{"id":673565,"date":"2020-04-22T23:59:14","date_gmt":"2020-04-22T21:59:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=673565"},"modified":"2020-04-22T23:59:14","modified_gmt":"2020-04-22T21:59:14","slug":"buchauszug-hermann-simon-am-gewinn-ist-noch-keine-firma-kaputtgegangen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/04\/22\/buchauszug-hermann-simon-am-gewinn-ist-noch-keine-firma-kaputtgegangen\/","title":{"rendered":"Buchauszug Hermann Simon: &#8222;Am Gewinn ist noch keine Firma kaputtgegangen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Buchauszug Hermann Simon, Gr\u00fcnder der Unternehmensberatung Simon-Kucher &amp; Partners: &#8222;Am Gewinn ist noch keine Firma kaputt gegangen&#8220;<\/strong><\/p>\n<h1 class=\"media-heading\"><\/h1>\n<div id=\"attachment_669350\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/SimonHermann.2018.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-669350\" class=\"size-full wp-image-669350\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/SimonHermann.2018.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/SimonHermann.2018.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/SimonHermann.2018-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/SimonHermann.2018-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-669350\" class=\"wp-caption-text\">Hermann Simon (Foto: Simon-Kucher &amp; Partners)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>A<\/strong><strong>uf<\/strong> <strong>der<\/strong> <strong>Suche nach Gewinn<\/strong><\/p>\n<p>Marcel Proust wurde mit seinem Monumentalwerk \u00bbAuf der Suche nach der verlorenen Zeit\u00ab ber\u00fchmt. Wir begeben uns in diesem Kapitel auf die Suche nach Gewinn. Zun\u00e4chst fragen wir nach Gewinnvorstellungen in der Bev\u00f6lkerung. Sodann vergleichen wir Gewinne nach L\u00e4ndern sowie Branchen. Es wird sich herausstellen, dass die Renditen deutscher Unternehmen im Durchschnitt ausgesprochen niedrig ausfallen. Auf der Unternehmensebene werden wir erfahren, dass es einerseits wenige hochpro\ufb01table Unternehmen gibt, die einen Gro\u00dfteil der Gewinne auf sich vereinen, und andererseits sehr viele Firmen st\u00e4ndig niedrige Renditen einfahren und ihre Kapital- kosten (WACC) nicht verdienen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>\u00dcbersch\u00e4tzte \u00a0Gewinne<\/h1>\n<p>Was denken Erika Mustermann und Otto Normalverbraucher \u00fcber Gewinne? Es gibt eine Reihe von Erhebungen, die dieser Frage nach- gehen. Bei einer Umfrage im Jahr 1991 wurde Verbrauchern folgende Frage gestellt: \u00bbWas bleibt bei einem Industrieunternehmen von 100 DM Umsatz nach Abzug aller Kosten und Steuern als Gewinn \u00fcbrig?\u00ab Der Durchschnitt der Antworten lag bei 15,75 DM. In den Vorstellungen der Befragten betrug die Umsatzrendite nach Steuern (Nettoumsatzrendite) also knapp 16 Prozent. Die tats\u00e4chliche Nettoumsatzrendite lag in dem betreffenden Jahr bei 2,6 Prozent. Die Gewinnrate wurde demnach um das Sechsfache \u00fcbersch\u00e4tzt. Einige Jahre sp\u00e4ter wurde 1 300 Personen die gleiche Frage gestellt. Der Durchschnitt der Antworten erreichte diesmal einen Wert von 24,15 DM, was einer Nettoumsatzrendite von 24 Prozent entspricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die reale Zahl f\u00fcr die Jahre von 1982 bis 1992 betrug 2,02 Prozent.\u00a0 Im Jahr 1993 wurde mit 1,2 Prozent ein Tiefpunkt erreicht. Die tats\u00e4chliche Rendite wurde bei dieser Befragung um das Zw\u00f6lffache \u00fcbersch\u00e4tzt. In einer Erhebung aus dem Jahr 1999 wurde die Nettoumsatzrendite im Mittel mit 20 Prozent beziffert. Im selben Jahr erreichte die Nettoumsatzrendite deutscher Industrie- und Handelsunternehmen knapp 2 Prozent. Die \u00dcbersch\u00e4tzung betr\u00e4gt in diesem Falle das Zehnfache des tats\u00e4chlichen Wertes.4\u00a0Insgesamt ergibt sich aus diesen drei Befragungen ein ungewichteter Mittel- wert f\u00fcr die vermutete Umsatzrendite von rund 20 Prozent (exakt 19,97 Prozent).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angesichts dieser erstaunlichen Befunde wollte ich mir selbst einen Eindruck verschaffen und befragte 2019 pers\u00f6nlich 100 Personen, die ich in einer Fu\u00dfg\u00e4ngerzone und \u00e4hnlichen Situationen ansprach. Es handelt sich hierbei um ein sogenanntes Convenience Sample, von dem man keine repr\u00e4sentativen Ergebnisse erwarten kann. Mir ging es nicht nur um Zahlen, sondern ich wollte auch die Reaktionen der Befragten beobachten. Ich stellte folgende Frage:<\/p>\n<p>\u00bbWieviel bleibt als Gewinn nach Steuern \u00fcbrig, wenn ein Unter- nehmen 100 Euro als Umsatz einnimmt?\u00ab Diese Frage emp\ufb01nden Wirtschaftskundige sicherlich als einfach. F\u00fcr viele Befragte traf das allerdings nicht zu. Ein wesentlicher Anteil von ihnen empfand die Frage als schwierig. Manche zeigten sich konsterniert und bekundeten, dass sie noch nie \u00fcber dieses Thema nachgedacht h\u00e4tten. Einige konnten oder wollten partout keine Zahl nennen. Sie erkl\u00e4rten, keinerlei Vorstellung von der Gewinnmarge zu haben.<\/p>\n<p>Andere verweigerten die Antwort aus ideologischen Gr\u00fcnden, beispielsweise mit dem Argument, sie lehnten Gewinn grunds\u00e4tzlich ab. Diese Befragung war f\u00fcr mich eine neue, ungewohnte Erfahrung. Mir kam der Gedanke, dass man jedem Studierenden der Wirtschaftswissenschaften auferlegen sollte, normale Menschen zum Thema Gewinn zu befragen. Als Student und auch als Hochschullehrer habe ich das nie getan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie sehen die Ergebnisse aus? Im Durchschnitt (arithmetisches Mittel) vermuteten die von mir Befragten eine Nettoumsatzrendite von 22,8 Prozent. Der Median lag bei 19,0 Prozent.5\u00a0Trotz des kleinen Stichprobenumfanges liegen diese Werte sehr nah an den Ergebnissen der fr\u00fcheren gr\u00f6\u00dferen repr\u00e4sentativen Stichproben. Der Mittelwert sagt jedoch nicht alles. Deshalb stellen wir in dem Histogramm in Abbildung 2.1 die Verteilung der Antworten dar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man kann es kaum glauben. Die Antworten weisen eine Spannweite zwischen 0 und 80 Prozent auf. Die Standardabweichung, also die mittlere Abweichung vom Durchschnitt, ist mit 19 Prozent sehr gro\u00df. Diese Streuung belegt, dass eine weitverbreitete Unkenntnis beziehungsweise Unsicherheit in der Einsch\u00e4tzung von Gewinnen beziehungsweise Umsatzrenditen besteht. In der Abbildung \ufb01ndet sich auch der wahre Mittelwert der Nettoumsatzrendite deutscher Unternehmen f\u00fcr einen Zeitraum von 14 Jahren. \u00a0Er \u00a0liegt \u00a0bei 3,24 Prozent. Die Menschen \u00fcbersch\u00e4tzen die Gewinnmarge um den Faktor sieben. Die weitverbreitete Unkenntnis zu Gewinnkennzahlen ist erschreckend. Res\u00fcmierend bleibt festzustellen, dass Verbraucher Gewinnvorstellungen haben, die weit von der Realit\u00e4t entfernt und zudem mit hoher Unsicherheit behaftet sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Untersch\u00e4tzte Aktienrendite<\/h1>\n<p>Wenn Menschen der Meinung sind, dass Unternehmen exorbitant hohe Gewinne erzielen, dann sollte man erwarten, dass sie Aktien f\u00fcr eine attraktive Anlageform halten. Schlie\u00dflich geh\u00f6ren die Gewinne der Unternehmen gem\u00e4\u00df unserer De\ufb01nition in Kapitel 1 den Aktion\u00e4ren und niemandem sonst. Doch die Wahrnehmung der Renditen von Aktien steht in eklatantem Widerspruch zu den enormen \u00dcbersch\u00e4tzungen der Nettoumsatzrenditen. Eine Befragung von 4 973 Personen ergab die in Abbildung 2.2 dargestellte Verteilung der Antworten. Demnach antwortet \u00a0eine \u00a0Mehrheit von 52,3 Prozent auf die Frage, ob Aktien langfristig eine bessere Rendite als andere Geldanlagen bringen, mit \u00bbstimme eher nicht zu\u00ab (39,8 Prozent) beziehungsweise \u00bbstimme \u00fcberhaupt nicht zu\u00ab (12,5 Prozent).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einerseits werden die Gewinne der Unternehmen f\u00fcr sehr hoch gehalten, andererseits glauben viele Menschen nicht, dass Aktien eine h\u00f6here Rendite bringen. Diese Einsch\u00e4tzung der Attraktivit\u00e4t von Aktien steht komplett im Widerspruch zu der tats\u00e4chlichen Rendite dieser Anlagekategorie. In seinem Klassiker <em>Stocks for the<\/em> <em>Long Run <\/em>beziffert Jeremy Siegel die realen, das hei\u00dft in\ufb02ations- bereinigten Nachsteuerrenditen auf Aktien f\u00fcr den sehr langen Zeitraum von 1802 bis 2012, also f\u00fcr 210 Jahre, mit 6,6 Prozent pro Jahr.\u00a0 Abbildung 2.3 zeigt die langfristige reale Wertentwicklung<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"50\">Asset Class<\/td>\n<td width=\"58\">Annualized<\/p>\n<p>Return<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"50\">Stocks<\/td>\n<td width=\"58\">6.6 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"50\">Bonds<\/td>\n<td width=\"58\">3.6 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"50\">Bills<\/td>\n<td width=\"58\">2.7 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"50\">Gold<\/td>\n<td width=\"58\">0.7 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"50\">US Dollar<\/td>\n<td width=\"58\">&#8211; 1.4 %<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>f\u00fcr Aktien (Stocks), langfristige Staatsanleihen (Bonds), kurzfristige Schatzwechsel (Bills), Gold und den US-Dollar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aktien sind also empirisch betrachtet eine sehr renditetr\u00e4chtige Anlageform \u2013 allerdings nicht in den Augen der deutschen Verbraucher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/cover.simon_.campus.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-673571\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/cover.simon_.campus.png\" alt=\"\" width=\"232\" height=\"279\" \/><\/a><\/p>\n<h1 class=\"media-heading\">Hermann Simon: &#8222;<a class=\"bookProductTitle\" href=\"https:\/\/www.campus.de\/buecher-campus-verlag\/business\/management-unternehmensfuehrung\/am_gewinn_ist_noch_keine_firma_kaputtgegangen-15922.html\">Am Gewinn ist noch keine Firma kaputtgegangen&#8220;,<\/a> 260 Seiten 34,&#8211; Euro Campus Verlag<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Fehlwahrnehmungen und ihre Folgen<\/h1>\n<p>Die beschriebenen gravierenden Fehlwahrnehmungen in der Bev\u00f6lkerung sind keineswegs auf Gewinne und Aktienrenditen beschr\u00e4nkt, sondern zeigen sich auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Menschen sch\u00e4tzen die wirtschaftliche Lage regelm\u00e4\u00dfig und systematisch schlechter ein, als sie in Wirklichkeit ist. Solchen Wahrnehmungsverzerrungen unterliegen fast alle Menschen und Berufsgruppen. In einer repr\u00e4sentativen Studie aus dem Jahr 2018 wurde in 37 L\u00e4ndern nach der H\u00f6he der Arbeitslosigkeit gefragt. Die Arbeitslosenquote wurde im \u00a0Durchschnitt \u00a0aller \u00a0L\u00e4nder \u00a0auf 34 Prozent gesch\u00e4tzt, w\u00e4hrend sie in der Realit\u00e4t durchschnittlich nur 7 Prozent betrug. F\u00fcr Deutschland lag die Sch\u00e4tzung bei 20 Prozent; die tats\u00e4chliche Arbeitslosenquote hingegen bei 4 Prozent.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch der Anteil von Musliminnen und Muslimen wird in L\u00e4ndern wie den USA, S\u00fcdafrika, Gro\u00dfbritannien, Deutschland und Frankreich massiv \u00fcbersch\u00e4tzt. Die Befragten vermuteten muslimische Bev\u00f6lkerungsanteile von 15 bis 31 Prozent, die tats\u00e4chlichen Zahlen lagen zwischen 1 und 7 Prozent.10\u00a0Die \u00dcbersch\u00e4tzung reichte bis zum Siebzehnfachen, war also noch fehlerhafter als bei den Umsatzrenditen. Hans Rosling berichtet in seinem vielbeachteten Buch <em>Factfulness<\/em> von unz\u00e4hligen Wahrnehmungsverzerrungen aus verschiedensten Lebensbereichen und diagnostiziert eine \u00bbverheerende Unwissenheit\u00ab. Der Statistikprofessor Walter Kr\u00e4mer besch\u00e4ftigt sich in mehreren B\u00fcchern mit diesem Ph\u00e4nomen.<\/p>\n<p>Man kann sich kaum ausmalen, welche Fehlentscheidungen aus derart realit\u00e4tsfernen Wahrnehmungen entstehen. Im Hinblick auf die falsche Einsch\u00e4tzung der Rendite von Aktien ist das besonders offensichtlich. Laut Angaben der Deutschen B\u00f6rse f\u00fcr das Jahr 2016 liegt die Aktion\u00e4rsquote in Deutschland im internationalen Vergleich extrem niedrig.<\/p>\n<p>Abbildung 2.4 zeigt die Zahlen f\u00fcr ausgew\u00e4hlte L\u00e4nder.<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"86\">Niederlande<\/td>\n<td width=\"119\"><\/td>\n<td width=\"32\"><\/td>\n<td width=\"34\"><\/td>\n<td width=\"40\"><\/td>\n<td width=\"44\">30 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"86\">&nbsp;<\/p>\n<p>Japan<\/td>\n<td width=\"119\"><\/td>\n<td width=\"32\"><\/td>\n<td width=\"34\"><\/td>\n<td width=\"40\"><\/td>\n<td width=\"44\">&nbsp;<\/p>\n<p>28 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"86\">&nbsp;<\/p>\n<p>USA<\/td>\n<td width=\"119\"><\/td>\n<td width=\"32\"><\/td>\n<td width=\"34\"><\/td>\n<td width=\"40\">25 %<\/td>\n<td width=\"44\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"86\">&nbsp;<\/p>\n<p>Gro\u00dfbritannien<\/td>\n<td width=\"119\"><\/td>\n<td width=\"32\"><\/td>\n<td width=\"34\"><\/td>\n<td width=\"40\">&nbsp;<\/p>\n<p>23 %<\/td>\n<td width=\"44\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"86\">&nbsp;<\/p>\n<p>Schweiz<\/td>\n<td width=\"119\"><\/td>\n<td width=\"32\"><\/td>\n<td width=\"34\">20 %<\/td>\n<td width=\"40\"><\/td>\n<td width=\"44\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"86\">&nbsp;<\/p>\n<p>Schweden<\/td>\n<td width=\"119\"><\/td>\n<td width=\"32\"><\/td>\n<td width=\"34\">19 %<\/td>\n<td width=\"40\"><\/td>\n<td width=\"44\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"86\">&nbsp;<\/p>\n<p>Frankreich<\/td>\n<td width=\"119\"><\/td>\n<td width=\"32\">15 %<\/td>\n<td width=\"34\"><\/td>\n<td width=\"40\"><\/td>\n<td width=\"44\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"86\">&nbsp;<\/p>\n<p>\u00d6sterreich<\/td>\n<td width=\"119\">7 %<\/td>\n<td width=\"32\"><\/td>\n<td width=\"34\"><\/td>\n<td width=\"40\"><\/td>\n<td width=\"44\"><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"86\">&nbsp;<\/p>\n<p>Deutschland<\/td>\n<td width=\"119\">6 %<\/td>\n<td width=\"32\"><\/td>\n<td width=\"34\"><\/td>\n<td width=\"40\"><\/td>\n<td width=\"44\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>Abb<\/strong><strong>.<\/strong> <strong>2.4: <\/strong>Aktion\u00e4rsanteil an der Gesamtbev\u00f6lkerung nach L\u00e4ndern<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einigen Studien wird die deutsche Aktion\u00e4rsquote sogar noch niedriger angegeben,\u00a0 in anderen hingegen mit 10 Prozent etwas h\u00f6her beziffert. Aber das \u00e4ndert an den Relationen zu den \u00fcbrigen L\u00e4ndern nichts, da die Quoten dort ebenfalls eine Tendenz nach oben aufweisen.\u00a0 Je nach Land ist der Anteil der Aktienbesitzer zwei- bis f\u00fcnfmal so hoch wie in Deutschland. In den Niederlanden, in Japan, Gro\u00dfbritannien und in der Schweiz haben die Menschen offensichtlich eine weit bessere Wahrnehmung der Attraktivit\u00e4t von Aktien und verhalten sich dementsprechend.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das hat gravierende Folgen nicht nur f\u00fcr die Verm\u00f6gensbildung in Deutschland, sondern auch auf die Kapitalm\u00e4rkte generell und insbesondere die B\u00f6rsenwerte, bei denen deutsche Unternehmen weit hinterherhinken. Hieraus entsteht eine echte Gefahr, auf die wir sp\u00e4ter noch eingehen. Aufgrund der \u00dcbersch\u00e4tzung der Gewinne sollte man zudem erwarten, dass der Beruf des Unternehmers in Deutschland hochbegehrt ist. Denn nur dem Unternehmer geh\u00f6ren die\u00a0 Gewinne. Hier zeigt sich ein weiteres inkonsistentes Verhaltensmuster. Der hohen Gewinnwahrnehmung steht n\u00e4mlich in Deutschland kein entsprechend starkes Interesse, Unternehmer zu werden und an den Gewinnen zu partizipieren, gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gegenteil, die sogenannte Gr\u00fcndungsrate ist seit 2004 von 10,1 Prozent auf 6,7 Prozent im Jahr 2016 gesunken. Die Gr\u00fcndungsrate ist der Quotient von Neugr\u00fcndungen und Zahl der Unternehmen. Noch st\u00e4rker sank die Zahl der Unternehmensgr\u00fcnder, n\u00e4mlich von 1,36 Millionen im Jahr 2004 auf 547 000 in 2018.16<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es bleibt festzuhalten, dass die Wahrnehmungen der Bev\u00f6lkerung zu Gewinnen und Aktienrendite massiv von der Realit\u00e4t abweichen. Man kann geradezu von Realit\u00e4tsverlust sprechen. Die Gewinne von Unternehmen werden um Gr\u00f6\u00dfenordnungen \u00fcbersch\u00e4tzt. Im Widerspruch dazu wird die Attraktivit\u00e4t von Aktien stark unterbewertet. Im Folgenden wollen wir die tats\u00e4chliche Gewinnsituation von Unternehmen n\u00e4her beleuchten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Gewinnw\u00fcste \u00a0Deutschland<\/h1>\n<p>Vor mehr als 20 Jahren habe ich Deutschland in einem <em>Spiegel<\/em>-Interview als \u00bbServicew\u00fcste\u00ab bezeichnet. Ich bin geneigt, diesen Termin auch auf die Gewinnsituation zu \u00fcbertragen und von Deutschland als \u00bbGewinnw\u00fcste\u00ab zu sprechen. Dies bedeutet selbstverst\u00e4ndlich nicht, dass es hierzulande keine pro\ufb01tablen oder hochpro\ufb01tablen Unternehmen gibt. Aber in der Durchschnittsbetrachtung der Renditen schneidet Deutschland im internationalen Vergleich schlecht ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber die betrachteten 14 Jahre ergibt sich ein Mittelwert von 3,24 Prozent. Das hei\u00dft von 100 Euro Umsatz bleiben dem Unternehmer nur gut 3 Euro als Nettogewinn, mit dem er, wie in Kapitel 1 erl\u00e4utert, seine Kapital-, Risiko- und Zukunftskosten abdecken muss. Bemerkenswert ist die geringe Schwankungsbreite der Renditen. Die Standardabweichung betr\u00e4gt nur 0,43 Prozent. Im besten Jahr 2007 wurden 4,3 Prozent verdient, in den beiden schlechtesten Jahren 2003 (Platzen der New-Economy-Blase) und 2009 (Finanzkrise) waren es immerhin noch 2,5 Prozent. In zehn der 14 Jahre lag die Nettoumsatzrendite zwischen 3,0 und 3,5 Prozent.<\/p>\n<p>Man kann also sagen, dass die deutschen Unternehmen unabh\u00e4ngig von Konjunk- turzyklen niedrige, allerdings ziemlich gleichm\u00e4\u00dfige Gewinnspannen aufweisen. Diese Verh\u00e4ltnisse sorgen f\u00fcr ein eher langweiliges B\u00f6rsenklima und tragen insofern partiell zur Erkl\u00e4rung der niedrigen Marktkapitalisierung b\u00f6rsennotierter Aktiengesellschaften in Deutschland bei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vergleicht man diese Renditen mit den Werten, die in den Umfragen ge\u00e4u\u00dfert wurden, dann darf man vermuten, dass die niedrigen Durchschnittszahlen angezweifelt werden. Deshalb betrachten wir hier ein konkretes Fallbeispiel. Die Gewinn- und Verlustrechnung dieses klassischen mittelst\u00e4ndischen Industrieunternehmens f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2017 ist in leicht komprimierter Form in Abbildung 2.6 dargestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"197\"><\/td>\n<td width=\"91\">Mio. Euro<\/td>\n<td width=\"91\">in Prozent<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"197\">Umsatz<\/td>\n<td width=\"91\">193,5<\/td>\n<td width=\"91\">100<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"197\">Materialaufwand<\/td>\n<td width=\"91\">118<\/td>\n<td width=\"91\">61,0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"197\">Personalaufwand<\/td>\n<td width=\"91\">44<\/td>\n<td width=\"91\">22,7<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"197\">Abschreibungen<\/td>\n<td width=\"91\">5<\/td>\n<td width=\"91\">2,6<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"197\">Sonstiger Aufwand<\/td>\n<td width=\"91\">16<\/td>\n<td width=\"91\">8,3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"197\">Zinsen<\/td>\n<td width=\"91\">1,3<\/td>\n<td width=\"91\">0,7<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"197\">Steuern<\/td>\n<td width=\"91\">2,9<\/td>\n<td width=\"91\">1,5<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"197\">Jahres\u00fcberschuss<\/td>\n<td width=\"91\">6,3<\/td>\n<td width=\"91\">3,3<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abb<\/strong><strong>.<\/strong> <strong>2.6: <\/strong>Gewinn- und Verlustrechnung eines deutschen Industrieunternehmens f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2017 <em>Quell<\/em><em>e:<\/em><em>\u00a0 \u00a0Bundesanzeiger<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Die Nettoumsatzrendite (Jahres\u00fcberschuss) entspricht exakt dem deutschen Durchschnitt f\u00fcr das letzte Gesch\u00e4ftsjahr in Abbildung<\/p>\n<p>2.5. Die Gewinnsituation kann man insofern als typisch f\u00fcr die deutsche Wirtschaft einstufen. Auf ihrer Homepage bezeichnet sich die Firma als \u00bbein Unternehmen der Spitzenklasse, mit Bestleistungen und zukunftsweisenden Spitzenprodukten\u00ab. Das Unternehmen besch\u00e4ftigt 600 Mitarbeiter und exportiert in 46 L\u00e4nder. Die Bilanz- summe betr\u00e4gt 114 Millionen Euro. Mit einer Eigenkapitalquote von 52,6 Prozent ist das Unternehmen sehr solide \ufb01nanziert. Unterm Strich bleiben jedoch nur 3,3 Prozent vom Umsatz als Gewinn h\u00e4ngen. Die Diskrepanz zwischen der tats\u00e4chlichen Umsatzrendite und dem Wert, den die Menschen auf der Stra\u00dfe vermuten, ist sehr hoch.<\/p>\n<p>Besser sieht es bei der Gesamtkapitalrendite aus. In dieser Firma wird das Kapital 1,7-mal umgeschlagen. Das ist ein f\u00fcr Industrie- unternehmen hoher Wert. Somit ergibt sich nach Formel (1.9) eine Gesamtkapitalrendite von 5,6 Prozent. Das Unternehmen zahlt sehr niedrige Zinsen. Folglich f\u00e4llt die Eigenkapitalrendite bei einer Fremdkapitalquote von nur 47,3 Prozent gem\u00e4\u00df Formel (1.10) mit 10,6 Prozent sp\u00fcrbar h\u00f6her aus. Dieser Wert liegt jedoch deutlich unter dem deutschen Durchschnitt, wie wir weiter unten zeigen werden. Die Ursache liegt darin, dass die Fremdkapitalquote bei den meisten deutschen Unternehmen deutlich h\u00f6her ist (siehe Formel (1.10)). Es sei daran erinnert, dass die Eigenkapitalrendite die Kapital-, die Risiko- und die Zukunftskosten tragen muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Internationaler Vergleich<\/h1>\n<p>Bisher haben wir die Gewinnvermutungen und die tats\u00e4chlichen Gewinne in Deutschland betrachtet. Nicht minder wichtig und interessant sind internationale Vergleiche. Wie schneiden deutsche Unternehmen im Vergleich zu ihren ausl\u00e4ndischen Wettbewerbern ab? Dazu betrachten wir Abbildung 2.6. Sie stellt die Nettoumsatzrenditen f\u00fcr die OECD-L\u00e4nder f\u00fcr die Jahre 2003 bis 2011 dar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Schnitt erreichten die deutschen Firmen in den neun betrachteten Jahren eine Nettoumsatzrendite von 3,4 Prozent. Dieser Wert ist sehr \u00e4hnlich dem Mittelwert von 3,24 Prozent f\u00fcr die Jahre 2003 bis 2016 aus Abbildung 2.5. Das deutet darauf hin, dass sich das Bild seit 2011 nicht grundlegend ge\u00e4ndert hat. Im Vergleich zu den OECD-L\u00e4ndern schneiden deutsche Firmen nachhaltig schlecht ab. Der Durchschnitt f\u00fcr die \u00fcbrigen L\u00e4nder in Abbildung 2.7 liegt bei 6,0 Prozent, also 76 Prozent \u00fcber dem deutschen Mittelwert. Die Unternehmen in Gro\u00dfbritannien schafften 6,6 Prozent und in den USA 5,1 Prozent. Selbst franz\u00f6sische Unternehmen \u00fcbertrumpften ihre deutschen Pendants mit 4,5 Prozent Nettoumsatzrendite, das sind 32 Prozent mehr. Nur in Japan lag die durchschnittliche Rendite \u00fcber die neun Jahre mit 2,3 noch niedriger als in Deutschland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>\u00d6sterreich und Schweiz<\/h1>\n<p>Aufschlussreich ist ein Vergleich zwischen deutschen, \u00f6sterreichischen und schweizerischen Unternehmen. Abbildung 2.8 zeigt die durchschnittlichen \u00a0Nettoumsatzrenditen \u00a0f\u00fcr \u00a0die \u00a0Jahre \u00a02007 \u00a0bis\u00a02011. Die geringf\u00fcgige Abweichung der deutschen Renditen von Abbildung 2.7 ergibt sich aus dem anderen Berichtszeitraum.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Unterschied zwischen deutschen und \u00f6sterreichischen Renditen nur marginal ist, spielen Schweizer Unternehmen in einer ganz anderen Gewinnklasse. Auf die Ursachen der niedrigen deutschen Renditen gehen wir in Kapitel 5 ausf\u00fchrlich ein. Hier sei zur Schweiz nur Folgendes angemerkt. Da es sich um Renditen nach Steuern handelt, schlagen die niedrigen Steuers\u00e4tze in der Schweiz auf die Nettorenditen durch. Daraus folgt, dass die Schweizer Unternehmen eine wesentlich h\u00f6here Selbst\ufb01nanzierungskraft besitzen. Und die h\u00f6here Nettorendite wirkt sich massiv auf die Marktkapitalisierung aus. Das wertvollste deutsche Unternehmen ist SAP mit einem B\u00f6rsenwert von 150 Milliarden Euro. Nestl\u00e9 wird hingegen an der B\u00f6rse mit 268 Milliarden Euro bewertet, bei Roche sind es 211 Milliarden Euro und bei Novartis 191 Milliarden Euro.20\u00a0Deutschland ist eine \u00bbGewinnw\u00fcste\u00ab und in der Folge auch eine \u00bbMarktkapitalisierungsw\u00fcste\u00ab.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<h1>Umsatzrenditen nach Branchen<\/h1>\n<p>Umsatzrenditen sind nach Branchen sehr verschieden. Insofern ist bei Vergleichen der Umsatzrenditen \u00fcber Branchen hinweg Vorsicht geboten. Anders sieht das beispielsweise bei Eigenkapitalrenditen aus. Denn ein Investor wird sein Kapital bevorzugt in Unternehmen anlegen, die in einer Branche mit hohen Eigenkapitalrenditen t\u00e4tig sind, nat\u00fcrlich unter Ber\u00fccksichtigung des Risikos. Die Umsatzrenditen re\ufb02ektieren Gegebenheiten der jeweiligen Branche wie Wert- sch\u00f6pfungstiefe, Umschlagsh\u00e4u\ufb01gkeit des Kapitals, Intensit\u00e4t von Forschung und Entwicklung und Wettbewerb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Quellenlage zu Umsatzrenditen nach Branchen ist sp\u00e4rlich, zudem mangelt es an Vergleichbarkeit der Daten. Insofern sollten die folgenden Werte nur als grobe Indikatoren interpretiert werden. Die Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau berichtet f\u00fcr 2017 f\u00fcr mittel- st\u00e4ndische Unternehmen unterschiedlicher Branchen Umsatzrenditen vor Steuern.21 Zur Sch\u00e4tzung der in Abbildung 2.8 dargestellten Nachsteuerumsatzrendite haben wir diese Werte um 30 Prozent vermindert, was etwa der H\u00f6he des K\u00f6rperschaftsteuersatzes entspricht.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr das sonstige verarbeitende \u00a0Gewerbe \u00a0liegt \u00a0die \u00a0Rendite \u00a0bei 3,1 Prozent, also sehr nah an dem oben dargestellten langj\u00e4hrigen Durchschnitt f\u00fcr die deutsche Wirtschaft. Der Mittelstand ins- gesamt wird in dieser Statistik auf 5,0 Prozent Nettoumsatzrendite taxiert. Auch innerhalb der Dienstleistungen gibt es gro\u00dfe Unterschiede. W\u00e4hrend wissensintensive Dienstleistungen 10,2 Prozent erreichen, schneiden die sonstigen Dienstleistungen mit 3,6 Prozent deutlich schlechter ab. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung erwirtschafteten die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie 2018 eine Nettoumsatzrendite von\u00a0 3,5\u00a0 Prozent. Die Umsatzrendite korreliert negativ mit der Unternehmensgr\u00f6\u00dfe, das hei\u00dft, kleinere Betriebe erzielen im Durchschnitt eine h\u00f6here Umsatzrendite.<\/p>\n<p>In einer Studie der 500 forschungsintensivsten b\u00f6rsennotierten Unternehmen \u00a0der \u00a0Welt \u00a0berichtet \u00a0die \u00a0Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft EY f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Branchen Umsatzrenditen auf EBIT-Ba- sis.22 Abbildung 2.9 zeigt das Ergebnis. Die Renditeunterschiede sind erheblich. Die Pharma-\/Biotechnologiebranche erzielt fast dreimal so hohe Renditen wie die Automobilindustrie. Dahinter stehen unter anderem \u00a0sehr \u00a0unterschiedliche \u00a0F&amp;E-Intensit\u00e4ten. So geben die Pharma-\/Biotechnologieunternehmen im Schnitt 17,1 Prozent vom Umsatz f\u00fcr F&amp;E aus, bei den Auto\ufb01rmen sind es lediglich 4 Prozent.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pharma\/ Biotechnologie \u00a0 14,2%<\/p>\n<p>Gesundheitswesen \u00a0 13,9%<\/p>\n<p>Informationstechnologie\/Digital \u00a0 13,1%<\/p>\n<p>Telekommunikation \u00a0 21,7 %<\/p>\n<p>Industrie\u00a0 11,2 %<\/p>\n<p>Chemie\u00a0 7,4%<\/p>\n<p>Automobilindustrie \u00a0 10,1%<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abb<\/strong><strong>.<\/strong> <strong>2.9: <\/strong>Umsatzrenditen (EBIT) nach Branchen f\u00fcr F&amp;E-intensive Unternehmen<\/p>\n<p><em>Quell<\/em><em>e:<\/em> <em>EY<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Wir halten fest, dass die Umsatzrenditen nach Branchen stark variieren. Insofern sind branchen\u00fcbergreifende Vergleiche von Umsatzrenditen normalerweise nicht sinnvoll. F\u00fcr das einzelne Unternehmen stellen Vergleiche innerhalb der eigenen Branche hingegen einen aussagekr\u00e4ftigen Vergleichsma\u00dfstab dar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Renditen im Handel<\/strong><\/p>\n<p>Tendenziell niedrig, gleichwohl sehr unterschiedlich fallen die Umsatzrenditen im Handel aus. Das wollen wir an einer Auswahl von Beispielunternehmen illustrieren. Im Handel werden zwar hohe Ums\u00e4tze get\u00e4tigt, dabei aber in der Regel niedrige Gewinnmargen erzielt.<\/p>\n<p>Im Lebensmitteleinzelhandel liegen die Gewinnmargen typischerweise unter 3 Prozent, oft sogar unter 1 Prozent. Der REWE- Konzern weist f\u00fcr 2017 einen Umsatz von 49,4 Milliarden Euro und einen Jahres\u00fcberschuss von 338 Millionen Euro aus. Daraus errechnet sich eine Nettoumsatzrendite von 0,68 Prozent. In der REWE-Group, die mehr Gesch\u00e4fte als der Konzern umfasst, arbeiten 345 434 Menschen. Die Metro AG setzte 36,5 Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen Jahres\u00fcberschuss von 348 Millionen Euro, somit eine Nettoumsatzrendite von 0,95 Prozent. Sie brauchte dazu 173 234 Mitarbeiter.<\/p>\n<p>Der M\u00f6belh\u00e4ndler IKEA liegt umsatzm\u00e4\u00dfig mit 36,3 Milliarden Euro nah an der Metro, erzielte in 2017 mit 208000 Mitarbeitern jedoch einen Jahres\u00fcberschuss von 2,47 Milliarden Euro, also den siebenfachen Nettogewinn der Metro. Die Nettoumsatzrendite von IKEA f\u00e4llt mit 6,8 Prozent f\u00fcr einen H\u00e4ndler hoch aus. Doch selbst in Handelsgesch\u00e4ften, die ansonsten stagnieren und schrumpfen, kann man mit der richtigen Strategie gute Gewinne erzielen. Die Ernst Stackmann GmbH &amp; Co. KG, die in der Kleinstadt Buxtehude ein Warenhaus betreibt, erzielt bei einem Umsatz von 31,1 Millionen Euro einen Jahres\u00fcberschuss von 2,99 Millionen Euro. Das ergibt eine Nettoumsatzrendite von 9,62 Prozent.23\u00a0Noch besser schneiden die sogenannten Fast Fashion Filialisten ab. Im Jahr 2015 erwirtschaftete Inditex (Zara) unglaubliche 13,7 Prozent Nettoumsatzrendite.24\u00a0Auf dem Fu\u00df folgten Primark mit 12,4 Prozent, H&amp;M mit 11,3 Prozent und Uniqlo mit 10,4 Prozent. Alle diese Firmen sind Billiganbieter, die mit extrem g\u00fcnstigen Kosten und hohen Umschlagsgeschwindigkeiten arbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gro\u00dfhandelsbereich beobachten wir ebenfalls gro\u00dfe Unterschiede. Das umsatzm\u00e4\u00dfig gr\u00f6\u00dfte Schweizer Unternehmen, Glencore, betreibt als Hauptgesch\u00e4ft den Rohstoff- und Energiehandel. Glencore erzielte in 2017 einen Umsatz von 220 Milliarden Dollar sowie einen Nachsteuergewinn von 2,6 Milliarden Dollar, was einer Nettoumsatzrendite von 1,18 Prozent entspricht.<\/p>\n<p>Die Hamburger Neumann Group, gr\u00f6\u00dfter Rohkaffeeh\u00e4ndler der Welt, erreichte bei einem Umsatz von 2,4 Milliarden Euro einen Jahres\u00fcberschuss von 19,7 Millionen Euro, also eine Nettoumsatzrendite von 0,82 Prozent. Dazu wurden 2 300 Mitarbeiter ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Der Lebensmittelsystemanbieter (Gro\u00df- und Au\u00dfenh\u00e4ndler) August Toepfer &amp; Co. (ATCO) erwirtschaftete mit 400 Mitarbeitern einen Umsatz von 340 Millionen Euro und einen Jahres\u00fcberschuss von 2,4 Millionen Euro. Die Nettoumsatzrendite betr\u00e4gt somit 0,71 Prozent.<\/p>\n<p>Mit rund 34 000 Mitarbeitern setzte der Pharmagro\u00dfh\u00e4ndler Phoenix Pharma SE im Gesch\u00e4ftsjahr 2017\/2018 24,9 Milliarden Euro um und erarbeitete einen Nachsteuergewinn von 186 Millionen Euro, was einer Nettoumsatzrendite von 0,74 Prozent entspricht. Von 100 Euro Umsatz bleiben Phoenix also 74 Cent als Gewinn.<\/p>\n<p>Der Industriebedarfsh\u00e4ndler W\u00fcrth kam im Jahr 2018 mit 77 080 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 13,6 Milliarden Euro sowie einen Jahres\u00fcberschuss von 687 Millionen Euro, was eine f\u00fcr die Handelsbranche hohe Nettoumsatzrendite von 5,0 Prozent ergibt. Fielmann, der europ\u00e4ische Marktf\u00fchrer unter den Optikern, erzielte in 2017 einen Umsatz von 1,39 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 172,9 Millionen Euro, demnach eine Nettoumsatzrendite von 12,5 Prozent. Allerdings ist Fielmann kein reiner H\u00e4ndler, sondern weist eine tiefere Wertsch\u00f6pfung auf, da er auch diagnostische und handwerkliche Leistungen erbringt.<\/p>\n<p>Diese Beispiele illustrieren, dass selbst innerhalb des Handels die Umsatzrenditen sowie die dahinterstehenden Wertsch\u00f6pfungsstrukturen sehr verschieden sein k\u00f6nnen und die Kennzahlen \u00fcber Subbranchen des Handels hinweg nur eingeschr\u00e4nkt vergleichbar sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Eigenkapitalrenditen<\/h1>\n<p>Bisher haben wir Umsatzrenditen verglichen. Nun kann man mit einer gewissen Berechtigung fragen, ob das der relevante Vergleich ist. Kommt es nicht vielmehr darauf an, wie sich das Eigenkapitel verzinst? Sind die Eigent\u00fcmer von Aktiengesellschaften, also die Aktion\u00e4re, nicht st\u00e4rker an der Eigenkapitalrendite als an der Umsatzrendite interessiert? Wie bereits erw\u00e4hnt, ist dies insbesondere im branchen\u00fcbergreifenden Vergleich sicherlich der Fall. Aus Investorensicht ergeben solche Vergleiche gro\u00dfen Sinn. Zudem dr\u00e4ngt sich die Frage auf, ob deutsche Unternehmen bei der Eigenkapitalrendite international besser abschneiden als bei der Umsatzrendite?<\/p>\n<p>In der Tat erreichten deutsche Unternehmen im Jahr 2016, dem letzten Berichtsjahr, eine durchschnittliche Nettoeigenkapitalrendite von 15,4 Prozent.25\u00a0Dieser Wert bewegt sich in einer international vergleichbaren Gr\u00f6\u00dfenordnung, die etwa f\u00fcr die USA bei 16,9 Prozent und f\u00fcr Europa bei 12,9 liegt.26\u00a0Bei der Eigenkapitalrendite scheint die deutsche Welt also in Ordnung, jedenfalls deutlich besser als bei der Umsatzrendite.<\/p>\n<p>Nun gibt es bei der Eigenkapitalrendite allerdings eine Besonderheit. Man kann sie nach oben treiben, indem man den Nenner, also das Eigenkapital, klein h\u00e4lt beziehungsweise verkleinert. Bei gegebenem Kapitalbedarf geht das nur, indem das Fremdkapital ent- sprechend erh\u00f6ht wird. Erinnert sei in diesem Zusammenhang an Formel (1.10):<\/p>\n<p>Eigenkapitelrendite = Gesamtkapitalrendite\/(1 \u2013 Fremdkapitalquote)<\/p>\n<p>Wenn bei gegebener Gesamtkapitalrendite die Fremdkapitalquote steigt, dann geht die Eigenkapitalrendite nach oben. Zu den Fremdkapitalquoten deutscher Unternehmen\u00a0 \ufb01ndet man unterschiedliche Angaben. F\u00fcr die Jahre 2003 bis 2016 waren deutsche Unternehmen mit einer durchschnittlichen Fremdkapitalquote von 73,3 Prozent (= Fremdkapital\/Gesamtkapital) im internationalen Vergleich hoch verschuldet. Das Institut f\u00fcr Mittelstandforschung sch\u00e4tzt die Fremdkapitalquote in Deutschland auf 75 Prozent, wobei f\u00fcr Gro\u00dfunternehmen mit 70,6 Prozent ein etwas niedrigerer Wert als f\u00fcr Mittelst\u00e4ndler mit 75,9 Prozent angegeben wird.<\/p>\n<p>Die Kreditanstalt f\u00fcr Wiederaufbau (KfW) berichtet in ihrem Mittelstandsatlas 2018 eine Fremdkapitalquote von 71 Prozent. In einer anderen Studie wird f\u00fcr den deutschen Mittelstand f\u00fcr 2017 eine Quote von 68,8 Prozent angegeben. Beim deutschen Maschinenbau sind es 70 Prozent, in sechs Vergleichsl\u00e4ndern 62 Prozent. Im Fahrzeugbau betr\u00e4gt die deutsche Quote 83 Prozent, in sechs Vergleichsl\u00e4ndern 73 Prozent. In der Energiebranche sind die entsprechenden Zahlen 78 und 73 Prozent. Schindele und Szczesny schreiben: \u00bbGerman SMEs typcially rely on a \ufb01nancing concept with a markedly low equity ratio. With an approximately 25 % equity ratio over all companies and around 20 % average equity ratio among SMEs, these \ufb01gures lie notably below those of international counterparts (on average 50 % equity ratio).\u00ab<\/p>\n<p>Man liegt also nicht ganz falsch, wenn man die Fremdkapitalquote deutscher Unternehmen auf gut 70 Prozent beziffert und davon ausgeht, dass deutsche Unternehmen eine um 10 bis 20 Prozent h\u00f6here Fremdkapitalquote aufweisen als Unternehmen aus Vergleichsl\u00e4ndern. Erfreulich ist allerdings, dass die Eigenkapitalquote der deutschen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zwischen 2006 und 2016 von 17,7 Prozent auf 28,1 Prozent gestiegen ist. Das erkl\u00e4rt teilweise, warum die Eigenkapitalrendite im selben Zeitraum von 22,6 auf 15,4 Prozent gesunken ist.<\/p>\n<p>In dem Rechenbeispiel im Kontext von Formel (1.10) in Kapitel 1 haben wir gezeigt, dass die Eigenkapitalrendite von 15 auf 18,9 Prozent steigt, wenn die Fremdkapitalquote von 50 auf 60 Prozent erh\u00f6ht wird. Und geht man auf 70 Prozent Fremdkapitalquote, dann schnellt die Eigenkapitalrendite sogar auf 21,7 Prozent hoch. Die Eigenkapitalrendite steigt prozentual also st\u00e4rker als die Fremdkapitalquote. Mit anderen Worten, die Elastizit\u00e4t der Eigenkapitelrendite gegen\u00fcber der Fremdkapitalquote ist gr\u00f6\u00dfer als 1.34 Das gilt selbst- verst\u00e4ndlich nur bei positivem Leverage-Effekt.<\/p>\n<p>Die h\u00f6here Verschuldung treibt zwar die Eigenkapitalrendite nach oben, aber\u00a0 sie hat eine unerw\u00fcnschte\u00a0 Nebenwirkung. Mit h\u00f6heren Schulden steigt n\u00e4mlich das Risiko. Das im Vergleich zur Umsatzrendite bessere Abschneiden deutscher Unternehmen bei der Eigenkapitalrendite wird also mit h\u00f6herem Risiko erkauft. Das hei\u00dft in der h\u00f6heren Eigenkapitalrendite verstecken sich erh\u00f6hte Risikokosten, deren H\u00f6he sich nur schwer quanti\ufb01zieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Renditen der Hidden Champions<\/h1>\n<p>Unsere vorstehende Analyse der Pro\ufb01tabilit\u00e4t deutscher Unternehmen f\u00e4llt ausgesprochen kritisch aus. Man sollte sich gleichwohl vor\u00a0Augen halten, dass es sich hierbei um Durchschnittsbetrachtungen handelt, die immer nur einen Teil der Wirklichkeit wiedergeben k\u00f6nnen. Denn auch in Deutschland gibt es hochpro\ufb01table Unternehmen. Diese Aussage wollen wir an ausgew\u00e4hlten Beispielen illustrieren.<\/p>\n<p>Als erstes betrachten wir die Hidden Champions. Ein Hidden Champion ist ein Unternehmen, das zu den Top 3 in seinem Welt- markt geh\u00f6rt oder die Nummer 1 auf seinem Kontinent ist, weniger als 5 Milliarden Euro Umsatz macht und im allgemeinen Publikum wenig bekannt ist.36\u00a0Deutschland hat mehr dieser Unternehmen als jedes andere Land. Die Hidden Champions bilden die Elite des deutschen Mittelstandes.<\/p>\n<p>Seit Anfang der 1990er Jahre bis 2019 haben wir zahlreiche Studien bei den Hidden Champions durchgef\u00fchrt und fragten dabei nach der durchschnittlichen Gesamtkapitalrendite in den letzten zehn Jahren. Der resultierende Wert liegt bei 14 Prozent. Verkn\u00fcpft man diese Gesamtkapitalrendite mit der Eigenkapitalquote der Hidden Champions von 42 Prozent und nimmt Fremdkapitalkosten von 6 Prozent an, so ergibt sich eine Eigenkapitalrendite von 25 Prozent. Macht man die f\u00fcr Industrieunternehmen realistische Annahme, dass das Kapital einmal pro Jahr umgeschlagen wird, dann bleibt nach Abzug der Fremdkapitalkosten (Annahme: 6 Prozent auf 58 Prozent Fremdkapital) eine Umsatzrendite vor Steuern von rund 11 Prozent. Wendet man darauf einen K\u00f6rperschaftsteuersatz von knapp 30 Prozent an, so erh\u00e4lt man eine Umsatzrendite nach Steuern von 8 Prozent. Diese Gewinnkennzahlen sind in Abbildung 2.10 zusammengefasst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"280\">Kennzahl<\/td>\n<td width=\"98\">Wert<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"280\">Gesamtkapitalrendite vor Steuern<\/td>\n<td width=\"98\">14 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"280\">Eigenkapitalrendite vor Steuern<\/td>\n<td width=\"98\">25 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"280\">Umsatzrendite vor Steuern<\/td>\n<td width=\"98\">11 %<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"280\">Umsatzrendite nach Steuern<\/td>\n<td width=\"98\">8 %<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abb<\/strong><strong>.<\/strong> <strong>2<\/strong><strong>.10:<\/strong> Gewinnkennzahlen der Hidden Champions (mehrere Hidden-Champions-Studien 1990\u20132019)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Pro\ufb01tabilit\u00e4t der Hidden Champions stellt sich im Vergleich als hervorragend dar. Wie wir gesehen haben, liegt die langj\u00e4hrige durchschnittliche Nettoumsatzrendite in Deutschland bei 3,2 Prozent. Die Hidden Champions sind 2,5-mal so pro\ufb01tabel wie das typische deutsche Industrieunternehmen. Auch gegen\u00fcber den gr\u00f6\u00dften Unternehmen der Welt, den Fortune Global 500, brauchen sich die Hidden Champions gewinnm\u00e4\u00dfig nicht zu verstecken. Deren Nettoumsatzrendite liegt bei 6,3 Prozent. Die Hidden Champions \u00fcber- treffen diesen Wert um 27 Prozent. Allerdings k\u00f6nnen sie mit der Nettoumsatzrendite von 21 Prozent der zehn pro\ufb01tabelsten Gr\u00f6\u00dftunternehmen nicht mithalten.<\/p>\n<p>Es bleibt festzuhalten, dass die Hidden Champions im langj\u00e4hrigen Vergleich eine ausgezeichnete Pro\ufb01tabilit\u00e4t aufweisen. Diese liegt, gemessen als Nettoumsatzrendite, bei mehr als dem Doppelten des deutschen Durchschnittswertes und \u00fcbertrifft auch die Rendite der 500 gr\u00f6\u00dften Firmen der Welt deutlich. Auch die Eigenkapitalrendite der Hidden Champions liegt mit 25 Prozent deutlich h\u00f6her als der deutsche Durchschnittswert von 15,4 Prozent, und zwar ohne dass dies durch eine h\u00f6here Fremdkapitalquote erkauft wird. Vielmehr unterschreitet die Fremdkapitalquote der Hidden Champions in H\u00f6he von 58 Prozent den deutschen Mittelwert von gut 70 Prozent signi\ufb01kant.<\/p>\n<p>Die Gewinne der Hidden Champions beruhen auf kontinuierlicher Innovation und Spitzenleistung, auch das den Mittelstand pr\u00e4gende Kostenbewusstsein tr\u00e4gt wesentlich zu der hohen Pro\ufb01tabilit\u00e4t bei. Gute Gewinne bilden die Basis f\u00fcr die Bildung von Eigenkapital, was in der Folge zu einer niedrigeren Fremdkapitalquote f\u00fchrt und somit das Risiko reduziert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Deutsche Gewinn-Stars<\/h1>\n<p>Trotz der insgesamt eher tr\u00fcben Gewinnsituation gibt es auch unter deutschen Unternehmen Gewinn-Stars, die in der internationalen Spitzengruppe mithalten k\u00f6nnen. In Abbildung 2.11 listen wir 26 Unternehmen auf, die ausnahmslos eine Nettoumsatzrendite von mehr als 20 Prozent erzielen. Man sollte sich vor Augen halten, dass es sich hier um extrem hohe Gewinnspannen handelt. \u00dcberraschend und aufschlussreich an dieser Auswahl ist, dass diese Gewinn-Stars keineswegs nur aus einer oder wenigen Branchen wie etwa Pharma oder Luxusg\u00fcter stammen, in denen man hohe Renditen erwartet, sondern dass sie branchenm\u00e4\u00dfig breit gestreut sind.<\/p>\n<p>Die h\u00f6chste Nettoumsatzrendite erzielt der b\u00f6rsennotierte Immobiliendienstleister Publity AG mit 43,1 Prozent. In der Liste \ufb01nden sich ein K\u00fcchenger\u00e4tehersteller wie Rational, Elektronik\ufb01rmen wie Puls und Scheubeck Holding (Maschinenfabrik Rein- hausen), das Rabattsystem Payback, Software- und Internetanbieter wie Teamviewer oder Scout24, der Ticketh\u00e4ndler CTS Eventim, ein Chemieunternehmen wie Chemetall und sogar ein Hotel wie Motel One. Mast-J\u00e4germeister ist der einzige Gewinn-Star aus dem Lebens- mittelbereich. Selbst die ansonsten krisengesch\u00fcttelte Printmedienbranche ist mit dem Prisma-Verlag vertreten. Und obwohl klein, ist die hochpro\ufb01table Weng Fine Art AG sogar b\u00f6rsennotiert. Die Zahlen beziehen sich in der Regel auf das Gesch\u00e4ftsjahr 2017.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"91\">&nbsp;<\/p>\n<p>Unternehmen<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"147\">&nbsp;<\/p>\n<p>Branche\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Umsatz in Mio. Euro<\/td>\n<td width=\"64\">Netto- gewinn in Mio. Euro<\/td>\n<td width=\"76\">Nettoum- satzrendite in Prozent<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">CTS Eventim<\/td>\n<td width=\"83\">Ticketing<\/td>\n<td width=\"64\">225<\/td>\n<td width=\"64\">95,4<\/td>\n<td width=\"76\">42,4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Teamviewer<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"147\">Remote\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 157<\/p>\n<p>Screen Control<\/td>\n<td width=\"64\">61,9<\/td>\n<td width=\"76\">39,4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Deutsche B\u00f6rse Group<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"147\">Finanzwesen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2802<\/td>\n<td width=\"64\">896<\/td>\n<td width=\"76\">32,0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Chemetall<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"147\">Chemie\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 188<\/td>\n<td width=\"64\">59,8<\/td>\n<td width=\"76\">31,8<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Payback<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"147\">Rabatt-\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 281<\/p>\n<p>systeme<\/td>\n<td width=\"64\">87,9<\/td>\n<td width=\"76\">31,3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Lohmann The- rapiesysteme<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"147\">Therapie-\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 226<\/p>\n<p>systeme<\/td>\n<td width=\"64\">69,3<\/td>\n<td width=\"76\">30,7<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Kryolan<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"147\">Professionel-\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 25<\/p>\n<p>les Make-up<\/td>\n<td width=\"64\">7,5<\/td>\n<td width=\"76\">30,0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Eppendorf<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"147\">Laborger\u00e4te\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 425<\/td>\n<td width=\"64\">120,9<\/td>\n<td width=\"76\">28,4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">FTI Ticketshop<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"147\">Ticketing\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 15,4<\/td>\n<td width=\"64\">4,3<\/td>\n<td width=\"76\">27,9<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Puls<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"147\">Hutschienen-\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 108<\/p>\n<p>Netzteile<\/td>\n<td width=\"64\">28,9<\/td>\n<td width=\"76\">26,8<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"204\"><\/td>\n<td width=\"252\"><\/td>\n<td width=\"157\"><\/td>\n<td width=\"145\"><\/td>\n<td width=\"170\"><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"91\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Unternehmen<\/td>\n<td colspan=\"2\" width=\"147\"><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Branche\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Umsatz in Mio. Euro<\/td>\n<td width=\"64\">Netto- gewinn in Mio. Euro<\/td>\n<td width=\"76\">Nettoum- satzrendite in Prozent<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Rational<\/td>\n<td width=\"83\">Gro\u00dfk\u00fcchen- ger\u00e4te<\/td>\n<td width=\"64\">491<\/td>\n<td width=\"64\">129<\/td>\n<td width=\"76\">26,3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Pulsion<\/td>\n<td width=\"83\">Medizin- technik<\/td>\n<td width=\"64\">25,6<\/td>\n<td width=\"64\">6,7<\/td>\n<td width=\"76\">26,2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Lange Uhren<\/td>\n<td width=\"83\">Uhren<\/td>\n<td width=\"64\">114<\/td>\n<td width=\"64\">28,8<\/td>\n<td width=\"76\">25,3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">RIB Software<\/td>\n<td width=\"83\">Software f\u00fcr Bau<\/td>\n<td width=\"64\">54<\/td>\n<td width=\"64\">12,8<\/td>\n<td width=\"76\">23,7<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Lamy<\/td>\n<td width=\"83\">Schreibger\u00e4te<\/td>\n<td width=\"64\">112<\/td>\n<td width=\"64\">26,0<\/td>\n<td width=\"76\">23,2<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Scout24<\/td>\n<td width=\"83\">Advisory Sales<\/td>\n<td width=\"64\">480<\/td>\n<td width=\"64\">110,9<\/td>\n<td width=\"76\">23,1<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Buhl-Data- Service<\/td>\n<td width=\"83\">Software<\/td>\n<td width=\"64\">85<\/td>\n<td width=\"64\">19,5<\/td>\n<td width=\"76\">22,9<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Evotec<\/td>\n<td width=\"83\">Pharma- entwicklung<\/td>\n<td width=\"64\">375<\/td>\n<td width=\"64\">84,1<\/td>\n<td width=\"76\">22,4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Weng Fine Art<\/td>\n<td width=\"83\">Kunsthandel<\/td>\n<td width=\"64\">4,4<\/td>\n<td width=\"64\">0,97<\/td>\n<td width=\"76\">22,0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Dr. Falk Pharma<\/td>\n<td width=\"83\">Pharma<\/td>\n<td width=\"64\">324<\/td>\n<td width=\"64\">71,4<\/td>\n<td width=\"76\">22,0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Prisma Verlag<\/td>\n<td width=\"83\">Programm- beilagen<\/td>\n<td width=\"64\">25,6<\/td>\n<td width=\"64\">5,56<\/td>\n<td width=\"76\">21,7<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Motel One<\/td>\n<td width=\"83\">Hotel<\/td>\n<td width=\"64\">487<\/td>\n<td width=\"64\">104<\/td>\n<td width=\"76\">21,4<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Mast-J\u00e4ger- meister<\/td>\n<td width=\"83\">Spirituosen<\/td>\n<td width=\"64\">412<\/td>\n<td width=\"64\">87,7<\/td>\n<td width=\"76\">21,3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Horst Brandst\u00e4tter Holding (Playmobil)<\/td>\n<td width=\"83\">Spielzeuge<\/td>\n<td width=\"64\">642<\/td>\n<td width=\"64\">133<\/td>\n<td width=\"76\">20,7<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Scheubeck Holding (Reinhausen)<\/td>\n<td width=\"83\">Elektronik<\/td>\n<td width=\"64\">745<\/td>\n<td width=\"64\">151<\/td>\n<td width=\"76\">20,3<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"91\">Lotto 24<\/td>\n<td width=\"83\">Online-Lotto<\/td>\n<td width=\"64\">38,3<\/td>\n<td width=\"64\">7,7<\/td>\n<td width=\"76\">20,1<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Abb<\/strong><strong>.<\/strong> <strong>2.11:<\/strong> Auswahl von deutschen Gewinn-Stars mit Nettoumsatzrenditen von mehr als 20 Prozent<\/p>\n<p><em>Quell<\/em><em>en:<\/em> <em>Bundesanzeiger<\/em><em>,<\/em> <em>Gesch\u00e4ftsbericht<\/em><em>e,<\/em> <em>FAZ,<\/em> <em>Handelsblatt<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>In dieser Tabelle \ufb01ndet sich mit der Deutsche B\u00f6rse Group nur ein DAX-Unternehmen. Allerdings liegen mehrere DAX-Unternehmen nicht weit darunter. Wirecard schaffte in 2017 eine Nettoumsatzrendite von 17,42 Prozent, dicht dahinter folgt SAP mit 17,08 Prozent.<\/p>\n<ol>\n<li>Merck erreichte 16,63 Prozent. Auch die im M-Dax notierte Software AG kann sich mit 16,13 Prozent sehen lassen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auch im Dienstleistungssektor \ufb01ndet man hochpro\ufb01table Unter- nehmen. Manchmal ist die Umsatzrendite dabei kein aussagef\u00e4higer Indikator. Ein Beispiel ist die DKV Mobility Services Holding (DKV), ein f\u00fchrender Dienstleister f\u00fcr den gewerblichen G\u00fcter- und Personentransport auf der Stra\u00dfe. DKV weist einen Umsatz von 5,82 Milliarden Euro aus, in dem allerdings die durchlaufenden Kosten f\u00fcr Treibstoffe etc. in H\u00f6he von 5,57 Milliarden Euro enthalten sind.<\/p>\n<p>Die Wertsch\u00f6pfung, man kann auch sagen das Rohergebnis, betr\u00e4gt demnach \u00bbnur\u00ab 247 Millionen Euro, aus dem ein Nettogewinn von 92 Millionen Euro, was 37,2 Prozent entspricht, erwirtschaftet wird \u2013 eine phantastische Leistung. Auch der Autovermieter Sixt weist in 2018 bei einem Umsatz von 2,93 Milliarden Euro einen Nettogewinn von 439 Millionen Euro, somit eine hohe Nettoumsatzrendite von 15,0 Prozent aus.<\/p>\n<p>Mit diesen Fallbeispielen will ich vor allem zwei Botschaften vermitteln. Die erste Botschaft ist, dass es in Deutschland sehr wohl gelingen kann, hohe Gewinne zu erzielen. Man kann den Eindruck haben, die Verbraucher h\u00e4tten bei den eingangs dieses Kapitels angef\u00fchrten Befragungen an Firmen mit solchen Gewinnraten gedacht, denn es existieren tats\u00e4chlich Nettoumsatzrenditen in der von den Menschen auf der Stra\u00dfe vermuteten H\u00f6he. Selbst in Deutschland gibt es also Gewinn-Stars, aber es sind leider nur sehr wenige. Zweitens zeigen die angef\u00fchrten Beispiele, dass hohe Renditen in sehr unterschiedlichen Branchen erwirtschaftet werden k\u00f6nnen. Die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten Branche ist also nicht unbedingt ein \u00fcberzeugendes Argument f\u00fcr eine schlechte Gewinnperformance. Letztlich kommt es auf das Unternehmen und seine Kompetenzen an.<\/p>\n<p>Gleichzeitig muss ich eingestehen, dass diese Fallbeispiele in Deutschland seltene Ausnahmen sind. Die Zusammenstellung der Abbildung 2.10 kostete einige Zeit und M\u00fche und setzte eine gewisse Kenntnis des deutschen Mittelstandes voraus. Es f\u00e4llt zudem auf, dass \u2013 anders als in den USA \u2013 mit der Deutsche B\u00f6rse Group nur ein gro\u00dfes deutsches Unternehmen eine Nettoumsatzrendite von mehr als 20 Prozent erzielt. Apple schafft das seit Jahren: Im Jahr 2017 erzielte die Firma eine Nettoumsatzrendite von 21,1 Prozent, 2018 waren es 22,3 Prozent. Derart hohe Gewinnraten \ufb01ndet man in Deutschland allenfalls unter mittleren und kleineren Unternehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Deutsche Gro\u00dfunternehmen: Umsatz hoch, Gewinn niedrig<\/h1>\n<p>Die amerikanische Zeitschrift <em>Fortune<\/em> ver\u00f6ffentlicht j\u00e4hrlich eine Rangliste der nach Umsatz gr\u00f6\u00dften Unternehmen der Welt, die sogenannte \u00bbFortune Global 500 List\u00ab. Zun\u00e4chst vergleichen wir die 100 gewinntr\u00e4chtigsten Unternehmen aus dieser Liste f\u00fcr das Jahr 2017. Unter den weltweit 100 Unternehmen mit den absolut h\u00f6chsten Gewinnen be\ufb01nden sich sieben deutsche Firmen. Allerdings schafft es keine von diesen in die Top 10. Die Ums\u00e4tze und Gewinne der globalen Top 10 stellen wir in Abbildung 2.12 den entsprechenden Werten der sieben pro\ufb01tabelsten deutschen Firmen gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Dieses Bild beinhaltet eine aufschlussreiche Botschaft. Wie die horizontalen Balken unten in der Abbildung zeigen, \u00fcberlappen sich die Ums\u00e4tze der pro\ufb01tabelsten deutschen Gro\u00dfunternehmen mit denjenigen der zehn pro\ufb01tabelsten Firmen der Welt. Mehrere von ihnen bewegen sich in der gleichen Umsatzklasse wie die inter- nationalen Gewinnf\u00fchrer. Aber beim Gewinn fallen die deutschen Unternehmen generell sp\u00fcrbar zur\u00fcck, wie man an den vertikalen Balken links sieht. Die Abbildung 2.12 erlaubt eine graphische Veranschaulichung der Nettoumsatzrendite. Diese entspricht der Steigung des Fahrstrahls vom Koordinatenursprung zur jeweiligen Position.<\/p>\n<p>F\u00fcr Apple (Steigung beziehungsweise Nettoumsatzrendite 21,1 Prozent) und Volkswagen (Steigung beziehungsweise Nettoumsatzrendite 5,0 Prozent) sind diese Fahrstrahlen eingezeichnet. Der enorme Unterschied wird auf diese Weise drastisch veranschaulicht. Im Durchschnitt liegt die Nettoumsatzrendite der sieben deutschen Firmen bei 7,2 Prozent. Das ist wesentlich mehr als die 3,24 Prozent Gewinn in Mrd. Dollar aller deutschen Unternehmen aus Abbildung 2.5. Im nationalen Vergleich sind die sieben also deutlich pro\ufb01tabler. International sieht es hingegen ganz anders aus. Denn die zehn pro\ufb01tabelsten Unternehmen der Welt erreichen eine Nettoumsatzrendite von 21,0 Prozent, also fast den dreifachen Wert der Deutschen. Und selbst wenn man die drei chinesischen Banken herausnimmt, mit denen der Vergleich vielleicht nicht ganz fair ist, kommt man auf eine Durchschnittsrendite von 19,2 Prozent. Ironischerweise bewegen sich diese Werte in der Gr\u00f6\u00dfenordnung, die von den deutschen Verbrauchern vermutet wird.<\/p>\n<p>In einem zweiten Vergleich greifen wir auf die Daten der For- tune-Global-500-Liste f\u00fcr 2018 zur\u00fcck und betrachten die in Abbildung 2.13 dargestellten gewinntr\u00e4chtigsten Unternehmen, diesmal bewusst ohne Banken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Insgesamt zeigt sich bei diesem Vergleich ohne Banken ein \u00e4hnliches Bild wie f\u00fcr 2017. Wie die horizontalen Balken andeuten, \u00fcberlappen sich die Umsatzbereiche der beiden Gruppen, w\u00e4hrend beim Gewinn \u2013 senkrechte Balken \u2013 eine vollst\u00e4ndige Disjunktivit\u00e4t vorliegt. Im Durchschnitt erwirtschaften die internationalen Unternehmen eine Nettoumsatzrendite von 13,8 Prozent, w\u00e4hrend die deutschen Firmen nur 4,9 Prozent, also nur gut ein Drittel des internationalen Wertes, schaffen. Betrachtet man, um den Ein\ufb02uss von Ausrei\u00dfern wie Apple auszuschlie\u00dfen, statt des Mittelwertes den Median, so \u00e4ndern sich die Relationen mit 11,6 Prozent Umsatzrendite f\u00fcr die internationalen und 4,6 Prozent f\u00fcr die deutschen Unternehmen nur geringf\u00fcgig. Auch beim Median schaffen die deutschen Firmen nur 39,7 Prozent der internationalen Top-Renditen. Ich weise ausdr\u00fccklich darauf hin, dass es sich bei den internationalen Gewinnf\u00fchrern keineswegs nur um US-amerikanische Unternehmen handelt, unter den zehn aufgef\u00fchrten sind mit Royal Dutch Shell, Samsung Electronics, Toyota und Gazprom immerhin vier nichtamerikanische.<\/p>\n<p>Bessert sich die Situation? Aus einer 2019 ver\u00f6ffentlichten Studie der 1 000 gr\u00f6\u00dften b\u00f6rsennotierten Unternehmen der Welt ergibt sich, \u00bbdass deutsche Gro\u00dfunternehmen sowohl beim Umsatzwachstum als auch bei der Gewinnentwicklung die absoluten Schlusslichter auf der Welt sind. Bei der Gewinnentwicklung musste Deutschland als einziges Land einen Gewinnr\u00fcckgang hinnehmen.\u00ab Es f\u00fchrt kein Weg an der Schlussfolgerung vorbei, dass die deutschen Gro\u00dfunternehmen bei der Pro\ufb01tabilit\u00e4t massiven Nachholbedarf haben. Wie im Kontext von Abbildung 2.8 erl\u00e4utert, gilt diese Aus- sage auch f\u00fcr \u00f6sterreichische Unternehmen. Sie spielen in der gleichen niedrigen Gewinnklasse wie ihre deutschen Pendants. Ganz anders sieht es bei den Schweizer Unternehmen aus. Ihre Gewinne liegen international in der Spitzengruppe.<\/p>\n<p>Die Gewinnschw\u00e4che, die sich in entsprechend niedrigen Marktkapitalisierungen \u00a0niederschl\u00e4gt, \u00a0bildet \u00a0im \u00a0internationalen \u00a0Wettbewerb eine permanente Gefahr. Die Fusion von Linde und Praxair spricht diesbez\u00fcglich eine deutliche Sprache. Im Jahr 2017 erzielte Linde einen Umsatz von 19,3 Milliarden Dollar und einen Netto- gewinn von 1,4 Milliarden Dollar, was einer Umsatzrendite von 7,3 Prozent entspricht, ein f\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse sehr ordentlicher Wert. An der B\u00f6rse wurde Linde mit etwa 45 Milliarden Dollar bewertet. Praxair setzte im selben Jahr nur 11,4 Milliarden Dollar um, erzielte aber einen Nettogewinn von 1,55 Milliarden Dollar. Der B\u00f6rsenwert lag ebenfalls bei circa 45 Milliarden Dollar.<\/p>\n<p>Obwohl Linde im Umsatz 69 Prozent gr\u00f6\u00dfer war als Praxair, hat man den Eindruck, dass Praxair in diesem Merger die Oberhand behielt.44 Letztlich z\u00e4hlen Gewinn und Marktkapitalisierung und nicht Umsatz. Das h\u00f6rt man in Deutschland nicht gern, aber so tickt die Welt. Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die deutschen Gro\u00df- unternehmen \u00a0im \u00a0internationalen \u00a0Vergleich \u00a0zwar \u00a0hohe \u00a0Ums\u00e4tze aufweisen, bei den Gewinnen jedoch stark schw\u00e4cheln. Im inner- deutschen Vergleich schneiden die Gro\u00dfen hingegen \u00fcberdurchschnittlich gut ab. Bei global operierenden Gro\u00dfunternehmen ist\u00a0allerdings die internationale und nicht die nationale Messlatte an- zulegen. Eine wesentlich entschiedenere Gewinnorientierung erscheint dringend angezeigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1>Globale Superstars<\/h1>\n<p>In einer weltweit angelegten Studie hat das McKinsey Global Institute die Gewinne von 5 750 Gro\u00dfunternehmen mit mindestens 1 Milliarde Dollar Umsatz unter die Lupe genommen.45 Als Kriterium f\u00fcr ein Ranking verwendet man den Economic Pro\ufb01t, also den Gewinn, der \u00fcber die Kapitalkosten WACC (siehe Kapitel 1) hinaus erwirtschaftet wird. Unternehmen, die beim Economic Pro\ufb01t zu den besten 10 Prozent, also dem obersten Dezil der 5 750 Firmen geh\u00f6ren, werden als \u00bbSuperstars\u00ab bezeichnet. Das sind 575 Unternehmen. Die Befunde der Studie sind \u00fcberraschend und \u00e4u\u00dferst interessant:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Die Verteilung der Economic Pro\ufb01ts ist h\u00f6chst ungleich. Das oberste Dezil der Superstars vereinnahmt 80 Prozent des Economic Pro\ufb01ts aller Firmen. Diese Relation erinnert an Apple, das \u00fcber Jahre trotz eines mengenm\u00e4\u00dfigen Marktanteils von \u00bbnur\u00ab 15 Prozent mehr als 80 Prozent der Gewinne im Smartphone- Markt einstrich.<\/li>\n<li>Allein auf die Superstars, die zum besten Prozent geh\u00f6ren, entfallen 36 Prozent der gesamten Economic Pro\ufb01ts.<\/li>\n<li>Die mittleren 60 Prozent aller Firmen erwirtschaften einen Economic Pro\ufb01t von nahe an Null, verdienen also bestenfalls ihre Kapitalkosten WACC.<\/li>\n<li>Das unterste Dezil, also die gewinnschw\u00e4chsten 10 Prozent der Firmen erleiden Economic Losses und vernichten insgesamt so viel Wert, wie die Superstars generieren. Dennoch \u00fcberleben viele dieser Firmen, weil sie von den Staaten am Leben gehalten werden. In der Studie werden sie als \u00bbZombie-Companies\u00ab bezeichnet.<\/li>\n<li>Die L\u00fccke zwischen den Superstars und der Median\ufb01rma w\u00e4chst im Zeitablauf. Das Gleiche gilt f\u00fcr das unterste Dezil. Superstars und Superverlierer liegen heute deutlich weiter auseinander als vor zwanzig Jahren.<\/li>\n<li>Im Superstar-Segment herrscht eine hohe Dynamik. Fast 50 Pro- zent der Superstars steigen innerhalb von zehn Jahren aus dem obersten Dezil ab. Von diesen fallen 40 Prozent, also insgesamt 20 Prozent, sogar ins unterste Dezil zur\u00fcck. Die B\u00f6rsenregel \u00bbGreife nie in ein fallendes Messer\u00ab scheint hier ihre Best\u00e4tigung zu \ufb01nden.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Superstars sind keineswegs auf einzelne Branchen beschr\u00e4nkt. Die Branchendiversit\u00e4t hat vielmehr zugenommen. Das erscheint konsistent mit der Branchenvielfalt der deutschen Gewinn-Stars in Abbildung 2.11. Stark an Bedeutung gewonnen haben folgende Sektoren: Finanzwesen, professionelle Dienstleistungen, Immobilien, Pharmazeutika\/Medizintechnik und Internet\/Me- dien\/Software.<\/li>\n<li>Nicht \u00fcberraschend ist, dass die Streuung nach Regionen gr\u00f6\u00dfer geworden ist. Dabei konzentrieren sich die Superstars immer st\u00e4rker auf die sogenannten Megacities. Unter den 50 \u00bbSuperstar-Cities\u00ab \ufb01nden sich auch drei deutsche: K\u00f6ln-D\u00fcsseldorf, Frankfurt und M\u00fcnchen. Die Pro-Kopf-Einkommen in den Superstar-Cities sind 45 Prozent h\u00f6her als in den sie umgebenden Regionen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Superstar-Studie liefert eine weitere Facette der extrem ungleichen Verteilung von Gewinnen. Wenige Superstars ernten den weitaus gr\u00f6\u00dften Teil der in einem Markt erwirtschafteten Gewinne. Die Mehrheit der gro\u00dfen Unternehmen verdient allenfalls ihre Kapitalkosten beziehungsweise unterliegt Economic Losses. Wir beobachten eine zunehmende Dynamik und Volatilit\u00e4t der Gewinnpositionen, die von Trends wie Digitalisierung, h\u00f6herer Forschungs- und Know-how-Intensit\u00e4t sowie dem Aufstieg neuer Firmen aus den Schwellenl\u00e4ndern getragen wird. In Kapitel 5 werden wir vertieft auf diese Ursachen und die zu ziehenden Schlussfolgerungen eingehen.<\/p>\n<h1><\/h1>\n<h1><\/h1>\n<h1>Zusammenfassung<\/h1>\n<p>Die Menschen auf der Stra\u00dfe haben v\u00f6llig falsche Vorstellungen von den tats\u00e4chlichen Unternehmensgewinnen. Sie \u00fcbersch\u00e4tzen die Nettoumsatzrendite um den Faktor 5 bis 10. Die langj\u00e4hrige Nettoumsatzrendite \u00a0deutscher \u00a0Unternehmen \u00a0liegt \u00a0bei \u00a0niedrigen 3 Prozent. Die Hidden Champions heben sich positiv von diesem Muster ab. Ihre Rendite erreicht mehr als das Doppelte des deutschen Durchschnitts. Daneben gibt es in Deutschland Gewinn-Stars, die mit mehr als 20 Prozent Nettoumsatzrendite in der globalen Spitzenklasse spielen. Diese Gruppe ist allerdings klein, mit der Deutsche B\u00f6rse Group geh\u00f6rt ihr nur ein DAX-Unternehmen an.<\/p>\n<p>Die im absoluten Sinne pro\ufb01tabelsten deutschen Firmen bewegen sich umsatzm\u00e4\u00dfig in der gleichen Liga wie internationale Gr\u00f6\u00dftunternehmen, schneiden jedoch beim Gewinn signi\ufb01kant schlechter ab. An die globalen Superstars, die 80 Prozent der Gewinne in ihren M\u00e4rkten auf sich ziehen, reichen deutsche Unternehmen nicht heran. Daraus entstehen gravierende Nachteile f\u00fcr die Marktkapitalisierung, damit erhebliche Risiken. Im Fazit ergibt sich das Bild einer weitverbreiteten Gewinnschw\u00e4che deutscher Unternehmen, deren Ursachen und m\u00f6gliche L\u00f6sungen wir in Kapitel 5 vertieft diskutieren werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-673624\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Buchauszug Hermann Simon, Gr\u00fcnder der Unternehmensberatung Simon-Kucher &amp; Partners: &#8222;Am Gewinn ist noch keine Firma kaputt gegangen&#8220; &nbsp; Auf der Suche nach Gewinn Marcel Proust wurde mit seinem Monumentalwerk \u00bbAuf der Suche nach der verlorenen Zeit\u00ab ber\u00fchmt. 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