{"id":675085,"date":"2020-11-16T17:54:21","date_gmt":"2020-11-16T16:54:21","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=675085"},"modified":"2020-11-16T17:54:21","modified_gmt":"2020-11-16T16:54:21","slug":"reykjavik-global-forum-2020-gleichberechtigung-ist-fuer-aeltere-selbstverstaendlicher-als-fuer-juengere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/11\/16\/reykjavik-global-forum-2020-gleichberechtigung-ist-fuer-aeltere-selbstverstaendlicher-als-fuer-juengere\/","title":{"rendered":"Reykjavik Global Forum 2020: Gleichberechtigung ist f\u00fcr \u00c4ltere selbstverst\u00e4ndlicher als f\u00fcr J\u00fcngere"},"content":{"rendered":"<p>Jedes Jahr findet in Island &#8211; da, wo die Gleichberechtigung der Frauen am weitesten ist &#8211; das <a href=\"https:\/\/reykjavikforum.global\/forum-2020\/#programm\">Reykjavik Global Forum<\/a> statt. Eine Art WEF Davos der Frauen. Vor wenigen Tagen war es wieder soweit, ver\u00f6ffentlich wurde dabei auch wieder der Reykjavik-Index-for-Leadership-Report, der die Wahrnehmung der Bev\u00f6lkerung dieses Themas abfragt. Das Ergebnis: In puncto Einstellung zur Gleichberechtigung hat die Gesellschaft keine Fortschritte gemacht . Auch nicht angesichts der schwerwiegenden Auswirkungen von Covid-19.<\/p>\n<p>Heraus kam zudem erstaunlicherweise, dass \u00c4ltere etwas fortschrittlichere Ansichten <span style=\"background-color: #ffffff;color: #333333;font-family: 'Helvetica Neue', Helvetica, Arial, 'Nimbus Sans L', sans-serif;font-size: 15px\">vertreten als J\u00fcngere. &#8222;Ob und wie Frauen jedoch in der Realit\u00e4t gleichgestellt sind, h\u00e4ngt von vielen Faktoren ab\u201c, sagt Politikforscherin Sophia Schmid vom Marktforschungsinstitut Kantar Public Germany. Denn:\u00a0Der Index sagt nichts \u00fcber die tats\u00e4chliche Gleichstellung von M\u00e4nnern und Frauen, da er nur Einstellungen in der Bev\u00f6lkerung \u00fcber eine ausgeglichenen Verteilung von F\u00fchrungspositionen misst.\u00a0<\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_675142\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/SchmidtSophia.-REykjavik._2020.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-675142\" class=\"size-medium wp-image-675142\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/SchmidtSophia.-REykjavik._2020-300x208.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/SchmidtSophia.-REykjavik._2020-300x208.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/SchmidtSophia.-REykjavik._2020-433x300.jpg 433w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/SchmidtSophia.-REykjavik._2020.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-675142\" class=\"wp-caption-text\">Sophia Schmidt (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>Was der Index noch zeigt: Dass die Differenz zwischen jungen M\u00e4nnern und jungen Frauen am gr\u00f6\u00dften ist. &#8222;Junge M\u00e4nner haben also eine deutlich niedrigere Index-Punktzahl als junge Frauen und glauben somit eher als diese, dass Frauen und M\u00e4nner nicht gleich gut f\u00fcr F\u00fchrungspositionen geeignet sind&#8220;, so Schmidt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Zwar sagt der Index nichts \u00fcber die Hindernisse f\u00fcr Frauen in verschiedenen Branchen oder \u00fcber die tats\u00e4chliche Beteiligung von Frauen in den F\u00fchrungspositionen in diesen Branchen aus. &#8222;Aber er zeigt, f\u00fcr welche Branchen die deutsche Bev\u00f6lkerung eher glaubt, dass M\u00e4nner und Frauen gleich gut f\u00fcr F\u00fchrungspositionen geeignet sind.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mehr Vorurteile in Autobranche, Verteidigung, Polizei und Maschinenbau<\/strong><\/p>\n<p class=\"x_MsoNormal\">Der Index unterscheidet denn auch nach Bereichen wie Medien, Unterhaltung,\u00a0 Naturwissenschaften oder Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft (siehe Tabellen ganz unten). Zum Beispiel: In Branchen wie Automobilherstellung, Verteidigung und Polizei oder Maschinenbau\/Ingenieurwesen glauben weniger Leute, dass M\u00e4nner und Frauen gleich gut f\u00fcr F\u00fchrungspositionen geeignet sind. Schmidt: &#8222;Das weist darauf hin, dass die Bev\u00f6lkerung f\u00fcr diese Branchen st\u00e4rkere Vorurteile gegen die Beteiligung von Frauen in h\u00f6heren Positionen hat.\u201c<\/p>\n<p>Doch nicht in allen Nationen herrschen dieselben Vorurteile. Schmidt: \u201eDer Reykjavik Index ist f\u00fcr Deutschland niedriger als f\u00fcr Frankreich und England. Das zeigt, dass in Deutschland gr\u00f6\u00dfere Vorbehalte gegen\u00fcber der gleichen Beteiligung von Frauen und M\u00e4nnern an F\u00fchrungspositionen bestehen.&#8220; Ob es in diesen L\u00e4ndern wirklich leichter f\u00fcr Frauen ist, aufzusteigen, verr\u00e4t der Index nicht. Daf\u00fcr sind viel mehr Faktoren wie F\u00f6rderma\u00dfnahmen, transparente und objektive Rekrutierungsprozesse oder f\u00fcr Eltern gute Kinderbetreuungssysteme wichtig.<\/p>\n<p>Die Folgen dieser Vorurteile sind enorm: Laut Schmidt w\u00fcrden Frauen mit Kindern deshalb von vornherein seltener Bewerbungsgespr\u00e4chen eingeladen und verdienen weniger als kinderlose Frauen.<\/p>\n<p>Zur Methode des Reykjavik Index for Leadership: &#8222;Er analysiert, inwieweit sich die Gesellschaft mit Frauen in F\u00fchrungspositionen im Vergleich zu M\u00e4nnern wohlf\u00fchlt. Eine Punktzahl von 100 bedeutet eine v\u00f6llige \u00dcbereinstimmung damit, dass M\u00e4nner und Frauen gleicherma\u00dfen f\u00fcr F\u00fchrungspositionen geeignet sind. Jede Punktzahl unter 100 deutet dagegen auf Vorurteile hin.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kernpunkte der Untersuchung:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Gro\u00dfbritannien und Kanada haben mit 81 Punkten die fortschrittlichsten Ansichten unter den G7-L\u00e4ndern.<\/li>\n<li>Deutschland rutsch ab auf den letzten Platz, wo zuvor Italien stand.<\/li>\n<li>Britische Frauen sind am zuversichtlichsten, dass sie sich f\u00fcr eine F\u00fchrungsrolle eignen. Franz\u00f6sische, deutsche und amerikanische Frauen zeigen sich seit 2019 in diesem Punkt weniger \u00fcberzeugt.<\/li>\n<li>Medien und Unterhaltung (81), Naturwissenschaften (81), Wirtschaft und Politikwissenschaft (81) sowie Banken und Finanzen (80) sind die Bereiche mit den h\u00f6chsten durchschnittlichen G7-Indexwerten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>L\u00e4ndervergleich<\/strong><\/p>\n<table width=\"623\">\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"116\"><\/td>\n<td width=\"126\"><strong>2020\u200b<\/strong><\/td>\n<td width=\"126\"><strong>2019\u200b<\/strong><\/td>\n<td width=\"128\"><strong>2018\u200b<\/strong><\/td>\n<td width=\"126\"><strong>Ver\u00e4nderung 2019 gegen\u00fcber 2020<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"116\"><strong>Gro\u00dfbritannien<\/strong><\/td>\n<td width=\"126\">81\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">73\u200b<\/td>\n<td width=\"128\">77\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">+8\u200b<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"116\"><strong>Kanada<\/strong><\/td>\n<td width=\"126\">81\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">77\u200b<\/td>\n<td width=\"128\">76\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">+3\u200b<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"116\"><strong>USA<\/strong><\/td>\n<td width=\"126\">76\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">75\u200b<\/td>\n<td width=\"128\">76\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">+1\u200b<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"116\"><strong>Frankreich<\/strong><\/td>\n<td width=\"126\">74\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">77\u200b<\/td>\n<td width=\"128\">76\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">-3\u200b<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"116\"><strong>G7-Durchschnitt<\/strong><\/td>\n<td width=\"126\">73\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">73\u200b<\/td>\n<td width=\"128\">72\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">+1\u200b<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"116\"><strong>Italien<\/strong><\/td>\n<td width=\"126\">68\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">68\u200b<\/td>\n<td width=\"128\">63\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">0\u200b<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"116\"><strong>Japan<\/strong><\/td>\n<td width=\"126\">68\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">70\u200b<\/td>\n<td width=\"128\">67\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">-3\u200b<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"116\"><strong>Deutschland<\/strong><\/td>\n<td width=\"126\">66\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">69\u200b<\/td>\n<td width=\"128\">66\u200b<\/td>\n<td width=\"126\">-2\u200b<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Reykjavik Index for Leadership 2020<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Wahrnehmung der Eignung nach 23 Wirtschaftssektoren<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcberraschend im Index laut Schmidt: Der Gesundheitssektor, wo 75 Prozent der Besch\u00e4ftigten Frauen sind, steht mit 71 Punkten auf Platz 18 \u2013 hinter anderen Sektoren, die traditionell von M\u00e4nnern gef\u00fchrt werden, wie das Justizwesen (79), die High-Tech- und KI-Branche (78) oder Luft- und Raumfahrt sowie Maschinenbau (beide 72).<\/p>\n<p>Und weiter: Obwohl Medien und Unterhaltung (81), Naturwissenschaften (81) sowie Bank- und Finanzwesen (80) als die Branchen gelten, die sich am besten f\u00fcr m\u00e4nnliche und weibliche F\u00fchrungskr\u00e4fte eignen, gibt es weiterhin Barrieren f\u00fcr Frauen: Nur zwei Prozent der Banken-CEOs sind Frauen und haben nur 20 Prozent der Aufsichtsratssitze in Banken und Aufsichtsbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Reykjavik3-Index.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-675138\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Reykjavik3-Index.jpg\" alt=\"\" width=\"594\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Reykjavik3-Index.jpg 594w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/Reykjavik3-Index-274x300.jpg 274w\" sizes=\"auto, (max-width: 594px) 100vw, 594px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Jahr findet in Island &#8211; da, wo die Gleichberechtigung der Frauen am weitesten ist &#8211; das Reykjavik Global Forum statt. 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