{"id":674565,"date":"2020-11-04T19:00:51","date_gmt":"2020-11-04T18:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=674565"},"modified":"2020-11-04T22:04:59","modified_gmt":"2020-11-04T21:04:59","slug":"ein-teller-quiche-mit-headhunterin-yurda-burghardt-ueber-unternehmen-die-nur-so-tun-als-ob-sie-corona-opfer-waeren-und-tatsaechlich-einfach-die-gunst-der-stunde-nutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/11\/04\/ein-teller-quiche-mit-headhunterin-yurda-burghardt-ueber-unternehmen-die-nur-so-tun-als-ob-sie-corona-opfer-waeren-und-tatsaechlich-einfach-die-gunst-der-stunde-nutzen\/","title":{"rendered":"Ein Teller Quiche mit Headhunterin Yurda Burghardt \u00fcber Unternehmen, die nur so tun als ob sie Corona-Opfer w\u00e4ren &#8211; und tats\u00e4chlich einfach die Gunst der Stunde nutzen"},"content":{"rendered":"<p>Headhunterin Yurda Burghardt wundert sich immer wieder \u00fcber eins: Wie kann ein und dieselbe Firma beim Anheuern ihrer neuen F\u00fchrungskr\u00e4fte erst auf Honeymoon schalten und zuckers\u00fc\u00df den Kandidaten umwerben. Dann ruft der CEO den neuen Manager pers\u00f6nlich an, um ihm einen guten Start zu w\u00fcnschen, macht Klimmz\u00fcge ohne Ende. Undsoweiter. Dieselbe Firma feuert ihre F\u00fchrungskr\u00e4fte dann aber Knall auf Fall, und das oft\u00a0 auch mit fiesen Methode, erz\u00e4hlt sie mir noch vor dem Lockdown Light im Caf\u00e9 Beethoven in D\u00fcsseldorf. Dann m\u00fcssen sie ihr Laptop und ihr Handy ohne Vorwarnung und auf der Stelle abgeben, kommen sie zur\u00fcck an Schreibtisch ist ihr E-Mail-Account schon gesperrt. Einfach erniedrigend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_675072\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/yurda.burghardt.quer_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-675072\" class=\"size-full wp-image-675072\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/yurda.burghardt.quer_.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"346\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/yurda.burghardt.quer_.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/yurda.burghardt.quer_-300x160.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/yurda.burghardt.quer_-500x266.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-675072\" class=\"wp-caption-text\">Yurda Burghardt (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wo sie recht hat, hat sie recht. Und Burghardt erlebt es als Personalberaterin bei der Unternehmensberatung Kerkhoff Group bei ihren Kandidaten regelm\u00e4\u00dfig mit. Diese Gnadenlosigkeit beim Abschied ist tats\u00e4chlich nicht nachvollziehbar, die Betroffenen sind fertig, sagt sie.<\/p>\n<p>Warum kann man nicht den Betroffenen ein Jahr Zeit geben, in Ruhe das Feld zu r\u00e4umen und bei der Suche nach einem neuen Job zu unterst\u00fctzen? Ihm sein B\u00fcrolassen und einen ehrenvollen Abgang zu erm\u00f6glichen. Dann kann man sich auch die Kosten f\u00fcr den Outplacementberater sparen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der gro\u00dfe Irrtum der Unternehmen: Fieses Verhalten bleibt unter zweien &#8211; wenn der andere sich nur genug sch\u00e4mt und gr\u00e4mt<\/strong><\/p>\n<p>Ich vermute, dass sich die Unternehmen, die so auftreten, sowieso nicht klar machen, dass diese Kaltschn\u00e4uzigkeit am Ende viele andere auch mitbekommen. Nicht nur die Familien, vor allem die Ex-Kollegen sehen es und k\u00f6nnen sich darauf gefasst machen, dass es ihnen eines Tages haargenauso ergeht. F\u00f6rdert das die Bindung an das eigene Unternehmen? F\u00f6rdert das die Motivation? Sicher nicht, sch\u00f6nen Gru\u00df auch von der j\u00e4hrlichen Gallup-Umfrage zur Mitarbeiterzufriedenheit. Oder besser Unzufriedenheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"float: none;background-color: transparent;color: #333333;cursor: text;font-family: 'Helvetica Neue',Helvetica,Arial,'Nimbus Sans L',sans-serif;font-size: 15px;font-style: normal;font-variant: normal;font-weight: 300;letter-spacing: normal;text-align: left;text-decoration: none;text-indent: 0px;text-transform: none\">Corona jedenfalls kommt manchem Arbeitgeber ganz gelegen, erz\u00e4hlt Yurda Burghardt. Bei etlichen Unternehmen n\u00e4mlich stimmen die Zahlen trotz Covid19 auch weiterhin. Aber weil jedermann f\u00fcr Entlassungen mit dem Hinweis auf Corona Verst\u00e4ndnis hat und gar nichts weiter hinterfragt, k\u00f6nnen Unternehmen die Pandemie ungeniert als Vorwand verwenden. Da fragt niemand mehr genau nach. Eine prima Gelegenheit f\u00fcr <\/span><span style=\"float: none;background-color: transparent;color: #333333;cursor: text;font-family: 'Helvetica Neue',Helvetica,Arial,'Nimbus Sans L',sans-serif;font-size: 15px;font-style: normal;font-variant: normal;font-weight: 300;letter-spacing: normal;text-align: left;text-decoration: none;text-indent: 0px;text-transform: none\">Unternehmen, die ihre Mitarbeiter, die sie wom\u00f6glich schon l\u00e4nger auf dem Kieker hatten, flugs loswerden wollen. Oder wenn sie mal rasch Kosten senken wollen, weil die Gelegenheit gerade g\u00fcnstig ist. Es schadet nicht dem Image, weil die Notlage auf der Hand liegt, sagt Burghardt.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unternehmen k\u00f6nnen K\u00fcndigungen aussprechen, f\u00fcr sie dann angeblich so gar nichts k\u00f6nnen. Es lag ja an Corona, leiderleider. Die andere Variante ist diese: Unternehmen schicken einen Betroffenen mal eben monatelang in Kurzarbeit mit dem Hintergedanken, ihn m\u00fcrbe zu machen: &#8222;Mal sehen, wie lange er das aush\u00e4lt&#8220;, hei\u00dft es dann, erz\u00e4hlt Burghardt. Und dass diese Methode oft genug funktioniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>30 Minuten zum Arbeitsplatz-R\u00e4umen nach 18 ehrenvollen Jahren<\/strong><\/p>\n<p>Sie erz\u00e4hlt: Diese Menschen trifft so ein Verhalten ihres Br\u00f6tchengebers ebenso aus heiterem Himmel wie den Banker, der 18 Jahre seinem Arbeitgeber treu war. Sein Vorstand er\u00f6ffnete ihm als Niederlassungsleiter &#8211; v\u00f6llig \u00fcberraschend und ohne einen Anlass -, dass man sich von ihm trennen will. Und dann wurde es sofort unw\u00fcrdig. Direkt musste der Manager auch in diesem Fall sofort alles abgeben: sein Diensthandy, den Dienstlaptop undsoweiter. Der Personalchef pers\u00f6nlich eskortierte den Mann in sein B\u00fcro. Genau 30 Minuten gab er ihm, um seinen Arbeitsplatz zu r\u00e4umen.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung der Bank war lapidar, arrogant und unw\u00fcrdig &#8211; gemessen an 18 Jahren Loyalit\u00e4t einer F\u00fchrungskraft: &#8222;Es passte nicht mehr.&#8220; Die Intonierung: Nach einer Restrukturierung habe der Bankmanager die neue Sto\u00dfrichtung zu wenig unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn das Management seiner gefeuerten F\u00fchrungskraft die Dienstwagen-Nummernschilder abschrauben l\u00e4sst<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hatte der Mann Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck, er durfte noch mit seinem Dienstwagen nach Hause fahren &#8211; und ihn bis Ablauf der K\u00fcndigungsfrist nutzen. Da gibt es Unternehmen, die gehen noch h\u00e4rter ran. Die schrauben kurzerhand die Nummernschilder des Manager-Dienstwagens ab, so dass er gezwungen ist, ein Taxi zu rufen oder seine Ehefrau bitten muss, ob sie ihn abholt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_675054\" style=\"width: 498px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/yurda2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-675054\" class=\"size-full wp-image-675054\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/yurda2.png\" alt=\"\" width=\"488\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/yurda2.png 488w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/11\/yurda2-225x300.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-675054\" class=\"wp-caption-text\">Quiche im &#8222;Beethoven&#8220; Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch damit war die Story nicht zu Ende, erz\u00e4hlt Burghardt. Wer nun annimmt, es gebe einen Cut und die Stelle werde gestrichen, irrt. Ganz ohne einen Headhunter zauberte der Vorstand &#8211; der selbst erst kaum ein Jahr im Amt war &#8211; einen Nachfolger f\u00fcr den Gefeuerten aus dem Hut: Und siehe da, Vorstand und Neuling kannten sich von fr\u00fcher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drei Lehren zieht Yurda Burghardt aus all diesen Entwicklungen:<\/p>\n<p><strong>Lehre eins: Heute leisten, morgen egal<\/strong><\/p>\n<p>Im Klartext: Lehre Nummer eins, wer heute kr\u00e4ftig vorleistet, ist dem k\u00fcnftigen Chef sp\u00e4ter egal. Nachhaltigkeit gibt\u00b4s nicht f\u00fcr viel mehr Einsatz als man muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lehre zwei: Es geht gar nicht um Sie selbst<\/strong><\/p>\n<p>Lehre Nummer zwei: Egal wie gut Sie waren und sind, nehmen Sie\u00b4s nicht pers\u00f6nlich, wenn man sie dennoch in die W\u00fcste schickt. Vielleicht will man einfach nur ihren Posten. F\u00fcr einen G\u00fcnstling beispielsweise. Irgendwie sind sie eher eine Lego-Figur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Lehre drei: Ihr Chef ist im Zweifel schneller weg als sie selbst, danach stehen Sie wieder bei Null<\/strong><\/p>\n<p>Und drittens: Es gibt keinen Credit mehr. Egal wie erfolgreich und aufopferungsvoll jemand vorleistet in der Hoffnung auf Vergeltung oder Belohnung in der Zukunft. Das ist heute nur naiv. Ihr Chef kann schneller weg sein als sie selbst und beim Neuen beginnen Sie bei Null.<\/p>\n<p>Fazit: Nachhaltigkeit im Arbeitsverh\u00e4ltnis? Gibt\u00b4s gar nicht mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-673624\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Headhunterin Yurda Burghardt wundert sich immer wieder \u00fcber eins: Wie kann ein und dieselbe Firma beim Anheuern ihrer neuen F\u00fchrungskr\u00e4fte erst auf Honeymoon schalten und zuckers\u00fc\u00df den Kandidaten umwerben. 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