{"id":674923,"date":"2021-02-09T23:30:47","date_gmt":"2021-02-09T22:30:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=674923"},"modified":"2021-02-10T00:26:56","modified_gmt":"2021-02-09T23:26:56","slug":"ein-teller-moussaka-mit-patentrechtlerin-julia-schoenbohm-von-linklaters-fuer-die-entscheidungsprozesse-zeitfresser-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2021\/02\/09\/ein-teller-moussaka-mit-patentrechtlerin-julia-schoenbohm-von-linklaters-fuer-die-entscheidungsprozesse-zeitfresser-sind\/","title":{"rendered":"Ein Teller Moussaka mit Patentrechtlerin Julia Sch\u00f6nbohm von Linklaters, f\u00fcr die Entscheidungsprozesse Zeitfresser sind"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wollen Sie einen Tomatensaft?&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Super politisch korrekt, aber intolerant, so sieht unsere Gesellschaft aus, monierte Julia Sch\u00f6nbohm, als wir uns vor dem zweiten Lockdown zum Lunch trafen. Und sie hat auch gleich ein Beispiel parat: Morgens auf dem Weg zur Kanzlei Linklaters in Frankfurt, wo sie als Anw\u00e4ltin arbeitet, passierte ihr dieser verbale Schlagabtausch: Sie stand an der Ampel, die Fensterscheibe heruntergekurbelt, als eine Frau vom Beifahrersitz des BMW-Kombis neben ihr unvermittelt losschimpfte &#8222;Machen Sie ihr Fenster zu, sie sind weniger als 1,20 Meter Mindestabstand entfernt&#8220;. Sch\u00f6nbohm parierte: &#8222;Machen Sie sie doch zu.&#8220; Die verbl\u00fcffende Antwort der aggressiven Beifahrerin kam prompt: &#8222;Nein, ich war eher hier.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_674928\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/schoenbohm.gross_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-674928\" class=\"size-full wp-image-674928\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/schoenbohm.gross_.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/schoenbohm.gross_.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/schoenbohm.gross_-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/schoenbohm.gross_-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-674928\" class=\"wp-caption-text\">Julia Sch\u00f6nbohm (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4re die Ampel nicht in dem Moment auf Gr\u00fcn umgesprungen, w\u00e4re die Patentrechtlerin der Frau im Nachbarauto sicher keine Antwort schuldig geblieben. Denn schlagfertig ist sie. So wie sie dem Headhunter einen mitgab, der sie vor sieben Jahren, abwerben wollte. Damals war sie noch bei DLA Piper und nicht an einem Treffen interessiert, erinnert sich die Juristin grinsend. Denn bei DLA wurde sie schon mit 34 Jahren zur Partnerin bef\u00f6rdert &#8211; was wohl extrem selten ist.<\/p>\n<p>Doch sie erkannte den Namen des Headhunters wieder und wusste, dass sie mit ihm noch eine Rechnung offen hatte. Als sie noch Studentin war, war er ihr Repetitor. Bei ihm hatte sie einen Studentenjob und der Mann war ihr mal dumm gekommen: Ob sie nicht lieber Stewardess werden wolle, hatte er sie ernsthaft gefragt. Das hat sie ihm nie vergessen &#8211; und das allein war der Grund, warum sie ihn traf. Und so fiel denn auch Sch\u00f6nbohms Begr\u00fc\u00dfungsfrage beim Wiedertreffen &#8211; in den ver\u00e4nderten Rollen &#8211; aus: &#8222;Wollen Sie einen Tomatensaft?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Kein Patentrechtler freut sich auf seinen Ruhestand&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Ins Gespr\u00e4ch kamen sie dann aber doch, der angebotene Job gefiel ihr. Und dann wechselte sie tats\u00e4chlich zu Linklaters. Sch\u00f6nbohms Dom\u00e4ne sind Patente der Unternehmen, &#8222;die ungehobenen Sch\u00e4tze&#8220;, wie sie sagt. Ihre Kunden kommen vor allem aus der Pharmaindustrie. Ihren Job liebt sie, ganz offensichtlich: Sie schw\u00e4rmt von den schlauen Leuten in der Industrie, mit denen sie zu tun hat. Und dass sich die Inhalte nie wiederholen. Dass es spannend sei, so nah dran zu sein an den Entwicklungen der Pharmaindustrie. So gehe es nicht nur ihr: Kein Patentrechtler freue sich auf seinen Ruhestand. Auch ihr Mentor, J\u00fcrgen Kicker bei Clifford Chance, arbeitete bis zu seinem Tod mit 82 Jahren. Auf ihn traf sie in Frankfurt bei ihrem ersten Anwaltsjob und er war es, der fr\u00fch an sie und ihr Talent glaubte und sie gleich in gro\u00dfe, wichtige Mandate von Firmen wie Ferrero gegen die Fifa hereinholte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Anwalt ist man aber nur gut, wenn die Zusammenarbeit mit dem Mandanten klappt, sagt sie. So wie bei dem Mandanten aus Korea: &#8222;Julia, Sie sind von 50 Anw\u00e4lten die einzige Frau und die einzige, die meine Gedanken lesen kann&#8220;, sagte ihr Mandant schon mal zu ihr. Aber Koreaner seien eben emotional, sie gelten als die Italiener Asiens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Dann beauftragen Sie eine andere Kanzlei&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn es nicht immer so reibungslos l\u00e4uft und insbesondere dann nicht, wenn sie mit extrem hierarchisch orientierten Ansprechpartnern bei ihren Mandanten zu tun hat. Bei denen man kein Geh\u00f6r finde, wenn man nicht ihrer Meinung sei. So erinnert sie sich gut an einen unangenehmen Unternehmensjuristen, der ihr vorschreiben wollte, wann sie welche einstweilige Verf\u00fcgung zu beantragen habe und welche Strategie sie fahren solle. Sch\u00f6nbohm war es zu riskant, h\u00e4tte die Strategie nicht geklappt, w\u00e4re sie schuld gewesen und h\u00e4tte obendrein die Haftungsrisiken am Hals gehabt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sch\u00f6nbohm ging in die Offensive: Damit solle er eine andere Kanzlei beauftragen, konterte sie. Sie habe ihr Know how und wisse, wie\u00b4s geht. Schlie\u00dflich werde sie ja auch wegen ihrer Expertise beauftragt. Das sass. Doch der Mann eckte offenbar nicht nur bei seiner Anw\u00e4ltin, sondern auch bei seinem Arbeitgeber an. Sechs Monate sp\u00e4ter war den Chefjurist nicht mehr auf seinem Posten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Immerhin hat sie einiges erlebt, so war sie auch bei den Terror-Attentaten des 11. September 2001 in New York mittenmang dabei. Als es geschah, sass sie zehn Minuten vor neun Uhr morgens in der Universit\u00e4tsbibliothek in der N\u00e4he des Central-Parks. In einem Raum ohne einen Ausblick nach draussen, weiss sie noch genau. Pl\u00f6tzlich brachen die Datennetzwerke zusammen, um 9.30 Uhr kam die Durchsage \u00fcber den Lautsprecher, dass alle Kurse ausfielen. Vier Kilometer lief sie zu Fu\u00df nach Hause. Noch heute erinnert sie sich daran, wie leise die Stadt pl\u00f6tzlich war. An den Geruch von verbranntem Gummi, der die n\u00e4chsten acht Tagen anhielt. Keine Touristen waren mehr in den Strassen, die Superm\u00e4rkte waren leer gekauft. Die gesamte Post wurde auf biologische Giftstoffe gecheckt. Aus Angst vor Bio-Waffen wie Anthrax in den L\u00fcftungssystemen der U-Bahn nahm sie wie alle anderen New Yorker auch in den n\u00e4chsten Tagen nur den Bus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Viele hadern viel zu lange<\/strong><\/p>\n<p>Was sie gelernt hat in all den Jahren: Entscheidungsprozesse sind Zeitfresser. &#8222;Ich bin ein Schnellentscheider&#8220;, sagt Sch\u00f6nbohm selbstbewusst. Viele w\u00fcrden zu lange hadern und das sei am Ende auch karrieresch\u00e4dlich.<\/p>\n<p>Der beste Rat, den die geb\u00fcrtige Kasselerin in ihrem Leben bekam? Den erhielt sie von einer erfahrenen Branchenkollegin. Der Rat ist auch mir sehr vertraut und gilt eigentlich f\u00fcr alle Frauen. Ich bekam ihn von einer erfahrenen Redakteurin aus der Modejournaille:\u00a0 Als Frau solle man niemals auf 80 Prozent Arbeitszeit runter gehen, denn dann arbeitet man &#8211; besser gesagt frau &#8211; sowieso 100 Prozent weiter. Nur eben f\u00fcr weniger Geld. Sie hielt sich dran, auch mit zwei Kindern hat sie ihrer Karriere nie abgeschworen. Ich \u00fcbrigens auch nicht.<\/p>\n<p>Und wir beide m\u00f6gen das Bonmot der l\u00e4ngst verstorbenen Volksschauspielerin Heidi Kabel: Wirkliche Gleichberechtigung haben die Frauen erst dann erreicht, wenn es wirklich unf\u00e4hige Frauen in den F\u00fchrungsetagen gibt.<\/p>\n<p>Dem ist nichts hinzuzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_674924\" style=\"width: 385px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/thumbnail_IMG_20201016_1333540.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-674924\" class=\"size-full wp-image-674924\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/thumbnail_IMG_20201016_1333540.jpg\" alt=\"\" width=\"375\" height=\"250\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/thumbnail_IMG_20201016_1333540.jpg 375w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/thumbnail_IMG_20201016_1333540-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-674924\" class=\"wp-caption-text\">Julia Sch\u00f6nbohm bestellte sich im Kytaro in D\u00fcsseldorf Moussaka (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-673624\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; &#8222;Wollen Sie einen Tomatensaft?&#8220; Super politisch korrekt, aber intolerant, so sieht unsere Gesellschaft aus, monierte Julia Sch\u00f6nbohm, als wir uns vor dem zweiten Lockdown zum Lunch trafen. 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