{"id":672837,"date":"2020-01-24T16:00:41","date_gmt":"2020-01-24T15:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=672837"},"modified":"2020-01-26T23:51:05","modified_gmt":"2020-01-26T22:51:05","slug":"wef-davos-2020-exklusiv-cnn-moderatorin-julia-chatterley-ueber-das-falsche-gefuehl-der-sicherheit-dass-die-rechte-von-lgbti-gesichert-seien-gastbeitrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/01\/24\/wef-davos-2020-exklusiv-cnn-moderatorin-julia-chatterley-ueber-das-falsche-gefuehl-der-sicherheit-dass-die-rechte-von-lgbti-gesichert-seien-gastbeitrag\/","title":{"rendered":"WEF Davos 2020 \u2013 Exklusiv (2): CNN-Moderatorin Julia Chatterley \u00fcber das falsche Gef\u00fchl der Sicherheit, dass die Rechte von LGBTI gesichert seien (Gastbeitrag)"},"content":{"rendered":"<p><strong>Davos begr\u00fc\u00dft uneingeschr\u00e4nkte Inklusion, wenn auch aus der Distanz<\/strong><\/p>\n<p>Gastbeitrag von CNN-Moderatorin Julia Chatterley<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_672778\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672778\" class=\"size-full wp-image-672778\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/cnn.Julia_Chatterley_Davos.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/cnn.Julia_Chatterley_Davos.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/cnn.Julia_Chatterley_Davos-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/cnn.Julia_Chatterley_Davos-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-672778\" class=\"wp-caption-text\">CNN-Moderatorin Julia Chatterley (Foto: CNN International)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anfang dieser Woche nahm ich an einer bahnbrechenden Veranstaltung jenseits des Hauptkongresszentrums in Davos teil. Am 50. Jahrestag des Weltwirtschaftsforums, rund sieben Monate nach dem 50. Jahrestag der Stonewall-Unruhen, wurde die Partnerschaft f\u00fcr globale LGBTI-Gleichberechtigung (PGLE) in Davos formell begr\u00fc\u00dft. Nun ja, fast zumindest.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick mag ein Fr\u00fchst\u00fccks-Event am Rande von Davos nach nichts Besonderem klingen, aber dieses hier war schon etwas Bedeutendes. Zwar wurden hier LGBTI-Fragen schon mal diskutiert, aber so noch nie. PGLE, eine Initiative, die im letzten Jahr von Accenture, Deutsche Bank, EY, Mastercard, Microsoft, Omnicom und Salesforce in Zusammenarbeit mit dem WEF und mit Unterst\u00fctzung der UNO ins Leben gerufen wurde, ist etwas Neues. So nah ist man hier wahrscheinlich noch nie einem voll integrierten, aufgeladenen Dialog gekommen.<\/p>\n<p>Egal wie man zu Davos steht \u2013 nirgendwo anders sind die verschiedenen Str\u00e4nge des Aktivismus, der Wirtschaft und der Regierung auf eine solche Weise miteinander verbunden. Wenn man jemals einen Raum finden sollte, um diese Gruppen zusammenzubringen, dann sind es die Schweizer Alpen im Januar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In meiner Wahlheimat New York wurde der Jahrestag von Stonewall letztes Jahr ausgiebig gefeiert. Ich gebe zu, dass auch ich ein paar regenbogenfarbene Cupcakes erstanden habe, und die selbstbewusste Zurschaustellung von Pride, die an jeder Stra\u00dfe und jeder Wand entlang zu flie\u00dfen schien, f\u00fchlte sich wie eine buntes Feuerwerk der Liebe an. Das alles konnte aber auch schnell zu einem falschen Gef\u00fchl der Sicherheit f\u00fchren. Weltweit sind die Rechte von LGBTI alles andere als gesichert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Auch im Jahr 2020: Todesstrafe f\u00fcr gleichgeschlechtliche Beziehungen<\/strong><\/p>\n<p>Zu Beginn dieses neuen Jahrzehnts gibt es immer noch mehr als 68 L\u00e4nder, in denen der blo\u00dfe Akt sexueller Beziehungen mit einer einwilligenden erwachsenen Person desselben Geschlechts kriminalisiert wird. Auch gibt es mindestens neun nationale Gesetze, die auf Transgender und Nonkonformisten abzielen und damit einige Formen der geschlechtsspezifischen \u00c4u\u00dferung illegal machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In manchen L\u00e4ndern muss die LGBTI-Gemeinschaft alles riskieren, um einfach sie selbst zu sein. In einer Gruppe von L\u00e4ndern, zu der auch Singapur geh\u00f6rt, drohen ihnen bis zu sechs Jahre Gef\u00e4ngnis f\u00fcr gleichgeschlechtliche Beziehungen. In Orten wie Kenia, S\u00fcd-Sudan, Malaysia, Brunei und Myanmar riskieren sie bis zu einem Jahrzehnt. In Saudi-Arabien, im Sudan, im Iran und in Pakistan droht ihnen, kaum zu glauben im Jahr 2020, die Todesstrafe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sogar im regenbogenflaggenges\u00e4umten Amerika gibt es keinen staatlichen Schutz f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare, und elf Bundesstaaten behalten Gesetze bei, wenngleich nicht durchsetzbar, die gleichgeschlechtliche Beziehungen verbieten \u2013 und das trotz eines Urteils des Obersten Gerichtshofs aus dem Jahr 2003, in dem solche Gesetze f\u00fcr verfassungswidrig erkl\u00e4rt wurden. In diesem Fall also das Land der nicht wirklich uneingeschr\u00e4nkten M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es ist nicht nur traurig, sondern auch aus Unternehmenssicht schlecht<\/strong><\/p>\n<p>Die Implikationen all dessen f\u00fcr Wirtschaftsunternehmen sind offensichtlich. Angesichts solcher Einschr\u00e4nkungen, ist es ihnen vielleicht einfach nicht den \u00c4rger wert, sich mit dem Gesetzesgeber auseinanderzusetzen? Wie k\u00f6nnen sich Arbeitnehmer darauf verlassen, dass der blo\u00dfe Schritt, ehrlich \u00fcber ihr Privatleben zu sprechen, ihre Karriere nicht gef\u00e4hrdet? Was ist mit gleichgeschlechtlichen Paaren und Themen wie Elternurlaub? Wagen sie es, eine Familie zu gr\u00fcnden in dem Wissen, dass sie nicht die gleiche Unterst\u00fctzung wie ihre heterosexuellen Kollegen erhalten werden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer Zeit, in der Vielfalt, Integration und \u201eUnconscious Bias\u201c-Trainings gef\u00f6rdert werden, ist dies nicht nur traurig, sondern auch schlecht f\u00fcr Produktivit\u00e4t und Innovation. Eine gl\u00fcckliche, vielf\u00e4ltige Belegschaft ist nachweislich von Vorteil, um ein starkes, wettbewerbsf\u00e4higes und innovatives Unternehmen zu schaffen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_672848\" style=\"width: 638px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672848\" class=\"size-full wp-image-672848\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/davos.2020.b.jpg\" alt=\"\" width=\"628\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/davos.2020.b.jpg 628w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/davos.2020.b-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/davos.2020.b-452x300.jpg 452w\" sizes=\"auto, (max-width: 628px) 100vw, 628px\" \/><p id=\"caption-attachment-672848\" class=\"wp-caption-text\">(Foto: CNN International)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Podiumsdiskussion wurde etwas angesprochen, von dem ich aus meiner eigenen Erfahrung mit Kollegen wei\u00df, dass es wahr ist. Der enorm beeindruckende Alphonso David, Pr\u00e4sident der Menschenrechtskampagne Human Rights Campaign, erz\u00e4hlte die Geschichte einer Person, die er am Arbeitsplatz &#8222;erschaffen&#8220; hat, weil er das Risiko f\u00fcrchtete, sich zu outen. Ich begann meine Karriere bei einer gro\u00dfen amerikanischen Investmentbank, wo ich anscheinend \u00fcberhaupt keine LGBTI-Kollegen hatte. Zwar ist das statistisch unwahrscheinlich, ich habe es aber zu meiner Schande nicht in Frage gestellt. Entweder hatten die Menschen Angst vor den Folgen, die sich aus der Wahrheit ergeben w\u00fcrden, oder schlimmer noch, sie haben sich gar nicht erst um einen Job beworben. Die Zeiten haben sich eindeutig ge\u00e4ndert, aber es reicht noch nicht aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Unternehmen k\u00f6nnen Fortschritte herbeif\u00fchren<\/strong><\/p>\n<p>Die Diskussion am Dienstag hat mir nicht nur die Augen ge\u00f6ffnet, sondern auch neue Impulse gegeben. Wie in derzeit vielen Bereichen scheinen Unternehmen bei diesem Thema tats\u00e4chlich besser in der Lage zu sein, etwas zu bewegen, als die Regierungen. Multinationale Unternehmen, die in L\u00e4ndern t\u00e4tig sind, in denen gleichgeschlechtliche Beziehungen illegal sind, k\u00f6nnen als sicherer Hafen f\u00fcr LGBTI-Menschen dienen. Und die Auswirkungen, die diese Unternehmen auf das wirtschaftliche Ergebnis haben, werden jede Regierung dazu veranlassen, eine Gesetzgebung gegen ihre Mitarbeiter nochmal zu \u00fcberdenken. Das bedeutet, dass sie auch die politische Landschaft ver\u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus dem Panel ging auch hervor, dass es verschiedene Ans\u00e4tze gibt, um Fortschritt herbeizuf\u00fchren. Sarah-Kate Ellis von GLAAD sprach von der Notwendigkeit, Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Organisationen zu zeigen, die Fehler gemacht haben \u2013 und vor allem mit Unternehmen, die Fehler machen, zusammenzuarbeiten, anstatt sie zu verurteilen. Auch das ist wichtig \u2013 die Vorstellung einer Gemeinschaft, die vern\u00fcnftig, vergebend, einladend und warmherzig ist, ist attraktiv, auch wenn sie in L\u00e4ndern wie den Vereinigten Staaten vielleicht leichter zu erreichen ist. Ebenso riskiert man m\u00f6glicherweise R\u00fcckschl\u00e4ge in der LGBTI-Sache, wie Ken Roth von Human Rights Watch betonte, wenn man in ein Land geht mit der Absicht, alte Barrieren niederzurei\u00dfen. Die Anzeichen deuten darauf hin, dass Unternehmen, die sich in diese L\u00e4nder begeben und stattdessen wirtschaftliche Argumente f\u00fcr Inklusion liefern, effektiver sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_672846\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672846\" class=\"size-full wp-image-672846\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/davos.2020.a.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"438\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/davos.2020.a.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/davos.2020.a-300x202.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/davos.2020.a-445x300.jpg 445w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-672846\" class=\"wp-caption-text\">(Foto: CNN International)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Wirtschaft als eine Kraft des Guten<\/strong><\/p>\n<p>Dies ist jedoch keine Rechtfertigung f\u00fcr Unternehmen, Lippenbekenntnisse abzugeben, auf den Regenbogenzug aufzuspringen, oder davon auszugehen, dass sie das Problem schon geknackt haben, indem sie sich als Verb\u00fcndete der Sache erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Die Wirtschaft als eine Kraft des Guten ist in diesem Zusammenhang ein reizvoller Gedanke. Unternehmen k\u00f6nnen Grenzen \u00fcberschreiten, sie unterliegen keinen Amtszeitbeschr\u00e4nkungen, sie k\u00f6nnen zunehmend darauf vertrauen, dass die LGBTI-Gemeinschaft und, was vielleicht noch wichtiger ist, ihre immer lautstarker werdenden Verb\u00fcndeten, ihnen zu Hilfe eilen, wenn sie f\u00fcr ihre Haltung bestraft werden. Die \u00d6konomie der Inklusion, so scheint es, kann f\u00fcr alle ein Gewinn sein. Es war ein kluger und willkommener Schritt, diese Debatte formeller auf die Tagesordnung von Davos zu setzen. Wie PGLE-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dan Bross bemerkte, k\u00f6nnte diese Debatte vielleicht im n\u00e4chsten Jahr im Kongresszentrum selbst fortgesetzt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_671683\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671683\" class=\"size-thumbnail wp-image-671683\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-671683\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019: Blogs von Frauen<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Davos begr\u00fc\u00dft uneingeschr\u00e4nkte Inklusion, wenn auch aus der Distanz Gastbeitrag von CNN-Moderatorin Julia Chatterley &nbsp; &nbsp; Anfang dieser Woche nahm ich an einer bahnbrechenden Veranstaltung jenseits des Hauptkongresszentrums in Davos teil. 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