{"id":673584,"date":"2020-04-16T21:33:19","date_gmt":"2020-04-16T19:33:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=673584"},"modified":"2020-04-18T20:04:25","modified_gmt":"2020-04-18T18:04:25","slug":"vorab-buchauszug-ulrich-toedtmann-eler-v-bockelmann-arbeitsrecht-in-not-und-krisenzeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/04\/16\/vorab-buchauszug-ulrich-toedtmann-eler-v-bockelmann-arbeitsrecht-in-not-und-krisenzeiten\/","title":{"rendered":"Vorab-Buchauszug Ulrich T\u00f6dtmann \/ Eler v. Bockelmann: &#8222;Arbeitsrecht in Not- und Krisenzeiten&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vorab-Buchauszug Ulrich T\u00f6dtmann\/Eler v. Bockelmann mit Nadja Hartmann und Andreas Notz:\u00a0&#8222;Arbeitsrecht in Not- und Krisenzeiten&#8220; \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_673585\" style=\"width: 650px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/notz.andreas.rittershaus.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-673585\" class=\"size-full wp-image-673585\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/notz.andreas.rittershaus.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"620\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/notz.andreas.rittershaus.jpg 640w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/notz.andreas.rittershaus-300x291.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/notz.andreas.rittershaus-310x300.jpg 310w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-673585\" class=\"wp-caption-text\">Andreas Notz (Foto: Rittershaus)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><u>III. Kommunikation und Recruiting<\/u><\/strong><\/p>\n<p>\u201eNach dem Spiel ist vor dem Spiel\u201c ist eine viel zitierte alte Fu\u00dfballer-Weisheit von Sepp Herberger, dem Trainer der deutschen Nationalmannschaft, die \u00fcberraschend im Jahre 1954 den Titel Fu\u00dfballweltmeister errang. Schon oft ist in der Vergangenheit versucht worden, dieses Zitat auch f\u00fcr au\u00dferhalb des Fu\u00dfballs gelegene Bereiche zu verwenden. Aber wenn man versucht ist, diese Weisheit auch auf arbeitsrechtliche Krisensituationen zu \u00fcbertragen, so verbietet sich eine einfache Parallele schon von daher, als jede im Arbeitsrecht zu diskutierende Krise andere Ursachen und Auswirkungen hat und die jeweils gezogenen Konsequenzen zum Teil nur befristet gelten, zum Teil dauerhafte Ver\u00e4nderungen bedeuten k\u00f6nnen. Ein Fu\u00dfballspiel dauert immer 90 Minuten, und in jedem Spiel geht es darum, m\u00f6glichst viele Tore zu schie\u00dfen und als Gewinner vom Platz zu gehen. Insofern ist das oft bem\u00fchte Zitat von Sepp Herberger nichts anderes als die Aussage, das vergangene Spiel abzuhaken und sich auf das neue Spiel vorzubereiten. Die Grundbedingungen jedes Spiels sind gleich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dies ist nicht so einfach auf die arbeitsrechtlichen Besonderheiten in Krisensituationen zu \u00fcbertragen und erst recht nicht auf die in der modernen Welt noch nie dagewesene Krise einer weltweiten Pandemie mit einer Vielzahl von Opfern. Das Arbeitsverh\u00e4ltnis ist bekanntlich ein im Grundmodell auf l\u00e4ngere Zeit angelegtes Dauerschuldverh\u00e4ltnis. \u201eNach der Krise ist vor der Krise\u201c l\u00e4sst eine Parallele zu der oben zitierten Fu\u00dfballer-Weisheit allenfalls insoweit zu, als man auch hier f\u00fcr m\u00f6gliche neue Krisen Lehren aus der Coronakrise ziehen kann und sicherlich auch muss, die auch f\u00fcr die Zukunft G\u00fcltigkeit beanspruchen. Die Lehren der Coronakrise werden uns so schnell nicht mehr loslassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bei der Finanzkrise ging\u00b4s ums Geld, bei Corona um Leben und Gesundheit<\/strong><\/p>\n<p>Aber jede Krise ist anders. Die Finanzkrise 2008 wird oft und immer wieder im Zusammenhang mit der Coronakrise 2020 genannt, allerdings insbesondere hinsichtlich der wirtschaftlichen Auswirkungen, d. h. der Konsequenzen, die die jeweilige Krise auf die Volkswirtschaften dieser Welt sowie die betriebswirtschaftliche Situation von Unternehmen im In- und Ausland hatte und in vielen Bereichen noch hat. Die Finanzkrise war eine Weltwirtschaftskrise, die ihre Ursachen und ihre Folgen im Wirtschaftssektor hatte. Die Coronakrise dagegen ist eine Krise f\u00fcr die gesamte Menschheit dieses Planeten, deren Ursache das pl\u00f6tzliche Auftauchen eines bislang unbekannten Virus wohl in Wuhan (China) und dessen pandemische Verbreitung \u00fcber nahezu den gesamten Globus ist. Mit anderen Worten: bei der Finanzkrise ging es um Geld, bei Corona um Leben und Gesundheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mitnichten ein &#8222;Grippchen&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Direkte und erste Konsequenz dieser Pandemie ist die Erkrankung einer Vielzahl von Menschen mit zum Teil sehr schwerwiegenden Krankheitsverl\u00e4ufen und einer hohen Anzahl coronabedingter Todesf\u00e4lle. Dies wiederum f\u00fchrte zur verschiedenen, von Land zu Land unterschiedlichen Ma\u00dfnahmen, von der Abriegelung ganzer Gebiete \u00fcber Ausgangssperren zu dem in Deutschland erstmalig verh\u00e4ngten Kontaktverbot, Reisebeschr\u00e4nkungen sowie den weiteren bekannten Ma\u00dfnahmen. Allm\u00e4hlich hat auch das letzte Land der Welt begriffen, dass es sich bei Corona nicht nur um ein \u201eGrippchen\u201c handelt, wie Brasiliens Staatspr\u00e4sident Bolsonaro abf\u00e4llig bemerkte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das nun hat in zweiter Konsequenz erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen f\u00fcr die gesamte Weltwirtschaft. Betriebe, die aufgrund coronabedingter beh\u00f6rdlicher Ma\u00dfnahmen nicht mehr arbeiten und produzieren k\u00f6nnen, verursachen Produktionsausfall in anderen Betrieben, die auf die Produkte dieser coronabedingt geschlossenen oder beeintr\u00e4chtigten Betriebe angewiesen sind. Nicht zuletzt aufgrund des Ausfalls mehrerer Unternehmen der Automobilzuliefererindustrie ist die Produktion bei namhaften Automobilherstellern weltweit eingeschr\u00e4nkt und zum Teil zeitweise sogar eingestellt worden. Die gesamte Tourismusbranche liegt am Boden. So reisefreudig die Deutschen immer waren, im Jahr 2020 d\u00fcrfte es nur wenige geben, die ihren Urlaub wie geplant verbringen k\u00f6nnen. Nahezu s\u00e4mtliche Veranstaltungen und Events sind im M\u00e4rz 2020 f\u00fcr die kommenden Wochen und Monate abgesagt worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>R\u00fccken an R\u00fccken in der Betriebskantine kann zum Anstecken schon ausreichen<\/strong><\/p>\n<p>Und das alles aufgrund eines Virus, dessen besondere Gef\u00e4hrlichkeit auch und gerade darin liegt, dass es hoch ansteckend ist. Wenn es \u2013 wie es der Chefvirologe der Charit\u00e9 in Berlin, Professor Drosten, anhand eines nachvollzogenen Krankheitsverlaufs darlegte &#8211; \u00a0schon gen\u00fcgt, in der Betriebskantine an zwei Tischen R\u00fccken an R\u00fccken zu sitzen und den Hintermann zu fragen, ob er einem mal den Salzstreuer erreichen k\u00f6nne, um sich anzustecken, dann wird deutlich, wie sehr dieses Virus und die Ansteckungsgefahr unser Alltagsleben und auch die betrieblichen Abl\u00e4ufe auch in Zukunft noch beeintr\u00e4chtigen wird, bis hoffentlich bald ein Impfstoff gefunden wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>All das muss ber\u00fccksichtigt werden, wenn und sobald die einschr\u00e4nkenden Ma\u00dfnahmen gelockert oder sogar wieder aufgehoben werden. Es werden dann eine Vielzahl von Arbeitnehmern an ihren Arbeitsplatz zur\u00fcckkehren, an dem sie sich aufgrund mehrw\u00f6chiger T\u00e4tigkeit im Home Office oder Kurzarbeit Null unter Umst\u00e4nden seit Wochen nicht mehr befunden haben. Man trifft Kolleginnen und Kollegen wieder, Belegschaften treffen sich wieder, kurzum, Menschen, die sich das letzte Mal vor Ausbruch der Krise und der Verh\u00e4ngung von Kontaktverboten gesehen haben, treffen sich wieder regelm\u00e4\u00dfig an ihrem Arbeitsplatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In vielen Betrieben sind nun aber in der Zwischenzeit Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Belegschaft vor Infektionen ergriffen worden, die vielen dieser zur\u00fcckkehrenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht bekannt sind und auch gar nicht bekannt sein k\u00f6nnen. Es ist daher von eminenter Bedeutung, dass der Arbeitgeber bei Wiederanfahren des Betriebes der Belegschaft mitteilt, was sich in der Zwischenzeit getan hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Angestellten mitteilen: Fahrst\u00fchle nur einzeln nutzen, Gro\u00dfraumb\u00fcro-Mitarbeiter auseinander setzen, Laufwege auf dem Boden markieren<\/strong><\/p>\n<p>Hat der Arbeitgeber z.\u00a0B. Spender mit Desinfektionsmitteln aufh\u00e4ngen oder verteilen lassen und deren Benutzung empfohlen, dann sollte dies ebenso mitgeteilt werden, wie z.\u00a0B. die Anweisung, Fahrstuhlfahrten wenn m\u00f6glich zu unterlassen oder nur alleine durchzuf\u00fchren. Sitzpl\u00e4tze in Kantinen und Bistros sollten gelockert und mehr Abstand eingehalten werden. Soweit Arbeitspl\u00e4tze und Arbeitsabl\u00e4ufe ver\u00e4ndert wurden (z.\u00a0B. Auseinandersetzen im Gro\u00dfraumb\u00fcro, Einrichten besonderer Laufwege [Einbahnstrassen] durch Gro\u00dfraumb\u00fcros zur Vermeidung von Begegnungen, Belegung von Zweierb\u00fcros im \u201eSchichtbetrieb\u201c, damit immer nur ein Arbeitnehmer im B\u00fcro ist), muss das der Belegschaft bei Wiederaufnahme der Arbeit mitgeteilt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Offen kommunizieren: Gab es Corona-Infizierte oder Verdachtsf\u00e4lle im Betrieb?<\/strong><\/p>\n<p>Zu empfehlen ist auch eine offene Kommunikation dar\u00fcber, ob es F\u00e4lle von Corona-Infektionen oder Verdachtsf\u00e4lle im Betrieb gab. Der ber\u00fchmte \u201eBuschfunk\u201c findet ohnehin statt, und nichts ist schlimmer, als dass sich Ger\u00fcchte in der Belegschaft verbreiten, die aufgrund von Fakten widerlegt werden k\u00f6nnen. Was spricht z.\u00a0B. dagegen, selbstverst\u00e4ndlich in Absprache mit der jeweiligen Person, bekanntzugeben, dass Herr X oder Frau Y Verdachtsf\u00e4lle waren, getestet wurden und aufgrund negativen Testergebnisses problemlos wieder arbeiten k\u00f6nnen. Ein ehemals mit Corona Infizierter kann nach R\u00fccksprache mit dem Gesundheitsamt problemlos an den Arbeitsplatz zur\u00fcckkehren, ja er hat sogar den Vorteil, dann inzwischen einer der wenigen Menschen zu sein, die bereits ausreichend Antik\u00f6rper gebildet haben und wohl nicht mehr anstecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unbedingt Mitarbeitern sagen: Welche Gesundheitsschutz-Ma\u00dfnahmen gibt es<\/strong><\/p>\n<p>Die Arbeitnehmer wollen und m\u00fcssen wissen, welche Ma\u00dfnahmen der Arbeitgeber zu ihrem Gesundheitsschutz ergriffen hat.<\/p>\n<p>Es ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass das bislang auch im Privat- wie im Gesch\u00e4ftsleben weitverbreitete H\u00e4nde sch\u00fctteln zur Begr\u00fc\u00dfung und Verabschiedung k\u00fcnftig verp\u00f6nt sein wird. H\u00e4ufigeres H\u00e4nde waschen und die Benutzung von Desinfektionsmitteln werden uns noch lange Zeit begleiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn im Home Office pl\u00f6tzlich effizienter gearbeitet wird als vorher im B\u00fcro<\/strong><\/p>\n<p>In der Arbeitswelt hat sich dar\u00fcber hinaus inzwischen herausgestellt, dass es eine ganze Reihe coronabedingter Ver\u00e4nderungen im Arbeitsablauf gab, die auch in Zukunft so oder in ge\u00e4nderter Form aufrechterhalten werden k\u00f6nnten. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Aus dem Kreise der Mandanten der Verfasser dieses Buches ist z.B. ein Fall bekannt, in dem die Verlagerung wesentlicher Funktionen in das Homeoffice nicht nur keine negativen Folgen auf die Effizienz des Arbeitsergebnisses hatte, sondern sogar eine Effizienzsteigerung bewirkte. Und wir sprechen hier von einer dreistelligen Anzahl von Arbeitnehmern, die ins Homeoffice geschickt wurden. Auch wird die \u2013 wie sich nunmehr herausstellte \u2013 m\u00f6gliche Nutzung des Homeoffice bei dem ein oder anderen Unternehmen dazu f\u00fchren, alternative Arbeitszeitmodelle zu diskutieren und einem vielfach gestellten Verlangen nach besserer work-life-balance entgegenzukommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wenn sich dann auch noch herausgestellt hat, dass ein Betrieb auch dann funktioniert, wenn die Betriebsr\u00e4ume in nicht ganz so gro\u00dfem Umfang vorhanden sein m\u00fcssen wie bisher, dann kann dies unter Umst\u00e4nden zu erheblichen Ver\u00e4nderungen im Bereich der Gewerbeimmobilien f\u00fchren; wenn Homeoffice bei gleichzeitiger Effizienzsteigerung stattfindet, dann braucht man schlicht weniger B\u00fcroraum. Die Weiterentwicklung zu beobachten, wird spannend sein. Es gibt schon erste Mandanten, die \u00fcber K\u00fcndigungen von Gewerbeimmobilien f\u00fcr die Zeit nach der Krise nachdenken. Nicht von ungef\u00e4hr wurde im Wirtschaftsteil der S\u00fcddeutschen Zeitung vom 8.\/9. April 2020 auf S. 19 in einem Beitrag des Journalisten Hendrik Munsberg unter der \u00dcberschrift \u201eDie Entdeckung der Freundlichkeit\u201c ausgef\u00fchrt: <em>\u201eKommen jetzt immer mehr Firmen auf die Idee, ihre Mitarbeiter auch nach der Coronakrise ins Home-Office zu schicken? Viele Unternehmen k\u00f6nnten so hohe Mietkosten sparen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die \u00c4ngste der Mitarbeiter ernst nehmen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den Bereich des Arbeitsrechts wird mit Lockerung oder Aufhebung der coronabedingten Ma\u00dfnahmen zwar wieder eine Kommunikation der Menschen vor Ort im betrieblichen Ablauf m\u00f6glich sein. Dabei darf aber nicht \u00fcbersehen werden, dass diese Krise bei vielen Menschen nicht nur existenzielle N\u00f6te, sondern auch gro\u00dfe \u00c4ngste vor Ansteckung und Erkrankung ausgel\u00f6st hat; diese psychischen Auswirkungen d\u00fcrfen nicht untersch\u00e4tzt werden. Wir werden daher nicht nur verstehen, sondern uns geradezu darauf einrichten m\u00fcssen, zumindest kurz-, vielleicht auch mittelfristig weiter bestimmte Vorsichtsma\u00dfnahmen einzuhalten, zumal die Ansteckungsgefahr erst dann vernachl\u00e4ssigt werden kann, wenn es wirksame Impfstoffe zur Vorbeugung und Medikamente zur Behandlung der Erkrankung gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Moderne Besprechungsecken und Stehtische m\u00fcssen weg<\/strong><\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rt zuv\u00f6rderst die Begr\u00fc\u00dfung und Verabschiedung ohne H\u00e4ndedruck und das Abstandsgebot; d. h. Besprechungsecken ohne Tisch, die Stehtische in der Cafeteria, aber auch die gem\u00fctlichen Sitzecken, Erholungsbereiche und all die sonstigen aus innenarchitektonischer Sicht und vor dem Hintergrund erw\u00fcnschter innerbetrieblicher Kommunikation sinnvoll und oft mit viel Aufwand eingerichteten R\u00fcckzugsbereiche m\u00fcssen umgebaut oder zumindest umorganisiert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kein Kuschel-Sitzen mehr bei Konferenzen<\/strong><\/p>\n<p>Der Tisch als in der Vergangenheit oftmals verp\u00f6ntes Instrument der Trennung bei Gespr\u00e4chen zwischen Menschen bekommt als nat\u00fcrliches Mittel zur Abstandswahrung eine ganz neue Bedeutung. Konferenzen sind \u2013 wenn irgend m\u00f6glich \u2013 so zu organisieren, dass die Teilnehmer mit ausreichendem Abstand voneinander sitzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten von Videokonferenzen, Web-Meetings u.\u00c4. werden auch nach der Krise in weit st\u00e4rkerem Umfang genutzt werden als vorher. Aber solange der Gesetzgeber keine anderweitige Regelung trifft, haben sich auch und gerade die Mitglieder des Betriebsrats pers\u00f6nlich zu den erforderlichen Betriebsratssitzungen zu treffen. Die weitere Entwicklung im Betriebsverfassungsrecht bleibt abzuwarten, es bleibt spannend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Externen Ombudsman beauftragen als innerbetriebliche Anlaufstelle<\/strong><\/p>\n<p>Dem Umstand geschuldet, dass die durch Corona ausgel\u00f6sten psychischen Beeintr\u00e4chtigungen und \u00c4ngste fortdauern k\u00f6nnen, sollten Arbeitgeber daran denken, eine innerbetriebliche Anlaufstelle zu schaffen, an die sich Betroffene mit ihren Sorgen und N\u00f6ten wenden und vertraulich R\u00fccksprache halten k\u00f6nnen. \u00c4hnlich der bereits bekannten Funktion des Ombudsmanns im Bereich Compliance sollte das eine Person sein, die nicht der Belegschaft angeh\u00f6rt und z.B. von au\u00dfen einmal im Monat oder zu Beginn auch \u00f6fter in den Betrieb oder eine mit dem Arbeitgeber abgesprochene \u00d6rtlichkeit, z.B. ein am Ort des Betriebssitzes ans\u00e4ssiges Hotel, kommt, um dort vertraulich in einem von au\u00dfen nicht einsehbaren Raum f\u00fcr die Sorgen und N\u00f6te von Mitarbeitern zur Verf\u00fcgung zu stehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einen Mediator einsetzen und mit Befugnissen ausstatten<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr eine solche Aufgabe sollte man idealerweise einen Mediator oder eine Mediatorin finden, zu deren T\u00e4tigkeit es geh\u00f6rt, von der blo\u00dfen Positionseben auf die Ebene der Interessen und Bed\u00fcrfnisse der dann als Medianten auftretenden Arbeitnehmer vorzusto\u00dfen und es den Medianten so zu erm\u00f6glichen, selbst eigenverantwortliche L\u00f6sungen f\u00fcr deren Probleme zu suchen und zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In vielen, meist gr\u00f6\u00dferen Unternehmen findet sich ein solcher Ansprechpartner bereits, oft unter der \u00dcberschrift \u201einnerbetriebliches Konfliktmanagement\u201c und es gibt interessante und aussagekr\u00e4ftige Studien zum Bereich der Konfliktkosten, die zeigen, das ein sinnvoll eingesetztes und praktiziertes Konfliktmanagement Kosten zu senken und Effizienz zu steigern vermag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch darf die Au\u00dfenwirkung einer solchen Anlaufstelle nicht untersch\u00e4tzt werden. Es ist allgemein bekannt, dass sich Bewerber heute in vielen Bereichen die f\u00fcr sie passende Stelle aussuchen k\u00f6nnen und sich nicht nur \u00fcber die konkrete Funktion und Ausgestaltung der angebotenen Stelle sowie deren Dotierung, sondern auch und gerade \u00fcber die von Unternehmen angebotenen sog. soft skills informieren, um ihre Entscheidung f\u00fcr oder gegen ein Stellenangebot insbesondere von dem abh\u00e4ngig zu machen, was den potenziellen neuen Arbeitgeber gegen\u00fcber anderen auszeichnet. Gibt es eine M\u00f6glichkeit, wenigstens zeitweise im homeoffice zu arbeiten? Welche Angebote macht der Arbeitgeber im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie? Gibt es Sabbatical-Modelle? An wen kann ich mich im Bedarfsfall au\u00dferhalb der betrieblichen Hierarchie wenden? Und wird das im Betrieb auch alles so gelebt oder steht das nur auf dem Papier. Neue Mitarbeiter in Zeiten des Fachkr\u00e4ftemangels findet man nur, indem man als Arbeitgeber attraktiver ist als andere.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einstellungsuntersuchungen einf\u00fchren<\/strong><\/p>\n<p>Auch bei Einstellungs- und Bef\u00f6rderungsma\u00dfnahmen werden zuk\u00fcnftig wohl die oben beschriebenen ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen eine gro\u00dfe Rolle spielen. Arbeitgeber tun gut daran, den Betriebsarzt oder eine Hygienefachkraft zu befragen (und deren Rat zu befolgen), was k\u00fcnftig aus gesundheitlicher Sicht zur Vorbeugung von Ansteckungen sinnvoll und ratsam ist. Die Fragen im Einstellungsgespr\u00e4ch nach dem Gesundheitszustand werden daher ebenso wieder in den Fokus arbeitsrechtlicher Diskussionen r\u00fccken wie die Problematik von Einstellungsuntersuchungen und allgemein die \u201eZul\u00e4ssigkeit und Grenzen \u00e4rztlicher Untersuchungen von Arbeitnehmern\u201c (dem Titel der Dissertation des Autors aus dem Jahre 1990!,Verlag Peter Lang 1990, zu Einstellungsuntersuchungen vgl. dort S. 30 ff.).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und bei alldem darf eines nicht vergessen werden. Wir alle, der gesamte Globus leidet unter der Corona-Krise; jeden Tag gibt es neue Informationen, die Medien \u00fcberschlagen sich nahezu t\u00e4glich mit Sondersendungen, Blogs, Podcasts u.a. Aus dem Blickwinkel des Rechts betrachtet \u2013 schlie\u00dflich ist dies ein Buch von Juristen (nicht nur) f\u00fcr Juristen \u2013 bringt es <em>Heribert Prantl<\/em>, langj\u00e4hriger Autor und Kolumnist der S\u00fcddeutschen Zeitung in seinem Beitrag in der S\u00fcddeutschen Zeitung in der Wochenendausgabe vom 21.\/22. M\u00e4rz 2020 unter dem Titel \u201eMa\u00df halten\u201c auf den Punkt:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Zukunftsf\u00e4higkeit der Gesellschaft h\u00e4ngt davon ab, dass sie sich nicht in ein Corona-Schicksal ergibt, sondern Zuversicht bewahrt. Virologen d\u00fcrfen radikal, ja ma\u00dflos denken. Politiker aber m\u00fcssen ma\u00dfhalten und \u00fcber die Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit der Mittel nachdenken. Dieses Ma\u00df der Mittel wird im demokratischen Rechtsstaat vom Recht bestimmt, nicht von Stimmungen und auch nicht von der Virologie.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Und wenige Zeilen sp\u00e4ter:<\/p>\n<p><em>\u201eGute Virologen sind wichtig. Demokratie ist aber auch in pandemischen Zeiten mehr als Virologie. Sie darf nicht zur Virolokratie werden\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Und die Demokratie lebt von uns allen, ist auf den Beitrag jedes Einzelnen angewiesen. In diesem Sinne zum Schlu\u00df ein Zitat aus der Rede des Bundespr\u00e4sidenten Frank-Walter Steinmeier aus seiner TV-Ansprache vom Ostersonntag 2020:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Welt wird eine andere sein. Wie sie wird? Das liegt an uns! Lernen wir doch aus den Erfahrungen, den guten wie den schlechten, die wir alle, jeden Tag, in dieser Krise machen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesem Sinne: Bleiben sie zuversichtlich und gesund!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/cover.coronabuch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-673586\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/cover.coronabuch.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"498\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/cover.coronabuch.jpg 270w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/cover.coronabuch-163x300.jpg 163w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>T\u00f6dtmann \/ v. Bockelmann:\u00a0Arbeitsrecht in Not- und Krisenzeiten &#8211; rund 100 Seiten, 29,90 Euro, Erscheinungstermin Mai 2020 <\/strong><a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/toedtmann-bockelmann-arbeitsrecht-not-krisenzeiten\/product\/31095927\"><strong>https:\/\/www.beck-shop.de\/toedtmann-bockelmann-arbeitsrecht-not-krisenzeiten\/product\/31095927<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_671683\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671683\" class=\"size-thumbnail wp-image-671683\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-671683\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019: Blogs von Frauen<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorab-Buchauszug Ulrich T\u00f6dtmann\/Eler v. Bockelmann mit Nadja Hartmann und Andreas Notz:\u00a0&#8222;Arbeitsrecht in Not- und Krisenzeiten&#8220; \u00a0 &nbsp; &nbsp; &nbsp; III. Kommunikation und Recruiting \u201eNach dem Spiel ist vor dem Spiel\u201c ist eine viel zitierte alte Fu\u00dfballer-Weisheit von Sepp Herberger, dem &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/04\/16\/vorab-buchauszug-ulrich-toedtmann-eler-v-bockelmann-arbeitsrecht-in-not-und-krisenzeiten\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[9158,9156,87,1690,1890,9040,9118,9157,9159,3367],"class_list":["post-673584","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-arbeitsrecht-in-not-und-krisenzeiten","tag-andreas-notz","tag-arbeitsrecht","tag-beck-verlag","tag-buchauszug","tag-corona","tag-corona-pandemie","tag-eler-v-bockelmann","tag-nadja-hartmann","tag-ulrich-todtmann"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/673584","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=673584"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/673584\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":673596,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/673584\/revisions\/673596"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=673584"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=673584"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=673584"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}