Men2.jpg\" alt=\"\" width=\"422\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/02\/Mad-Men2.jpg 422w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/02\/Mad-Men2-195x300.jpg 195w\" sizes=\"auto, (max-width: 422px) 100vw, 422px\" \/><p id=\"caption-attachment-679068\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Koch (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Arbeitsbeginn am Nachmittag, daf\u00fcr wurden die N\u00e4chte zum Tag gemacht<\/h1>\n<p>Diese ersten Jahre, an denen wir erst nachmittags zu arbeiten begannen und unser Chef gelegentlich unsere Nacht zum Tag machte, legten vermutlich einen Grundstein f\u00fcr den Nachtarbeiter in mir. Es hat mir nie geschadet. Doch bleiben konnte ich bei Gramm &amp; Grey auf Dauer nicht. Bei jeder Bef\u00f6rderung zum Planungsgruppenleiter wurden mir meine studierten Kollegen vorgezogen. Deshalb wechselte ich nach gut vier Jahren zu R.W. Eggert, wo ich schnell zum Mediaplanungschef aufstieg. Als kurz darauf GGK D\u00fcsseldorf einen neuen Mediachef suchte, war es ein Ex-Chef, der mir den Tipp gab, dass dort eine gro\u00dfe Chance auf mich lauern k\u00f6nnte. Er sollte Recht behalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ausgekocht: Die \u201egoldenen\u201c Jahre der Werbung hatten es in sich. Doch warum ihnen nachtrauern? Jede Zeit hat ihre sch\u00f6nen Tage \u2013 und sch\u00f6nen N\u00e4chte. Die heutige Zeit des Medienumbruchs ist sogar noch aufregender als damals. Und bietet jedem Platz, sich auszutoben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_679071\" style=\"width: 616px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-679071\" class=\"size-full wp-image-679071\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/02\/kochimgruenenmitMortimer-e1645289812865.jpg\" alt=\"\" width=\"606\" height=\"419\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/02\/kochimgruenenmitMortimer-e1645289812865.jpg 606w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/02\/kochimgruenenmitMortimer-e1645289812865-300x207.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/02\/kochimgruenenmitMortimer-e1645289812865-434x300.jpg 434w\" sizes=\"auto, (max-width: 606px) 100vw, 606px\" \/><p id=\"caption-attachment-679071\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Koch anno 2020 mit Twitter-Star Sir Mortimer @BassetMortimer (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Lesetipp: Als die Pressekonferenzen bei Grey noch mit Kaminfeuer stattfanden&#8230;<\/h1>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"9jZ17Rz4HI\"><p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2008\/12\/03\/bei-grey-am-kaminfeuer\/\">Bei Grey am Kaminfeuer<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Bei Grey am Kaminfeuer&#8220; &#8212; Management-Blog\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2008\/12\/03\/bei-grey-am-kaminfeuer\/embed\/#?secret=ZunQXcbVL9#?secret=9jZ17Rz4HI\" data-secret=\"9jZ17Rz4HI\" width=\"584\" height=\"329\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.<br \/>\nKontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<br \/>\nAlle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/h1>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Werbeikone Thomas Koch &#8211; bei Twitter @ufomedia &#8211; \u00fcber die alten, wilden Zeiten in den 70-ger Jahren, als es in Werbeagenturen morgens den Zehn-Uhr-Schluck Whisky gab und niemand vor dem Nachmittag zu arbeiten begann. Auf WiWo.de schreibt Koch die Kolumne &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/02\/19\/morgens-um-zehn-gabs-erst-mal-whisky-werbeikone-thomas-koch-ueber-die-wilden-zeiten-in-den-agenturen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[10632,10634,5021,2371,10633],"class_list":["post-679064","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-eggert","tag-gramm-grey","tag-thomas-koch","tag-werbeagentur","tag-werber"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/679064","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=679064"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/679064\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":679079,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/679064\/revisions\/679079"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=679064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=679064"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=679064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}