{"id":676698,"date":"2021-06-08T06:00:08","date_gmt":"2021-06-08T04:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=676698"},"modified":"2021-06-08T12:27:19","modified_gmt":"2021-06-08T10:27:19","slug":"sinn-und-unsinn-der-wirtschaft-1-erfahrung-macht-blind-gastbeitrag-von-frank-dopheide-gruender-des-beratungsunternehmens-human-unlimited","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/06\/08\/sinn-und-unsinn-der-wirtschaft-1-erfahrung-macht-blind-gastbeitrag-von-frank-dopheide-gruender-des-beratungsunternehmens-human-unlimited\/","title":{"rendered":"Sinn und Unsinn der Wirtschaft (1) &#8211; Erfahrung macht blind.  Gastbeitrag von Frank Dopheide, Gr\u00fcnder des Beratungsunternehmens Human Unlimited.\u00a0"},"content":{"rendered":"<div dir=\"auto\">\n<p><strong>Sinn und Unsinn der Wirtschaft (1): Erfahrung macht blind. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Gastbeitrag von Frank Dopheide, Gr\u00fcnder des Beratungsunternehmens Human Unlimited.*<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_676713\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-676713\" class=\"size-full wp-image-676713\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/dopheide.anzug_.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/dopheide.anzug_.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/dopheide.anzug_-300x168.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/06\/dopheide.anzug_-500x281.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-676713\" class=\"wp-caption-text\">(Foto: PR\/Human Unlimited)<\/p><\/div>\n<div class=\"\" dir=\"auto\">\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Manager begn\u00fcgen sich damit, die alte Erfolgsmasche zu kopieren, zu variieren<\/strong><\/p>\n<p>Erfahrung ist ein hohes Gut. Wir sammeln und horten sie &#8211; unseren Erfahrungsschatz. Auch in Unternehmen ist das viel wert. Auch f\u00fcr die eigene Karriere. Auf Nichts ist der deutsche Manager so stolz, wie auf seine Erfahrung. Der Erfolg von gestern, wird zum Routenplaner f\u00fcr zu Zukunft.<\/p>\n<p>Das bleibt nicht ohne Nebenwirkungen. Dieser bewiesene Erfolg wird ab Tag eins zur starren Gie\u00dfform f\u00fcr alle kommenden Herausforderungen. &#8222;Wir kn\u00fcpfen an den Erfolg an&#8220;, ist ein gern gesagter Satz auf den Chefetagen und das beliebte Denkmodell, um weiterzumachen wie bisher. Das Management versteht die Jobbeschreibung nicht mehr als Aufgabe etwas Neues von Wert in diese Welt zu bringen. Nein. Der Manager begn\u00fcgt sich die alte Erfolgsmasche zu kopieren und zu variieren.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vorgesetzte mutieren zu Besserwissern und Bremskl\u00f6tzen f\u00fcr die Zukunft<\/strong><\/p>\n<div dir=\"auto\">\n<div class=\"\" dir=\"auto\">\n<p>Nach Carl Benz hat keiner der Manager das Auto jemals neu erfunden, sie haben sich darauf beschr\u00e4nkt, das Beste daraus zu machen. Dieses Erfolgs\u2010Kopierprogramm hat lange und gut funktioniert. Aber jetzt wird das zur Gefahr. In Zeiten von Innovation und Disruption f\u00fchrt ein \u201eweiter so&#8220; geradewegs in die Sackgasse. Wir haben nun also jahrzehntelang auf Erfahrung gesetzt und das Erfinden verlernt. Je weiter sich die neue Welt vom eigenen Erfahrungshorizont entfernt, desto gr\u00f6\u00dfer werden die Beharrungskra\u0308fte. Sie bremsen alles aus was neu, unlogisch oder ungesehen ist. Der Vorgesetzte mutiert zum Besserwisser und Bremsklotz f\u00fcr die Zukunft.<\/p>\n<p>Unser Planet macht Gedanken\u2010 und Entwicklungsspru\u0308nge, die Unternehmen machen aber nicht mit. Bestsellerautor Douglas Adams sagt: \u00bbAlles, was schon da ist, wenn man geboren wird, ist normal. Alles was erfunden wird, w\u00e4hrend man zwischen 15 und 35 ist, ist neu, revolution\u00e4r und unglaublich spannend. Alles, was erfunden wird, wenn man die 35 \u00fcberschritten hat, empfindet man als Versto\u00df gegen die natu\u0308rliche Ordnung der Dinge und als das Ende der Zivilisation.\u00ab<\/p>\n<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div class=\"\" dir=\"auto\">.<\/div>\n<div class=\"\" dir=\"auto\"><strong>Wenn sich die Welt auf den Kopf stellt, kann \u00bbUnwissen\u00ab ein echter Wettbewerbsvorteil werden<\/strong><\/div>\n<div dir=\"auto\">.<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div class=\"\" dir=\"auto\">Denken wir doch kurz einmal dar\u00fcber nach. \u00bbIn Zeiten raschen Wandels k\u00f6nnen Erfahrungen dein schlimmster Feind sein\u00ab, hat uns schon vor \u00fcber einem halben Jahr\u2010 hundert Martin Luther King Jr. gepredigt. Erfahrungen sind \u2013 anders als der Experte denkt \u2013 kein Weitwinkelobjektiv, sondern wirken in den meisten F\u00e4llen eher wie Scheuklappen.<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div class=\"\" dir=\"auto\">Wir kennen sogar den augen\u00e4rztlichen Terminus: die Betriebsblindheit. Aspekte au\u00dferhalb des eigenen Blickfeldes nehmen wir nicht mehr wahr. Ein Kopf, der denkt, er wisse schon alles, ist unf\u00e4hig, dazuzulernen. Wissen ist f\u00fcr das Gehirn eine Art Killerapplikation. Es l\u00f6st Interesse, Neugier und Faszination in Luft auf. Wir erkennen diesen Sehfehler, wenn Unternehmen aus dem Nichts \u00fcberholt werden. Nokia \u00fcbersieht Klapphandy und Smartphone, die deutsche Autoindustrie das E\u2010Auto und Tchibo die Kaffee\u2010to\u2010go\u2010Welle.<\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\">.<\/div>\n<div dir=\"auto\"><strong>Wenn die einzige Alternative ungew\u00f6hnlich ist und die Erfahrung dagegensteht<\/strong><\/div>\n<div dir=\"auto\">.<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\">\n<div class=\"\" dir=\"auto\">Wenn die Kommandobr\u00fccke der Titanic den Eisberg nach der Kollision nicht nur als gr\u00f6\u00dften anzunehmenden Unfall gesehen h\u00e4tte, w\u00e4ren m\u00f6glicherweise einige hundert Passagiere mehr zu retten gewesen. Der Kapit\u00e4n wusste, es waren zu wenig Rettungsboote an Bord und niemand kann mehr als zehn Minuten im eisigen Wasser \u00fcberleben. Auf den Gedanken, die Passiere auf dem Eisberg in Sicherheit zu bringen, ist er und niemand sonst gekommen. W\u00e4re aber in den zwei Stunden bis zum Sinken vermutlich die bessere und sogar einzige Alternative gewesen. Aber die Erfahrung hatte sie gelehrt: halte dich von den Eisbergen fern. M\u00f6glicherweise eine todbringende Sehschw\u00e4che.\u00a0<br class=\"\" \/><br class=\"\" \/><\/div>\n<div class=\"\" dir=\"auto\">Anders als wir gelernt haben entsteht mit der Erfahrung manchmal auch ein blinder Fleck auf der Netzhaut, eine Art grauer Star. Man verliert die Scharfsicht auf das, was aus der Ferne kommt, Dinge, die wir so noch nie gesehen haben und Ideen, die aus einer anderen Welt kommen.<\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\">.<\/div>\n<div dir=\"auto\"><strong>Zu neuen Welten aufbrechen, aber nicht die Anker lichten<\/strong><\/div>\n<div dir=\"auto\">.<\/div>\n<div dir=\"auto\">\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div class=\"\" dir=\"auto\">Klingt absurd, ist aber Alltag. Unternehmen machen sich auf in neue Welten, wollen aber den Anker nicht lichten. Der Weg vom Unternehmen zum Industriemuseum ist k\u00fcrzer, als wir denken. Nostalgie ist ein Gesch\u00e4ftsmodell, das nur bei Manufactum und bei Dr. Oetkers Backmischung funktioniert.<\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\">.<\/div>\n<div dir=\"auto\">\n<div class=\"\" dir=\"auto\">Wenn wir das Corona Virus in die BionTech-Schranken gewiesen haben und sich die T\u00fcren wieder \u00f6ffnen, wird unsere Welt eine andere sein und ein nie dagewesenes Tempo der Ver\u00e4nderung einschlagen. Wir sollten uns mit den eigenen Erfahrungen dabei nicht im Weg stehen. Vermutlich gibt es einen guten Grund, warum Gott die beiden Augen in unserem Kopf so gesetzt hat, dass sie stramm nach vorne blicken und sie sehen, was auf uns zu kommt. Wenn wir gleichzeitig die Welt hinter uns im Auge behalten wollen, w\u00e4ren wir ein Cham\u00e4leon oder eine Stubenfliege.<\/div>\n<div dir=\"auto\">.<\/div>\n<div dir=\"auto\">.<\/div>\n<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><em>* Frank Dopheide f\u00fchrte rund zehn Jahre die Werbeagentur Grey, gr\u00fcndete dann die Marken- und Strategieagentur Deutsche Markenarbeit, war danach Sprecher der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Handelsblatt Media Group (zu der auch die WirtschaftsWoche geh\u00f6rt) und gr\u00fcndete vor zwei Jahren die Purpose-Agentur Human Unlimited.<\/em><\/div>\n<div dir=\"auto\">.<\/div>\n<div dir=\"auto\">.<\/div>\n<div dir=\"auto\">.<\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div class=\"\" dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><\/div>\n<div dir=\"auto\"><strong>Copyright: @Claudia T\u00f6dtmann. Alle Rechte vorbehalten. Kontakt f\u00fcr Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de<\/strong><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sinn und Unsinn der Wirtschaft (1): Erfahrung macht blind. Gastbeitrag von Frank Dopheide, Gr\u00fcnder des Beratungsunternehmens Human Unlimited.* &nbsp; &nbsp; Manager begn\u00fcgen sich damit, die alte Erfolgsmasche zu kopieren, zu variieren Erfahrung ist ein hohes Gut. 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