{"id":674877,"date":"2020-10-16T17:46:58","date_gmt":"2020-10-16T15:46:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=674877"},"modified":"2020-10-18T12:03:47","modified_gmt":"2020-10-18T10:03:47","slug":"ein-teller-dorade-mit-arqis-anwalt-shigeo-yamaguchi-der-die-wohnungsnot-als-student-in-freiburg-mit-seiner-eigenen-methode-besiegte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/10\/16\/ein-teller-dorade-mit-arqis-anwalt-shigeo-yamaguchi-der-die-wohnungsnot-als-student-in-freiburg-mit-seiner-eigenen-methode-besiegte\/","title":{"rendered":"Ein Teller Dorade mit Arqis-Anwalt Shigeo Yamaguchi, der die Wohnungsnot als Student in Freiburg mit seiner eigenen Methode besiegte"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Beim Zehn-Jahres-Empfang der Kanzlei Arqis auf der Dachterrasse \u00a0im D\u00fcsseldorf Hafen fragte ich mich im ersten Moment, ob ich mich in der Adresse vertan h\u00e4tte. So viele Japaner standen dort mit ihren Weingl\u00e4sern in der Hand. Aber nein, ich war ganz richtig. Das war vor vier Jahren und ich erfuhr dann, dass Arqis viele japanische Unternehmen als Mandanten hat, f\u00fcr die sie viele M&amp;A-Deals abwickelt und \u00fcberhaupt oft deren ausgelagerte Rechtsabteilung ist. Zu ihnen z\u00e4hlen etwa Kyocera, Uniqlo oder Toto, der Hersteller der japanischen Toiletten mit der Wasserfont\u00e4ne.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Die Schl\u00fcsselfigur daf\u00fcr ist Shigeo Yamaguchi, der zwar in Japan geboren ist, aber schon mit 19 Jahren nach Freiburg, sp\u00e4ter M\u00fcnchen zum Jura-Studium kam und in Deutschland geblieben ist. So gut gef\u00e4llt es ihm in Deutschland. So un\u00e4hnlich seien sich Japaner und Deutsche ja auch nicht, erz\u00e4hlt er mir im Kytaro in D\u00fcsseldorf, wo er sich eine Dorade bestellt hat. Disziplin, P\u00fcnktlichkeit und Flei\u00df l\u00e4gen beiden Nationen und beide h\u00e4tten nach dem zweiten Weltkrieg komplett neu aufbauen m\u00fcssen. <\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_674879\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/arqis.yamaguchi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-674879\" class=\"size-full wp-image-674879\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/arqis.yamaguchi.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/arqis.yamaguchi.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/arqis.yamaguchi-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/arqis.yamaguchi-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-674879\" class=\"wp-caption-text\">Yamaguchi (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Mitverantwortlich war daf\u00fcr sicher aber auch, dass Yamaguchi schon in Tokio sein Abitur an der deutschen Schule dort gemacht hat. Sein Vater war Unternehmer und er ein neugieriges Kind, das durchaus fremde Sprachen kennen lernen wollte, erz\u00e4hlt er. Nach dem Abitur hatte er die Wahl zwischen dem Kings College in London und der Universit\u00e4tsstadt Freiburg \u2013 die ihm dann als Kontrast zu Tokio attraktiver erschien. <\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Nicht mal die Wohnungsnot dort schreckte ihn ab, denn kein Studentenheim hatte Platz und auch Suchanzeigen halfen nicht weiter. Doch Yamaguchi machte, was sonst niemand tut: Im Stadtteil Littenweiler klingelte er einfach bei drei H\u00e4usern an jedem Klingelschild und fragte die erstaunten Leute, ob jemand ein Zimmer f\u00fcr ihn w\u00fcsste. Im dritten Haus schon wurde er f\u00fcndig: Im Souterrain \u00a0\u00f6ffnete ihm ein Student, der ein 13-Quadratmeter Zimmer hatte, f\u00fcr das er aber in wenigen Wochen ohnehin einen Nachmieter gesucht h\u00e4tte. Zwar gab es nur Toilettenmitbenutzung auf dem Gang und es ziemlich verranzt, aber immerhin. Yamaguchi zog ein und erinnert sich bis heute: Wenn er am 24. Dezember Geburtstag feierte, kamen zur Party nur ausl\u00e4ndische Kommilitonen, die \u2013 wie er &#8211; nicht mal eben \u00fcber Weihnachten nach Hause fuhren.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Weil wir im Corona-Zeitalter sind, kommt das Thema unweigerlich darauf. Masken-Tragen ist f\u00fcr Japaner tats\u00e4chlich gar kein Thema und zwar genau aus dem Grund, weswegen Masken hierzulande in den Talk-Shows und von den Medien auch sonst anfangs genau nicht ernst genommen wurden: die Masken sch\u00fctzen ja \u201enur den anderen\u201c (und nicht einen selbst), so die Logik der Virologen, die flugs aufgegriffen wurde und so schnell auch nicht mehr aus den K\u00f6pfen kam. Nicht mal der erfolgreiche Feldversuch der Stadt Jena \u2013 eine Woche Maskenpflicht f\u00fcr alle &#8211; schaffte es, diese Abwertung so schnell wieder auszurotten. <\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Japaner jedenfalls z\u00fccken Masken, sobald ein Schnupfen oder Husten im Winter aufzieht, um eben die Mitmenschen zu sch\u00fctzen. Das geh\u00f6re sich eben so. Alles andere sei unh\u00f6flich und r\u00fccksichtslos. Dann kommen die Menschen in Tokio zwar ins B\u00fcro, aber: mit Masken. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Japanische Kollegen hielten es auch hierzulande mit dieser Tradition und trug immer mal wieder in der Kanzlei ganz selbstverst\u00e4ndlich Masken \u2013 schon weit vor Corona. Die Kollegen hatten sich schon daran gew\u00f6hnt. Nur der Taxifahrer, der es mit der Angst zu tun bekam, als er sich auf dem R\u00fccksitz pl\u00f6tzlich eine Maske aufzog, den musste er beruhigen.\u00a0 Und \u00fcberhaupt: Umarmungen und H\u00e4nde geben sei in Japan nicht \u00fcblich, nicht mal mit den Eltern, erz\u00e4hlt er.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Und einen weiteren Unterschied zu seiner Heimat erkl\u00e4rt er mir. Japanische Manager verdienen nur selten eine Millionen Euro, eher 300.000 bis 400.000 Euro. Dass der Vorstand 60 mal so viel wie sein Facharbeiter mit nach Hause nimmt, sei undenkbar. Laufen die Gesch\u00e4fte mal schlechter, verzichten viele Manager sogar freiwillig auf Lohn.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Spontan denke ich an den Airline-Vorstand, der mitten in der dicksten Coronakrise mit Weggang drohte, weil seine Boni ausbleiben sollten. Der Manager ging auch tats\u00e4chlich. <\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/IMG_20201015_1424090.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-674881\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/IMG_20201015_1424090.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/IMG_20201015_1424090.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/IMG_20201015_1424090-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/10\/IMG_20201015_1424090-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Das sei in Japan undenkbar, im Gegenteil: So schnell wie hierzulande verl\u00f6ren japanische Mitarbeiter auch nicht postwendend ihre Jobs bei ausbleibenden Auftr\u00e4gen oder Krisen. Auch wenn die lebenslange Treue zum Unternehmen nicht mehr so ganz die Regel ist wie fr\u00fcher, sagt er. Zwar haben die ein oder anderen seiner Unternehmensmandaten in Deutschland auch Kurzarbeitergeld beantragt, aber niemanden entlassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"><span style=\"color: #000000\">Da d\u00e4chten die japanischen Firmenlenker immer noch langfristiger und mit mehr Geduld. Das bedeute, dass japanische Investoren \u2013 in NRW h\u00e4tten sie \u00a0immerhin 600 Unternehmen \u2013 erst jetzt langsam auch mal ein Tochterunternehmen verkaufen, nachdem sie jahrelang nur aufgekauft hatten. Das k\u00f6nnten nach Corona noch mehr werden, sch\u00e4tzt er. Yamaguchi: \u201eDas \u00fcberlegen sich die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer aber erst sehr lange.\u201c \u00a0<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beim Zehn-Jahres-Empfang der Kanzlei Arqis auf der Dachterrasse \u00a0im D\u00fcsseldorf Hafen fragte ich mich im ersten Moment, ob ich mich in der Adresse vertan h\u00e4tte. So viele Japaner standen dort mit ihren Weingl\u00e4sern in der Hand. 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