{"id":677375,"date":"2021-08-26T06:00:11","date_gmt":"2021-08-26T04:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=677375"},"modified":"2021-10-01T15:53:00","modified_gmt":"2021-10-01T13:53:00","slug":"ein-teller-currywurst-mit-jan-byok-von-bird-bird-der-seit-corona-eine-kommandobruecke-unterm-dach-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/08\/26\/ein-teller-currywurst-mit-jan-byok-von-bird-bird-der-seit-corona-eine-kommandobruecke-unterm-dach-hat\/","title":{"rendered":"Ein Teller Currywurst mit Jan Byok von Bird &amp; Bird, der seit Corona eine Kommandobr\u00fccke unterm Dach hat"},"content":{"rendered":"<p>Noch bevor Jan Byok richtig sitzt, fliegt schon eine Biene auf unserem Tisch herum, \u00fcber die wir uns beide freuen. Hier, in D\u00fcsseldorfs Innenstadt im Trendviertel Flingern in der Kneipe &#8222;Beethoven&#8220;. Und der Anwalt von Bird &amp; Bird erz\u00e4hlt, dass er in seinem Garten k\u00fcrzlich ein Insektenhotel aufgeh\u00e4ngt habe und dass es tats\u00e4chlich funktioniere.<\/p>\n<p>Zuhause ist er seit Corona meistens. Unterm Dach hat er sich sein Arbeitszimmer eingerichtet, seine Kommandobr\u00fccke, wie es seine Familie nennt. Reisen? Freunde treffen? Mandanten ? Alles nicht, ich bin erst sein zweites pers\u00f6nliches berufliches Treffen seit vergangenem M\u00e4rz. B\u00fccher hat er seitdem viele gelesen, am liebsten die Biographien von Stefan Aust oder Wolfgang Sch\u00e4uble, erz\u00e4hlt er. Und dass er sich auf die n\u00e4chsten gro\u00dfen Bergtouren mit seinen drei S\u00f6hnen freut.<\/p>\n<p>Bestellt hat sich Byok im &#8222;Beethoven&#8220; vegane S\u00fc\u00dfkartoffeln mit Gem\u00fcse und obendrein eine Currywurst, &#8222;die fehlende Fleischeinlage&#8220; grinst er verschmitzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_677378\" style=\"width: 482px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-677378\" class=\"size-full wp-image-677378\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/byok.4-e1629844027788.jpg\" alt=\"\" width=\"472\" height=\"485\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/byok.4-e1629844027788.jpg 472w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/byok.4-e1629844027788-292x300.jpg 292w\" sizes=\"auto, (max-width: 472px) 100vw, 472px\" \/><p id=\"caption-attachment-677378\" class=\"wp-caption-text\">Jan Byok (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hofiert vom Ausland, unbehelligt von der \u00d6ffentlichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Byok erz\u00e4hlt von seinen ersten Berufsjahren, als er sich vor 22 Jahren noch auf Energierecht spezialisiert hatte. Da machten die Anw\u00e4lte ihre Gesch\u00e4fte, v\u00f6llig unbehelligt von der \u00d6ffentlichkeit. An Visibilit\u00e4t &#8211; die heute unerl\u00e4sslich ist f\u00fcr Top-Anw\u00e4lte &#8211; war gar nicht zu denken. Man wurde noch hofiert, es war eine gute Zeit, erinnert er sich. So wie bei dem Anruf aus London, ob er zu einer internationalen Konferenz kommen und die Liberalisierung erkl\u00e4ren k\u00f6nne. Seine Bedingung: 10.000 Mark Honorar und ein Business-Class-Flugticket. Zwei Minuten sp\u00e4ter kam die Best\u00e4tigung per Fax, erz\u00e4hlt er. Profan war die Materie nicht, drei Tage Arbeit machte allein die Ausarbeitung der Rede.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_677809\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-677809\" class=\"size-full wp-image-677809\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"218\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021-300x101.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/09\/go.academy.banner.2021-500x168.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-677809\" class=\"wp-caption-text\">Hier geht\u00b4s zur Beratung www.goacademy.de\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0&#8211; Anzeige &#8211;<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und kaum zur\u00fcck aus London kam er aus dem Staunen nicht mehr raus: Rund zehn verschiedene ausl\u00e4ndische Energiefirmen riefen bei ihm in D\u00fcsseldorf an mit den verschiedensten Rechtsfragen: Eine wollte eine deutsche Tochter gr\u00fcnden, die n\u00e4chste Arbeitnehmer in Deutschland entlassen und wieder eine andere brauchte eine Lizenz, um auf dem deutschen Markt auftreten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Paragraphenfr\u00fchst\u00fcck in der Kanzlei<\/strong><\/p>\n<p>Doch je transparenter der Anwaltsmarkt in den vergangenen 25 Jahren wurde &#8211; ohne Internet und Fachredaktionen wie &#8222;Juve&#8220; &#8211; , umso mehr mutierten die Anw\u00e4lte im Verborgenen zu ehrgeizigen Dienstleistern. So wie es in London schon l\u00e4nger war, wo Rankings \u00fcber Top-Juristen und Branchennewsletter schon fr\u00fcher zum Tagesgesch\u00e4ft geh\u00f6rten. Doch als die Rankings deutscher Wirtschaftsanw\u00e4lte kamen, war es vorbei mit der Herrlichkeit, sagt Byok. Pl\u00f6tzlich drehten Seminaranbieter den Spie\u00df um und verlangten Geld daf\u00fcr, wenn Top-Juristen vor anderen Anw\u00e4lten und am liebsten Unternehmensjuristen als m\u00f6glichen Mandanten auftraten und ihr Wissen teilten, erinnert sich Byok. Und dann folgten die Paragraphenfr\u00fchst\u00fccke, wozu Kanzleien in ihre eigenen R\u00e4ume einluden. Ein Vortrag am fr\u00fchen Morgen mit Kaffee und Croissants, kostenlos f\u00fcr die eigenen Mandanten und solche, die es werden sollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_677380\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-677380\" class=\"size-full wp-image-677380\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/byok.essen_.beethoven.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/byok.essen_.beethoven.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/byok.essen_.beethoven-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/byok.essen_.beethoven-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-677380\" class=\"wp-caption-text\">S\u00fc\u00dfkartoffeln mit Gem\u00fcse plus Currywurst im &#8222;Beethoven&#8220; (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nette Geste f\u00fcr Junganw\u00e4lte statt Marketinginstrument<\/strong><\/p>\n<p>Bis Corona passierte. Und die Gro\u00dfkanzleien Webinare als Marktinginstrument entdeckten. Die aber sind sehr gemischter G\u00fcte. Im schlimmsten Fall ohne Unterhaltungswert und neue Erkenntnisse. Interpretieren Kanzleien sie n\u00e4mlich in erster Linie als nette Geste gegen\u00fcber den eigenen Junganw\u00e4lten, damit auch die mal ihren Auftritt bekommen, kann das Ganze b\u00f6se in die Hose gehen. Mandanten sind keine Versuchskaninchen. Wenn die Youngsters die Firmenvertreter an ihren PC-Bildschirmen mit Lehrbuchvortr\u00e4gen langweilen &#8211; frei von mutigen Hintergrunderz\u00e4hlungen und souver\u00e4nen Einsichten &#8211; erledigen sich Kanzleiwebinare von selbst. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Voller Einsatz ohne Gew\u00e4hr auf Erfolg<\/strong><\/p>\n<p>Byok zweifelt sowieso an deren Wirksamkeit als Marketinginstrument auf der Pirsch nach Gesch\u00e4ft. Man verteile nur sein Know how unters Volk, doch ob\u00b4s Mandate bringt? Das wei\u00df man nicht. Das habe er begriffen, es sei einfach nicht messbar. Was Topleuten gegen den Strich geht, voller Einsatz ohne die Gew\u00e4hr auf Erfolg und Gew\u00f6hnungseffekt bei der Zielgruppe. Weil Visibilit\u00e4t eines Wirtschaftsanwalts locker f\u00fcnf Jahre dauere und Blut, Schwei\u00df und Tr\u00e4nen koste. Ob man es dann auch schafft, die Ungewissheit ist das Unangenehmste, sagt der Bird &amp; Bird-Gr\u00fcndungspartner. Schlie\u00dflich brauche man auch die richtigen F\u00e4lle, die im Erfolgsfall dann auch den Weg in die \u00d6ffentlichkeit finden. Pech f\u00fcr die Anw\u00e4lte, wenn ihre Mandanten dann alles wollen, aber nicht ins Licht der \u00d6ffentlichkeit. So wie in Managerhaftungsf\u00e4llen, bei Strafanklagen oder Cybererpressungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-677338\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/Blogger-Relevanzindex_Top20Blogs_A-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/Blogger-Relevanzindex_Top20Blogs_A-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/Blogger-Relevanzindex_Top20Blogs_A.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten. Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch bevor Jan Byok richtig sitzt, fliegt schon eine Biene auf unserem Tisch herum, \u00fcber die wir uns beide freuen. Hier, in D\u00fcsseldorfs Innenstadt im Trendviertel Flingern in der Kneipe &#8222;Beethoven&#8220;. 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