{"id":676742,"date":"2021-06-14T17:00:27","date_gmt":"2021-06-14T15:00:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=676742"},"modified":"2022-04-13T01:41:48","modified_gmt":"2022-04-12T23:41:48","slug":"buchauszug-joachim-pawlik-zirkeltraining-fuer-die-karriere-vorbereitet-auf-jede-chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/06\/14\/buchauszug-joachim-pawlik-zirkeltraining-fuer-die-karriere-vorbereitet-auf-jede-chance\/","title":{"rendered":"Buchauszug Joachim Pawlik: \u201eZirkeltraining f\u00fcr die Karriere. Vorbereitet auf jede Chance.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p class=\"x_MsoNormal\"><strong>Buchauszug Joachim Pawlik: \u201eZirkeltraining f\u00fcr die Karriere. Vorbereitet auf jede Chance.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_676762\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-676762\" class=\"size-full wp-image-676762\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/Pawlik_JoachimCredit-Thies-Raetzke_klein.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/Pawlik_JoachimCredit-Thies-Raetzke_klein.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/Pawlik_JoachimCredit-Thies-Raetzke_klein-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/Pawlik_JoachimCredit-Thies-Raetzke_klein-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-676762\" class=\"wp-caption-text\">Joachim Pawlik (Foto: PR\/ Thies R\u00e4tzke)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Balance: Langsam denken, um schnell zu sein<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Gelegentlich, wenn ich mit dem Auto ins B\u00fcro fahre, erinnere ich mich anschlie\u00dfend an praktisch nichts von der Fahrt. Kennen Sie das? Sie sind auf einmal an Ort und Stelle, ohne etwas von der zur\u00fcckgelegten Strecke registriert zu haben. Mein Weg f\u00fchrt mich mitten durch Hamburg, \u00fcber stark befahrene Stra\u00dfen bis nach St. Pauli \u2013 da ist einiges los. Und doch bleibt nichts von der Fahrt h\u00e4ngen. Ich erledige sie in einer Art Autopilotmodus. Darin funktioniere ich zwar aufmerksam, ich beobachte den Verkehr und treffe Entscheidungen. Mein Gehirn verarbeitet daf\u00fcr unendlich viele Reize extrem schnell. Aber erstaunlicherweise strengt es nicht an. Meine Gedanken k\u00f6nnen weit abschweifen. Ich denke \u00fcber anstehende Termine nach oder \u00fcberlege ganz banal, was ich noch ein &#8211; kaufen muss. Trotzdem komme ich sicher an mein Ziel. Es ist bewundernswert, was unser Gehirn in diesem automatischen Modus leistet. Und das ist nur eine Variante seines K\u00f6nnens. Es kennt noch einen weiteren Modus, der funktioniert deutlich bewusster.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Warum ein Verhaltenspsychologe den Nobelpreis f\u00fcr Wirtschaft gewinnt<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Einer, der mit seinen Forschungen auf dem Gebiet der kognitiven F\u00e4higkeiten Bahnbrechendes geleistet hat, ist der mittlerweile emeritierte Professor Daniel Kahneman. Kahneman ist Verhaltenspsychologe, wurde aber mit dem Nobelpreis f\u00fcr Wirtschaft ausgezeichnet. Seine Erkenntnisse haben wesentlich dazu beigetragen, die Entscheidungen und die Leistungsf\u00e4higkeit von Menschen zu verstehen und daraus Verbesserungsm\u00f6glichkeiten abzuleiten.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Der israelisch-amerikanische Wissenschaftler untersuchte die Potenziale des menschlichen Gehirns, indem er der Frage nachging, wie wir wahrnehmen, denken und entscheiden oder, einfach ausgedr\u00fcckt, wie das rund 1,5 Kilogramm schwere Organ in unseren K\u00f6pfen funktioniert. Die Antworten, die er gefunden hat, sind faszinierend und extrem n\u00fctzlich.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Sie k\u00f6nnen uns dabei helfen, unsere kognitiven Kapazit\u00e4ten st\u00e4rker auszureizen und Fallen, in die wir ohne dieses Wissen wahrscheinlich tappen, gezielt zu umgehen. Das Gehirn ist extrem leistungsf\u00e4hig, wenn wir es richtig nutzen. Aber es hat auch seine Macken, die wir kennen und vor denen wir uns in Acht nehmen sollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Schnelles Denken, langsames Denken \u2013 Sie brauchen beides<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Kahneman unterscheidet im Wesentlichen zwei sich erg\u00e4nzende Denksysteme. System 1 steht f\u00fcr das schnelle Denken, also f\u00fcr das intuitive Erfassen von bekannten Signalen und das automatische Abarbeiten von vertrauten Situationen \u2013 wie meine immer gleiche Autofahrt ins B\u00fcro. System 2 geht ganz anders vor.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Es umfasst das langsame, gr\u00fcndliche und analytische Denken, mit dem wir den anspruchsvolleren Aufgaben begegnen. Sehen wir uns die beiden genauer an: System 1 begleitet uns durch den Tag, es schaltet nie ab, ist immer \u00bbon\u00ab. Es hilft uns, Routinearbeiten und allt\u00e4gliche Aufgaben zu bew\u00e4ltigen, also Dinge, die uns st\u00e4ndig begegnen und die wir immer \u00e4hnlich l\u00f6sen. Sprich: Es sorgt daf\u00fcr, dass wir, ohne gro\u00df nachzudenken, durchs Leben kommen.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">F\u00fcr alle Sachverhalte, die nicht einfach einzuordnen sind, die wir tiefer analysieren und verstehen wollen oder f\u00fcr die wir nach neuen L\u00f6sungen suchen, ist es aber nicht zu gebrauchen. Daf\u00fcr haben wir, so Kahneman, System 2. Dies arbeitet gr\u00fcndlich, aber langsam. Es braucht seine Zeit und fordert viel mehr Energie als sein schneller Mitspieler. Vor allem aber, und das ist wohl die wesentliche Erkenntnis, m\u00fcssen wir System 2 ganz bewusst einschalten, wenn wir unsere kognitiven Leistungen steigern wollen. Es hat keinen automatischen Anlasser wie unser Routineprogramm 1, das im Hintergrund permanent mitl\u00e4uft, auf den leichtesten Reiz anspringt und im Nu auf Touren kommt. Im Gegenteil. Die tieferen Denkprozesse zu aktivieren ist anstrengend und wird daher, wenn m\u00f6glich, vermieden.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Eine kleine Rechenaufgabe verdeutlicht den Unterschied zwischen den Systemen. Wenn ich Sie fragen w\u00fcrde, wie viel drei mal drei ergibt, w\u00fcrden Sie mir, ohne zu z\u00f6gern, die richtige Antwort geben: neun. Das k\u00f6nnen Sie intuitiv, da m\u00fcssen Sie nicht gro\u00df rechnen. Ihr Gehirn wei\u00df das. Aber wie viel ergibt 38 mal 17? Das k\u00f6nnen die wenigsten von uns aus dem Stand beantworten. Ich jedenfalls nicht. Um hier die richtige L\u00f6sung zu finden, muss sich unser Hirn schon etwas bem\u00fchen. Sp\u00fcren Sie, wie es arbeitet, wenn Sie im Kopf rechnen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-676743\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/cover.pawlik.jpg\" alt=\"\" width=\"559\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/cover.pawlik.jpg 559w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/cover.pawlik-258x300.jpg 258w\" sizes=\"auto, (max-width: 559px) 100vw, 559px\" \/><\/p>\n<h2>Joachim Pawlik &#8222;Zirkeltraining f\u00fcr die Karriere. Vorbereitet auf jede Chance.&#8220; &#8211; Murmann Verlag, 22 Euro, 200 Seiten <a href=\"https:\/\/shop.murmann-verlag.de\/de\/item\/pawlik-zirkeltraining-fuer-die-karriere\">https:\/\/shop.murmann-verlag.de\/de\/item\/pawlik-zirkeltraining-fuer-die-karriere<\/a><\/h2>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Das perfekte Paar<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">An System 1 kommen wir nicht vorbei. Unm\u00f6glich. Der Mensch hat weder die Zeit, alles tief zu durchdenken, noch hat er die Kraft dazu. Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist nun mal begrenzt. Wenn Sie sich lange konzentriert haben, m\u00fcssen Sie abschalten und sich im Routinemodus zum Beispiel einen Kaffee kochen oder Ihren Hund spazieren f\u00fchren, falls Sie einen haben. Dann kann die Hochleistungsabteilung Ihres Gehirns ruhen. System 1 ist aber keineswegs minderwertig, nur weil es beim Kopfrechnen vielleicht nicht \u00fcber zw\u00f6lf mal zw\u00f6lf hinauskommt. Es ist \u00fcberlebenswichtig, sozusagen das Basisprogramm, ohne das wir nicht auskommen. Es sortiert immerzu vor, was vermehrte Aufmerksamkeit erfordert oder nicht. Wir brauchen die F\u00e4higkeit, schnell vieles um uns herum wahrzunehmen, um bei Bedarf darauf zu reagieren. Das beherrscht nur System 1. Es kann Multitasking, worin das gr\u00fcndliche Denken versagt. Sie k\u00f6nnen nicht eine komplizierte Rechenaufgabe l\u00f6sen und gleichzeitig einen Brief formulieren. Wenn wir uns stark auf eine Sache konzentrieren, sind wir f\u00fcr nichts anderes mehr aufnahmef\u00e4hig.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Dieses Ph\u00e4nomen nennt sich \u00bbUnaufmerksamkeitsblindheit \u00ab. Es gibt erstaunliche Experimente dazu. Extrem beliebt ist eines, das Sie unter anderem auf YouTube unter \u00bbDer unsichtbare Gorilla\u00ab finden und selbst einmal ausprobieren k\u00f6nnen. Probanden werden aufgefordert, die Anzahl der Ballwechsel in einem Basketballteam zu z\u00e4hlen. Das ist nicht so einfach, wie es klingt, weil sich bei dieser \u00dcbung zwei Teams auf dem Feld durcheinanderbewegen und zwei B\u00e4lle im Umlauf sind. Es geht nur um die P\u00e4sse zwischen den Spielern in wei\u00dfen Shirts. Wer gut aufpasst, kommt auf das richtige Ergebnis. Allerdings entgeht den meisten Teilnehmern etwas absolut Ungew\u00f6hnliches. Zwischendurch ist eine Person im Gorillakost\u00fcm \u00fcber das Spielfeld gelaufen. Sobald Sie darauf achten, ist der Affe nicht mehr zu \u00fcbersehen. Aber die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Teilnehmer (92 Prozent) fokussiert so stark auf die Aufgabe, die Ballwechsel des wei\u00dfen Teams zu z\u00e4hlen, dass sie weitgehend ausblendet, was sich sonst auf dem Spielfeld tut.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Den Anforderungen des Alltags ist System 2 daher kaum gewachsen. Sie kennen das Klischee des zerstreuten Professors. Albert Einstein kokettierte damit. Er stellte die Relativit\u00e4tstheorie auf, aber hatte Probleme, an seinen Schl\u00fcssel zu denken. Unter anderem soll er als Student in Z\u00fcrich seine Vermieterin des \u00d6fteren mitten in der Nacht aus dem Bett gerufen haben: \u00bbHier ist Einstein, ich habe wieder meine Schl\u00fcssel vergessen.\u00ab<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Im Idealfall erg\u00e4nzen sich langsames und schnelles Denken perfekt. Das Routinesystem lotst uns zuverl\u00e4ssig durch den Alltag, und im Bedarfsfall schl\u00e4gt die kognitive Spezialeinheit zu. Aber Sie haben schon gesehen, dass das Paar nicht immer gut zusammen funktioniert. Das hat \u2013 wie im echten Leben \u2013 etwas mit Kompetenz\u00fcberschreitung und Faulheit zu tun.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>Risiken in der Zusammenarbeit<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Die meisten von uns kennen einen strapazi\u00f6sen Arbeitstag. Der Schreibtisch ist nie leer, und wir m\u00fcssen viel mit hohem Tempo erledigen. System 1 ist, wie wir wissen, daf\u00fcr wie geschaffen, weil es ohne gro\u00dfen Kraft &#8211; aufwand ununterbrochen aktiv ist \u2013 doch gerade darin liegt auch ein Risiko, das wir kennen und beherrschen sollten.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Je mehr Arbeit wir wegschaffen, desto bereitwilliger verlassen wir uns auf eine oberfl\u00e4chliche Routinearbeit. Wir laufen Gefahr, in Stereotypen zudenken und Dinge nur noch abzuarbeiten, ohne uns weiter reichende Fragen zu stellen. Das flei\u00dfige intuitive System 1 verdr\u00e4ngt das analytische System 2, das zum Phlegma neigt und dem schnellen Denken gerne das Spielfeld \u00fcberl\u00e4sst. Wir f\u00fchlen uns in der Regel gut damit, uns nicht allzu sehr anzustrengen. Weniger M\u00fche zu haben hebt die Laune. Klasse, was wir in k\u00fcrzester Zeit alles schaffen! System 1 arbeitet also mit beschwingter Leichtigkeit und ruft System 2 nur noch zur Hilfe, wenn es keine intuitive Antwort mehr findet. So wie bei der Multiplikation von 38 mit 17. Da erkennt es sofort, dass es hierf\u00fcr nicht gemacht ist.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Das Problem ist nur, dass es sich seine Grenzen nicht immer so leicht eingesteht. Es stellt sich zwar allen Fragen, aber beantwortet sie nicht unbedingt richtig und l\u00e4sst sich nicht gerne korrigieren. Es kann sogar richtig starrsinnig sein, wenn es etwas einmal f\u00fcr richtig erachtet hat.Deshalb wehren wir uns dagegen. Es ist also nicht leicht, System 2 nachtr\u00e4glich einzuschalten und einen Beschluss zu revidieren. Vor allem die Leichtigkeit des schnellen Denkens kann zur Falle werden. Wir m\u00fcssen nachjustieren, um Fehler zu reduzieren und unser kognitives Potenzial optimal auszusch\u00f6pfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Aus meiner Sicht sind es drei Fallstricke, \u00fcber die wir dabei besonders h\u00e4ufig stolpern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>1. Vorsicht vor scheinbar leichten Fragen<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Ich m\u00f6chte Ihnen gerne eine simple Rechenaufgabe stellen: Ein Baseballschl\u00e4ger und ein Baseball kosten zusammen 1,10 Dollar. Der Schl\u00e4ger kostet dabei einen Dollar mehr als der Ball. Wie teuer sind Ball und Schl\u00e4ger? Die meisten Menschen kommen intuitiv und schnell auf die L\u00f6sung: Der Schl\u00e4ger kostet einen Dollar und der Ball zehn Cent. Diese Antwort ist aber leider falsch, denn in diesem Fall stimmt zwar die Endsumme, der Schl\u00e4ger w\u00e4re aber nur 90 Cent teurer als der Ball. Die richtige Antwort lautet: Der Schl\u00e4ger kostet 1,05 Dollar, der Ball f\u00fcnf Cent. Nur so geht die Rechnung auf. Um das rauszufinden, m\u00fcssen wir noch nicht einmal schwer nachdenken. Nur einen kleinen Moment l\u00e4nger. Dennoch gaben mehr als die H\u00e4lfte aller Studenten von den Eliteuniversit\u00e4ten Harvard, MIT und Princeton, denen die Aufgabe gestellt wurde, die falsche Antwort. An durchschnittlichen Hochschulen waren es sogar 80 Prozent. Sollten Sie gerade ebenfalls danebengelegen haben, befinden Sie sich also in guter Gesellschaft.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Das Beispiel belegt, wie bereitwillig wir uns auf unsere Intuition verlassen und damit vermeidbare Fehler begehen. Auch wenn kein Grund zur Eile besteht, greifen wir oft vorschnell zu der naheliegendsten Antwort. Viele unserer Kunden holen uns genau deshalb ins Unternehmen. Sie wissen, dass sie manche Entscheidungen reflexartig treffen, weil sie L\u00f6sungen aus der Vergangenheit parat haben. Sie haben zwar ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, dass ge\u00e4nderte Rahmenbedingungen zu einer Neubewertung der einen oder anderen Lage f\u00fchren m\u00fcssten, doch der Alltag macht sie in manchen Punkten betriebsblind. Unsere Kernaufgabe als Berater liegt dann darin, die Routinen aufzubrechen. Wir haben den Vorteil, dass wir nicht in den Erfahrungen ihrer Firma gefangen sind. Damit k\u00f6nnen wir die richtigen Fragen stellen, neue Dimensionen in bestimmten Problemstellungen erkennen und auf Aspekte hinweisen, die in der Hetze des Alltags untergehen.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Ich m\u00f6chte Ihnen ebenfalls empfehlen, die naheliegenden L\u00f6sungen zu hinterfragen, vielleicht mithilfe eines Au\u00dfenstehenden. Nehmen Sie sich auch bei scheinbar einfachen Fragen, wenn sie relevant sind, einen Augenblick mehr Zeit und misstrauen Sie der schnellen Antwort. Selbst dann, wenn Sie in der Vergangenheit gut damit gefahren sind, lohnt eine gewisse Skepsis gegen\u00fcber der naheliegenden L\u00f6sung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>2. Gef\u00fchle sind kein guter Risikoberater<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Mit steigender Verantwortung f\u00e4llen wir immer mehr Entscheidungen mit unsicherem Ausgang. Gehen wir das Risiko ein? Investieren wir? Oder lieber nicht? Interessanterweise schaltet der Mensch besonders in der Risikobewertung sein intuitives System 1 mit ein \u2013 und weicht damit von der rationalen Entscheidung ab. Daf\u00fcr gibt es viele Beispiele. Bieten Sie Menschen die Chance, f\u00fcr zehn Euro Einsatz 30 Euro herauszubekommen.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Ein M\u00fcnzwurf soll entscheiden, ob sie 20 Euro gewinnen oder zehn Euro verlieren. Die Chancen liegen also bei 50 zu 50. Ein ziemlich gutes Angebot. Dennoch macht die Mehrheit der Befragten nicht mit. Der Grund liegt in einer \u00fcberh\u00f6hten Abneigung vieler Menschen gegen\u00fcber Verlusten. Etwas zu verlieren, tut ihnen unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig st\u00e4rker weh als eine entgangene Chance. Rational ist das nicht \u2013 jedenfalls solange man den Schaden in H\u00f6he von zehn Euro verschmerzen k\u00f6nnte. Aber es ist die Antwort, die die meisten aus dem Bauch heraus f\u00e4llen.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Das zu wissen kann n\u00fctzlich sein. Nicht nur f\u00fcr die Entscheidungsfindung. Auch wenn Sie Verluste erleiden. Sehen Sie sich genau an, was Sie im Gegenzug gewonnen haben. Oft sieht die Situation dann schon wieder freundlicher aus. Es kann sich also sogar emotional lohnen, die Lage mit dem etwas anstrengenderen analytischen Denksystem rational zu bewerten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><b>3. Raus aus der Vorurteilsfalle<\/b><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Wenn Sie ein Urteil \u00fcber einen Sachverhalt oder einen Menschen gef\u00e4llt haben, werden Sie daran mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit festhalten. Wie das obige Beispiel mit der L\u00e4nge der zwei Pfeile gezeigt hat, legen wir uns auf schnelle Entscheidungen gerne fest. Alles, was danach geschieht, bewerten wir so, dass es zu unserem Vorurteil passt. Man spricht auch vom Halo- Effekt (engl. \u00bbhalo\u00ab f\u00fcr Heiligenschein, Mondring, Lichthof). In der Sozialpsychologie beschreibt er den R\u00fcckschluss von bekannten oder angenommenen Eigenschaften eines Menschen auf weitere unbekannte Facetten.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Wenn Sie einen Kollegen unsympathisch finden, werden alle seine Handlungen und Entscheidungen f\u00fcr Sie in einem unangenehmen Licht erscheinen. Sie k\u00f6nnten die Vorurteile zwar analytisch revidieren. Aber leicht ist es nicht. Das eher faule System 2 \u00fcberl\u00e4sst dem hyperaktiven System 1 auch hier das Feld. Sie m\u00fcssen sich also schon wieder anstrengen. Tun Sie es! Wir k\u00f6nnen einen anderen Menschen nicht fair bewerten und dessen Potenziale erkennen, wenn wir ihm nicht offen und vorurteilsfrei begegnen. Au\u00dferdem wird der andere sp\u00fcren, dass er gegen unsere Vorurteile nicht ankommt, und kann sich gar nicht entfalten.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Wenn ich bei der Besetzung von F\u00fchrungspositionen mein rationales Denken vernachl\u00e4ssige, laufe ich Gefahr, den Falschen auszuw\u00e4hlen. Das kann ich mir nicht leisten. Ich umgehe die Falle, indem ich nach einem klaren Bewertungssystem vorgehe. Zu Vorstellungsgespr\u00e4chen im eigenen Unternehmen hole ich mir, wenn m\u00f6glich, eine zweite Person dazu. Jemand, der nicht direkt betroffen ist und von au\u00dfen auf das Gespr\u00e4ch blickt, beurteilt es sachlicher.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Damit setzen wir der Intuition, die sich so gerne vordr\u00e4ngt, eine analytische Komponente entgegen. Wer seine Chancen nutzen will, muss auf die Bremse treten Niemand, der Erfolg haben will, kann es sich leisten, sein langsames analytisches Denken zu vernachl\u00e4ssigen.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Die Digitalisierung krempelt mit Macht unser aller Leben um, und die \u00f6konomischen und politischen Rahmenbedingungen werden immer volatiler. Wir m\u00fcssen daher schnell denken, das ist wahr, aber eben auch langsam. Zu glauben, dass wir die Dinge besser bew\u00e4ltigen, wenn wir nur an Tempo zulegen, ist eine der gro\u00dfen Gefahren dieser Zeit.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Oft merken wir das jedoch erst, wenn der Schaden da ist. Das gilt selbst f\u00fcr relevante Themen, wenn wir sensibilisiert sein sollten. Eine empirische Untersuchung \u00fcber Begnadigungen von Straft\u00e4tern f\u00f6rderte zutage, dass die zust\u00e4ndigen Richter Antr\u00e4ge, die kurz vor der Mittagspause auf ihrem Tisch landeten, deutlich h\u00e4ufiger ablehnten als morgens oder nach ihrem Lunch. Ob jemand auf freien Fu\u00df kam oder in Haft blieb, hing zu einem guten Teil davon ab, in welcher Reihenfolge der Gerichtsbote die Akte, auf dem Schreibtisch des Richters ablud. Kurz vor Mittag war das f\u00fcr den Str\u00e4fling ung\u00fcnstig. Die Richter bekamen einfach Hunger und waren m\u00fcde. Sie wissen selbst, wie ungern man sich dann noch mit schwierigen Entscheidungen befasst. System 1 schaltete sich ein und verschob den Bewertungsma\u00dfstab zum Nachteil der Verurteilten. Manager, deren Unternehmen in Schieflage geraten ist, sind oft in die gleiche Falle gelaufen. Sie arbeiteten viel zu lange viel zu schnell. Wenn wir uns mit ihnen zusammensetzen und nach den Ursachen der Krise forschen, werden wir bald f\u00fcndig.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Sie selbst erkennen ihre Fehler pl\u00f6tzlich glasklar und k\u00f6nnen es sehr h\u00e4ufig kaum fassen, wie es dazu kommen konnte: \u00bbWarum haben wir nicht vorher dar\u00fcber nachgedacht? \u00ab Die Antwort liegt auch hier im Tempo. In der Geschwindigkeit verliert sich die Analytik. Unser Gehirn hat daf\u00fcr kein eingebautes Warnsignal. Wir k\u00f6nnen uns nur angew\u00f6hnen, das schnelle Denken zuverl\u00e4ssiger zu kontrollieren. Wenn Sie sich im kompletten Flow befinden, einen Haken nach dem anderen an Ihre Aufgaben machen, sollten Sie irgendwann misstrauisch werden. Eine Zeit lang darf man so etwas genie\u00dfen, aber dann sollte man \u00fcberpr\u00fcfen, ob der Weg noch stimmt, bevor man in eine Sackgasse rennt.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Es tut uns allen gut, wenn wir regelm\u00e4\u00dfig und geplant vom Gas gehen und uns Zeit zum Nachdenken g\u00f6nnen. Auf einmal sehen wir Dinge, die uns eben noch entgangen sind, und k\u00f6nnen sie reflektieren. Denn als wir auf die Bremse getreten sind, haben wir unser analytisches Denken eigeschaltet und uns die Chance gegeben, Probleme zu begreifen, und zwar bevor wir sie l\u00f6sen.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Ich wei\u00df, dass es nicht immer leicht ist, vom Gas zu gehen. Je mehr man unter Dampf steht, je schneller man sich im Hamsterrad abstrampelt, desto schwieriger wird es. Es macht keinen Spa\u00df, langsamer zu werden und dabei auch noch den Energieaufwand zu betreiben, analytisch zu denken. Doch wenn wir es lassen, steigt das Risiko, immer mehr vom Falschen zu tun.<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Routinen zu durchbrechen kann eine echte Herausforderung sein. Eine ungew\u00f6hnliche Arbeitsatmosph\u00e4re hilft. Damit meine ich nicht ein klassisches Seminarhotel, sondern eine Umgebung, die v\u00f6llig anders gestaltet ist: eine Bergh\u00fctte, ein Schiff, irgendetwas Neues. Die ver\u00e4nderte Umgebung macht es deutlich einfacher, sich aus den vorgefertigten Denkmustern zu l\u00f6sen. Ich w\u00fcrde Ihnen empfehlen, so etwas alle sechs Monate zu tun. Und sei es nur kurz. Vielleicht machen Sie es sich auch zu einer Lebensphilosophie, zwischendurch innezuhalten und Ihre Angelegenheiten gr\u00fcndlich zu betrachten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-676731\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/bloggerinnen.2021.neu_.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten. Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Joachim Pawlik: \u201eZirkeltraining f\u00fcr die Karriere. Vorbereitet auf jede Chance.\u201c &nbsp; &nbsp; Balance: Langsam denken, um schnell zu sein Gelegentlich, wenn ich mit dem Auto ins B\u00fcro fahre, erinnere ich mich anschlie\u00dfend an praktisch nichts von der Fahrt. 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