{"id":675221,"date":"2020-12-09T06:00:57","date_gmt":"2020-12-09T05:00:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=675221"},"modified":"2020-12-10T23:46:17","modified_gmt":"2020-12-10T22:46:17","slug":"buchauszug-melanie-bergermann-und-volker-ter-haseborg-die-wirecard-story-die-geschichte-einer-milliarden-luege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/12\/09\/buchauszug-melanie-bergermann-und-volker-ter-haseborg-die-wirecard-story-die-geschichte-einer-milliarden-luege\/","title":{"rendered":"Buchauszug Melanie Bergermann und Volker ter Haseborg: &#8222;Die Wirecard-Story. Die Geschichte einer Milliarden-L\u00fcge.&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug Melanie Bergermann und Volker ter Haseborg von der &#8222;WirtschaftsWoche&#8220;: &#8222;Die Wirecard-Story. Die Geschichte einer Milliarden-L\u00fcge.&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_675222\" style=\"width: 437px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Bergermann.Haseborg-e1607640326573.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-675222\" class=\"size-full wp-image-675222\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Bergermann.Haseborg-e1607640326573.jpg\" alt=\"\" width=\"427\" height=\"320\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Bergermann.Haseborg-e1607640326573.jpg 427w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Bergermann.Haseborg-e1607640326573-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Bergermann.Haseborg-e1607640326573-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-675222\" class=\"wp-caption-text\">Melanie Bergermann und Volker ter Haseborg (Foto: PR\/Wolf Heider-Sawall)<\/p><\/div>\n<div class=\"bgimage\">\n<div class=\"inner\">\n<div class=\"maxwidth\">\n<div class=\"bookimage h-l effect3d s-l extract\">\n<div class=\"bookinner\">\n<div><\/div>\n<\/div>\n<div class=\"pages\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"textrow maxwidth\">\n<div class=\"detailinfo\"><\/div>\n<\/div>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><strong>\u00bbWIE DER HEILIGE GEIST\u00ab<\/strong><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\"><strong>Markus Braun erreicht den H\u00f6hepunkt seiner Karriere \u2013 Wirecard steigt in den DAX auf<\/strong><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Am 24. September 2018 um 8 Uhr erreicht Markus Braun das, worauf er seit mehr als zehn Jahren hinarbeitet: Wirecard steigt in den\u00a0DAX auf und damit in die oberste B\u00f6rsenliga. Mehr geht nicht. Braun\u00a0hat es damit all den Kritikern und Zweiflern gezeigt. Seine Bilanz im\u00a0Jahr 2018: \u00fcber 5000 Mitarbeiter, 2 Milliarden Euro Umsatz, mehr als eine halbe Milliarde operativer Gewinn. Die Aktie, die Anfang\u00a02005 noch nicht mal 2 Euro wert war, steuert jetzt auf die 200-Euro-Marke\u00a0zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und als ob es noch eines weiteren Symbols f\u00fcr den Aufbruch in das neue Fintech-Zeitalter bedurft h\u00e4tte, liefert Wirecard auch dieses noch: Wirecard ersetzt im DAX die Commerzbank, ein Geldhaus, das schon seit mehr als 150 Jahren existiert. Wer kann Wirecard, wer kann diesen Markus Braun noch aufhalten? Er selbst t\u00f6nt: \u00bbWir haben jetzt die M\u00f6glichkeit, den DAX anzutreiben. Das ist unser Ehrgeiz.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer jedoch glaubt, dass Braun den Erfolg mit einem z\u00fcnftigen Fest feiert, der irrt. Die Mitarbeiter in Aschheim bekommen lediglich einen Muffin geschenkt. Heller Teig, wei\u00dfe Creme, hellblaue Streusel und die Aufschrift: \u00bbWirecard enters DAX\u00ab. Das war\u2019s.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dazu passt auch die \u00f6de Repr\u00e4sentanz von Wirecard. Nicht etwa am M\u00fcnchner Marienplatz arbeiten Braun und Kollegen, sondern weit drau\u00dfen in einem B\u00fcrokomplex im M\u00fcnchner Nordosten, in einem tristen Gewerbegebiet der 10 000-Einwohner-Gemeinde Aschheim. Einsteinring 35, ein Ensemble von mehreren Betonk\u00e4sten. Die einzige Attraktion der Umgebung ist \u00bbLe\u2019s Imbiss\u00ab, in dem es \u00bbbayrische und vietnamesische K\u00fcche\u00ab geben soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Braun macht selbst aus dieser Tristesse noch eine Show: \u00bbWir m\u00fcssen uns nicht mit gl\u00e4nzenden Hochhausfassaden schm\u00fccken\u00ab, sagt er. Aschheim, das ist die Zukunft. Was bringt es der Commerzbank, dass sie in einem Wolkenkratzer in der Finanzmetropole Frankfurt residiert? Nichts, sie ist raus aus dem DAX. Frankfurt, das ist die Metropole der alten Finanzwelt, des Investmentbankings, der Millionen-Boni.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aschheim, das ist die Zukunft. Und Wirecard die deutsche Antwort auf den amerikanischen Zahlungsgiganten PayPal. Eine Plattform \u2013 noch so ein Modewort dieses Jahres 2018 \u2013, an die immer mehr H\u00e4ndler weltweit andocken. Und Braun tritt auf wie Apple-Gr\u00fcnder Steve Jobs, tr\u00e4gt Rollkragenpulli zum dunklen Anzug und eine randlose Brille, die seine blauen Augen zur Geltung bringt. Ein gro\u00dfer Mann, schlank, sehnige Statur, Typ Marathonl\u00e4ufer. F\u00fcr ein L\u00e4cheln hat er keine Zeit; \u00fcberall, wohin er kommt, verkauft er seine Firma in seinem \u00d6sterreich-Englisch als \u00bbone of the strongest growing digital platforms\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beeindruckend ist Braun vor allem deshalb, weil er einem scheinbar ununterbrochen erfolgreichen Unternehmen vorsteht \u2013 aber nicht deswegen, weil er eine charismatische Pers\u00f6nlichkeit ist. Klar, bei pers\u00f6nlichen Treffen kennt er die Regeln der H\u00f6flichkeit, aber er verspr\u00fcht keinerlei Charme. Seine Gesichtsz\u00fcge wirken starr. Ob Braun sich \u00e4rgert, freut, ob er am\u00fcsiert oder interessiert ist, l\u00e4sst sich kaum ausmachen. Sein Gesicht zeigt kaum Mimik. Der Mann ist schwer zu lesen. Gesch\u00e4ftspartner sagen, dass es schwer gewesen sei, mit ihm warm zu werden. Er wirkt verstockt und ein bisschen arrogant. So wie man sich einen Tech-Nerd vorstellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sp\u00e4tere Versuche von PR-Beratern, Braun ein bisschen menschlicher r\u00fcberkommen zu lassen, scheitern. Dass Braun manchmal in der Oper weint, weil ihm die Musik so zu Herzen geht? Wirkt arg konstruiert. Auch auf Fotos wirkt Braun steif wie ein Stock. Selbst die Versuche, mal was Freches zu wagen, gehen schief: Es gibt ein Bild von Braun, das bei einem seiner seltenen Interviews mit einer Zeitung entstand. Er steht, mit grimmigem Gesicht, hinter einer Zimmerpflanze. Es sieht aus, als lauere der Wirecard-Chef hinter einem Geb\u00fcsch, um jemanden zu \u00fcberfallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kollegen von Braun meinen aber, dass ihm das Image als Tech- Nerd gefallen haben d\u00fcrfte. Warum sollte er es \u00e4ndern? Vor allem aber d\u00fcrfte es ihm gefallen haben, jedes Jahr Erfolge zu melden. Umsatz, Gewinn, Kundenzahl \u2013 bei Wirecard geht es immer nur bergauf. Er formuliert immer steilere, immer waghalsigere Ziele. Jedes Jahr aufs Neue. Und k\u00fcmmert sich wenig darum, wie die Ziele erreicht werden. Das sollen andere managen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Braun ist f\u00fcr Wirecard sieben Tage die Woche im Einsatz, und das verlangt er auch von seinen wichtigen Mitarbeitern. Auch sonntags ruft er sie an, um mit ihnen \u00fcber die Arbeit zu sprechen. Urlaub oder Feierabend? Wenn Braun etwas will, greift er zum Telefon. \u00bbUnd wenn man nicht ranging\u00ab, berichtet ein Mitarbeiter, \u00bbdann rief er eben noch mal an und noch mal und noch mal.\u00ab Wenn er Nachrichten geschickt habe, sei es genauso gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbUnsere B\u00fcros geh\u00f6rten nach seinem Selbstverst\u00e4ndnis ihm selbst. Er kam einfach rein, ohne zu klopfen, und fing an zu reden\u00ab, sagt einer. Und die Besuche seien keinesfalls nett gewesen, denn Braun forderte permanente Einsatzbereitschaft. \u00bbMit Braun war man ungern in einem Raum\u00ab, sagt einer. Wenn er hereinkam, dann hagelte es Befehle. Auch im Chefb\u00fcro halten sich die Mitarbeiter ungern auf, zumindest im Sommer. Weil Braun Klimaanlagen hasst, sei es oft br\u00fctend hei\u00df bei ihm gewesen, berichten irritierte Besucher. Der Chef habe sich lieber das Hemd vom Leib gerissen und im T-Shirt weitergearbeitet, als die Klimaanlage einzuschalten. Es soll Mitarbeiter gegeben haben, die sich Brauns Aversion gegen K\u00fchlger\u00e4te zunutze machten \u2013 indem sie ihre Zimmer kr\u00e4ftig herunterk\u00fchlten, in der Hoffnung, dass Braun dann von Besuchen Abstand nehme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Braun ist als Mensch bei vielen seiner Angestellten nicht unbedingt beliebt, vor allem, weil er ihnen diktiert, was zu tun ist, und Bedenken oder Kritik nach ihrer Wahrnehmung nicht annimmt. Wer Brauns Vorgaben anzweifelt, so das Gef\u00fchl einiger ehemaliger Mitarbeiter, der hat bei ihm keine Chance. Dennoch folgen auch die Kritiker dem Vorstandschef gern. Weil Braun erfolgreich ist und sein Erfolg auf sie abstrahlt. F\u00fcr manche Wirecard-Leute scheint er wie eine Art Guru gewesen zu sein, der an die Firma glaubt und penetrant Prophezeiungen \u00fcber die Zukunft macht \u2013 die dann auch noch eintreten. Der Kritik an sich abperlen l\u00e4sst, der f\u00fcr seine Wirecard lebt \u2013 und durch sein Exempel andere dazu bringt, ihm zu folgen und seine Ziele zu erf\u00fcllen. Die Angriffe von au\u00dfen st\u00e4rken den Zusammenhalt. Wir gegen die da drau\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Sekten funktionieren so. Dass er die Lichtgestalt in der Bewegung Wirecard ist, daran l\u00e4sst er keinen Zweifel aufkommen. Generell gilt: Wer Erfolg hat, der hat recht. Und alle partizipierten an diesem Erfolg. Es gibt so gut wie keine Verlierer. Unter Brauns Besch\u00e4ftigten gibt es viele Eigengew\u00e4chse und kaum K\u00fcndigungen. Warum sollte man auch woanders hingehen? Wirecard w\u00e4chst. Sparrunden, Personalabbau \u2013 was in anderen Unternehmen und gerade bei Gro\u00dfkonzernen \u00fcblich ist \u2013 gibt es bei Wirecard<br \/>\nnicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Klar, auch so manch ein Angestellter versteht manchmal nicht, was Braun da vor sich hinschwurbelt. Aber nachzufragen h\u00e4tten sie sich nicht getraut, sagen einige. Sie h\u00e4tten nicht wie Idioten dastehen wollen. Und schlie\u00dflich liefert Braun jedes Jahr beeindruckende Gesch\u00e4ftszahlen und damit eine Best\u00e4tigung daf\u00fcr, dass er genial sein muss. Einen Betriebsrat? Braucht Wirecard nicht. Tarifvertr\u00e4ge? Gibt es nicht. Wirecard zahlt gut. Alle sind Gewinner. Auch deshalb haben sich viele nicht getraut, zu widersprechen, haben Bedenken ignoriert und einfach weitergemacht. Braun etabliert \u2013 wom\u00f6glich ohne es bewusst darauf anzulegen \u2013 ein System, in dem Ja-Sager weit kommen, die bereit sind, beide Augen zuzudr\u00fccken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein langj\u00e4hriger Mitarbeiter mit einer wichtigen Position sagt: \u00bbWirecard hat gut bezahlt. Die Programmierer und die Verk\u00e4ufer h\u00e4tten woanders sicher genauso gute Jobs gefunden.\u00ab F\u00fcr viele aber h\u00e4tte das nicht gegolten, auch f\u00fcr ihn selbst. \u00bbMir konnte es nirgendwo besser gehen. Stellst du dann unn\u00f6tig viele Fragen und riskierst deine Anstellung?\u00ab Er selbst sa\u00df in Dubai und sagt: \u00bbDeutschland war doch weit weg.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><u><\/u><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/12\/cover.wirecard.2.jpg\"><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-675316\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/12\/cover.wirecard.2.jpg\" alt=\"\" width=\"477\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/12\/cover.wirecard.2.jpg 477w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/12\/cover.wirecard.2-220x300.jpg 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 477px) 100vw, 477px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Melanie Bergermann und Volker Ter Haseborg: &#8222;Die Wirecard-Story. Die Geschichte einer Milliarden-L\u00fcge.&#8220; 272 Seiten, 19,99 Euro, FinanzBuch Verlag <\/strong><a href=\"https:\/\/www.m-vg.de\/finanzbuchverlag\/shop\/article\/20329-die-wirecard-story\/\">https:\/\/www.m-vg.de\/finanzbuchverlag\/shop\/article\/20329-die-wirecard-story\/<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Insolvenzverwalter von Wirecard wird sp\u00e4ter die \u00bbattraktive Verg\u00fctungsstruktur\u00ab beziffern: Im Juni 2020 belaufen sich die Personalaufwendungen auf mehr als 2,1 Millionen Euro im Monat \u2013 das entspricht einem Betrag von 8500 Euro pro Mitarbeiter. Der Vorstand funktioniert letztlich so wie auch die ganze Firma: Braun spricht. Die anderen gehorchen. Das soll vor allem f\u00fcr die Vorst\u00e4nde Alexander von Knoop und Susanne Steidl gelten. Von Knoop ist zwar Finanzvorstand des gesamten Konzerns und m\u00fcsste in dieser Funktion eigentlich der Chef \u00fcber alle Zahlen sein, aber \u2013 so absurd das auch klingen mag \u2013 bei Wirecard ist es wohl anders. \u00bbEin Teil der Finanzkennzahlen lag au\u00dferhalb seiner Zugriffsrechte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hierzu geh\u00f6rte alles, was das Gesch\u00e4ft mit Drittpartnern betraf. Das lag bei Marsalek. Von Knoop soll zwar an die Gesamtzahlen dieses Bereichs gekommen sein, nicht aber an die Details. Wenn er mehr wissen wollte, musste er zu Marsalek\u00ab, sagt einer, der nah dran war. Das habe teilweise zu kuriosen Situationen gef\u00fchrt, zum Beispiel, als es in einer Sitzung um Finanzierungen gegangen sei, die das Unternehmen seinen H\u00e4ndlern zur Verf\u00fcgung stellte. \u00bbKnoop wusste alles M\u00f6gliche nicht und hat dann immer den Marsalek angeschaut, weil die Zahlen bei ihm lagen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Berater sagt: \u00bbSo etwas habe ich zuvor noch nie erlebt. Da sitzt ein Finanzvorstand, und der hat keine Ahnung.\u00ab Knoop und Marsalek seien zwar formal gleichberechtigt gewesen, aber es sei immer wieder deutlich geworden: \u00bbDer von Knoop hat hier die Junior-Rolle.\u00ab Viele innerhalb des Unternehmens meinen, dass von Knoop nur deshalb Finanzvorstand geworden sei, weil er \u00bbeben so ist, wie er ist\u00ab. Von Knoop ordne sich unter, mache, was man ihm sagt, \u00bbein netter Kerl, aber kein Machtmensch\u00ab. Sie sch\u00e4tzen, \u00bbdass von Knoop in einem anderen DAX-Konzern niemals Finanzvorstand geworden w\u00e4re\u00ab. Sie sagen aber auch viel Nettes \u00fcber den Ex-Vorstand, n\u00e4mlich dass er \u00bbabsolut integer\u00ab sei, billigen ihm deswegen aber nicht weniger Schuld an der Misere zu. \u00bbEr h\u00e4tte es niemals zulassen d\u00fcrfen, dass ihm als Finanzvorstand ein wichtiger Teil der Finanzinformationen nicht zug\u00e4nglich war. Er h\u00e4tte darauf bestehen oder gehen m\u00fcssen.\u00ab Ein Opfer sei von Knoop deshalb nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wirecard hat Karrieren erm\u00f6glicht, die woanders undenkbar gewesen w\u00e4ren. Das gilt vielleicht auch f\u00fcr Produkt-Vorst\u00e4ndin Susanne Steidl. Alle Kollegen beschreiben sie als extrem flei\u00dfig. Sie sei sieben Tage die Woche 18 Stunden am Tag f\u00fcr Wirecard im Einsatz gewesen. \u00bbIch habe mir immer Sorgen gemacht, dass sie irgendwann mal umf\u00e4llt\u00ab, sagt einer, der nah am Vorstand dran war. Einige ihrer Projekte seien ganz gut gelaufen, andere eben nicht. Zu den anderen geh\u00f6rte auch das Mammutprojekt mit dem Namen Aslan: Im ersten Quartal 2017 kauft Wirecard Portfolios mit Kunden von der Citigroup, die sich auf verschiedene L\u00e4nder verteilen und damit verschiedenen Wirecard-T\u00f6chtern zugeordnet werden sollen. \u00bbWir h\u00e4tten das nie kaufen d\u00fcrfen\u00ab, sagt einer, der sich intern mit der Materie zu befassen hatte. Denn diese Kunden mussten nun auf die Systeme der Wirecard gehoben werden und das sollte eigentlich Mitte 2018 abgeschlossen sein. Tats\u00e4chlich war der Prozess bis zur Insolvenz immer noch nicht vollst\u00e4ndig abgeschlossen, was viel mit Wirecards Firmenk\u00e4ufen im Ausland zu tun hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die verschiedenen Wirecard-Einheiten sind weitgehend autark. Es ist nie ein einheitlicher Konzern entstanden, mit einheitlichen Vertragswerken und Verwaltung, mit einheitlicher, zentraler Buchhaltung oder Kundenmanagement-Systemen. Eine Integration der neuen Einheiten hat nicht stattgefunden, sagen viele im Unternehmen. Das sind fatale Voraussetzungen f\u00fcr Aslan. Die Kosten sind zwischenzeitlich explodiert. \u00bbWenn Aslan nicht gewesen w\u00e4re\u00ab, sagt ein hochrangiger Insider, \u00bbdann h\u00e4tte Wirecards Kerngesch\u00e4ft, also auch ohne die Ums\u00e4tze des Konzerns mit Drittpartnern, Gewinn gemacht\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Verantwortlich f\u00fcr Aslan ist Steidl. Sicherlich seien die Ausgangsvoraussetzungen \u00e4u\u00dferst schlecht gewesen, aber innerhalb von mehr als zwei Jahren h\u00e4tte ihre Abteilung trotzdem mehr bewerkstelligen m\u00fcssen, sagen einige im Unternehmen. Stattdessen h\u00e4tte einfach nur Chaos geherrscht. Insider sagen, andere Abteilungen oder Externe h\u00e4tten immer wieder ausb\u00fcgeln m\u00fcssen, \u00bbwas ihre Truppe verkackt hat\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eigentlich war Aslan ihr gro\u00dfes Projekt, mit dem sie beweisen sollte, dass sie f\u00fcr einen Vorstandsposten reif ist. Doch sie besteht die Pr\u00fcfung nicht. Einige meinen, in jedem anderen Unternehmen h\u00e4tte Steidl daf\u00fcr die Verantwortung \u00fcbernehmen und gehen m\u00fcssen. Was einigen an Susanne Steidl noch auff\u00e4llt: Sie h\u00e4lt sich immer raus. Sie ist Teil des Vorstands, aber eigentlich auch nicht. Sie schaut auf ihre Aufgabe, Produkte zu entwerfen und an den Markt zu bringen. Mit dem Rest \u2013 den Eindruck gewinnen jedenfalls einige in ihrem Umfeld \u2013 will sie nichts zu tun haben. \u00bbWenn man sie reden h\u00f6rte, dann klang es immer so, als gehe sie das Drittpartnergesch\u00e4ft nichts an, weil es in Marsaleks Aufgabenbereich fiel.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn es toxisch wurde, habe sie sich ferngehalten \u2013 zum Beispiel von der Card Systems Middle East in Dubai, einer von zwei Wirecard-Tochterfirmen im Emirat. \u00dcber die Card Systems lief das eigentliche Gesch\u00e4ft, also die Transaktionen, der Umsatz. Und hier\u00fcber liefen auch die Gesch\u00e4fte mit den Drittpartnern. F\u00fcr diese Gesellschaften existierten auch Treuhandkonten. Zust\u00e4ndig war neben Bellenhaus noch Jan Marsalek. Die andere Wirecard-Tochter in Dubai war eher f\u00fcr die Organisation zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese zweite Gesellschaft lenkten Bellenhaus und Steidl. Als es im Jahr 2020 zu einer Fusion der beiden Dubai-T\u00f6chter kam, wollte Steidl angeblich nicht weitermachen. Mit der Card Systems wollte sie nicht unbedingt etwas zu tun haben. Als Opfer taugen weder von Knoop noch Steidl. Beide Vorst\u00e4nde konnten die Missst\u00e4nde sehen, und beide h\u00e4tten etwas unternehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Brauns Verh\u00e4ltnis zu von Knoop und Steidl gilt als distanziert. Die Beziehung zu Marsalek ist deutlich enger. Die beiden arbeiten seit mehr als 15 Jahren eng zusammen. In den ersten Jahren war Marsalek eher Brauns Zutr\u00e4ger, wurde intern auch \u00bbBrauns Sekret\u00e4rin\u00ab genannt. Mit den Jahren ver\u00e4ndern sich beide. Marsalek emanzipiert sich. Wenn Braun ihn anruft, dr\u00fcckt er den Anruf regelm\u00e4\u00dfig weg, berichten viele ehemalige Kollegen. Marsalek ist f\u00fcr den Vorstandschef nicht mehr so einfach zu steuern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und Braun soll in den letzten Jahren immer halsstarriger geworden sein. \u00bbWenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann musste es so laufen\u00ab, erz\u00e4hlt eine ehemalige Mitarbeiterin. \u00bbDas ist immer schlimmer geworden.\u00ab Im direkten Gespr\u00e4ch begegneten sich die beiden zuletzt auf Augenh\u00f6he, wie enge Mitarbeiter berichten, die regelm\u00e4\u00dfig mit beiden zu tun hatten. Zum Schluss seien Marsalek und Braun nicht mehr so eng gewesen wie in den Anfangsjahren, h\u00e4tten aber immer noch zusammengehalten, meinen viele. Einer sagt: \u00bbSie waren wie ein altes Ehepaar, das sich zuletzt ein wenig auseinandergelebt hat.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor gr\u00f6\u00dferem Publikum macht allein Braun die Ansagen und Marsalek nickt. \u00bbMarsalek hat das, was Braun sagt, nicht vor anderen infrage gestellt\u00ab, sagt ein Berater. Er ist zwar f\u00fcr das Kerngesch\u00e4ft der Firma verantwortlich, stiehlt Braun aber nie die Show. Im Gegenteil. Marsalek weigert sich oft, an \u00f6ffentlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Er bleibt lieber im Hintergrund. Braun hingegen pr\u00e4sentiert sich auch au\u00dferhalb von Aschheim in der Rolle des Vordenkers, eines Vortragsreisenden in Sachen Zahlungsverkehr der Zukunft. Dass viele nicht so genau verstehen, was er da sagt, macht ihn nur noch interessanter. Es wirkt, als sei er schon in der Zukunft. Wie es da aussieht, das wei\u00df man ja nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Braun sitzt 2018 auf dem Podium der Digitalkonferenz DLD in M\u00fcnchen und jettet nach Paris zum FinTech Forum, er referiert \u00fcber den \u00bbSinneswandel im strategischen Denken\u00ab, \u00fcber Mobilit\u00e4t und k\u00fcnstliche Intelligenz. Sein Auftritt ist zur\u00fcckhaltend, h\u00f6lzern, ein bisschen arrogant. Die Worte, die er spricht, haben es in sich und zeigen, welches Selbstverst\u00e4ndnis er hat. Eine Kostprobe: \u00bbAlles, was wir bis jetzt erreicht haben, ist meines Erachtens nur ein m\u00fcder Abklatsch dessen, was wir in den n\u00e4chsten zehn Jahren erreichen k\u00f6nnen.\u00ab Und: \u00bbZiel des Vorstands ist es, kraftvoll organisch die Welt zu erobern.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei vielen kommt das an. Eine Art Tech-Nerd, der von der Zukunft spricht, spr\u00f6de, langweilig, kompliziert \u2013 und dann solch fantastische Wachstumszahlen und -vorhersagen pr\u00e4sentiert. Das Handelsblatt schreibt 2018, die \u00bbAufsteigerlegende\u00ab Braun sei \u00bbwie der Heilige Geist \u00fcber die deutsche Finanzszene gekommen. Er gilt inzwischen als Inbegriff von \u203aFintech\u2039 in Deutschland.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Messe, die Braun f\u00fcr seine J\u00fcnger feiert, ist der Kapitalmarkttag, eine Art Jahrmarkt f\u00fcr Investoren und Analysten. 2018 pr\u00e4sentiert Braun in London seine \u00bbVision 2025\u00ab: Bis zum Jahr 2025 soll Wirecard seinen Umsatz im Vergleich zu 2017 auf 10 Milliarden Euro fast versiebenfachen, der operative Gewinn (EBITDA) soll sich im gleichen<br \/>\nZeitraum auf mehr als 3,3 Milliarden Euro verachtfachen. Bei den Vorst\u00e4nden von Knoop und Steidl soll der Plan nicht gut angekommen sein, hei\u00dft es in ihrem Umfeld. Sie h\u00e4tten die Ank\u00fcndigungen zu steil gefunden. Sie merken an: Wenn wir die Ziele nicht halten k\u00f6nnen, m\u00fcssen wir eine Gewinnwarnung rausgeben. Wirklich<br \/>\ndagegengestemmt haben sollen sie sich aber auch nicht. Und Braun schert sich ohnehin nicht drum.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Jahr 2019, der Kapitalmarkttag findet dieses Mal in New York statt, legt er noch einen drauf: Nicht 10, sondern 12 Milliarden Euro Umsatz, und nicht 3,3, sondern 3,8 Milliarden operativen Gewinn soll es 2025 geben. Viele Analysten fahren darauf offenbar ab und hinterfragen scheinbar nicht, ob und wie die traumhaften Zahlen zu erreichen sind. Ihr Fazit lautet meist: Die Aktie unbedingt kaufen \u2013 unabh\u00e4ngig davon,<br \/>\nwas Medien wie die Financial Times sagen. Brauns wom\u00f6glich gr\u00f6\u00dfter Fan in der Analysten-Schar ist Heike Pauls von der Commerzbank, die seit 2008 Analysen \u00fcber den Zahlungsabwickler schreibt und dabei 199-mal ein und dasselbe Votum f\u00fcr die Aktie abgibt: kaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Analyst der Privatbank Hauck &amp; Aufh\u00e4user, Robin Brass, ist\u00a0 auch nicht viel besser. Als die WirtschaftsWoche im Dezember 2018 eine umfangreiche Analyse \u00fcber Wirecards Kundschaft ver\u00f6ffentlicht, braucht er nur wenige Stunden, um die Recherchen sinngem\u00e4\u00df als mehr oder weniger gehaltlos abzustempeln. Seine Kommentare offenbaren jedoch, dass er sich mit der Materie inhaltlich kaum befasst hat. Einige Monate sp\u00e4ter tritt Brass einen neuen Job an \u2013 bei Wirecard.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genauso wie schon Lars Dannenberg, ein Vorg\u00e4nger von Brass als Wirecard-Analyst bei Hauck &amp; Aufh\u00e4user. Die Banker des Geldinstituts scheinen einen Narren an Braun und seiner Firma gefressen zu haben. Am 23. April 2020 gibt Analyst Simon Bentlage ein Kursziel von 270 Euro aus und prognostiziert damit einen Gewinn von 100 Prozent zum aktuellen Kurs. So viel Optimismus ist bezeichnend angesichts des Umstands, dass Wirecard gerade Wirtschaftspr\u00fcfer von KPMG im Haus hat, die \u00fcberpr\u00fcfen sollen, ob das angeblich so erfolgreiche Gesch\u00e4ft mit Wirecards wichtigsten Drittpartnern \u00fcberhaupt existiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem Aufstieg in den DAX hat Braun das geschafft, worauf er seit vielen Jahren hinarbeitet. F\u00fcr ihn war immer klar, dass Wirecard mal in den DAX kommt, erz\u00e4hlen Vertraute \u2013 die Frage sei nur gewesen: Wann? Jetzt sieht er sich best\u00e4tigt. Formal ist Wirecard Ein b\u00f6rsennotiertes Unternehmen, an dem Braun \u00bbnur\u00ab 7 Prozent h\u00e4lt.<br \/>\nAufgebaut aber ist Wirecard wie ein eigent\u00fcmergef\u00fchrter Mittelst\u00e4ndler \u2013 zugeschnitten auf den Patriarchen. Die Mitarbeiter nennen ihn ehrf\u00fcrchtig \u00bbHerr Doktor Braun\u00ab. Diejenigen, mit denen er t\u00e4glich und viel zu tun hat, nennen ihn \u00bbMB\u00ab oder \u00bbMarkus\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Mitarbeitern, die nicht zu seinem engeren Kreis z\u00e4hlen, h\u00e4lt er sich eher fern. Bei Betriebsfeiern wird er oft von seinen wenigen Gefolgsleuten eingerahmt, bleibt stoisch sitzen und f\u00fchrt nur selten Small Talk mit Menschen, die er nicht kennt. Sogar in der Tiefgarage von Wirecard kapselt er sich ab: Der Parkplatz f\u00fcr den Vorstand wird abgeschirmt. Niemand kann sehen, ob Brauns Dienst-Maybach da ist oder nicht. Er ist gerne in seinem B\u00fcro und arbeitet an der Zukunft der Wirecard.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seinen vierten Stock im Hauptgeb\u00e4ude verl\u00e4sst er selten. Als er einmal bei Marsalek vorbeikommen will, der in einem benachbarten Geb\u00e4ude sein B\u00fcro hat, machen Marsaleks Mitarbeiter Witze, ob Braun \u00fcberhaupt hin- und wieder zur\u00fcckfinden wird. Weit laufen muss er in der Regel auch nicht, um mit den Menschen zu reden, die ihm besonders wichtig sind. Mit Braun im vierten Stock der Aschheimer Konzernzentrale sitzen die Abteilungen, die der Vorstandschef als Instrumente f\u00fcr seinen Wachstumswahnsinn ben\u00f6tigt: die Leute, die f\u00fcr die Kommunikation mit der Presse und den Investoren zust\u00e4ndig sind. Und die Strategieabteilung. Braun braucht sie,<br \/>\ndie Strategieleute, f\u00fcr das n\u00e4chste gro\u00dfe Ding. Die Ansprechpartner f\u00fcr die Investoren, um die Geldgeber einzuwickeln oder zu beruhigen. Und die Pressesprecher, um die Welt da drau\u00dfen mit Jubelmeldungen zu \u00fcberfluten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Phasenweise arbeiten zus\u00e4tzlich noch mehrere PR-Berater f\u00fcr Wirecard \u2013 reine Geldverschwendung. Dass er die Kommunikationsstrategie des Unternehmens \u00e4ndern, vom reinen Dementieren kritischer Berichte wegkommen und auch mal Fakten liefern muss, dass er sich mehr M\u00fche geben muss, die Gesch\u00e4fte seines Unternehmens zu erkl\u00e4ren \u2013 davon will Braun angeblich nichts h\u00f6ren, berichten mehrere Personen, die eng mit ihm gearbeitet haben. \u00bbSo wie ich es verstanden habe, erschien es ihm als Zeitverschwendung. Wer die Genialit\u00e4t seines Gesch\u00e4ftsmodells nicht verstehe, dem k\u00f6nne man auch nicht helfen. Das war in etwa die Haltung, die er vermittelt hat\u00ab, sagt einer, der f\u00fcr Braun gearbeitet hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass ihr Chef ein gesundes Selbstbewusstsein hat, merken seine Untergebenen auch, als er ihnen nach dem Aufstieg in den DAX auftr\u00e4gt, Termine mit anderen DAX-Chefs zu machen. \u00bbEr brauchte die Anerkennung, dass er ein relevanter Spieler ist\u00ab, sagt ein Ex-Manager. Selbstzweifel kennt Braun offenbar nicht: \u00bbEr ist davon \u00fcberzeugt, dass er permanent richtig handelt. Er bringt die Welt weiter, das denkt er\u00ab, sagt ein ehemaliger enger Mitarbeiter von Braun. Als Beleg daf\u00fcr kann er stets auf die Wirecard-Aktie weisen. Am 3. September 2018 erreicht das Papier sein Allzeithoch: 195,75 Euro. Der Wert hat sich seit dem Jahresanfang mehr als verdoppelt. Wer solche Zahlen vorweisen kann, ist \u00fcber jeden Zweifel erhaben. Braun sagt \u00fcber sich selbst: \u00bbIch bin ein pathologischer Optimist.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die bayerische Landeshauptstadt M\u00fcnchen mit ihrer Schickeria bedeutet Braun nicht viel. Seine Heimat \u00d6sterreich hingegen schon, hier m\u00f6chte er jemand sein. H\u00e4ufig l\u00e4sst er sich \u00fcbers Wochenende nach Wien fahren, zusammen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter bewohnt er dort ein Haus. Dass \u00d6sterreichs Kanzler Sebastian Kurz ihn in seinen wirtschaftspolitischen Thinktank holt, bedeutet ihm sehr viel, sagen Brauns Begleiter. Braun besucht den Wiener Opernball und versucht sogar, Gef\u00fchle zu zeigen, als er 2019 das Ereignis Opernball wie folgt beschreibt: \u00bbEs ist ein \u00e4sthetisches Gesamtkunstwerk, das man sicherlich auch anachronistisch sehen kann, aber auch in irgendeiner Form etwas ganzheitlich Einzigartiges ist.\u00ab Weiter f\u00fchrt er aus: \u00bbEs ist ein Sinneserlebnis. So muss man sich dem Opernball n\u00e4hern und weniger in diesem N\u00fctzlichkeitsbereich.\u00ab Aha.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gespr\u00e4chspartner, mit denen sich Braun auf Augenh\u00f6he sieht, erleben ein interessantes Gegen\u00fcber, das sich viel mit politischen und gesellschaftlichen Themen besch\u00e4ftigt. Und das in seinen strategischen \u00dcberlegungen oft Vergleiche aus dem Schachspiel verwendet: Wenn ich das mache, macht der andere das, und so weiter. Letztendlich ist es das, was Braun mit allen um sich herum spielt: Schach. Er ist der Spieler, die anderen sind seine Figuren. Jahr f\u00fcr Jahr legt er die Messlatte f\u00fcr die Figuren h\u00f6her. Seinen Wachstumsw\u00fcnschen hat sich die Belegschaft zu gro\u00dfen Teilen untergeordnet, meint ein Ex-Mitarbeiter, weil es scheinbar ja auch ging: \u00bbWenn jedes Jahr 20 bis 30 Prozent Wachstum gepredigt und erreicht wird, dann wird das nach au\u00dfen kommuniziert. Und dann wird es noch mit dem Pr\u00fcfsiegel des Wirtschaftspr\u00fcfers EY versehen. Dann glaubt die Organisation das auch.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Braun begreift sich als Vision\u00e4r \u2013 aber wie um alles in der Welt seine irrwitzigen Wachstumsziele umgesetzt werden k\u00f6nnen, davon soll er weniger Ahnung gehabt haben. \u00bbBraun hat immer viele Ideen aufgebracht, aber wenn es dann um die Frage ging, wie man die umsetzen kann, dann hatte er oft nichts Schlaues mehr zu sagen\u00ab, sagt ein langj\u00e4hriger Wirecard-Berater. \u00bbBraun hatte keine Ahnung, was im Maschinenraum der Firma passiert. Der sa\u00df im Elfenbeinturm.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-673624\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Melanie Bergermann und Volker ter Haseborg von der &#8222;WirtschaftsWoche&#8220;: &#8222;Die Wirecard-Story. 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September 2018 um &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/12\/09\/buchauszug-melanie-bergermann-und-volker-ter-haseborg-die-wirecard-story-die-geschichte-einer-milliarden-luege\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[9620,1890,4931,9618,9619],"class_list":["post-675221","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-die-wirecard-story-die-geschichte-einer-milliarden-luege","tag-buchauszug","tag-finanzbuch-verlag","tag-melanie-bergermann","tag-volker-ter-haseborg"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/675221","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=675221"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/675221\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":675370,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/675221\/revisions\/675370"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=675221"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=675221"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=675221"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}