{"id":677901,"date":"2021-10-08T12:00:59","date_gmt":"2021-10-08T10:00:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=677901"},"modified":"2021-10-08T18:23:32","modified_gmt":"2021-10-08T16:23:32","slug":"buchauszug-rene-schumann-stefan-oswald-philippe-gillen-verhandeln-mit-system-spieltheorie-und-verhaltensoekonomie-im-einkauf-die-erfolgsformel-fuer-profis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/10\/08\/buchauszug-rene-schumann-stefan-oswald-philippe-gillen-verhandeln-mit-system-spieltheorie-und-verhaltensoekonomie-im-einkauf-die-erfolgsformel-fuer-profis\/","title":{"rendered":"Buchauszug Rene\u00b4 Schumann, Stefan Oswald, Philippe Gillen: &#8222;Verhandeln mit System. Spieltheorie und Verhaltens\u00f6konomie im Einkauf \u2013 die Erfolgsformel f\u00fcr Profis&#8220;"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"a-spacing-none a-text-normal\"><span class=\"a-size-extra-large\">Buchauszug\u00a0<\/span><span id=\"productTitle\" class=\"a-size-extra-large\">Rene\u00b4 Schumann, Stefan Oswald, Philippe Gillen:\u00a0<\/span><span class=\"a-size-extra-large\">&#8222;Verhandeln mit System. Spieltheorie und Verhaltens\u00f6konomie im Einkauf \u2013 die Erfolgsformel f\u00fcr Profis&#8220;. Die drei Autoren sind\u00a0<\/span><span id=\"productTitle\" class=\"a-size-extra-large\">Spezialisten f\u00fcr Verhandlungen und arbeiten bei <\/span><span id=\"productTitle\" class=\"a-size-extra-large\">der Unternehmensberatung Negotiation Advisory Group.<\/span><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_675768\" style=\"width: 549px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-675768\" class=\"size-full wp-image-675768\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/02\/schumann.ex-kerkhoff-e1633619793352.jpg\" alt=\"\" width=\"539\" height=\"459\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/02\/schumann.ex-kerkhoff-e1633619793352.jpg 539w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/02\/schumann.ex-kerkhoff-e1633619793352-300x255.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/02\/schumann.ex-kerkhoff-e1633619793352-352x300.jpg 352w\" sizes=\"auto, (max-width: 539px) 100vw, 539px\" \/><p id=\"caption-attachment-675768\" class=\"wp-caption-text\">Rene\u00b4 Schumann (Foto: PR)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fallstudie: Erpresserisches Pricing von Lieferanten<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer deutscher Automobilhersteller hatte die Rohbauanlagen f\u00fcr drei gro\u00dfe<\/p>\n<p>Baureihen mit einem Vergabevolumen von rund 750 Mio. EUR ausgeschrieben,<\/p>\n<p>verteilt auf sieben Vergabepakete. Sechs Lieferanten, inklusive der hauseigenen<\/p>\n<p>Rohbauanlagenfertigung, nahmen am Vergabeprozess teil. Einige gro\u00dfe Lieferanten<\/p>\n<p>boten die Mehrzahl oder sogar alle Vergabepakete an, einige kleinere dagegen<\/p>\n<p>nicht alle Pakete, weil ihre Kapazit\u00e4ten daf\u00fcr nicht ausreichten. Jeder Anbieter<\/p>\n<p>hatte ein eigenes technisches Konzept entwickelt, das sich von den anderen<\/p>\n<p>beispielsweise in der Anzahl der verwendeten Roboter und dem erforderlichen<\/p>\n<p>Platzbedarf unterschied. Nach Aussage der Lieferanten hatte die Entwicklung<\/p>\n<p>des technischen Konzepts f\u00fcr ein einziges Vergabepaket bereits mindestens<\/p>\n<p>100.000 EUR an Planungskosten verschlungen. Diese Kosten mussten die<\/p>\n<p>Lieferanten investieren, ohne zu wissen, ob sie letztlich f\u00fcr die zugrunde liegenden<\/p>\n<p>Pakete nominiert w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Herstellung von Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Konzepten<\/p>\n<p>Die erste Herausforderung bei der Verhandlung technisch hoch komplexer<\/p>\n<p>Vergabegegenst\u00e4nde\u00a0besteht in der Herstellung von Vergleichbarkeit. In intensiven<\/p>\n<p>Workshops mit den technischen Fachbereichen wurde jedes Konzept monet\u00e4r<\/p>\n<p>bewertet. Die Kosten f\u00fcr die notwendigen Roboter wurden ber\u00fccksichtigt, und f\u00fcr<\/p>\n<p>den Platzbedarf im Werk ein Kostenfaktor je Quadratmeter als Malus abgeleitet.<\/p>\n<p>Auch der erforderliche Personal- und Strombedarf wurde f\u00fcr jedes einzelne Konzept<\/p>\n<p>minuti\u00f6s in Euro errechnet. Dies fand unmittelbar nach Abgabe der Angebote<\/p>\n<p>im Zuge des RfQ statt. So erhielten die Lieferanten bereits w\u00e4hrend der<\/p>\n<p>Vorverhandlungen\u00a0ein detailliertes Feedback sowohl zum technischen Konzept<\/p>\n<p>als auch zum Pricing.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Problem: Erpresserisches Pricing von Lieferanten<\/strong><\/p>\n<p>Die verhandlungstaktische Herausforderung im Projekt bestand im aggressiven<\/p>\n<p>Pricing-Verhalten der gr\u00f6\u00dften und technisch f\u00fchrenden Lieferanten. Ihre, unter<\/p>\n<p>gewitzten Vertriebsprofis verbreitete Strategie: Prohibitive Pricing. Dabei bepreisten<\/p>\n<p>sie die von ihnen bevorzugte Paketierung attraktiv, wogegen sie alle anderen<\/p>\n<p>Paketierungsvarianten durch sehr hohe Preise k\u00fcnstlich unattraktiv rechneten. Im<\/p>\n<p>konkreten Fall bedeutete das, dass gro\u00dfe Lieferanten f\u00fcr eine Nominierung von<\/p>\n<p>drei bevorzugten Vergabepaketen einen attraktiven Preis anboten, aber f\u00fcr<\/p>\n<p>einzelne Vergabepakete extrem hohe Preise verlangten. Dieses Pricing-Verhalten<\/p>\n<p>war deshalb problematisch, weil die von den Lieferanten angebotenen B\u00fcndel von<\/p>\n<p>Vergabepaketen nicht \u00fcberschneidungsfrei waren. Das hei\u00dft, wenn man ein<\/p>\n<p>attraktives B\u00fcndelangebot eines Lieferanten mit den Einzelpaketpreisen der<\/p>\n<p>restlichen Lieferanten kombinieren wollte, ergab sich ein relativ schlechter Business<\/p>\n<p>Case, der weit oberhalb der internen Zielsetzung lag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl das Eink\u00e4uferteam \u00fcber viel Erfahrung verf\u00fcgte, konnte es in den<\/p>\n<p>konventionellen Vorverhandlungen die Lieferanten nicht dazu bringen, auch<\/p>\n<p>einzelne Vergabepakete attraktiv anzubieten. Diese begr\u00fcndeten ihr Preisverhalten<\/p>\n<p>mit angeblichen Synergien im Planungs- und Beschaffungsprozess, eine<\/p>\n<p>Argumentation, an der der Einkauf jedoch begr\u00fcndete Zweifel hatte.<\/p>\n<p>Unsere Aufgabe: Entwicklung einer Konterstrategie auf Basis der Spieltheorie<\/p>\n<p>Nach Abschluss der konventionellen Verhandlungen durch das Einkaufsteam wurden<\/p>\n<p>wir hinzugezogen, um ein spieltheoretisch optimiertes Verhandlungsdesign<\/p>\n<p>zu entwickeln als Konterstrategie gegen das Prohibitive Pricing der Lieferanten<\/p>\n<p>und um sie so zu zwingen, auch f\u00fcr einzelne Vergabepakete attraktive Preise<\/p>\n<p>anzubieten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung: ein zweistufiges Design, das an alle Lieferanten kommuniziert<\/p>\n<p>wurde. In Phase eins wurden alle Lieferanten aufgefordert, ihr Angebot f\u00fcr jedes<\/p>\n<p>einzelne Vergabepaket nachzubessern. Sie mussten also f\u00fcr jedes einzelne, von<\/p>\n<p>ihnen angebotene Paket einen g\u00fcltigen Preis nennen. Dieser war die Basis f\u00fcr<\/p>\n<p>ein Ranking: F\u00fcr jeden angebotenen Paketpreis wurde die prozentuale Abweichung<\/p>\n<p>vom internen Referenzpreis berechnet und anschlie\u00dfend die (ungewichtete)<\/p>\n<p>durchschnittliche Abweichung vom Referenzpreis f\u00fcr alle angebotenen Pakete<\/p>\n<p>eines Lieferanten ermittelt. So konnte das Preisniveau jedes Lieferanten in einer<\/p>\n<p>einzigen Zahl dargestellt und in ein Ranking \u00fcberf\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-677902\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/41hg1PbjhrL.jpg\" alt=\"\" width=\"354\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/41hg1PbjhrL.jpg 354w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/10\/41hg1PbjhrL-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 354px) 100vw, 354px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Rene\u00b4 Schumann, Stefan Oswald, Philippe Gillen: &#8222;Verhandeln mit System: Spieltheorie und Verhaltens\u00f6konomie im Einkauf \u2013 die Erfolgsformel f\u00fcr Profis&#8220;. 135 Seiten, 34,99 Euro, Springer Gabler Verlag. <a href=\"https:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783658340544\">https:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783658340544<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Ranking war entscheidend f\u00fcr Phase zwei. Hier galt eine Logik wie beim<\/p>\n<p>Abfahrtsrennen im Skisport: Der Lieferant mit dem schlechtesten Ranking aus<\/p>\n<p>Phase eins musste in Phase zwei als Erster \u201enochmal ran\u201c mit seinem finalen<\/p>\n<p>Angebot, w\u00e4hrend der Lieferant mit dem besten Ranking in Phase eins als Letzter<\/p>\n<p>anbieten durfte. Es war f\u00fcr Lieferanten in Phase zwei also von gro\u00dfem Vorteil,<\/p>\n<p>sp\u00e4t oder sogar als Letzter Angebote einreichen zu k\u00f6nnen \u2013 ein Anreiz, der sie<\/p>\n<p>schon in Phase eins konzilianter machen sollte. Die Lieferanten erhielten zudem<\/p>\n<p>vor der jeweiligen Angebotsabgabe wertvolle Informationen \u00fcber ihre Position<\/p>\n<p>im Wettbewerb in Form von Abstandsintervallen zum bis dahin kostenminimalen<\/p>\n<p>Angebot.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gleichzeitig erhielt jeder Lieferant in Phase zwei die M\u00f6glichkeit, auch das<\/p>\n<p>von ihm pr\u00e4ferierte B\u00fcndel von Vergabepaketen anzubieten. Obwohl das<\/p>\n<p>Einkaufsteam gro\u00dfe Zweifel an den von den Lieferanten behaupteten Synergien hatte,<\/p>\n<p>sollte kein Lieferant aus der Verhandlung ausscheiden, ohne zuvor noch das f\u00fcr ihn<\/p>\n<p>optimale B\u00fcndel anbieten zu k\u00f6nnen. Daher konnte in Phase zwei jeder Lieferant<\/p>\n<p>eine beliebige Kombination von Paketen als B\u00fcndel anbieten \u2013 oder auch<\/p>\n<p>komplett darauf verzichten. Die Lieferanten wurden f\u00fcr jede denkbare Kombination<\/p>\n<p>von Vergabepaketen (z. B. B\u00fcndel aus allen sieben Vergabepaketen, alle<\/p>\n<p>denkbaren B\u00fcndel aus sechs Vergabepaketen, aus f\u00fcnf Vergabepaketen etc.) vor<\/p>\n<p>Angebotsabgabe \u00fcber ihre Abstandsintervalle informiert. Dadurch erhielt jeder<\/p>\n<p>Lieferant wertvolle Signale, welche Bieterstrategie f\u00fcr ihn am vielversprechendsten<\/p>\n<p>war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei diesem Regelwerk hatte der Lieferant mit Rang eins, der in Phase zwei<\/p>\n<p>als Letzter anbieten durfte, eine Art \u201eLast Call\u201c. Das lag daran, dass diesem<\/p>\n<p>Lieferanten \u2013 nach finaler Angebotsabgabe aller Wettbewerber \u2013 detaillierte<\/p>\n<p>Abstandsintervalle kommuniziert wurden. Wenn er beispielsweise erfuhr, dass bei<\/p>\n<p>Paket eins sein Abstand zum niedrigsten Preisangebot kleiner als drei Prozent<\/p>\n<p>war, so wusste er, dass er das Paket bei einer Preisreduktion von drei Prozent auf<\/p>\n<p>jeden Fall gewinnen wird. Dieser enorme strategische Vorteil in Phase zwei war<\/p>\n<p>ein extrem starker Anreiz, bereits in Phase eins attraktive Preise anzubieten, um<\/p>\n<p>sich f\u00fcr einen m\u00f6glichst hohen Rang zu qualifizieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Ergebnis: Hohe Ersparnisse schon in Phase eins<\/strong><\/p>\n<p>Das Kalk\u00fcl des Verhandlungsdesigns ging auf. Tats\u00e4chlich boten die Lieferanten<\/p>\n<p>bereits in Phase eins starke Preisreduktionen an, die dem Automobilbauer<\/p>\n<p>schon da Ersparnisse von 16 % einbrachten. Obwohl in dieser Phase lediglich<\/p>\n<p>einzelpaketg\u00fcltige Preisangebote erlaubt waren, unterschritten sie jetzt schon das<\/p>\n<p>Preisniveau der Vorverhandlungen deutlich. Dieses Preisverhalten stand in starkem<\/p>\n<p>Kontrast zu der Argumentation der Lieferanten, dass bei ihrer Nominierung<\/p>\n<p>f\u00fcr mehrere Pakete gro\u00dfe Synergien realisiert werden k\u00f6nnten. Offensichtlich war<\/p>\n<p>derWettstreit um ein gutes Ranking in Phase zwei so intensiv, dass die Lieferanten<\/p>\n<p>jegliches Taktieren \u00fcber Bord warfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Phase zwei lie\u00dfen sich dann nur noch verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig niedrige zus\u00e4tzliche<\/p>\n<p>Ersparnisse realisieren. Die Lieferanten konnten in der Reihenfolge des Rankings<\/p>\n<p>aus Phase eins einzelne Pakete bzw. B\u00fcndel aus Paketen bepreisen. Nicht<\/p>\n<p>wettbewerbsf\u00e4hige Lieferanten lernten durch das Informationsfeedback, dass sie zu<\/p>\n<p>weit abgeschlagen waren, um sich durch weitere Preissenkungen f\u00fcr das<\/p>\n<p>Gesch\u00e4ft zu qualifizieren. Die Lieferanten, die sich in Phase eins durch sehr starke<\/p>\n<p>Preisnachl\u00e4sse auf Einzelpakete f\u00fcr ein gutes Ranking qualifiziert hatten, erfuhren,<\/p>\n<p>dass sie bereits wettbewerbsf\u00e4hig angeboten hatten. Da das Informationsfeedback<\/p>\n<p>durch die Abstandsintervalle noch Unsicherheit mit sich brachte, boten aber selbst<\/p>\n<p>deutlich f\u00fchrende Lieferanten nochmal weitere Preisnachl\u00e4sse an. Letztlich wurden<\/p>\n<p>in\u00a0Phase zwei zus\u00e4tzliche Savings in H\u00f6he von zwei Prozent erzielt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Am Ende des Verhandlungstags war der Einkauf sehr zufrieden. Die Referenzpreise<\/p>\n<p>der internen Kostenkalkulatoren wurden f\u00fcr alle Vergabepakete signifikant<\/p>\n<p>unterschritten und somit die Ziele des Einkaufsteams erreicht. Gleichzeitig zeigte<\/p>\n<p>es eine gewisse Genugtuung, weil das Verhandlungsdesign und der daraus<\/p>\n<p>resultierende Verhandlungsverlauf offengelegt hatten, dass die von den Lieferanten<\/p>\n<p>behaupteten Synergien, die Begr\u00fcndung f\u00fcr ihr Prohibitive Pricing, nichts weiter<\/p>\n<p>als ein M\u00e4rchen ihres Vertriebs waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aufatmen \u2013 die Vergabe ist geschafft, signifikante Savings wurden erzielt, das<\/p>\n<p>Management ist zufrieden mit dem Ergebnis. Aber noch ist der Prozess nicht<\/p>\n<p>abgeschlossen. Jetzt ist der Moment, in dem der Grundstein f\u00fcr erfolgreiche<\/p>\n<p>zuk\u00fcnftige Verhandlungen gelegt werden sollte. Denn die Vergabe hat zahlreiche<\/p>\n<p>Informationen gebracht, die auch in Zukunft n\u00fctzlich sein werden. Dabei geht<\/p>\n<p>es nicht nur um Preise oder andere Quantit\u00e4ten, die einer Datenanalyse unterzogen<\/p>\n<p>werden k\u00f6nnen, auch Informationen zum Vergabedesign spielen eine wichtige<\/p>\n<p>Rolle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Details der Vergabe<\/strong><\/p>\n<p>Zuerst gilt es die Parameter der Vergabe zu erfassen, um die Basis f\u00fcr eine<\/p>\n<p>Projektdatenbank zu schaffen: Was wurde beschafft, in welchem Umfang, welche<\/p>\n<p>Zulieferer wurden beispielsweise vom Fachbereich Technik vorgeschlagen, welche<\/p>\n<p>zus\u00e4tzlich noch vom Einkauf recherchiert? Diese Angaben dienen dazu, sp\u00e4ter<\/p>\n<p>in der Projektdatenbank einfach und schnell suchen und relevante Projekte schnell<\/p>\n<p>finden zu k\u00f6nnen, etwa bei der Frage, ob dieser Zulieferer schon mal an einer<\/p>\n<p>Vergabe teilgenommen hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Informationen aus der Marktanalyse und Bonus-Malus-Bewertung<\/strong><\/p>\n<p>Solche Informationen k\u00f6nnen zuk\u00fcnftige Vergaben enorm erleichtern. Auskunft<\/p>\n<p>\u00fcber technische Freigaben, finanzielle Reports das Unternehmen oder Angaben<\/p>\n<p>zu Kapazit\u00e4tsbeschr\u00e4nkungen sind wichtige Informationen, die auf strukturierte<\/p>\n<p>Weise aufbewahrt werden sollten. Das bedeutet nach der Vergabe etwas<\/p>\n<p>Zusatzarbeit, diese Daten so abzulegen, dass sie sp\u00e4ter n\u00fctzlich sind. Doch<\/p>\n<p>diese zeitliche Investition lohnt sich sp\u00e4testen bei der n\u00e4chsten Vergabe, bei der man<\/p>\n<p>mit den gleichen Zulieferern zu tun hat. Dann muss nicht noch einmal erarbeitet<\/p>\n<p>werden.<\/p>\n<p>Auch wie eine Bonus-Malus-Bewertung zustande gekommen ist, sollte zumindest<\/p>\n<p>in groben Z\u00fcgen dokumentiert werden. Wir hatten in Abschn. 2.7 das<\/p>\n<p>Beispiel der unterschiedlichen Bremsschl\u00e4uche, zum einen platzsparende vom<\/p>\n<p>Technologief\u00fchrer, zum anderen ein Konkurrenzprodukt, das potenziell Reibung<\/p>\n<p>ausgesetzt war und deshalb durch Manschetten verst\u00e4rkt werden musste. Hier<\/p>\n<p>wurde zusammen mit dem technischen Fachbereich bestimmt, wie viel an<\/p>\n<p>Verst\u00e4rkung notwendig und wie hoch die Wahrscheinlichkeit war, dass die<\/p>\n<p>Manschetten tats\u00e4chlich im finalen Design ben\u00f6tigt werden. Gerade der letzte Punkt<\/p>\n<p>k\u00f6nnte wichtig im n\u00e4chsten Projekt sein, sollte erneut eine solche Wahrscheinlichkeit<\/p>\n<p>ben\u00f6tigt werden. So lassen sich nach und nach Prozesse im Einkauf in<\/p>\n<p>Zusammenarbeit mit den anderen Fachbereichen etablieren, die f\u00fcr<\/p>\n<p>hohe\u00a0Effizienzgewinne in der Zukunft sorgen k\u00f6nnen. Aber auch grunds\u00e4tzliche<\/p>\n<p>Bonus-Malus-Bewertungen der Zulieferer sollten zentral und f\u00fcr alle Eink\u00e4ufer<\/p>\n<p>verf\u00fcgbar\u00a0gespeichert werden. Typische Beispiele daf\u00fcr sind Lieferperformance,<\/p>\n<p>Zusammenarbeit in der Vergangenheit, Unterst\u00fctzung bei Planung, pers\u00f6nliche<\/p>\n<p>Ansprechpartner f\u00fcr das eigene Unternehmen etc. Das alles sollte nicht bei jeder<\/p>\n<p>Vergabe von neuem ermittelt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vergabedesign<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Details des Vergabedesigns sollten auf standardisierte Weise dokumentiert<\/p>\n<p>werden. Wettbewerbsvergabe oder bilaterale Verhandlung? Gab es mehr<\/p>\n<p>als eine RfQ-Runde oder auch eine Vorrunde? Sammelt man diese Daten konsistent,<\/p>\n<p>kann man gut analysieren, welche Verfahren f\u00fcr welche Warengruppen<\/p>\n<p>besonders erfolgreich sind und bei welchen man sich noch verbessern kann.<\/p>\n<p>Eine nachhaltige Dokumentation unterst\u00fctzt auch die Ausbildung der n\u00e4chsten<\/p>\n<p>Eink\u00e4ufer-Generation im Unternehmen, wenn man auch die Schwierigkeiten der<\/p>\n<p>Vergabe und die daraus folgende Begr\u00fcndung f\u00fcr das Vergabedesign festh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Wurde beispielsweise eine Vorrunde durchgef\u00fchrt, weil man w\u00e4hrend des RfQs<\/p>\n<p>das Gef\u00fchl hatte, dass drei von vier Zulieferern den Wettbewerb untersch\u00e4tzen?<\/p>\n<p>Dann kann man das kurz notieren, und dem n\u00e4chsten Eink\u00e4ufer wird schnell klar,<\/p>\n<p>wie das Design zustande kam. In der Einleitung haben wir auf die Erlernbarkeit<\/p>\n<p>unseres \u201eSystem of Negotiations\u201c hingewiesen: Je mehr spezifische Informationen<\/p>\n<p>f\u00fcr die im Unternehmen \u00fcblichen Vergaben vorhanden sind, umso schneller<\/p>\n<p>finden sich aufstrebende Eink\u00e4ufer zurecht und k\u00f6nnen selbst Verantwortung f\u00fcr<\/p>\n<p>Vergabeprojekte \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ergebnis<\/strong><\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich sollte auch das Ergebnis dokumentiert werden. Welche<\/p>\n<p>Einsparungen wurden auf welches Volumen erzielt? Welcher Anteil davon resultierte<\/p>\n<p>aus Vergleichspreisen, also aus den Bonus-Malus-Bewertungen, und welcher Anteil<\/p>\n<p>wurde direkt gespart? In welcher Phase des Prozesses wurden die Savings erreicht<\/p>\n<p>und die Einsparziele eingehalten? Welche Vertragspr\u00e4missen konnten erreicht<\/p>\n<p>werden? Welche Informationen hier relevant sind, ist nat\u00fcrlich unterschiedlich je<\/p>\n<p>nach Unternehmen und Warengruppen. Im Zweifelsfall dokumentiert man aber<\/p>\n<p>besser einige Daten zu viel, als dass sie sp\u00e4ter fehlen und sich niemand im<\/p>\n<p>Unternehmen mehr daran erinnert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Dokumentation der Vergaben ist eine ernstzunehmende Aufgabe des<\/p>\n<p>Einkaufs. Hier schlummern m\u00f6gliche Einsparpotenziale, die bei einer zuk\u00fcnftigen<\/p>\n<p>Vergabe \u00fcbersehen werden k\u00f6nnten. Und man erleichtert sich enorm die Arbeit,<\/p>\n<p>wenn nicht jede Information immer wieder von neuem zusammengetragen werden<\/p>\n<p>muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug\u00a0Rene\u00b4 Schumann, Stefan Oswald, Philippe Gillen:\u00a0&#8222;Verhandeln mit System. 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