{"id":676328,"date":"2021-04-22T11:08:21","date_gmt":"2021-04-22T09:08:21","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=676328"},"modified":"2021-04-26T11:29:50","modified_gmt":"2021-04-26T09:29:50","slug":"buchauszug-frank-dopheide-gott-ist-ein-kreativer-kein-controller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/04\/22\/buchauszug-frank-dopheide-gott-ist-ein-kreativer-kein-controller\/","title":{"rendered":"Buchauszug Frank Dopheide: &#8222;Gott ist ein Kreativer \u2013 kein Controller&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug Frank Dopheide: &#8222;Gott ist ein Kreativer &#8211; kein Controller. \u00dcber das Leben ausserhalb der Effizienzfalle oder warum wir mit unserem Lebenspartner kein Jahresgespr\u00e4ch f\u00fchren sollten.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_676333\" style=\"width: 498px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-676333\" class=\"size-full wp-image-676333\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/dopheide-mit-hund.jpg\" alt=\"\" width=\"488\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/dopheide-mit-hund.jpg 488w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/dopheide-mit-hund-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><p id=\"caption-attachment-676333\" class=\"wp-caption-text\">Summer mit Frank Dopheide (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein paar Seiten \u00fcber das starke Geschlecht<\/strong><\/p>\n<p><strong>WIR M\u00dcSSEN LEIDER DRAUSSEN BLEIBEN<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eIch mache alles, was Fred Astaire macht. Nur r\u00fcckw\u00e4rts und auf High-Heels.\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>(Ginger Rogers)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dies ist eine Mitmach\u00fcbung. Lesen Sie sich die nun folgenden Namen einmal laut vor:<\/p>\n<p>Kasper. Oliver. Martin. Werner. Stefan. Oliver. Christian. Markus. Ola. Niklas. Christian. Theodor. Frank. Michael. Tim. Johannes. Rice. Stephan. Dominik. Carsten. Reinhard. Steve. Stefan. Reine. Joachim. Rolf. Christian. Joe. Herbert. Rolf.<\/p>\n<p>Zwei Stefans, ein Stephan und ein Steve. Zwei Olivers und ein Ola. Zwei Christians. Zwei Rolfs. F\u00e4llt Ihnen noch etwas auf? Am Steuer der gro\u00dfen DAX-Dampfer erhalten (Stand Dezember 2020) ausschlie\u00dflich M\u00e4nner ein Kapit\u00e4nspatent. Um die wirklich gro\u00dfen Schiffe zu steuern, braucht du offenbar besondere biologische Voraussetzungen: ein Y-Chromosom. Und wenn der DAX nun von 30 auf 40 erweitert wird, kommen noch mal zehn M\u00e4nner in den besten Jahren hinzu. Wir ahnen: Irgendetwas stimmt nicht. Selbst wenn Bel\u00e9n Garijo, wie angek\u00fcndigt, Mitte 2021 bei Merck als Kapit\u00e4nin das Ruder \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Ignoranz ist gr\u00f6\u00dfer als die Erkenntnis<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt Berge von Studien, die uns nahelegen: Diversit\u00e4t in Teams ist von Vorteil. Die Unterschiedlichkeit der Geschlechter w\u00e4re ja schon mal ein Anfang. Doch augenscheinlich ist die Ignoranz gr\u00f6\u00dfer als die Erkenntnis.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>August 2014. Mein erster Tag als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Handelsblatt-Gruppe. Um den frischen Blick des Neulings zu nutzen, bl\u00e4tterten der Herausgeber Gabor Steingart und ich die Zeitung Seite f\u00fcr Seite gemeinsam durch \u2013 eine geschlagene Stunde lang. In der gesamten Ausgabe ist kein einziges Bild einer Frau zu finden. Das Z\u00e4hlspiel endet 22 zu Null f\u00fcr die M\u00e4nner. Ein augen\u00f6ffnender Moment f\u00fcr uns beide. Kein Wunder, dass die Quote weiblicher Leser damals bei gerade 18 Prozent lag. Sie fanden in der Welt der Wirtschaft und in den entsprechenden Medien gar nicht statt. Es kam hinzu, dass die m\u00e4nnlichen Gesichter auf jedem Bild dunkle, entweder graue oder blaue Anz\u00fcge trugen und ihre Ernsthaftigkeit zur Schau stellten. Deutschlands f\u00fchrende Wirtschaftszeitung sendete so seit \u00fcber siebzig Jahren t\u00e4glich ein un\u00fcbersehbares Signal in die Welt: Wirtschaft ist erstens eine ernste Angelegenheit und (deshalb?) zweitens M\u00e4nnersache.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem die Politik es jahrzehntelang es im Guten versuchte und sich auf Appelle beschr\u00e4nkt hat, ist ihr vor ein paar Monaten der Geduldsfaden gerissen und es kam die Peitsche. Der Glaube an die Selbstverpflichtung und an das Beste im Mann hatte dazu gef\u00fchrt, dass die Frauenquote in Deutschlands Top-Etagen zur\u00fcckging. Elf DAX Konzerne haben scheinbar Frauenverbot in den Vorstandsfluren \u2013 sie kommen ganz und gar ohne aus. Auch bei mittelgro\u00dfen und kleineren B\u00f6rsenunternehmen bleibt die Firma zu \u00fcber 90 Prozent in M\u00e4nnerhand einzementiert \u2013 neun von zehn Vorst\u00e4nden sind reine M\u00e4nnerversammlungen.<\/p>\n<p>Jetzt kommt sie also, die Quote, und der Aufschrei ist gro\u00df. M\u00e4nner f\u00fchlen sich benachteiligt. Denn die Jobs sollen in Zukunft bis zum Erreichen bestimmter Mindestanteile per Gesetz vorzugsweise an Frauen gehen. Das wird zu manch ungerechter Entscheidung f\u00fchren. Aber das ist erstens selbstverschuldet und zweitens ein notwendiges \u00dcbel auf dem Weg in die noch notwendigere Diversit\u00e4t. Damit Themen, Perspektiven, Tonalit\u00e4t und Entscheidungen facettenreicher und besser werden. Wir sollten uns darauf freuen. Wenn weniger Testosteron am Tisch ist, laufen die Dinge anders. Besser. Wir haben es in der Corona-Krise erlebt: Die Infektionsraten der L\u00e4nder, die von Donald, Wladimir, Boris und dem Brasilianer Jair gef\u00fchrt werden, sind dramatisch h\u00f6her als die von Taiwan, Neuseeland, D\u00e4nemark, Finnland, Norwegen und Deutschland \u2013 sie alle haben Frauen an der Spitze.<\/p>\n<p>F\u00fcr die These, dass es besser l\u00e4uft, wenn man Frauen einbezieht, lassen sich auch geschichtlich wunderbare Beispiele finden. Samuel Colt hat den Trommelrevolver erfunden, w\u00e4hrend sich Stephanie Kwolek um die Erfindung der Kevlarfaser gek\u00fcmmert hat, die f\u00fcnfmal stabiler ist als Stahl und aus der schusssichere Westen gesponnen werden. \u00dcbrigens belegen Erkenntnisse der Cambridge University von 2018, dass es bez\u00fcglich der F\u00e4higkeit zur Empathie keinerlei genetischen Unterschied zwischen M\u00e4nnern und Frauen gibt. Das hat mich ehrlich \u00fcberrascht. Dass die Antennen der M\u00e4nner bei emotionalen Schwingungen sp\u00fcrbare Empfangsst\u00f6rungen zu haben, liegt also ausschlie\u00dflich daran, dass sie sich seit Jahrtausenden als Herrscher im ihrem Reich aufspielen \u2013 und sei es nur die eigene Wohnung oder der eigen Hobbykeller. Dass die Chefkrankheit geschlechtsspezifisch ist, hat ausschlie\u00dflich historische und soziale Gr\u00fcnde, keine biologischen.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zum Thema. Wo sitzt nun eigentlich die Bremse, wenn es um das \u00d6ffnen der Konzernspitzen f\u00fcr das Potential der Frauen geht? Ist es wirklich der Mann als solcher, der hier blockiert? Der Manager, liebe Frauen, ist \u00fcberraschenderweise kein Neandertaler, sondern euer Gatte. Das Wesen neben euch auf der Couch. Euer eigener Stefan. Er lebt im Hier und Jetzt und akzeptiert ja auch zuhause, dass ihr die Hosen anhabt. Und wenn ihr es wollt, akzeptiert er auch, dass die Arbeit zuhause fair aufgeteilt wird \u2013 entsprechend dem Zeitbudget und den St\u00e4rken der beiden Partner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>M\u00e4nnergruppen mit selbsterhaltendem System<\/strong><\/p>\n<p>Die Schranke in Stefans Kopf ist jedenfalls deutlich kleiner als die Durchfahrtsbeschr\u00e4nkung, die die Organisationen errichtet haben. Unsere Wirtschaftswelt wurde von M\u00e4nnern geschmiedet und ist zum selbsterhaltenden System mutiert. Reine M\u00e4nnergruppen stellen sicherheitshalber Menschen ein, deren Verhalten sie einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, also gerne ihresgleichen. Und die Karriereleiter wurde von erfolgsgetriebenen Typen zusammengezimmert und ist aus hartem Holz. Auf ihr gibt es nur eine Richtung: Sprosse f\u00fcr Sprosse eine Ebene h\u00f6her. Wer Familie will oder Flexibilit\u00e4t ohne st\u00e4ndiges, Oliver-Kahn-haftes \u201eWeiter. Weiter. Eier, wir brauchen Eier\u201c sucht, findet keine Ausweichm\u00f6glichkeit oder Parkbucht. \u201eUp or out\u201c, die schwachsinnigste Erfolgsformel aller Zeiten, wurde zum Freifahrschein f\u00fcr jene, die permanent mit ausgefahrenen Ellbogen auf der \u00dcberholspur unterwegs sind und als Dr\u00e4ngler mit Lichthupe jedem im Nacken sitzen, um sich au\u00dferhalb der Verkehrsregeln auf die Pole Position zu schieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-676334\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/cover.dopheide.jpg\" alt=\"\" width=\"303\" height=\"499\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/cover.dopheide.jpg 303w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/cover.dopheide-182x300.jpg 182w\" sizes=\"auto, (max-width: 303px) 100vw, 303px\" \/><\/p>\n<h1 class=\"rechte-title page-title uid-8747\">Frank Dopheide: &#8222;Gott ist ein Kreativer \u2013 kein Controller&#8220;: 240 Seiten, 18 Euro, Ullstein Verlag.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ullstein-buchverlage.de\/nc\/buch\/details\/gott-ist-ein-kreativer-kein-controller-9783430210522.html\">https:\/\/www.ullstein-buchverlage.de\/nc\/buch\/details\/gott-ist-ein-kreativer-kein-controller-9783430210522.html<\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um mit der Organisation endlich auf die Spur Richtung Zukunft zu kommen, m\u00fcssen wir bestehende Arbeits- und Karriereregeln \u00e4ndern. Weg vom Modell \u201eMensch \u00e4rgere dich nicht!\u201c, bei dem einzelne Figuren nach Belieben vom Brett gew\u00fcrfelt werden, hin zum Modell Familie, in dem klare Regeln gelten, das aber beweglich genug ist, um auf die Besonderheiten zu reagieren, die man \u201eLeben\u201c nennt. Denn die bisherige Karriereplanung funktioniert nur f\u00fcr Menschen, die das Leben mit all seinen Wechself\u00e4llen erfolgreich outgesourct haben. Um das, was man Leben nennt, Kinder, Haus, Hund, Garten &amp; Co., k\u00fcmmern sich dann andere. Der zwanghafte Drang, der Karriere alles unterzuordnen, zieht eine Menge Kollateralsch\u00e4den nach sich \u2013 pers\u00f6nlich, aber auch gesellschaftlich. Er geht auch auf Kosten der Entwicklungschancen von Frauen.<\/p>\n<p>Dank des pandemiegetriebenen Digitalsprungs nach vorn beim Thema Homeoffice und der gesellschaftlichen \u00d6ffnung f\u00fcr das Thema w\u00e4re jetzt ein guter Zeitpunkt f\u00fcr den Umbau: von der Karriereleiter zum Karrierebaum, an dem unterschiedliche \u00c4ste und Zweige wachsen. Wenn der Raum-Zeit-Korridor sich nun \u00f6ffnet, die Fahrt zum B\u00fcro wegf\u00e4llt und die Arbeitszeit dehnbar ist, dann werden bisher undenkbare Dinge m\u00f6glich. Die M\u00f6glichkeiten sind gr\u00f6\u00dfer als je zuvor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Zur\u00fcckhaltung der Frauen: Ja keine dicke Lippe riskieren<\/strong><\/p>\n<p>Also, was h\u00e4lt uns noch davon ab? Ein sensibles Thema, aber es muss genannt werden, ist die Zur\u00fcckhaltung der Frauen. Die immer noch sp\u00fcrbar vorhandene Scheu, sich um eine Spitzenposition zu bewerben, aufzudr\u00e4ngen und auch darum zu k\u00e4mpfen. Daf\u00fcr braucht es Vorbilder, heute genannt Rolemodels. Wenn der Anblick von Frauen in leitenden Positionen ganz normal ist, wird es f\u00fcr die nachwachsenden jungen Talente viel einfacher, ihren Hut in den Ring zu werfen. Lieber mal eine dicke Lippe riskieren, als \u00fcberh\u00f6rt zu werden, klingt heute noch fremd, wird in Zukunft aber ganz selbstverst\u00e4ndlich. Machen M\u00e4nner ja auch so. Die sportlichen Engl\u00e4nder nennen es level playing field. Wir nennen es gleiches Recht f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Aber die Anforderungen an die Role Models sind enorm. Das Modell Karrieremann ist einfach. Er hat seine Karriere \u2013 und muss sich sonst um nichts k\u00fcmmern. Die Karrierefrau, die akzeptiert wird, gleicht eher dem ber\u00fchmten Fabelwesen, das Wolle, Milch und Fleisch gleichzeitig verspricht. Frauen treffen auf den gleichen Job, aber auf dreimal h\u00f6here Anspr\u00fcche. Und an sie werden andere, strengere und auch schon mal absurde Ma\u00dfst\u00e4be angelegt. Susanne Klatten ist bekannt als gr\u00f6\u00dfte Anteilseignerin von BMW und damit als reichste Frau Deutschlands. Was weniger im allgemeinen Bewusstsein angekommen ist: Sie sitzt im Aufsichtsrat, um die Geschicke ihres Unternehmens zu steuern \u2013 seit \u00fcber zwanzig Jahren. In der \u00d6ffentlichkeit wird sie immer noch als \u201edie BMW-Erbin\u201c tituliert. Eine seltsame Zuschreibung. Sie hat ihr Erbe nicht in Schuhe investiert, sondern tr\u00e4gt in einem 100-Milliarden-Unternehmen die Verantwortung f\u00fcr 138.000 Menschen und pr\u00e4gt die Weiterentwicklung des Konzerns mit. Das \u00fcberfordert offenbar die Vorstellungs- und Formulierungskraft mancher Redakteure. H\u00e4tte man Ferdinand Pi\u00ebch zeit seines Lebens nur den Porsche-Erben genannt, h\u00e4tte es einen Frontalzusammensto\u00df gegeben.<\/p>\n<p>F\u00fcr Frauen gilt anscheinend: Erfolg alleine gen\u00fcgt nicht. Tina M\u00fcller, die Chefin von Douglas, also Europas f\u00fchrendem Beauty Retailer, ist hierf\u00fcr ein Paradebeispiel. Keine Angst vor schweren Entscheidungen, keine Angst vor gro\u00dfen B\u00fchnen und keine Zur\u00fcckhaltung, wenn es um Themen geht, die sie interessieren. Und das sind eine ganze Menge. Und keine Angst vor Fehlern. Wenn sie danebenliegt, was wie bei der Deklarierung der Douglas-Filialen als \u201eDrogerien\u201c zu Beginn des zweiten Lockdowns im Dezember 2020 hohe Wellen schlug, korrigiert sie die Entscheidung einen Tag sp\u00e4ter und entschuldigt sich vor aller Augen f\u00fcr den Fehler.<\/p>\n<p>Aber dieser Typ von Karrierefrau hat es schwer. Zu pr\u00e4sent, zu druckvoll, zu laut. Sie k\u00e4mpft nicht nur mit Corona, Fl\u00e4chenrentabilit\u00e4t oder der Umtauschquote, sondern auch mit einer absurden Erwartung: Wenn Frauen ein Unternehmen f\u00fchren, dann heimlich, still und leise. Bescheidenheit ist eine Zier, f\u00fcr Frauen noch mehr. Damit frau allen Erwartungen gerecht wird, ist Familie sehr hilfreich. Simone Bagel-Trah (Henkel), einzige Aufsichtsratsvorsitzende eines DAX-Konzerns, Ann-Kristin Achleitner, Professorin und Multi-Aufsichtsr\u00e4tin, oder Nicola Leibinger-Kamm\u00fcller, Eigent\u00fcmerin des deutschen Vorzeige-Mittelst\u00e4ndlers Trumpf und Chefin von fast 15.000 Menschen, bringen das Wunschpaket \u201eEhefrau und Mutter\u201c gleich mit. Und sind dabei noch sympathisch und fotogen. Es gibt \u00fcber sie kein schlechtes Wort und von ihnen kein unvorteilhaftes Foto. Vorbildlich. Und dass sie ein zu einseitiges Bild von Frauen in F\u00fchrungspositionen verk\u00f6rpern, ist nicht ihnen anzulasten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Idealbild von Frauen wird f\u00fcr sie zur Falle bei der Gleichstellung<\/strong><\/p>\n<p>Dennoch Achtung, liebe Leser*innen: \u201eRolemodel\u201c wird ein gef\u00e4hrliches Konzept. Die Zukunft ist keine Castingshow. Der soziale Druck, allen Erwartungen zu entsprechen, ist gewaltig und f\u00fchrt Frauen in den Irrgarten. Die Erwartungen und das Idealbild werden zur Falle auf dem Weg zu mehr Diversit\u00e4t. Die Zukunft braucht unbedingt Frauen jeder Pr\u00e4gung. Ihr solltet nicht von der einen in die andere Falle laufen. Die gro\u00dfe Aufgabe besteht also gerade darin, Rollenbilder zu sprengen und den gesamten Facettenreichtum in die F\u00fchrungsetage zu bringen. Wenn Frauen aus dem Rahmen fallen, werden sie die Welt im Sturm erobern.<\/p>\n<p>Die Anzeichen dieses Um- und Aufbruchs sind un\u00fcbersehbar. Noch ist Angela Merkel allein auf weiter Flur im Zentrum der Macht. Doch kurz vor ihrem Renteneintritt steht eine neue Generation von Anf\u00fchrerinnen in den Startl\u00f6chern: Kamala Harris, Alexandra Octavio Cortes, die Ministerpr\u00e4sidentinnen Sana Marin (Finnland), Jacinda Adern (Neuseeland), Mette Frederiksen (D\u00e4nemark) sowie Greta und Freundinnen werden die Welt und die Zukunft ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_675383\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-675383\" class=\"size-medium wp-image-675383\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/12\/dopheide.12.2020-300x300.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/12\/dopheide.12.2020-300x300.png 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/12\/dopheide.12.2020-150x150.png 150w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/12\/dopheide.12.2020-299x300.png 299w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/12\/dopheide.12.2020.png 647w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-675383\" class=\"wp-caption-text\">Frank Dopheide (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kommen wir nun zum sensibelsten Punkt dieses Kapitels: einer tiefen Sehnsucht. Frauen haben den hohen Anspruch, allein f\u00fcr ihre Kompetenz gesehen, gef\u00f6rdert\u00a0und bef\u00f6rdert zu werden. Sie wollen keine \u201eQuotenfrau\u201c sein. Das ist nur zu verst\u00e4ndlich, erweist sich aber als Achillesferse auf ihrem Weg durch die Hierarchien. Frauen schaffen sich mit diesem legitimen Wunsch leider eine dauerwunde Stelle, die besonders heftig auf verbale Verletzungen reagiert und sich im Laufe der Jahre zu einer chronischen Entz\u00fcndung auswachsen kann. Das sp\u00fcren die Mit- und Wettbewerber und bringen es im Arbeitsalltag immer wieder schmerzhaft zur Sprache. Der ber\u00fcchtigte Satz hei\u00dft: \u201eNur weil du \u00b4ne Frau bist\u201c. Er f\u00e4llt mit Sicherheit jedesmal, wenn sie beim Galadinner am Tisch des Chefs platziert wird. Aus Chefsicht verst\u00e4ndlich \u2013 wer will schon den ganzen Abend mit einer Boy Group zahlenfixierter BWLer reden. Der Chef wei\u00df genau, dass die Themen vielf\u00e4ltiger sind und ein anderer, w\u00e4rmerer Ton herrscht, wenn eine Frau mit am Tisch sitzt. F\u00fcr sie selbst ist es eine eher m\u00fchsame Veranstaltung \u2013 und f\u00fcr die gesamte Kollegenschaft ein Anlass f\u00fcr Klatsch und Tratsch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Viele Frauen nehmen sich maximal zur\u00fcck<\/strong><\/p>\n<p>Wann immer sie nach vorne r\u00fcckt, kommt die Unterstellung \u201eQuotenfrau\u201c auf den Tisch. Um diese Kr\u00e4nkung gar nicht erst zu provozieren, nehmen viele Frauen sich maximal zur\u00fcck. W\u00e4hrend die Jungs mit allen Mitteln um die Gunst des Chefs buhlen, warten die Kolleginnen in stiller Zur\u00fcckhaltung darauf, entdeckt und anerkannt zu werden. Aber das ist falsch. Richtig ist es, den Stier bei den H\u00f6rnern zu packen.. Das sichtbare Herausstechen aus der Menge kann ein echter Wettbewerbsvorteil sein, wie wir seit 15 Jahren jeden Abend in der Tagesschau sehen. Ob G7, G20, Europagipfel oder die Vereinten Nationen: Wir entdecken Angela auf den ersten Blick. Sie ist die Frau im farbigen Blazer unter all den M\u00e4nnern in den dunklen Anz\u00fcgen. W\u00e4hrend die m\u00e4nnlichen Kollegen im Einheitsbrei untergehen, sehen wir Merkel und merken uns, dass sie Tag und Nacht im Einsatz ist.<\/p>\n<p>Also, liebe Frauen: Werft nach der Lekt\u00fcre dieses Kapitels mal einen Blick auf die Homepage eures Unternehmens, schaut euch die Fotos des Vorstands oder der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung an, und ihr werdet erkennen: Da ist viel Raum f\u00fcr Diversity.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Frauen sollten ihre Wettbewerbsvorteile auch ausspielen<\/strong><\/p>\n<p>Und nun zum Highlight. Dem absoluten Lieblingssatz der Frauen in der M\u00e4nnerwelt: \u201eNun werden Sie mal nicht emotional.\u201c Das ist genau der richtige Satz, um sie so richtig auf die Palme zu bringen. Warum eigentlich? Der aufmerksame Leser*in hat doch gelernt, dass Rationalit\u00e4t alleine nicht zum Ziel f\u00fchrt. Eine Dosis Emotionalit\u00e4t und die F\u00e4higkeit zu Mitgef\u00fchl und Empathie ist ein unerl\u00e4sslicher Bestandteil echter\u00a0F\u00fchrungskompetenz und ein Vorteil f\u00fcr die F\u00fchrungskr\u00e4fte der Zukunft. Vielleicht nehmen Sie beim n\u00e4chsten Mal den Satz volley und retournieren ihn auf den Urheber zur\u00fcck, dass er ihm nur so um die Ohren fliegt, wie einem Tennisspieler ein zu kurz gespielter Lob-Ball. Das Gute daran ist, sie k\u00f6nnen sich jetzt in aller Ruhe auf Ihren Konter vorbereiten. Der Satz kommt auf jeden Fall.<\/p>\n<p>M\u00e4nner w\u00fcrden sich in vergleichbarer Lage jedenfalls die H\u00e4nde reiben und ihre Karten klug ausspielen. Was kann schon falsch daran sein, besser auszusehen, besser organisiert zu sein und emotional reagieren zu k\u00f6nnen? Im Marketing nennen wir das den \u201eunfair advantage\u201c. Den Wettbewerbsvorteil, den die anderen nicht kopieren k\u00f6nnen. Er ist besonders wertvoll. Sie sollten etwas daraus machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir lernen: Wenn Frauen im Job ihren Mann stehen, ist das noch keine Diversit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-676352\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs-228x300.jpg 228w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/04\/Bloggerrelanvzlogo.2021-FAK_21-01_Siegel_Blogger-Relevanzindex_Top-20-Blogs.jpg 493w\" sizes=\"auto, (max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Frank Dopheide: &#8222;Gott ist ein Kreativer &#8211; kein Controller. \u00dcber das Leben ausserhalb der Effizienzfalle oder warum wir mit unserem Lebenspartner kein Jahresgespr\u00e4ch f\u00fchren sollten.&#8220; &nbsp; &nbsp; Ein paar Seiten \u00fcber das starke Geschlecht WIR M\u00dcSSEN LEIDER DRAUSSEN BLEIBEN &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/04\/22\/buchauszug-frank-dopheide-gott-ist-ein-kreativer-kein-controller\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[1890,9946,6863],"class_list":["post-676328","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-buchauszug","tag-buchauszug-frank-dopheide-gott-ist-ein-kreativer-kein-controller","tag-ullstein-verlag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/676328","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=676328"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/676328\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":676353,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/676328\/revisions\/676353"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=676328"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=676328"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=676328"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}