{"id":672867,"date":"2020-03-02T19:25:28","date_gmt":"2020-03-02T18:25:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=672867"},"modified":"2024-02-06T23:24:34","modified_gmt":"2024-02-06T22:24:34","slug":"ber-elbphilharmonie-oder-koelner-opernhaus-mit-us-vertrag-waeren-die-nicht-passiert-gastbeitrag-von-baurechtlerin-antje-boldt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/03\/02\/ber-elbphilharmonie-oder-koelner-opernhaus-mit-us-vertrag-waeren-die-nicht-passiert-gastbeitrag-von-baurechtlerin-antje-boldt\/","title":{"rendered":"BER, Elbphilharmonie oder K\u00f6lner Opernhaus: Mit US-Vertrag w\u00e4ren die Kostenexplosionen nicht passiert. Gastbeitrag von Baurechtlerin Antje Boldt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Selbst die <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/01\/10\/arts\/music\/cologne-opera-house-delay-cost.html\">&#8222;New York Times&#8220;<\/a> mokiert sich \u00fcber deutsche Bauprojekte wie den Berliner Flughafen BER oder das K\u00f6lner Opernhaus. Oder die Elbphilharmonie in Hamburg, die mit sieben Jahre Versp\u00e4tung er\u00f6ffnet wurde und dann mehr als das Vierfache vom urspr\u00fcnglichen Budget kostete. Die Zeitung erkl\u00e4rte ihren Lesern: Die Projekte w\u00fcrden am Anfang absichtlich zu niedrig gesch\u00e4tzt, um die politische Zustimmung zu bekommen. Schuld seien aber auch besonders umst\u00e4ndliche Bauvorschriften, die alles verteuern. Dass zudem zu allem \u00dcberfluss ein jahrzehntelanger Bauboom zu Arbeitskr\u00e4ftemangel und wiederum zu h\u00f6heren Kosten f\u00fchre. Und dass Bauunternehmen so viele Auftr\u00e4ge haben, dass sie staatliche Projekte derzeit einfach nicht n\u00f6tig haben.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/01\/10\/arts\/music\/cologne-opera-house-delay-cost.html\">https:\/\/www.nytimes.com\/2020\/01\/10\/arts\/music\/cologne-opera-house-delay-cost.html<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_672869\" style=\"width: 376px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672869\" class=\"size-full wp-image-672869\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/boldt.Anja_.Baurechtlerin.jpg\" alt=\"\" width=\"366\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/boldt.Anja_.Baurechtlerin.jpg 366w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/boldt.Anja_.Baurechtlerin-169x300.jpg 169w\" sizes=\"auto, (max-width: 366px) 100vw, 366px\" \/><p id=\"caption-attachment-672869\" class=\"wp-caption-text\">Antje Boldt (Foto: Privat)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Antje Boldt, Professorin und Anw\u00e4ltin f\u00fcr Baurecht aus der Kanzlei ASD in Frankfurt wurde von der Bundesregierung zusammen mit zwei anderen Experten mit einem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Projekt beauftragt. <\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Ziel: Es soll ein Ende haben, dass die Bauprojekte hierzulande fast immer viel mehr kosten als geplant, dass sie fast immer viel l\u00e4nger dauern als geplant, nach allen Genehmigungen das Projekt aus dem Ruder l\u00e4uft und ein Nachtrag den anderen jagt. Das Trio soll alternative Vertragsmodelle ersinnen, die diesem Dilemma endlich ein Ende bereiten sollen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein Vorbild: In den USA ist seit \u00fcber 20 Jahren bei komplexen Gro\u00dfprojekten ein Vertragsmodell im Einsatz, das alle Planer, Baufirmen und Auftraggeber in einem einheitlichen Mehrparteienvertrag b\u00fcndelt. Dieser Kontrakt ist so gestaltet, dass nur dann alle gemeinsam Gewinn erwirtschaften, wenn die Projektziele erreicht werden, berichtet Antje Boldt im Gastbeitrag:<\/strong><\/p>\n<p>Der Steuerzahler ist das Drama schon gewohnt. Wenn gro\u00dfe Bauprojekte der \u00f6ffentlichen Hand mindestens doppelt so teuer werden und dreimal so lange dauern wie geplant. Aber lernen die Beh\u00f6rden daraus? Bislang Fehlanzeige. Die Betroffenen beschr\u00e4nken sich darauf im Nachhinein festzustellen: Leider ist wieder einmal ein Bauvorhaben viel schlechter gelaufen als geplant.<\/p>\n<p>Auch die Bauunternehmen haben genug davon, unkalkulierbare Risiken eingehen zu m\u00fcssen und nur dann auf vern\u00fcnftige Gewinne zu kommen, wenn sie sich jahrelang mit den Auftraggebern \u00fcber Mehrforderungen gestritten haben. Jetzt endlich haben sich deshalb Baufirmen, Planungsb\u00fcros und Bauherren zusammengefunden, um konstruktive L\u00f6sungen zu finden, wie gemeinsam Bauen auch anders geht.<\/p>\n<p>Vorbild sind Vertragsmodelle aus Australien, den USA und Gro\u00dfbritannien, bei denen das Erreichen des Projektziels im Vordergrund steht. Was aber ist anders als bisher? Wollen nicht alle trotzdem bestm\u00f6glich verdienen und Gewinn machen? Nat\u00fcrlich wollen sie das und das ist auch richtig so. Der Unterschied ist, dass der Gewinn nicht heimlich realisiert wird, weil Gewinnmarge und Risikozuschl\u00e4ge irgendwo in den einzelnen Preisen der Bauleistung versteckt sind.<\/p>\n<p>Alle Beteiligten gehen mit offenem Visier schon gemeinsam in die Planungsphase. Die Folge: Die Bauunternehmen wissen von Anfang an, was geplant wird und k\u00f6nnen ihre Ideen und Optimierungsvorschl\u00e4ge einbringen. Dadurch sind auch die Risiken eines Projektes besser bekannt und m\u00fcssen nicht als Zuschl\u00e4ge in den Preisen versteckt werden. Die Unternehmen haben zudem keine Lust mehr darauf, ihren unsicheren Ge-winn nur dadurch zu maximieren, dass bei einem anderen Projektteilnehmer \u2013 meistens dem Auftraggeber \u2013 sich das Gesamtergebnis verschlechtert.<\/p>\n<p>Die Idee des neuen Vertrags basiert darauf: Jeder Beteiligte nennt, bevor es losgeht, einen konkreten Betrag, den er als Gewinn bei dem Projekt realisieren will. Ein Wettbewerb der Unternehmen um den Auftrag findet also nur auf dieser Basis statt. Weiterhin vereinbaren Auftraggeber und Bauunternehmen ein konkretes Kostenziel. Wird das Kostenziel am Ende unterschritten, bekommen die Baubeteiligten von den Einsparungen einen Prozentsatz ab. Wird das Kostenziel hingeben \u00fcberschritten, geht dieser Betrag zu Lasten des Gewinnanteils der Beteiligten. Anders als bisher haben die Beteiligten daher kein Interesse daran, durch Kostensteigerungen mehr Gewinn zu erwirtschaften, sondern ganz im Gegenteil: Ihr Gewinn steigt bei Kostenreduzierungen.<\/p>\n<p>Was ist daran revolution\u00e4r neu? Dass wirklich alle gemeinsam das Erreichen des Projektziels anstreben m\u00fcssen, weil es nicht mehr darauf ankommt, warum das Projektziel nicht erreicht wurde. Funktioniert also eine Firma im Getriebe des Bauablaufs nicht, geht dies zu Lasten aller. Denn die Gewinnanteile eines jeden Projektbeteiligten sinken entsprechend. Der Effekt ist klar: Das auf der Baustelle \u00fcbliche \u201eMit-dem-Finger-auf-Andere-zeigen\u201c hat schlagartig ein Ende. Bei kontinuierlichen Teammeetings suchen alle gemeinsam bei dem kleinsten Anzeichen eines Problems sofort nach einer L\u00f6sung.<\/p>\n<p>Schon jetzt gibt es in Deutschland auf Basis dieses Mehrparteienvertrags einige Pilotprojekte. Deren Bilanz steht noch aus. Erfreulich ist, dass auch Pilotprojekte der \u00f6ffentlichen Hand dabei sind, so dass k\u00fcnftig weniger Steuergelder verschwendet werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"dGLysV0Nl6\"><p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/02\/03\/lesetip-wirtschaftswoche-top-kanzleien-baurecht-2019-2020\/\">Lesetip: WirtschaftsWoche Top-Kanzleien Baurecht 2019\/2020<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Lesetip: WirtschaftsWoche Top-Kanzleien Baurecht 2019\/2020&#8220; &#8212; Management-Blog\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/02\/03\/lesetip-wirtschaftswoche-top-kanzleien-baurecht-2019-2020\/embed\/#?secret=6RHZ1jiE66#?secret=dGLysV0Nl6\" data-secret=\"dGLysV0Nl6\" width=\"584\" height=\"329\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_671683\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671683\" class=\"size-thumbnail wp-image-671683\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-671683\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019: Blogs von Frauen<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbst die &#8222;New York Times&#8220; mokiert sich \u00fcber deutsche Bauprojekte wie den Berliner Flughafen BER oder das K\u00f6lner Opernhaus. 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