{"id":675156,"date":"2020-11-23T07:00:31","date_gmt":"2020-11-23T06:00:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=675156"},"modified":"2020-11-30T16:53:39","modified_gmt":"2020-11-30T15:53:39","slug":"der-feine-unterschied-ob-arbeitsunfall-oder-nicht-kann-jeden-monat-mehrere-hundert-euro-obendrauf-ausmachen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/11\/23\/der-feine-unterschied-ob-arbeitsunfall-oder-nicht-kann-jeden-monat-mehrere-hundert-euro-obendrauf-ausmachen\/","title":{"rendered":"Der feine Unterschied &#8211; ob Arbeitsunfall oder nicht &#8211; kann jeden Monat mehrere hundert Euro obendrauf ausmachen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Ob ein Unfall im Home office oder beim Mobilen Arbeiten als Arbeitsunfall gilt oder nicht, ist keine Formalie: Der Unterschied kann f\u00fcr Angestellte am Ende mehrere hundert Euro jeden Monat bedeuten. Die Feinheiten und Klippen bei BG-Unf\u00e4llen erkl\u00e4rt Arbeitsrechtlerin Heike Kroll im Gastbeitrag.\u00a0<\/strong><\/p>\n<div class=\"css-1dbjc4n r-18kxxzh r-1h0z5md r-zso239\">\n<div class=\"css-1dbjc4n r-1wbh5a2 r-dnmrzs\">\n<div class=\"css-1dbjc4n r-1adg3ll r-1udh08x\">\n<div class=\"r-1p0dtai r-1pi2tsx r-1d2f490 r-u8s1d r-ipm5af r-13qz1uu\">\n<div class=\"css-1dbjc4n r-sdzlij r-1p0dtai r-1mlwlqe r-1d2f490 r-1udh08x r-u8s1d r-zchlnj r-ipm5af r-417010\" aria-label=\"\">Heike Kroll auf Twitter: <span class=\"css-901oao css-16my406 r-1qd0xha r-ad9z0x r-bcqeeo r-qvutc0\">@RA_DrKroll<\/span><\/div>\n<div aria-label=\"\">.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Wegen der Corona-Pandemie sind viele Mitarbeiter seit Monaten im Homeoffice. Manche durchgehend seit M\u00e4rz. Da die meisten Unf\u00e4lle im Haushalt passieren, sind St\u00fcrze und \u00e4hnliches programmiert. Jedoch: Fast keinem ist bewusst, dass es einen Unterschied macht, ob ein Angestellter zuhause beim mobilen Arbeiten beziehungsweise im Home office in der Arbeitszeit oder im B\u00fcro einen Unfall hat. Und dass der Unterschied am Ende mehrere hundert Euro Rente jeden Monat oben drauf aufs Gehalt ausmachen kann und deutlich mehr therapeutische Ma\u00dfnahmen zwecks Genesung.<\/p>\n<p>Die Grundregel ist: Wer sich im B\u00fcro oder auf dem Weg dahin oder zur\u00fcck verletzt, bekommt von der gesetzlichen Unfallversicherung zus\u00e4tzliche Leistungen &#8211; bei einer T\u00e4tigkeit im Homeoffice sieht das im Normalfall ganz anders aus.<\/p>\n<p>Gesetzlich unfallversichert ist automatisch jeder, der in einem Arbeits-, Ausbildungs- oder Dienstverh\u00e4ltnis steht. Die Beitr\u00e4ge an die BG-Versicherung zahlt der Arbeitgeber. Versichert sind dar\u00fcber Arbeits- und Wegeunf\u00e4lle, aber auch Berufskrankheiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_675157\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Kroll.heike_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-675157\" class=\"size-full wp-image-675157\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Kroll.heike_.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"472\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Kroll.heike_.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Kroll.heike_-300x218.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Kroll.heike_-413x300.jpg 413w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-675157\" class=\"wp-caption-text\">Heike Kroll (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Also: Die Leistungen der gesetzlichen Unfallversicherung bei Arbeitsunf\u00e4llen sind deutlich gro\u00dfz\u00fcgiger als die der normalen Krankenversicherung, denn der Patient soll ja schnell wieder auf die Beine kommen und wieder weiter arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Was gesetzliche Unfallversicherung wom\u00f6glich bezahlt: Beispielsweise eine Verletztenrente bei dauerhafter Minderung der Erwerbsunf\u00e4higkeit, also auf das normale Gehalt obendrauf vielleicht ein paar hundert Euro jeden Monat. Oder ein &#8222;\u00dcbergangsgeld bei Ma\u00dfnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben&#8220; sowie &#8222;Pflegegeld bei erheblichen Hilfebedarf&#8220;. Dann gibt es noch umfangreiche &#8222;Anspr\u00fcche auf Sach- oder Dienstleistungen, insbesondere ambulante und station\u00e4re \u00e4rztliche Behandlungen, Psychotherapien, h\u00e4usliche Krankenpflege, Haushaltshilfen, sogenannte <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Teilhabe_(Behinderte_Menschen)\">Teilhabeleistungen<\/a>, Heil- und Hilfsmittel&#8220; &#8211; alles umfangreich und (anders als bei der gesetzlichen Krankenversicherung) vor allem ohne Budgetierung der einzusetzenden Mittel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Umso wichtiger ist, sich bewusst machen, was ein Arbeitsunfall oder ein Wegeunfall im Sinne der gesetzlichen Unfallversicherung eigentlich ist:<\/p>\n<ol>\n<li>Arbeitsunf\u00e4lle sind Unf\u00e4lle, die Angestellte bei der Arbeit und auf Dienstwegen zusto\u00dfen. Dazu geh\u00f6rt auch die Instandhaltung von Arbeitsger\u00e4ten, die Teilnahme am Betriebssport oder an Betriebsausfl\u00fcgen und -feiern.<\/li>\n<li>Wegeunf\u00e4lle sind Unf\u00e4lle, die sich auf dem direkten Weg zur Firma oder dem R\u00fcckweg ereignen. Was auch versichert ist: Notwendige Umwege, um Kinder in der Arbeitszeit unterzubringen oder bei Fahrgemeinschaften.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein Unfall ist \u00fcbrigens immer ein \u201eein zeitlich begrenztes, von au\u00dfen auf den K\u00f6rper einwirkendes Ereignis, das zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod f\u00fchrt\u201c. Das bedeutet umgekehrt: Es liegt kein Arbeitsunfall vor, wenn Verletzungen oder Gesundheitssch\u00e4den ohne Einwirkung von au\u00dfen nur zuf\u00e4llig w\u00e4hrend der versicherten T\u00e4tigkeit auftreten, wenn also zum Beispiel ein Mitarbeiter am Schreibtisch einen Herzinfarkt erleidet.<\/p>\n<p><strong>Wie sieht der Versicherungsschutz nun konkret im Home office im Gegensatz zur B\u00fcrot\u00e4tigkeit aus:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>1. Der normale Gang zur Toilette oder der Weg zur K\u00fcche\/Kantine<\/strong><\/p>\n<p>Im B\u00fcro ist der Weg bis zur Toilettent\u00fcr, zur K\u00fcche oder zur Kantine und zur\u00fcck\u00a0 versichert.<\/p>\n<p>Im Home-Office sind Wege zur Toilette, ins Bad oder in die K\u00fcche und zur\u00fcck nicht als unfallversichert. Anders kann es aussehen, wenn gerade der Job ein besonderes Durstgef\u00fchl verursacht oder der Angestellte wegen einer Erkrankung und der damit verbundenen gesetzlichen Nebenpflicht &#8222;zum genesungsf\u00f6rdernden Verhalten gegen\u00fcber dem Arbeitgeber verpflichtet&#8220; gewesen w\u00e4re, sich Wasser zu holen und deshalb in die K\u00fcche geht.<\/p>\n<p>Und &#8211; jetzt wird es knifflig &#8211; wenn jemand aus der K\u00fcche st\u00fcrzt, in der er Pause gemacht hat, weil das Diensthandy l\u00e4utet oder eine Videokonferenz startet. Denn dann w\u00e4re der R\u00fcckweg &#8222;dienstlich motiviert und im direkten Zusammenhang&#8220; mit der Arbeit zu sehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2. Die Mittagspause<\/strong><\/p>\n<p>Angestellte sind \u00fcberall in ihrer Mittagspause versichert, sofern sie ausschlie\u00dflich Aktivit\u00e4ten zur Nahrungsaufnahme unternehmen, so wie einen Gang zum B\u00e4cker oder Supermarkt, um sich einen Mittagsnack zu kaufen oder bis zur Haust\u00fcr des Restaurants, in dem er sein Mittagessen einnimmt.<\/p>\n<p>Fest steht: Verl\u00e4sst der Home-Office-Mitarbeiter das Haus, um ausw\u00e4rts zu essen, ist er nicht unfallversichert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>3. Der Treppensturz<\/strong><\/p>\n<p>F\u00e4llt ein Angestellter im Firmengeb\u00e4ude die Treppe herunter, ist er ganz klar unfallversichert. Anders ist es im Home-Office: Diese Risiken innerhalb der privaten Wohnung hat der Arbeitgeber nicht zu verantworten, sagen die Sozialgerichte.<\/p>\n<p>Wann kann der Sturz auf der Treppe zuhause dennoch versichert sein? Nur in Ausnahmef\u00e4llen kann er ein Arbeitsunfall sein (BSG, B 2 U 28\/17 R). Zum Beispiel: Geht ein\u00a0 Mitarbeiter in sein Arbeitszimmer im Keller, um einer dienstlichen Weisung nachzukommen (hier dienstliches Telefonat au\u00dferhalb der eigentlichen Arbeitszeit), nimmt man eine Aufgabe im Interesse des Unternehmens wahr und ist versichert.<\/p>\n<p>Werden mehrere R\u00e4ume innerhalb der Wohnung betrieblich genutzt\u00a0 &#8211; der Drucker befindet sich in einem anderen Raum &#8211; und ereignet sich der Unfall auf dem Weg zwischen diesen R\u00e4umen, kann ebenfalls ein Betriebsweg und damit Versicherungsschutz der BG-Versicherung vorliegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>4. Wenn der Postbote klingelt<\/strong><\/p>\n<p>Im B\u00fcro geh\u00f6rt grunds\u00e4tzlich jeder Gang zur T\u00fcr zu einer versicherten Handlung.<\/p>\n<p>Im Homeoffice muss differenziert werden: Es besteht keine Unfallversicherung, wenn man f\u00fcr private Belange seine Arbeit unterbricht, etwa wenn der Paketbote ein privates Paket bringt. Nimmt man vom Brieftr\u00e4ger gesch\u00e4ftliche Post entgegen, ist man sehr wohl unfallversichert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>5. Wegbringen von Kindern zur Kita\/Tagesmutter<\/strong><\/p>\n<p>Nach ausdr\u00fccklicher gesetzlicher Regelung besteht durchaus Versicherungsschutz, wenn man sein Kind auf dem Weg ins B\u00fcro bei der Kita oder Tagesmutter absetzt und im Anschluss an die B\u00fcrot\u00e4tigkeit wieder abholt.<\/p>\n<p>Bei Personen, die im Homeoffice arbeiten, sind dagegen Unf\u00e4lle beim Wegbringen oder Abholen der Kinder keine Arbeitsunf\u00e4lle, sondern Privatsache. Das Bundessozialgericht hat das erst k\u00fcrzlich ausdr\u00fccklich best\u00e4tigt (BSG, Urteil vom 30.01.2020, B 2 19\/18 R).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>6. Fahrten ins B\u00fcro<\/strong><\/p>\n<p>Bei durchgehender B\u00fcrot\u00e4tigkeit fallen Unf\u00e4lle auf dem Weg ins B\u00fcro unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Jedoch ist &#8211; au\u00dfer bei Fahrgemeinschaften oder dem Wegbringen von Kindern &#8211; immer nur der direkte Weg versichert. Wer anh\u00e4lt, um Post einzuwerfen, zu Tanken oder sich etwas zu Essen zu kaufen, ist nicht mehr unfallversichert.<\/p>\n<p>Fahrten eines Mitarbeiters im Home office sind unfallversichert, wenn ein unmittelbarer Bezug zur T\u00e4tigkeit besteht: Wenn ein Meeting in der Firma angeordnet ist oder der\u00a0 Mitarbeiter aufgefordert wird, betriebliche Unterlagen oder Arbeitsergebnisse in den Betrieb zu bringen. Oder er bei alternierender Telearbeit an den Home-office-freien Tagen zu seinem Schreibtisch in der Firma f\u00e4hrt, um dort zu arbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>7. Die Raucherpause<\/strong><\/p>\n<p>Zumindest beim Rauchen werden Wohnung und Firma gleichgestellt. Weil Rauchen nicht der Erhaltung der Arbeitskraft dient, ist der Weg in die Rauchpause Privatsache, so urteilte das Berliner Sozialgericht (Urteil vom 23.01.2013, S 68 U 577\/12).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was ist nun bei einem Arbeitsunfall zu tun:<\/strong><\/p>\n<p>1. Erstbehandeln d\u00fcrfen nur zugelassene Durchgangs\u00e4rzte. Sie sind auf Arbeitsunf\u00e4lle spezialisiert, haben gegen\u00fcber der Berufsgenossenschaft ihre besondere Qualifikation f\u00fcr die Behandlung von Unf\u00e4llen nachgewiesen und sind im Internet aufgelistet.<\/p>\n<p>2. Achten Sie darauf, dass der Unfallhergang (genauer Zeitpunkt, von woher kam man, wo wollte man hin und zu welchem Zweck geschah die Handlung, bei der der Unfall passierte) vollst\u00e4ndig und korrekt aufgenommen wird.<\/p>\n<p>3. Informieren Sie Ihren Arbeitgeber, damit er seinen Verpflichtungen gegen\u00fcber der Berufsgenossenschaft nachkommen kann.<\/p>\n<p>4. Da es immer auf den konkreten Einzelfall ankommt, sollte man eine Ablehnung des Unfallversicherungsschutzes nicht einfach akzeptieren, sondern im Zweifel einem Anwalt zeigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-673624\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob ein Unfall im Home office oder beim Mobilen Arbeiten als Arbeitsunfall gilt oder nicht, ist keine Formalie: Der Unterschied kann f\u00fcr Angestellte am Ende mehrere hundert Euro jeden Monat bedeuten. 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