{"id":672492,"date":"2020-07-02T17:00:43","date_gmt":"2020-07-02T15:00:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=672492"},"modified":"2020-07-02T02:42:59","modified_gmt":"2020-07-02T00:42:59","slug":"daimler-und-benz-stiftung-was-algorithmen-und-kochrezepte-gemeinsam-haben-erklaert-wissenschaftler-vincent-heuveline-gastbeitrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/07\/02\/daimler-und-benz-stiftung-was-algorithmen-und-kochrezepte-gemeinsam-haben-erklaert-wissenschaftler-vincent-heuveline-gastbeitrag\/","title":{"rendered":"Daimler und Benz Stiftung: Was Algorithmen und Kochrezepte gemeinsam haben, erkl\u00e4rt Wissenschaftler Vincent Heuveline (Gastbeitrag)"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eAlgorithmen &amp; k\u00fcnstliche Intelligenz: Sind sie wahrer Fortschritt oder doch nur digitale Alchemie?\u201c Der Mathematiker und Informatiker Vincent Heuveline von der Universit\u00e4t\u00a0 Heidelberg \u00fcber das nicht ganz so spannungsfreie Verh\u00e4ltnis von menschlicher und k\u00fcnstlicher Intelligenz (KI).<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWenn wir \u00fcber k\u00fcnstliche Intelligenz und Algorithmen sprechen\u201c, so Wissenschaftler Heuveline \u201edann ber\u00fchren wir ein Thema, das f\u00fcr uns nicht nur hochaktuell ist, sondern das &#8211; keineswegs zu Unrecht &#8211; bei vielen Menschen ganz unwillk\u00fcrlich Emotionen hervorruft.\u201c Gastbeitrag von Johannes Schnurr von der Daimler und Benz Stiftung \u00fcber einen Vortrag des Informatik- und Mathematikprofessors Heuveline: \u201eAlgorithmen &amp; k\u00fcnstliche Intelligenz: Wahrer Fortschritt oder doch nur digitale Alchemie?\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_672493\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672493\" class=\"size-full wp-image-672493\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/12\/Heuveline.Prof_._Dr._Vincent_Heuveline.jpg\" alt=\"\" width=\"434\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/12\/Heuveline.Prof_._Dr._Vincent_Heuveline.jpg 434w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/12\/Heuveline.Prof_._Dr._Vincent_Heuveline-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><p id=\"caption-attachment-672493\" class=\"wp-caption-text\">Vincent Heuveline (Foto: Daimler und Benz Stiftung\/PR)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst gelte es die Leistungen anzuerkennen, welche KI in den letzten Jahren vollbracht habe. Er erinnere sich noch genau an seine Schulzeit, als sein Lehrer ihm erkl\u00e4rte, dass ein Computer vermutlich eines Tages den Schachweltmeister schlagen werde, dies f\u00fcr das deutlich komplexere asiatische Brettspiel \u201eGo\u201c jedoch gewiss ausgeschlossen werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2016 sei es aber schlie\u00dflich so weit gewesen, dass sich der weltweit beste Go-Spieler einem Computer bei einem Wettbewerb mit 0:3 Partien geschlagen geben musste. \u201eNur ein Jahr sp\u00e4ter wurde die n\u00e4chste Ebene betreten und die hatte es dann richtig in sich: Das Computerprogramm hatte dieses Mal das Spiel ohne jedes einprogrammierte menschliche Vorwissen erlernt und dabei ein noch weitaus h\u00f6heres Spielniveau erreicht\u201c, erl\u00e4uterte Heuveline. Zwei KI-Systeme h\u00e4tten mehrere Millionen Partien gegeneinander gespielt in nur wenigen Wochen und allein auf der Grundlage der Spielregeln und sich auf diese Weise immer weiter verbessert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Menschen beschleiche dabei ein Gef\u00fchl der Konkurrenz zu einer mit solch au\u00dferordentlichen F\u00e4higkeiten ausgestatteten Maschine. \u201eTats\u00e4chlich ist es wichtig, dass wir uns die Frage stellen, welche Rolle KI in unserer Gesellschaft beziehungsweise in deren Organisation k\u00fcnftig spielen soll und wo durch ihren Einsatz demokratische Werte ber\u00fchrt werden k\u00f6nnten\u201c, so Heuveline. Sp\u00fcre man zun\u00e4chst der Frage nach, was denn menschliche Intelligenz sei, so lie\u00df sich diese unter vielerlei Aspekten darstellen: Als Handlungsintelligenz, soziale, emotionale sowie als kognitive Intelligenz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Versuche er KI zu definieren, so verstehe er darunter die Eigenschaft eines IT-Systems, der menschlichen Kognition \u00e4hnliche Eigenschaften zu zeigen In bestimmten Bereichen, wie etwa der Bilderkennung, k\u00f6nne dieses die menschlichen F\u00e4higkeiten durchaus \u00fcbersteigen. Auch situatives Lernen oder Wahrnehmen k\u00f6nnten hinzutreten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich werde in der aktuellen Diskussion jedoch der Unterschied zwischen schwacher und starker KI \u00fcbersehen. S\u00e4mtliche Systeme, die wir heute im Alltag nutzen, seien schwache KI-Systeme, die konkrete Anwendungsprobleme meistern \u2013 etwa die Spracherkennung im Handy, Navigationsger\u00e4te oder k\u00fcnftig auch selbstfahrende Autos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Starke KI hingegen, die der menschlichen Handlungsf\u00e4higkeit durchweg ebenb\u00fcrtig ist oder sich sogar in s\u00e4mtlichen Bereichen \u00fcbertreffe, bleibe Zukunftsmusik. \u201eWeder die Bedrohung durch einen Terminator noch einen mit feinsinnigem Humor parlierenden Roboter werden wir in absehbarer Zeit erleben\u201c, so Heuveline. Besonders spannend seien heute Einsatzbereiche, wo schwache KI in Form elektronischer Expertensysteme den Menschen unterst\u00fctze. \u201eInsbesondere in der Medizin, etwa wenn Chirurgen anhand hochkomplexer Informationen w\u00e4hrend einer Operation Entscheidungen treffen m\u00fcssen, sind beispielsweise bildgebende KI-Systeme enorm hilfreich.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das derzeitige rasante Fortschreiten bei KI-Systemen sei vor allem durch zwei Faktoren erkl\u00e4rbar: Eine in atemberaubender Geschwindigkeit wachsende Rechenleistung der Computer und immer g\u00fcnstigere Hardware. \u201eIn Verbindung mit geeigneter Software erhalten wir dann jene erstaunlichen Ergebnisse, die wir bereits im Alltag erleben\u201c, lautete seine Einsch\u00e4tzung. Grundlegend sei es zu verstehen, wie Daten \u00fcberhaupt verarbeitet w\u00fcrden. \u201eAlles beruht dabei auf Algorithmen. Das sind einfache Handlungsanweisungen, die vom Computer Schritt f\u00fcr Schritt abgearbeitet werden.\u201c Am besten k\u00f6nne man dies mit einem Kochrezept vergleichen, bei dem die unterschiedlichen Zutaten, die Reihenfolge ihrer Zugabe und Verarbeitung exakt definiert seien. Selbst ohne n\u00e4here Kenntnisse \u2013 was etwa Butter, Zucker oder die Ofentemperatur angehe \u2013 bleibe das Ergebnis vorhersehbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDas Problem f\u00fcr uns ist nun, wenn wir einen Hochleistungscomputer mit 2,4 Millionen parallelen Rechenkernen betrachten, wie wir deren Rechenarbeit koordinieren. Stellen Sie sich vor, dass Sie ein Haus bauen und ihnen 2,4 Millionen Arbeiter dabei helfen\u201c, so Heuveline. \u201eDas wichtigste ist, die einzelnen Aufgaben so zu organisieren, dass nicht nur ein Schritt nach dem n\u00e4chsten abgearbeitet wird, sondern dass sich alle koordiniert verhalten.\u201c Moderne K\u00fcnstliche Neuronale Netzwerke orientierten sich deshalb in ihrer Funktionsweise an einer Arbeitsweise, die dem menschlichen Gehirn gleiche. Wie dieses sind sie in der Lage, Informationen parallel zu verarbeiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEin besonders interessanter Punkt ist dabei jedoch, dass wir Mathematiker bei hochkomplexen KI-Systemen, obwohl wir wissen, dass sie auf Algorithmen basieren \u2013 letztendlich gar nicht genau sagen k\u00f6nnen, weshalb sie funktionieren, wo Informationen gespeichert werden und wie das Ergebnis am Ende zustande kommt. Das System bleibt auch f\u00fcr uns in gewisser Weise eine Black Box.\u201c So entst\u00fcnden, wie in der Alchemie, mitunter ganz besondere Ergebnisse \u2013 ohne dass diese durch die Wissenschaftler im Detail erkl\u00e4rbar seien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eZentral bei der gegenw\u00e4rtigen Diskussion ist es, dass wir als m\u00fcndige B\u00fcrger verstehen, was sich hinter dem Begriff KI verbirgt und wo sinnvolle Einsatzm\u00f6glichkeiten f\u00fcr selbstlernende Systeme liegen. Letztlich obliegt es uns, einen demokratischen und aufgekl\u00e4rten Diskurs zu f\u00fchren, in welcher Gesellschaft wir leben m\u00f6chten und welche Rolle wir solchen algorithmischen Systemen zuweisen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Audio-Video-Podcast zum Vortrag<\/strong>: www.youtube.com\/watch?v=3fctDjZJxl0<br \/>\nFotos vom Vortrag (Copyright: Daimler und Benz Stiftung\/W\u00f6lffing): https:\/\/c.gmx.net\/@334290390775497505\/2DX7DGH7TsWEXIfXsryX0Q<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zur Person<\/strong>: Mathematiker und Informatiker Vincent Heuveline promovierte 1997 am Institut National de Recherche en Informatique et Automatique in Frankreich. Seit 2013 leitet er als Professor das Engineering Mathematics and Computing Lab (EMCL) an der Universit\u00e4t Heidelberg; gleichzeitig ist er gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor des Universit\u00e4tsrechenzentrums sowie Leiter der Forschungsgruppe \u201eData Mining and Uncertainty Quantification\u201c am Heidelberger Institut f\u00fcr Theoretische Studien (HITS). F\u00fcr seine Forschungsarbeiten wurde er mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-672912\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/Top20-Blogneu-002-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_672760\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672760\" class=\"size-thumbnail wp-image-672760\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/01\/BloggerRelevanzIndex2019.news-aktuell-Infografik-Relevanteste-Blogs-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-672760\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-thumbnail wp-image-673624\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2020\/04\/Bloggerinnen2020_DRAFT_01-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAlgorithmen &amp; k\u00fcnstliche Intelligenz: Sind sie wahrer Fortschritt oder doch nur digitale Alchemie?\u201c Der Mathematiker und Informatiker Vincent Heuveline von der Universit\u00e4t\u00a0 Heidelberg \u00fcber das nicht ganz so spannungsfreie Verh\u00e4ltnis von menschlicher und k\u00fcnstlicher Intelligenz (KI). \u201eWenn wir \u00fcber k\u00fcnstliche &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2020\/07\/02\/daimler-und-benz-stiftung-was-algorithmen-und-kochrezepte-gemeinsam-haben-erklaert-wissenschaftler-vincent-heuveline-gastbeitrag\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[5528,9324],"class_list":["post-672492","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-daimler-und-benz-stiftung","tag-vincent-heuveline"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/672492","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=672492"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/672492\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":674091,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/672492\/revisions\/674091"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=672492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=672492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=672492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}