{"id":675756,"date":"2021-02-23T06:00:04","date_gmt":"2021-02-23T05:00:04","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=675756"},"modified":"2021-03-08T09:26:06","modified_gmt":"2021-03-08T08:26:06","slug":"wer-bei-kununu-co-luegen-ueber-arbeitgeber-verbreitet-riskiert-dass-er-geoutet-wird-interview-mit-anwalt-ruben-hofmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/02\/23\/wer-bei-kununu-co-luegen-ueber-arbeitgeber-verbreitet-riskiert-dass-er-geoutet-wird-interview-mit-anwalt-ruben-hofmann\/","title":{"rendered":"Wer bei Kununu &amp; Co. L\u00fcgen \u00fcber Arbeitgeber verbreitet, riskiert, dass er geoutet wird. Interview mit Anwalt Ruben Hofmann"},"content":{"rendered":"<p><strong>M\u00fcssen Arbeitgeberbewertungsportale wie Kununu, Jobvoting oder Glassdoor die Arbeitnehmer, die ihre Unternehmen dort kritisieren und ein schlechtes Zeugnis ausstellen, denen ans Messer liefern? M\u00f6glicherweise. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Jedenfalls wenn der Mitarbeiter Tatsachen behauptet, die das Unternehmen nicht kreditw\u00fcrdig erscheinen lassen. Im konkreten Fall hatte ein Ex-Mitarbeiter eines IT-Unternehmens mit rund 25 Mitarbeitern im Internet geschrieben, dass das &#8222;Gehalt nicht p\u00fcnktlich kam und Telefone wegen offener Rechnungen gesperrt&#8220; gewesen seien. Dass die Firma die Mitarbeiter auch nicht informierte, als sie ihnen kein Gehalt \u00fcberwies und dass es keine Fairness gebe, weil manche Kollegen eben dennoch Gehalt bekommen h\u00e4tten. Dass der Verfasser am Ende nur zehn Prozent seines Lohns erhalten habe und die Firma f\u00fcr ihn die Sozialabgaben nicht abgef\u00fchrt h\u00e4tte. <\/strong><\/p>\n<p><strong>In solch einem Fall muss das Portal verraten, wer das geschrieben hat, stellte das Oberlandesgericht Celle klar (Aktenzeichen 13 W 80\/20). <\/strong><strong>IP-Anwalt Ruben Hofmann von Heuking K\u00fchn erkl\u00e4rt im Interview die Details.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_675859\" style=\"width: 497px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/02\/heuking.hofmann.ruben_-e1613923206538.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-675859\" class=\"size-full wp-image-675859\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/02\/heuking.hofmann.ruben_-e1613923206538.jpg\" alt=\"\" width=\"487\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/02\/heuking.hofmann.ruben_-e1613923206538.jpg 487w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2021\/02\/heuking.hofmann.ruben_-e1613923206538-274x300.jpg 274w\" sizes=\"auto, (max-width: 487px) 100vw, 487px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-675859\" class=\"wp-caption-text\">Ruben Hofmann (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>M\u00fcssen Arbeitnehmer, die ihrem Arbeitgeber oder fr\u00fcherem Arbeitgeber bei Arbeitgeberbewertunsgportalen wie Kununu anonym schlechte Noten geben, nun f\u00fcrchten, dass sie auffliegen?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Bisher war es so, dass sich die Portale wie Kununu geweigert haben, irgendwelche Informationen \u00fcber die Bewertenden herauszugeben. Sie blieben anonym und mussten nicht damit rechnen, f\u00fcr etwaige rechtswidrige \u00c4u\u00dferungen in Anspruch genommen zu werden. Dies k\u00f6nnte sich jetzt in der Tat \u00e4ndern. Wenn Kununu &amp; Co. &#8211; so wie es das Oberlandesgericht Celle gerade in einem Fall entschieden hat &#8211; die Bestandsdaten von ver\u00e4rgerten oder gar rachs\u00fcchtigen Mitarbeiten an die Unternehmen herausgeben muss, kann es R\u00fcckschl\u00fcsse ziehen oder sogar die Identit\u00e4t des Bewertenden erlangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was genau erf\u00e4hrt das Unternehmen von dem Portalbetreiber?<\/strong><\/p>\n<p>Die IP-Adresse, den genauen Zeitpunkt, wann die Bewertung hochgeladen wurde mit Datum, Uhrzeit und Zeitzone, der Name und die Emailadresse des Nutzers, soweit die Informationen vorliegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230; mit welchen juristischen Folgen?<\/strong><\/p>\n<p>Unternehmen k\u00f6nnen wom\u00f6glich gegen den Verfasser Anspr\u00fcche auf Unterlassung und Schadenersatz stellen &#8211; das sind die Anwaltskosten in H\u00f6he der gesetzlichen Geb\u00fchrenordnung, aber keine Stundenhonorare. Mehr wird schwierig, denn ein Schaden wird nur schwer nachweisbar sein, und das w\u00e4re die Voraussetzung. Denn fast nie kann eine Firma nachweisen, dass sie wegen einer konkreten Online-Bewertung eine Gesch\u00e4ftschance nicht realisieren konnte und ihr also ein Gewinn entgangen ist. Ebenso wenig wie Schadenersatz wegen der Beeintr\u00e4chtigung des guten Rufs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aber eine Schadenersatzzahlung ist nicht alles, was Verfasser von \u00fcblen Bewertungen riskieren?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn die negative Bewertung auch einen Straftatbestand erf\u00fcllt, kann das Unternehmen eine Strafanzeige gegen ihn stellen. Beispielsweise wegen Beleidigung oder \u00fcbler Nachrede. Manchmal auch Verleumdung oder Kreditgef\u00e4hrdung. Dann riskiert der Verfasser eine Geldstrafe oder im schlimmsten Fall eine Haftstrafe. Wenn der Betreffende noch bei der Firma arbeitet, riskiert er obendrein arbeitsrechtliche Ma\u00dfnahmen bis hin zur au\u00dferordentlichen K\u00fcndigung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kununu muss k\u00fcnftig wohl \u00f6fter solche Bewertungen l\u00f6schen. Was ist, wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter auffordern ihnen gute Noten zu geben bei diesen Portalen und ihnen daf\u00fcr Boni, Bef\u00f6rderungen oder andere Vorteile versprechen?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn diese Bewertungen wahrheitswidrig sind, kann es gegen das Wettbewerbsrecht versto\u00dfen als irref\u00fchrenden Werbung. Sind die Mitarbeiter nat\u00fcrlich tats\u00e4chlich auch zufrieden und schreiben das, d\u00fcrfte es schwierig werden, alleine aufgrund einer Incentivierung eine Rechtswidrigkeit der Handlung zu bejahen. Stiftet eine Firma die Mitarbeiter jedoch an, vors\u00e4tzliche Falschaussagen zu treffen, so wird dies unlauterer Wettbewerb sein. F\u00fchrungskr\u00e4fte sollten das lieber lassen.<\/p>\n<p>Denn insbesondere, wenn sich das Verh\u00e4ltnis zum Arbeitnehmer eintr\u00fcbt oder etwa ein Jobwechsel ansteht, kann es durchaus sein, dass solche Machenschaften auffliegen und dem Unternehmen dann ein gro\u00dfer Imageschaden sowie die Anwaltskosten wegen einer Abmahnung droht. Ganz abgesehen vom Geldschaden, der von 1.000 Euro bis zu einer mittleren f\u00fcnfstelligen Zahl gehen kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was erwarten Sie k\u00fcnftig?<\/strong><\/p>\n<p>Sachliche Kritik m\u00fcssen Unternehmen aushalten. Weil Bewertungsplattformen aber die Anonymit\u00e4t ihrer Nutzer sch\u00fctzen, schaffen sie viel Raum f\u00fcr Rufmordkampagnen gegen Unternehmen. Da ist es gerecht, wenn nun Transparenz geschaffen wird und Bewertende f\u00fcr ihre Bewertungen einstehen sollen. Ich beobachte, dass nach dem Beschluss aus Celle nun mehrere Unternehmen ebenso von Arbeitgeberbewertungsportalen wissen wollen, wer ihnen schlechte Noten und &#8211; vielleicht unwahre &#8211; negative Einsch\u00e4tzungen eingebracht hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-673624\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00fcssen Arbeitgeberbewertungsportale wie Kununu, Jobvoting oder Glassdoor die Arbeitnehmer, die ihre Unternehmen dort kritisieren und ein schlechtes Zeugnis ausstellen, denen ans Messer liefern? 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