{"id":673201,"date":"2020-03-07T18:57:50","date_gmt":"2020-03-07T17:57:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=673201"},"modified":"2020-03-13T01:17:56","modified_gmt":"2020-03-13T00:17:56","slug":"coronavirus-wenn-kollegen-weiter-in-die-gegend-niesen-rechtstipps-von-arbeitsrechtler-keyl-jacob-von-baker-tilly","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/03\/07\/coronavirus-wenn-kollegen-weiter-in-die-gegend-niesen-rechtstipps-von-arbeitsrechtler-keyl-jacob-von-baker-tilly\/","title":{"rendered":"Coronavirus: Wenn Kollegen weiter in die Gegend niesen. Rechtstipps von Arbeitsrechtler Jacob Keyl von Baker Tilly."},"content":{"rendered":"<p><strong>Das erste Arbeitsgericht besch\u00e4ftigte sich schon mit dem Coronavrus: Wegen eines Antrags auf einstweilige Verf\u00fcgung. Aktiv geworden war der Betriebsrat der Berliner Duty-Free-Shops in den Flugh\u00e4fen Tegel und Sch\u00f6nefeld. Die Mitarbeiter wollten sich vor Ansteckung im Flughafen sch\u00fctzen mit Handschuhen und Mundschutz &#8211; was dem Arbeitgeber gegen den Strich ging. Der Betriebsrat war jedenfalls gar nicht erst gefragt worden und das der Fehler, so die Berliner Richter. Das Ende vom Lied: Die Duty-Free-Shop-Mitarbeiter d\u00fcrfen sich jetzt durchaus mit Mundschutz und Handschuhen sch\u00fctzen. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Gerade die Detailfragen sind im Arbeitsalltag v\u00f6llig ungekl\u00e4rt. Deshalb beantwortet Arbeitsrechtler Jacob Keyl von der Kanzlei Baker Tilly einige praxisrelevante Fragen:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_673208\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/03\/bakertilly.Keyl_Jacob_b9263689f8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-673208\" class=\"size-full wp-image-673208\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/03\/bakertilly.Keyl_Jacob_b9263689f8.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/03\/bakertilly.Keyl_Jacob_b9263689f8.jpg 500w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/03\/bakertilly.Keyl_Jacob_b9263689f8-150x150.jpg 150w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/03\/bakertilly.Keyl_Jacob_b9263689f8-300x300.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-673208\" class=\"wp-caption-text\">Jacob Keyl (Foto: Baker Tilly)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Chef darf und sollte fragen &#8211; hat aber kein Recht auf Antwort<\/strong><\/p>\n<p>Ein Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer beziehungsweise der jeweilige Vorgesetzte kann seine Angestellten bitten, ihn zu informieren, ob sie gerade eine Reise in ein Risikogebiet wie Norditalien oder China hinter sich haben. Schweigt der Mitarbeiter dar\u00fcber und besteht ein begr\u00fcndeter Verdacht (entweder dahingehend, dass der Mitarbeiter in einem Risikogebiet war oder dass er Krankheitssymptome zeigt), kann der Arbeitgeber ihn freistellen, muss aber den Lohn weiter zahlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mobiles Arbeiten oder Home Office darf die Company nicht einfach anordnen\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Gibt es eine Betriebsvereinbarung oder eine Regelung dazu im Arbeitsvertrag, dass der Mitarbeiter auch im Homeoffice arbeitet, kann der Chef den Arbeitnehmer dorthin schicken und so die Inkubationszeit \u00fcberbr\u00fccken. Gibt es keine Vereinbarung, kann er den Arbeitnehmer nur freistellen. Dann hat derjenige quasi Betretungsverbot seiner Firma, bekommt aber sein Gehalt weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unternehmen m\u00fcssen F\u00fcrsorge f\u00fcr Mitarbeiter betreiben: Mit Verboten und Desinfektionsmitteln<\/strong><\/p>\n<p>Unternehmen m\u00fcssen jetzt wegen ihrer F\u00fcrsorgepflicht gegen\u00fcber ihren Mitarbeitern pr\u00e4ventive Gesundheitsvorsorge betreiben: Dies kann vom Verbot, H\u00e4nde zu sch\u00fctteln, \u00fcber Bereitstellen von Desinfektionsmittel bis zur Anordnung gehen, statt der Bahn oder dem Flugzeug den Dienstwagen oder einen Leihwagen zu nutzen. Schlie\u00dflich kann der Chef auch Pausenr\u00e4ume oder die Betriebskantine schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Wenn nun ein Kollege im Gro\u00dfraumb\u00fcro renitent ist und nicht mal in die Armbeuge hineinniesen m\u00f6chte, k\u00f6nnen die anderen Mitarbeiter den Chef auf seine Pflicht zur Gesundheitsvorsorge hinweisen. Die Kollegen k\u00f6nnen aber nicht verlangen, dass der Chef dem r\u00fccksichtslosen Niesenden eine Abmahnung erteilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was ist, wenn sich der Abteilungsleiter in einem internationalen\u00a0 Beratungsunternehmen nicht traut, eine chinesische Mitarbeiterin &#8211; die grade in ihrer Heimat war &#8211; zu bitten, ob sie vorsichtshalber mobil oder im Home Office arbeiten kann? Wenn er einfach aussitzt? Und die Kollegen fassungslos zuschauen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Kollegen k\u00f6nnen ihn darauf hinweisen, dass er die Pflicht zur pr\u00e4ventiven Gesundheitsvorsorge hat und dass er kl\u00e4ren solle, ob mit der Frau eine Vereinbarung \u00fcber mobiles Arbeiten oder Home Office besteht, um sie sicherheitshalber heim zu schicken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn der Unternehmenslenker alle n\u00f6tigen Hygiene-Ma\u00dfnahmen ergriffen hat, darf er dann seine Mitarbeiter zwingen, an Konferenzen in dicht besetzten oder gar \u00fcberf\u00fcllten R\u00e4umen teilzunehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Nicht, wenn ein Arbeitnehmer besonders gef\u00e4hrdet ist und er das auch bekanntgegeben hat. Das betrifft beispielsweise Menschen mit Lungenproblemen oder schwachem Immunsystem nach einer Chemotherapie. Die wird der Arbeitgeber nicht verpflichten k\u00f6nnen, teilzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eine andere Wirtschaftspr\u00fcfungsgesellschaft hat laut Regionalpresse seinen Mitarbeitern am Empfang ein Redeverbot \u00fcber den Corona-Fall in ihrem Haus erteilt. Ist das zul\u00e4ssig?<\/strong><\/p>\n<p>Ich rate Unternehmensmandanten zu Transparenz gegen\u00fcber Arbeitnehmern und dem Betriebsrat, um Vertrauen f\u00fcr die getroffenen und geplanten Ma\u00dfnahmen zu schaffen. Aber im Grundsatz kann ein Krankheitsfall in einem Unternehmen kein Gesch\u00e4ftsgeheimnis sein, wor\u00fcber Mitarbeiter schweigen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kann man sich als besonders Gef\u00e4hrdeter weigern, sich in ein Gro\u00dfraumb\u00fcro zu setzen und auf mobiles Arbeiten oder ein Einzelzimmer zu bestehen?<\/strong><\/p>\n<p>Wer als sehr gef\u00e4hrdeter Mensch seinen Arbeitgeber auf seine besonderen Gefahren hinweist, den muss die Firma auch besonders sch\u00fctzen. Sie muss diese Gefahren ernst nehmen und nach machbaren Wegen suchen und mindestens einen gr\u00f6\u00dferen Abstand untereinander im Gro\u00dfraumb\u00fcro erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_671683\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671683\" class=\"size-thumbnail wp-image-671683\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-671683\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019: Blogs von Frauen<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das erste Arbeitsgericht besch\u00e4ftigte sich schon mit dem Coronavrus: Wegen eines Antrags auf einstweilige Verf\u00fcgung. 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