{"id":678733,"date":"2022-03-01T16:42:27","date_gmt":"2022-03-01T15:42:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=678733"},"modified":"2022-03-01T16:42:27","modified_gmt":"2022-03-01T15:42:27","slug":"ein-teller-salat-mit-baurechtler-stephan-freund-der-das-ewige-warten-auf-gerichte-und-sachverstaendige-satt-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/03\/01\/ein-teller-salat-mit-baurechtler-stephan-freund-der-das-ewige-warten-auf-gerichte-und-sachverstaendige-satt-hat\/","title":{"rendered":"Ein Teller Salat mit Baurechtler Stephan Freund, der das ewige Warten auf Gerichte und Sachverst\u00e4ndige satt hat"},"content":{"rendered":"<p>Nur um mal in eine Bauakte einer Beh\u00f6rde hineinsehen zu d\u00fcrfen, muss man sechs Monate auf den Termin warten, st\u00f6hnt Baurechtler Stephan Freund von der Kanzlei Heuking. Ganz neu ist mir sein \u00c4rger \u00fcber solche Zeitverluste nicht, aber seine Erz\u00e4hlungen und Beispiele werden jedes Jahr skurriler. Und tragischer. Fr\u00fcher berichtete er von der Genehmigung f\u00fcr einen Wintergarten an einem Reihenhaus, f\u00fcr den das Bauamt ein Jahr brauchte. Digitale Akten in den Beh\u00f6rden, die das Tempo beschleunigen k\u00f6nnten? Pustekuchen. Die Devise hei\u00dft Warten, Warten und wieder Warten &#8211; auf Beamte, auf Richter und Gerichte und vor allem Bausachverst\u00e4ndige.<\/p>\n<p>Im &#8222;Ash&#8220; im D\u00fcsseldorfer Norden erz\u00e4hlt er von einem Zwischenfall, den er k\u00fcrzlich erlebte bei einem Millionen-Prozess, der schon seit sieben Jahren l\u00e4uft: Beim letzten Termin vor einigen Monaten erschien ein Zeuge nicht, der Richter terminierte neu &#8211; &#8222;aufs Fr\u00fchjahr&#8220;, sagte der. Na gut, dachte Feund und sagte: &#8222;Also in ungef\u00e4hr sechs Monaten?&#8220; Doch der D\u00fcsseldorfer Jurist erntete nur Hohngel\u00e4chter. &#8222;Nein, nicht im kommenden Fr\u00fchjahr, sondern im Fr\u00fchjahr 2023&#8220;, korrigierte ihn der Richter, berichtet Freund.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_678738\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-678738\" class=\"size-full wp-image-678738\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/freund.5.heuking.heller.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/freund.5.heuking.heller.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/freund.5.heuking.heller-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/freund.5.heuking.heller-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-678738\" class=\"wp-caption-text\">Stephan Freund (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>War das eine Ausnahme? Nein, eher der Normalfall. Weitere Beispiele gef\u00e4llig? Freund erz\u00e4hlt von einer Luxemburger Firma, seiner Mandantin. Die wartet\u00a0 jetzt seit zweieinhalb Jahren auf den ersten Termin f\u00fcr die m\u00fcndliche Gerichtsverhandlung, erz\u00e4hlt der Rheinl\u00e4nder. Was sie tun k\u00f6nnten, um das Verfahren zu beschleunigen, wollten die Luxemburger von ihm wissen? &#8222;Nichts&#8220;, musste er antworten. Man k\u00f6nnte sich nur beim Gerichtspr\u00e4sidenten beschweren, das br\u00e4chte aber auch reinweg nichts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Null Handhabe gegen die Missst\u00e4nde<\/h1>\n<p>Was er denn seinen Mandanten dann noch sagen kann? Dass er alles Juristische f\u00fcr sie tun kann, auch Chancen und Risiken auszuloten &#8211; aber er k\u00f6nne kein Gericht in Gang bringen. Niemand kann das, daf\u00fcr gibt es keine Handhabe, keinen Paragrafen, nichts.<\/p>\n<p>Ob denn die Digitalisierung, die die ganze Welt wegen der Pandemie von jetzt auf gleich mitmachte, an der Justiz vorbeigegangen ist? So sieht\u00b4s aus, sagt Freund. Seine allererste Zoom-Gerichtsverhandlung habe er erst k\u00fcrzlich, im Januar 2022 zugeteilt bekommen &#8211; knapp zwei Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Folgen sind f\u00fcr manchen Klienten nicht nur teuer, sondern richtig tragisch: Etwa f\u00fcr die Dame, die vor acht Jahren von einem Bautr\u00e4ger ein altersgerechtes Haus f\u00fcr sich bauen lassen wollte. Damals war sie Mitte 60 und fit, Zeit genug, so schien\u00b4s. Seitdem steht aber erst der Rohbau und etwas mehr, die M\u00e4ngelliste umfasst 200 einzelne Punkte von Rissen im Mauerwerk bis hin zu Fehlern an der Elektroanlage. Der Streit landete beim Gericht. Die Richter beauftragten vier verschiedene Sachverst\u00e4ndige nacheinander. Nicht etwa gleichzeitig ihre jeweiligen Expertisen zu den jeweiligen Problempunkten abgeben und die R\u00fcckfragen des Gerichts beantworten k\u00f6nnen, spottet Freund. Nein, nur alle nacheinander. Sch\u00f6n der Reihe nach. Dann sind schnell sieben Jahre weg, denn ein Gutachten f\u00fcr Bausachen dauert im Schnitt ein bis anderthalb Jahre, rechnet Freund vor. Wann und ob die \u00e4ltere Dame jemals in ihr Haus f\u00fcr den Ruhestand einziehen kann, steht in den Sternen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Alles nur der Reihe nach &#8211; Parallelarbeiten sind nicht gewollt<\/h1>\n<p>Warum das so ist?\u00a0 Etwa auch darum, weil immer nur ein- und dieselben Akten in Papierform hin- und herwandern zwischen allen Beteiligten. Freund habe mal dem Richter angeboten, dass die Akten auf Kosten seines Mandanten viermal kopiert werden und dann alle vier Gutachter gleichzeitig loslegen k\u00f6nnen, erz\u00e4hlt er. Nach zwei Telefonaten habe der Richter dann ein Einsehen gehabt und sich bereit erkl\u00e4rt, die Genehmigung f\u00fcr solch ein Procedere einzuholen &#8211; geklappt hat\u00b4s am Ende aber doch nicht. Warum nicht? Freund zuckt nur mit den Achseln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Wischi-Waschi-Antworten kommen von den schlechteren Gutachtern<\/h1>\n<p>Und warum die Gutachter so lange Zeit brauchen, will ich wissen. Ob es zu wenige Sachverst\u00e4ndige gibt? Ja, meint Freund, jedenfalls von den Guten. Die anderen g\u00e4ben nur Wischiwaschi-Antworten, reden keinen Klartext und dr\u00fccken sich um deutliche Aussagen herum, erz\u00e4hlt der D\u00fcsseldorfer. Mit solchen Antworten k\u00f6nnten auch die\u00a0 Richter nichts anfangen. Richter wollten Vergleiche zwischen den Parteien und Sachverst\u00e4ndigen, die knackige Ergebnisse liefern. Dann brauchen auch sie sich n\u00e4mlich auch nicht mehr die Arbeit machen, ein Urteil zu schreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-678737\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/freund.heuking.essen_.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/freund.heuking.essen_.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/freund.heuking.essen_-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/freund.heuking.essen_-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"DfhRyPXdvI\"><p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/02\/15\/ein-teller-rucola-salat-mit-heuking-partner-freund-bauen-ist-das-letzte-grosse-abenteuer\/\">Ein Teller Rucola-Salat mit Heuking-Baurechtler Stephan Freund: &#8222;Bauen ist das letzte gro\u00dfe Abenteuer&#8220;<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Ein Teller Rucola-Salat mit Heuking-Baurechtler Stephan Freund: &#8222;Bauen ist das letzte gro\u00dfe Abenteuer&#8220;&#8220; &#8212; Management-Blog\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2014\/02\/15\/ein-teller-rucola-salat-mit-heuking-partner-freund-bauen-ist-das-letzte-grosse-abenteuer\/embed\/#?secret=85v1jWwROs#?secret=DfhRyPXdvI\" data-secret=\"DfhRyPXdvI\" width=\"584\" height=\"329\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur um mal in eine Bauakte einer Beh\u00f6rde hineinsehen zu d\u00fcrfen, muss man sechs Monate auf den Termin warten, st\u00f6hnt Baurechtler Stephan Freund von der Kanzlei Heuking. 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