{"id":673662,"date":"2020-04-30T06:00:38","date_gmt":"2020-04-30T04:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=673662"},"modified":"2020-04-30T01:51:21","modified_gmt":"2020-04-29T23:51:21","slug":"buchauszug-joachim-jahn-micha-guttmann-juergen-krais-krisenkommunikation-bei-compliance-verstoessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/04\/30\/buchauszug-joachim-jahn-micha-guttmann-juergen-krais-krisenkommunikation-bei-compliance-verstoessen\/","title":{"rendered":"Buchauszug Joachim Jahn \/ Micha Guttmann \/ J\u00fcrgen Krais: &#8222;Krisenkommunikation bei Compliance-Verst\u00f6\u00dfen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug <a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/jahn-guttmann-krais-krisenkommunikation-compliance-verstoessen\/product\/17280580\">Joachim Jahn \/ Micha Guttmann\/ J\u00fcrgen Krais: &#8222;Krisenkommunikation bei Compliance-Verst\u00f6\u00dfen&#8220;\u00a0<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_673693\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/IMG_20200429_133237_178.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-673693\" class=\"size-full wp-image-673693\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/IMG_20200429_133237_178.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/IMG_20200429_133237_178.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/IMG_20200429_133237_178-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/IMG_20200429_133237_178-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-673693\" class=\"wp-caption-text\">Joachim Jahn (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Interview mit dem Investigativreporter Klaus Ott:\u00a0<\/span><\/strong><\/p>\n<p><em><b><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">\u201eUnser Platz ist zwischen allen St\u00fchlen\u201c<\/span><\/b><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_673691\" style=\"width: 555px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Ott-Klaus-Foto-SZ-Februar-2019-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-673691\" class=\"size-full wp-image-673691\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Ott-Klaus-Foto-SZ-Februar-2019-1.jpg\" alt=\"\" width=\"545\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Ott-Klaus-Foto-SZ-Februar-2019-1.jpg 545w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Ott-Klaus-Foto-SZ-Februar-2019-1-252x300.jpg 252w\" sizes=\"auto, (max-width: 545px) 100vw, 545px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-673691\" class=\"wp-caption-text\">SZ-Redakteure Klaus Ott (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Herr Ott, haben Sie schon mal anonyme Post von einem Informanten in Ihrem Briefkasten gefunden?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Ja, immer wieder. Zum Teil auch noch in der analogen Form als Brief. Da muss man dann nat\u00fcrlich immer schauen: K\u00f6nnte da was dran sein? Im Lauf der Zeit kriegt man einiges an Erfahrung und kann dann manchmal schon auf den ersten Blick erkennen: Das ist jetzt etwas, wo man pr\u00fcfen muss, ob da tats\u00e4chlich etwas dran ist. Oder das man zur Seite legt, weil es wirklich sehr merkw\u00fcrdig und unglaubw\u00fcrdig klingt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Sind auch viele geistig Verwirrte dabei?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Jedenfalls viele, die sich \u2013 auch mit vollem Namen \u2013 an uns wenden und die irgendwelche Probleme haben mit irgendwelchen Streitigkeiten, mit der Arbeit, mit Nachbarn oder irgendwelchen anderen Widersachern. Und die sich von uns erhoffen, dass wir mit einer Berichterstattung ihre Lebensprobleme l\u00f6sen; die sich manchmal auch verrannt haben und gar nicht mehr sehen, dass sie in einer Sackgasse sind. Da sage ich dann bei uns im Kollegenkreis: Die br\u00e4uchten eigentlich nicht einen Journalisten, sondern einen Psychologen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Teilweise gibt es bei manchen Leuten einen v\u00f6llig falschen Eindruck von unserer Wirkungsmacht: Die glauben dann, eine Geschichte in der S\u00fcddeutschen Zeitung oder woanders l\u00f6st alle Probleme und f\u00fchrt dazu, dass Beh\u00f6rden sagen: \u201eJa, Sie haben ja doch Recht \u2013 wir sehen das jetzt alles ganz anders!\u201c Leute, die vergeblich Petitionen eingereicht haben beim Landtag oder beim Bundestag oder beim Bundespr\u00e4sidenten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Oft verfolgen Informanten ja auch eigene Interessen. Wie gehen Sie damit um?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Ach, das ist eigentlich ganz einfach: Man muss sich anh\u00f6ren, was wer auch immer zu sagen hat. Und wenn das schl\u00fcssig erscheint, dann der Sache mal nachgehen \u2013 und nat\u00fcrlich immer die Interessenlage desjenigen, der uns Informationen gibt, ber\u00fccksichtigen; mit herausfiltern, was er damit alles verbindet. Und wenn sich am Ende zeigt, dass das Interesse des Absenders der Information, etwas in die Zeitung zu bringen, gr\u00f6\u00dfer ist als das Interesse der \u00d6ffentlichkeit, von bestimmten Dingen zu erfahren, dann berichten wir halt nicht, denn dann w\u00fcrden wir uns ja instrumentalisieren lassen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Und wenn das Ergebnis wie bei meinen Kollegen bei dem Video mit dem \u00f6sterreichischen Politiker Heinz-Christian Strache in der \u201eIbiza-Aff\u00e4re\u201c so ausf\u00e4llt, dass das Interesse der \u00d6ffentlichkeit \u00fcberwiegt, von bestimmten Vorg\u00e4ngen zu erfahren \u2013 in diesem Fall sogar weit \u00fcberwiegt \u2013, dann wird nat\u00fcrlich berichtet. Es ist oft eine Abw\u00e4gungssache, aber wenn man dann im Zweifelsfall, wenn man sich selbst nicht ganz sicher ist, den Fall im Kollegenkreis diskutiert, kommt man auch immer zu einer vern\u00fcnftigen Entscheidung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Trifft denn auch manches \u00fcber verschl\u00fcsselte Whistleblower-Postf\u00e4cher ein, die viele Medien mittlerweile f\u00fcr Whistleblower anbieten?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Da kommt schon das eine oder andere. Wir m\u00fcssen einfach alle Kan\u00e4le offenhalten: den alten Weg \u00fcber die klassische Post, den neuen Weg \u00fcber die elektronischen Medien, und wie gehabt das Telefon. Dass man das gesamte Instrumentarium anbietet und den Dingen nachgeht, bringt es glaube ich am Ende \u2013 sich nur auf einen Kanal zu versteifen, w\u00e4re sicherlich falsch. Die Summe macht\u2019s.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wie sch\u00fctzen Sie Ihre Informanten?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">So gut wie m\u00f6glich <em><b><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif\">(lacht)<\/span><\/b><\/em>. Bisher ist weder bei mir noch bei der SZ irgend etwas schief gegangen. Man muss alles bedenken, wie jemand in Gefahr geraten oder auffliegen k\u00f6nnte. Das f\u00e4ngt ganz klassisch damit an, dass man einfach den Mund h\u00e4lt und auch im Kollegenkreis nicht erz\u00e4hlt, wo man war \u2013 es sei denn, man arbeitet gerade im Team. Wenn es eine ganz heikle Sache ist, muss man zumindest einen der Chefredakteure einweihen, damit man zusammen entscheidet, wie man die Sache einordnet und ob sie ver\u00f6ffentlicht wird. Aber dann bleibt es eben wirklich auch unter uns beiden, und es erf\u00e4hrt sonst niemand, wo die Informationen herkommen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: .0001pt\"><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: .0001pt\"><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Und bei den elektronischen Kan\u00e4len muss man nat\u00fcrlich alle M\u00f6glichkeiten nutzen, mit Verschl\u00fcsselungsprogrammen f\u00fcr die Nachrichten wie PGP oder einem sicheren Messengerdienst wie <\/span><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\"> Signal \u2013 den empfiehlt Edward Snowden, und auch wir haben damit nur gute Erfahrungen gemacht. <\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: .0001pt\"><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wenn man sich mit jemandem trifft, muss man nat\u00fcrlich immer aufpassen, wo man das tut, denn es gibt ja heutzutage Banken, die Detektive auf eigene Mitarbeiter ansetzen, die sie im Verdacht haben, Informationen an die Presse weiterzugeben. Einen solchen Fall gab es tats\u00e4chlich bei einem anderen Medium, dass ein solches Treffen mit einem Journalisten beobachtet wurde. <\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: .0001pt\"><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">In allen Recherchekursen etwa an der Deutschen Journalistenschule oder bei unseren Volont\u00e4ren, die ich zusammen mit Kollegen gebe, weise ich immer darauf hin: Bedenkt selbst die unwahrscheinlichste M\u00f6glichkeit \u2013 seid lieber \u00fcbertrieben vorsichtig, als dass irgend etwas schief geht! Immer agieren nach dem Motto: Doppelt gen\u00e4ht h\u00e4lt besser.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">\u2026sogar klandestine Treffen im Park mit Schlapphut, wie man es aus Spionagefilmen kennt \u2013 oder ist das blo\u00df Krimiromantik?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Mit Schlapphut nicht <em><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif\">(lacht)<\/span><\/em>. Aber nat\u00fcrlich, ohne dass ich da jetzt ins Detail gehen kann, kann man Treffen so arrangieren, dass mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Sicherheit ausgeschlossen ist, dass man von wem auch immer beobachtet werden kann. Aber man muss sich das nicht gleich vorstellen wie bei James Bond.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wenn Strafverfolgungsbeh\u00f6rden oder Geheimdienste bei Ihnen anfragen \u2013 w\u00fcrden Sie dann in jedem Fall Ausk\u00fcnfte verweigern?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Nat\u00fcrlich. Wir sind nicht der verl\u00e4ngerte Arm von Staatsanw\u00e4lten oder von anderen Beh\u00f6rden. Wir haben ja auch trotz entsprechender Bitten nicht die Panama-Papers herausgegeben; die hat sich das Bundeskriminalamt dann gegen Honorar auf anderem Wege besorgt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wir sind weder Verteidiger noch Ankl\u00e4ger oder Richter \u2013 unser Platz ist zwischen allen St\u00fchlen; dort geh\u00f6ren wir hin. Wir sitzen bei niemandem auf dem Scho\u00df. Wenn wir Informationen haben, die f\u00fcr Staatsanw\u00e4lte interessant sind, sollen sie die Zeitung lesen und daraus ihre Schlussfolgerungen ziehen. Das kommt ja auch manchmal vor. Informationen gibt es f\u00fcr die Leser, und lesen k\u00f6nnen auch die Beh\u00f6rden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Bei Internal Investigations in Unternehmen stellt sich ja oft auch f\u00fcr deren Anwaltskanzleien die Frage, wo sie Informationen am besten aufbewahren, damit sie nicht beschlagnahmt werden k\u00f6nnen. Wie halten Sie es: Heben Sie solches Material in Ihrem Schreibtisch auf oder auf ihrem PC, oder lagern Sie das aus und verstecken es?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wir handhaben das so, dass selbst f\u00fcr den v\u00f6llig unwahrscheinlichen Fall, dass es nach dem Cicero-Urteil des Bundesverfassungsgerichts doch noch mal eine Durchsuchung in einer Redaktion geben sollte, keine Informanten in Gefahr geraten w\u00fcrden. Das f\u00e4ngt damit an, dass man Unterlagen so aufbewahrt, dass kein Absender und keine Quelle ersichtlich ist. Bis dahin, dass man sie dort aufbewahrt, wo sie sicher sind. Aber die Details will ich nat\u00fcrlich nicht ausplaudern, weil das wiederum unter den Quellenschutz f\u00e4llt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Was sind typische Motive der echten Informanten \u2013 also abgesehen von geistig Verwirrten oder von Spin-Doktoren, die unter der Hand beispielsweise f\u00fcr einen Anzeigeerstatter oder ein Konkurrenzunternehmen arbeiten. Ist es Gerechtigkeitssinn, Rache, Wichtigtuerei, Eitelkeit\u2026?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Alles, da gibt es die ganze Bandbreite, die man sich vorstellen kann. Viele, die ehrlich emp\u00f6rt sind und sagen: \u201eDas kann doch nicht wahr sein, was hier an Missst\u00e4nden vorhanden ist; das muss aufgedeckt und aufgekl\u00e4rt werden.\u201c Es kann sein, dass Informanten finanzielle Interessen haben; das hat sich ja bei den CD-K\u00e4ufen der deutschen Steuerbeh\u00f6rden gezeigt. Wobei wir nie zahlen: Wenn jemand zu uns kommt und sagt, er gibt uns Informationen \u2013 \u201eaber die kosten soundso viel\u201c, dann sagen wir: \u201eNein danke, wir zahlen aus Prinzip nicht.\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Au\u00dferdem gibt es nat\u00fcrlich das Motiv der Rache: Bei Steuerfahndern hie\u00df es fr\u00fcher oft, betrogene Ehefrauen seien die besten Informanten. Und es gibt Informanten, die selber bei irgendwelchen Verfahren oder Vorg\u00e4ngen unter Druck geraten und von sich ablenken wollen. Oder die berechtigerweise aus Notwehr sagen: \u201eIch war nur ein R\u00e4dchen im System, die eigentlich Verantwortlichen sitzen ganz oben.\u201c Man muss als Journalist also immer die jeweiligen Interessen herausfiltern und zu einer vern\u00fcnftigen Abw\u00e4gung kommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Was ist Ihre Hauptquelle: Insider? Karrieres\u00fcchtige Staatsanw\u00e4lte, wie Strafverteidiger es oft darstellen? Polizisten etwa bei den Landeskriminal\u00e4mtern, die auf ihre Ermittlungserfolge stolz sind? Oder sind es nicht in Wirklichkeit oft Anw\u00e4lte, die ihre Mandanten in ein gutes Licht r\u00fccken m\u00f6chten oder die \u2013 vielleicht sp\u00e4ter als Dank des Journalisten in einem ganz anderen Artikel \u2013 ihren eigenen Namen als vermeintlicher Starverteidiger in der Zeitung lesen wollen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Es ist ganz einfach: Man muss mit allen Seiten reden und dann wie beim Puzzlespiel die Teile zusammentragen. Mal gibt es hier Informationen, mal dort. Es w\u00e4re fahrl\u00e4ssig, sich auf eine oder wenige Gruppen zu beschr\u00e4nken nach dem Motto: Da bekommen wir mit Sicherheit Informationen. Die beste Methode ist immer, mit allen wichtigen Akteuren zu reden und auf diese Weise die Informationen sauber zusammen zu f\u00fcgen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Und eines ist auch immer ganz wichtig: Wer uns Informationen gibt, der bekommt keinen Bonus nach dem Motto, wenn\u00b4s bei ihm selbst mal kritisch wird, schauen wir weg. Ich hatte mal den Fall, dass mir jemand aktenweise Material \u00fcber Missst\u00e4nde in einer Branche gegeben hat, und Jahre sp\u00e4ter selbst zum Gegenstand der Berichterstattung wurde. Weil er in einer de jure unabh\u00e4ngingen Beh\u00f6rde \u00fcber die Parteischiene Karriere machen wollte. Auf Kosten eines Konkurrenten, der sachlich gute Arbeit machte, der aber nach einem Regierungswechsel abges\u00e4gt werden sollte, weil er der neuen Mehrheit nicht passte. Dar\u00fcber habe ich dann umfangreich und intensiv berichtet. Mit dem Ergebnis, dass die Karriere auf der Parteischiene nicht klappte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Da gab es eben kein Wegschauen, weil derjenige mir Jahre vorher spannende Akten gegeben hatte. Und es gibt umgekehrt auch kein Sch\u00f6n-Schreiben, weil uns jemand Akten gibt und daf\u00fcr sein Fall oder seine Person oder die Firma in einem g\u00fcnstigen Licht dargestellt wird. Es kommt alles F\u00fcr und Wider ins Blatt und auf die Homepage. Und bei gro\u00dfen, komplizierten F\u00e4llen wie der Abgasaff\u00e4re oder Cum-Ex kommen alle wichtige Sachverhalte und Sichtweisen zur Geltung. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Nat\u00fcrlich geht das nicht in einem Beitrag, weil der sonst so lang w\u00e4re wie ein Buch. Aber in der Summe der Beitr\u00e4ge eben. Selbst wenn das wie bei Cum-Ex Akteure sind, die ernsthaft erkl\u00e4ren wollen, dass es in Ordnung ist, in die Staatskasse zu greifen und Steuergelder, moralisch betrachtet, weil die juristische Aufarbeitung noch aussteht, zu stehlen. Auch diese Akteure und ihre Anw\u00e4lte m\u00fcssen zu Wort kommen, damit sich die Leser ein eigenes Bild machen k\u00f6nnen. Wie wir das dann kommentieren, ist eine andere Sache. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Nebenbei angemerkt: Auch das wird in heutigen Zeiten immer wichtiger: Dass wir Information und Kommentar sauber trennen. Und uns auch auf diese Weis bestm\u00f6glich abheben von manchem Unsinn, der im Netz verbreitet wird. Und unseren Stellenwert, der immer gr\u00f6\u00dfer wird, deutlich machen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-673663\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/jahn.2.cover_.jpg\" alt=\"\" width=\"434\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/jahn.2.cover_.jpg 434w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/jahn.2.cover_-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/prof-dr-joachim-jahn\/creator\/20047\">Joachim Jahn\/<\/a><a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/micha-guttmann\/creator\/465124185\">Micha Guttmann\/ J\u00fcrgen Kraiss: <\/a><a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/juergen-krais\/creator\/10667\">&#8222;Krisenkommunikation bei Compliance-Verst\u00f6\u00dfen&#8220;, 133 Seiten, 49 Euro, Verlag C.H.Beck\u00a0\u00a0\u00a0<\/a><\/strong><strong><a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/jahn-guttmann-krais-krisenkommunikation-compliance-verstoessen\/product\/17280580\">https:\/\/www.beck-shop.de\/jahn-guttmann-krais-krisenkommunikation-compliance-verstoessen\/product\/17280580<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Ist die presserechtliche Gegenwehr der Betroffenen gr\u00f6\u00dfer geworden?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Mit Sicherheit. Das sieht heutzutage ganz anders als zum Beispiel 2006, als die Schmiergeldaff\u00e4re bei Siemens begonnen hat. Nachdem die Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen I dort ein weltweites System von schwarzen Kassen und Schmiergeldzahlungen enth\u00fcllt hatte, gab es in den ersten Wochen auf unsere Anfragen hin kaum Post von Anw\u00e4lten. Danach hat es begonnen, dass Medienanw\u00e4lte sich immer st\u00e4rker eingeschaltet haben. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Mittlerweile ist es ja bei vielen Recherchen gang und g\u00e4be, dass man mit ihnen zu tun hat. Da muss man sich nat\u00fcrlich drauf einstellen, aber vom Prinzip her \u00e4ndert sich nichts: Wir m\u00fcssen sauber recherchieren, alle von unserer Berichterstattung Betroffenen sauber befragen und die Unschuldsvermutung herausarbeiten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Dabei kann es aber nicht getan sein mit dem Satz: \u201eIm \u00fcbrigen gilt die Unschuldsvermutung\u201c, wie es in der \u00f6sterreichischen Presse lange pro forma als letzter Satz \u00fcblich war. Ich schreibe dann immer mal wieder bei uns, um auch den Stand der Dinge deutlich zu machen: \u201eEin Ermittlungsverfahren bedeutet nicht, dass es eine Anklage gibt; eine Anklage bedeutet noch nicht, dass es einen Prozess gibt; und ein Prozess bedeutet nicht, dass jemand verurteilt wird.\u201c Man muss deutlich machen, was f\u00fcr und was gegen den vorliegenden Verdacht spricht, damit es eine ergebnisoffene, faire Berichterstattung ist \u2013 da achten wir bei der SZ sehr darauf.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Was die Medienanw\u00e4lte anbelangt: Da gibt es eine gro\u00dfe Bandbreite. Mit vielen kann man ganz vern\u00fcnftig reden, auch im Hintergrund. Und selbst das hilft ja immer, um die Lage vern\u00fcnftig einzuordnen und nicht \u00fcbers Ziel hinauszuschie\u00dfen. Aber einige wenige Medienanw\u00e4lte verhalten sich eher wie Zensoren, die genausogut f\u00fcr Erdogan oder Putin arbeiten k\u00f6nnten. Sie verschicken ellenlange Briefe des Inhalts, dass wir eigentlich gar nichts berichten d\u00fcrften. Oder sie benehmen sich wie\u00a0 Abmahnanw\u00e4lte und schicken ein Schreiben nach dem anderen raus nach dem Motto: hier 1.000 Euro Geb\u00fchrenrechnung, dort 2.000 Euro. Mit dem Inhalt, dass sie und ihre Mandanten nicht Stellung nehmen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Und die uns sogar noch mitteilen, dass wir nicht einmal das berichten d\u00fcrften \u2013 die ihre Briefe also quasi als \u201eNicht-Schreiben\u201c betrachtet haben wollen. Was \u2013 frank und frei gesagt \u2013 alles einfach nur d\u00e4mlich ist. Da sollten sich diese Anw\u00e4lte mal an die eigene Nase fassen und fragen, ob so ein Umgang angemessen ist. Vielleicht sollten wir Journalisten solchen Medienanw\u00e4lten einmal ein Seminar anbieten nach dem Motto: \u201eWie gehe ich vern\u00fcnftig mit der Presse um?\u201c Manche haben da noch gro\u00dfen Lernbedarf.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Manche Unternehmen und Manager beklagen, Journalisten w\u00fcrden ihnen bei Anfragen mit viel zu kurzen Stellungnahmefristen die Pistole auf die Brust setzen. Wie machen Sie das konkret: Schicken Sie ein Fax, eine Mail, oder rufen sie an? Und wieviel Zeit haben die Betroffenen dann?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Die Faustregel bei uns ist ganz einfach: Je komplizierter ein Fall ist und je l\u00e4nger er zur\u00fcck liegt, desto mehr Zeit m\u00fcssen wir den Betroffenen einr\u00e4umen, um hier vern\u00fcnftig Stellung nehmen zu k\u00f6nnen. Wenn es bei VW eine ganz aktuelle Geschichte ansteht, bei der die Anw\u00e4lte und das Unternehmen in den Akten drin sind und innerhalb von einer Stunde etwas sagen k\u00f6nnen, bitten wir um Stellungnahme innerhalb eines Tages. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Dagegen gab es bei Siemens F\u00e4lle, die etliche Jahre zur\u00fcck lagen \u2013 beispielsweise einen Vorg\u00e4nge beim fr\u00fcheren Vorstandschef Heinrich von Pierer, der in Vietnam gespielt hat \u2013, da hat Herr Pierer das nat\u00fcrlich nicht auswendig parat gehabt. Da haben wir mehrere Tage Frist gew\u00e4hrt, damit er noch mal in den Akten nachschauen und seine Mitarbeiter befragen konnte. Damit er diesen Vorgang rekonstruieren konnte. Mit unserer Faustregel fahren wir immer sehr gut.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wir machen es nat\u00fcrlich schriftlich, damit es auch sauber dokumentierbar ist. Wir rufen, wenn wir die Mails losgeschickt haben, auch noch mal an und fragen: \u201eIst die Mail angekommen und bearbeitet?\u201c, damit es nicht liegen bleibt \u2013 sonst haben wir am Ende etwas ver\u00f6ffentlicht, und die Betroffenen sagen: \u201eTut uns leid, wir bekommen 2.000 Mails am Tag, und diese haben wir noch gar nicht \u00f6ffnen k\u00f6nnen, weil wir noch nicht so weit waren, alles abzuarbeiten.\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Da gehen wir immer auf Nummer sicher, dass es die Betroffenen erreicht und sie es auch lesen k\u00f6nnen, damit sie auch dazu Stellung nehmen k\u00f6nnen. Bei denen, mit denen wir immer wieder in Kontakt sind, machen wir es fairerweise auch so, dass wir sagen: \u201ePasst auf, da kommt es jetzt gleich eine Anfrage \u2013 damit Ihr nicht \u00fcberrascht seid.\u201c Ob das jetzt Anw\u00e4lte sind oder Pressestellen oder wer auch immer: Wir wollen die Betroffenen nicht auf dem kalten Fu\u00df erwischen. Ein vern\u00fcnftiger Umgang, auch wenn man auf verschiedenen Seiten steht, erleichtert allen das Leben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Man muss den Leuten eine faire Chance geben, schon aus presserechtlichen Gr\u00fcnden \u2013 aber Journalisten m\u00fcssen ja auch immer Angst haben, dass ein Konkurrenzmedium schneller ist. Wie weit beeinflusst Sie das?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Da lehnen wir uns zur\u00fcck und sagen: Es muss journalistisch sauber sein. Wir weichen nicht von den journalistischen Standards ab, damit wir dann die ersten sind. Etwas ganz anderes sind die sogenannten privilegierten Quellen, zum Beispiel die Staatsanwaltschaft M\u00fcnchen II mit ihrer Pressemitteilung, dass in der Dieselaff\u00e4re Anklage gegen den fr\u00fcheren Audi-Vorstandsvorsitzenden Rupert Stadler erhoben worden ist. Da ist nat\u00fcrlich ganz klar, dass wir sofort damit rausgehen; das ist eine offizielle Mitteilung der Staatsanwaltschaft. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Da gibt es eigentlich keinen Zweifel daran, dass die Tatsache der Anklageerhebung auch so zutrifft, und das wird sofort ver\u00f6ffentlicht. Zus\u00e4tzlich wird der Anwalt von Herrn Stadler gefragt. Wobei wir dann nat\u00fcrlich aus unserer Kenntnis des Verfahrens heraus auch gleich schreiben, dass Herr Stadler seit langem alle Vorw\u00fcrfe zur\u00fcckweist, damit der Leser das auch gleich erf\u00e4hrt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Allerdings haben wir einmal den Fall erlebt, dass die Staatsanwaltschaft Braunschweig \u2013 das betraf den ehemaligen VW-Vorstandschef Martin Winterkorn \u2013 offiziell ein Ermittlungsverfahren mitgeteilt hat, das es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht gab. Das haben wir nat\u00fcrlich aufgegriffen mit einer Schlagzeile auf der Seite 1 und auch schnell versucht, Winterkorn beziehungsweise seinen Anwalt dazu zu befragen. Ein, zwei Tage sp\u00e4ter gab es aber ein sehr merkw\u00fcrdiges TV-Interview, in dem die Staatsanwaltschaft ein wenig herumgedruckst hat. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Durch unsere Nachfrage hat sich herausgestellt: Es war ein Versehen, es gab noch gar kein Ermittlungsverfahren gegen Winterkorn selbst. Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft hat dies zun\u00e4chst einmal den dortigen lokalen Medien gesagt und keine neue Pressemitteilung herausgegeben nach dem Motto: \u201eStopp \u2013 Irrtum \u2013 kein Ermittlungsverfahren gegen Winterkorn\u201c. Wir mussten schon deutlich nachfragen, um das den Beh\u00f6rden in Niedersachsen aus der Nase zu ziehen. Das haben wir dann entsprechend aufgegriffen, weil es nat\u00fcrlich ein Unding ist, dass man ein Ermittlungsverfahren verk\u00fcndet, das es noch gar nicht gibt. Ich hatte den Eindruck, dass die Staatsanwaltschaft sich gedacht hat: \u201eHoppla, da haben wir uns vergaloppiert, und jetzt versuchen wir, das m\u00f6glichst ger\u00e4uschlos wieder gerade biegen.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Was nat\u00fcrlich nicht geht: Wenn man einen Fehler macht, muss man ihn auch zugeben und ihn korrigieren \u2013 so machen wir es ja auch. Dann entschuldigen wir uns bei den Betroffenen. Ich habe Ende 2014 mal f\u00e4lschlicherweise geschrieben, dass bei einem Verfahren, das gegen die Deutsche Bank anstand, der Bu\u00dfgeldrahmen bei bis zu 10 Millionen Euro lag. Es war aber nur eine Million, weil der Fall unter die alte Fassung des Ordnungswidrigkeitengesetzes fiel; inzwischen war die Obergrenze verzehnfacht worden. Da h\u00e4tte ich mir auch sagen k\u00f6nnen: \u201eNaja, die Deutsche Bank hat schon mehrere Milliarden Euro an Strafen und Bu\u00dfgeldern bezahlt \u2013 das macht bei denen das Kraut auch nicht mehr fett.\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Aber das ist nicht meine Einstellung und nicht die der SZ. Ich habe mich dann bei der Deutschen Bank entschuldigt; wir haben das online wie auch in der Zeitung selbst korrigiert und das auf diese Weise wieder aus der Welt geschafft. Da kann es keine Sekunde lang die \u00dcberlegung geben, wie man das vielleicht kaschieren kann, sondern da muss man gerade heraus sagen: \u201eDa haben wir Mist gebaut.\u201c Wir sind ja alle nur Menschen. Aber das passiert ja gottseidank sehr, sehr, sehr selten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wie reagieren die Betroffenen? Es gibt ja auch immer wieder F\u00e4lle, in denen es f\u00fcr diejenigen das erste Mal ist, dass ein Investigativreporter eine Stellungnahme haben will.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Das ist ganz unterschiedlich. Wenn es um Firmen, Personen, Organisationen geht, die im Umgang mit der Presse erfahren sind, werden die nicht gleich aus allen Wolken fallen. Wenn es aber jemand ist, der bislang noch \u00fcberhaupt nichts mit den Medien zu tun hatte, dann kann es schon sein, dass jemand ein bisschen harsch reagiert nach dem Motto: \u201eDas geht Sie einen feuchten Kehricht an!\u201c Auch da gibt es dann die ganze Bandbreite. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Aber f\u00fcr uns ist das einzig Richtige: In Anfragen erkl\u00e4ren, worum es geht; und eine faire Chance zur Stellungnahme einr\u00e4umen. Und wenn es wirklich jemand ist, der v\u00f6llig unerfahren ist und bei dem man auch merkt, dass er vielleicht Fehler macht, die man gnadenlos ausnutzen k\u00f6nnte, dann muss man auch fair sein und Leute manchmal vielleicht vor sich selber sch\u00fctzen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wenn jemand pl\u00f6tzlich anf\u00e4ngt, wilde Anschuldigungen zu erheben und sagt: \u201eDas k\u00f6nnen Sie alles drucken!\u201c, aber ich wei\u00df genau, dass sich da jemand um Kopf und Kragen redet \u2013 da geh\u00f6rt es fairerweise schon dazu, zu sagen: \u201ePassen Sie auf \u2013 wenn Sie das zur Ver\u00f6ffentlichung freigeben, schie\u00dfen Sie wohl \u00fcber das Ziel hinaus und ruinieren sich im Extremfall Ihr Leben!\u201c Unerfahrene Menschen weise ich auf die Konsequenzen ihres Tuns hin.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Unternehmen oder Manager sind nach etwaigen Verst\u00f6\u00dfen gegen Compliance, Recht oder Gesetz Ihre nat\u00fcrlichen Gegenspieler. Trotzdem: Haben Sie einen Rat f\u00fcr die? Was tut man am besten, wenn Herr Ott anklopft \u2013 tot stellen, unter den Schreibtisch kriechen\u2026?<\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Einfach die Hosen herunter lassen <em><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif\">(lacht)<\/span><\/em>. Alles sagen, was zu sagen ist. Es gibt einen sch\u00f6nen Spruch von der K\u00f6lner Staatsanw\u00e4ltin Anne Brorhilker, die mit anderen zusammen federf\u00fchrend ermittelt in Sachen Cum\/Ex; die hatte einen Kronzeugen, der sich am Anfang schwer damit tat, die besagten Hosen herunter zu lassen. Und irgendwann hat sie ihm gesagt \u2013 und das wei\u00df ich jetzt nicht von der Staatsanwaltschaft, sondern von anderen Verfahrensbeteiligten: \u201eSie haben die Hose bislang nur bis zu den Knien herunter gelassen \u2013 Sie m\u00fcssen sie schon ganz herunter lassen bis zu den Kn\u00f6cheln!\u201c Worauf der Kronzeuge gemerkt hat, dass er doch noch ein bisschen mehr liefern und sein Wissen wirklich weitgehend preis geben muss, damit es \u00fcberzeugend ist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Es n\u00fctzt ja auf Dauer nichts, wenn man sich hinter irgendwelchen Floskeln verschanzt. Am besten ist es immer, alles auf den Tisch zu legen und vielleicht einmal auch durchs mediale \u201eFegefeuer\u201c zu gehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Da gibt es ein gutes Beispiel, n\u00e4mlich die Amigo-Aff\u00e4re des damaligen bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten Max Streibl. Es ging um Fahrzeuge, die er f\u00fcr Testfahrten kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt bekommen hatte; ebenso wie sein sp\u00e4terer Nachfolger Edmund Stoiber. Der hat dann folgendes gemacht: Er hat zu einer Pressekonferenz eingeladen, alles auf den Tisch gelegt. Er hat einger\u00e4umt, dass es ein Fehler war, den er einsieht \u2013 es seien vielleicht alte Gepflogenheiten gewesen, denen man heute nicht mehr nachgehen sollte. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Daraufhin gab es ein, zwei Tage eine breite Berichterstattung in den Medien, aber danach war Schluss, denn es war keine Fortsetzungsgeschichte mehr m\u00f6glich nach dem Motto: \u201eEr hat noch dieses verborgen und jenes vertuscht.\u201c Er hat sich entschuldigt, und das ist dann auch angenommen worden. Wenn er das nicht gemacht h\u00e4tte, wenn er eine Salamitaktik gefahren h\u00e4tte nach dem Motto: \u201eIch gebe immer nur das zu, was Journalisten herausfinden\u201c, dann w\u00e4re er wahrscheinlich nicht Streibls Nachfolger als Ministerpr\u00e4sident geworden. Das ist das beste Beispiel, wie man mit solchen Dingen umgehen sollte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wenn Sie ganz uneigenn\u00fctzig einen Rat erteilen sollten \u2013 w\u00fcrden Sie dann nicht auch sagen: Bevor man mit dem Herrn Ott redet, sollte man lieber noch mal mit einem Anwalt sprechen?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">W\u00fcrde ich jetzt nicht ausschlie\u00dfen wollen <em><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif\">(lacht)<\/span><\/em>. Dass jemand sich erst einen Anwalt nimmt und gut beraten l\u00e4sst, bietet sich im Leben immer an. Oder man redet mit seinem Ehemann oder seiner Ehefrau und schl\u00e4ft vielleicht eine Nacht dar\u00fcber. Aber die Dinge auf den Tisch zu legen, schadet nie.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Was w\u00e4re wichtiger \u2013 ein Medienanwalt oder ein Strafverteidiger?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">D<\/span><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">er Strafverteidiger, weil der nat\u00fcrlich die strafrechtlichen Konsequenzen \u00fcberblicken kann. Und nicht alle von ihnen sagen, man solle unbedingt den Mund halten. Es gibt zwar Anw\u00e4lte, bei denen ist der Mandant immer unschuldig \u2013 egal was vorliegt. Da habe ich dann schon erlebt, dass Mandant am Schluss f\u00fcnf Jahre ins Gef\u00e4ngnis geschickt wurde. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Es gibt aber auch sehr viele Anw\u00e4lte, die sich das genau anschauen und ihrem Mandanten auch sagen: \u201ePassen Sie auf \u2013 so und so ist die Sachlage. Wir k\u00f6nnen Konfliktverteidigung machen, aber Ihr Fall ist eigentlich nicht mehr zu verteidigen. Besser ist es, Sie bieten sich als Kronzeuge an.\u201c So war es ja jetzt auch in vielen F\u00e4llen beim Thema Cum\/Ex, dass Anw\u00e4lte zuerst gesagt hatten: \u201eWir ziehen das durch \u2013 was wollen die Beh\u00f6rden denn \u00fcberhaupt \u2013 das war eine Gesetzesl\u00fccke.\u201c Und dann haben sie sich die Sache genau angeschaut. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Es gibt viele Strafverteidiger, die das sehr differenziert sehen und ihren Mandanten dazu verhelfen, dass sie halbwegs glimpflich \u2013 und mitunter ohne dass die \u00d6ffentlichkeit es \u00fcberhaupt erf\u00e4hrt \u2013 davonkommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wer in der Berichterstattung vorgekommen ist, meint oft, Dinge w\u00fcrden aufgebauscht; Journalisten Dinge zusammenfabulieren, die sie gar nicht genau w\u00fcssten. Eine unberechtigte Kritik?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Es gibt nat\u00fcrlich Boulevardmedien, allen voran die \u201eBild\u201c-Zeitung, die gerne erst einmal mit dicken, fetten Schlagzeilen ausholen. Wie man ja auch an den wiederholten R\u00fcgen des Deutschen Presserats sieht, ist nicht immer alles haltbar. Da m\u00fcssen Betroffene \u00fcberlegen, mit wem sie sich einlassen, mit wem sie reden. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wenn man mit den Abonnementszeitungen spricht oder mit Fernsehsendern, die vern\u00fcnftig berichten, dann ist man auf der richtigen Seite. Wenn man sich dagegen mit der \u201eBild\u201c-Zeitung einl\u00e4sst, muss man wissen, wie Prominente es schon mal gesagt haben: Dass man mit ihr im Fahrstuhl nach oben, aber dann auch wieder nach unten f\u00e4hrt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Zum Schluss zu Ihrer Person: Was ist Ihr Werdegang, was treibt Sie um, was macht Ihnen am meisten Spa\u00df an Ihrer Arbeit \u2013 und sind Sie eigentlich schon mal bedroht worden?<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Bedroht worden nie. Das h\u00e4ngt nat\u00fcrlich auch mit der Materie zusammen: Bei Wirtschaftsverfahren in Deutschland und Mitteleuropa wird man in der Regel als Journalist von Anw\u00e4lten oder von den Unternehmen nicht bedroht. Es sei denn, es melden sich Medienanw\u00e4lte mit Briefen, die nicht nachvollziehbar sind \u2013 aber das ist f\u00fcr mich keine Bedrohung, sondern das ist halt das rechtliche Instrumentarium, das sie nutzen, auch wenn sie da \u00fcber das Ziel hinaus schie\u00dfen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Wir leben gottseidank in einem Rechtsstaat, in dem man als Journalist deutlich machen kann, dass wir uns nicht einsch\u00fcchtern lassen. Dieses Metier ist auch ein anderes, als wenn man im rechtsextremen Milieu recherchiert, wo es in den vergangenen Jahren wiederholt \u00dcbergriffe auf Journalisten gegeben hat. Hier m\u00fcssen Staat und Gesellschaft die Pressefreiheit energisch verteidigen. Die Beh\u00f6rden m\u00fcssen hier mit gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher H\u00e4rte vorgehen; mit allem, was polizeilich und rechtlich m\u00f6glich ist. Hier darf es nicht das geringste Pardon geben. Sonst ger\u00e4t die Pressefreiheit in Gefahr. Und wo das dann endet, sehen wir ja leider in vielen L\u00e4ndern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Zum Werdegang: Ich habe schon w\u00e4hrend der Schulzeit gemerkt, dass mir das Schreiben Spa\u00df macht; die letzten beiden Jahre vor dem Abi war ich zeitweise nicht in der Schule, sondern f\u00fcr die Lokalredaktion der \u201eMain-Post\u201c in Ochsenfurt unterwegs. Der klassische Weg: Der Lokaljournalismus ist immer noch eine der besten M\u00f6glichkeiten, den Job zu lernen. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Dann bin ich in M\u00fcnchen freier Journalist gewesen, habe bald f\u00fcr die SZ geschrieben und mich dort immer mehr ausgebreitet, bis ich schlie\u00dflich Redakteur war. An der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in M\u00fcnchen war ich mal vier Semester eingeschrieben und hatte auch vor zu studieren; die F\u00e4cherkombination wei\u00df ich jetzt gar nicht mehr <\/span><i><span style=\"margin: 0px;color: #333333;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">(lacht)<\/span><\/i><span style=\"margin: 0px;color: #333333;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">. Aber vor lauter journalistischer Arbeit bin ich gar nicht dazu gekommen, weil mir das Recherchieren und Schreiben so viel Spa\u00df gemacht hat. \u201eLearning by doing\u201c ist meine Methode, mir Dinge anzueignen; die Theorie ist nicht so meins. Heute gebe ich viel von den Erfahrungen weiter bei Rechercheseminaren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Mein Antrieb: Einfach neugierig sein; die Nase in Dinge reinstecken, von denen Betroffene meinen, das ginge niemanden etwas an, aber an denen ein \u00f6ffentliches Interesse besteht. Mit der Beseitigung von Missst\u00e4nden \u2013 siehe Strache-Video! \u2013 ein ganz kleines bisschen beizutragen zur Transparenz hierzulande. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Und was momentan immer wichtiger wird: Verantwortungsvolle Medien k\u00f6nnen ja auch eine Art gesellschaftlicher Klammer sein und Bev\u00f6lkerungsgruppen, die vielleicht nicht mehr so sehr miteinander reden, wieder miteinander ins Gespr\u00e4ch bringen. Um deutlich zu machen, wie wichtig verl\u00e4ssliche Informationen f\u00fcr eine freie und offene Gesellschaft sind. Damit man eine gemeinsame Basis hat, auch wenn man unterschiedlicher Meinung ist, und zu Kompromissen f\u00e4hig ist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Eine gespaltene Gesellschaft, wie das in der USA der Fall ist, mit einem Pr\u00e4sidenten, der Journalisten verleumdet, w\u00e4re f\u00fcr mich eine Horrorvorstellung. Davon sind wir in vielen Teilen unseres Landes, aber leider nicht in allen, Gott sei Dank weit entfernt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\"> <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/jahn.2.cover_.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-673663\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/jahn.2.cover_.jpg\" alt=\"\" width=\"434\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/jahn.2.cover_.jpg 434w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/jahn.2.cover_-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">\u00dcber Klaus Ott: Geboren 1959, aufgewachsen in Kitzingen und Ochsenfurt bei W\u00fcrzburg. Bereits w\u00e4hrend der Schulzeit Mitarbeiter der Regionalzeitung &#8222;Main-Post&#8220;. Nach dem Zivildienst als freier Journalist mit Schwerpunkt Landespolitik Bayern und Medienberichterstattung f\u00fcr zahlreiche Redaktionen t\u00e4tig. Darunter ARD-Radiosender, Medienfachdienste, &#8222;Vorw\u00e4rts&#8220;, Gewerkschaftszeitungen, &#8222;Frankfurter Rundschau&#8220;, &#8222;Zeit&#8220;, sp\u00e4ter auch zeitweise f\u00fcr den &#8222;Spiegel&#8220;. S<\/span><\/strong><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">eit 1984 bei der &#8222;S\u00fcddeutschen Zeitung&#8220;, erst als freier Mitarbeiter, sp\u00e4ter als Redakteur. Schwerpunkt: alle Formen von Wirtschaftskriminalit\u00e4t, von der Abgasaff\u00e4re bis hin zu Banken- und Schmiergeldskandalen. <\/span><\/strong><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">Daneben als Dozent in Sachen Recherche an der Deutschen Journalistenschule\u00a0<\/span><\/strong><strong><span style=\"margin: 0px;color: black;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 14pt\">und anderen Ausbildungsinstituten t\u00e4tig. Wichtigster Grundsatz: Recherche sollte hart und fair zugleich sein.<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;color: blue;font-family: 'Arial',sans-serif;font-size: 12pt\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_671683\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671683\" class=\"size-thumbnail wp-image-671683\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-671683\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019: Blogs von Frauen<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Joachim Jahn \/ Micha Guttmann\/ J\u00fcrgen Krais: &#8222;Krisenkommunikation bei Compliance-Verst\u00f6\u00dfen&#8220;\u00a0 &nbsp; &nbsp; &nbsp; Interview mit dem Investigativreporter Klaus Ott:\u00a0 \u201eUnser Platz ist zwischen allen St\u00fchlen\u201c &nbsp; &nbsp; &nbsp; Herr Ott, haben Sie schon mal anonyme Post von einem Informanten &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/04\/30\/buchauszug-joachim-jahn-micha-guttmann-juergen-krais-krisenkommunikation-bei-compliance-verstoessen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[9202,2255,1690,1890,1545,3952,9201,9203,9200],"class_list":["post-673662","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-krisenkommunikation-bei-compliance-verstoessen","tag-suddeutsche-zeitung","tag-beck-verlag","tag-buchauszug","tag-interview","tag-joachim-jahn","tag-juergen-krais","tag-klaus-ott","tag-micha-guttmann"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/673662","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=673662"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/673662\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":673697,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/673662\/revisions\/673697"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=673662"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=673662"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=673662"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}