{"id":676800,"date":"2021-06-22T17:04:19","date_gmt":"2021-06-22T15:04:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=676800"},"modified":"2021-06-30T19:41:06","modified_gmt":"2021-06-30T17:41:06","slug":"ein-teller-putensalat-mit-hogan-lovells-anwalt-kim-lars-mehrbrey-der-es-liebt-wenn-er-cyberkriminellen-ihre-beute-wieder-abjagen-kann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/06\/22\/ein-teller-putensalat-mit-hogan-lovells-anwalt-kim-lars-mehrbrey-der-es-liebt-wenn-er-cyberkriminellen-ihre-beute-wieder-abjagen-kann\/","title":{"rendered":"Ein Teller Putensalat mit Hogan-Lovells-Anwalt Kim Lars Mehrbrey, der es liebt, wenn er Cyberkriminellen ihre Beute wieder abjagen kann"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_676803\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-676803\" class=\"size-full wp-image-676803\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/mehrbrey.3.2021-e1624234933557.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"364\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/mehrbrey.3.2021-e1624234933557.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/mehrbrey.3.2021-e1624234933557-300x168.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/mehrbrey.3.2021-e1624234933557-500x280.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-676803\" class=\"wp-caption-text\">Kim Lars Mehrbrey (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Amerikaner denken, sie h\u00e4tten einen Arzt vor sich, wenn sie mit deutschen Anw\u00e4lten mit ihren Doktor-Titeln zu tun haben, erz\u00e4hlt Kim Lars Mehbrey von der Kanzlei Hogan Lovells. Denn das sei in USA un\u00fcblich, nur Mediziner f\u00fchren dort ihren Doktortitel, die anderen lassen es einfach bleiben. Amerikaner f\u00e4nden es affig, wenn sich Anw\u00e4lte hierzulande mit ihrem Doktor-Titel schm\u00fccken. Oder einfach nur provinziell. Also nimmt der waschechte D\u00fcsseldorfer Mehrbrey seinen Titel \u00f6fter lieber gleich aus seiner E-Mail-Signatur heraus. Und beim Unterschreiben l\u00e4sst er ihn auch weg, erz\u00e4hlt er im &#8222;Ash&#8220; im D\u00fcsseldorfer Norden, in Golzheim kurz vor der Theodor-Heuss-Br\u00fccke. Hier kann man schon wieder auf der Terasse lunchen, viele andere Lokale mit Au\u00dfenterassen haben derzeit mittags noch weiterhin geschlossen. Bestellt hat Mehrbrey einen Salatteller mit Wildkr\u00e4utern und Pute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf das Thema Doktor-Titel kommen wir, als wir vom allerersten Beitrag dieser Serie, dem Startschuss, sprechen. Denn der <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/12\/02\/auf-einen-teller-nudeln-mitheadhunter-heiner-thorborg-1\/\">erste Beitrag in dieser Reihe &#8222;Ein Teller mit&#8230;&#8220;<\/a> enstand damals vor elf Jahren und zwar genau wegen dieses Themas. Zuf\u00e4llig. Aus dem Moment heraus, weil das Getue um die Doktortitel hierzulande ein rotes Tuch ist f\u00fcr Heiner Thorborg, den Dax-Vorst\u00e4nde-Headhunter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was Mehrbrey umtreibt &#8211; ausser seinen allt\u00e4glichen Prozessen vor den Gerichten um Gesellschaftsrecht, Beraterhaftung oder Kartellschadenersatz &#8211; sind spannende Cyberf\u00e4lle. Die relativ unsicheren Homeoffices sind von Cyberkriminellen besonders bedroht, erz\u00e4hlt er. Und dass sie diese Schnittstelle immer \u00f6fter gezielt angreifen. Er erkl\u00e4rt den neuen Dreh, wie die T\u00e4ter aus Osteuropa oder sonstwoher sechsstellige Betr\u00e4ge ergaunern. Meistens sind sie schon eine Weile im Netzwerk des Unternehmens drin und schauen sich in Ruhe um, erz\u00e4hlt der Anwalt. Kommt dann irgendwann eine hohe Rechnung per Mail ins Netz der Firma &#8211; fast immer unterhalb einer Million Euro -, werden sie aktiv, legen sie los. Denn ab der Grenze von einer Million Euro sind die internen, vorgeschriebenen Kontrollma\u00dfnahmen regelm\u00e4\u00dfig h\u00f6her, wei\u00df Mehrbrey.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und die T\u00e4ter wissen das auch. Sie fangen diese Rechnung ans Unternehmen ab, bilden sie nach und schicken sie dann der Firma von einer anderen Absende-Mailadresse aus. Und die ist dann die des Absenders t\u00e4uschend \u00e4hnlich. Dann hat die Fake-Absenderadresse statt einem &#8222;n&#8220; ein &#8222;m&#8220; oder statt einem Punkt einen Unterstrich. Das gen\u00fcgt schon. So schnell bemerken die Adessaten im Unternehmen die kleine Ungenauigkeit nicht. Und wenn die Buchhaltung noch immer den Antwort-Button im PC benutzen darf, landen die R\u00fcckfragen direkt bei den T\u00e4tern und nicht beim Rechnungssteller, dem wahren Absender.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anlass f\u00fcr R\u00fcckfragen der Buchhaltung w\u00e4re die neue, ge\u00e4nderte Bankverbindung, auf die die neue, gefakte Rechnung ausdr\u00fccklich hinweist. Ansonsten ist die Rechnung genauso wie das Original. Oft genug sch\u00f6pfen die Buchhalter keinen Verdacht und \u00fcberweisen, die hohe Summe, wei\u00df Mehrbrey. Danach geht alles ganz schnell. Die n\u00e4chste Station der Summe ist noch im EU-Raum, doch von da aus wird sie noch in derselben Stunde weiter geschickt, zum Beispiel nach Asien. Empf\u00e4nger sind dann Handelsunternehmen, die es zwar schon l\u00e4nger gibt, aber wo gar kein real existierendes, arbeitendes Unternehmen hinter stehe, so der D\u00fcsseldorfer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gab schon F\u00e4lle, da gelang es ihm, das Geld noch innerhalb Europas Grenzen zur\u00fcck zu holen, erz\u00e4hlt der Blackberry-Fan stolz. Selbst in Hongkong schaffte er das schon. Denn &#8211; da hatte das geprellte Unternehmen Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck &#8211; hatte seine Kanzlei, Hogans Lovells, dort vor Ort ein B\u00fcro. Die Kollegen in Hongkong konnten die heimischen Richter \u00fcberzeugen, dass die Summe eingefroren werden m\u00fcsse &#8211; und nicht weitergeleitet werden d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ob die Buchhalter den Trick nicht oft bemerken? Doch, 90 Prozent sogar, meint Mehrbrey, Aber dann klappt\u00b4s eben doch bei dem zehnten. Oft \u00fcbernehmen die Kriminellen die gesamte Konrrespondez und f\u00e4lschen nur den Anhang. Und ob denn nicht viele nachfragen? Doch, auch das, sagt Mehrbrey. 75 Prozent sch\u00e4tzt er, tun das. Aber dann kommt ja eben auch die Best\u00e4tigung von den T\u00e4tern, dass es mit dem Kontowechsel seine Richtigkeit habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kommt fr\u00fch genug heraus, dass die Panne geschehen ist, sind zwei Faktoren entscheidend. Erstens: &#8222;Handelt ein betrogenes Unternehmen schnell und schaltet Polizei und Anw\u00e4lte ein, hat es eine Chance, das Geld, sofern es bei einer Bank deponiert ist, vom Gericht einfrieren zu lassen und zur\u00fcckzubekommen&#8220;, das sagte Mehrbrey schon vor vier Jahren in der <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/karriere\/2017-01\/betrug-chef-fraud-enkeltrick-mittelstand-bankueberweisung\/komplettansicht\">&#8222;WirtschaftsWoche&#8220;<\/a>. Und zweitens: Vorausgesetzt, es gel\u00e4nge, den Richter vor Ort zu \u00fcberzeugen, die Konten der T\u00e4ter vorl\u00e4ufig zu sperren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, die dieses Thema verschlafen, sind ihren Job schnell los beziehungsweise m\u00fcssen dem Unternehmen haften. Mit Gl\u00fcck haben sie Cyberpolicen oder die D&amp;O-Versicherung zahlt. Kommt es zu so einem Cyberbetrug, sollten ihre Mitarbeiter schlau genug sein, den Fehler nicht vertuschen zu wollen, sondern ihn sofort nach oben zu melden. Denn sofort nach der Tat vergehen die wichtigsten Minuten. Je l\u00e4nger sie vorbei ist, umso weniger l\u00e4sst sich retten. Wenn das Geld schon drei Banken weiter ist.<\/p>\n<p>Und: Das Landesarbeitsgericht Sachsen verurteilte auch schon mal eine Finanzdirektorin &#8211; sie war unterhalb der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrungsebene angesiedelt &#8211; zum Schadenersatz, und zwar sechsstellig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_676804\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-676804\" class=\"size-full wp-image-676804\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/mehrbreysalatwildkraeuterpute.ash_.2021.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/mehrbreysalatwildkraeuterpute.ash_.2021.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/mehrbreysalatwildkraeuterpute.ash_.2021-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/mehrbreysalatwildkraeuterpute.ash_.2021-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-676804\" class=\"wp-caption-text\">Salat mit Wildkr\u00e4utern und Pute im &#8222;Ash&#8220; in D\u00fcsseldorf (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Links:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Zum &#8222;Teller Nudeln mit Heiner Thorborg&#8220;:\u00a0 <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/12\/02\/auf-einen-teller-nudeln-mitheadhunter-heiner-thorborg-1\/\">https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2010\/12\/02\/auf-einen-teller-nudeln-mitheadhunter-heiner-thorborg-1\/<\/a><\/p>\n<p>Zum &#8222;WirtschaftsWoche&#8220;-St\u00fcck \u00fcber einen Chef-Fraud, der ein Unternehmen in f\u00fcnf Tagen fast ausgetrickst h\u00e4tte: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/karriere\/2017-01\/betrug-chef-fraud-enkeltrick-mittelstand-bankueberweisung\/komplettansicht\">https:\/\/www.zeit.de\/karriere\/2017-01\/betrug-chef-fraud-enkeltrick-mittelstand-ein bankueberweisung\/komplettansicht<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten. Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nutzungen und \u00dcbernahmen nur nach meiner vorherigen Zustimmung.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &nbsp; Die Amerikaner denken, sie h\u00e4tten einen Arzt vor sich, wenn sie mit deutschen Anw\u00e4lten mit ihren Doktor-Titeln zu tun haben, erz\u00e4hlt Kim Lars Mehbrey von der Kanzlei Hogan Lovells. 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