{"id":674453,"date":"2020-08-27T12:00:40","date_gmt":"2020-08-27T10:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=674453"},"modified":"2020-08-28T00:44:21","modified_gmt":"2020-08-27T22:44:21","slug":"buchauszug-anja-foerster-und-peter-kreuz-vergeude-keine-krise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/08\/27\/buchauszug-anja-foerster-und-peter-kreuz-vergeude-keine-krise\/","title":{"rendered":"Buchauszug Anja F\u00f6rster und Peter Kreuz: \u201eVergeude keine Krise!\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug Anja F\u00f6rster und Peter Kreuz: \u201eVergeude keine Krise! 28 rebellische Ideen f\u00fcr F\u00fchrung, Selbstmanagement und die Zukunft der Arbeit\u201c<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_674455\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/08\/F\u00f6rsterKreuz_Outdoor_LowRes_60.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-674455\" class=\"size-full wp-image-674455\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/08\/F\u00f6rsterKreuz_Outdoor_LowRes_60.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/08\/F\u00f6rsterKreuz_Outdoor_LowRes_60.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/08\/F\u00f6rsterKreuz_Outdoor_LowRes_60-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/08\/F\u00f6rsterKreuz_Outdoor_LowRes_60-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-674455\" class=\"wp-caption-text\">Anja F\u00f6rster und Peter Kreuz (Foto: PR\/Marc Wilhelm)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00dcHRUNG IN UNSICHEREN ZEITEN<\/strong><\/p>\n<p>Eines haben alle unsicheren Zeiten gemeinsam: Sie wecken Gef\u00fchle in uns, die wir nicht haben wollen: Verunsicherung, Angst, die Ungewissheit, wie es weitergeht. W\u00f6chentliche H\u00f6chstwerte auf dem Apokalypsometer und Horrormeldungen aller Art verst\u00e4rken den Wunsch nach Gewissheit in ungewissen Zeiten und einem starken Anf\u00fchrer mit Follow-me-Aura. Jemand, der die Z\u00fcgel fest in den H\u00e4nden h\u00e4lt und uns durch die schwierigen Zeiten hindurchf\u00fchrt. In einer instabilen und un\u00fcbersichtlichen Lage ist die Versuchung gro\u00df, f\u00fchrungstechnisch einen Salto r\u00fcckw\u00e4rts zu machen und die Leute in engem Geschirr zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Doch auch wenn der Reflex verlockend erscheint, ist das keine gute Idee. Wer seine Leute nicht bef\u00e4higt, eigenst\u00e4ndig zu denken und zu handeln, wer weder die kulturellen noch die organisatorischen Voraussetzungen f\u00fcr selbstverantwortliches Arbeiten schafft, der wird zu den Verlierern geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Keine Handlanger und Abarbeiter<\/strong><\/p>\n<p>Wir brauchen in herausfordernden Zeiten nicht die Mentalit\u00e4t der Handlanger und Abarbeiter, sondern eine Grundeinstellung der selbstbewussten Eigenverantwortung.<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte, die sich Mitarbeiter w\u00fcnschen, die Ideen entwickeln, beherzt um die Ecke denken und selbstverantwortlich Dinge vorantreiben, m\u00fcssen aber erst einmal die Bedingungen daf\u00fcr schaffen. Das wichtigste Arbeitsfeld der F\u00fchrungskraft ist es, den eigenen Leuten den Weg freizumachen. Das fordert von der F\u00fchrung, dass sie den Mitarbeitern vertraut. Und es fordert von den Mitarbeitern, dass sie zu einem erwachsenen Umgang mit Freiraum und Selbstverantwortung willens und f\u00e4hig sind.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch Leute, die froh sind, wenn ihnen stets ein fester Rahmen, klare Anweisungen und eine Checkliste vorgegeben werden, die sie abarbeiten k\u00f6nnen. Daran\u00a0muss sich nichts \u00e4ndern. Zum selbstbestimmten Umgang mit Freiheit geh\u00f6rt auch, dass Menschen sich entscheiden, die Freiheit NICHT in Anspruch zu nehmen. Doch auch diese Leute leben davon und behalten nur dann ihre Jobs, wenn neue Ideen f\u00fcr die Zukunft entwickelt werden und ihre Organisationen Antworten f\u00fcr eine sich ver\u00e4ndernde Welt finden. Gerade diejenigen, die Vorgaben und Sicherheit f\u00fcr sich fordern, sollten allergr\u00f6\u00dftes Interesse daran haben, dass ihre F\u00fchrung nicht aus Status-quo-Verwaltern besteht, sondern aus innovativ denkenden Gestaltern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mit Vertrauen in die Vorleistung gehen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Chefs bedeutet das: Lernt loszulassen! Ihr k\u00f6nnt nicht jede Entscheidung selbst treffen oder immer das letzte Wort haben! Das ist kontraproduktiv und bindet Kr\u00e4fte, die eigentlich ganz woanders eingesetzt werden sollten. Gute F\u00fchrungskr\u00e4fte sind da, wo die Schatten am l\u00e4ngsten sind \u2013 also dort, wo es herausfordernd ist und die Weichen f\u00fcr die Zukunft gestellt werden. In allen anderen Bereichen hei\u00dft es, Abschied nehmen vom Irrglauben, immer alles abnicken zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das Zauberwort hei\u00dft V-e-r-t-r-a-u-e-n. Viele Organisationen machen gerade jetzt auf diesem Feld einen gro\u00dfen Sprung \u2013 nicht immer ganz freiwillig, sondern aufgrund der besonderen Umst\u00e4nde: Mitarbeiter arbeiten von zuhause aus und permanente Kontrolle ist gar nicht m\u00f6glich. F\u00fchrungskr\u00e4fte m\u00fcssen ihren Mitarbeiter einfach vertrauen, es bleibt ihnen nichts anderes \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Schauen wir uns die Sache mit dem Vertrauen mal genauer an. Sie hat zwei Aspekte:<\/p>\n<p>Erstens: Die eine Seite ist bereit, sich zu \u00f6ffnen, weil die andere Seite als vertrauens-w\u00fcrdig angesehen wird. Das funktioniert in etwa so wie bei der beliebten Fallen-Lassen-\u00dcbung, wo Menschen sich nach hinten fallen lassen, im Vertrauen darauf, dass sie sicher in den auffangenden Armen der Kollegen landen werden.<\/p>\n<p>Zweitens: Das setzt einen Vertrauensvorschuss in die positiven Absichten der Mitmenschen voraus. Das ist nicht zu verwechseln mit blindem Vertrauen. Es muss klare Regeln geben und Mitarbeiter m\u00fcssen sich sicher sein k\u00f6nnen, dass sch\u00e4dliches Verhalten nicht toleriert wird. Aber diese Regeln sind wie Leitplanken, die sicherstellen, dass man in eine gemeinsame Richtung unterwegs ist. Innerhalb dieser Leitplanken verzichtet man bewusst auf dezidierte Anweisungen und enge Kontrollen und vertraut auf die Urteilskraft der Menschen, basierend auf der Annahme, dass die gro\u00dfe Mehrheit Gutes im Interesse des Unternehmens bewirken will.<\/p>\n<p>Wenn wir dar\u00fcber mit F\u00fchrungskr\u00e4ften sprechen, h\u00f6ren wir an dieser Stelle immer wieder: \u201eAlles richtig, aber was ist mit denjenigen, die mit dem Vertrauensvorschuss nicht umgehen k\u00f6nnen? Die bewusst alles zu ihren Gunsten interpretieren und die Ziele der Organisation hinten anstellen?\u201c<\/p>\n<p>Unsere Antwort: Du hast die Wahl.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich kannst du den Gro\u00dfteil deiner Energie auf die Minderheit der Mitarbeiter fokussieren, die sich mit dem Vertrauensvorschuss schwer tun und ihn m\u00f6glicherweise zu Ungunsten des Unternehmens interpretieren. Aber daf\u00fcr ist ein hoher Preis f\u00e4llig: Du wirst auf diese Weise deutlich mehr positives Verhalten erschweren, als negatives Verhalten tats\u00e4chlich verhindern.<\/p>\n<p>Ist das wirklich die Bilanz, die du haben willst?<\/p>\n<p>Wir halten es mit Ed Catmull, dem Mitgr\u00fcnder von Pixar, der es brillant auf den Punkt gebracht hat: &#8222;Regeln sind erniedrigend f\u00fcr 95 Prozent der Menschen, die sich ohnehin einwandfrei benehmen. Man sollte keine Regeln erfinden, die nur die anderen 5 Prozent im Zaum halten sollen. Wenn jemand gegen den Common Sense verst\u00f6\u00dft, sollte man das individuell kl\u00e4ren. Das ist mehr Arbeit, aber insgesamt ges\u00fcnder.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Weg der Ver\u00e4nderung<\/strong><\/p>\n<p>Eingeschliffene F\u00fchrungsmuster zu ver\u00e4ndern, ist langwierig. Also braucht es Hartn\u00e4ckigkeit und Ausdauer. Und Durchsetzungskraft, denn die Komfortzonenbewohner, Denkb\u00fcrokraten und Vorrechteverteidiger werden Widerstand leisten. Das ist schon mal sicher. Auf diesem Weg wird nicht nur die eine oder andere F\u00fchrungskraft aussteigen, sondern auch der eine oder andere Mitarbeiter. Wer bleibt, der wird nicht nur einmal erleben, was es bedeutet, die eigene Rolle neu zu definieren und aus der eigenen Komfortzone herausgesto\u00dfen zu werden.<\/p>\n<p>Und was das Ganze noch herausfordernder macht: Es gibt keine Pausen und keine Ziellinie, die du erreichen kannst, um dann erst einmal zu verschnaufen. In einer volatilen Welt voller Herausforderungen und Unw\u00e4gbarkeiten ist es eine Reise, die nie zu Ende geht. Das ist auch der Grund, warum uns die in Deutschland \u00fcberaus beliebte Aussage, dass wir erst einmal \u201ealle Leute ins Boot holen m\u00fcssen\u201c, unendlich nervt. Wer darauf wartet, dass auch der letzte Bedenkentr\u00e4ger f\u00fcr den Einstieg ins Boot bereit ist, l\u00e4uft Gefahr, dass das Boot schon l\u00e4ngst abgelegt hat. Ohne sie. Die Zukunft wartet nicht, bis alle daf\u00fcr bereit sind. Sie ist l\u00e4ngst da.<\/p>\n<p>Aber was konkret sind die neuen, zeitgem\u00e4\u00dfen Elemente der F\u00fchrung, die es jetzt wert sind, genauer unter die Lupe genommen zu werden? Wir haben folgende sechs Aspekte identifiziert:<\/p>\n<p>\u2022 Die provokative Kompetenz<\/p>\n<p>\u2022 Die vier Stufen der Selbstverantwortung<\/p>\n<p>\u2022 Den St\u00f6rauftrag der F\u00fchrungskr\u00e4fte<\/p>\n<p>\u2022 Die Entregulierung<\/p>\n<p>\u2022 Das Nicht-K\u00fcmmer-Gebot<\/p>\n<p>\u2022 Das Schlie\u00dfen der Superh\u00fchnerzuchtstationen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/08\/cover.f\u00f6rster.kreuz_.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-674454\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/08\/cover.f\u00f6rster.kreuz_.png\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"498\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/08\/cover.f\u00f6rster.kreuz_.png 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/08\/cover.f\u00f6rster.kreuz_-300x230.png 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/08\/cover.f\u00f6rster.kreuz_-392x300.png 392w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anja F\u00f6rster und Peter Kreuz: \u201eVergeude keine Krise!\u201c 242 Seiten, 14,90 Euro <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3981626273\">https:\/\/www.amazon.de\/dp\/3981626273<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Warum K\u00fcmmerer Verk\u00fcmmerte produzieren<\/strong><\/p>\n<p>Es war wie in einer Realsatire. Einfach nur schr\u00e4g, befremdlich und skurril. Wir holten unseren Mietwagen bei einem Vermieter in Bayern ab. Das Ausf\u00fcllen des Papierkrams betreute der Chef pers\u00f6nlich. Aber leider schaffte er es kaum zur Schl\u00fcssel\u00fcbergabe, weil st\u00e4ndig ein Mitarbeiter reinplatzte und etwas von ihm wollte:<\/p>\n<p>\u201eKruzifix, ich finde die Vertragsunterlagen von Schnick-Tec nicht. Wo soll ich denn noch \u00fcberall suchen?\u201c<\/p>\n<p>\u201eWie soll ich denn die Rechnung ausdrucken? K\u00f6nnen Sie mal schauen \u2026 der bl\u00f6de Drucker funktioniert schon wieder nicht.\u201c<\/p>\n<p>\u201eHimmi, Herrgott, Sakrament. Jetzt ist der Schl\u00fcssel von der C-Klasse wieder weg. Wie soll ich denn jetzt die Plaketten abholen?\u201c<\/p>\n<p>Wer uns genervt hat, waren nicht in erster Linie die Mitarbeiter, sondern der Chef! Denn er hatte seine Leute zur Unselbst\u00e4ndigkeit und zum Dauerfragen erzogen. Auf unsere Kosten.<\/p>\n<p>Das Interessante aber ist: Wenn du erst einmal den Blick f\u00fcr derartige Hilflosigkeits-Rollenspiele gesch\u00e4rft hast, wirst du sie \u00fcberall bemerken. Nicht nur zwischen Chef und Mitarbeitern, sondern auch zwischen Eltern und Kindern oder zwischen den Partnern in einer Beziehung.<\/p>\n<p>Was daran so nervig ist: Mindestens die H\u00e4lfte der Fragen, die in solchen Gespr\u00e4chen aufkommen, sind schon mal gestellt worden! Und zwar nicht vor drei Jahren, sondern vor drei Wochen oder manchmal sogar erst vor drei Tagen oder vor drei Stunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Antrainierte Hilflosigkeitsrollenspiele &#8211; aus Egoismus des Antwortenden<\/strong><\/p>\n<p>Woran liegt das? Wieso stellen vernunftbegabte Menschen immer wieder die gleichen Fragen? Warum ist die Hilflosigkeit h\u00e4ufig so gro\u00df?<\/p>\n<p>Wir versuchen uns mal an einer Erkl\u00e4rung. Zuerst aus der Perspektive des Fragestellers: Fragen ist bequem. Wer fragt, statt selbst zu versuchen, das Problem zu l\u00f6sen, entzieht sich der Verantwortung. Die wird auf subtile Art dem Adressaten der Frage aufgeb\u00fcrdet. Je \u00f6fter dieses Rollenspiel funktioniert, desto mehr verst\u00e4rkt sich dieses Verhalten. Hat funktioniert. Wird wieder funktionieren. Eigentlich ganz verst\u00e4ndlich und nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Aber das eigentliche Problem liegt bei demjenigen, der die Soll-ich-Frage beantwortet! Er beg\u00fcnstigt und f\u00f6rdert genau dieses Verhalten und zimmert so eine Abh\u00e4ngigkeit zusammen.<\/p>\n<p>Um es ganz klar zu sagen: Nicht jeder, der eine Frage stellt, ist automatisch ein Verantwortungsabschieber. Und nicht jeder, der ab und zu mal eine Frage beantwortet, ist deshalb schon ein pathologischer K\u00fcmmerer. Wir haben nicht das Geringste gegen solidarische Unterst\u00fctzung. Problematisch wird es immer dann, wenn es zum Dauerzustand wird.<\/p>\n<p>Beim solidarischen Helfen geht es um die Bed\u00fcrfnisse des Gegen\u00fcbers \u2013 bei der Helfen-immer-\u00fcberall-Variante stehen die Bed\u00fcrfnisse des Helfers im Vordergrund. Und das ist zutiefst egoistisch. Hart, aber wahr? Nein: hart, also wahr.<\/p>\n<p>Dem Helfer im Dauereinsatz bringt sein Verhalten selbst am allermeisten. Es f\u00fchlt sich einfach gut an, die Anlaufstelle f\u00fcr alle Fragen zu sein, immer im Mittelpunkt des Geschehens zu stehen. Die Inszenierung als helfender Retter zum Wohle der anderen ist Balsam f\u00fcr die Seele. Der K\u00fcmmerer gef\u00e4llt sich in dem Ruf, f\u00fcrsorglich, sympathisch und stets hilfreich zu sein. Er oder sie passt st\u00e4ndig auf, dass anderen nichts passiert. \u201eHast du auch daran gedacht, dass &#8230;?\u201c \u201eVergiss nicht XYZ &#8230;\u201c \u201eIch mach das schon &#8230;\u201c \u201eDu hast das doch noch nie alleine gemacht, lass mich mal &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt zu einer Reihe von Problemen:<\/p>\n<p>Erstens: Es wird Verantwortung \u00fcbernommen f\u00fcr andere, ohne dass es klar abgesprochen wurde. Das ist nicht f\u00fcrsorglich, sondern \u00fcbergriffig. Oftmals ist das dem helfenden Retter gar nicht bewusst. \u201eIch habe es doch nur gut gemeint!\u201c ist ein Satz, der dann von dem \u201eWohlt\u00e4ter\u201c zu h\u00f6ren ist. Aber wie so oft im Leben gilt auch hier: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur ein Deckmantel der F\u00fcrsorge<\/strong><\/p>\n<p>Zweitens: Was unter dem Deckmantel der F\u00fcrsorge daherkommt, zielt bei genauerer Betrachtung auf den eigenen Vorteil. Denn heimlich liebt der K\u00fcmmerer im Dauereinsatz die eigene Unersetzlichkeit. Er f\u00fchlt sich gebraucht. Um es deutlich zu sagen: F\u00fcrsorge versorgt vor allem den F\u00fcrsorger. Und falls der Fall eintritt, dass der Bek\u00fcmmerte die Hilfe ablehnen sollte, ist der K\u00fcmmerer keineswegs erleichtert, sondern sieht sich blitzschnell nach neuen Hilfsempf\u00e4ngern um.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230; womit Mitarbeiter infantilisiert\u00a0 und zur Unm\u00fcndigkeit degradiert werden<\/strong><\/p>\n<p>Drittens: Es l\u00e4sst Menschen und Organisationen unterhalb ihrer M\u00f6glichkeiten agieren. Es mag pers\u00f6nlich in Ordnung sein, wenn der K\u00fcmmerer bereit ist, den Preis der eigenen Unentbehrlichkeit zu zahlen. Es ist allerdings nicht in Ordnung f\u00fcr Unternehmen oder Familien oder Paarbeziehungen. Weil diejenigen, die am empfangenden Ende des st\u00e4ndigen Helfertums stehen, weit unterhalb ihrer M\u00f6glichkeiten bleiben. Um es konkret auf die Situation in Unternehmen zu beziehen: \u00dcbergriffige F\u00fcrsorge infantilisiert Mitarbeiter. Sie werden auf die Stufe der Unm\u00fcndigkeit degradiert, anstatt als Partner auf Augenh\u00f6he angesehen zu werden, deren Autonomie und Probleml\u00f6sungskompetenz respektiert und gef\u00f6rdert wird.<\/p>\n<p><strong>Die toxische Nebenwirkung findet sich auf dem Beipackzettel des K\u00fcmmerns: K\u00fcmmerer produzieren Verk\u00fcmmerte!<\/strong><\/p>\n<p>Um Missverst\u00e4ndnissen vorzubeugen: Menschen, die sich selbst nicht helfen k\u00f6nnen, verdienen Unterst\u00fctzung. Aber wir reden hier ganz klar von einer Minderheit und nicht der Mehrheit der Menschen. Wer also den Zeigefinger erhebt und unterstellt, dass mit unserer vorangestellten Argumentation s\u00e4mtliche Hilfe und Unterst\u00fctzung f\u00fcr alle Menschen aufgek\u00fcndigt sei, hat entweder nichts verstanden oder will nicht verstehen.<\/p>\n<p>Unser Kritikpunkt ist ein anderer: Es geht darum, dass die Hilfe und Unterst\u00fctzung pars pro toto allen \u00fcbergest\u00fclpt wird. Das ist nicht nur anma\u00dfend, sondern auch zutiefst negativ in seiner Wirkung: Der Verk\u00fcmmerte, auch bekannt unter dem Namen Mitarbeiter beziehungsweise Ehepartner, Kind (Passendes bitte einsetzen) beginnt, Selbstverantwortung abzuladen. Anstatt eigenst\u00e4ndig ein Problem zu l\u00f6sen, l\u00e4dt er die Eigenverantwortung beim K\u00fcmmerer ab. Die Folge: Er oder sie bleibt unselbstst\u00e4ndig und abh\u00e4ngig von der dauernden Hilfestellung und wird sogar in diesem Verhalten noch best\u00e4rkt. \u201eIch kann ja mein Problem nicht allein l\u00f6sen.\u201c<\/p>\n<p>Wirklich grotesk wird es dann, wenn sich der K\u00fcmmerer dann aber noch \u00fcber den mangelnden Willen seiner Leute beklagt: \u201eAlles muss man selber machen!\u201c \u2013 Willkommen in Absurdistan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fchrung als Pflicht, dem anderen Freiraum zu geben<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fchrung m\u00fcndiger Menschen sieht anders aus. Der Anspruch sollte sein, dem anderen zu zeigen, dass es in seiner Macht steht, ein Problem zu l\u00f6sen. Wir gehen sogar so weit zu sagen: Er hat ein Recht darauf zu lernen, wie man ein Problem l\u00f6st. F\u00fchrung ist die Pflicht, zu Selbstverantwortung und Selbstvertrauen zu ermutigen. F\u00fchrung ist das freiwillige Zur\u00fccktreten mit dem Ziel, dem anderen den Freiraum zu geben, um seine Probleml\u00f6sungskompetenzen zu st\u00e4rken und zu entfalten.<\/p>\n<p>Darum: Wer mit \u201eEnablern\u201c die Zukunft gestalten will, sollte Menschen niemals ver-k\u00fcmmern! Erwachsen zu sein hei\u00dft, nicht nur unsere eigenen Abh\u00e4ngigkeiten aufzul\u00f6sen, sondern es auch niemandem erlauben, von uns abh\u00e4ngig zu bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-673624\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Anja F\u00f6rster und Peter Kreuz: \u201eVergeude keine Krise! 28 rebellische Ideen f\u00fcr F\u00fchrung, Selbstmanagement und die Zukunft der Arbeit\u201c &nbsp; &nbsp; F\u00dcHRUNG IN UNSICHEREN ZEITEN Eines haben alle unsicheren Zeiten gemeinsam: Sie wecken Gef\u00fchle in uns, die wir nicht &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/08\/27\/buchauszug-anja-foerster-und-peter-kreuz-vergeude-keine-krise\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[6123,1890,6124,9420],"class_list":["post-674453","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-anja-foerster","tag-buchauszug","tag-peter-kreuz","tag-vergeude-keine-krise"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/674453","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=674453"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/674453\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":674456,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/674453\/revisions\/674456"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=674453"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=674453"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=674453"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}