{"id":678531,"date":"2022-01-20T12:30:35","date_gmt":"2022-01-20T11:30:35","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=678531"},"modified":"2022-01-23T12:17:29","modified_gmt":"2022-01-23T11:17:29","slug":"wenn-kuendigungen-nicht-nur-kuendigungen-sind-sondern-ueble-fusstritte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2022\/01\/20\/wenn-kuendigungen-nicht-nur-kuendigungen-sind-sondern-ueble-fusstritte\/","title":{"rendered":"Wenn K\u00fcndigungen nicht nur K\u00fcndigungen sind, sondern \u00fcble Fu\u00dftritte"},"content":{"rendered":"<div class=\"x_atc-Intro\">\n<p>Neu-deutsche K\u00fcndigungsbriefe lesen sich heute \u00f6fter mal so: &#8222;Liebe Julia, liebe Frau M\u00fcller, leider &#8230;..&#8220; und dann folgt die K\u00fcndigung. Und genau diese Koppelung des angeblich freundlichen, ja famili\u00e4ren &#8222;Du&#8220; \u00fcber dem Rauswurf wirkt f\u00fcr die so Angeschriebenen doppelt schlimm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denn in diesem Moment f\u00fchlen sich die Mitarbeiter ohnehin schon gekr\u00e4nkt ohne Ende. Alleine schon, weil sie gek\u00fcndigt werden. Weil sie sich \u00fcber ihren Job definieren und dran h\u00e4ngen. Weil er mehr f\u00fcr sie ist als irgendein Broterwerb &#8211; genau diese Haltung wollen Unternehmer ja auch und wollen von ihr profitieren.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Heute eine gro\u00dfe Familie, morgen die K\u00fcndigung<\/strong><\/p>\n<div class=\"x_atc-Intro\">\n<p>Was Unternehmen oder den ausf\u00fchrenden Personalabteilungen nun offenbar v\u00f6llig entgeht: Wem mit einem vertraulichen &#8222;Du&#8220; gek\u00fcndigt wird, der nimmt die K\u00fcndigung noch mal pers\u00f6nlicher als mit einem distanzierten &#8222;Sie&#8220;. Denn: Eben soll man quasi eine Familie sein, in der sich alle samt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer duzen. Der von oben verordneten neuen Firmenkultur zuliebe, nicht aufgrund einer Umfrage in der Belegschaft oder weil sich die Firmenkultur im Laufe der Jahre dahin entwickelt h\u00e4tte. Und &#8211; so die Wahrnehmung der Mitarbeiter &#8211; im n\u00e4chsten Moment werden sie aus dieser Belegschafts-Familie dann herausgeworfen.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"x_atc-Intro\">\n<p>W\u00e4re die Company einfach nur als durchschnittlicher Arbeitgeber aufgetreten, h\u00e4tte kein firmenweites Du eingef\u00fchrt und gar nicht erst so getan, als ob die Belegschaft schon fast eine Glaubensgemeinschaft w\u00e4re &#8211; w\u00e4re der Rauswurf zwar immer noch schlimm f\u00fcr den Geschassten. Doch nicht ganz so kr\u00e4nkend die Anrede &#8222;Du&#8220; in der K\u00fcndigung. Solch eine K\u00fcndigung verletzt doppelt. Denn das &#8222;Du&#8220; ist immer noch ein Zeichen der Wertsch\u00e4tzung &#8211; und die widerf\u00e4hrt dem Entlassenen ja gerade nicht.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Bild vom Unternehmer im Unternehmen &#8211; das sowieso nicht passt<\/strong><\/p>\n<div class=\"x_atc-Intro\">\n<p>Genaugenommen ist das Firmen-Duzen die konsequente Fortf\u00fchrung eines Attributs in vielen Stellenanzeigen: Gesucht wurden Menschen, die &#8222;Unternehmer im Unternehmen&#8220; sein sollten. Gemeint war: sie sollten sich genauso pflichtbewusst einsetzen wie die Firmeneigner &#8211; aber nicht: dass sie auch dieselben unternehmerischen Freiheiten haben sollten. Also auch hier: Pflicht ja gerne, die Belohnung aber eher nicht und schon gar keine Sicherheit im Gegenzug. Denn Unternehmer brauchen sich nicht vor der K\u00fcndigung f\u00fcrchten.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Feuern im Zoom-Call<\/strong><\/p>\n<div class=\"x_atc-Intro\">\n<p>Vermutlich ebenso wenig dachte sich der amerikanische Manager Vishal Garg vom Hypotheken-Makler Better dabei, als er kurz vor Weihnachten 900 Angestellten gleichzeitig per Zoom-Call er\u00f6ffnete, dass sie nunmehr gefeuert sein. Alle gleichzeitig und das sofort.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIch komme mit nicht so guten Nachrichten\u201c, sagte Garg in der Videokonferenz. \u201eEs ist am Ende meine Entscheidung, ich will, dass sie es von mir h\u00f6ren. Wir entlassen 15 Prozent der Belegschaft. Wenn Sie in diesem Call sind, sind sie Teil der ungl\u00fccklichen Gruppe. Ihre Besch\u00e4ftigung ist beendet.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Klartext: Wer hier zum Call eingeladen, oder besser zitiert wurde, \u00fcber dessen Rauswurf war sowieso schon entschieden worden. Womit Garg wohl nicht gerechnet hatte: Einige der Gefeuerten hatten den Rauswurf per Call mitgeschnitten und das Video auf Youtube online gestellt. Die \u00d6ffentlichkeit reagierte entsprechend &#8211; emp\u00f6rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wer in zwei Stunden keinen Anruf bekommt, wird nicht gek\u00fcndigt<\/strong><\/p>\n<p>Ist der Fall Better nur ein US-Beispiel, das der Hire-und-Fire-Mentalit\u00e4t geschuldet ist? Mitnichten. Auch in Deutschland ging es &#8211; schon lange vor der Digitalisierung &#8211; bei Wirtschaftskrisen \u00e4hnlich r\u00fcde zu. So schickte eine Firma im Rheinland alle \u00fcber 500 Mitarbeiter in ihre Zimmer beziehungsweise an ihre Schreibtische mit der Ansage: &#8222;Bleiben Sie neben dem Telefon sitzen, wenn sie in den n\u00e4chsten zwei Stunden keinen Anruft der Personalabteilung erhalten, d\u00fcrfen Sie bleiben.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_677809\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-677809\" class=\"size-full wp-image-677809\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021-300x101.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021-500x168.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-677809\" class=\"wp-caption-text\">Hier geht\u00b4s zur Beratung <a href=\"http:\/\/www.goacademy.de @goacademy_sprachschule\">www.goacademy.de @goacademy_sprachschule<\/a>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0&#8211; Anzeige &#8211;<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Andere Unternehmen beriefen Belegschaftsversammlungen ein und stellten am Eingang des Raums Tafeln mit den Namen der Entlassungskandidaten auf. Das war noch vor der Geltung der Datenschutzgrundverordnung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>K\u00fcndigung mit dem Abmontieren der PCs<\/strong><\/p>\n<p>Irrwitzig auch diese Form der Mitteilung: Bei einem Unternehmen in Westfalen kamen morgens fr\u00fch die Mitarbeiter wie gewohnt an ihre Schreibtische &#8211; fanden aber nicht mehr ihre PCs und Bildschirme vor. Zuerst glaubten sie an n\u00e4chtliche Einbrecher und wollten die Polizei rufen, bis sich herausstellte: Zwei Stunden vorher, fr\u00fch um sieben Uhr, hatte die Unternehmensleitung klammheimlich die Computer abbauen lassen &#8211; denn die gesamte Abteilung sollte entlassen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vermutlich waren diese Aktionen Highlights au\u00dfergew\u00f6hnlicher K\u00fcndigungsaktionen. Aber auch solche Aktionen landen nur sehr sehr selten in der Lokalpresse. Schweigeklauseln in den Vereinbarungen mit den Entlassenen sorgen daf\u00fcr, dass die peinlichsten oder unfairsten Schachz\u00fcge der Top-Manager oder Personalchefs nicht an die \u00d6ffentlichkeit dringen. Auf Kununu oder anderen Arbeitgeberbewertungsportalen werden solche Usancen kaum nachlesbar sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Managern geht es oft auch nicht besse als Mitarbeitern &#8211; nur anders<\/strong><\/p>\n<p>Wer nun denkt, es trifft nur einfache Mitarbeiter, der irrt sich gr\u00fcndlich. Bernd Fricke, Berater beim Personaldienstleister Kienbaum erz\u00e4hlt, was auch Managern passiert, die ihr Unternehmen loswerden will:<\/p>\n<div id=\"attachment_678821\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-678821\" class=\"size-medium wp-image-678821\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/FrickeBernd.Kienbaum-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/FrickeBernd.Kienbaum-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/FrickeBernd.Kienbaum-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2022\/01\/FrickeBernd.Kienbaum.jpg 336w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-678821\" class=\"wp-caption-text\">Bernd Fricke (Foto: Kienbaum PR)<\/p><\/div>\n<p>Zum Beispiel die F\u00fchrungskraft, die am letzten Tag vor dem Familienurlaub zum Vorstand gerufen wurde. Der kn\u00f6pfte sich den Manager vor: \u201eOffen und ehrlich\u201c, also in seinem Fall emotional und beleidigend, belehrend, erinnert sich Fricke. Das Datum war kein Versehen. Der Manager sollte Zeit haben, mal \u00fcber seine Situation nachzudenken. Das Ende vom Lied: Ein Rechtsstreit mit ungew\u00f6hnlich hohen Abfindung. Die Richter straften so die Methode der Unternehmenslenker ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein weiters Beispiel gef\u00e4llig? Gerade eingefahrene Erfolge bewahren nicht vor einem Rauswurf. Das erlebte auch der Vetriebsleiter, der von seinem Chef einen Anruf bekam, nach der gerade einen gro\u00dfen Deal an Land gezogen hatte. Er sa\u00df im Auto, die Freisprechanlage war an und zwei Kollegen h\u00f6ren mit &#8211; sie erwarteten, dass es Gl\u00fcckw\u00fcnsche zum abgeschlossenen Deal gebe. Stattdessen kam dies: \u201eWas ich Ihnen sagen muss, Ihre Verantwortung f\u00fcr Deutschland, \u00d6sterreich und die Schweiz f\u00e4llt weg, Ihr Business wird jetzt von jemand anderem gef\u00fchrt. Sorry, aber mir war wichtig, Ihnen das gleich zu sagen, damit Sie wissen,\u00a0 woran Sie sind.\u201c Der Vertriebsleiter konnte gerade noch rechts ranfahren, um wieder die Beherrschung und die Kontrolle zu bekommen.<\/p>\n<p>Auf \u00e4hnlicher Stufe stehen diese Vorgehensweisen, berichtet Bernd Fricke: Wenn die Zugangskarten der Manager pl\u00f6tzlich nicht mehr funktionieren. Doch keineswegs eine technische Panne dahintersteckt, sondern ein wohl\u00fcberlegter Plan der Unternehmenslenker. Damit dieses Zeichen schon mal dem Betroffenen klar macht, dass er k\u00fcnftig unerw\u00fcnscht ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sterbezimmer f\u00fcr Manager<\/strong><\/p>\n<p>Diese Volte wird nur noch von der ganz r\u00fcden Methode \u00fcbertroffen, dass einem Manager nicht nur seine Aufgaben entzogen und an andere verteilt werden, sondern auch seine Assistentin, sein PC und sein B\u00fcro. Zugewiesen wird im stattdessen ein Sterbezimmer weit ab vom wirklichen Geschehen in der Firma. In der Hoffnung, dass der Betroffene &#8222;sich irgendwann von alleine in Luft aufl\u00f6st&#8220;, so Fricke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neu-deutsche K\u00fcndigungsbriefe lesen sich heute \u00f6fter mal so: &#8222;Liebe Julia, liebe Frau M\u00fcller, leider &#8230;..&#8220; und dann folgt die K\u00fcndigung. 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