{"id":673236,"date":"2020-03-11T12:54:09","date_gmt":"2020-03-11T11:54:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=673236"},"modified":"2020-03-12T11:55:21","modified_gmt":"2020-03-12T10:55:21","slug":"wenn-wissenschaftsexperten-die-menschen-kirre-machen-statt-ueber-coronavirus-aufzuklaeren-und-es-einzuordnen-gastkommentar-von-gpra-chairman-uwe-kohrs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/03\/11\/wenn-wissenschaftsexperten-die-menschen-kirre-machen-statt-ueber-coronavirus-aufzuklaeren-und-es-einzuordnen-gastkommentar-von-gpra-chairman-uwe-kohrs\/","title":{"rendered":"Wenn Wissenschaftsexperten die Menschen kirre machen, statt \u00fcber Coronavirus aufzukl\u00e4ren und es einzuordnen. Gastkommentar von GPRA-Chairman Uwe Kohrs"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wieso blo\u00df machen die Experten uns alle so irre, bis wir zwischen Apokalypse und Durchhalteparolen zerrieben sind, fragt sich Uwe Kohrs, Grandsigneur der Kommunikation und Chairman des Verbands GPRA<\/strong><\/p>\n<p>Deutschland ist im Krisenmodus. Das Coronavirus schleicht sich schrittweise in das Leben der Bundesb\u00fcrger ein und wirkt sich immer st\u00e4rker aus. Warum? Immer mehr Experten und Politiker dr\u00e4ngen in die \u00d6ffentlichkeit, wollen nur das Beste und produzieren eine bedenkliche Tendenz zur Hysterie in weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung. Leerger\u00e4umte L\u00e4den, selbst verordnete Quarant\u00e4ne, \u00fcberlastete Telefon-Hotlines, Stornierungen und Absagen von Messen und Events, abst\u00fcrzende Aktienkurse &#8211; das alles sind die Reaktionen auf die Appelle zum vern\u00fcnftigen Umgang mit dem neuartigen Coronavirus, das ja eigentlich so etwas \u00e4hnliches wie die Grippe sein soll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_657457\" style=\"width: 497px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/kohrs.UweGPRA.Kohrs-2013-20728.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-657457\" class=\"size-full wp-image-657457\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/kohrs.UweGPRA.Kohrs-2013-20728.jpg\" alt=\"\" width=\"487\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/kohrs.UweGPRA.Kohrs-2013-20728.jpg 487w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2015\/07\/kohrs.UweGPRA.Kohrs-2013-20728-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 487px) 100vw, 487px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-657457\" class=\"wp-caption-text\">Uwe Kohrs, Chairman des Kommunikationsverbands GPRA und Chef der Agentur Impact<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Medizinische Koryph\u00e4en als Kommunikationszwerge<\/strong><\/p>\n<p>Das Krisenmanagement geht gr\u00fcndlich schief. Die Kommunikation an der Schnittstelle zwischen dem wissenschaftlichem Kontext Substanz und der Laienkommunikation versagt. Da mutieren Wissenschafts- und Medizinriesen im \u00f6ffentlichen Diskurs schnell zu Kommunikationszwergen, die mehr Unsicherheit und Angst produzieren als Wissen und Vertrauen zu schaffen. Was sie eigentlich sollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oft stehen PR-Verantwortlichen in Instituten und Kliniken die Haare zu Berge, wenn sich ihre Granden anschicken, h\u00f6chstpers\u00f6nlich der \u00d6ffentlichkeit Wissenschaft zu erkl\u00e4ren. Diese Experten jedoch empfinden kleinliche Verst\u00e4ndnisbedenken h\u00e4ufig als Majest\u00e4tsbeleidigung. Sie sind von ihrer eigenen gottgegebenen Unfehlbarkeit \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Bleiben Sie gesund&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Die Spirale setzt ein: Mit jedem Medienauftritt steigt die Reputation \u2013 und der Eitelkeit tut\u2019s ja auch gut. Also rein in die Talkshows und vor die Fernsehkameras der Nation. Denn in jeder Krise steigt die Nachfrage nach Expertenrat kurzfristig extrem. Die Statements changieren dann zwischen Apokalypse, Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Durchhalteparolen. Aber die Zuschauer als Laien sind prim\u00e4r emotional bewegt, angesichts einer vermeintlich internationalen Bedrohungslage die ihnen via TV, Tablet oder Mobiltelefon immer n\u00e4herkommt. Nebenbei bemerkt: Fallen Ihnen auch auf, wie viele Leute pl\u00f6tzlich Gru\u00dfworte in Branchennewslettern oder Posts nach Pfarrer-von-der-Kanzel-Manier mit verbalen Schulterklopfern beschlie\u00dfen? Die aber eigentlich mit dem Thema Corona so gar nichts zu tun haben im Job? Am allerbesten kommt der sinnloseste Gru\u00df von allen: &#8222;Bleiben Sie gesund.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verwirrung pur &#8211; von denen, die eigentlich erkl\u00e4ren und informieren sollen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Hier Ratio \u2013 dort Emotion, das kann kommunikativ nicht funktionieren und bewirkt das Gegenteil von Beruhigung. All die Wissenschaftsexperten wollen sicher das Beste, versch\u00e4rfen aber in Wirklichkeit nur die Probleme durch ihre Schwierigkeiten, mit Laien zu kommunizieren: sich verstehbar auszudr\u00fccken, zu relativieren wo n\u00f6tig und vor allem einzuordnen. Manche liefern stattdessen Verwirrung pur: Bestes Beispiel in diesen Tagen im TV: Da sagt ein Experte, dass die Coronavirus-Epidemie schlimmer wird, als wir uns das vorstellen k\u00f6nnen. Und dann direkt im n\u00e4chsten Satz, dass es keinen Grund zur Panik gibt. Wissenschaftskommunikation wie man sie sich w\u00fcnscht, ein einziges Dilemma.<\/p>\n<p>Derart widerspr\u00fcchliche Aussagen und Aktionen werden mit Fortschreiten der Krise immer h\u00e4ufiger und befeuern erst die Ausbreitung von Panik. Zumal die Politiker massiv an der Dissonanz von Botschaften und Ma\u00dfnahmen mitwirken, wenn sie etwa mal so eben raten, gleich ganz Nordrhein Westfalen von Detmold bis Aachen zu meiden &#8211; und nicht nur jene kleine Stadt namens Heinsberg, wo es die meisten Infizierten gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Manche Experten geh\u00f6ren nicht vor Kameras<\/strong><\/p>\n<p>Einerseits reden Experten von einem relativ harmlosen Coronavirus \u2013 und andererseits von Quarant\u00e4ne f\u00fcr Millionenst\u00e4dte. Wer k\u00e4me da nicht auf den Gedanken, dass offizielle Seiten da nicht die Wahrheit sagen? Um die Krise einzud\u00e4mmen, sollten all die Krisenst\u00e4be in der Republik Kommunikationsprofis an den Tisch holen und diesen auch zuzuh\u00f6ren. Um dann zielf\u00fchrend mit der \u00d6ffentlichkeit zu kommunizieren. Redaktionen sollten zuerst einmal sicherstellen, dass nur Experten in den Medien auftreten, die vermitteln k\u00f6nnen und sich der Wirkung ihrer Botschaften auch bewusst sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nur Tacheles reden erweckt Vertrauen<\/strong><\/p>\n<p>Dabei geht es nicht um Sch\u00f6nreden oder Verharmlosen, sondern um klare Kante, die dem Bed\u00fcrfnis nach Vertrauen der Bev\u00f6lkerung Rechnung tr\u00e4gt. Dass Krisen, ihre Verl\u00e4ufe und ihre Bew\u00e4ltigung extrem viel mit Psychologie und Emotionen zu tun haben, sollte doch eigentlich bekannt sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieso blo\u00df machen die Experten uns alle so irre, bis wir zwischen Apokalypse und Durchhalteparolen zerrieben sind, fragt sich Uwe Kohrs, Grandsigneur der Kommunikation und Chairman des Verbands GPRA Deutschland ist im Krisenmodus. 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