{"id":678231,"date":"2021-12-18T06:00:49","date_gmt":"2021-12-18T05:00:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=678231"},"modified":"2022-04-12T01:34:40","modified_gmt":"2022-04-11T23:34:40","slug":"familienunternehmen-die-angst-der-familienunternehmer-vor-ihren-schwiegertoechtern-und-schwiegersoehnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/12\/18\/familienunternehmen-die-angst-der-familienunternehmer-vor-ihren-schwiegertoechtern-und-schwiegersoehnen\/","title":{"rendered":"Familienunternehmen: Die Angst der Familienunternehmer vor ihren Schwiegert\u00f6chtern und Schwiegers\u00f6hnen"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Der gef\u00fcrchtete, schlechte Einfluss<\/strong><\/h1>\n<p><strong>Schwiegerkinder k\u00f6nnen nicht nur Sprengstoff f\u00fcr den Familienfrieden werden, sondern auch Generationsunternehmen gef\u00e4hrden. Selten ist das nicht, dringt aber so gut wie nie an die \u00d6ffentlichkeit. Anw\u00e4lte f\u00fcr Erbrecht wissen, welche Weichen Unternehmereltern fr\u00fch stellen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eigentlich wollte der Unternehmer seinem \u00e4lteren Sohn sein Maschinenbauunternehmen mit 400 Mitarbeitern \u00fcbertragen. Das war der Plan, jahrelang. Die Firma stand gut da, grundsolide, und schuldenfrei. Steuerg\u00fcnstig sollte sie dem Sohn \u00fcbergeben werden, solange der Vater noch lebt. In vorweggenommener Erbfolge, wie es im Juristenjargon hei\u00dft. Bis der Junior diese Schwiegertochter ins Haus brachte: Ein leibhaftiger Alptraum f\u00fcr die schw\u00e4bischen Unternehmereltern. Nicht nur, dass die Frau f\u00fcr das Familienunternehmen keine Empathie hegte. Lauter Fl\u00f6he setze sie dem Sohn ins Ohr, ein Luxusleben in Nizza und St. Tropez war ihr gerade recht. Sie verpulverte in den Augen ihrer Schwiegereltern das Geld, schildert Erbrechtsanwalt Andreas Frieser von Redeker Sellner Dahs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-678372\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/11\/frieser.andreas-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/11\/frieser.andreas-300x300.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/11\/frieser.andreas-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/11\/frieser.andreas.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><strong>Eingeheiratete aus dem Familienunternehmen raushalten<\/strong><\/p>\n<p>Bei \u201esoviel schlechtem Einfluss\u201c \u00e4nderte der Vater seinen Plan, um den Sohn vom Familienunternehmen fernzuhalten: Stattdessen sollte nun die j\u00fcngere Tochter die Firma \u00fcbernehmen. Der Filius k\u00f6nne &#8211; so seine Idee &#8211; eine Abfindung bekommen. Im Gegenzug m\u00fcsse er daf\u00fcr einen Pflichtteilsverzicht aufs Erbe abgeben. Doch das Vorhaben scheiterte, der Sohn lehnte ab, weil ihm die angebotene Summe zu niedrig war. Der Vater handelte trotzdem. \u201eDie Tochter bekam die Firma und ab dem Moment war der Familienfrieden ruiniert\u201c, erz\u00e4hlt Frieser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die gr\u00f6\u00dfte Sorge: Der richtige Ehepartner<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_678371\" style=\"width: 232px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-678371\" class=\"size-medium wp-image-678371\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/11\/skw.meyer_.christoph-222x300.jpg\" alt=\"\" width=\"222\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/11\/skw.meyer_.christoph-222x300.jpg 222w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/11\/skw.meyer_.christoph.jpg 481w\" sizes=\"auto, (max-width: 222px) 100vw, 222px\" \/><p id=\"caption-attachment-678371\" class=\"wp-caption-text\">Christoph Meyer (Foto: SKW Schwarz)<\/p><\/div>\n<p>Dieser Fall steht f\u00fcr viele, in denen Familienunternehmen in der Familie bleiben sollen, ungeteilt und ohne den Einfluss von Angeheirateten nach dem Motto: Blut ist dicker als Wasser. \u201eOb ihre Kinder die richtigen Ehepartner aussuchen, ist f\u00fcr viele die gr\u00f6\u00dfte Sorge\u201c, wei\u00df Erbrechtler Christoph Meyer von SKW Schwarz. Auch wenn sie das meist nur hinter vorgehaltener Hand zugeben. Eine Ausnahme ist da Textilunternehmer Wolfgang Grupp, der k\u00fcrzlich \u00f6ffentlich bekannte: F\u00fcr die Entscheidung, ob er seine Firma Trigema seinem Sohn oder seiner Tochter vermacht, will er abwarten &#8211; bis die Partner seiner Kinder feststehen. Denn wer die Firma bekommt, muss vor Ort sein und das entscheide sich danach, welchen Partner sie w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ab dem 50. Geburtstag die Weichen stellen<\/strong><\/p>\n<p>Mit 79 Jahren, so alt ist Grupp, ist es aus Sicht von Erbrechtsanw\u00e4lten zu sp\u00e4t, sie raten Unternehmern bereits ab 50 Jahren zu Weichenstellungen. Denn \u201eSchwiegerkinder, die in Unternehmerfamilien einheiraten, sorgen traditionell f\u00fcr Sprengstoff\u201c, sagt Meyer. Auch wenn \u201edie allermeisten F\u00e4lle nie in der Presse landen, selbst wenn man sich intern bis aufs Blut bek\u00e4mpft.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ehevertrag in der Familiensatzung vorschreiben<\/strong><\/p>\n<p>Die erste Weiche zur Streitvermeidung k\u00f6nnen Eltern stellen, indem sie in ihre eigene Familiensatzung hineinschreiben, dass die Kinder Ehevertr\u00e4ge schlie\u00dfen m\u00fcssen. \u201eDann haben diese keine Rechtfertigungsnot gegen\u00fcber ihren k\u00fcnftigen Ehepartnern, dass sie vor der Trauung zum Notar gehen sollen.\u201c<\/p>\n<p>In den Ehevertr\u00e4gen werden dann die n\u00e4chsten Weichen gestellt, f\u00fcr den vorzeitigen Tod des eigenen Kindes werden gleich Abfindungsregelungen f\u00fcr die angeheirateten Partner antizipiert &#8211; im Gegenzug daf\u00fcr, dass die Firma dann in der Familie bleibt. Zudem wird im Testament das eigene Kind als Vorerbe und das Enkelkind direkt als Nacherbe bestimmt, schildert Frieser. Au\u00dferdem gebe es einen ganzen Katalog von R\u00fcckholm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Den Firmennamen sch\u00fctzen<\/strong><\/p>\n<p>Auch der Schutz des guten Namens will bedacht sein: Damit Unternehmer im Fall einer Scheidung ihres Kindes den Familiennamen zur\u00fcck fordern k\u00f6nnen. Oder dass der Angeheiratete nicht in derselben Branche ein eigenes Unternehmen gr\u00fcnden darf. Damit es nicht l\u00e4uft wie vor 15 Jahren im Falle der angeheirateten Susanne Birkenstock, die das Firmenimage ankratzte. Sie machte nach der Trennung pl\u00f6tzlich der Ex-Familie Konkurrenz unter demselben ber\u00fchmten Namen, bekam m\u00e4chtig Presse &#8211; und machte am Ende pleite.<\/p>\n<p>Meyer hat die F\u00e4lle der vergangenen zehn Jahre seiner Praxis analysiert und berichtet: Zwischen M\u00fcttern und T\u00f6chtern kracht es wegen des vermeintlich falschen Schwiegersohns doppelt so oft wie zwischen V\u00e4tern und S\u00f6hnen wegen der falschen Schwiegertochter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn die Mutter die eigene Tochter auf Pflichtteil herabsetzen will<\/strong><\/p>\n<p>Besonders hoch her geht es auch zwischen Catherine von F\u00fcrstenberg-Dussmann und ihrer Tochter Angela G\u00f6thert wegen der Wahl der Schwiegersohns, wie in den Medien zu lesen war. Sie streiten um das Erbe der milliardenschwere Unternehmensgruppe. Schon der Hochzeit ihrer eigenen Tochter blieben die Eltern laut Presseberichten fern, weil ihnen der 18 Jahre \u00e4ltere Schwiegersohn und Esoteriker missfiel. Kurz vor dem Tod von Peter Dussmann kam es auf seinem Krankenbett zu einer Testaments\u00e4nderung mit einem Notar. Statt des gesetzlichen Pflichtteils von 50 Prozent sollte die Tochter nur noch den Pflichtteil von 25 Prozent bekommen, wurde verf\u00fcgt. Ob diese Aktion rechtswirksam war, darum streiten sich Mutter und Tochter nun seit acht Jahren vor den Gerichten mit immer neuen Sachverst\u00e4ndigengutachten \u00fcber Dussmanns damaligen Geisteszustand. In diesem Monat sollte laut Insidern der n\u00e4chste Gerichtstermin anstehen &#8211; der erste seit mehreren Jahren.<\/p>\n<p>Die eigenen Kinder aus Wut \u00fcber Schwiegerkinder im Testament ganz zu enterben, versuchen Eltern immer wieder, erz\u00e4hlt SKW-Anwalt Meyer. Doch das hat vor Gericht so gut wie nie Bestand: Kinder vollst\u00e4ndig zu enterben ist laut Gesetz nur in ganz schwerwiegenden F\u00e4llen m\u00f6glich. \u201eDann m\u00fcsste das Kind schon versucht haben, Vater oder Mutter zu ermorde.\u201c Das hat er noch nie erlebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit verschiedenen Sachverst\u00e4ndigengutachten dauern die Gerichtsverfahren dann jahrelang<\/strong><\/p>\n<p>Der Fortgang im Fall des schw\u00e4bischen Unternehmens wiederum zeigte eindrucksvoll, wieso man nicht erst so sp\u00e4t seine Nachfolge regeln und damit den Familienfrieden sichern sollte: Der Vater verstarb v\u00f6llig unvorhergesehen kurz nach der Firmen\u00fcbergabe an die Tochter an einer schweren Krankheit. Zuvor hatte er aber den Sohn noch auf den gesetzlichen Pflichtteil heruntergesetzt, erz\u00e4hlt Frieser. Lange au\u00dfergerichtliche Auseinandersetzungen \u00fcber die Summe waren die Folge, denn die Bewertung der Firma wie des ganzen Verm\u00f6gens besch\u00e4ftigte wiederum Sachverst\u00e4ndige \u00fcber Jahre.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten. Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der gef\u00fcrchtete, schlechte Einfluss Schwiegerkinder k\u00f6nnen nicht nur Sprengstoff f\u00fcr den Familienfrieden werden, sondern auch Generationsunternehmen gef\u00e4hrden. Selten ist das nicht, dringt aber so gut wie nie an die \u00d6ffentlichkeit. 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