{"id":673777,"date":"2020-06-21T06:00:06","date_gmt":"2020-06-21T04:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=673777"},"modified":"2020-06-21T00:32:39","modified_gmt":"2020-06-20T22:32:39","slug":"ein-teller-muesli-mit-ex-blackberry-chef-markus-mueller-der-keine-vorschriften-will-die-er-nicht-durchschaut-sondern-lieber-hospizbegleitung-lernte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/06\/21\/ein-teller-muesli-mit-ex-blackberry-chef-markus-mueller-der-keine-vorschriften-will-die-er-nicht-durchschaut-sondern-lieber-hospizbegleitung-lernte\/","title":{"rendered":"Ein Teller M\u00fcsli mit Ex-Blackberry-Chef Markus M\u00fcller, der keine Vorschriften will, die er nicht durchschaut &#8211; und lieber Hospizbegleitung lernte"},"content":{"rendered":"<p>Dass Kandidaten in Bewerbungsgespr\u00e4chen ihrem k\u00fcnftigen Arbeitgeber nicht alles offenbaren, was den interessieren k\u00f6nnte, kann man sich vorstellen. Vor allem die Dinge, die gegen sie als k\u00fcnftige Mitarbeiter sprechen k\u00f6nnten. Von Markus M\u00fcller, dem Gr\u00fcnder des Unternehmens Nui Care, lerne ich: Das kann auch ein Pflegefall in der Familie sein. Wenn man sich als Angestellter um einen Vater oder eine Mutter k\u00fcmmert. Oder vielleicht um ein behindertes Kind. Das ist ein dickes Malus &#8211; aus Sicht der Company. Denn Arbeitgeber haben dann die Sorge, dass der Kandidat jederzeit ausfallen kann. Von jetzt auf gleich. Personalchefs erkundigen sich dann &#8211; scheinbar beil\u00e4ufig &#8211; nach dem Alter der Eltern. Gefragt werden das \u00fcbrigens nicht nur Frauen, sondern auch M\u00e4nner, erz\u00e4hlt M\u00fcller.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bef\u00f6rderung? Nicht mit Pflegefall in der Familie<\/strong><\/p>\n<p>Dasselbe kann sich auch vor Bef\u00f6rderungen abspielen &#8211; und schwupps, fliegt der Betreffende mit m\u00f6glichen Pflegef\u00e4llen in der Familie von der Short List, berichtet der Softwareunternehmer aus M\u00fcnchen bei unserem Gespr\u00e4ch im Ab der Fisch in D\u00fcsseldorf-Pempelfort, kurz vor Beginn der Corona-Krise. Und das sind eine ganze Reihe von Menschen, sagt M\u00fcller. Drei Viertel aller Pflegebed\u00fcrftigen w\u00fcrden zu Hause versorgt und das dann meistens von ihren Angeh\u00f6rigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_673778\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/05\/mueller.markus.3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-673778\" class=\"size-full wp-image-673778\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/05\/mueller.markus.3.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/05\/mueller.markus.3.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/05\/mueller.markus.3-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/05\/mueller.markus.3-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-673778\" class=\"wp-caption-text\">Markus M\u00fcller (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Angeh\u00f6rigen seien der gr\u00f6\u00dfte kostenlose Pflegedienst Deutschlands, sagt der 46-j\u00e4hrige. Denn Pflegeheimpl\u00e4tze kosteten schnell 4.000,&#8211;\u00a0 Euro im Monat aufw\u00e4rts. Sein Unternehmen Nui Care hat f\u00fcr alle Pflegef\u00e4lle wie demente \u00e4ltere Menschen bis hin zu schwerbehinderten Kindern eine App entwickelt, die deren Pflege organisieren hilft. Mit und f\u00fcr alle Beteiligten wie die Familienmitglieder, Pfleger und Nachbarn. Alle, die daf\u00fcr sorgen, dass die n\u00f6tigen Ma\u00dfnahmen passieren und alle Aufgaben oder Arzttermine erledigt werden. Denn die Koordination und Kommunikation unter den Helfenden ist ziemlich kompliziert. Fakt ist aber: Die Angeh\u00f6rigen sind oft v\u00f6llig \u00fcberlastet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vollkaskomentalit\u00e4t der Deutschen in puncto Gesundheit<\/strong><\/p>\n<p>Wer als Kunden f\u00fcr Nui Care infrage kommt? Weil Deutsche in puncto Gesundheit eine Vollkaskomentalit\u00e4t haben, k\u00e4men nur Krankenkassen in Betracht. Denn die wollen vermeiden, dass ihre Versicherten deshalb einen Burnout bekommen. Und wer noch: Unternehmen als Arbeitgeber. Also holt M\u00fcller nun diejenigen ins Boot, die das Thema ansonsten eher verschreckt &#8211; siehe oben: die Arbeitgeber. Eine Handvoll sei bereits im Boot.\u00a0Sein Ziel f\u00fcr n\u00e4chstes Jahr: Mit Nui Care im Ausland zu expandieren.<\/p>\n<p>Das alles w\u00e4re allein nicht so erstaunlich, w\u00e4re Markus M\u00fcller einfach irgendein Softwareunternehmer. Irgendein Start-up-Unternehmer. Er ist jedoch der fr\u00fchere Europachef von Blackberry &#8211; und lie\u00df\u00a0 sich vor f\u00fcnf Jahren zum Hospizbegleiter ausbilden. Vor drei Jahren wurde er Vorstandsvorsitzender vom Hospizdienst DaSein. M\u00fcller: &#8222;Mir hilft es, mit Sterbenden zu arbeiten. Denn einem wird klar, was das Wichtigste im Leben ist.&#8220;<\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser war ein Zeitungsartikel \u00fcber ein Hospiz, den er vor sechs Jahren im Spanien-Urlaub am Strand gelesen hatte. Und der ihn &#8222;zum Heulen brachte&#8220;, das war ihm noch nie passiert, erz\u00e4hlt der 46-j\u00e4hrige.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fcnf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen<\/strong><\/p>\n<p>Und er fragt mich: Was meinen Sie, sind die f\u00fcnf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen? Dann z\u00e4hlt er auf:<\/p>\n<p>Erstens: Ich w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte mutiger gelebt und gemacht, was ich wirklich will.<\/p>\n<p>Zweitens: Ich w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte mehr Zeit mit Familie und Freunden verbracht.<\/p>\n<p>Drittens: Ich w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte weniger gearbeitet.<\/p>\n<p>Viertens: Ich w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte den Mut gehabt, meine Gef\u00fchle auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>F\u00fcnftens: Ich w\u00fcnschte mir, ich h\u00e4tte den Kontakt zu meinen Freunden aufrecht erhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Ich will keine Vorschriften bekommen, die ich nicht verstehe&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Der dritte Punkt war es denn auch, der f\u00fcr M\u00fcller der Ausl\u00f6ser war, nicht weiter f\u00fcr Blackberry arbeiten zu wollen: &#8222;Wenn ich jetzt nicht aufh\u00f6re, bereue ich es sp\u00e4ter auch&#8220;, war seine \u00dcberzeugung. &#8222;Ich bin kein Corporate-Mensch. Ich will auch keine Vorschriften bekommen und nicht verstehen, wieso.&#8220; Das sei ist nicht sein Ding.\u00a0Denn selbst Europachef zu sein, habe nichts mit Mut und Verantwortung zu tun. F\u00fcr ihn als Unternehmer sei das einfach nicht das Richtige.\u00a0So wie er schon nach seinem Jurastudium das Angebot der M\u00fcnchner R\u00fcck in den Wind schlug, bei ihr als Vorstandsassistent anzufangen. Lieber gr\u00fcndete er seine eigene Firma, zog daf\u00fcr in eine kleinere Wohnung und verkaufte sein Auto, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_673781\" style=\"width: 498px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/05\/muellermuesli-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-673781\" class=\"size-full wp-image-673781\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/05\/muellermuesli-1.jpg\" alt=\"\" width=\"488\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/05\/muellermuesli-1.jpg 488w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/05\/muellermuesli-1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 488px) 100vw, 488px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-673781\" class=\"wp-caption-text\">M\u00fcllers M\u00fcsli im Ab der Fisch (Foto: C. T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zweimal dann doch geblieben<\/strong><\/p>\n<p>Bis er dann neun Jahre sp\u00e4ter Ubitexx an Blackberry &#8211; damals hie\u00df die Firma noch Research in Motion &#8211; verkaufte und den Job \u00fcbernahm, seine Firma in das kanadische Unternehmen zu integrieren. Das war der Deal und eigentlich wollte er nach zwei Jahren von Bord gehen. Doch es kam anders: Thorsten Heins, der Ex-Weltchef von Blackberry, bat M\u00fcller, der Chef der 500 Mitarbeiter hierzulande zu werden. Immerhin war Deutschland der wichtigste Markt f\u00fcr Blackberry, erz\u00e4hlt er. Als in Kanada Finanzinvestoren einstiegen und die Company von Hardware auf Software drehen wollten, versuchte M\u00fcller wieder auszusteigen. Und nochmal lie\u00df er sich zum Bleiben bewegen. Diesmal, um als Europachef beim Turnaround zu helfen. Um aus dem Hardwarehersteller Blackberry ein Softwareunternehmen zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nebenbei bemerkt: Mir als Blackberry-Fan &#8211; wegen der Tastatur, wegen des Hubs, weil er so stabil l\u00e4uft, so sicher ist und ein ganzes B\u00fcro in sich vereint &#8211; w\u00e4re es anders lieber gewesen. Ich nutze jetzt noch die letzten Blackberrys &#8211; und dann?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch Markus M\u00fcller ist froh, dass er heute wieder in einem kleinen Team arbeitet, daheim in M\u00fcnchen. Mit\u00a0einer Krankenschwester, einer Pflegep\u00e4dagogin und acht Softwareentwicklern. Und ohne Vorgaben einer Zentrale, die er nicht mal durchschaut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-673624\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Kandidaten in Bewerbungsgespr\u00e4chen ihrem k\u00fcnftigen Arbeitgeber nicht alles offenbaren, was den interessieren k\u00f6nnte, kann man sich vorstellen. 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