{"id":672078,"date":"2019-10-21T06:00:17","date_gmt":"2019-10-21T04:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=672078"},"modified":"2019-10-21T01:11:29","modified_gmt":"2019-10-20T23:11:29","slug":"gastbeitrag-cnn-wirtschaftsmoderatorin-julia-chatterley-unternehmenswachstum-muss-nicht-in-konflikt-mit-klimazielen-stehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2019\/10\/21\/gastbeitrag-cnn-wirtschaftsmoderatorin-julia-chatterley-unternehmenswachstum-muss-nicht-in-konflikt-mit-klimazielen-stehen\/","title":{"rendered":"Gastbeitrag CNN-Wirtschaftsmoderatorin Julia Chatterley: &#8222;Unternehmenswachstum muss nicht in Konflikt mit Klimazielen stehen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wachstum von Unternehmen ist nicht unbedingt der Klimafeind<\/strong><\/p>\n<p><strong>Gastbeitrag von CNN-Wirtschaftsexpertin Julia Chatterley, \u00fcber die Kritik von Greta Thunberg an der Wirtschaft und an der Fantasie des Wachstums: Unternehmenswachstum muss nicht in Konflikt mit Klimazielen stehen. Nachhaltige Strategien und Produkte k\u00f6nnen sogar sogar Wert kreieren, wie das Beispiel von Adidas mit CEO Kasper R\u00f8rsted zeigt.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_672082\" style=\"width: 586px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672082\" class=\"size-full wp-image-672082\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/10\/Chatterley_1.png\" alt=\"\" width=\"576\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/10\/Chatterley_1.png 576w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/10\/Chatterley_1-300x171.png 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/10\/Chatterley_1-500x285.png 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><p id=\"caption-attachment-672082\" class=\"wp-caption-text\">Julia Chatterley (Foto: CNN International\/First Move)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eHow dare you?\u201c (\u201eWie k\u00f6nnt ihr es wagen?&#8220;) \u2013 Eine Frage, die nicht nur Delegierte der UN-Generalversammlung vor Ort, sondern Menschen auf der ganzen Welt besch\u00e4ftigte. Lediglich die Entwicklungen auf dem Capitol Hill um ein Amtsenthebungsverfahren von Donald Trump konnten Greta Thunbergs leidenschaftliche, emotionale und beunruhigende Rede im vergangenen Monat aus den Schlagzeilen verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wachstum als Umweltfeind?<\/strong><\/p>\n<p>Ein R\u00fcckblick: Bei ihrem Auftritt griff Thunberg die &#8222;Phantasie&#8220; des Wachstums an und nahm jene auseinander, von denen sie glaubt, dass sie an der Klimakrise beteiligt seien. Sie beschuldigte die Wirtschaft, den Profit vor unseren Planeten zu stellen. Inmitten neuer Warnungen vor einer beschleunigten Erw\u00e4rmung der Ozeane und einem steigenden Meeresspiegel war es nur schwer, der Vorstellung zu entkommen, dass der Planet zum Scheitern verurteilt ist.<\/p>\n<p>Es gab jedoch auch einige prominente Stimmen, die dagegen hielten \u2013 wie etwa der Vorsitzende des franz\u00f6sischen Luxuskonzerns LVMH, Bernard Arnault. Er bezeichnete Thunberg als \u201edynamisches junges M\u00e4dchen&#8220;, stellte aber fest, dass sie sich \u201edem Katastrophismus v\u00f6llig hingab&#8220;. Ihre Ansichten seien laut Arnault \u201ef\u00fcr junge Menschen demoralisierend&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weit von der Demoralisierung entfernt lernen hingegen die Aktivisten dieser Generation, dass Extremismus der Weg ist, sich \u00fcber das schleppende Handeln der Regierungspolitik zu erheben und der Debatte echte Dringlichkeit zu verleihen. Ist also Wachstum in Zeiten, in denen die politischen Entscheidungstr\u00e4ger angesichts einer Verlangsamung der Wirtschaft vor gro\u00dfen Herausforderungen stehen, wirklich eine Phantasie oder gar ein Umweltfeind?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Kehrtwende: Wenn Umweltaspekte wirtschaftlich sinnvoll sind<\/strong><\/p>\n<p>In der Wirtschaft liegt oft eine kalibrierte Antwort vor, die auf bestimmte Priorit\u00e4ten basiert. So verf\u00fcgen b\u00f6rsennotierte Unternehmen \u00fcber drei Hauptakteure: ihre Kunden, Mitarbeiter und Aktion\u00e4re. Nur wenn die Priorit\u00e4ten jeder dieser drei Stakeholder mit den Umweltbelangen im Einklang stehen, setzt sich die Dringlichkeit im Greta-Stil in der Agenda fest.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Konzerne stehen traditionell in der Kritik, dass ihre Prinzipien auf dem Altar des Shareholder Values geopfert werden; aber es gibt ein Gesp\u00fcr in den Vorstandsetagen, dass sich das \u00e4ndern wird &#8211; vor allem, wenn die Ber\u00fccksichtigung von Umweltaspekten wirtschaftlich sinnvoll ist. Aktion\u00e4re m\u00f6gen da zuversichtlicher sein. Insbesondere wenn es darum geht, eine kleine Rendite zu opfern, wenn klimafreundlichere Richtlinien dazu beitragen k\u00f6nnen, eine Generation von Verbrauchern anzuziehen, f\u00fcr die Nachhaltigkeit wichtig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der eigentliche Wendepunkt best\u00fcnde jedoch darin, wenn \u00fcberhaupt keine Opfer gefordert sind: Eine nachhaltigere Einstellung kann durchaus mehr Gewinn und Wachstum bedeuten, fragen Sie einfach Adidas-CEO Kasper R\u00f8rsted. \u201eProdukte zu haben, bei denen ein Nachhaltigkeitsversprechen vorliegt, macht einen gro\u00dfen Unterschied im Markt aus&#8220;, erkl\u00e4rte er mir k\u00fcrzlich. \u201eWir sehen darin eine Gesch\u00e4ftsm\u00f6glichkeit.&#8220; Laut R\u00f8rsted sind gr\u00fcne Produkte auf dem besten Weg, Adidas eine halbe Milliarde Dollar einzubringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_672083\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-672083\" class=\"size-full wp-image-672083\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/10\/thumbnail_Chatterley_2.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"365\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/10\/thumbnail_Chatterley_2.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/10\/thumbnail_Chatterley_2-300x168.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/10\/thumbnail_Chatterley_2-500x281.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-672083\" class=\"wp-caption-text\">Cahtterley im Gespr\u00e4ch mit Adidas-CEO Kasper R\u00f8rsted \u00fcber den US-chinesischen Handelsstreit (Foto: CNN\/First Move; CNN International)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ambitionierte Pl\u00e4ne<\/strong><\/p>\n<p>Bei einer solchen Argumentation geht es also um die Entscheidung, wie wir unser Leben und unsere Arbeit gestalten wollen. Wir k\u00f6nnen unsere Augen vor einem Wachstum, das die Umwelt zerst\u00f6rt und zu den akuten Problemen beitr\u00e4gt, nicht l\u00e4nger verschlie\u00dfen. Gleichzeitig w\u00e4re es aber unvern\u00fcnftig, den Fokus auf das Wachstum selbst aufzugeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch in der Politik wird zumindest dar\u00fcber gesprochen: So forderte Ant\u00f3nio Guterres, Generalsekret\u00e4r der Vereinten Nationen, bei der UNGA zu konkreten Schritten und der Verpflichtungen zur Bek\u00e4mpfung der Klimakrise auf. Angela Merkel sprach von konkreten Investitionen in echte L\u00f6sungen. Aber auch hier ist die Wirtschaft einen Schritt voraus, vor allem in einem Land wie den USA, wo die Regierung den Umweltschutz zur\u00fcckfahren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erst k\u00fcrzlich k\u00fcndigte Amazon-Chef Jeff Bezos an, dass sein Unternehmen mehr als nur Mitl\u00e4ufer sein wollte. Er versprach, dass Amazon bis 2040 klimaneutral sein w\u00fcrde \u2013 ein ganzes Jahrzehnt vor dem Termin, den Wissenschaftler f\u00fcr die Abwendung einer echten Klimakatastrophe vorgeschlagen haben. Angesichts der Tatsache, dass die Treibhausgasemissionen von Amazon im vergangenen Jahr 44,4 Tonnen betrugen, ist der Plan ambitioniert (und einigen Mitarbeitern ging er sogar nicht weit genug!).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Den Lebensunterhalt f\u00fcr den Planeten opfern<\/strong><\/p>\n<p>Andere Firmenriesen sind noch nicht in der Lage, solche k\u00fchnen Entscheidungen zu verk\u00fcnden. \u201eWas f\u00fcr General Motors gut ist, ist auch f\u00fcr Amerika gut.\u201c So lautete der ber\u00fchmte Spruch des einstigen Vorsitzenden und CEOs von GM, Charlies Wilson, im Jahr 1955. Seine Aussage trifft heute nicht mehr zu. Der amerikanische Autoriese besch\u00e4ftigt sich mit der grundlegenden Frage der Automobilindustrie: Wie kann man sich f\u00fcr eine elektrische Zukunft r\u00fcsten, wenn diese Zukunft zwangsl\u00e4ufig Teile der Belegschaft auf der Strecke l\u00e4sst?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind die Verbraucher auch Arbeiter. Aber sind sie bereit, ihren Lebensunterhalt f\u00fcr den Planeten zu opfern? Elektrofahrzeuge werden die Treibhausgase reduzieren, aber das ist nur ein schwacher Trost f\u00fcr Zehntausende von Arbeitnehmern. Die dortige Gewerkschaft f\u00fcr Besch\u00e4ftigte in der Automobilbranche sagt n\u00e4mlich voraus, dass sie als Konsequenz daraus ihren Arbeitsplatz verlieren werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch der Finanzsektor spielt eine interessante Rolle. Ein Reihe an Bankinstituten &#8211; etwa ein Drittel der globalen Bankenindustrie &#8211; hat sich bereits dazu verpflichtet, die Ziele des Pariser Klimaabkommens einzuhalten \u2013 unter ihnen auch das niederl\u00e4ndische Kreditinstitut ING. CEO\u00a0 Ralph Hamers erz\u00e4hlte mir vergangene Woche, dass Banken zwar nicht in der Lage seien, ihren unmittelbaren CO2-Fu\u00dfabdruck zu reduzieren. Man k\u00f6nne jedoch sicherstellen, dass sie Kredite an Kunden vergeben, die sich darum bem\u00fchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ING m\u00f6chte, dass ihre Kunden \u2013 wo bereits verf\u00fcgbar \u2013 in die notwendigen Technologien investieren und damit ihren Fu\u00dfabdruck verbessern. \u201eWenn sie es nicht tun, k\u00f6nnen wir sie ausschlie\u00dfen&#8220;, sagt Hamers. Seine Sichtweise ist auch eine pragmatische: ING will keine Kredite in Sektoren vergeben, die sich eines Tages auf der falschen Seite der Regulierung befinden und die Bank mit gestrandeten Verm\u00f6genswerten belasten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>H\u00fcrden und Hoffnungen<\/strong><\/p>\n<p>Der Konsens ist vielleicht das gr\u00f6\u00dfere Problem. Die Regierung und &#8211; bedauerlicherweise &#8211; die Lobbyisten sind in dieser Hinsicht wichtige Akteure. Als Reporterin in Br\u00fcssel scherzte ich dar\u00fcber, dass die EU ihren st\u00e4ndigen Sitz doch nach Stra\u00dfburg verlegen sollte, nur weil es f\u00fcr Lobbyisten beschwerlicher sei, dorthin zu reisen. In Amerika vereiteln Lobbyisten Versuche, einen einheitlichen Weg abseits alter Gewohnheiten zu finden. Elektrofahrzeuge haben es dort sowohl mit roten Teppichen, als auch mit verschlossenen T\u00fcren zu tun.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So ging man im US-Bundesstaat Georgia von Steuererleichterungen f\u00fcr K\u00e4ufer von E-Autos in die vollst\u00e4ndige Aufhebung dieser Erleichterungen \u00fcber und endete gar in einer verbl\u00fcffenden Erh\u00f6hung der Steuern f\u00fcr E-Fahrzeuge. W\u00e4hrenddessen versucht das Wei\u00dfe Haus, die Regulierungsbefugnis Kaliforniens zu schw\u00e4chen. Elektrofahrzeuge sind nach wie vor ein risikoreiches Spiel f\u00fcr Hersteller, w\u00e4hrend die Infrastruktur l\u00fcckenhaft ist und die Unterst\u00fctzung der Regierung fehlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir sind jedoch nicht zum Scheitern verurteilt. Unternehmen k\u00f6nnen bei der Suche nach Klimal\u00f6sungen eine Vorreiterrolle spielen. Der Weg dorthin wird jedoch f\u00fcr alle Beteiligten &#8211; vom Mitarbeiter, \u00fcber den Investor, bis hin zum Kunden \u2013 steinig und beschwerlich sein. Die Rolle der Politiker muss es sein, den Weg zu ebnen und sie auf ihrem Weg zu unterst\u00fctzen. Wenn Greta Thunbergs Rede auch nur eine einzige Botschaft enthielt, hinter die sich Wirtschaft und Regierung gleicherma\u00dfen stellen k\u00f6nnen, dann ist es die Notwendigkeit, sich besser zu koordinieren und schneller zu handeln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><strong>Julia Chatterley auf CNN: Anchor von \u201cFirst Move\u201d (werktags um 15:00 Uhr auf CNN International)\u00a0<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_671683\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671683\" class=\"size-thumbnail wp-image-671683\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-671683\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019: Blogs von Frauen<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_668407\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668407\" class=\"size-thumbnail wp-image-668407\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-668407\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2018<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wachstum von Unternehmen ist nicht unbedingt der Klimafeind Gastbeitrag von CNN-Wirtschaftsexpertin Julia Chatterley, \u00fcber die Kritik von Greta Thunberg an der Wirtschaft und an der Fantasie des Wachstums: Unternehmenswachstum muss nicht in Konflikt mit Klimazielen stehen. 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