{"id":678129,"date":"2021-11-24T06:00:46","date_gmt":"2021-11-24T05:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=678129"},"modified":"2021-11-24T01:20:39","modified_gmt":"2021-11-24T00:20:39","slug":"buchauszug-bettina-uhlich-heinz-gu%cc%88nter-lux-blockchain-wirtschaft-im-umbruch-warum-die-chemieindustrie-dabei-der-wichtigste-treiber-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/11\/24\/buchauszug-bettina-uhlich-heinz-gu%cc%88nter-lux-blockchain-wirtschaft-im-umbruch-warum-die-chemieindustrie-dabei-der-wichtigste-treiber-ist\/","title":{"rendered":"Buchauszug Bettina Uhlich\/Heinz-Gu\u0308nter Lux: \u201eBlockchain &#8211; Wirtschaft im Umbruch. Warum die Chemieindustrie dabei der wichtigste Treiber ist\u201c"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Buchauszug Bettina Uhlich\/Heinz-Gu\u0308nter Lux: \u201eBlockchain &#8211; Wirtschaft im Umbruch. Warum die Chemieindustrie dabei der wichtigste Treiber ist\u201c<\/b><\/p>\n<\/div>\n<p>Bettina Ulrich ist promovierte Wirtschaftsingenieurin und Betriebswirtin, ist seit 2014 als CIO und Leiterin Global IT Service beim Spezialchemiekonzern Evonik und Pr\u00e4sidentin von Voice, dem Bundesverband der IT-Anwender. Vor f\u00fcnf Jahren wurde sie als einer der drei besten CIO des Jahres ausgezeichnet. Heinz-G\u00fcnter Lux ist Senior Digital Strategist bei Evonik Digital, der digitalen Tochter der Evonik Industries. Von 2015 bis 2017 leitete er die globale Gesch\u00e4ftsprozessorganisation von Evonik und legte den Grundstein f\u00fcr die Digitalisierungsinitiativen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_678130\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-678130\" class=\"size-full wp-image-678130\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/Uhlich_web_Foto_Frank-Preuss.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/Uhlich_web_Foto_Frank-Preuss.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/Uhlich_web_Foto_Frank-Preuss-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/Uhlich_web_Foto_Frank-Preuss-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-678130\" class=\"wp-caption-text\">Uhlich (Foto: Wiley Verlag\/Frank Preuss)<\/p><\/div>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>1 Vom Vertrauen zum Wissen durch Blockchain<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Vertrauen ist eine riskante Erfindung der Moderne. Das behauptet die Berliner Forscherin Ute Frevert, die sich in einem gro\u00dfen Forschungsprojekt des Max-Planck-Institutes f\u00fcr Bildungsforschung seit vielen Jahren als Historikerin mit dem Thema Gef\u00fchle westlicher Gesellschaften und deren Ver\u00e4nderung auseinandersetzt. Die renommierte Wissenschaftlerin spricht sogar von einer regelrechten \u201eObsession f\u00fcr das Vertrauen\u201c. Diese Aussage \u00fcberrascht. Ist es nicht vielmehr so, dass die Menschen schon immer einander vertraut haben? Warum sollte das Ausdruck einer Besessenheit sein? Ohne Vertrauen kann eine Gesellschaft schlie\u00dflich nicht funktionieren. Wir gehen morgens aus dem Haus und vertrauen darauf, dass unser Auto in der Werkstatt repariert wurde und wir mit ihm sicher fahren k\u00f6nnen. Wir vertrauen darauf, dass das Essen in der Kantine nicht vergiftet ist, dass die Polizei kommt und uns hilft, wenn wir sie brauchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_678131\" style=\"width: 443px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-678131\" class=\"size-full wp-image-678131\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/Lux_web_Foto_CATJA-VEDDER.jpg\" alt=\"\" width=\"433\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/Lux_web_Foto_CATJA-VEDDER.jpg 433w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/Lux_web_Foto_CATJA-VEDDER-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 433px) 100vw, 433px\" \/><p id=\"caption-attachment-678131\" class=\"wp-caption-text\">Lux (Foto: Wiley Verlag\/Catja Vedder)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Wir vertrauen den \u00c4rzten, wenn wir ihren Rat suchen, und vertrauen unsere Kinder der Kinderg\u00e4rtnerin an. Wird dieses Vertrauen ersch\u00fcttert, funktioniert unsere Gesellschaft nicht mehr. Zumindest moderne Gesellschaften sind bei Vertrauensverlust in ihrem Kern getroffen. Denn moderne Gesellschaften sind hochkomplexe Gebilde, deren Komplexit\u00e4t geradezu zu Vertrauen zwingt. Das jedenfalls sagte einer der gr\u00f6\u00dften Soziologen der Moderne, Niklas Luhmann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Selbst bestens ausgebildete Spezialisten, hochgebildete Akademiker m\u00fcssen blind vertrauen, und zwar jeden Tag. Es bleibt ihnen nichts anderes \u00fcbrig. Denn die vielen Teilsysteme einer Gesellschaft sind viel zu komplex, um sie f\u00fcr Laien \u2013 und das sind wir alle auf vielen Gebieten \u2013 transparent, verst\u00e4ndlich und kontrollierbar zu machen. Die Antwort auf diese Ohnmacht des modernen Menschen lautet: Vertrauen haben. Diese immer \u00fcberfordernde Komplexit\u00e4t moderner Gesellschaften wird durch Vertrauen in das Funktionieren der verschiedenen Teilsysteme wirkungsvoll reduziert und damit f\u00fcr Menschen wieder handhabbar. W\u00fcrden wir alles misstrauisch be\u00e4ugen, was uns umgibt, und alles kontrollieren m\u00fcssen, w\u00e4re unsere Gesellschaft lahmgelegt. Wir k\u00f6nnen nicht den Kfz-Mechaniker kontrollieren, ob er alles richtig macht. Daf\u00fcr fehlen uns Zeit und Kompetenz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Genauso wenig k\u00f6nnen wir dem Koch im Restaurant st\u00e4ndig auf die Finger schauen oder die Kinderg\u00e4rtnerin stundenlang mit gerunzelten Augenbrauen beobachten, ob sie unseren Filius optimal f\u00f6rdert. Wir sind also auf Vertrauen\u00a0<i>angewiesen<\/i>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Fehlt Vertrauen, droht der Kollaps<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Stammesgesellschaften haben dieses Problem nicht. Da kennt jeder jeden und alle sind in die Kontrolle der Gruppe eingebunden. Vertrauen ist hier nicht notwendig. Vielmehr war das Misstrauen der Regelfall, zumindest gegen\u00fcber Fremden. Das jedenfalls hat Ute Frevert erforscht. Das Wort \u203aVertrauen\u2039 taucht in historischen Quellen nur im Zusammenhang mit Gott auf. Nur Gott allein schenkte man Vertrauen, vor allem in Krisen wie Hungerzeiten oder Epidemien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Erst mit dem Beginn der Moderne im 17. und 18. Jahrhundert wird Vertrauen zum zentralen Thema. Das ist kein Zufall, denn diese Gesellschaft konnte sich nichtmehr auf St\u00e4ndeordnungen und Traditionen und deren richtungsweisende Regeln verlassen. Davon hatte der Mensch sich gel\u00f6st. Zwar geht auch Frevert von einem angeborenen Grundvertrauen des Menschen aus, aber erst seit die Rechte und Interessen der Menschen durch Gesetz, Polizei und den Staat gesch\u00fctzt sind, wurde es leichter, auch Fremden zu vertrauen. Erst der moderne Mensch konnte es sich erlauben, Vertrauen auch Unbekannten zu gew\u00e4hren, ohne \u00f6konomische Risiko-Nutzen-Abw\u00e4gung. Das Vertrauen in hochkomplexe Institutionen, das sich in der beginnenden modernen Gesellschaft nicht auf Tradition, sondern auf Funktion st\u00fctzt, wird zur Pflicht oder genauer: zur Voraussetzung einer modernen Gesellschaft. Dieses Vertrauen ist kein Vertrauen von Mensch zu Mensch, sondern ein Vertrauen in das Funktionieren von Systemen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Was es bedeutet, in einer modernen Gesellschaft Vertrauen zu verlieren, haben wir in dramatischer Weise erlebt, als die Finanzkrise 2008 \u00fcber uns hereinbrach. Als Erstes ging die Investmentbank Lehman Brothers pleite. Das hatte niemand f\u00fcr m\u00f6glich gehalten. Ein gewaltiger Dominoeffekt war die Folge. Pl\u00f6tzlich wollten sich die strauchelnden Banken untereinander kein Geld mehr leihen, tiefes Misstrauen machte sich in der Branche wie ein b\u00f6sartig wucherndes Krebsgeschw\u00fcr breit, der Geldfluss kam ins Stocken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Genau wie die Banken entzogen auch die Verbraucher ihren Hausbanken das Vertrauen. Politiker verloren ihr Vertrauen in die Seriosit\u00e4t und das Verantwortungsbewusstsein der Bankvorst\u00e4nde. Der damalige Wirtschaftsminister Peer Steinbr\u00fcck f\u00fchlte sich nach eigenen Angaben bei den Verhandlungen mit den Banken oft so, als ob er \u00bbhinter die Fichte gef\u00fchrt werden sollte\u00ab. Das Vertrauen in das Finanzsystem war komplett zusammengebrochen. Eine tiefgehende Vertrauenskrise. In einer modernen Gesellschaft bedeutet das: eine existenzielle Krise.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Wer Vertrauen zerst\u00f6rt, zerst\u00f6rt die Hauptschlagader der modernen Gesellschaft. Es kostete vor allem den Steuerzahler Milliarden, inklusive gr\u00f6\u00dfter Verluste bei Renten und Lebensversicherungen, diesen Vertrauensverlust einigerma\u00dfen wieder ins Lot zu bringen und damit den totalen Kollaps zu verhindern. Genau darauf, \u00bbtoo big to fail zu sein\u00ab, hatten die Finanzakrobaten gesetzt. Es hatte funktioniert. Bis heute mussten die Banken das geliehene Geld nicht zur\u00fcckzahlen, wohingegen es f\u00fcr die Bankkunden nach wie vor selbstverst\u00e4ndlich ist, ihre Kredite abzubezahlen. Kein Wunder also, dass auf Seiten des Verbrauchers bis heute das Misstrauen geblieben ist, zumal die Krise nach wie vor nicht behoben ist, solange die faulen Kredite im Markt sind. Und das sind sie noch immer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">So dramatisch die Finanzkrise auch von allen empfunden wurde, so war sie trotz allem nur der Beinahezusammenbruch eines Teilsystems der Gesellschaft, des Finanzsektors, wenn auch mit heftigsten Auswirkungen auf die Wirtschaft. Doch dieses Erlebnis f\u00fchrte eindringlich vor Augen, wie essenziell das Vertrauen in einer modernen Gesellschaft ist, vor allem in der Wirtschaft. Vertrauen ist das Schmiermittel, das daf\u00fcr sorgt, dass das Getriebe einer Gesellschaft reibungslos funktioniert, vergleichbar mit dem Motoren\u00f6l, das den Automotor am Laufen h\u00e4lt.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<div id=\"attachment_677809\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-677809\" class=\"size-full wp-image-677809\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021-300x101.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021-500x168.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-677809\" class=\"wp-caption-text\">Hier geht\u00b4s zur Beratung www.goacademy.de\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0&#8211; Anzeige &#8211;<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Die Geburt des Bitcoins<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Krisenerfahrungen machen Menschen kreativ und so erhob sich aus den Tr\u00fcmmern der Finanzkrise die erste virtuelle W\u00e4hrung mit dem Namen Bitcoin, was so viel bedeutet wie digitale M\u00fcnze. Unter dem geheimnisvollen Pseudonym Satoshi Nakamoto, bei dem bis heute nicht entschl\u00fcsselt werden konnte, wer dahintersteckt, ob es sich dabei um eine Person oder eine Gruppe handelt, wurde 2008, genau zu Halloween, ein White Paper mit dem Titel \u00bbBitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System\u00ab ins Netz gestellt. Ein Zahlungsmittel, das von Computer zu Computer transferiert werden kann, ohne Zwischenschaltung von Banken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Zun\u00e4chst blieb das brisante Papier unbemerkt. Schlie\u00dflich waren alle mit der Pleite von Lehman und deren Verwerfungen besch\u00e4ftigt. Zwei Monate sp\u00e4ter folgte nach der Bitcoin-Ank\u00fcndigung die Software. Wahrscheinlich w\u00e4re das Ganze in der breiten Bev\u00f6lkerung unbemerkt geblieben, w\u00e4ren da nicht die Notenbanken gewesen, die eine Liquidit\u00e4t in den Markt pumpten, bei der nicht nur Laien schwindelig wurde. Die Summen, die t\u00e4glich, manchmal st\u00fcndlich, transferiert wurden, hatten derart viele Nullen, dass das Vorstellungsverm\u00f6gen schlicht \u00fcberfordert wurde. Ganz offensichtlich handelte es sich um eine Mund-zu-Mund-Beatmung f\u00fcr einen schwer komat\u00f6sen Patienten. Das sollte die Banken retten und das Finanzsystem irgendwie am Leben halten. Damals wusste keiner, ob das funktioniert. Zweifel gibt es bis heute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Selbst acht Jahre nach der Finanzkrise wurden 2015 von EZB-Chef Mario Draghi immer noch 60 Milliarden Euro pro Monat in den europ\u00e4ischen Finanzmarkt eingeschleust.11 Bis zum Ende seiner Amtszeit 2019 nahm Draghi den Fu\u00df nicht runter vom Pedal der Niedrigzinsen und veranlasste, dass diese Politik auch nach seinem Abgang unter Christine Lagarde weiterl\u00e4uft. Die Corona-Krise hat das Problem weiter versch\u00e4rft. Ein Ende der Niedrigzinspolitik ist in weite Ferne ger\u00fcckt. Doch Finanzexperten warnen, dass neben den Risiken, die eine solche Politik der Europ\u00e4ischen Zentralbank unter anderem f\u00fcr Sparer, Unternehmer und die staatliche Ausgabenpolitik mit sich bringt, auch die faulen Kredite von einst in H\u00f6he von rund 759 Milliarden Euro nach wie vor im Markt sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Renten werden gek\u00fcrzt<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Am amerikanischen Markt lief die Sache nicht anders. Auch dort wurde der Finanzmarkt mit billigem Geld geflutet. Einer aber muss die Rechnung am Ende bezahlen. Das ist meistens der Steuerzahler. Genau so kam es. Die Rentenprognosen wurden drastisch zur\u00fcckgefahren, allein im Jahr 2008 verloren die privaten Pensionsfonds weltweit im Schnitt 28 Prozent an Wert. Die Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wies 2009 eindringlich darauf hin, dass die \u00f6ffentlichen Rentensysteme das gleiche Los ereilen w\u00fcrde. Das ist in der Zwischenzeit geschehen. Das Max-Planck-Institut f\u00fcr Sozialrecht und Sozialpolitik schlussfolgerte aus den Zahlen von 2008-2017 ein stark erh\u00f6htes Risiko f\u00fcr Altersarmut. Doch nicht nur die Rentenprognosen wurden herabgesetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Am 4. Juli 2014 beschloss der Bundestag, vermutlich nicht ganz zuf\u00e4llig im Schatten der Fu\u00dfballweltmeisterschaft, die vom Geschehen ablenkte, dass die Renditen der Lebensversicherungen der Situation auf dem Zinsmarkt \u203aangepasst\u2039 werden sollten. Im Klartext: Die Kunden der Lebensversicherer bekamen von nun an erheblich weniger Geld, als sie bei Vertragsschluss annehmen durften. Fortan wurden sie nicht mehr zur H\u00e4lfte an den Bewertungsreserven bei festverzinslichen Wertpapieren beteiligt. Stille Reserven sollen nur noch in dem Ma\u00dfe ausgesch\u00fcttet werden, wenn die Garantiezusagen f\u00fcr die restlichen Versicherten ebenfalls gesichert sind. Das f\u00fchrte dazu, dass beispielsweise ein Versicherungsnehmer, der dagegen klagte und vor Gericht verlor, am Ende statt 2800 Euro aus den Bewertungsreserven nur noch 150 Euro ausgezahlt bekam. Kein Wunder, dass Finanzexperten diese Vorg\u00e4nge rund um Renten und Lebensversicherungen zugunsten der Verursacher der Finanzkrise als den \u00bbgr\u00f6\u00dften Raubzug in der Geschichte\u00ab bezeichneten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Pl\u00f6tzlich wird Bitcoin interessant<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Diese Entwicklungen machte das White Paper von Nakamoto hochinteressant. Die Idee, virtuelles Geld zu entwickeln, das von Banken unabh\u00e4ngig ist, nahm Fahrt auf und lie\u00df die Gemeinde der Bitcoin-J\u00fcnger anschwellen. Langsam, aber stetig. Die Rettung schien in der virtuellen Welt zu liegen, weil die analoge Finanzwelt versagt hatte. Der wachsende Erfolg des Bitcoins konnte am Kursverlauf abgelesen werden. Konnte man im Herbst 2010 noch f\u00fcr nur 40 Dollar 500 Bitcoins kaufen (der Einstieg w\u00e4re heute rund 1,8 Millionen Euro wert), so musste man im Dezember 2013 schon deutlich mehr hinbl\u00e4ttern: 945,74 US-Dollar f\u00fcr einen Bitcoin. Doch kurz darauf kam es zum bisher gr\u00f6\u00dften Skandal bei der Bitcoin-Tauschb\u00f6rse Mt.Gox in Tokio, auf der rund 70 Prozent der damaligen Transaktionen mit Bitcoin stattfanden. \u00dcber Nacht waren 850 000 Bitcoins verschwunden, die zu dem Zeitpunkt einen Wert von rund 500 Millionen Dollar hatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Das war der bisher gr\u00f6\u00dfte Hack an digitalen M\u00fcnzen in der Geschichte des Bitcoins. Der Franzose Mark Karpel\u00e8s, der die Tauschb\u00f6rse 2011 gekauft und selbst gemanagt hatte, versicherte zwar immer wieder, er habe damit nichts zu tun, er sei beklaut worden und suche ebenfalls nach den digitalen Mu\u0308nzen. Doch viele blieben skeptisch und verd\u00e4chtigten den jungen Mann, dabei selbst die Hand im Spiel gehabt zu haben. Der \u203aBaron des Bitcoin\u2039, wie er einst genannt wurde, kam dennoch glimpflich davon. Die japanischen Beh\u00f6rden verurteilten ihn auf Bew\u00e4hrung wegen Manipulation von elektronischen Aufzeichnungen, die Untreuevorw\u00fcrfe wurden jedoch fallen gelassen. 200 000 Bitcoins wurden sp\u00e4ter in einer virtuellen Geldb\u00f6rse wiedergefunden. Diese Bitcoins wurden genutzt, um Gl\u00e4ubiger zu entsch\u00e4digen. Es blieben 160 000 Bitcoins \u00fcbrig, die zu 88 Prozent immer noch Karpel\u00e8s geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Im Fr\u00fchjahr 2018 waren die rund eine Milliarde Dollar wert. Damit war die Kryptob\u00f6rse Mt.Gox dank des enormen Kursanstiegs nicht mehr insolvent. Doch auf das Geld wollte der Baron gro\u00dfz\u00fcgig verzichten, alles andere f\u00e4nde er \u00bbgeschmacklos\u00ab, wie er in seinem Blog verlautbarte. Ob es sich dabei um echte Reue und den ehrlichen Versuch von Wiedergutmachung handelte oder um die vorget\u00e4uschte Gro\u00dfz\u00fcgigkeit eines sehr intelligenten und h\u00f6chst geschickten Betr\u00fcgers wird sein Geheimnis bleiben. Immerhin sind die restlichen 650 000 Bitcoins, die nicht wiedergefunden wurden, heute rund 3,8 Milliarden Dollar wert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Vertrauenskrise bei den Bitcoin-J\u00fcngern<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Dieser Hack bei Mt.Gox bedeutete in der Bitcoin-Gemeinde eine Z\u00e4sur. Hatten doch viele von ihnen in der digitalen M\u00fcnze den Heilsbringer von morgen gesehen. Und nun das: die erste gro\u00dfe Vertrauenskrise. Die Geschichte hinterlie\u00df einen fahlen Nachgeschmack. Doch sie war nicht das Ende des Bitcoins. Und auch nicht das Ende spektakul\u00e4rer Hacks, bei denen gro\u00dfe Mengen Bitcoins pl\u00f6tzlich auf mysteri\u00f6se Weise verschwanden. Die bisher Letzte auf der Liste der Hacker-Troph\u00e4ensammlung war die weltgr\u00f6\u00dfte Bitcoin B\u00f6rse Binance, die, wie CEO Changpeng Zhao zuvor nicht m\u00fcde wurde zu betonen, nicht zu knacken sei. Die Realit\u00e4t widerlegte ihn. Das Diebesgut: 7000 Bitcoins.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Zwar wurden bisher nie mehr so viele Bitcoins gestohlen wie bei Mt.Gox, doch es war klar: Die Tauschb\u00f6rsen hatten ein Sicherheitsproblem.37 Vertrauen geht anders. Dabei fokussierte sich der Vertrauensverlust nicht allein auf das Sicherheitsproblem. Die privaten Schl\u00fcssel, die den Zugang zu den digitalen Geldb\u00f6rsen regeln, den so genannten Wallets, k\u00f6nnen immer gestohlen werden, wenn sie nicht sicher genug aufbewahrt werden. Worauf sich die Augen der Bitcoin-Gl\u00e4ubigen richteten, waren die auff\u00e4lligen Ups and Downs des Bitcoin-Kurses. Ein Kursverlauf, der sp\u00e4testens seit 2017 sehr \u203avolatil\u2039 war, wie es an der B\u00f6rse im Fachjargon hei\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Eine Studie des New Yorker Blockchain-Forschungsunternehmens Chainalysis Inc. machte deutlich, worum es dabei ging: Die Coins wurden tats\u00e4chlich nur selten als Zahlungsmittel genutzt, sie waren zum reinen Spekulationsobjekt mutiert. Was Zweifel bei den Bitcoin-Anh\u00e4ngern hervorrief, waren nicht der Bitcoin selbst, sondern die Art und Weise, wie mit dem Bitcoin umgegangen wurde und bis heute umgegangen wird. Damit ist die Kryptow\u00e4hrung meilenweit weg von der urspr\u00fcnglichen Intention des Erfinders Nakamoto, eine neue W\u00e4hrung zu etablieren, die unter anderem genau solche Spekulationsblasen verhindern sollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-678132\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/cover.Blockchain_Uhlich-und-Lux.jpg\" alt=\"\" width=\"396\" height=\"612\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/cover.Blockchain_Uhlich-und-Lux.jpg 396w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/cover.Blockchain_Uhlich-und-Lux-194x300.jpg 194w\" sizes=\"auto, (max-width: 396px) 100vw, 396px\" \/><\/p>\n<div>\n<p><strong>Bettina Uhlich\/Heinz-Gu\u0308nter Lux: \u201eBlockchain &#8211; Wirtschaft im Umbruch. Warum die Chemieindustrie dabei der wichtigste Treiber ist\u201c. 240 Seiten, 29,99 Euro, Wiley Verlag. <a href=\"https:\/\/www.wiley-vch.de\/de\/fachgebiete\/finanzen-wirtschaft-recht\/blockchain-wirtschaft-im-umbruch-978-3-527-51030-6\">https:\/\/www.wiley-vch.de\/de\/fachgebiete\/finanzen-wirtschaft-recht\/blockchain-wirtschaft-im-umbruch-978-3-527-51030-6<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Datenabzocke ersch\u00fcttert Vertrauen<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Doch nicht nur mit dem Diebstahl von virtuellem Geld hat das Internet zu k\u00e4mpfen, auch der massenhafte Identit\u00e4tsklau ist ein leidvolles Thema, das wertvolles Vertrauen verspielt. Ein Vertrauensverlust, der f\u00fcr eine moderne Gesellschaft bedrohlich ist, zumal deren digitaler Umbau mitten im Gange ist. Vor zehn Jahren titelte der Fernsehsender ntv auf seiner Webseite \u00bbWilde Zeiten. 2009. Das Jahr der Datenskandale\u00ab. Der gr\u00f6\u00dfte Skandal war dabei der Angriff eines jungen Hackers, dem es gelungen war, 1,6 Millionen Userdaten bei Sch\u00fclerVZ abzuziehen. Zehn Jahre sp\u00e4ter ist das bereits Peanuts. Da lautete die Schlagzeile: \u00bbMillionen Passw\u00f6rter im Netz ver\u00f6ffentlicht\u00ab. Ein Konglomerat aus 773 Millionen gestohlenen E-Mail-Adressen und 21 Millionen Passw\u00f6rter wurden frei zug\u00e4nglich ins Netz gestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Der Datenklau verzeichnete eine steile Kurve nach oben. Doch dieser Kursanstieg war kein Gewinn wie an der B\u00f6rse, sondern ein Verlust, bei dem das Vertrauen der Kunden in den Keller rutschte. Der bisher gr\u00f6\u00dfte Datenklau aber geschah 2013 bei Yahoo. Daten von drei Milliarden Yahoo-Konten wurden gehackt. Betroffen von Datenabzocke waren nicht nur die gro\u00dfen Konzerne wie Yahoo, auch die kleinen und mittleren Unternehmen wurden in Mitleidenschaft gezogen. Jedes zweite mittelst\u00e4ndische Unternehmen wurde bereits Opfer. Ein Ende ist nicht in Sicht. Der Identit\u00e4tsklau wurde ein st\u00e4ndiger Begleiter der digitalen Gesellschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Daten als Gesch\u00e4ftsmodell<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Weiteres wertvolles Vertrauen wurde verspielt, als der illegale Datenaustausch der gro\u00dfen IT-Konzerne aufflog. Allen voran: Facebook. Inzwischen hat das Unternehmen sich einen unr\u00fchmlichen Namen beim Datenhandel gemacht. Doch Facebook schaut auf sein Gesch\u00e4ftsgebaren mit ganz anderen Augen. Der Datengigant br\u00fcstet sich damit, weltweit 2,5 Milliarden Menschen miteinander zu vernetzen. Dabei entstehen Daten in einer sozialen Tiefe, die nicht nur Marketingstrategen Tr\u00e4nen des Gl\u00fccks in die Augen treiben, sondern auch Geheimdienste neidisch werden lassen. Die Verbraucher aber sind sauer wegen der illegalen Abzocke ihrer privaten Daten, vor allem in Deutschland. Facebook steht am sozialen Pranger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Immer wieder taucht der Name Facebook auf, wenn es im gro\u00dfen Stil um Datenverkauf oder Datennutzung im Graubereich geht. So etwa bei dem Skandal um Cambridge Analytica. Als Facebook-Kunden die App \u203athisisyourdigitallife\u2039 nutzten, hatten viele von ihnen geglaubt, sie unterst\u00fctzten mit ihren Daten die wissenschaftliche Forschung. Tats\u00e4chlich aber erstellte Cambridge Analytica Psychogramme der Facebook-Kunden und verkaufte diese Daten an politische Strategen. Solche Daten sollen Trump zum Sieg verholfen haben. Damit jedenfalls prahlte der ehemalige Chef von Cambridge Analytica, Alexander Nix. Kurz darauf wurde er gefeuert. Nach dem Fernsehinterview war klar: So werden scheinbar harmlose Daten zur politischen Waffe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Es ist sicher kein Zufall, dass der rechtspopulistische Stephen Bannon, einst Chefstratege von Trump, Vizepr\u00e4sident in dem Unternehmen war, das inzwischen Konkurs angemeldet hat. Vermutlich war die Berichterstattung, nachdem die Sache aufgeflogen war, doch nicht so gut f\u00fcrs Gesch\u00e4ft. Doch das bedeutet nicht, dass damit dem illegalen Datenhandel ein Riegel vorgeschoben ist. Wo das eine Unternehmen Konkurs anmeldet, wird woanders einfach ein neues Unternehmen gegr\u00fcndet. Die neue Firma Emerdata ist laut eigener Beschreibung ebenfalls in der Datenverarbeitung t\u00e4tig. M\u00f6glicherweise war die Schlie\u00dfung von Cambridge Analytica blo\u00df ein raffinierter Schachzug, um die Gesch\u00e4fte nun mit neuem Namen weiterf\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Cambridge Analytica und die Folgen<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Es geht also bei Facebook nicht nur darum \u203aMenschen miteinander zu verbinden\u2039, wie das in Kalifornien ans\u00e4ssige Unternehmen immer wieder betont, sondern im Wesentlichen darum, mit diesen Daten eine Menge Geld zu verdienen. Was andere mit den Daten machen, interessiert den Zuckerberg-Konzern offenbar nicht. So fl\u00fcsterten eingeweihte Whistleblower der englischen Zeitung Guardian, dass der Populist und Anti-Europ\u00e4er Nigel Farrage mit Cambridge Analytica zusammengearbeitet haben soll, das wiederum die Facebook-Daten zu nutzen wusste. Auch Boris Johnson steckte demnach 40 Prozent seines Wahlkampfgeldes in ein kanadisches Unternehmen, das wiederum eng mit Cambridge Analytica arbeitete. Es ist daher davon auszugehen, dass dieses Datenwissen auch beim Brexit eine gro\u00dfe Rolle gespielt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Das ist zwar noch nicht alles bis ins Letzte belegt, aber die Recherchen der Investigativjournalistin Carole Cadwalladr haben eine Menge ans Tageslicht gebracht. So wei\u00df Cadwalladr, dass es einen noch nicht namentlich genannten amerikanischen Milliard\u00e4r gab, der mit seiner Firma beim Brexit-Referendum half, in Gro\u00dfbritannien \u00bbden gr\u00f6\u00dften konstitutionellen Wechsel des Jahrhunderts\u00ab herbeizufu\u0308hren. Mit diesen Fragen und auch mit der, inwieweit die Russen die Anti-Europa-Kampagnen im Vorfeld des Brexit massiv beeinflusst haben, hat sich ein Untersuchungsausschuss in London befasst, dessen Ergebnisse Boris Johnson jedoch unter Verschluss h\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Nun ist auch dem Letzten klar: Die Kontrolle \u00fcber unsere Daten haben wir l\u00e4ngst verloren. Denn Facebook hat nicht nur mit jenem omin\u00f6sen Unternehmen Cambridge Analytica das ganz gro\u00dfe Rad beim Datenhandel gedreht, auch mit Giganten wie Yahoo und Netflix betrieb es jahrelang \u00e4hnliche Deals. Irgendwann aber packten ehemalige Mitarbeiter bei der Washington Post aus und nannten mehr als 150 Firmen, mit denen der Zuckerberg-Konzern solche Gesch\u00e4fte betrieben hatte. Amazon, Spotify, Microsoft, Apple \u2013 alle profitierten davon. Geld floss angeblich nicht, man half sich gegenseitig beim Wachstum und daf\u00fcr brauchte man die Daten. Mit diesen Daten k\u00f6nnen die Datenkonzerne die Kunden viel pr\u00e4ziser ansprechen. Je individueller die Werbung auf den User angepasst ist, desto mehr Geld l\u00e4sst sich mit den Klicks verdienen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Auch Identit\u00e4ten werden geklaut<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Als der Skandal \u00f6ffentlich bekannt wurde, machte sich bei den Kunden der Tech-Riesen Unsicherheit breit, aber auch eine gewisse Resignation. Wer am digitalen Leben teilhaben will, so glaubten und glauben immer noch viele, m\u00fcsse wohl diese Nachteile in Kauf nehmen. Doch das Vertrauen, dass ihre Daten dort gut aufgehoben sind, ist dahin. Dabei ist es nicht nur der Verkauf ihrer privaten Daten, der viele Nutzer hat misstrauisch werden lassen, auch die Tatsache, dass immer wieder spektakul\u00e4re Hacks offenbaren, dass die Daten in den Clouds von Microsoft &amp; Co. vor fremdem Zugriff nicht sicher sind, verunsichert die Kunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Offenbar zu Recht. Denn niemand wei\u00df, was alles mit den Daten gemacht wird, wenn sie entwendet oder kopiert werden. Identit\u00e4tsklau ist dabei ein gro\u00dfes Thema. Sind die Identit\u00e4ten der Kunden erst einmal in die falschen H\u00e4nde geraten, k\u00f6nnen Kontobewegungen manipuliert, falsche Personalausweise ausgestellt oder massenhaft Waren bestellt werden, die der eigentliche Inhaber der Identit\u00e4t im Zweifelsfall bezahlen muss. Dann muss Strafanzeige gestellt und die Bank informiert werden. Und zwar rasch. Sonst kann es teuer werden bis hin zur privaten Insolvenz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>CEO-Fraud macht die Runde<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Von professionellem Identit\u00e4tsklau sind auch F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten in Unternehmen betroffen. Ermittler nennen das \u203aCEO-Fraud\u2039. Doch das l\u00e4uft ein wenig raffinierter. Dazu werden soziale Kontakte des CEOs im Netz ausgesp\u00e4ht, die Mitteilungen zu k\u00fcnftigen Investments auf der Unternehmenswebseite verfolgt und vieles mehr. So sind die T\u00e4ter bestens informiert. Sie wissen, wo sich die F\u00fchrungskr\u00e4fte befinden, nutzen etwa deren Auslandsaufenthalt, um mit Hilfe einer gef\u00e4lschten E-Mail-Adresse oder einem Telefonat in der Buchhaltung Zahlungen auf andere Konten umzuleiten. Meist erzeugen sie k\u00fcnstlichen Zeitdruck, damit nicht zu viel nachgedacht wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Dass das funktioniert, zeigen die Zahlen. Der CEO-Fraud verursachte allein in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2017 einen Schaden von 8,9 Millionen Euro. 2018 lag er bei 6,8 Millionen Euro. Und das sind nur die offiziellen Zahlen eines einzigen Bundeslandes. Die Dunkelziffer wird um ein Vielfaches h\u00f6her gesch\u00e4tzt. Dabei sind die Betr\u00fcger flexibel. Erst waren die Gro\u00dfunternehmen im Visier, jetzt sind es die mittelst\u00e4ndischen Betriebe, denn die Gro\u00dfen sind sicherheitstechnisch inzwischen gut gesch\u00fctzt. Praktisch ist f\u00fcr die Betr\u00fcger auch, dass bei mittelst\u00e4ndischen Unternehmen die Entscheidungswege k\u00fcrzer sind. Manchmal gibt es nur ein oder zwei Leute im Unternehmen, die manipuliert werden m\u00fcssen. So haben sie leichteres Spiel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Big Brother is watching you<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Das Aussp\u00e4hen von Unternehmen und B\u00fcrgern geht allerdings nicht allein auf das Konto von Betr\u00fcgern. Das erfuhr die \u00d6ffentlichkeit im Jahr 2013. Da informierte uns ein sich auf der Flucht befindlicher unauff\u00e4lliger junger Mann namens Edward Snowden dar\u00fcber, dass es ein weltweites virtuelles Spionagenetz gibt, die so genannten \u203afive eyes\u2039, in denen sich die amerikanische National Security Agency (NSA), der britische Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ) sowie die Geheimdienste von Kanada, Australien und Neuseeland austauschen. Verbl\u00fcfft nahm die \u00d6ffentlichkeit zur Kenntnis, wie weit das Aussp\u00e4hen geht und wer alles abgeh\u00f6rt wird. Dass darunter zahllose Regierungschefs sind, gro\u00dfe Organisationen wie Weltbank und Opec, und auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel aufmerksam mitgeh\u00f6rt wurde, \u00fcberraschte weniger als die Tatsache, dass es auch ganz unbescholtene B\u00fcrger und Unternehmen trifft, und zwar millionenfach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Die Unterlagen von Snowden enth\u00fcllten, dass deutsche, norwegische, spanische und franz\u00f6sische B\u00fcrger flei\u00dfig abgeh\u00f6rt wurden. In den USA traf es sogar alle US-B\u00fcrger im Zeitraum von 2001-2015, bis zu dem Zeitpunkt, als Sektion 215 des Patriot Act ausgelaufen war. Politisch brisant f\u00fcr Europa ist, dass auch der belgische Telekommunikationsanbieter Belgacom abgeh\u00f6rt wurde, zu dessen Kunden das EU-Parlament, die EU-Kommission und der Europ\u00e4ische Rat geh\u00f6ren. Unter den ganzen Spionageaktivit\u00e4ten ist aber vor allem das Muscular-Programm beachtenswert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Das Programm ist in der Tat sehr muskul\u00f6s, wie der Name bereits vermuten l\u00e4sst. Denn im Rahmen dieses Programms hackte sich die NSA direkt in die Verbindung der Rechenzentren von Yahoo und Google. Dort speichern die Unternehmen die Daten ihrer Nutzer in so genannten \u203aClouds\u2039. Diese virtuellen Datenwolken sind \u00fcberall in der Welt verteilt, unter anderem lagern sie in Rechenzentren in Singapur, Taiwan, Hongkong, Irland, Finnland, Chile. In diesen Clouds wird so ziemlich alles gespeichert: E-Mails, Suchanfragen, Videos, Fotos, aber eben auch: Unterlagen von Unternehmen. Viele global agierende Unternehmen nutzen die Clouds, damit Mitarbeiter und Kunden auf die gleichen Datens\u00e4tze zugreifen k\u00f6nnen. Das macht das weltweit vernetzte Arbeiten erheblich leichter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Die Daten werden vor der Verschl\u00fcsselung abgegriffen<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang, dass genau auf den Leitungen, die die NSA infiltrierte, die Daten zwischen den verschiedenen Standorten der Rechenzentren routinem\u00e4\u00dfig abgeglichen werden. Verschl\u00fcsselt werden sie erst dann, wenn die Daten abgerufen werden. Der Ansatz der NSA ist also \u00e4u\u00dferst effektiv, denn die Daten m\u00fcssen nicht erst aufw\u00e4ndig geknackt werden. Nach Angaben von Edward Snowden werden jeden Monat etwa 500 Millionen Kommunikationsvorg\u00e4nge aus Deutschland abgegriffen. Naiv zu glauben, dass dabei nicht auch deutsche Unternehmen betroffen w\u00e4ren. Unangenehm zu wissen, dass private Dinge in unseren Mails, WhatsApp Nachrichten und SMS auf der anderen Seite des Atlantiks mitgelesen und politisch wie kommerziell intensiv genutzt werden, bei Unternehmen aber zielt es meistens direkt ins Herz der unternehmerischen T\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Wer deren Daten gezielt abf\u00e4ngt und auswertet, ist bestens dar\u00fcber informiert, was die Unternehmen planen, wie sie agieren, mit wem sie kooperieren und an welchen Projekten sie arbeiten. Das nennt man auch Wirtschaftsspionage und bietet denen, die das betreiben, einen klaren Wettbewerbsvorteil. Nach Einsch\u00e4tzung von Experten beschert das der deutschen Wirtschaft einen Schaden von rund 4,2 Milliarden Euro j\u00e4hrlich. Betroffen sind Gro\u00dfkonzerne, Autohersteller und ihre Zulieferer sowie Unternehmen, die sich um Auftr\u00e4ge bem\u00fchen, die \u00fcber 200 Millionen Dollar liegen.75 Die amerikanischen Geheimdienste sind auch \u00fcberall dort anzutreffen, wo es um h\u00f6chst aussichtsreiche, so genannte disruptive Technologien geht. Die Spionage betrifft daher nicht nur Gro\u00dfkonzerne, sondern auch innovative mittelst\u00e4ndische Betriebe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Dass die NSA bei dem massenhaften Datenabgriff nicht nur die Terrorabwehr im Sinn hat, sondern auch Wirtschaftsgeheimnisse anderer Nationen gezielt stehle, gab Michael Hayden, der die NSA von 1999 bis 2005 leitete, unumwunden zu. Und Glenn Greenwald, jener Journalist, der die Unterlagen von Snowden ver\u00f6ffentlicht hatte, zog bei seiner Anh\u00f6rung vor dem Europ\u00e4ischen Parlament ein be\u00e4ngstigendes Fazit: Die \u00dcberwachungsprogramme der NSA und seines britischen Partners GCHQ liefen darauf hinaus, dass es bei elektronischer Kommunikation schlechthin keine Privatsph\u00e4re mehr geben werde. Nun ist auch dem Letzten klar: Unsere Daten im Internet sind nicht sicher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Fake News und die Suche nach der Wahrheit<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Neben allen faszinierenden Dingen, die uns das Internet bietet, und auf die wir ungern wieder verzichten w\u00fcrden, hat das virtuelle Netz auch dunkle Seiten und dazu z\u00e4hlt die mangelnde Sicherheit unserer Daten. Es gibt noch einen weiteren S\u00fcndenfall, dem das Internet Vorschub leistet. Es sind die Fake News, die uns das Leben im Netz schwermachen. Authentische Daten werden zu einem raren Gut. Auch das ist f\u00fcr eine moderne Gesellschaft, die auf Vertrauen basiert, eine schwerwiegende Belastung. Zwar sind Fake News keine Erfindung des Internets, deren weltweite Verbreitung aber w\u00e4re ohne das Internet undenkbar. Dar\u00fcber hinaus sind sie oft raffiniert gemacht und im Internet gut gestreut. Selbst f\u00fcr Nachrichten-Profis ist es heute eine Herausforderung, Fakten von Fake News zu trennen, vor allem unter Zeitdruck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Und Zeitdruck ist in Nachrichtenredaktionen immer, weil das Internet so schnell ist und Fakten-Checks Zeit kosten. Wie sehr wir falschen Nachrichten ausgesetzt sind, wurde sp\u00e4testens nach dem amerikanischen Wahlkampf von Donald Trump 2016 deutlich. Russische Trolle hatten massenweise Fake News vor allem \u00fcber Facebook abgesetzt und Trump damit im Wahlkampf entscheidend unterst\u00fctzt. Damit wurde etwas sichtbar, was im postkommunistischen Osteuropa aus langer leidvoller Erfahrung l\u00e4ngst bekannt war: die Unterwanderung der Medien, heute des Internets, von russischer Desinformation. Dabei helfen \u203aMedienunternehmen\u2039 wie die in St. Petersburg ans\u00e4ssige \u00bbInternet Research Agency\u00ab. Die Medienagentur wurde \u2013 und wird vermutlich noch immer \u2013 von einem Freund Putins, dem Oligarchen Jewgenij Prigoschin, massiv finanziell unterstu\u0308tzt. Darin produzieren \u00fcberwiegend Studenten in Zw\u00f6lf-Stunden-Schichten unter vielfachen Pseudonymen rund 160 gef\u00e4lschte Blogbeitr\u00e4ge pro Tag. Lohn der Arbeit: rund 700-900 \u20ac im Monat. F\u00fcr Studenten in Russland viel Geld.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Auch diese Erfahrung der massenhaften Verbreitung von Fake News war in der weltweiten Internetgemeinde ein veritabler Schock, hatte man doch im anf\u00e4nglichen digitalen Hype geglaubt, dass man durch das Internet an bessere, sprich, wahre Originaldaten k\u00e4me. Ungefiltert. Ohne Zensur durch die herk\u00f6mmlichen Medien. Auch diese Hoffnung wurde zerst\u00f6rt. Und zwar gr\u00fcndlich. Heute wissen wir, dass im Internet nicht nur massenhaft Trolle herumgeistern, sondern intelligente Computer, so genannte Bots, sogar Nachrichten produzieren, die selbst gewissenhaft recherchierende Journalisten in die Irre f\u00fchren k\u00f6nnen und Nachrichtentrends produzieren, die es ohne sie gar nicht g\u00e4be.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Deep Fakes sind t\u00e4uschend echt<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Und als w\u00e4re das nicht schon genug, gibt es auch noch das Problem mit den \u203aDeep Fakes\u2039. Dabei handelt es sich um Foto-, Film- und Videosequenzen, die mit Hilfe von K\u00fcnstlicher Intelligenz (KI) bearbeitet werden. Diese Bearbeitungen dank KI machen es m\u00f6glich, Menschen Aussagen und Handlungen unterzuschieben, die sie nie gesagt oder begangen haben. Besonders infam: Daf\u00fcr werden nicht nur ihre Konterfeis genutzt, auch ihre Stimmen werden missbraucht. Das f\u00fchlt sich f\u00fcr die anderen ziemlich echt an. Nun wird es schwer f\u00fcr die Betroffenen, das Gegenteil zu beweisen. Da tut sich ein Abgrund auf. Die Dinger werden immer besser, immer authentischer. Das birgt die Gefahr, dass irgendwann gar nichts mehr f\u00fcr wahr gehalten wird und nur noch Meinungen z\u00e4hlen \u2013 v\u00f6llig losgel\u00f6st von den Tatsachen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Genau vor dieser Gefahr hat Hannah Arendt, eine der gr\u00f6\u00dften politischen Theoretikerinnen des 20. Jahrhunderts, gewarnt. Wenn alle glauben, dass sowieso nur noch gelogen wird, nichts mehr wahr ist, ist der N\u00e4hrboden f\u00fcr Diktaturen bereitet, weil die Wirklichkeit entgleitet. Dann ist die Demokratie angez\u00e4hlt wie ein angeschlagener Boxer im Ring. Die Verunsicherung aufgrund von Fake News ist inzwischen gro\u00df und so fragen sich immer mehr Menschen: Was ist wahr? Was ist Fake?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Blockchain als L\u00f6sung<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Diese tiefgreifende Vertrauenskrise in die Echtheit von Daten und deren Sicherheit im Netz, lie\u00df den Hunger nach f\u00e4lschungssicheren, nicht manipulierbaren Daten enorm steigen. Das f\u00fchrte dazu, dass die urspr\u00fcngliche Idee von Satoshi Nakamoto wie Ph\u00f6nix aus der Asche auferstand. Nun aber mit einem grunds\u00e4tzlich ver\u00e4nderten Blickwinkel. Die Aufmerksamkeit richtete sich jetzt weniger auf die Bitcoins als auf die darunterliegende Blockchain-Technologie. Schlie\u00dflich war sie von ihrem Erfinder Nakamoto erschaffen worden, um f\u00e4lschungssichere und korrekte Transaktionen von Computer zu Computer zu erm\u00f6glichen (Peer-to-Peer). Diese ver\u00e4nderte Perspektive brachte Erstaunliches zutage. Man erinnerte sich, dass diese Datenbank nicht blo\u00df f\u00fcr virtuell erzeugtes Geld genutzt werden kann, sondern f\u00fcr Daten aller Art. Man erinnerte sich auch daran, dass die Blockchain-Technologie vor F\u00e4lschungen sicher ist. Sind die eingestellten Daten korrekt, ist deren Integrit\u00e4t auf der Blockchain garantiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Der Grund daf\u00fcr ist einfach: Wenn ein Schwarm von Menschen jeweils mit Hilfe ihrer Computer best\u00e4tigt, dass die Daten aus dem mathematischen Block, der ihnen zugestellt wurde, echt ist, ist es f\u00fcr Manipulatoren schlichtweg unm\u00f6glich, alle Teilnehmer zu manipulieren. Die Echtheit wird also nicht von vertrauensw\u00fcrdigen Einzelpersonen oder Institutionen \u2013 einem Notar oder einer Bank \u2013 best\u00e4tigt, sondern von vielen. Und bei jeder Transaktion wird sie erneut best\u00e4tigt. Damit bekommen die Daten die Qualit\u00e4t einer Urkunde, ohne dass die Informationen noch verbrieft werden m\u00fcssen. Ein Schwarm, der sich dezentral auf Millionen von Computern verteilt. Das klingt irgendwie nach Schwarmintelligenz und ist es auch: Der Schwarm l\u00e4sst sich nicht t\u00e4uschen; zumal alle Daten dauerhaft und konsistent dokumentiert sind und diese Wahrheit dezentral organisiert ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Ein Zentrum kann man angreifen, hacken, zerst\u00f6ren, ausradieren. Die Vielen nicht. Wenn die Wahrheit auf so vielen Computern zu finden ist, ist Manipulation nutzlos. Der Mathematiker und Kryptograph Professor R\u00fcdiger Weis best\u00e4tigt, dass es in absehbarer Zeit mathematisch nicht m\u00f6glich sei, die digitalen Ketten zu sprengen.90 Selbst Quantencomputer, an denen nicht nur Google arbeitet, seien noch lange nicht in der Lage, das Blockchain-System zu knacken, sagt auch Bitcoin-Entwickler Peter Todd. Klar ist aber auch, dass dies irgendwann der Fall sein wird. Deswegen muss die technologische Entwicklung jeweils Schritt halten. Sicherheitsfragen k\u00f6nnen nie eine letzte Antwort haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Blockchain soll die Industriedaten sch\u00fctzen<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Angesichts des derzeitig massiven Datenklaus und der allt\u00e4glichen Datenmanipulation brauchen wir dringend eine Technologie, die uns vor dem unbefugten Zugriff auf unsere Daten sch\u00fctzt. Vor allem die Unternehmen in Europa. Professor Weis bringt die derzeitige Situation mit viel Sarkasmus auf den Punkt, wenn er sagt, dass derjenige, der unverschl\u00fcsselt kommuniziere, auch gleich seine Daten an die ausl\u00e4ndischen Geheimdienste schicken k\u00f6nne. Kein Wunder, dass der Handlungsdruck f\u00fcr die Unternehmen enorm ist. Aber noch aus einem anderen Grund muss dringend etwas gegen den Datenklau getan werden. Daten, deren Authentizit\u00e4t zweifelhaft ist, bedrohen die moderne Gesellschaft, deren Getriebe ins Stottern ger\u00e4t, wenn nicht mehr vertraut werden kann, weil so viel Fake im Umlauf ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Dies gilt in ganz besonderem Ma\u00dfe f\u00fcr die Wirtschaft. Der weltweite Handel braucht verl\u00e4ssliche Zahlen und Fakten. Sonst lassen sich keine Gesch\u00e4fte machen. Zwar sind die privaten Daten vor dem Zugriff der riesigen US-Datenkraken schon seit geraumer Zeit nicht sicher, dieser Kampf ist verloren, f\u00fcr den Schutz unserer Industriedaten aber lohnt es zu k\u00e4mpfen. Blockchain k\u00f6nnte dabei eine gro\u00dfe Rolle spielen. Denn die Technologie macht nicht nur die Daten erheblich sicherer, sie kann auch deren Echtheit garantieren. Wenn die Anfangsdaten korrekt sind, bleiben sie es auch auf der Blockchain. Niemand kann sie noch manipulieren. Diese Daten sind wahr. Wie es um die Wahrheit bestellt ist, ist zudem f\u00fcr jeden der Gesch\u00e4ftsteilnehmer zu jeder Zeit einsehbar. Wer aber die Wahrheit hat, braucht kein Vertrauen. Das Wissen um die Integrit\u00e4t der Daten ersetzt das Vertrauen. Das ist radikal neu. Das hat es so noch nie gegeben. Vor allem nicht in der Wirtschaft. Es ist nicht \u00fcbertrieben, dies einen historischen Umbruch zu nennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>\u00bbWer die Wahrheit hat, braucht kein Vertrauen. Das Wissen um die Integrit\u00e4t der Daten auf der Blockchain ersetzt das Vertrauen.\u00ab<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Im Unterschied zum institutionellen Vertrauen des modernen Menschen, der generell darauf vertrauen muss, dass das System Wirtschaft funktioniert und ihm die Waren und Dienstleistungen bietet, die er braucht \u2013 selbst in Corona-Zeiten \u2013, war Handel treiben ohne Vertrauen noch nie m\u00f6glich. Doch das Vertrauen ist von anderer Art. Dieses Vertrauen war immer ein pers\u00f6nliches Vertrauen. Eins von Mensch zu Mensch. Nicht umsonst formulierte einst der amerikanische \u00d6l-Tycoon Jean Paul Getty jene Worte, die zum gefl\u00fcgelten Sprichwort wurden: Wenn man einem Menschen trauen kann, er\u00fcbrigt sich ein Vertrag. Wenn man ihm nicht trauen kann, ist ein Vertrag nutzlos. Das Gleiche dr\u00fcckt das Kaufmannsehrenwort aus, dass in den Hansest\u00e4dten immer so wichtig war und ohne jenes die Hansest\u00e4dte wohl nie so reich geworden w\u00e4ren. Vertrauen als Grundlage f\u00fcr Handel und Wirtschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Bis heute wird das Ehrenwort des Kaufmanns in Hamburg hochgehalten. Ein Wort, ein Mann und ein millionenschweres Gesch\u00e4ft wird mit blo\u00dfem Handschlag besiegelt. Dieses pers\u00f6nliche Vertrauen ist essenziell. Schlie\u00dflich kann beim Gesch\u00e4ftemachen eine Menge schiefgehen: Die Ware kommt nicht oder wird nicht p\u00fcnktlich geliefert, sie hat nicht die Qualit\u00e4t oder Quantit\u00e4t, die vereinbart wurde, das Geld wird nicht zum vereinbarten Zeitpunkt \u00fcberwiesen oder im schlimmsten Fall bleibt die Zahlung ganz aus. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem, was alles nicht funktionieren kann. Mit verheerenden Folgen f\u00fcr den, der dem Falschen vertraut hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Und weil sich das nie ge\u00e4ndert hat, gibt es in jeder Kultur regelrechte Zeremonien des Vertrauensaufbaus: Eine Empfehlung \u00f6ffnet die T\u00fcr, man geht miteinander essen, beobachtet den Geschmack und die Manieren seines Gegen\u00fcbers, tastet im Gespr\u00e4ch einander vorsichtig ab, ist Gastgeber und baut langj\u00e4hrige Gesch\u00e4ftsfreundschaften auf. Man beginnt mit einem kleineren Gesch\u00e4ft, um zu testen, ob es klappt, und weitet sodann schrittweise den Handel miteinander aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Das hat sich seit dem Altertum bis heute nicht ge\u00e4ndert, weil es nie Ersatz f\u00fcr dieses Vertrauen gab. Doch dieses Vertrauen, das im Grunde genommen eine Wette auf die Zukunft ist, ein Vorschuss, bei dem man nie wissen kann, ob er sich auszahlt, weil man in den Kopf des anderen nicht hineinschauen kann, braucht man nun nicht mehr. Dieser seit Beginn der Menschheit praktizierte Vertrauensvorschuss im Handel mit seinem hochkomplizierten Beziehungsgeflecht kann in naher Zukunft im internationalen Warenverkehr zu den Akten gelegt werden. Wie kann das sein? Die Frage ist rasch beantwortet. Weil die Daten, die \u00fcber die Ware pr\u00e4zise Auskunft geben, auf der Blockchain f\u00e4lschungssicher gespeichert und f\u00fcr die Zugriffsberechtigten jederzeit einsehbar sind. Jeder, der an einem Gesch\u00e4ft beteiligt ist, das \u00fcber Blockchain abgewickelt wird, kann in wenigen Sekunden in Echtzeit erkennen, wie viel Ware vorhanden ist, welche Qualit\u00e4t sie hat, was sie kostet, wo sie sich befindet und wem sie geh\u00f6rt. Wer braucht da noch Vertrauen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Vertrauen wird durch Wissen ersetzt<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Was diese nahezu tektonische Verschiebung in der Wirtschaft bedeutet, welche Fragen dabei noch ungel\u00f6st sind und wie die Suche nach Antworten auf Hochtouren l\u00e4uft, wird in den folgenden Kapiteln dargestellt. Was allerdings mit einer modernen Gesellschaft geschieht, deren Grundpfeiler auf dem Vertrauen fu\u00dft und dieses Vertrauen in vielen Bereichen nun \u00fcberfl\u00fcssig wird, k\u00f6nnen wir noch gar nicht absch\u00e4tzen. Wir wissen noch nicht, was es f\u00fcr eine Gesellschaft bedeutet, vom Vertrauen zum Wissen zu wechseln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Es wird vielleicht sogar noch grunds\u00e4tzlicher sein als das, was momentan durch die Digitalisierung in der Wirtschaft geschieht, weil es eben das ganze System der Moderne erfasst. Dieser Sprung in eine echte Wissensgesellschaft, die das Vertrauen nicht mehr braucht, weil sie die Wahrheit kennt, wird sich jedoch nur dann realisieren, wenn zu der Erfindung und dem Hunger nach f\u00e4lschungssicheren und wahren Daten noch etwas hinzukommt. Es braucht den entscheidenden Treiber, der die Entwicklung voranbringt. Dieser Treiber sorgt daf\u00fcr, dass sich die neue Technologie weltweit verbreitet und etabliert. Ohne einen solchen Treiber bleiben die technologischen Erfindungen aufregende Ideen, an die sich aber bald schon niemand mehr erinnern wird. Sie geraten einfach in Vergessenheit, weil kaum jemand sie nutzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Wenn aber eine Industrie mit enorm viel Marktmacht sich dieser Erfindung annimmt, kommt es zum Durchbruch am Markt. Diese Rolle f\u00e4llt der Chemieindustrie zu. Das mag einige \u00fcberraschen, weil viele die Chemieindustrie gar nicht auf dem Schirm haben, schauen die meisten doch beim Thema disruptive Technologien in Richtung Silicon Valley oder Finanzindustrie, die das Thema Blockchain bisher vorangetrieben hat. Die Chemieindustrie hat jedoch ein Pfund, mit dem sie wuchern kann. Als eine der ganz wenigen Industrien ist sie mit der gesamten produzierenden Industrie vernetzt, sie steht mit ihren Produkten am Anfang vieler Lieferketten \u2013 und zwar weltweit. Wenn ein solcher Player mit ins Spiel kommt und die Blockchain-Technologie in das Herz seiner globalen IT-Prozesse einpflanzt, dann wird es ernst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Denn die Gesch\u00e4ftspartner und Kunden, die sich auf allen Kontinenten verteilen, m\u00fcssen mitgehen. Genau diese Entscheidung ist in der Chemieindustrie gefallen. Drei der Blockchain-Pilotprojekte werden in diesem Buch vorgestellt: Themis, Circularise PLASTICS und ReciChain. Namhafte Player der Branche sind dabei: BASF, Covestro, Evonik. Im Mittelpunkt der Pilotierungen steht die Frage, wie sicher und effizient die Warenprozesse und der Zahlungsverkehr auf der Blockchain durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Die bisherigen Ergebnisse sind so \u00fcberzeugend, dass die Industrie in den Startl\u00f6chern steht. Die Europ\u00e4ische Kommission in Br\u00fcssel reagiert darauf und ebnet der Blockchain mit der European Blockchain Service Infrastructure (EBSI)97 den Weg. Fehlt nur noch das digitale Geld f\u00fcr die Zahlungsabwicklung auf der Blockchain. Dann k\u00f6nnen die Lieferketten in gar nicht mehr so ferner Zukunft vollautomatisch ablaufen. Da trifft es sich gut, dass die Europ\u00e4ische Zentralbank seit Oktober 2020 den Einsatz des digitalen Euros in einem Pilotprojekt testet. Wenn dieser Probelauf positiv ausfallen sollte, und davon ist auszugehen, steht dem fl\u00e4chendeckenden Einsatz dieser bahnbrechenden Technologie nichts mehr im Weg.<\/p>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten. Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Buchauszug Bettina Uhlich\/Heinz-Gu\u0308nter Lux: \u201eBlockchain &#8211; Wirtschaft im Umbruch. 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