{"id":677367,"date":"2021-09-01T06:00:44","date_gmt":"2021-09-01T04:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=677367"},"modified":"2021-09-01T01:59:53","modified_gmt":"2021-08-31T23:59:53","slug":"buchauszug-steffen-stoll-und-simon-stoll-erfolgskurs-gute-leistung-braucht-dringend-gute-grundlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/09\/01\/buchauszug-steffen-stoll-und-simon-stoll-erfolgskurs-gute-leistung-braucht-dringend-gute-grundlagen\/","title":{"rendered":"Buchauszug Steffen Stoll und Simon Stoll: &#8222;Erfolgskurs. Gute Leistung braucht dringend gute Grundlagen&#8220;"},"content":{"rendered":"<h1>Buchauszug\u00a0Steffen Stoll und Simon Stoll: &#8222;Erfolgskurs. Gute Leistung braucht dringend gute Grundlagen&#8220;<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_677368\" style=\"width: 658px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-677368\" class=\"size-full wp-image-677368\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/Stoll.Simon-und-Steffen-Stoll-credit-Fotowerk-Michael-Heyde-klein-e1629818864395.jpg\" alt=\"\" width=\"648\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/Stoll.Simon-und-Steffen-Stoll-credit-Fotowerk-Michael-Heyde-klein-e1629818864395.jpg 648w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/Stoll.Simon-und-Steffen-Stoll-credit-Fotowerk-Michael-Heyde-klein-e1629818864395-300x131.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/Stoll.Simon-und-Steffen-Stoll-credit-Fotowerk-Michael-Heyde-klein-e1629818864395-500x219.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 648px) 100vw, 648px\" \/><p id=\"caption-attachment-677368\" class=\"wp-caption-text\">Simon und Steffen Stoll (Foto: Wiley Verlag\/ Fotowerk Michael Heyde)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Begeisterung <\/strong><\/p>\n<p><strong>Warum Erfolg freiwillig <\/strong><strong>und Wertsch\u00e4tzung ein Keimling f\u00fcr <\/strong><strong>Begeisterung ist<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die erste Klassenarbeit in der Schule ist ein einschneidendes Erlebnis \u2013 erst recht, wenn es sich dabei auch noch um Mathe\u00a0handelt. Ich (Simon) kann mich noch gut daran erinnern, wie\u00a0mein Sohn Manuel genau die nach Hause brachte: Die Arbeit bestand\u00a0aus 29 zu erreichenden Punkten im Zahlenraum zwischen\u00a01 und 10. Davon hatte der Zweitkl\u00e4ssler eine (in Zahlen: 1!)\u00a0Aufgabe falsch gemacht. In der Klassenarbeit wurde mit roter\u00a0Farbe auf diesen einen Fehler hingewiesen. Ich bevorzuge\u00a0tats\u00e4chlich Lehrer, die in blauer oder gr\u00fcner Farbe korrigieren,\u00a0doch hier war das eben nicht der Fall. Manuel \u00fcberreichte mir\u00a0das Papier und sagte zu mir: \u00bbPapa, ich verspreche dir, dass ich\u00a0diese eine Aufgabe auch noch richtig mache!\u00ab Ich stockte f\u00fcr einen Moment. Denn in dem Moment wurde mir sehr klar, dass alle anderen richtigen Aufgaben nichts wert waren, sie wurden\u00a0schlichtweg nicht betrachtet oder ber\u00fccksichtigt, schon gar nicht\u00a0wertgesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn nur der eine Fehler wichtig ist, und fast alles andere, das Richtige, egal ist<\/strong><\/p>\n<p>Mein Kind hatte an diesem Tag schon gelernt, dass es in unserer Welt ausschlie\u00dflich um Fehler geht \u2013 und dieser Denkansatz aus unserem Bildungssystem zieht sich bis in die Betriebe hinein, in denen es auch haupts\u00e4chlich darum dreht, auf Malheurs und M\u00e4ngel, Fehlschl\u00e4ge und Fehltritte, Verst\u00f6\u00dfe und Versehen, Irrt\u00fcmer und Unvollkommenheiten zu achten und genau die bestm\u00f6glich zu vermeiden. Erst letzte Woche sa\u00df ich mit einer Gruppe Auszubildener in einem Konzern\u00a0zusammen, da fiel mir genau das nochmals so deutlich ins Auge:\u00a0Die Lehrlinge suchten regelrecht den Fehler beim anderen. Was\u00a0kann der nicht oder nicht so gut? Diese Informationen wurden\u00a0mir wie auf einem Silbertablett pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Grundhaltung: Hoffentlich geht der Kelch an mir vorbei<\/strong><\/p>\n<p>Wir erleben es oft genug in den Betrieben, dass die Schuldfrage ein Dreh- und Angelpunkt ist. Wer hat was falsch gemacht\u00a0und wer ist eigentlich schuld an dieser Situation oder jener\u00a0Misere? So viel Energie wird darauf verwendet, das zu kl\u00e4ren und aufzukl\u00e4ren \u2013 beinahe so als gebe es den Menschen eine\u00a0besondere Befriedigung, wenn sie einen anderen an den Pranger\u00a0stellen k\u00f6nnen. Das l\u00f6st keine Begeisterung aus \u2013 erst recht\u00a0nicht, wenn das Team zusammenkommt zum Jour fixe oder zum Projektmeeting und jeder Angst hat, ob er heute dran ist und alle mit dem Finger auf ihn zeigen. In solchen Situationen will\u00a0jeder nur noch, dass der Kelch an einem vorbei geht. Wie soll\u00a0hier Leistung erbracht werden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00dcBUNG<\/strong><\/p>\n<p>Ich \u2013 Wir \u2013 Arbeit \u2013 Erfolg<\/p>\n<p>Das Ziel dieser \u00dcbung ist eine positive Programmierung\u00a0f\u00fcr das eigene Tun im eigenen Umfeld und der\u00a0eigenen Umgebung (Familie, Freizeit, Schule, Beruf).<\/p>\n<p>Frage dich einmal:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie geht es mir gerade?<\/li>\n<li>Wie geht es mir mit meinem Team zum Beispiel im Gesch\u00e4ft?<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Wie geht es mir mit meiner Arbeit?<\/li>\n<li>Was waren meine zwei letzten Erfolge?<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn etwas nicht stimmt:<\/p>\n<ul>\n<li>Was kann ich kl\u00e4ren?<\/li>\n<li>Wie kann ich das machen?<\/li>\n<li>Was ist dann besser?<\/li>\n<li>Woran merke ich das?<\/li>\n<li>Wof\u00fcr lohnt es sich jetzt, den ersten Schritt zu machen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stattdessen richten die Mitarbeiter ihre Aufmerksamkeit und ihr Leistungspotenzial auf das Thema Fehlervermeidung. Die Folge:\u00a0Entweder w\u00e4hlt der Mitarbeiter seine Aufgabe in der Intensit\u00e4t\u00a0so gering, dass sie auf jeden Fall zu schaffen ist \u2013 und begibt sich\u00a0damit in eine Unterforderung. Oder er \u00bbarbeitet\u00ab nach dem Ph\u00e4nomen Aufschieberitis und nimmt sich immer nur vor, etwas zu erledigen, ohne es tats\u00e4chlich zu tun. Dritter Weg ist in kurzer Zeit so viele und anspruchsvolle Aufgaben zu erledigen, dass es in eine\u00a0\u00dcberforderung f\u00fchrt. Alle drei Strategien nutzt der Mensch, um aus dem Angstkreislauf zu kommen. Schon bevor man \u00fcberhaupt eine Aufgabe angeht, wird so die passende Begr\u00fcndung parat gelegt,\u00a0warum man es eben nicht hinbekommen wird.<\/p>\n<p>Die Rechtfertigung hat man sich im Vorfeld zurechtgelegt. Die Angst vor\u00a0Fehlern l\u00f6st also eine Systematik aus, die f\u00fcr Unternehmen ganz\u00a0eindeutig schadhaft ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Woher soll denn da die Begeisterung kommen \u2013 f\u00fcr das Miteinander im Team, f\u00fcr die F\u00fchrungskraft oder das Unternehmen,\u00a0f\u00fcr den Job und die Aufgaben, die es zu tun gibt oder auch\u00a0die Herausforderungen und Ver\u00e4nderungen, die anstehen? In\u00a0unserer Gesellschaft verlieren wir aus den Augen, was wir alles\u00a0k\u00f6nnen \u2013 dabei ist das eine ganze Menge. Wenn wir mit F\u00fchrungskr\u00e4ften\u00a0arbeiten und nachfragen, was ihre Mitarbeiter nicht gut k\u00f6nnen oder nicht so richtig hinbekommen, h\u00f6ren wir stundenlange Vortr\u00e4ge dar\u00fcber. Vor uns wird alles ausgebreitet, ein Manko nach dem anderen, ein Fauxpas folgt auf den n\u00e4chsten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-677371\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/coverstoll.thumbnail_51031-3-Erfolgskurs.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"648\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/coverstoll.thumbnail_51031-3-Erfolgskurs.jpg 420w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/08\/coverstoll.thumbnail_51031-3-Erfolgskurs-194x300.jpg 194w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/p>\n<h1>Steffen Stoll und Simon Stoll: &#8222;Erfolgskurs. Gute Leistung braucht dringend gute Grundlagen&#8220;.\u00a0368 Seiten, Wiley Verlag, <a href=\"https:\/\/www.wiley-vch.de\/de\/fachgebiete\/finanzen-wirtschaft-recht\/erfolgskurs-978-3-527-51031-3\">https:\/\/www.wiley-vch.de\/de\/fachgebiete\/finanzen-wirtschaft-recht\/erfolgskurs-978-3-527-51031-3<\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn wir dann wissen wollen, was die Mitarbeiter denn richtig gut k\u00f6nnen, ist der Input nach drei Minuten schon beendet.\u00a0Das gilt \u00fcbrigens unabh\u00e4ngig davon, ob wir das auf horizontaler\u00a0oder vertikaler Hierarchieebene abfragen, ob wir uns \u00fcber Angestellte oder Kollegen erkundigen. Was jemandem gelingt,\u00a0was er schafft und meistert, das wird nur noch hingenommen,\u00a0als eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit betrachtet, die schlichtweg da sein muss \u2013 dabei ist Leistung \u00fcberhaupt nicht banal.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Immer noch eine Schippe drauf wird verlangt<\/strong><\/p>\n<p>Rein biologisch betrachtet nimmt die Leistungsf\u00e4higkeit eines Mitarbeiters bereits ab Mitte 20 ab. F\u00fcr einen 50-J\u00e4hrigen ist\u00a0es daher schon eine beachtliche Leistung, wenn er das Level\u00a0aus dem Vorjahr h\u00e4lt. Doch in den hiesigen Unternehmen wird immer noch mehr verlangt, noch eine Schippe oben drauf\u00a0zu legen, es werden noch etwas mehr an Anforderungen und\u00a0Aufgaben pro Kopf artikuliert \u2013 die regelm\u00e4\u00dfige Diskussion um das Rentenalter in Deutschland ist daf\u00fcr bezeichnend.<\/p>\n<p>Dabei k\u00f6nnte der Mensch tats\u00e4chlich sehr lange leben und auch\u00a0leisten \u2013 laut der Studie von Haim Cohen (vergleiche Cohen\u00a02017) von der Universit\u00e4t Bar Ilan, der sich mit der Molekularbiologie\u00a0des Alterns besch\u00e4ftigt \u2013 k\u00f6nnte ein Mensch heute etwa 140 Jahre alt werden. Die moderne Medizin und unsere\u00a0optimalen Rahmenbedingungen machen das genetisch und\u00a0zelltechnisch inzwischen l\u00e4ngst m\u00f6glich. Alles was wir von dieser\u00a0Lebenserwartung abziehen, ist selbst verschuldet. Was tun wir unserem K\u00f6rper an? Falsche Ern\u00e4hrung, zu wenig Bewegung, zu\u00a0viel Stress sind nur einige der Schlagworte. Wer also im Alter von\u00a070 Jahren stirbt, der hat die H\u00e4lfte seines Lebens durch gewisse\u00a0Faktoren minimiert, sicherlich zum Teil selbst verschuldet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine F\u00fchrungsmannschaft, die ich (Steffen) \u00fcber eine Zeit lang begleiten durfte, widmete sich ganz bewusst dem Thema Fitness,\u00a0Gesundheit und Bewegung: In drei aufeinander aufbauenden\u00a0Modulen befassten sich die Teilnehmer mit unterschiedlichen Schwerpunkten und einigten sich in diesem Zusammenhang auf verschiedene und individuelle Ziele. Das Ergebnis war beachtlich: Die zehn F\u00fchrungskr\u00e4fte hatten gemeinsam mehr als\u00a090 Kilogramm abgenommen, jeder hatte im Schnitt neun Kilo verloren. Es stellten sich eine ganze Reihe an positiven Nebeneffekten ein: Die Menschen waren stressfreier, sie kommunizierten\u00a0mehr, hatten ein besseres Erscheinungsbild, die Au\u00dfenwirkung\u00a0und das Auftreten profitierten von den Ver\u00e4nderungen. Auch der\u00a0Umgang mit Druck und schwierigen Alltagssituationen wurde anders gehandhabt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit in der Gruppe war beispielsweise ein 30-J\u00e4hriger, der sich bislang von Zigaretten, Energy Drinks und Coca-Cola ern\u00e4hrt hatte. Sein Arzt hatte ihn bereits gewarnt, dass er auf diese Weise keine 40 Jahre alt werden w\u00fcrde. Ruckzuck sa\u00df er auch schon beim Kardiologen, wo er \u00fcber seine Aufgaben nicht nur als F\u00fchrungskraft, sondern auch als Ehemann und Vater nachdachte. Und das war auch gut so \u2013 und l\u00e4ngst an der Zeit. Denn wenn eine F\u00fchrungskraft sich selbst schon nicht f\u00fchren kann, wie soll das dann mit den Mitarbeitern gelingen? Welches Bild haben die Mitarbeiter von so einer Person? Wie wirkt sie nach au\u00dfen? Wird sie \u00fcberhaupt ernst genommen? Erst recht, wenn der Chef \u00fcber Gesundheit palavert und selbst kurz vor dem Kollaps steht \u2013 welchen Eindruck macht das?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vorgesetzte haben die Aufgabe, f\u00fcr Dopaminaussch\u00fcttung zu sorgen<\/strong><\/p>\n<p>Dabei hat eine F\u00fchrungskraft durchaus die Aufgabe, bei den Mitarbeitern f\u00fcr eine Dopaminaussch\u00fcttung zu sorgen \u2013 das sind jene Botenstoffe, die durch Freude angesto\u00dfen werden. Mit diesen Hormonen im K\u00f6rper lernen und arbeiten die Menschen besser.Wenn stattdessen ein hoher Cortisolspiegel vorzufinden ist, dann ist das auf Dauer kontraproduktiv.<\/p>\n<p>Um noch einmal das Beispiel Schule zu bem\u00fchen: Im heutigen Bildungssystem wird immer noch der Grundstein daf\u00fcr gelegt,\u00a0dass Cortisol anstatt Dopamin angeregt wird. Selbstverst\u00e4ndlich\u00a0gibt es inzwischen auch einige Schulen, die ihren Job besser machen und positive Ver\u00e4nderungen bereits ins Rollen gebracht haben. So gibt es beispielsweise eine Schule bei uns\u00a0am Ort, in der neben vielen anderen Arbeitsgruppen auch\u00a0eine Yoga AG ins Leben gerufen wurde, und weiterhin sind wir in der \u00dcberlegung, ob ich (Simon) mich mit dem Thema Gehirnentfaltungstraining engagiere. Manche Schulleitungen\u00a0sind offen f\u00fcr solche Initiativen und Impulse. Das Ziel ist es,\u00a0dass durch Bewegung und Spa\u00df ganz bestimmte Regionen des\u00a0Gehirns aktiviert werden. Bei all der Bewegung steht nat\u00fcrlich\u00a0auch der Spa\u00df im Vordergrund. Dieser ist unter anderem verantwortlich\u00a0f\u00fcr die Dopaminaussch\u00fcttung, die wir f\u00fcr gutes Lernen\u00a0ben\u00f6tigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieser Faktor zieht sich bis ins Berufsleben: Gelingt es einer F\u00fchrungskraft, den Dopaminspiegel der Mitarbeiter auf einem\u00a0konstant hohen Niveau zu halten, k\u00f6nnen diese besser und\u00a0l\u00e4nger Leistung erbringen. Und das h\u00e4ngt unmittelbar mit dem Thema Begeisterung zusammen. Fehlende Anerkennung und\u00a0ausbleibende Wertsch\u00e4tzung f\u00fchren zu dem, was im Volksmund\u00a0als Dienst nach Vorschrift bekannt ist. Leistung wird nur noch\u00a0marginal erbracht und in schmalen Grenzen. Bis der Chef\u00a0\u00fcberhaupt merkt, dass die Leistung gesunken ist, klafft bereits\u00a0ein Delta \u2013 vorher wird dieser Umstand in aller Regel \u00fcberhaupt\u00a0nicht wahrgenommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rechnen wir es einmal ganz plakativ miteinem Team aus zehn Personen durch:Wenn es der Chef schafft,\u00a0dass alle zehn\u00a0 Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift machen, also nur noch das Notwendigste arbeiten, fehlen pro\u00a0Mitarbeiter bereits 30 bis 40 Prozent Leistung \u2013 das sind bei zehn Mitarbeitern 300 bis 400 Prozent \u2013 demnach drei bis\u00a0vier Vollzeitmitarbeiter, die ohne Begeisterung, ohne Elan und\u00a0Engagement t\u00e4tig sind, trotzdem aber voll bezahlt werden. Die\u00a0Begeisterung eines Mitarbeiters hat also unmittelbar mit dem\u00a0Verhalten der F\u00fchrungskraft zu tun.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was Begeisterung mit Emotion zu tun hat<\/strong><\/p>\n<p>Wir freuen uns immer, wenn unsere zufriedenen Kunden eine Referenz auf unserer Webseite hinterlassen. Inzwischen machen\u00a0viele das sogar per Videobotschaft, schlie\u00dflich leben wir ja inmodernen\u00a0Zeiten. Nun ereignete sich folgende Situation: Die Personalchefin\u00a0eines Unternehmens, mit dem wir schon eine gute Weile zusammenarbeiten, wurde von ihrem Chef zum Videodreh gebeten.\u00a0Er selbst hatte bereits seine Aufnahmen im Kasten und berichtete\u00a0dabei voller Inbrunst \u00fcber das Unternehmen, das bereits\u00a0in zweiter Generation gef\u00fchrt wird und inzwischen 1000 Mitarbeiter\u00a0hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also stellte sich die Personalleiterin vor die Kamera,\u00a0um ebenfalls \u00fcber den Betrieb, die Hintergr\u00fcnde der Personalentwicklung\u00a0und die Herangehensweise zu berichten. \u00bbWir sind\u00a0total begeistert, von dem was wir tun und es braucht begeisterte\u00a0Menschen in jedem Unternehmen \u2013 das f\u00e4ngt in der Personalabteilung an\u00ab, sagte sie mit monotoner Stimme. Ihre Schultern\u00a0fielen dabei nach vorne, in ihrer Mimik war keine Spur von Emotion zu sehen, der Blick ging starr geradeaus. Also gab es einen zweiten Versuch und einen dritten. Beim vierten Versuch hielt es der Firmenchef nicht mehr aus: Mitten im Dreh lief er ins Bild,\u00a0stoppte die Aufnahme, winkte ab und sch\u00fcttelte energisch den\u00a0Kopf. Dann nahm er beherzt seine Mitarbeiterin zur Seite und\u00a0machte ihr klar, dass sie wohl kaum von Begeisterung sprechen kann, w\u00e4hrend sie mit versteinerten Gesichtsz\u00fcgen in die Kamera\u00a0blickt. Tats\u00e4chlich war sie so konzentriert auf ihren Text, die\u00a0Haltung und f\u00fchlte sich in der ungewohnten Situation offensichtlich\u00a0unwohl. Sie wollte auf gar keinen Fall etwas falsch machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erst nach den aufmunternden Worten durch ihren Chef, der von seiner tiefen und ehrlichen Begeisterung an sie etwas \u00fcbertragen\u00a0konnte, wurden die Filmaufnahmen erfolgreich absolviert. Das\u00a0Beispiel zeigt eines sehr deutlich: Man muss erst f\u00fcr sich \u00fcberlegen,\u00a0welche Begeisterung man hat \u2013 f\u00fcr einen Job, ein Projekt oder das Unternehmen. Erst dann ist man in der Lage, das nach\u00a0au\u00dfen zu geben \u2013 und auch andere zu begeistern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch was ist das eigentlich, diese Begeisterung? Im Kern geht es\u00a0darum, dass der Mensch etwas gerne macht. Begeisterung kann\u00a0schon gegeben sein oder aus etwas heraus entstehen \u2013 das ist sehr\u00a0\u00e4hnlich zu der ber\u00fchmten Frage mit der Henne und dem Ei: Was war zuerst da? Wenn ich (Simon) mit Auszubildenden zu tun habe, dann leite ich gerne eine Auflockerungs\u00fcbung an, bei der sich auch alles um das Huhn und das Ei dreht. Zusammen stehen\u00a0wir in einem Kreis, zwei Stifte werden herumgereicht \u2013 der eine\u00a0in die rechte Richtung zusammen mit der Frage der Person an\u00a0der jeweils rechten Seite \u00bbWas ist das?\u00ab und der entsprechenden\u00a0Ansage \u00bbDas ist ein Huhn\u00ab. So wird der Stift weitergereicht, erst\u00a0die Frage, dann die Antwort zusammen mit dem Stift. Wenn\u00a0dieser Prozess ganz gut l\u00e4uft, bringe ich den zweiten Stift in\u00a0die Runde \u2013 er wird in die andere Richtung gereicht und die\u00a0passende Antwort auf die Frage der Person links neben einem\u00a0lautet dann: \u00bbDas ist ein Ei!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Keine Begeisterung durch Power-Point-Folien an der Wand<\/strong><\/p>\n<p>Jeder kann sich vorstellen, dass die beiden parallel laufenden Prozesse zu sch\u00f6nem Tohuwabohu f\u00fchren. Diese \u00dcbung hat den Zweck, die beiden Gehirnh\u00e4lften miteinander in Verbindung zu bringen. Und es hat noch einen weiteren Effekt, denn schon zu Beginn sind alle Teilnehmer mit einer Menge Spa\u00df am Start. Das ist Dopaminaussch\u00fcttung pur. Solche Spielchen sind wertvoll, da danach der Kopf frischer ist und bereit, neuen Input aufzunehmen. Begeisterung ist die Grundlage f\u00fcr lehren und lernen \u2013 das k\u00f6nnen 192 Power-Point-Folien an der Wand wohl kaum bezwecken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jede F\u00fchrungskraft muss verstehen, wie die Mitarbeiter \u2013 nicht nur die Azubis \u2013 lernen. Das gilt genauso f\u00fcr Zuh\u00f6rer in\u00a0einem Plenum, Gesch\u00e4ftskunden oder Gesellschafter in einer\u00a0Versammlung, Abteilungsleiter in einem Meeting. Der Mensch\u00a0hat verschiedene so genannte erste Lernauspr\u00e4gungen und diese\u00a0h\u00e4ngen mit unseren Sinnen zusammen: sehen, h\u00f6ren, f\u00fchlen,\u00a0schmecken und riechen. Bei knapp 70 Prozent der Menschen\u00a0ist das Auge der Haupteingangskanal, auf Platz 2 kommt die\u00a0Ber\u00fchrung, also das F\u00fchlen \u2013 die meisten Menschen haben also\u00a0Sehen in ihrer Lernauspr\u00e4gung dabei. Gerade im Gesch\u00e4ftsleben\u00a0wird h\u00e4ufig der Kanal des H\u00f6rens bef\u00fcllt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr mich (Simon) ist\u00a0das nun kein Problem, ich kann m\u00fchelos vier Stunden zuh\u00f6ren,\u00a0w\u00e4hrend etwas zu lesen mich fertigmacht. Daher lernte ich in\u00a0meiner Schulzeit die Vokabeln mit dem Walkman, legte mir\u00a0eine Kassette nach der anderen ein. Doch bei der Mehrheit der Menschen ist das eben nicht der Fall, da sollte man also darauf achten, eine gute Visualisierung des Themas einzubringen \u2013 und im Bestfall noch etwas zum Anfassen beisteuern, also haptisches\u00a0Anschauungsmaterial mitbringen, mindestens aber ein Handout\u00a0ausgeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wahrnehmungssystem kennen und bedienen<\/strong><\/p>\n<p>Wir sprechen zwar die gleiche Sprache \u2013 n\u00e4mlichDeutsch \u2013 und doch sind wir auf unterschiedlichen Autobahnen unterwegs.\u00a0Eine F\u00fchrungskraft sollte das wissen und damit arbeiten. Denn\u00a0stelle dir vor, du erkl\u00e4rst deinem Mitarbeiter etwas, delegierst an ihn oder setzt ihn \u00fcber einen Stand in Kenntnis.Wenn du\u00a0nun das falsche Wahrnehmungssystem bedienst, dann sitzt\u00a0der andere zwar da und nickt brav \u2013 doch er versteht so gut\u00a0wie nichts. Wenn du dann da noch eine Person vor dir hast, die gerade mal Leistung nach Vorschrift bringt, dann kommt\u00a0unterm Strich so gut wie keine Leistung mehr raus. Er hat ja\u00a0nicht verstanden, was der Chef sagt und will. Also machst du\u00a0noch eine Besprechung, erkl\u00e4rst alles nochmals \u2013 und dein\u00a0Angestellter muss nacharbeiten, weil das Ergebnis unzufriedenstellend\u00a0war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Spirale der Ineffizienz dreht sich weiter, die Nerven aller Beteiligten spannen sich an, die Situation schl\u00e4gt auf die Teamstimmung. Und irgendwann ist der Karren festgefahren. Was auf der Sachebene h\u00e4tte gerettet werden k\u00f6nnen, ist dann auf der Beziehungsebene verloren. Also sollte die F\u00fchrungskraft wissen, wie sie den einzelnen Menschen am besten anspricht. Und woher wei\u00dft du, wer wie veranlagt ist?\u00a0H\u00f6re genau hin, denn die Sprache offenbart es dir. Wer visuell gepr\u00e4gt ist, spricht mit vielen Beispielen und verabschiedet sich\u00a0mit Worten wie \u00bbWir sehen uns\u00ab oder \u00bbAuf Wiedersehen\u00ab oder auf gut Schw\u00e4bisch \u00bbschau mer mal\u00ab. Ein Auditiver verwendet Formulierungen wie \u00bbWir h\u00f6ren uns\u00ab oder \u00bbSch\u00f6n, dass wir uns h\u00f6ren\u00ab. Und der Kin\u00e4sthet nimmt einen in den Arm\u00a0und betont dabei \u00bbMach\u2019s gut\u00ab oder \u00bbLass es dir gut gehen\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was tun bei gemischten Gruppen? Hier besteht die Kunst darin, die unterschiedlichen Kan\u00e4le abwechselnd zu bedienen, um zum Beispiel in einem Workshop oder Meeting jeden einmal im\u00a0Rahmen seiner Lernauspr\u00e4gung zu erreichen. Das erreicht man beispielsweise, indem man keine fertigen Power-Point-Folien mitbringt, sondern die Teilnehmer eigene Flipchart-Folien malen\u00a0l\u00e4sst. Das Team gestaltet bestimmte Plakate selbst und bekommt\u00a0dadurch visualisierend etwas zu tun. In verschiedenen Konstellationen\u00a0erz\u00e4hlt sich die Gruppe dann untereinander etwas, das\u00a0beansprucht die Sprech- und H\u00f6rkan\u00e4le. Und f\u00fcr diejenigen, die\u00a0gerne etwas anfassen, gibt es an manchen Stellen zum Beispiel\u00a0noch andere Materialien wie Baukl\u00f6tze oder Legosteine, um\u00a0ein Thema wie Kommunikation sichtbar zu machen und das haptisch zu erarbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jede F\u00fchrungskraft muss wissen, wie sie Menschen aus der Reserve lockt, wie sie die Lernsysteme bedient, um h\u00f6chstm\u00f6gliche\u00a0Effizienz zu erhalten, und wie gutes und richtiges Feedback zu\u00a0geben ist. Das alles h\u00e4ngt mit der Begeisterung zusammen. In Deutschland sind wir top ausgebildet, wenn es um Inhalte, um fachliches Knowhow und um Expertise geht. Unser Land besitzt\u00a0weder \u00d6lressourcen noch nennenswerte Bodensch\u00e4tze. Wie also\u00a0verdienen wir seit Jahrhunderten unser Geld? Unsere Ressource\u00a0liegt zwischen den Ohren, daher gibt es in Deutschland viele neue Erfindungen \u2013 gerade die Schwaben sind ja als T\u00fcftler bekannt geworden. In der Technologie sind wir innovativ \u2013 doch das alles beschr\u00e4nkt sich auf pure Inhalte, auf Hard Facts, wie es neudeutsch\u00a0so sch\u00f6n hei\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weniger gut sieht es in den Firmen im Bereich des Zwischenmenschlichen aus. Doch genau hier steckt der Motor f\u00fcr die Begeisterung \u2013 und der braucht immer wieder Anschub und\u00a0Kraftstoff \u2013 und will dauerhaft am Laufen gehalten werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die sieben Ur-Emotionen<\/strong><\/p>\n<p>Der Mensch verf\u00fcgt \u00fcber sieben so genannte Ur-Emotionen, diese sind Ekel, Trauer, Angst (Furcht), \u00dcberraschung (Neugier),\u00a0Wut, Verachtung und Freude (Gl\u00fcck) (vergleiche Ekman;Wikipedia,\u00a0Stichwort \u00bbGrundgef\u00fchl\u00ab; Wikipedia, Stichwort \u00bbPaul Ekman\u00ab; MDI Management Development International 2016). Als einer der Entdecker gilt der US-Amerikaner Paul Ekman.\u00a0Es handelt sich dabei um eine Art inneren Malkasten f\u00fcr unsere\u00a0Gef\u00fchle, die mit einer bestimmtenMimik und k\u00f6rperlichen Ver\u00e4nderungen\u00a0einhergehen. \u00dcbrigens: Bei \u00fcber sieben Milliarden Menschen auf dem Globus sind alle sieben Ur-Emotionen identisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Du hast es sicher gleich erkannt: Nur eine davon, n\u00e4mlich die Freude, ist positiv \u2013 alle anderen sind negativ besetzt.\u00a0\u00dcbe einmal f\u00fcr dich vor einem Spiegel: Mache zu den sieben\u00a0Ur-Emotionen den jeweiligen Gesichtsausdruck. Schau dich genau an. Du wirst feststellen, dass du nicht lange \u00fcberlegen\u00a0brauchst. Es ist leicht, die Emotionen darzustellen. Warum?\u00a0Weil sie seit Urzeiten in uns hinterlegt sind. Das war unsere Sprache, bevor wir Menschen \u00fcberhaupt sprechen konnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gute F\u00fchrungskr\u00e4fte widmen sich der Freude\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Gerade F\u00fchrungskr\u00e4fte sollten verstehen, dass untereinander viel zu oft die sechs negativen Ur-Emotionen bedient werden\u00a0\u2013 das passiert ganz automatisch. Eine gute F\u00fchrungskraft\u00a0widmet sich daher der Freude als einzige positive und vor allem wichtigste Ur-Emotion, versorgt und bedient sie in den unterschiedlichen Alltagsgegebenheiten. Denn nur Freude kann Dopamin aussch\u00fctten \u2013 und dieses Hormon ist so wichtig f\u00fcr die\u00a0Leistungsthematik.Wie l\u00e4sst sich diese Information nun im Berufsalltag\u00a0nutzen? Wenn ich dich hier auffordere, ein Gesicht f\u00fcr Freude zu machen, dann f\u00e4llt dir das auf Anhieb vielleicht gar\u00a0nicht so leicht.<\/p>\n<p>Dabei gibt es ein kleines hilfreiches Werkzeug:\u00a0Nimm dir einen Stift zur Hand und klemme ihn waagerecht zwischen\u00a0deine Z\u00e4hne.Wichtig: Die Lippen sollen den Stift nicht ber\u00fchren. Der Effekt: Die Mundwinkel ziehen sich automatisch\u00a0nach oben, der so genannte Trigeminus-Nerv wird aktiviert. Dadurch\u00a0wird das Gehirn stimuliert \u2013 denn die Gesichtsmuskulatur meldet Fr\u00f6hlichkeit. So kannst du sogar ohne wirklich Freude zu\u00a0empfinden eine Dopaminaussch\u00fcttung provozieren und in einen\u00a0guten Zustand kommen. Probiere es mal aus! Was sp\u00fcrst du?\u00a0Macht dir dein Job eigentlich Freude? Hast du Spa\u00df an dem, was du da machst? Bevor du bei deinen Mitarbeitern etwas ausl\u00f6sen kannst, musst du in Sachen Begeisterung erst einmal\u00a0bei dir selbst anfangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn wir das Thema F\u00fchrung einmal herunterbrechen auf die rudiment\u00e4rsten Aufgaben, dann hat eine F\u00fchrungskraft insgesamt drei Rollen auszuf\u00fcllen: Betriebsf\u00fchrung, Mitarbeiterf\u00fchrung, operatives Gesch\u00e4ft. Im Austausch mit und in Unternehmen kommen wir immer wieder an den Punkt,\u00a0an dem wir die Menschen in F\u00fchrungspositionen fragen: \u00bbWenn\u00a0du eine der Rollen zur\u00fcckgeben k\u00f6nntest, welche w\u00e4re das?\u00ab Zu 95 Prozent lautet die Antwort: F\u00fchrung! Und hier liegt \u2013 wie es im Volksmund so sch\u00f6n hei\u00dft \u2013 der Hund begraben. Denn wer\u00a0selbst schon nicht den Zugang zu seiner F\u00fchrungsrolle gefunden\u00a0hat und sich f\u00fcr die damit verbundenen Aufgaben immer wieder\u00a0selbst begeistern kann, der wird schlichtweg auf der Strecke bleiben, wenn es darum geht, andere zu begeistern. Das kann so ja gar nicht funktionieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich (Simon) habe diese Situation hautnah bei meiner Frau Carina erlebt: Sie arbeitete bei einem Krankenversicherer. Einerseits\u00a0machte ihr der Job in dem gr\u00f6\u00dferen Konzern Spa\u00df und gleichzeitig\u00a0war sie innerlich unzufrieden. Sie wechselte ihre Aufgabe und ging in eine neue Firma, bewegte sich jetzt in der Verwaltung er Altenpflegebranche. Dort erwischte sie eine Chefin, die\u00a0war in ihremVerhalten unterirdisch.Um das genauer zu erkl\u00e4ren: Diese Person kam aus der Automotive-Branche und war dort in der F\u00fchrungsebenenichtweiter aufgestiegen.Sie meinte, sich nun auf der F\u00fchrungsebene im Bereich der Verwaltung ausleben zu\u00a0m\u00fcssen. Beispielsweise kleidete sie sich im Kost\u00fcm und hob sich\u00a0schon dadurch vom Team allzu deutlich ab, zus\u00e4tzlich konnte sie ihr Verhalten aus der Konzernwelt nicht ablegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend meine Frau auf ihre Aufgaben und Herausforderungen gro\u00dfe Lust hatte, kam sie immer wieder an den Punkt, dass es mit dieser F\u00fchrungskraft zusammen unm\u00f6glich war. In einem Mitarbeitergespr\u00e4ch zur gemeinsamen Reflexion des Jahres wurden Carina dann sogar Dinge unterstellt.Dar\u00fcber hinaus gab es auch eine ganze Reihe an eher harmlosen Vorf\u00e4llen, die dazu f\u00fchrten, dass ihr der Job regelrecht verleidet wurde, sie verlor St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck den Spa\u00df an der Arbeit. \u00bbIch gehe!\u00ab, lautete dann ihr Entschluss. Schlie\u00dflich fand sie ein Thema, dass sie so richtig begeisterte und ging in die\u00a0Selbstst\u00e4ndigkeit, setzte sich ihre Ziele und baute sich das eigene Gesch\u00e4ft nach und nach auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hle diesen Werdegang von Carina gerne, weil es f\u00fcr mich immer wieder ph\u00e4nomenal\u00a0ist zu sehen, welche Energie in Menschen freigesetzt wird, wenn sie Begeisterung leben und erleben. Die Ideen, Produkte und das\u00a0Konzept begeistern sie bis heute und ich sehe es oft genug, dass sie\u00a0sich dann nicht zu schade ist, auchmal bis in die Nacht noch etwas f\u00fcr ihr Business zu tun \u2013 das h\u00e4tte sie fr\u00fcher nie gemacht. Dabei\u00a0steht nicht die Sicherung der Existenz oder das Geldverdienen an sich im Vordergrund \u2013 sondern weil sie Freude an dem hat, was\u00a0sie macht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Solche und \u00e4hnliche Biografien begegnen uns regelm\u00e4\u00dfig \u2013 von Menschen, die in einem neuen Umfeld, einer neuen Stelle oder\u00a0Aufgabe richtig aufbl\u00fchen. Dann erst merken sie, welche Energie\u00a0dahinter liegt, wenn man in einem Thema richtig gut sein darf,\u00a0wenn einen keinermehr ausbremst, wenn weder Neid noch Missgunst wie eine Blockade wirken. Vorher mussten sie t\u00e4glich S\u00e4tze\u00a0h\u00f6ren wie \u00bbDas k\u00f6nnen wir hier nicht machen\u00ab oder \u00bbDas haben\u00a0wir so noch nie gemacht\u00ab und ihre Ideen oder Vorhaben wurden\u00a0aus welchen Gr\u00fcnden auch immer abgelehnt. Dann endlich kommen sie raus aus der Begrenzung und sp\u00fcren, welchen Effekt\u00a0es hat, wenn man leben und arbeiten darf, wie man will, Gedanken\u00a0umsetzen oder auch mal etwas ausprobieren \u2013 ganz ohne\u00a0die dummen Kommentare von Vorgesetzten, die st\u00e4ndig darauf bedacht sind, warum etwas scheitern k\u00f6nnte, anstatt etwas \u00fcber\u00a0Chancen und Entwicklungschancen zu sagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wie Begeisterung gekappt wird<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbMensch, ich muss mal schauen, ob wir mit dir arbeiten k\u00f6nnen, denn du bist ja dann Sachkosten. Und wir m\u00fcssen sparen.\u00ab Und\u00a0auch das noch:\u00bbWenn ich ehrlich bin, dann endete meine F\u00fcrsorgepflicht\u00a0mit dem Tag deiner K\u00fcndigungsabgabe.\u00ab Dies sind S\u00e4tzem und Aussagen, die eine F\u00fchrungskraft zu einem Angestellten gesagt hat, der sich an uns wandte.Was war geschehen? Ein Mitarbeiter,\u00a0der sich uns nach seiner 18-j\u00e4hrigen Betriebszugeh\u00f6rigkeit\u00a0anvertraute, hatte gerade bei seinem alten Arbeitgeber gek\u00fcndigt.\u00a0Da dieser Mitarbeiter ein sehr wichtiges Projekt in seinem Betrieb mit begleitet hat, bot er seine Mithilfe als \u00bbfreier\u00ab Mitarbeiter\u00a0an, damit dieses wichtige Projekt weiterhin bestehen bleiben\u00a0kann, bis ein Ersatz oder ein Nachfolger gefunden wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei einem\u00a0ersten Gespr\u00e4chmit seiner F\u00fchrungskraft fiel dann der erste genannte Satz: \u00bbMensch, ich muss mal schauen, ob wir mit dir arbeiten k\u00f6nnen, denn du bist ja dann Sachkosten. Und wir m\u00fcssen sparen.\u00abWahrlich keine sch\u00f6nen Worte. Doch damit nicht genug\u00a0der Absch\u00e4tzigkeit: In einem sp\u00e4teren Austausch kam vom ehemaligen Vorgesetzten dann auch noch dieses Statement: \u00bbWenn ich ehrlich bin, dann endete meine F\u00fcrsorgepflicht mit dem Tag\u00a0deiner K\u00fcndigung.\u00ab Ein Schlag ins Gesicht f\u00fcr den ehemaligen\u00a0Mitarbeiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir hatten damals den Mitarbeiter als sehr pflichtbewusst und engagiert erlebt. Doch diese S\u00e4tze zwingen selbst einen solchen Menschen teilweise in die Knie. Versuchen wir doch f\u00fcr einen\u00a0Moment, den pers\u00f6nlichen Aspekt beiseitezuschieben und hinter den Vorhang zu schauen: Wie soll sich ein Mitarbeiter, der noch\u00a0vier Monate vor sich hat, nach so einer Aussage motivieren? Wie soll sich ein Mensch mit einer sonst sehr hohen Eigenmotivation\u00a0noch f\u00fcr Themen des Betriebes begeistern? Die zust\u00e4ndige F\u00fchrungskraft hat in diesen Gespr\u00e4chen die Leistungen des Mitarbeiters auf den K\u00fcndigungszeitraum von sechs Monaten\u00a0reduziert. Die potenziellen restlichen Erfolge wurden somit\u00a0getilgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sicherlich w\u00e4re es in diesem Moment gut gewesen, als F\u00fchrungskraft in sich zu gehen und zu \u00fcberlegen, welche Botschaften man senden will. Gerade in der heutigen Zeit ist eine sensible und professionelle Mitarbeiterverabschiedung genauso wichtig f\u00fcr das Image eines Unternehmens wie das Mitarbeiter-Onboarding. Das hat schon etwas mit Begeisterung f\u00fcr sich und andere zu tun \u2013 auch wenn es anspruchsvoll ist. Ganz klar: Es ist nicht immer einfach, seine Emotionen in Schach zu halten. Mitunter ist das auch nicht notwendig. Doch gerade\u00a0einer F\u00fchrungskraft steht es gut zu Gesicht, \u00fcber die Kraft der\u00a0Worte nachzudenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Pauschalisierungskeule \u2013 bitte einpacken<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberpr\u00fcfe dich selbst: Wie oft \u00bbrutscht\u00ab dir eine \u00e4hnliche Satzfolge heraus? Schaffst du es, die verschiedenen\u00a0Leistungspakete deines Gegen\u00fcbers zu trennen? Oder schl\u00e4gst du mit der verbalen \u00bbPauschalisierungskeule\u00ab auf\u00a0deinen Gespr\u00e4chspartner ein? Als F\u00fchrungskraft sollte\u00a0man immer daran denken, dass, wenn man den Druck zu hoch h\u00e4lt, der andere meist nur drei M\u00f6glichkeiten sieht:<\/p>\n<ol>\n<li>Gegenangriff, dann wird die Auseinandersetzung auf der pers\u00f6nlichen Ebene ausgefochten.<\/li>\n<li>Flucht, dann wird der Mitarbeiter andere Dinge tun oder von sich ablenken.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"3\">\n<li>Totstellen, dann wird der Mitarbeiter in die innere K\u00fcndigung gehen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Alle drei Varianten sollten nicht der Anspruch einer heutigen F\u00fchrungskraft sein. Denke bitte immer daran: Wir sind in vielen anderen Situationen unseres Lebens ebenfalls eine F\u00fchrungskraft und haben eine enorme Strahlkraft. Die emotionale Inkompetenz einer F\u00fchrungskraft kann dazu f\u00fchren, dass bei Mitarbeitern die Begeisterung gekappt wird, wie bei einem durchgeschnittenen Stromkabel. Der Bankangestellte aus unserem oberen Beispiel wurde vomTag seiner K\u00fcndigung an von Informationen abgeschnitten, in Entscheidungen nicht mehr einbezogen, zu Meetings nicht mehr eingeladen. \u00bbDir haben wir es gar nicht mehr geschickt,weil du ja bald gehst. Dich interessiert das sowieso nicht mehr\u00ab \u2013 solche knallharten Unterstellungen waren an der Tagesordnung. Wie soll sich ein Mensch da noch daf\u00fcr begeistern? Ein Ding der Unm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mitarbeiter in solchen Situationen ziehen sich innerlich zur\u00fcck \u2013 und bringen eben auch keine Leistung mehr. Weder Anerkennung noch\u00a0Wertsch\u00e4tzung, weder Vision noch Sinn bleiben ihnen. Was\u00a0da mit einem Menschen passiert, ist nicht witzig \u2013 und wer nicht ausreichend mentale Kraft besitzt, um so etwas zu verarbeiten, kann daran durchaus zerbrechen \u2013 auch f\u00fcr sp\u00e4tere\u00a0Arbeitsbereiche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fchrung hat also nicht nur etwas mit arbeitstechnischen Fragen zu tun, sondern beruht ganz wesentlich auf dem Faktor Mensch.\u00a0Immer wieder befragen wir unsere Kunden und die Teams,\u00a0die wir in unseren Schulungen und Teamentwicklungen im Seminarraum haben: \u00bbWas ben\u00f6tigt ihr, um in eurem Arbeitsfeld \u00fcber das normale Leistungslevel hinaus zu gehen?\u00ab Das Ergebnis\u00a0ist einpr\u00e4gsam: Erst sp\u00e4ter taucht das Geld auf, die vorderen\u00a0Pl\u00e4tze belegen Anerkennung, Wertsch\u00e4tzung, und die direkte F\u00fchrungskraft als Vorgesetzte mit ihrer Vision. Dies zeigt auch eine gro\u00df angelegte Studie mit 23 000 Befragten (vergleiche\u00a0Half 2016 und T\u00f6dtmann 2017 &#8211; \u00fcber Gallup-Studie). In so vielen Unternehmen wird versucht, die Leistungssteigerung \u00fcber den Faktor Gehalt zu l\u00f6sen. Ein Gehaltssprung wird dann oft genug alsWertsch\u00e4tzung deklariert. Doch dieser monet\u00e4re Aspekt hat schon nach drei Monaten wieder an Bedeutung verloren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer eine F\u00fchrungsrolle \u00fcbernommen hat, der kann nicht mittendrin einfach mal aussteigen. Mit der F\u00fchrungsaufgabe\u00a0und der dazugeh\u00f6rigen Gehaltserh\u00f6hung bekommt man eben\u00a0auch die dazugeh\u00f6rigen Menschen \u00bbhinzu\u00ab. Wenn F\u00fchrung gefragt ist, ziehen sich viele auf den Inhalt zur\u00fcck. Logisch: Das ist das Spezialgebiet, darin kennt man sich aus, bewegt sich auf\u00a0bekanntem Terrain, kann etwas dar\u00fcber sagen. Doch das ist pure\u00a0Vermeidungsstrategie. Wenn F\u00fchrung gefragt ist, dann sind das\u00a0Situationen, in denen man nicht fl\u00fcchten darf, sondern in der Rolle als F\u00fchrungskraft bleiben muss \u2013 und seinen Job erledigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daf\u00fcr allerdings braucht es Skills und Tools, die zur Anwendung in der Praxis auch etwas taugen. Aus diesem Bedarf heraus ist unsere F\u00fchrungswerkstatt entstanden: Sie besteht aus 15 Modulen und dauert 1,5 Jahre. Die Gruppe aus F\u00fchrungskr\u00e4ften trifft sich mit uns in einem Abstand von sechs bis acht Wochen und wir behandeln und bearbeiten Themen aus allen Branchen und Abteilungen. Ziel der F\u00fchrungswerkstatt ist es, situativ emotionale F\u00fchrungsarbeit kennenzulernen, die passenden Instrumente an die Hand zu bekommen und sich dann \u00fcber Erfolge und Misserfolge im Arbeitsalltag auszutauschen. Die Teilnehmer haben den gro\u00dfen Wunsch, ihre eigene F\u00fchrungsidee aufzubauen, Teamspirit herzustellen, professionelles Feedback zu lernen, Wahrnehmungssysteme zu erkunden und den Umgang mit Krisen und Konflikten besser zu bewerkstelligen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die F\u00fchrungswerkstatt ist als Reihe oder als einzelnes Element buchbar und es handelt sich nicht um ein offenes Seminar. Das bedeutet, dass es in der jeweiligen Firma stattfindet, somit in der Werteumgebung vor Ort. Nach einem kurzen theoretischen Input schauen wir uns mit den Teilnehmern an, wie etwas in der Praxis funktioniert, machen \u00dcbungen und geben \u00bbHausaufgaben\u00ab bis zum n\u00e4chsten Mal auf. Wir behandeln echte F\u00e4lle und schauen\u00a0genau an, wo etwas hakt oder welche Knoten es noch zu l\u00f6sen\u00a0gibt. Uns ist dabei wichtig, dass die F\u00fchrungskr\u00e4fte die Tools im\u00a0Alltag sofort einsetzen, in der Realit\u00e4t \u00fcben und sich in ihrer F\u00fchrungsrolle selbst ausprobieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum Lob und Feedback so entscheidend sind<\/strong><\/p>\n<p>In vielen Betrieben machen Menschen mehr als sie per Aufgabendefinition machen m\u00fcssten. Nur wenige F\u00fchrungskr\u00e4fte\u00a0sehen das \u00fcberhaupt \u2013 geschweige denn, sie k\u00f6nnen damit gut\u00a0und richtig umgehen. Vieles wird als normal und selbstverst\u00e4ndlich abgehakt. Anstatt ein Lob auszusprechen, findet der Chef das ber\u00fchmt ber\u00fcchtigte Haar in der Suppe und legt seinen Leuten\u00a0vor, was eben nicht gut gemacht wurde. Dass m\u00f6glicherweise\u00a0sogar mehr als erforderlich gestemmt wurde, f\u00e4llt ganz schnell hinten runter. Es ist v\u00f6llig logisch, dass ein Mensch, der nicht anerkannt und wertgesch\u00e4tzt wird, seine Arbeitsleistung sukzessive herunterf\u00e4hrt. Daher sind Lob und professionelles Feedback so\u00a0enorm wichtige Werkzeuge im F\u00fchrungsalltag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auf welche vorwurfsvollen Eingangsgworte Trotz und Aggression unweigerlich folgen<\/strong><\/p>\n<p>Es hilft dabei, um sich gegenseitig R\u00fcckmeldung zu geben.\u00a0Leider findet Feedback in seiner misslungenen Form oft als eine\u00a0Schlacht auf der Beziehungsebene statt.Wer es richtig macht, der\u00a0geht aufeinander offen zu, begegnet sich auf Augenh\u00f6he und geht gut wieder auseinander. Richtiges Feedback beginnt niemals mit\u00a0Worten wie \u00bbDu hast\u00ab oder \u00bbDu bist\u00ab \u2013 denn schon das reicht\u00a0aus, um das Gegen\u00fcber in eine innere Haltung zu versetzen, die\u00a0aggressiv oder trotzig ist. In dieser mentalen Blockadehaltung sucht das Gehirn nur noch nach Gegenargumenten und kann\u00a0daher nicht mehr offen oder sogar konstruktiv agieren. Eine\u00a0solche Ansage setzt sofort einen Stressor frei. Die Person, die\u00a0eigentlich Feedback \u2013 also R\u00fcckmeldung zum Verhalten, einem Prozess, einer Aufgabenerledigung \u2013 bekommen soll, kann\u00a0diesen Stress in dem Moment nicht abschalten. Die innere\u00a0Stimme schreit pl\u00f6tzlich ganz laut: \u00bbWas habe ich denn? Na, dann breite das doch mal aus!\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese kleinen zwei Worte gen\u00fcgen, um einem Mitarbeiter mit Schmackes ans Schienbein zu treten. Ruckzuck reagiert der Mensch mit seinen Ur-Zust\u00e4nden, n\u00e4mlich sich totstellen, fliehen oder zum Gegenschlag ausholen. In der modernen Version ballt zwar keiner dann die Faust und holt zum k\u00f6rperlichen Gegenschlag aus. Schauen wir einmal\u00a0etwas genauer hin, wie das im 21. Jahrhundert dann so abl\u00e4uft:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Sich totstellen:<\/strong> In der modernen Version bedeutet das dann, dass die Kommunikation eingestellt wird, kein Hinh\u00f6renmehr stattfindet,man die Inhalte an sich vor\u00fcber gehen l\u00e4sst und gedanklich dabei v\u00f6llig abwesend ist. Ob dieser Zustand schon eingetroffen ist, bedarf etwas Sensibilit\u00e4t und einer guten Portion an Aufmerksamkeit, erst recht F\u00fchrungskr\u00e4fte sollten darauf achten. Ich (Simon) war beispielsweise einmal bei einem Beratungsgespr\u00e4ch mit dabei. Der Kunde hatte schon vor 40 Minuten geistig abgeschaltet, w\u00e4hrend der Berater weiter Gas gab \u2013 denn er hatte gar nicht gemerkt, dass sein Kunde die Inhalte nicht mehr weiter aufnahm. Oft ist das auch der Fall bei R\u00fcckmeldungen an Mitarbeiter: Die F\u00fchrungskraft ist der \u00dcberzeugung, dass das gerade ein superGespr\u00e4ch war und alles reibungslos lief \u2013 dass es keinen Widerstand seitens desMitarbeiters gibt, liegt aber lediglich daran, dass der mental abgeschaltet hat.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong>Flucht <\/strong>in unseren heutigen Zeiten ist nicht mit einem Verlassen der B\u00fcror\u00e4ume gleichzusetzen, wobei mitunter auch so etwas vorkommt.Meist aber fl\u00fcchtet der Gespr\u00e4chspartner in ein anderes Sachgebiet, unternimmt einenThemenwechsel, wenn die Inhalte gerade unangenehm zu werden drohen.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"3\">\n<li>Und der <strong>Gegenangriff<\/strong>? Dieser Reaktion weichen die meisten aus. Wenn es doch passiert, dann findet die Konversation pl\u00f6tzlich nicht mehr auf der Sachebene statt, sondern eine Stufe tiefer. Dann wird die Beziehung auf den Tisch gepackt, das Gespr\u00e4ch steuert auf einen Streit oder sogar eine Eskalation<\/li>\n<\/ol>\n<ol>\n<li>Wie das Thema ausgeht oder wie man aus dieser Nummer wieder rauskommt, spielt dann keine Rolle mehr. Draufhauen ist die Devise \u2013 wenn ich schon untergehen muss, rei\u00dfe ich den anderen gleich mit. \u00dcbrigens: F\u00fchrungskr\u00e4fte sollten die neun Stufen der Eskalation kennen. Hierzu unser Literaturtipp: Glasl 1980. Jede F\u00fchrungskraft hat die Aufgabe und auch die Verantwortung, Feedback professionell zu geben. Damit das gelingt, helfen die Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation. Dieses Handlungskonzept wurde durch seinen Begr\u00fcnder Marshall Rosenberg bekannt. Es ist ein kommunikativer Ablauf, der Menschen eine Umgangsweise miteinander erm\u00f6glicht, die zu mehr Vertrauen und Freude am Leben f\u00fchrt \u2013 und ganz wesentlich auch zu mehr Begeisterung. Im Kern geht es darum, frei von Wertungen zu sprechen, Konjunktive zu vermeiden, Pauschalisierungen zu unterlassen und mit Ich-Botschaften zu hantieren \u2013 anstatt S\u00e4tze wie \u00bbJetzt hast du schon wieder\u00ab von sich zu geben. Wer fundiertes Feedback gibt, l\u00f6st Begeisterung aus. Wer heikle oder kritische Inhalte professionell serviert bekommt, ist dankbar daf\u00fcr. Standardformulierungen, Worth\u00fclsen und Nullachtf\u00fcnfzehn-Floskeln hingegen l\u00f6sen Frust aus. Eine F\u00fchrungskraft, die auf professionelle Weise Feedback geben kann, hat also ein wertvolles Instrument in der Hand.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>WLAN-Symptom<\/strong><\/p>\n<p>Wir zeigen dir am bekannten WLAN-Symbol nun ein Symptom, das leider immer mehr Verbreitung findet. In\u00a0unserem Alltag ist es doch oft so, dass es da etwas gibt, das einen \u00e4rgert oder st\u00f6rt. Wir nennen es das Kernthema.\u00a0Es ist der Punkt, schau ihn dir auf der Grafik einmal\u00a0kurz an. Nun sagt man erst einmal nichts dazu. Man l\u00e4sst es erst einmal sein, will ja nirgendwo anecken oder vermeidet\u00a0lieber die Konfrontation. Doch im seltensten Fall\u00a0kann man es tats\u00e4chlich darauf beruhen lassen. Es steht im Raum, selbst wenn es vorerst in den Hintergrund r\u00fcckt.<\/p>\n<p>Doch dann baut sich da etwas auf, es kommt das n\u00e4chste\u00a0kleine \u00c4rgernis oder etwas Missmut dazu und legt sich wie\u00a0eine Kuppel auf diesen Punkt. Und schon kommt das n\u00e4chste\u00a0Thema dar\u00fcber und die Wellen wachsen \u00fcbereinander, bauen sich auf. Das kann eine ganze Weile gut gehen, doch\u00a0irgendwann ist ein Triggerpunkt erreicht \u2013 und wenn dann\u00a0die Situation eskaliert, dann beginnt man ganz unten und rei\u00dft alle anderen Aspekte mit, das Gespr\u00e4ch explodiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich gab es da ein kleines Kernthema, an dem man sich entschieden hatte, nichts zu sagen. Doch letztendlich\u00a0f\u00fchrt das zu einer oftmals verheerenden Endabrechnung,\u00a0man listet alles auf, was sich angestaut hat, und rechnet es ab. Sp\u00e4testens dann bleibt die Situation auch nicht mehr sachlich. Professionelles Feedback setzt schon unten an: Gibt es\u00a0da etwas, das dich kratzt? So sehr, dass du gerne was sagen\u00a0willst? Dann sage es, keine falsche Zur\u00fcckhaltung an dieser Stelle bitte. Du musst dabei nicht mit dem Hammer\u00a0zuschlagen, sondern kannst auf wertsch\u00e4tzende Weise\u00a0deinen Kommentar abgeben oder deine Meinung \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fchrungskr\u00e4fte d\u00fcrfen nicht pers\u00f6nlich werden oder Werte des anderen angreifen<\/strong><\/p>\n<p>Gerade F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssen sich immer wieder klarmachen, dass sie nicht pers\u00f6nlich werden oder die Werte\u00a0des anderen angreifen d\u00fcrfen. Sonst wird ein eigentlich konstruktiv\u00a0gemeintes Gespr\u00e4ch schnell pers\u00f6nlich und driftet ab \u2013 bis hin zum emotionalen Schlagabtausch. F\u00fchrungskr\u00e4fte\u00a0sollten \u00fcben, ihr Verhalten anzupassen und in einem\u00a0Gespr\u00e4ch lediglich einen Baustein rhetorisch herauszugreifen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die \u00dcberh\u00e4ufung von Argumenten oder Inhalten bringt gar nichts. Wer mit Pauschalisierungen arbeitet, zum verbalen\u00a0Rundumschlag ausholt oder auch noch uralteThemen mit\u00a0auf den Tisch packt, die sich alle l\u00e4ngst angestaut haben und nun herausflie\u00dfen \u2013 im schlimmsten Fall sogar gepaart mit\u00a0vielen Konjunktiven \u2013, der schafft mehr Probleme als tats\u00e4chlich\u00a0da sind. Wer es richtig anfasst und sich auf einen Aspekt konzentriert, gibt seinem Mitarbeiter konkrete Handreichungen \u2013 der wei\u00df anschlie\u00dfend, woran er arbeiten soll.<\/p>\n<p>Wir stellen mitunter fest, dass manche Menschen ein Gr\u00e4uel davor\u00a0haben, anderen Menschen die Meinung zu sagen oder ihre eigene Position zu vertreten. Da ist zwar etwas, das einen st\u00f6rt oder querliegt in der Magengrube und es w\u00e4re ja sch\u00f6n, dem anderen\u00a0R\u00fcckmeldung zu geben \u2013 doch viele wissen nicht, wie sie das anstellen sollen. Dazu gesellt sich die Angst, dass sich nach einem\u00a0abgegebenen Feedback wom\u00f6glich die soziale Verbindung ver\u00e4ndert,\u00a0dass es m\u00f6glicherweise sogar zu einer sozialen Abwertung\u00a0kommen k\u00f6nnte. Also entscheidet sich so mancher, eben doch nichts zu sagen, und dann stauen sich \u00c4rgernisse an.Gerade F\u00fchrungskr\u00e4ften\u00a0geben wir immer wieder einen wichtigen Grundsatz mit an die Hand: Wer es schafft, den Menschen vom Verhalten\u00a0zu separieren, der braucht keinen globalen Angriff zu f\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Merke: Trenne Mensch von Verhalten!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ganz \u00e4hnlich ging es in einer Firma am Bodensee zu, in der ich (Simon) als Trainer dazukam. In diesem Unternehmen gibt es\u00a0Begeisterung pur, die Menschen lieben, was sie tun. Woran es\u00a0ihnen allerdings mangelte, war Struktur in der Kommunikation und auch beim gegenseitigen Feedback. \u00bbBisher lief es bei uns\u00a0so ab, dass ich mal etwas formuliere, ich fange mal an \u2013 oder\u00a0ich lasse es\u00ab, so reflektierte eine F\u00fchrungskraft die Situation\u00a0im Betrieb. Es gab viel Selbstzweifel, wenn es um das Thema Feedback ging. Unsere Aufgabe war es, dem F\u00fchrungsteam\u00a0klarzumachen, dass es weder ein Richtig noch ein Falsch gibt \u2013 es\u00a0gibt nur ein Machen und daraufhin erh\u00e4lt man eine Wirkung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach einigen Tagen kam der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer auf uns zu und war hellauf begeistert: \u00bbIch habe mich von dem Gedanken gel\u00f6st,\u00a0dass ich es korrekt oder falsch machen kann. Also habe ich den\u00a0Mut aufgebracht \u2013 und es war richtig gut! Mein Mitarbeiter und ich kamen ins Reden, haben Dinge ausgetauscht. Auch\u00a0wenn mir die ersten Schritte eher schwerfielen, da es sich um\u00a0ein Verhaltensfeedback handelte.\u00ab Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer wollte\u00a0einem seiner Bereichsleiter R\u00fcckmeldung geben und ihn auf verbesserungsw\u00fcrdiges Verhalten ansprechen. Nun beteuerte der Mitarbeiter, dass er sich bereits wie gew\u00fcnscht verhalte,\u00a0doch in der Realit\u00e4t war das nicht der Fall. Mitunter ging es\u00a0dabei auch um wirtschaftliche Themen und darum, dass der Bereichsleiter diverse Auftr\u00e4ge in den Sand gesetzt hatte. Da\u00a0der Mitarbeiter noch sehr jung war, tappte er immer wieder in\u00a0dieselbe Falle: Er artikulierte den Kunden gegen\u00fcber anstehende\u00a0Kosten\u00fcberschreitung nicht rechtzeitig.<\/p>\n<p>Eine Nachjustierung der Kosten wurde nicht gemacht. Der Kunde hatte sogar das Recht, die nicht angemeldeten Mehrkosten abzulehnen \u2013 also eine ung\u00fcnstige Situation f\u00fcr das Unternehmen. Der Chef hatte diese\u00a0Fallstricke schon vorausgesehen und im Vorfeld dem jungen Mitarbeiter einige Tipps mit auf den Weg gegeben \u2013 doch das half nicht weiter. Das Fazit des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers: \u00bbIch musste\u00a0dringend intervenieren und nun endlich Erwartungen plus\u00a0Handlungsaufforderungen formulieren.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei einem Hersteller f\u00fcr Silikon und Harze ging es ebenfalls um dasThema positives Feedback. In der Runde befanden sich zw\u00f6lf\u00a0F\u00fchrungskr\u00e4fte, mit denen ich (Simon) die F\u00fchrungswerkstatt\u00a0absolvierte. Im Voraus hatte der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Firma allen eine klare Ansage gemacht, n\u00e4mlich dass er gerne gemeinsam\u00a0mit dem F\u00fchrungsstab einen ver\u00e4nderten F\u00fchrungsstil andenken\u00a0und umsetzen wollte.Mit in der Runde war auch ein Mitarbeiter, der sehr dankbar dar\u00fcber war, als F\u00fchrungskraft diesen Ver\u00e4nderungsprozess mit begleiten zu d\u00fcrfen. Und er berichtete, dass er vieles vom Input bereits in der Praxis anwenden konnte. \u00bbIch\u00a0artikuliere das allerdings nie, aus Angst, die anderen k\u00f6nnten\u00a0mich auslachen oder zumindest als Besserwisser und Streber\u00a0abstempeln.\u00ab<\/p>\n<p>Ich ermutigte ihn, seinem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer gerade dieses positive Feedback zu geben. Er fasste sich den Mut und\u00a0zog es durch. Als ich ihn das n\u00e4chste Mal traf, fiel er mir beinahe\u00a0um den Hals \u2013 denn er hatte nicht nur ein gutes Gespr\u00e4ch im\u00a0Anschluss an sein positives Feedback mit der Firmenleitung gef\u00fchrt, sondern ihm war dadurch sogar der n\u00e4chste Aufstieg auf\u00a0eine neue Position in Aussicht gestellt worden. Was ich nun sah,\u00a0war eine F\u00fchrungskraft, die nicht mehr nur durch die Flure lief,\u00a0sondern f\u00f6rmlich schwebte und offen kommunizierte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00dcbung: Richtig loben<\/strong><\/p>\n<p>\u00bbDas haben Sie gut gemacht.\u00ab So eine Formulierung ist Bullshit. Wir erleben es sogar, dass so ein \u00bbLob\u00ab dann\u00a0auch noch fortgesetzt wird mit einem ABER \u2026 Einen Mitarbeiter richtig zu loben, funktioniert anders \u2013 und wer es richtig macht, kann den massiven Effekt von\u00a0Lob beobachten. In unseren Trainings fordern wir F\u00fchrungskr\u00e4fte auf, ein professionelles Lob auszusprechen. Das Ergebnis und die Begeisterung, die das ausl\u00f6sen\u00a0kann, sehen wir dann unmittelbar \u2013 n\u00e4mlich dann, wenn Menschen nach einem Lob so ger\u00fchrt sind, dass\u00a0sie wom\u00f6glich sogar Tr\u00e4nen in die Augen bekommen.<\/p>\n<p>Um das zu ergr\u00fcnden, ist ein Perspektivwechsel hilfreich: Stelle dir vor, du bist F\u00fchrungskraft und lobst deine\u00a0Mitarbeiter. Dabei sagst du so etwas wie \u00bbLeute, das habt ihr super gemacht!\u00ab. Nun versetze dich mal in die Lage eines Mitarbeiters \u2013 wie kommt das Lob bei dir an?\u00a0Was w\u00fcrdest du denken? Fragst du dich auch, was habe ich eigentlich super gemacht? Meint der es ernst? Aller\u00a0Wahrscheinlichkeit nach wei\u00dft du es nicht, kannst es nicht zuordnen \u2013 da bleibt lediglich ein Schulterzucken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Richtig loben<\/strong><\/p>\n<p>Wechsel wieder die Position, als F\u00fchrungskraft kannst du es besser \u2013 also probiere es anders. Frage dich erst\u00a0einmal: Was will ich \u00fcberhaupt loben? Antwort: Dass der Mitarbeiter den Abschluss so gut hinbekommen hat wie im Vorfeld besprochen wurde. Schon kannst du eine\u00a0konkrete Situation benennen. Wie geht es dir als Chef dabei, empfindest du Freude, Gl\u00fcck oder Stolz? Dann sage\u00a0es! Und was willst du mit dem Lob? Dass dein Mitarbeiter so weitermacht. Ein Lob k\u00f6nnte also beispielsweise so aussehen:\u00a0\u00bbWir hatten neulich den Fall XY beschlossen, den haben Sie mit dem Kunden abgeschlossen. Herr M\u00fcller,\u00a0ich bin stolz auf Sie, weil Sie das gemacht haben, was wir\u00a0besprochen haben. Ich m\u00f6chte, dass Sie so weitermachen.\u00ab<\/p>\n<p>Erst recht das Gef\u00fchl namens Stolz kann so vieles bewirken. So etwas sagen nicht mal mehr Eltern zu den\u00a0Kindern. Die loben dann n\u00e4mlich eher so: \u00bbDas hast du gut gemacht \u2013 aber n\u00e4chstes Mal mach noch weniger Fehler.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gutes Feedback dauert nur eine Minute<\/strong><\/p>\n<p>Bei uns im Schw\u00e4bischen gibt es einen Spruch: \u00bbNed gschimpft isch globt gnug!\u00ab In der \u00dcbersetzung hei\u00dft das dann: \u00bbNicht getadelt\u00a0ist Lob genug.\u00abDer typische Schwabe ist ja bekanntlich geizig\u00a0\u2013 und das zeigt sich auch beim Lob und Feedback.Wenn also ein Chef zu seinem Mitarbeiter sagt \u00bbDas hast du gut gemacht!\u00ab, dann ist das hierzulande schon Gold wert. Aber wie l\u00e4sst es sich\u00a0professionell machen? Machen wir es konkret an einem Beispiel:\u00a0Der Chef sagt zu seinem Angestellten \u00bbIch habe dir die Aufgabe\u00a0XY \u00fcbergeben, das hast du top gel\u00f6st \u2013 ich bin stolz auf dich, weil\u2026\u00ab In der Formulierung steckt nicht nur ein Gef\u00fchl, sondern\u00a0sogar eine Emotion der F\u00fchrungskraft \u2013 und diese wiederum l\u00f6st\u00a0ein gutes Gef\u00fchl beim Mitarbeiter aus. Die Formulierung endet\u00a0mit folgendem zweiten Satz: \u00bbMache bitte so weiter.\u00ab So gelingt es, wie mit einer Nadel genau an einem Punkt anzusetzen und\u00a0anschlie\u00dfend noch anzuf\u00fcgen, was man m\u00f6chte. \u00dcbrigens dauert\u00a0ein gutes Feedback nur eine Minute, alles andere ist Gelaber\u00a0und kann man sich schenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fchrungskr\u00e4fte, die teflonbeschichtet daher kommen, ziehen niemand an<\/strong><\/p>\n<p>Bei einem hochwertigen Feedback solltest du bitte auch die K\u00f6rperhaltung beachten. Diese sollte zu dem Gesagten und zum gesagten Inhalt passen. Bitte vergesse nicht, dass sowohl ein gutes, konstruktives, kritisches Feedback genau wie ein richtig formuliertes Lob echte Begeisterung ausl\u00f6sen. Begeisterung l\u00e4sst sich nur \u00fcber N\u00e4he und Beziehung entfachen, wenn die Mitarbeiter einen Chef zum Anfassen bekommen, wenn es Andockpunkte gibt, um sich als Mensch zu \u00f6ffnen. F\u00fchrungskr\u00e4fte, die teflonbeschichtet daher kommen und alles an sich abperlen lassen, bietet keinen guten Grund, dass Mitarbeiter auf sie zukommen. Es muss also das Bestreben sein, eine gute menschliche Beziehungsebene aufzubauen, nahbar zu sein, sich auch offen zu geben \u2013 das kann beispielsweise sein, indem man auch das eine oder andere Mal eigene privateThemen anspricht, was man am Wochenende mit der Familie unternommen hat.\u00a0 So l\u00e4sst sich ein Beziehungsgeflecht aufbauen \u2013 ohne dieses ist die Vermittlung von Inhalten\u00a0zum Scheitern verurteilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Begeisterung \u2013 von klein auf<\/strong><\/p>\n<p>Einfach dabei sein \u2013 in der Herren-Tischtennis-Mannschaft\u00a0in Frickenhausen \u2013 \u00fcbrigens der h\u00f6chsten Liga in Baden-W\u00fcrttemberg. Das hat mir (Steffen) immer wieder gro\u00dfe Begeisterungssch\u00fcbe\u00a0gegeben. Und das, obwohl mein rum\u00e4nischer Trainer alles dazu tat, um jede kleine Flamme der Begeisterung sofort wieder zu zertreten. Er war eine Koryph\u00e4e auf seinem Gebiet und k\u00fcmmert sich nicht nur um den hiesigen Bundesligaclub,\u00a0sondern trainiert auch sehr erfolgreich die Nationalmannschaft der Damen Rum\u00e4niens. Doch was den Umgang mit seinen\u00a0Sportlern in der Tischtennis-Herrenmannschaft anbelangte, war\u00a0er jenseits jeglicher Begeisterungsf\u00e4higkeit unterwegs. In seinen\u00a0kn\u00fcppelharten Trainingseinheiten wurde jedwede Emotion untergeordnet.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich gut daran, dass in den Momenten, in denen in mir so etwas wie Begeisterung aufkam, das von ihm sofort zunichte gemacht wurde. Wenn ich also an einen Punkt kam, an dem\u00a0ich endlich etwas geschafft hatte, schneller oder besser war, den\u00a0Aufschlag optimal absolvierte oder den Gegner haushoch besiegt hatte, dann sagte er nur in seinem gebrochenen Deutsch: \u00bbJetzt\u00a0haben wir ein neues Niveau erreicht, dann k\u00f6nnen wir die Intensit\u00e4t\u00a0ja nach oben schrauben.\u00ab Du musst dir vorstellen: Ich als\u00a0Teenager hat gerade festgestellt, dass ich etwas kann \u2013 und dann l\u00e4uft es ins Leere. Bei diesem Trainer gab es weder Lob noch Anerkennung\u00a0oder Wertsch\u00e4tzung, Derartiges waren f\u00fcr diese Trainerpers\u00f6nlichkeit\u00a0echte Fremdbegriffe. Hinzu kam eine schmale\u00a0Kommunikation und der Faktor von null Emotionen. Zwischenmenschlichkeit war f\u00fcr ihn ausgeschlossen. Durch diese Art war er nicht sehr beliebt, auch nicht bei den Profis in der Bundesliga.<\/p>\n<p>Heute sind die Zusammenh\u00e4nge f\u00fcr mich klar: Einer, der aus dem Ceau\u00b8sescu-Regime kam, vermittelte uns knallharte Grunds\u00e4tze:\u00a0\u00bbDu musst k\u00e4mpfen, es geht t\u00e4glich um das \u00dcberleben, gehe bis\u00a0zum \u00c4u\u00dfersten, gebe alles!\u00abWenn es im Wettkampf gut lief, war es okay \u2013 mehr eben auch nicht. Erfolge wurden nicht gefeiert.\u00a0Wie konnte ich also in so einem Umfeld meine Begeisterung\u00a0f\u00fcr den Leistungssport entfachen und entfalten? Zum einen sah\u00a0ich, dass auch andere in der Mannschaft hart trainierten und so einiges aushalten konnten \u2013 also wollte ich mithalten, doch das passierte eher auf einer unterbewussten Ebene.<\/p>\n<p>Und ich stellte fest, dass ich offenbar etwas gut kann, dass ich Talent und gewisse F\u00e4higkeiten besitze, dass ich sportliche H\u00f6chstleistung bringen kann. Der eigentliche Grund f\u00fcr meine Begeisterung am Sport waren meine Eltern, die die Rahmenbedingungen f\u00fcr mich sehr gut gestalteten. Meine Mutter k\u00fcmmerte sich um die Rundum-Versorgung und -Ern\u00e4hrung und sagte \u2013 da ja auch mein Bruder bereits aktiver Sportler war und wir beide voll im Wachstum steckten \u2013 immer: \u00bbIch muss mit dem Schubkarren zum Einkaufen gehen!\u00ab<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich a\u00dfen wir zwei Jungs wie Scheunendrescher, nicht nur durch die rein biologische Entwicklung, sondern eben auch durch den Leistungssport. Irgendwie musste meine Mutter die Systeme ja versorgen. Mein Vater fuhr mich so gut es ging zum Training und holte mich ab \u2013 und er verbrachte viel Zeit damit, nach dem Training oder Wettkampf auf mich zu warten. Wobei: H\u00e4ufig musste ich die acht Kilometer zum Training mit dem Fahrrad absolvieren\u00a0und das mehrfach die Woche hin und zur\u00fcck. Trotzdem habe\u00a0ich ununterbrochen gesp\u00fcrt, dass meine Eltern hinter dem stehen, was ich mache und es mittragen, sie waren immer ein\u00a0Teil davon, waren interessiert, ohne sich einzumischen, und gute\u00a0Gespr\u00e4chspartner \u2013 das sind sie bis heute. Sie machten kein\u00a0Brimborium darum, dass ich so erfolgreich war, auch nicht, als das in der Zeitung stand. Sie gingen mit den Errungenschaften tiefenentspannt um. Ihnen ging es nie darum, wie au\u00dfergew\u00f6hnlich\u00a0oder auffallend talentiert jemand ist \u2013 was mit ein Grund daf\u00fcr sein d\u00fcrfte, warum sowohl mein Bruder als auch ich bis heute so bodenst\u00e4ndig geblieben sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zugeh\u00f6rigkeit vermitteln, ohne penetrant zu sein \u2013 das versuche ich heute auch in meine Erziehung so einzubinden. Meine Eltern haben mir \u2013 neben dem distanzierten Trainer \u2013 also eine\u00a0Nische er\u00f6ffnet, in der sich mein Wille und meine Begeisterung ausbreiten konnten. Wenn ich es heute reflektiere, war es eine Mischung aus aushalten, unterst\u00fctzt werden und vergleichen.<\/p>\n<p>Inzwischen hat der Vergleich ja etwas Anr\u00fcchiges bekommen,\u00a0er wird bewusst vermieden \u2013 doch wenn wir mal ehrlich sind:\u00a0Der ganze Sport beruht auf Vergleichen \u2013 und auf Aushalten.\u00a0Wenn es dann jemanden gibt, der einen unterst\u00fctzt, dann sollte das Gesamtpaket passen \u2013 und das ist im Sport genau so wie in\u00a0jedem Unternehmen. Das bringt den Motor f\u00fcr Begeisterung in\u00a0Schwung \u2013 und wenn man einmal genauer hinschaut, steckt der\u00a0Begriff Geist drin. Begeisterung macht etwas mit dem eigenen Geist \u2013 und die eigene mentale Einstellung wirkt sich wiederum aus auf die Begeisterung f\u00fcr eine Disziplin, ein Unterfangen, eine\u00a0Unternehmung, ein Projekt oder eine Firma. Der Grundstein in\u00a0Sachen Begeisterung wird bei den meisten Menschen also schon\u00a0in der Kindheit und vor allem im Elternhaus gelegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Perfektionismus ablegen<\/strong><\/p>\n<p>Meine (Simon) Frau beispielsweise m\u00f6chte, dass unser Sohn Manuel seine Fehler im Rechtschreibheft sauber ausradiert, denn es sieht sonst nicht sch\u00f6n aus. Sie ermahnt ihn dazu, obwohl dieW\u00f6rter richtig geschrieben sind. Ich selbst k\u00e4me nie auf die Idee und sehe dar\u00fcber hinweg, denn der Inhalt stimmt. Wenn Kinder alles immer perfekt machen, immer gut sein m\u00fcssen, um ein Lob zu bekommen, dann hinterl\u00e4sst das bei vielen Spuren. Manche Menschen zerbrechen an ihrer eigenen Perfektion. Sie haben Angst vor dem Liebesentzug, falls sie etwas mal nicht perfekt abliefern, dass sie keiner mehr mag, wennmal etwas schiefl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Doch das kann ja nicht dauerhaft gelingen. Um diesen Perfektionismus ein St\u00fcck weit abzulegen, Gibt es ein gutes Instrument: Jeder Mensch hat seine Grenzen \u2013 einmal dar\u00fcber hinaus denken, ist ein erster Schritt.Wer auch mal Dinge tut, die er vorher noch nie gemacht hat, wird unweigerlich Fehler machen \u2013 und erst dann den Umgang damit lernen k\u00f6nnen. Das ist enorm wichtig, denn sonst hat das unendliche Streben nach Perfektion mitunter negative Auswirkungen auf die eigene Entwicklung und auf das eigene Tun.\u00a0Begeisterung in der Gruppe, also in einem Team oder einer Mannschaft, sogar in einem F\u00fchrungsstab zu entfachen, hat\u00a0\u00fcbrigens ganz eigene Regeln. Denn eine Ansammlung von\u00a0Menschen unterliegt den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten der Gruppendynamik\u00a0\u2013 und wie diese entsteht, muss jede F\u00fchrungskraft wissen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn eine neue Person in eine Gruppe kommt, wenn jemand k\u00fcndigt oder einer ausf\u00e4llt, dann dreht sich das Karussell immer\u00a0wieder neu. In den verschiedenen Phasen der Gruppendynamik\u00a0geht es darum, mit den passenden Instrumenten aus F\u00fchrung und Kommunikation zu arbeiten \u2013 nur so kann Begeisterung entstehen und die Menschen kommen in die innere Haltung,\u00a0dass Erfolg gro\u00dfen Spa\u00df machen kann.<\/p>\n<p>Gruppendynamik entwickelt sich in f\u00fcnf Phasen:<\/p>\n<ol>\n<li><em>Formieren\/finden<\/em>: Die Teammitglieder des \u00bbneuen\u00ab Teams sind unsicher, suchen ihren Platz und ihre Rolle im Team. Es beginnt ein erstes Abtasten. Es wird aktiv nach Anhaltspunkten und Hilfen gesucht. Es findet eine \u00dcbertragung fr\u00fcherer Erfahrungen auf die jetzige Situation statt. Vorsicht, Freundlichkeit oder Zur\u00fcckhaltung zeigen sich im Alltagsverhalten untereinander. Dann folgen erste \u00bbTests\u00ab von Verhaltensm\u00f6glichkeiten gegen\u00fcber den anderen Teammitgliedern. Kommt diese Etappe zu kurz, k\u00f6nnen Angst und Widerst\u00e4nde entstehen. Verbleibt man zu lange in dieser Phase, dann entsteht eine Friedh\u00f6flichkeit. Teammitglieder k\u00f6nnen aktiv dagegen arbeiten, zumBeispiel indem man die Kommunikation erh\u00f6ht, Hilfen f\u00fcr \u00bbNeue\u00ab bereitstellt oder Anhaltspunkte (alte Regeln) zu Beginn liefert.<\/li>\n<li><em>Sturm &amp; Drang<\/em>: Die Teammitglieder kommen aus ihrem Schneckenhaus und trauen sich deutlich mehr. Es entstehen deutliche Sympathien und Antipathien. Die Streitlust steigt und es k\u00f6nnen sich erste Konflikte \u00fcber die Zusammensetzung und die Positionen innerhalb der Gruppe bilden. In dieser Phase entstehen \u00c4rger, Trotz, Entt\u00e4uschung, Polarisierung von verschiedenen Meinungen und Machtk\u00e4mpfe. Dies kann zur Bildung von Untergruppen f\u00fchren. Kommt diese Etappe zu kurz, k\u00f6nnen die Teammitglieder keine Identifikation zum Team und zum Unternehmen aufbauen. Bleibt ein Team zu lange in der Phase, beginnen Chaos und Destruktivit\u00e4t. Die L\u00f6sung: Teammitglieder sollen Ermutigungen aussprechen, Kritik-Ventile schaffen (Besprechungen, Meetings), Ausbr\u00fcche von Teammitgliedern nicht zu pers\u00f6nlich nehmen und aushalten, dabei nach den positiven Aspekten suchen.Wichtig ist es, dabei den Rahmen und Raum abzustecken.<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"3\">\n<li><em>Normieren<\/em>: Die Teammitglieder verstehen, woran sie sind, die Ziele, Beziehungen und das Vorgehen. Es herrscht Erwartungsklarheit. Es findet eine klare Differenzierung von Teamrollen statt. Das Team bildet Normen, der Gruppenzusammenhalt w\u00e4chst. Die Verbindlichkeit steigt, Offenheit im Widerspruch findet statt, so dass die Harmonisierung des Teams deutlich steigt \u2013 was auch sp\u00fcrbar ist. Kommt diese Etappe zu kurz, tritt eine Scheinklarheit ein. Bleibt ein Team zu lange in dieser Phase, treten Langeweile und der Verlust von Spontanit\u00e4t in den Vordergrund. Wichtig ist also die Balance von der Einhaltung der Spielregeln und der Infragestellung der gestellten Normen. Normen gilt es zu fixieren und nicht im Raum schweben zu lassen. Die Realit\u00e4t sollte nicht aus den Augen verloren und eventuelle Tabus benannt werden. Es d\u00fcrfen keine verwaschenen Kompromisse geschlossen werden. Klarheit z\u00e4hlt!<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"5\">\n<li><em>Auftritt &amp; Gala<\/em>: Die Teammitglieder agieren als Einheit. Sie stellen ihre individuellen F\u00e4higkeiten ohne Kompromiss zur Verf\u00fcgung. Das Team ist sehr strukturiert und gefestigt. Die Ziele werden gemeinsam erreicht. Konflikte werden zum Teil ohne \u00e4u\u00dferen Einfluss gel\u00f6st. Das Wir-Gef\u00fchl ist in dieser Phase am st\u00e4rksten. Jeder f\u00fchlt seine Verantwortlichkeit und handelt rational. Man spricht hier von einer konzentrierten Aktiviertheit. Kommt jedoch diese Etappe zu kurz, wird ein Sinnverlust wahrgenommen, der zur Aufl\u00f6sung f\u00fchren kann. Bleibt ein Team zu lange in dieser Phase, treten veraltete Strukturen auf, w\u00e4hrend Aktionismus des Teams festzustellen ist. Es hilft, Hilfen zu gew\u00e4hren, wenn sie ben\u00f6tigt werden. Gegenseitiges professionelles Feedback ist relevant. F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssen darauf achten, den Zeitpunkt der Beendigung der Phase zu erwischen und in die n\u00e4chste Stufe zu wechseln, um ein neues Level f\u00fcr das Team zu erreichen. Routinen und Arbeitsabl\u00e4ufe sollten zum Zweck der Verbesserung hinterfragt werden.<\/li>\n<li><em>Re-Formieren<\/em>: Die Teammitglieder erfahren eine Entt\u00e4uschung oder eine Erf\u00fcllung (in Bezug auf Ver\u00e4nderung der Gruppenphase). Es spiegeln sich Freude oder Begeisterung oder aber Unmut und Widerspruch wider. Oft versucht das Team ein Vermeidungsklima: Warum sollen wir uns von der \u00bbInsel der Gl\u00fcckseligkeit\u00ab entfernen? Warum sollen wir bew\u00e4hrte Vorg\u00e4nge ver\u00e4ndern? Das Team wird versuchen, in die vorherige Etappe \u00bbAuftritt &amp; Gala\u00ab zur\u00fcck zu wechseln.Vorsicht: Kommt diese Phase zu kurz, kann ein Team die Anpassungsf\u00e4higkeit vers\u00e4umen und sogar verlieren. Das Team wird starr. Bleibt ein Team zu lange in dieser Phase, entsteht eine Scheinharmonie. Das Team wird auf Dauer ineffizient und langsam. L\u00f6sung bietet die Bereitstellung einer Plattform, auf der sich Mitglieder austauschen, neue Ans\u00e4tze und Ver\u00e4nderung besprechen k\u00f6nnen. Streit- und kl\u00e4rungsbedingte Themen m\u00fcssen aufgelistet werden. Das Fazit daraus und die erarbeiteten L\u00f6sungen lassen sich so in den neuen Kreislauf integrieren. Hier noch ein wichtiger Hinweis: Die meisten Teams haben \u00fcbrigens keine Fehler- und Streitkultur, weil sie keine klaren Rahmenbedingungen haben, sondern nur informelle Regeln. Was sind informelle Regeln? Dies ist ganz einfach mit einem Satz beantwortet: \u00bbDas haben wir schon immer so gemacht.\u00ab<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der erste Schritt ist es, die Teamdynamiken zu verstehen, um dann in den folgenden Schritten ein Team aufzubauen. Es k\u00f6nnen dabei weder Phasen ausgelassen noch welche \u00fcbersprungen werden. Wichtig ist auch, dass die einzelnen Etappen zum einen lange genug und zum anderen jedoch nicht zu ausgiebig absolviert werden \u2013 denn wer st\u00e4ndig im selben Kreislauf gefangen ist, kann keine Begeisterung erzeugen. Wir erleben es in den Unternehmen immer wieder, dass versucht wird, die Sturm-und-Drang-Phase auszulassen.<\/p>\n<p>Ist das der Fall, dann k\u00f6nnen die Menschen im Team ihre Rolle nicht finden, sie haben keine Zugeh\u00f6rigkeit \u2013 und so kann eben dann auch keine Begeisterung entstehen. Wenn andererseits diese Phase zu lange andauert, ver\u00e4ndert sich die Ausgangslage und damit auch der Effekt \u2013 die Gruppe landet im totalen Chaos, keiner wei\u00df, was der andere macht. Im schlimmsten Fall f\u00fchlen sich die einzelnen\u00a0 Teammitglieder dann auch wieder mal nicht zugeh\u00f6rig. Die Aufgabe der F\u00fchrungskraft ist es also, genau zu wissen, wie sie sich in den einzelnen Steps verhalten muss, wann mal die Leine etwas k\u00fcrzer gehalten wird, wann zu intervenieren ist und wann\u00a0man das Team auch einfach mal laufen lassen kann.<\/p>\n<p>Sehen, erkennen und zulassen: Als F\u00fchrungskraft gilt es zu begreifen, dass gerade in der Sturm-und-Drang-Phase ein\u00a0Spielraum der Entwicklung zur Verf\u00fcgung gestellt werden\u00a0muss \u2013 und das braucht konsequentes Aushalten. Anstatt sofort auf eine Situation zu reagieren und wegen jedem Anliegen ein\u00a0Teammeeting einzuberufen, gilt es, die Mannschaft dahin zu\u00a0bringen, unterschiedliche Meinungen auszuhalten \u2013 nicht alles\u00a0muss umgehend in der Harmonie oder im Konsens enden.<\/p>\n<p>Im Prozess der Gruppendynamik d\u00fcrfen Stufen nicht \u00fcbersprungen werden, stattdessen geht es darum, jede Etappe zu formen\u00a0und zu performen. Sollte eine F\u00fchrungskraft das unterbinden\u00a0oder zu schnell die n\u00e4chste Phase einl\u00e4uten, wird sich das Team\u00a0fr\u00fcher oder sp\u00e4ter von ganz alleine zur\u00fcck auf den Ausgangspunkt katapultieren. Was dagegen auf der Strecke bleibt, sind Ressourcen, Zeit und vor allem Nerven aller Beteiligten. Alles\u00a0auf Anfang \u2013 das ist keine wirtschaftliche Methode. Wenn Rollen, Strukturen und Aufgaben nicht gekl\u00e4rt sind \u2013 und das eben auch auf der Ebene der Mitarbeiter \u2013 befinden sich alle Beteiligten in einem halbgro\u00dfen Chaos. Wie soll man sich daf\u00fcr\u00a0begeistern, Leistung abzuliefern, wie Lust auf Erfolg haben, wenn die Basisthemen schon nicht stimmen?<\/p>\n<p>F\u00fcr jede F\u00fchrungskraft ist es eine echte Herausforderung, aus den anderen Begeisterung herauszukitzeln.Wemes gelingt, bei jedem\u00a0Mitarbeiter die Begeisterung um ein paar Prozent zu steigern, hat\u00a0dem Unternehmen schon einen gro\u00dfen Dienst erwiesen. Doch in\u00a0der Praxis l\u00e4uft es meistens so, dass man auf jene Leute setzt, die ihr Ding machen und die Arbeit hervorragend schaffen \u2013 mit den anderen befasst man sich erst gar nicht, denn das ist m\u00fchselig und w\u00fcrde bedeuten, dass man sichmehrmit den Menschen befassen m\u00fcsste. Eine F\u00fchrungskraft hat einmal folgendes Zitat gepr\u00e4gt:\u00a0\u00bbF\u00fchrung ist so l\u00e4stig. Warum muss ich mich mit dem Mist der anderen befassen? Ich habe genug eigenen Mist am Bein.\u00ab<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8211;<\/p>\n<p><strong>\u00bbWir bieten als Kontrast etwas Konkretes an\u00ab<\/strong><\/p>\n<p><strong>Im Interview: <em>Dr. Carl-Heiner Schmid<\/em>, Senior-Gesellschafter der Unternehmensgruppe Heinrich Schmid GmbH &amp;\u00a0Co.KG<\/strong><\/p>\n<p><em>Woran denken Sie als Erstes beim Begriff \u00bbBegeisterung\u00ab?<\/em><\/p>\n<p>Das Wort ist ein Konstrukt und ich versuche alles mit Endungen wie -ung, -keit, -heit oder -nis zu vermeiden,\u00a0denn das sind abstrakte Begriffe. Normen haben nichts mit dem wahren Leben zu tun. Leider zieht sich unsere\u00a0Gesellschaft immer mehr in derartige Abstrakta zur\u00fcck.\u00a0Solchen Begrifflichkeiten begegnet man st\u00e4ndig, doch sie schaffen Distanz. Man redet zwar dar\u00fcber, doch es\u00a0ist nicht einmal eine Unterhaltung, es ist akademisches\u00a0Geschw\u00e4tz. Mit dem Wort Begeisterung l\u00f6st man keine Begeisterung aus.Wenn wir dar\u00fcber nachdenken wollen, dann geht es doch darum, dass Herzblut flie\u00dft! Es l\u00e4sst\u00a0sich auch modern ausdr\u00fccken: Sehnsucht, Anmache, Neugier, Tick. Auf gut Schw\u00e4bisch w\u00fcrde ich sagen: Ranza schenda \u2013 also beim Schinden schwingt etwas mit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>K\u00f6nnen Sie das mit dem Herzblut noch etwas genauer <\/em><em>ausf\u00fchren?Wie definieren Sie das?<\/em><\/p>\n<p>Das Leben erkennt sich erst im Menschen \u2013 ich gebe zu, das ist ein Gedanke, den man erst einmal aufl\u00f6sen muss.\u00a0Zum Herzblut gibt es zwei Zug\u00e4nge: Entweder vertrauen wir dem alten Platon oder auch Hegel und gehen den\u00a0Weg der Vernunft. Oder man kommt aus den Urgr\u00fcnden\u00a0Darwins, dann sprechen wir vom Trieb. Was treibt dich um? Was treibt dich an? Wenn diese Grundlage nicht klar ist, muss man etwas oder sich erst noch erkl\u00e4ren.\u00a0Den ganzen Tag umgeben wir uns mit Erkl\u00e4rungen, aber die haben mit echtem Leben und mit dem Pulsschlag\u00a0nichts zu tun. Insofern geht es in erster Linie um Klartext\u00a0und Klarsicht, also was es f\u00fcr einen selbst bedeutet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Also was begeistert Sie pers\u00f6nlich?<\/em><\/p>\n<p>Machen \u2013 und ich dr\u00fccke es ausdr\u00fccklich hier als Verb aus. Wenn jemand macht, dann begeistert mich das. Der\u00a0Mensch ist ja im Quintett unterwegs: f\u00fchlen, denken, sagen, machen, werten \u2013 das ist unser allt\u00e4glicher Kreislauf. \u00dcber Gef\u00fchl kann man jede Menge s\u00fclzen, auch \u00fcber\u00a0 das Denken, beim Sagen sowieso. Und dann kommt die Nagelprobe: machen! Lasse die Taten sprechen und nicht die Worte. Also rede nicht, sondern mache, leg los, pack an! Das Prinzip ist ganz einfach, doch unsere Gesellschaft\u00a0 geht in Richtung Geschwafel. Machen beinhaltet zwar immer auch das Risiko zu scheitern, die Hucke voll zu\u00a0bekommen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich mache, resultieren daraus 51 Prozent meines Erfolges \u2013 und die restlichen 49 Prozent habe ich gebraucht, um zu erkennen, was ich eben noch nicht richtig gemacht habe. Ich spreche dabei auch nicht von Fehlern, sondern von Irrt\u00fcmern \u2013 da bin ich streng in der Wortwahl.\u00a0Ich \u00bbfehlere\u00ab mich nicht voran, ich irre mich voran.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Im Wort Begeisterung steckt der Kern \u00bbGeist\u00ab. Braucht <\/em><em>es also einen bestimmten Spirit, Verstand oder Genie,\u00a0<\/em><em>um sich selbst und auch andere begeistern zu k\u00f6nnen?<\/em><\/p>\n<p>Um das zu erkl\u00e4ren, bem\u00fche ich gerne die Geschichte von den Sieben Schwaben: In dem Schwank der Br\u00fcder Grimm geht es um die Abenteuer genau dieser und um den Kampf mit dem Untier. Die sieben Protagonisten stehen dabei stellvertretend f\u00fcr sieben Charaktertypen, die Geschichte ist gewisserma\u00dfen ein Konzentrat, das uns schmunzeln l\u00e4sst und herrliche Bilder hergibt. Darin hei\u00dft es: \u00bbGang du voran, i will dahinte vor di stahn\u00ab \u2013 also einer hat die Hosen an und geht voran. Dieser eine brennt, f\u00fcnf laufen mit und einen bekommt man nicht mit auf die Reise. So ist es auch in den Unternehmen, das zeigt die j\u00e4hrliche Gallup-Studie:<\/p>\n<p>Es gibt zwischen 14 und 16 Prozent Leistungstr\u00e4ger, 70\u00a0Prozent Mitl\u00e4ufer und der Rest ist in seiner Leistungsbereitschaft\u00a0ohnehin schon ausgestiegen. Personalisiert und heruntergebrochen auf eine kleine Gruppe sind wir wieder bei den Sieben Schwaben. Und es braucht genau diesen einen, der brennt und vorangeht, der den Geist in sich tr\u00e4gt, das Engagement und denWillen, um die anderen mit zu bewegen. Das ist F\u00fchrung, der hat Herzblut, um den muss man sich nicht gro\u00dfartig k\u00fcmmern und die anderen laufen dem nach, so funktioniert die Psychomechanik.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Wie bringt man Menschen dazu, dass sie brennen?<\/em><\/p>\n<p>Jeder einzelne Mensch ist ein Unikat, ein Individuum. Zwar gibt es Abstufungen, wer bringt mehr von diesem oder jenem Talent mit, doch jeder hat seine Vorteile und Nachteile. Diese Unterschiedlichkeit kommt dann zusammen, das ist die Dialektik des Lebens. Vor diesem Hintergrund kann ich die Frage auf folgende zwei Aspekte reduzieren: Hands on und Head on. Ich bringe Menschen zum Machen, indem ich die Entscheidung getroffen habe, in beiden Welten zuhause zu sein. Es braucht also einen Teil aus der akademischen Welt, also das analytische Denken \u2013 und es braucht das Tun, das wir in der Bauwelt in unserem Alltag eben auch sehr intensiv gestalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Muss man Menschen immer wieder anschieben, motivieren <\/em><em>und mobilisieren, begeistern, damit sie begeistert sind und\u00a0<\/em><em>andere begeistern?<\/em><\/p>\n<p>Wenn wir uns den Gro\u00dfteil des Menschenlebens anschauen,\u00a0bewegen wir uns zwischen den beiden Polen Sicherheit\u00a0und Freiheit \u2013 Karl Popper l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen. Auch im Unternehmen\u00a0stellen wir uns die Frage, wie viel Unsicherheit es braucht, um an der Sicherheit weiter zu bauen.W\u00fcrden wir\u00a0beispielsweise aufh\u00f6ren zu wachsen, dann h\u00e4tten wir f\u00fcnf\u00a0Jahre lang eine sch\u00f6ne Zeit und danachw\u00fcrde es senkrecht nach unten gehen. Also braucht es stets einen dynamischen Wechsel von Sicherheit und Unsicherheit, vom Unm\u00f6glichen zum M\u00f6glichen. Alles was heute m\u00f6glich ist, war irgendwann unm\u00f6glich. Menschen, die zu unserem\u00a0Unternehmen geh\u00f6ren, haben das begriffen. Sie haben verstanden,\u00a0dass sie von sich aus machen m\u00fcssen. Daher gibt es von mir lediglich die klare Ansage: \u00bbJunge, pass auf, es\u00a0gibt zweiM\u00f6glichkeiten: entweder ES geht oder DU gehst.\u00ab\u00a0Punkt. Das brauche ich nicht mehr weiter zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Sie erwarten bedingungslose Leistungsf\u00e4higkeit von <\/em><em>den Menschen, die mit und f\u00fcr Sie arbeiten. Bevor <\/em><em>Sie jemanden in Ihr Unternehmen integrieren: Woran <\/em><em>erkennen Sie, ob jemand die zum Unternehmen passende\u00a0<\/em><em>Begeisterung in sich tr\u00e4gt \u2013 oder eben nicht?<\/em><\/p>\n<p>Wenn ich einen Menschen anschaue, dann ist das Augenlicht in Lichtgeschwindigkeit unterwegs. Es entscheidet\u00a0sich also bei 300 000 km\/h, mit wem ich kann und mit wem nicht. Dann kommt die Sprache dazu, in Schallgeschwindigkeit,\u00a0zwar 300 Mal langsamer, aber immer noch\u00a0ein echter Wert. Und auf dritter Ebene geht es um die potenziellen kritischen Gedanken, Daniel Kahneman spricht vom schnellen und langsamen Denken.<\/p>\n<p>Ich frage mich dann, ob jemand mit diesen F\u00e4higkeiten und Werkzeugen unterwegs ist und verlasse mich dabei auf meine gute Menschenkenntnis \u2013 mit der bin ich bestens ausgestattet.\u00a0In acht von zehn F\u00e4llen wei\u00df ich schnell, ob jemand passt.\u00a0Ich hinterfrage, ob einer auch Grenzsituationen gewachsen ist \u2013 denn in Routinesituationen werden dieMenschen nur\u00a0immer fauler und wenn das Geldverdienen dann auch noch\u00a0stimmt, wird eine Entwicklung eher z\u00e4h oder es kommt sogar zum Stillstand. Die Risikobereitschaft muss also erkennbar sein. Und eben, dass Herzblut flie\u00dft \u2013 dieses\u00a0Bild braucht man dann nicht mehr zu erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Apropos Herzblut: Eines Ihrer gro\u00dfen Herzensprojekte ist <\/em><em>das Duale Gymnasium. Dort setzen Sie auf das Konzept\u00a0<\/em><em>vom agilen, zukunftsorientierten Lernen. Ist das der Weg, <\/em><em>um bei der jungen Generation den Unternehmergeist <\/em><em>zu wecken und sie f\u00fcr das Handwerk zu begeistern?<\/em><\/p>\n<p>Ich selbst bin ja nun im Handwerk aufgewachsen und gro\u00df geworden, meinen ersten Job auf der Baustelle hatte ich bereits im Alter von neun Jahren. In der heutigen Zeit stellt sich mehr denn je die Frage: Wie fr\u00fch muss\u00a0man Kinder sozialen Situationen aussetzen, in denen sie\u00a0gezwungen sind, sich zu beweisen? Und was ist existenziell, um ein Maximum ihrer Aufmerksamkeit zu generieren? Ich habe mich an Pestalozzi orientiert, der von der idealen\u00a0Kombination aus Hirn, Herz und Hand spricht. Das habe ich zeitgem\u00e4\u00df etwas umgeformt und dialektisch aufbereitet: Am Dualen Gymnasium gibt es die so genannte\u00a03-H-Methode. Damit ist nicht \u00bbHa Ha Ha\u00ab gemeint und auch nicht das, was in der maskulin gepr\u00e4gten Bausprache\u00a0eher verbreitet ist, n\u00e4mlich hauen, hupen und huren.<\/p>\n<p>Die\u00a0Trilogie aus Hirn, Herz und Hand meint, dass wir im Handwerk alle drei Komponenten gleicherma\u00dfen ben\u00f6tigen. Handwerkliche T\u00e4tigkeit ist evolutorisch viel \u00e4lter als\u00a0jede Form der Gehirnakrobatik, hat gewisserma\u00dfen biologische\u00a0Vorfahrt.Wer das \u00bbBe-greifen\u00ab vernachl\u00e4ssigt, muss sich nicht wundern, wenn ein System schw\u00e4chelt, verk\u00fcmmert\u00a0oder sogar floppt. In den \u00fcblichen Schulen dreht sich\u00a0alles um abstrakte und irreale Ereignisse. Man \u00fcbt dort bestimmtes Verhalten, eine bestimmte Art zu denken, da\u00a0passiert jedoch nichts f\u00fcr die realeWelt. Nun bieten wir als\u00a0Kontrast etwas Konkretes an. Denn es braucht eine gute Balance von Hirn, Herz und Hand und einen vielf\u00e4ltigen\u00a0Wechsel. Das gew\u00e4hrleisten wir im Dualen Gymnasium.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Warum ist das sowohl im Bildungswesen als auch in der <\/em><em>Handwerksbranche so revolution\u00e4r?<\/em><\/p>\n<p>Weil wir die Kultur \u00fcber den Haufen geworfen haben. Meine Erkenntnis lautet: Kultur frisst eine Strategie noch\u00a0vor dem Fr\u00fchst\u00fcck, Kultur ist der gr\u00f6\u00dfte Feind. Die aktuelle Kulturpflege wird von den Handwerkskammern gemacht. Da sitzen die Akademiker und die Superstars der Forschung, w\u00e4hrend die Handwerker als Zwangsmitglieder wie Leibeigene behandelt werden. Keiner in der Kammer hat ein Interesse daran, dass die Leibeigenen kl\u00fcger werden. Das ist unsere hiesige Handwerkskultur, gegen die wir ein neues Konzept aufgestellt haben. Schauen wir\u00a0doch auf die Zahlen, egal ob in einer Stadt wie T\u00fcbingen\u00a0oder in einem Dorf als einer der finstersten Orte auf der Alb: Der Gro\u00dfteil der Population ist kopfgesteuert,\u00a0die Masse der Kinder geht auf das Gymnasium. Diese\u00a0Menge sorgt daf\u00fcr, dass das Niveau sinkt. Denn wie hei\u00dft es so sch\u00f6n: Jede Kette ist so stark wie ihr schw\u00e4chstes\u00a0Glied \u2013 und das gilt erst recht in der Bildungskette, bestehend\u00a0aus Menschen. Wer es eben nicht im Kopf hat, der ist frustriert und bremst die anderen aus, am Ende\u00a0bleiben alle stehen. M\u00f6chten wir das? Wollen wir unsere\u00a0Bildungskette noch weiter herunter justieren? Die \u00dcberquantit\u00e4t macht echte Schwierigkeiten, denn es stellt sich ja immer die Frage, wie gro\u00df die kritische Masse ist, die man braucht, um etwas zu bewegen \u2013 oder umgekehrt: um etwas zu verhindern. Junge Leute wollen aber vorw\u00e4rtskommen, also entweder man erm\u00f6glicht das oder wir bekommen gesellschaftlich ein ganz anderes Problem.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Apropos junge Generation: Ihre drei S\u00f6hne sind Ihre <\/em><em>Verb\u00fcndeten. Wie ist Ihnen die Generationen\u00fcbergabe <\/em><em>im Unternehmen gelungen, wie haben Sie sie an die <\/em><em>Aufgaben und an die Verantwortung herangef\u00fchrt?\u00a0<\/em><em>Braucht es daf\u00fcr bei allen Beteiligten den Mut, den Willen\u00a0<\/em><em>und die F\u00e4higkeit zur (gegenseitigen) Begeisterung?<\/em><\/p>\n<p>Was ist das Gegenteil von Begeisterung? Ich w\u00fcrde sagen: Ern\u00fcchterung, Entmachtung, pers\u00f6nliche Erniedrigung.\u00a0Damit hat man im Berufsalltag immermal wieder zu tun.\u00a0Charakterstark ist derjenige, der den Biss hat, da wieder rauszukommen, anstatt sein Gegen\u00fcber gewinnen zu lassen. Meine Forderung an meine S\u00f6hne war genau das: seid aktive Gesellschafter. Ich habe auch vorausgesetzt, dass sie aus R\u00fcckschl\u00e4gen, Niederlagen und negativen Erfahrungen neue Kraft ziehen und sich selbst immer wieder motivieren k\u00f6nnen. Das geht nur, wenn man einen Eigenwert hat und den auch kennt.Wer will F\u00fchrungskraft sein, dazugeh\u00f6ren? Derjenige braucht ein erlerntes Handwerk, einen akademischen Abschluss und einen Meisterbrief. Alle drei haben das geschafft. So haben sich die Dinge erg\u00e4nzt und die Gr\u00f6\u00dfe des Unternehmens hat das \u00dcbrige getan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Begeisterung in derTheorie gen\u00fcgt nicht \u2013 wie also kommt <\/em><em>man ins begeisterte Tun? Haben Sie abschlie\u00dfend einen Tipp\u00a0<\/em><em>f\u00fcr unsere Leser?<\/em><\/p>\n<p>Rede nicht \u2013 mache! Das ist und bleibt mein Super-Tipp. Ob einer etwas hinbekommt, erkennt man genau daran, ob er etwas unternimmt oder ob er lediglich davon spricht. Zu lamentieren ist eine Ersatzhandlung, eine Flucht vor dem, was tats\u00e4chlich zu tun ist. Im Schw\u00e4bischen gibt es den Ausspruch \u00bbDo sott mr mal\u00ab, also man sollte mal. Der Konjunktiv ist ja schon die Abwehr der Tat. Bei uns z\u00e4hlen Bodenhaftung und Bodenst\u00e4ndigkeit. Und es geht um den Hunger: Ich kenne den k\u00f6rperlich erfahrbaren Hunger noch, weil ich ein Kriegskind bin. Doch ich meine den Hunger in seinen verschiedensten Auspr\u00e4gungen \u2013 also den Hunger nach Leben, nach Taten, nach Erfolg. Mit diesem Hunger hat man die Chance, etwas zu bewegen \u2013 und zwar so, dass die\u00a0anderen etwas davon sp\u00fcren,merken und mitbekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zur Person<\/strong><\/p>\n<p><em>Dr. Carl-Heiner Schmid <\/em>(Jahrgang 1941) ist Senior-Gesellschafter der Unternehmensgruppe Heinrich Schmid. 1992 promovierte er an der Universit\u00e4t Stuttgart zum\u00a0Thema \u00bbPlanung von Unternehmenskultur\u00ab. Der Diplomkaufmann und Maler- und Lackierermeister ist Entrepreneur: Er hat im Laufe seines Lebens vieles im Handwerk auf den Pr\u00fcfstand gestellt. Organisationsmodelle von Baustellen, tradiertes Verhalten ebenso wie kaufm\u00e4nnische Sichtweisen und Unternehmensgr\u00fcndungen.<\/p>\n<p>Das Familienunternehmen hat er in vierter Generation und seit seinem Eintritt ins Unternehmen 1969 zur gr\u00f6\u00dften Handwerksgruppe im Maler- und Lackiererhandwerk in Deutschland ausgebaut \u2013 und zum\u00a0international agierenden Dienstleister entwickelt. Sein Anspruch:\u00a0grundsolide und qualit\u00e4tsvolle Handwerksarbeit. Mittlerweile umfasst das Leistungsangebot mehr als\u00a016 Bereiche, zum Beispiel Trocken- und Komplettbau, Brandschutz und W\u00e4rmed\u00e4mm-Verbundsysteme. Zu den Referenzobjekten z\u00e4hlen der Europ\u00e4ische Gerichtshof in Luxembourg oder das Sony Center in Berlin.<\/p>\n<p>Heinrich Schmid, das sind heute mehr als 5000 gut ausgebildete Maler, Ausbauer und Dienstleister, die an\u00a0150 Standorten europaweit unterwegs sind. Die Gruppe erwirtschaftete 2019 einen Jahresumsatz von 533,5 Millionen Euro. Mit der eigenen HS F\u00fchrungsakademie wird\u00a0jedem Mitarbeiter Bildung und Ausbildung zielgenau angeboten. Jeder soll die Chance haben, weiterzukommen \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob er von der Hauptschule\u00a0oder von der Hochschule kommt. Lehrlings-Baustellen, Online Meisterschule und das Bildungsmodell Duales Gymnasium (also Abitur und Lehre im Doppelpack)\u00a0zeigen das weitreichende Engagement von Dr. Carl-Heiner Schmid.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.heinrich-schmid.com\/\">https:\/\/www.heinrich-schmid.com\/<\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Begeisterung sichtbar machen<\/strong><\/p>\n<p>Diese Situation ergab sich bei einer Firma f\u00fcr Finanzdienstleistungen: Der Chef macht im Teammeeting eine Ansage an seine Kundenberater. Er steht vorne und will mit voller Inbrunst verk\u00fcndigen, dass sie mehr machenm\u00fcssen \u2013 dass er zwar zufrieden ist und die Leistung bisher auch gut war, nur dass er nun noch mehr von seiner Mannschaft verlangt.W\u00e4hrend er so spricht, sind seine Gestik und Mimik eingefallen, die Schultern h\u00e4ngen, die Mundwinkel fr\u00f6nen der Schwerkraft und seine Stimme ist monoton.<\/p>\n<p>Nun hat dieser Chef eine auffallend korpulente Statur \u2013 und nun steht er vor seinen Angestellten wie ein H\u00e4uflein Elend. Das was er sagt undwie er es sagt,bekommt eine ganz bestimmte Wirkung \u2013 schon durch seine Haltung. Nach seiner Ansprache ging das Team auseinander und nichts passierte \u2013 es gab weder mehr\u00a0Engagement noch eine deutliche Leistungssteigerung, die ja gew\u00fcnscht\u00a0war. Drei Wochen sp\u00e4ter beim n\u00e4chsten Meeting war\u00a0das Team so weit wie vorher. Im Gespr\u00e4ch mit dem Chef fand ich (Simon) nun deutlicheWorte: \u00bbIch kann Ihnen vorhersagen, wie auch das n\u00e4chste Meeting l\u00e4uft. Und die Zeit vergeht und nichts passiert. Also werden Sie ausf\u00e4llig und laut!\u00ab Der Chef schaute\u00a0mich verdutzt an. Nun erkl\u00e4rte ich ihm, welche Bilder im Kopf seiner Mitarbeiter entstehen, wenn er wichtige Ansagen in solch einer Haltung macht \u2013 und was er anders machen kann, umendlich\u00a0Begeisterung bei seinen Leuten zu wecken.<\/p>\n<p>F\u00fcr jede F\u00fchrungskraft gilt: Um die Begeisterung bei anderen zu wecken, muss erst einmal die eigene Begeisterung sichtbar werden. Der erste Schritt ist die Reflexion der eigenen Person \u2013 der Blick nach innen, bevor etwas nach au\u00dfen getragen werden soll. Wer nicht selbst begeistert und \u00fcberzeugt von etwas ist, wird bei seinem Gegen\u00fcber erst recht kein Feuer entflammen. Es gibt eine\u00a0ganze Reihe an geeigneten Mitteln:<\/p>\n<ul>\n<li>Verwende eine <em>positive Sprache <\/em>und vermeide Negationen:<\/li>\n<\/ul>\n<p>Welche Auswirkungen haben Negationen, wenn man sie im Sprachgebrauch benutzt? Also W\u00f6rter wie nicht, kein und so antrainierte Begriffe. In stressigen Situationen kann das menschliche Gehirn diese nicht\u00a0verarbeiten. Ein Gespr\u00e4ch zwischen Chef und Mitarbeiter\u00a0f\u00fchrt oft genug zu einem ersten Stressmoment. Was der Chef zu sagen hat, kann vom System nicht verarbeitet werden, wenn es Negationen enth\u00e4lt \u2013 die Botschaft kommt schlichtweg nicht an. Schlimmer noch: Bei Formulierungen wie \u00bbmachen Sie doch nicht dieses oder jenes\u00ab wird die Negation ausgefiltert \u2013 der Inhalt kommt also v\u00f6llig verzerrt an. Damit\u00a0das Gegen\u00fcber auf sein gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliches Ressourcenvolumen zur\u00fcckgreifen kann, braucht es positive Formulierungen.<\/p>\n<p>Das Sender-Empf\u00e4nger-Modell in der Kommunikation ist sehr einfach: Wenn man als Sender nur Mist losschickt, kann der Empf\u00e4nger nur Mist empfangen und eben auch nur damit arbeiten.Wenn der Mitarbeiter nur negative Worte h\u00f6rt, wenn die F\u00fchrungskraft viele negative Begrifflichkeiten w\u00e4hlt, ist das Ergebnis logisch: Es entsteht keine Begeisterung mehr. Das Gehirn lernt in dem Moment: \u00bbWenn ich als Mitarbeiter\u00a0mit einem Anliegen zu meinem Chef gehe, dann werde ich negative Dinge h\u00f6ren.\u00ab Und wer will sich damit befassen?<\/p>\n<p>Es beginnt eine logische Kettenreaktion, der Mitarbeiter vermeidet zum Chef zu gehen, man hat deutlich weniger Kontakt und Kommunikation, der Informationsfluss erlahmt oder versiegt sogar. Und noch ein unsch\u00f6ner Effekt tritt ein: Es findet auch weniger Lob und konstruktive Kritik statt, alles in allem kann Begeisterung nicht mehr generiert werden, am Ende macht der Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift.<\/p>\n<ul>\n<li>Vom <em>Eisbergmodell <\/em>hast du sicher schon mal geh\u00f6rt. Dieses Kommunikationsmodell verdeutlicht die zwischenmenschliche Kommunikation auf sehr anschauliche Weise. Es basiert auf der 80-20-Regel, die besagt, dass menschliches Handeln in t\u00e4glichen Situationen nur zu einem kleinen Anteil bewusst bestimmt wird. Unser bewusstes Denken und rationales Handeln ist lediglich die Spitze des Eisbergs, der Gro\u00dfteil liegt unter Wasser \u2013 wir schieben also allerlei Gef\u00fchle, Erfahrungen und Konflikte auf unterbewusster Ebene vor uns her. Dass das in die Kommunikation mit unseren Mitmenschen mit einflie\u00dft, ist naheliegend. W\u00e4hrend wir auf der Sachebene mit Daten und Fakten agieren und Dinge bewusst benennen k\u00f6nnen, ist der gr\u00f6\u00dfere Teil im Unbewussten \u2013 und hier liegende \u00c4ngste, verdr\u00e4ngte Konflikte, traumatische Erlebnisse, Triebe und Instinkte. Und diese bestimmen zahlreiche unserer Handlungsmotive. (Quelle: Wikipedia, Stichwort \u00bbEisbergmodell\u00ab.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wie handhabt man das nun als F\u00fchrungskraft? Es ist wichtig, auch mal Emotionen zu zeigen. Es geht darum,\u00a0dass die F\u00fchrungskraft von heute diese sichtbar macht, anstatt\u00a0sie zu unterdr\u00fccken. Denke dabei bitte an das WLAN- Symbol.<\/p>\n<p>Viel entscheidender ist der Umgang mit der Emotion, also das WIE.<\/p>\n<ul>\n<li>Mache dir klar, wie du dich selbst als F\u00fchrungskraft verh\u00e4ltst und was du vorlebst. Reflektiere regelm\u00e4\u00dfig, was du selbst brauchst, um begeistert zu sein, und woran du innerlich erst arbeiten solltest, bevor du in das Au\u00dfen und auf die Mitarbeiter zugehst.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Ende der 1960er-Jahre gab es eine Untersuchung von Albert Mehrabian. Der Psychologe stellte die Frage, was eigentlich im Miteinander Wirkung erzielt und was welchen Anteil daran hat. Das Ergebnis ist sehr beeindruckend: In seiner Studie kam heraus, dass die Wirkung der Stimme 5,5-fach so stark ist wie ein einzelnes gesprochenes Wort. Weiterhin hat er herausgefunden, dass die dazugeh\u00f6rige K\u00f6rpersprache um ein 1,5-Faches an Effizienz erzielt als die Stimme. Somit war klar, dass der geringste Faktor das gesprochene Wort ist. Erst in der Verbindung mit Stimme und K\u00f6rpersprache wird inhaltlich ein sehr viel h\u00f6heres Ergebnis erzielt.Werde also sensibel f\u00fcr die eigene K\u00f6rpersprache und pr\u00e4pariere dich entsprechend.\u00a0 Du kannst die \u00e4u\u00dfere Haltung bewusst einsetzen, wenn du vor anderen sprichst. Wenn der Chef wie ein Schluck Wasser vor dem Team steht, kann das nicht gutgehen. Wichtig ist, sich selbst erst einmal geradezur\u00fccken und sich einzuordnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Unserer Erfahrung nach haben F\u00fchrungskr\u00e4fte oft eine schr\u00e4ge Selbstperspektive, was ihre k\u00f6rperliche Ausdruckskraft angeht.\u00a0Viele denken, dass sie top unterwegs sind, und meinen alles\u00a0zu k\u00f6nnen \u2013 doch das, was in der Au\u00dfenwirkung tats\u00e4chlich ankommt, sieht dann v\u00f6llig anders aus.<\/p>\n<p><em>Tipp: <\/em>Nutze deine Stimme in Gespr\u00e4chen, beispielsweise laut\/leise, hoch\/tief, schnell\/langsam, baue Pausen ein, kurze\/lange S\u00e4tze, Tonalit\u00e4t usw.<\/p>\n<p><em>\u00dcbung: <\/em>Probiere diesen Satz zu sprechen: \u00bbWas willst du schon wieder.\u00ab Wie kannst du diesen Satz mit Stimme und\u00a0Betonung \u00e4ndern?<\/p>\n<ul>\n<li>Arbeite an deiner <em>k\u00f6rperlichen Fitness<\/em>. Auch das wirkt sich \u2013 vielleicht wenn auch erst auf den zweiten Blick \u2013 auf dasThema Begeisterung aus.Wenn eine F\u00fchrungskraft merkt, dass sie k\u00f6rperlich immer wieder an die eigenen Grenzen st\u00f6\u00dft, kann der Job aufDauer keinen Spa\u00df mehr machen \u2013 und das mindert die Begeisterung bei allen Beteiligten. Gerade durch Spa\u00df und Freude entsteht Begeisterung \u2013 ein Chef, der begeistert ist und Freude hat zu f\u00fchren, kann solche auch weitergeben und bei anderen entfachen. Die Aspekte sind also untrennbar miteinander verbunden. Das eine ist assoziiert und das andere dissoziiert: Wenn der Rahmen und das Umfeld schon keinen Spa\u00df machen, kann der Inhalt auch nicht mehr besser werden. Viele Besch\u00e4ftigte arbeiten nicht in dem Arbeitsbild, in dem sie arbeiten \u2013 was hat das also mit Begeisterung zu tun?<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Kennst du <em>Pacing<\/em>? Dabei geht es darum, die K\u00f6rperhaltung des anderen zu spiegeln. 70 bis 80 Prozent an Spiegelung reicht schon, um dadurch gegenseitige Sympathien zu ernten. Wenn man es \u00fcbertreibt, f\u00fchlt sich der andere nachge\u00e4fft, bei weniger als 70 bis 80 Prozent ist die Wirkung deutlich schw\u00e4cher. Hintergrund: Die Spiegelneuronen im Gehirn sind zust\u00e4ndig f\u00fcr den ersten Eindruck.Wird die 80-Prozent-Regel beim Pacing angewandt, denkt sich der Kopf: \u00bbAha, der sieht so aus wie ich, der verh\u00e4lt sich wie ich, der ist in Ordnung!\u00ab<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann braucht es keine 15 Minuten Smalltalk, um sich gut zu verstehen. Diese Methode l\u00e4sst sich also bewusst einsetzen und\u00a0verk\u00fcrzt den Prozess, um sich gut aufeinander einzustellen.<\/p>\n<p>Wir nennen das dann Harmonie.<\/p>\n<ul>\n<li>Was ist einem Mitarbeiter wichtig? Aktuelle Studien (vergleiche ManpowerGroup Deutschland 2017) zeigen, dass zu den Top-Punkten die Kommunikation, die Anerkennung und die Wertsch\u00e4tzung geh\u00f6ren \u2013 erst auf den nachgeordneten Pl\u00e4tzen folgen Elemente wie Geld, sicherer Arbeitsplatz und Urlaub.Du hast in diesem Kapitel schon viel zu diesen drei Aspekten gelesen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hier noch ein Impuls, was bereits im Begriff Wertsch\u00e4tzung so sch\u00f6n drinsteckt: der Wert und der Schatz.<\/p>\n<ul>\n<li>Entspanne deinen Mitarbeiter im Gespr\u00e4ch und nehme den Druck raus. Denn wenn das Gehirn deines Gegen\u00fcbers die ganze Zeit mit der Frage besch\u00e4ftigt ist \u00bbWie komme ich aus der Nummer wieder raus?\u00ab, bleiben das Verstehen und die Verst\u00e4ndigung auf der Strecke. Eine F\u00fchrungskraft sollte eine solche Situationen erkennen und entsprechend handeln. Daf\u00fcr hilft es oft, sich einmal in die Schuhe des Gegen\u00fcbers zu stellen, aus seiner Position die Situation zu betrachten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Tools er\u00f6ffnen dir neue Handlungsoptionen. Was davon du wann verwendest, entscheidest du selbst. Du hast die Wahl, ob du dich wie bisher verh\u00e4ltst oder eingetretene Pfade auch mal verl\u00e4sst, um etwas anderes zu versuchen. Probiere etwas aus und schaue doch mal, welche Reaktion du auf der anderen Seite hervorrufst. M\u00f6glicherweise bist du in gewissen Situationen bisher auf Mauern gesto\u00dfen und jetzt gibt es nur noch einen Bordstein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Einfluss von Wort, Stimme und K\u00f6rpersprache<\/strong><\/p>\n<p>Nimm dir ein Blatt Papier \u2013 am besten im Querformat \u2013 und schreibe deine Ziele auf. Dann ziehe drei\u00a0Spalten. Jetzt kannst du bilanzieren: Notiere auf der linken Seite, was du bereits hast und in der mittleren Spalte,\u00a0was du brauchst. Die rechte Seite kannst du nun damit\u00a0bef\u00fcllen, wie du an das Ziel gelangst \u2013 und dabei geht es um deine K\u00f6rpersprache und Stimme. Erinnere dich an die Einflussfaktoren von Wort, Stimme und K\u00f6rpersprache.<\/p>\n<p>Den Inhalt hast du schon gut abgedeckt in den ersten beiden Spalten. Nun geht es um das, was noch mehr Gewicht hat. Wenn du also beispielsweise einem anderen eine Aufgabe \u00fcbertragen m\u00f6chtest, mache dir\u00a0jetzt hier dazu Gedanken, ob du das stehend oder sitzend\u00a0machst, in einem scharfen herrischen Ton oder eher sanft \u2013 vielleicht willst du ja auch mal reimen. Zum Schluss kannst du dir auch noch \u2013 am besten mit einem farbigen Stift \u2013 anmerken, wann es ein geeigneter Zeitpunkt w\u00e4re. Willst du tats\u00e4chlich das schwierige Telefonat mit dem Kunden noch vor deinem wichtigen Teammeeting f\u00fchren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Begeisterung ist Chefsache<\/strong><\/p>\n<p>Ich (Simon) war gerade erst elf Jahre alt, als ich bei meinem\u00a0Hausarzt Dr. Karl Meder vorstellig wurde \u2013 wegen R\u00fcckenproblemen.\u00a0Der Grund daf\u00fcr war die \u00fcberm\u00e4\u00dfige Kr\u00fcmmung\u00a0meiner Wirbels\u00e4ule, die so genannte Skoliose. Mit Sport hatte ich schon mein Gl\u00fcck versucht \u2013 war meinem Bruder nachgeeifert, hatte es mit Tischtennis und Badminton versucht, sogar mit Fu\u00dfballtraining \u2013 das ging gar nicht. Dr. Karl Meder, der selbst in der ungarischen Nationalmannschaft geschwommen war, er\u00f6ffnete mir den Zugang zum Wassersport. So kam ich\u00a0zum Schwimmen \u2013 und zu meiner wahren Begeisterung. \u00bbDie\u00a0Schmerzen wirst du leicht los \u2013 bewege dich durch R\u00fcckenschwimmen. Deine F\u00fc\u00dfe funktionieren dabei wie ein Anker im Wasser, w\u00e4hrend nur die Arme ziehen. Deine Wirbels\u00e4ule\u00a0streckt sich, du wirst sehen, das wird helfen.\u00ab So lautete die\u00a0damalige Prognose des Mediziners. Inzwischen habe ich das Krankheitsbild l\u00e4ngst nicht mehr.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich musste ich als junger Kerl also etwas tun wegen meiner Krankheit, davon war ich nicht sehr begeistert. Ich traf gleich\u00a0zu Beginn auf einen Trainer, der so typisch deutsch agierte: Bei\u00a0ihm ging es ausschlie\u00dflich um Disziplin, er lie\u00df die Schwimmer \u00bbviele Meter fressen\u00ab, so sein Vokabular. Wer mit im Team war, sollte so richtig \u00bbbolzen\u00ab, also musste 100 Prozent Leistung geben.\u00a0Die Technik war ihm dabei nie so wichtig, lieber sah er uns Schwimmer hart am Limit trainieren. Ehrlich gesagt, l\u00f6ste das nicht viel Begeisterung bei mir aus. Nun hatte ich bisher einen Trainer erlebt, der ausschlie\u00dflich mit Druck agierte. Viele Menschen erleben so etwas auch in den Unternehmen und haben es mit F\u00fchrungskr\u00e4ften zu tun, die ausschlie\u00dflich unter Druck versuchen,\u00a0Leistung zu erzeugen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dann wechselte ich denVerein und bekameinen neuen Trainer \u2013 und pl\u00f6tzlich fing die Sache mit der\u00a0Begeisterung an\u2026<\/p>\n<p>Herr Walter war mein damaliger Trainer und er hat mir viele Werte vermittelt, mich auch im Tun und Denken gepr\u00e4gt. Vor\u00a0etwa einem Jahr begegnete ich ihm auf einem Wettkampf, bei\u00a0dem mein Sohn erfolgreich schwamm. Ich nenne ihn nicht Peter Walter, sondern auch als Erwachsener sage ich noch ganz\u00a0f\u00f6rmlich Herr Walter zu ihm. In unserem Gespr\u00e4ch sagte er etwas sehr Markantes: \u00bbSport hin oder her \u2013 was ich so toll finde\u00a0und mir auff\u00e4llt, ist, dass aus allen jungen Menschen, die bei mir trainiert haben, was Gescheites geworden ist. Sie sind alle\u00a0gut in ihren Familien integriert, haben Kinder und sind sozial\u00a0eingebunden, haben gute Jobs.\u00ab<\/p>\n<p>Und ich dachte so bei mir: Da ist schon was dran \u2013 und das ist mitunter ihm zu verdanken, seiner\u00a0intelligenten F\u00fchrung. Ich kann mich sehr gut an Momente erinnern, in denen ich am Beckenrand hing und in die Rinne\u00a0kotzen musste vor \u00dcberanstrengung. Herr Walter fasste mich dann sehr bestimmt an. Er schaute zu mir herunter und sagte dann nur: \u00bbNoch zehn Sekunden, Simon, mach dich fertig.\u00ab In<br \/>\ndiesem Augenblick kommt es einem vor wie Ungerechtigkeit.<br \/>\nWarumhat der Trainer mit mir kein Mitleid, warum zeigt er kein<br \/>\nPardon?<\/p>\n<p>Heute wei\u00df ich: Wenn er das gehabt h\u00e4tte, was w\u00e4re mit<br \/>\ndem Ziel passiert? Wenn der Trainer in jedem Training hergeht<br \/>\nund erst einmal sensibel auf die Tagesform jedes einzelnen<br \/>\nSportlers schaut, darauf sogar noch eingeht, R\u00fccksicht nimmt,<br \/>\nwenn es einem mal nicht so gut geht und stattdessen dann<br \/>\nerlaubt, mal locker zu machen, dann ger\u00e4t alles in Schieflage.<\/p>\n<p>Denn warum setzt man sich dann \u00fcberhaupt ein Ziel?<br \/>\nIch trainierte \u00fcbrigens sieben Mal und davon zwei Mal pro Woche<br \/>\nschon vor der Schule. Die erste Unterrichtsstunde startete um<br \/>\n7.40 Uhr, also stand ich um 5 Uhr auf, um eine Stunde sp\u00e4ter im<br \/>\nWasser zu sein. Um unsere Mutter zu sch\u00fctzen und die Arbeit<br \/>\nzu verteilen, stand an diesen Tagen mein Vater mit mir auf und<br \/>\nw\u00e4hrend ich mein M\u00fcsli l\u00f6ffelte, verbrachte er die Fr\u00fchst\u00fcckszeit<br \/>\nmit mir, bevor ich dann mit dem Fahrrad zum Hallenbad<br \/>\nradelte. Wenn ich heute in der R\u00fcckschau so dar\u00fcber nachdenke,<br \/>\ndann war da sehr oft mein Vater, der mich begleitet und ein<br \/>\ngewisses Fundament f\u00fcr die Begeisterung gelegt hatte.<\/p>\n<p>Denn in diesen sehr fr\u00fchen Morgenstunden war er einige Momente nur f\u00fcr<br \/>\nmich da, um mich bei meinem Sport zu unterst\u00fctzen \u2013 und mich<br \/>\nkonsequent ins Training zu schicken. Denn mitunter gab es Trainingseinheiten,<br \/>\nauf die ich keine Lust hatte, doch mein Vater trat<br \/>\nmir dann sprichw\u00f6rtlich in den Hintern. Zwar hielten sich meine<br \/>\nEltern stets aus dem Trainingsbetrieb heraus, doch sie schafften es<br \/>\nimmer wieder, meineMotivation aufrecht zu halten. Erst recht in<br \/>\nharten Trainingsphasen half mir mein Vater, das Ziel vor Augen<br \/>\nzu f\u00fchren,wenn er sagte: \u00bbJunge, jetzt beweg dich, ab ins Training.<br \/>\nDu willst doch schlie\u00dflich auf die S\u00fcddeutschenMeisterschaften,<br \/>\nalso tu was daf\u00fcr! Du hast dich f\u00fcr denWeg entschieden, dann geh<br \/>\nihn jetzt auch!\u00ab<\/p>\n<p>Insofern haben mich mein Vater und Herr Walter doch deutlich gepr\u00e4gt \u2013 denn bei beiden Mentoren und Wegbegleitern ging es darum, mich dabei zu unterst\u00fctzen, dass ich mich in einThema vertiefe, richtig reinknie, an was dranbleibe \u2013 eben<br \/>\nauch dann, wenn es einem nicht gerade passt. Inzwischen gebe ich selbst Schwimmtraining f\u00fcr Kinder und muss immer wieder feststellen, dass sich vieles ge\u00e4ndert und gewandelt hat. Am Sport und dem Vereinsleben konsequent<br \/>\ndranzubleiben, sich auch mal durchzubei\u00dfen \u2013 das gibt es<br \/>\nheute nur noch vereinzelt. Sicherlich wird von den Kindern und Jugendlichen in der Schule viel verlangt und methodisch auch mehr erwartet als noch in meiner Generation.<\/p>\n<p>Ich sehe ja, dass schon Drittkl\u00e4ssler Referate halten m\u00fcssen und ausgiebige<br \/>\nAufs\u00e4tze schreiben. In meiner Schulzeit war aber auch nicht alles reines Zuckerlecken, ich hatte vier Mal w\u00f6chentlich Mittagsschule auf dem Wirtschaftsgymnasium \u2013 und habe Hausaufgaben erledigt, auf Klassenarbeiten gepaukt und meinen Sport nebenbei<br \/>\nauch noch verfolgt. Alles war machbar, weil es gewollt war. Anders so bei der Mannschaft, die ich derzeit trainiere: Die Schwimmer sind zwischen zehn und 15 Jahre alt und st\u00e4ndig bekomme ich Trainingsabsagen von den Eltern, \u00bbweil das Kind<br \/>\nnoch lernen muss, die schreibt morgen eine Klassenarbeit\u00ab \u2013 so und so \u00e4hnlich lauten die Begr\u00fcndungen.<\/p>\n<p>Ich bin der Meinung, dass es die Eltern den Kindern da zu einfach machen. Die andere Sparte sind die Teilnehmer, die v\u00f6llig unter Freizeitstress stehen: Montags ist Schwimmtraining, davor haben sie noch Musikschule und Dienstag dann Gymnastik und Donnerstag wieder Schwimmen. Zus\u00e4tzlich verbringen die Jugendlichen t\u00e4glich mindestens drei Stunden vor dem Smartphone \u2013 diese Zeit fehlt irgendwo anders. Hinter den vielen Aktivit\u00e4ten der Kinder stecken oft auch die W\u00fcnsche der Eltern \u2013 was der Nachwuchs alles k\u00f6nnen soll, die eigenen entgangenen Tr\u00e4ume werden endlich gelebt \u2013 und die Kinder sind oft gnadenlos \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>Die Parallele zum Berufsleben liegt nahe: So viele Menschen werden permanent mit neuen und anderen Dingen konfrontiert, viele F\u00fchrungskr\u00e4fte lassen ihre Mitarbeiter in Situationen und Gegebenheiten erst gar nicht ankommen, stattdessen werden sie immer wieder in Neues getrieben. Die logische Konsequenz ist, dass der Kopf dicht macht oder der K\u00f6rper die Rei\u00dfleine zieht \u2013 im Worstcase passiert sogar beides. In meiner Zeit als Jugendlicher und Heranwachsender achtete mein Vater sehr genau darauf, unter welchen Umst\u00e4nden ich mein Schul- und Trainingspensum absolviere: Ich musste auch im Alter von 18 Jahren noch um 22 Uhr daheim sein. \u00bbWenn du den Sport machen willst, dann geht meinem ganzen Leben war ich zwei Mal in einem richtigen Club, einmal in Reutlingen und einmal in Stuttgart. Meine elterlichen<br \/>\n\u00bbF\u00fchrungskr\u00e4fte\u00ab achteten also darauf, dass auch die Rahmenbedingungen<br \/>\nund die Grundlagen stimmen, damit hier nichts aus dem Ruder ger\u00e4t. Wenn ich nun Trainings in Unternehmen gebe, dann sehe ich am Montagmorgen m\u00fcde Azubis bei mir im Seminarraum sitzen \u2013 und der Rest der Woche wird nicht besser.<\/p>\n<p>Schon mittwochs und donnerstags wird mit den Planungen f\u00fcr dasWochenende begonnen, dann drei Tage volle Party absolviert \u2013 wie sollen die jungen Erwachsenen dann im Berufsleben noch oder wieder geistig aufnahmef\u00e4hig sein? Auch hier sind F\u00fchrungskr\u00e4fte mehr denn je gefordert. Es ist wichtig, so etwas zu sehen und wahrzunehmen, miteinander ins Gespr\u00e4ch zu gehen, an den normalen Menschenverstand zu appellieren. Wenn ein Mitarbeiter auffallend oder \u00f6fters<br \/>\nm\u00fcde ist oder nicht aufnahmef\u00e4hig, sollte der Chef nachfragen.<\/p>\n<p>Jede F\u00fchrungskraft sollte als Mensch das erkennen \u2013 es ist ein wesentlicher Bestandteil der F\u00fchrungsrolle und hat viel damit zu tun, auf Menschen direkt zuzugehen und Situationen aktiv anzugehen, anstatt nur im stillen K\u00e4mmerlein zu sitzen.<br \/>\nAls ich (Simon) in der F\u00fchrung war, kam eine Mitarbeiterin zu mir, v\u00f6llig am Boden zerst\u00f6rt. \u00bbMeine Mutter liegt im Krankenhaus und ich wei\u00df nicht, wie ich das alles regeln soll\u00ab, das war ihre Aussage und sie hatte gro\u00dfe Bef\u00fcrchtungen, dass die Situation beruflich negative Folgen haben k\u00f6nnte. Also setzten wir uns<br \/>\nim Team zusammen, verteilten untereinander ihre Aufgaben, gaben<br \/>\nihr drei Tage frei. In dieser Zeit konnte sie alles regeln und ordnen \u2013 und als sie ins B\u00fcro zur\u00fcckkam, war sie dankbar, denn sie war sich durchaus dessen bewusst \u00fcber das Geschenk, das das Team ihr gemacht hatte.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend hat sie wieder Gas gegeben. Damals habenwir als Teamdazu beigetragen, dass diese Kollegin zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt wieder Begeisterung zeigen konnte. Dies war ein toller Moment. Begeisterung ist Wellenbewegung, keine konstante Linie. Viele haben den Anspruch, dass alle dauerhaft begeistert sein m\u00fcssen,<br \/>\ndass jede Aufgabe und jeder Job wahre Begeisterungsst\u00fcrme hervorruft, dass jede Ver\u00e4nderung auf Begeisterung trifft. Das ist die falsche Herangehensweise. Niemand kann 365 Tage im Jahr durchweg begeistert sein. Vielmehr geht es darum, die Begeisterung durch Spa\u00df an und auf etwas zu generieren \u2013 also auf Ziele<br \/>\nhin zu arbeiten und einen guten Rahmen aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>Keiner kann die ganze Zeit innerhalb einer Angelegenheit nur Begeisterung haben \u2013 auf die H\u00f6hepunkte kommt es an. Mein (Simon) Trainer hatte eine Trainingssequenz angesetzt, die zw\u00f6lf Wochen dauerte. Jeweils freitags und mittwochs am Morgen mussten wir das identische Training schwimmen. Das startete mit dem Einschwimmen, 1500 Meter Freistil mit Paddles an den H\u00e4nden. Danach mussten wir 15 mal 100 Meter<br \/>\nSchmetterling schwimmen. In dieser Zeit sollte jeder seine ihm\u00a0 zugeteilte Zeit \u00fcber 100Meter konstant schwimmen. Der Trainer hatte derweil ein Handtuch in der Hand:Wenn er den Stoff nach oben oder nach unten zeigte, dann war man entweder zu schnell oder zu langsam.<\/p>\n<p>Genau diese Vorgehensweise besch\u00e4ftigte uns Schwimmer drei Monate lang, es wurde konstant so gemacht ohne irgendeine Abwechslung. Du kannst dir sicher vorstellen:<br \/>\nAn der Stelle hatte keiner von uns auch nur ein St\u00fcck Begeisterung in sich, die h\u00e4lt sich echt in Grenzen. Wann allerdings die Begeisterung in vollen Z\u00fcgen zur\u00fcckkehrte, waren die anschlie\u00dfenden Wettk\u00e4mpfe: Zu sehen, dass sich die eigenen Zeiten und<br \/>\nPlatzierung sukzessive verbesserten, l\u00e4sst die vorausgegangenen Anstrengungen schnell vergessen machen. Da macht sich die Begeisterung mitunter so breit, dass jeder Sportler genau wei\u00df, warum es sich lohnt, dranzubleiben \u2013 eben auch dann, wenn es mal keinen Spa\u00df macht. Wir nennen das dann verz\u00f6gerte oder verzerrte BeGEISTerung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten. Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Alle inhaltlichen Rechte des Management Blogs von Claudia T\u00f6dtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bed\u00fcrfen der ausdr\u00fccklichen Genehmigung.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug\u00a0Steffen Stoll und Simon Stoll: &#8222;Erfolgskurs. 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