{"id":674496,"date":"2020-09-03T17:05:08","date_gmt":"2020-09-03T15:05:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=674496"},"modified":"2020-09-06T17:15:13","modified_gmt":"2020-09-06T15:15:13","slug":"boni-fuer-manager-sind-ein-instrument-von-vorgestern-heute-taugen-sie-nichts-mehr-gastbeitrag-von-etventure-chef-philipp-depiereux","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/09\/03\/boni-fuer-manager-sind-ein-instrument-von-vorgestern-heute-taugen-sie-nichts-mehr-gastbeitrag-von-etventure-chef-philipp-depiereux\/","title":{"rendered":"Boni f\u00fcr Manager sind ein Instrument von vorgestern, heute taugen sie nichts mehr &#8211; Gastbeitrag von Etventure-Chef Philipp Depiereux"},"content":{"rendered":"<p><b>Manager-Boni richten nicht nur \u00f6kologischen, sondern auch \u00f6konomischen Schaden an.\u00a0<\/b><strong>Gastbeitrag von Philipp Depiereux, CEO und Gr\u00fcnder der Digitalberatung Etventure und Initiator der Non-profit-Initiative ChangeRider, einem Video- und Podcastformat.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_674497\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/09\/depieureux.phillip.2018invhb.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-674497\" class=\"size-full wp-image-674497\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/09\/depieureux.phillip.2018invhb.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/09\/depieureux.phillip.2018invhb.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/09\/depieureux.phillip.2018invhb-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/09\/depieureux.phillip.2018invhb-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-674497\" class=\"wp-caption-text\">Philipp Depieureux (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Vater von vier Kindern kommt es vor, dass meine W\u00fcnsche nicht zu hundert Prozent erf\u00fcllt werden, weil meine Kinder oft ganz andere Bed\u00fcrfnisse haben. Ich w\u00fcnsche mir zum Beispiel ein aufger\u00e4umtes Wohnzimmer und sie w\u00fcrden die Holzeisenbahn am liebsten nicht nur um das Sofa herum, sondern auch auf dem Sofa weiterbauen. Was tut man nun als Vater? Von Sanktionen halte ich nicht viel. Hausarrest ist wahrscheinlich eine gr\u00f6\u00dfere Strafe f\u00fcr mich als unsere Kinder und Fernsehverbot kommt in unserem Haushalt ohne digitale Medien auch nicht infrage.<\/p>\n<p>Also bleibt Bestechung: \u201cWenn ihr das Zimmer ganz schnell aufr\u00e4umt, bekommt ihr ein Eis.\u201d\u00a0Das funktioniert. Das Problem ist nur, dass diese extrinsische Motivation auf Dauer unerw\u00fcnschte Nebeneffekte hat. Pl\u00f6tzlich werden auch f\u00fcr andere Unterst\u00fctzungen im Haushalt Belohnungen eingefordert. Und irgendwann passiert gar nichts mehr, wenn man ihnen nicht mit der Karotte vor der Nase herum winkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genau diese Bestechung ist auch g\u00e4ngige Praxis in den allermeisten Unternehmen. Insbesondere bei Konzernen, die sich regelm\u00e4\u00dfige neue F\u00fchrungskr\u00e4fte ins Haus holen, ist die Mitarbeitermotivation ein Dauerthema. Und so versucht man mit individuellen Anreizsystemen, H\u00f6chstleistungen aus den Mitarbeitern herauszuholen. Dumm nur: Erreicht wird oft das Gegenteil. Dass materielle Belohnungssysteme sich negativ auf die intrinsische Motivation &#8211; die aus eigenem inneren Antrieb &#8211; auswirken k\u00f6nnen, ist in vielen Studien belegt. Und trotzdem h\u00e4lt sich das Konzept hartn\u00e4ckig. Zugegeben, bei Etventure haben wir ebenfalls variable Anteile im Verg\u00fctungssystem verankert.<\/p>\n<p>Seit Jahren besch\u00e4ftigen wir uns mit der Frage, wie eine faire, motivierende Bezahlung aussehen k\u00f6nnte. Und uns ist schmerzlich bewusst, dass wir noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hohe Boni noch drei Tage vor der Insolvenz<\/strong><\/p>\n<p>Gerade die Corona-Zeit hat bei mir enorme Skepsis gegen\u00fcber Boni als Incentive ausgel\u00f6st. Meldungen \u00fcber Konzerne, die noch drei Tage vor der Insolvenz hohe Boni auszahlten, lassen mich st\u00e4rker denn je daran zweifeln, dass dieses System nachhaltig und zielf\u00fchrend ist. Nicht aus unternehmerischer Sicht und schon gar nicht im Hinblick auf unsere Gesellschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seit Jahren ist der Dieselskandal Dauerthema. Im Ergebnis wurden mehrere F\u00fchrungskr\u00e4fte von VW zum Beispiel in den USA wegen Verschw\u00f6rung zum Betrug zu hohen Geldstrafen und mehreren Jahren Haft verurteilt. Den Managern &#8211; ja, es waren alles M\u00e4nner &#8211; wurde vorgeworfen, f\u00fcr die Manipulation bei Abgastests verantwortlich gewesen zu sein. Daran besteht objektiv auch gar kein Zweifel. Insbesondere da die Meisten ihre Schuld eingestanden haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Keine offizielle Anweisung, gegen Recht zu versto\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p>Was aber in der gesamten Berichterstattung viel zu wenig betrachtet wurde, ist die Frage nach dem Warum. Auch wenn ich keinen der Beteiligten pers\u00f6nlich kenne, bin ich \u00fcberzeugt davon, dass keiner von ihnen aus einer intrinsischen Motivation heraus betrogen hat. Genauso wenig wird es eine offizielle Anweisung gegeben haben, gegen geltendes Recht zu versto\u00dfen. Die naheliegende Erkl\u00e4rung ist daher, dass es f\u00fcr die Beteiligten die eine M\u00f6glichkeit war, ihre bonusrelevanten Zielvereinbarungen zu erreichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VW ist eine Aktiengesellschaft mit weltweit \u00fcber 670.000 Mitarbeitern. Der Erfolg wird gemessen am Aktienkurs. Hohe Gewinne bedeuten hohe Dividenden f\u00fcr die Aktion\u00e4re. Sinkendes Wachstum, weniger Verk\u00e4ufe, sinkender Umsatz sind gleichzusetzen mit sinkenden Aktienkursen und ver\u00e4rgerten Aktion\u00e4ren. Um die Aktion\u00e4re zufriedenzustellen, wendet sich der Vorstand einmal j\u00e4hrlich mit einem ausf\u00fchrlichen Bericht an sie, in dem unter anderem auch konkrete Unternehmensziele kommuniziert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2014 &#8211; also ein Jahr vor\u00a0 Dieselskandal &#8211; war Martin Winterkorn Vorstandsvorsitzender\u00a0 von VW. Sein Brief damals an die Aktion\u00e4re war im Nachhinein beinahe prophetisch.<\/p>\n<p><em>\u201cUnser Ziel ist und bleibt es, qualitativ und nachhaltig zu wachsen. Diesen Weg wollen wir im Sinne unserer Strategie 2018 engagiert und kraftvoll fortsetzen. Dabei wissen wir, dass die Herausforderungen nicht kleiner werden. Im Gegenteil: Der Wettbewerbsdruck ist unerbittlich. Die Lage in M\u00e4rkten wie Brasilien, Indien und Russland bleibt auf absehbare Zeit schwierig. Zudem befindet sich die Automobilwelt mitten in einem tiefgreifenden Umbruch. Nehmen Sie nur die immer sch\u00e4rfere CO2 -Gesetzgebung oder die rasant fortschreitende Digitalisierung von Fahrzeugen, Werken und Handel, die uns viel Kraft und auch Geld kosten. Wir von Volkswagen sehen diesen Wandel aber nicht als Bedrohung, sondern vielmehr als gro\u00dfe Chance, die wir nutzen m\u00fcssen und werden. Mit unserem konzernweiten Zukunfts- und Effizienzprogramm \u201eFuture Tracks\u201c haben wir daf\u00fcr ein solides Fundament gelegt, das bereits \u00fcber die Zeit bis 2018 hinaus weist.\u201d<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Den Konflikt zwischen Unternehmensstrategie und gesellschaftlichen Herausforderungen aufgrund von Digitalisierung und der CO2-Gesetzgebung hat Winterkorn hier bereits ausdr\u00fccklich thematisiert. Im offiziellen Konzernlagebericht wurde dann auch konkretisiert, mit welcher Strategie VW diesen Herausforderungen begegnen wollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201cWir werden die gegenw\u00e4rtigen und zuk\u00fcnftigen Herausforderungen nur dann erfolgreich meistern, wenn alle Mitarbeiter \u2013 vom Auszubildenden bis zum Top-Manager \u2013 dauerhaft exzellente Leistungen erbringen, um die Innovations- und Produktqualit\u00e4t im Volkswagen Konzern langfristig und auf h\u00f6chstem Niveau sicherzustellen. Exzellente Leistung, daraus resultierender Erfolg und Teilhabe an dessen Ertrag stehen im Mittelpunkt unserer Personalstrategie.\u201d<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gemessen werden sollten diese exzellenten Leistungen aller Mitarbeiter an ganz konkreten Kennzahlen.<\/p>\n<p><em>\u201cAbgeleitet aus den Zielen der Strategie 2018 basiert die Steuerung des Volkswagen Konzerns auf sieben Spitzenkennzahlen:<\/em><\/p>\n<p><em>Auslieferungen an Kunden<\/em><\/p>\n<ul>\n<li><em>Umsatzerl\u00f6se<\/em><\/li>\n<li><em>Operatives Ergebnis<\/em><\/li>\n<li><em>Operative Rendite<\/em><\/li>\n<li><em>Sachinvestitionsquote im Konzernbereich Automobile<\/em><\/li>\n<li><em>Netto-Cash-flow im Konzernbereich Automobile<\/em><\/li>\n<li><em>Kapitalrendite (RoI) im Konzernbereich Automobile\u201d<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie werden vor diesem Hintergrund nun die individuellen Zielvereinbarungen der Topmanager formuliert worden sein? \u00dcber Umweltschutz und gesellschaftliche Verantwortung wird da wenig dringestanden haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>VW-Manager Oliver Schmidt sieht sich als Baueropfer &#8211; und ist im Gef\u00e4ngnis<\/strong><\/p>\n<p>VW-Manager Oliver Schmidt, der wegen des Abgasskandals in den USA zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde, sieht sich als Bauernopfer. Immer wieder beteuert er, <a href=\"https:\/\/www.businessinsider.de\/wirtschaft\/oliver-schmidt-auslieferung-usa-deutschland-dieselskandal-abgasskandal-dieselgate-portraet-haftstrafe\/\">nicht aus eigenem Antrieb gehandelt zu haben<\/a>.<\/p>\n<p>An seinem Beispiel zeigt sich alles, was falsch l\u00e4uft. Ein Konzern ruft eine Unternehmensstrategie aus, die auf knallharten wirtschaftlichen Kennzahlen basiert. Die gesellschaftliche Verantwortung des Riesenkonzerns? Egal. Aus diesen Unternehmenszielen werden dann individuelle Zielvereinbarungen f\u00fcr die F\u00fchrungskr\u00e4fte abgeleitet. Und am Ende steht ein Manager, der eine Entscheidung treffen muss. Entweder f\u00fcr seinen pers\u00f6nlichen Bonus im Sinne der kurzfristigen Unternehmensziele oder f\u00fcr das eigene Gewissen im Sinne der Gesellschaft und einer nachhaltigen Unternehmensstrategie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das System ist schuld<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Beispiel ist hervorragend geeignet f\u00fcr Emp\u00f6rung \u00fcber die gierigen Manager. Aber wer frei von S\u00fcnde ist und noch nie den eigenen Nutzen \u00fcber das Wohl der Gesellschaft gestellt hat, werfe den ersten Stein und k\u00fcndige sofort seinen Amazon-Account. Es ist zu einfach, die Schuld auf einzelne Akteure abzuschieben. Schuld ist das System.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn wir Menschen mit umfangreichen Boni incentivieren, dann werden diese Menschen versuchen, diese Boni zu bekommen, unabh\u00e4ngig davon ob sie damit auch im besten Interesse des Unternehmens handeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>VW hat aus der Aff\u00e4re gelernt und die Unternehmensziele angepasst. Im Gesch\u00e4ftsbericht 2019 hat der Vorstandsvorsitzende Herbert Diess den Klimaschutz in seinem Brief an die Aktion\u00e4re prominent verankert:<\/p>\n<p>\u201c<em>Ebenfalls als erster Autokonzern hat sich Volkswagen zu den Pariser Klimaschutzzielen bekannt. Bis 2025 wollen wir bereits 30 Prozent CO2-Emissionen in unserer Flotte einsparen. 2050 wollen wir klimaneutral sein.<\/em>\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wurden vier Zieldimensionen mit ganz konkreten Kennzahlen definiert.<\/p>\n<ul>\n<li><em>Exzellenter Arbeitgeber, <\/em><\/li>\n<li><em>Vorbild bei Umwelt, Sicherheit und Integrit\u00e4t, <\/em><\/li>\n<li><em>Begeisterte Kunden, <\/em><\/li>\n<li><em>wettbewerbsf\u00e4hige Ertragskraft.<\/em><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus hat VW die Boni der F\u00fchrungskr\u00e4fte gedeckelt. Die variablen Anteile der Vorstandsmitglieder sind zwar immer noch an die Gesch\u00e4ftsergebnisse gekoppelt. Aber es gibt immerhin einen sogenannten Long Term Incentive, wodurch ein Teil des Bonus performanceabh\u00e4ngig \u00fcber drei Jahre hinweg ausgezahlt wird. Durch die langfristige Perspektive wird somit zumindest ein erster Schritt in Richtung nachhaltiges Wirtschaften gemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wie k\u00f6nnte der n\u00e4chste Schritt aussehen? Gesellschaftliche Komponenten fehlen nach wie vor in den Verg\u00fctungsmodellen der Manager. Ob Volkswagen einen positiven gesellschaftlichen Beitrag leistet, ist f\u00fcr die Geh\u00e4lter der Vorst\u00e4nde nach wie vor irrelevant, solange die Zahlen stimmen.<\/p>\n<p>Ich warne davor, die Berechnung der Boni nun unn\u00f6tig durch weitere Komponenten zu verkomplizieren. V\u00f6llig absurd ist n\u00e4mlich: In einigen deutschen Unternehmen sind die Berechnungsgrundlagen mittlerweile so komplex, dass selbst die Chefs nicht mehr genau wissen, <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article162581037\/Wenn-Manager-ihr-Gehalt-selbst-nicht-mehr-verstehen.html\">wann der Bonus steigt und wann er sinkt<\/a>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Je mehr Kennziffern als Boni-Anreiz, umso weniger Motivation<\/strong><\/p>\n<p>Der Schweizer \u00d6konom und Motivationsforscher Bruno Frey hat das Problem treffend formuliert: <em>\u201cJe bedeutsamer extrinsische Anreize werden, desto weiter verlieren die intrinsischen an Bedeutung. Mit jeder neuen Kennziffer, f\u00fcr die Unternehmen Boni aussch\u00fctten, geht ein bisschen mehr an Motivation verloren.\u201d<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im besten Fall handelt es sich bei den Boni um eine verz\u00f6gerte Gehaltszahlung, um Mitarbeiter k\u00fcnstlich an ein Unternehmen zu binden. Im schlimmsten Fall f\u00fchren sie dazu, dass sich die Mitarbeiter ausschlie\u00dflich mit ihren individuellen Zielvorgaben besch\u00e4ftigen und das Wohl des Unternehmens aus den Augen verlieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Boni waren fr\u00fcher geeignet &#8211; aber sind es heute nicht mehr<\/strong><\/p>\n<p>Eins darf man bei all dem n\u00e4mlich nicht vergessen. Es gab eine Zeit, in der diese Art der performancebasierten Incentivierung sehr gut funktioniert hat, weil die Arbeitsanforderungen in den allermeisten F\u00e4llen klar definiert und gut messbar waren. Aber diese Zeiten sind eben nun vorbei. Wir stecken mitten in der digitalen Transformation. Selbst ohne die New-Work-Bewegung, j\u00e4hrlich wechselnde Megatrends und eine globale Pandemie w\u00e4re die konkrete Festlegung von Jahreszielen schwierig. Heutzutage ist es einfach illusorisch anzunehmen, man k\u00f6nne Anfang des Jahres konkret planen, was im Verlauf von zw\u00f6lf Monaten getan werden muss, um am Ende erfolgreich zu sein. Diese Planungssicherheit geh\u00f6rt einer Zeit an, in der es sieben Jahre gedauert hat vom ersten Design eines Autos bis zur Markteinf\u00fchrung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gehaltsmodell-Vorbild: Tesla-Chef Musk\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Was Unternehmen heute brauchen, ist eine langfristig stabile Vision mit klaren Grundwerten und kurzfristig die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Freiheit, um sich kreativ und konstruktiv einzubringen. Der Blick auf einen anderen Player der Automobilbranche zeigt, wie es gehen kann. Tesla hat bereits vor Jahren erkannt, dass Elektromobilit\u00e4t in Zukunft eine tragende Rolle spielen wird. Statt auf kurzfristige Renditen zu setzen verfolgt Tesla eine langfristige Vision. Das geht soweit, dass Tesla-Gr\u00fcnder Elon Musk selbst gar kein regul\u00e4res Gehalt mehr bekommt, sondern umfangreiche Aktienoptionen, die &#8211; gekoppelt an harte Erfolgskriterien &#8211; \u00fcber zehn Jahre hinweg ausgezahlt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kurzfristige Gewinne bringen Musk gar nichts. Nur wenn Tesla nachhaltig erfolgreich bleibt, lohnt es sich f\u00fcr ihn. Und der Erfolg gibt ihm recht. Die hohe Innovationsdichte, die kurzen Entwicklungszyklen und die vertikale Vernetzung bei Tesla erschien vielen Anlegern zu riskant. Aber das Gegenteil war der Fall. Die Mischung aus langfristiger Vision und kurzfristiger Flexibilit\u00e4t hat sich letztlich auch positiv auf die Aktienkurse ausgewirkt. Tesla ist an der B\u00f6rse mittlerweile mehr Wert als VW, Daimler und BMW zusammen. Vielleicht sollte auch die deutsche Autoindustrie ein bisschen mehr Mut zeigen und einen deutlich h\u00f6heren Anteil der immer noch vorhandenen Milliardengewinne in Innovationsprojekte investieren, bevor es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Darin k\u00f6nnen sich Konzerne den deutschen Mittelstand zum Vorbild nehmen. Besitz verpflichtet, weshalb insbesondere familiengef\u00fchrte Unternehmen automatisch an der langfristigen Perspektive arbeiten. Das Familienunternehmen Viessmann zeigt beispielhaft, wie man auch in der eher traditionellen Branche der Heiztechnik mit einer nachhaltigen Unternehmensstrategie die digitale Transformation meistern kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Langfristiger Erfolg klappt nicht mit laufend wechselnder F\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>An diesem Vorbild hat sich Gisbert R\u00fchl orientiert. In seiner Rolle als Vorstandsvorsitzender treibt er seit \u00fcber zehn Jahren die Digitalisierung des Stahlh\u00e4ndlers Kl\u00f6ckner voran. Ein steiniger Weg mit vielen Hindernissen. Aber mittlerweile kommen gut 40 Prozent des gesamten Umsatzes \u00fcber digitale Kan\u00e4le. Um das zu erreichen brauchte es eine langfristige Unternehmensstrategie gepaart mit der Bereitschaft, trotzdem flexibel auf alle neuen Erkenntnisse zu reagieren. Mit einer F\u00fchrungsriege, die alle drei Jahre ausgetauscht wird und nur f\u00fcr den Jahresbonus antritt, w\u00e4re das nicht m\u00f6glich gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn es gelingt, dass alle Mitarbeiter sich mit der langfristigen Vision identifizieren, ihre gesellschaftliche Verantwortung innerhalb des Unternehmens wahrnehmen k\u00f6nnen und ein faires und angemessenes Fixgehalt bekommen, dann kann man irgendwann vielleicht auch komplett auf die Art Bestechung verzichten, die schon bei meinen Kindern nicht so richtig funktioniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Manager-Boni richten nicht nur \u00f6kologischen, sondern auch \u00f6konomischen Schaden an.\u00a0Gastbeitrag von Philipp Depiereux, CEO und Gr\u00fcnder der Digitalberatung Etventure und Initiator der Non-profit-Initiative ChangeRider, einem Video- und Podcastformat. &nbsp; &nbsp; Als Vater von vier Kindern kommt es vor, dass meine &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/09\/03\/boni-fuer-manager-sind-ein-instrument-von-vorgestern-heute-taugen-sie-nichts-mehr-gastbeitrag-von-etventure-chef-philipp-depiereux\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[177,9429,6975,428,434,731,793,9428,3534,1146],"class_list":["post-674496","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-boni","tag-elon-musk","tag-etventure","tag-gastbeitrag","tag-gehalt","tag-manager","tag-motivation","tag-philippe-depiereux","tag-tesla","tag-vw"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/674496","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=674496"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/674496\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":674542,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/674496\/revisions\/674542"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=674496"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=674496"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=674496"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}