{"id":671790,"date":"2019-12-03T00:24:25","date_gmt":"2019-12-02T23:24:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=671790"},"modified":"2019-12-03T00:24:25","modified_gmt":"2019-12-02T23:24:25","slug":"daimler-und-benz-stiftung-physikprofessor-michael-feindt-ueber-ki-und-die-angst-vor-kuenstlicher-intelligenz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2019\/12\/03\/daimler-und-benz-stiftung-physikprofessor-michael-feindt-ueber-ki-und-die-angst-vor-kuenstlicher-intelligenz\/","title":{"rendered":"Daimler und Benz Stiftung:  Physikprofessor Michael Feindt \u00fcber KI und die Angst vor k\u00fcnstlicher Intelligenz"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eWenn Maschinen entscheiden \u2013 M\u00fcssen wir Angst vor k\u00fcnstlicher Intelligenz haben?\u201c Gastbeitrag von Johannes Schnurr von der Daimler und Benz Stiftung \u00fcber einen Vortrag des\u00a0Wissenschaftlers Michael Feindt \u00fcber die Bedeutung von K\u00fcnstlicher Intelligenz f\u00fcr \u00d6konomie und Wissenschaft.<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn es vielen noch nicht bewusst ist, K\u00fcnstliche Intelligenz, kurz genannt KI, durchdringt unseren Alltag bereits heute in nahezu s\u00e4mtlichen Lebensbereichen. \u201eZwar sind wir durch einige noch allzu offensichtliche Softwarefehler genervt, wie die fehlerhafte Autokorrektur beim Schreiben auf dem Smartphone, aber was die Kartennavigation angeht, leisten Algorithmen heute schon Beachtliches \u2013 und die Lernkurve dieser Systeme zeigt steil nach oben\u201c, sagte Physiker Michael Feindt, Professor am Institut f\u00fcr Experimentelle Kernphysik am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT) und Chefwissenschaftler des von ihm gegr\u00fcndeten Start-ups Blue Yonder t\u00e4tig.Professor bei einem Vortrag f\u00fcr die Daimler und Benz Stiftung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_671902\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671902\" class=\"size-full wp-image-671902\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/daimlerundbenzstiftung.KI-Vortragdbs_jes8141_21sep2019-1.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/daimlerundbenzstiftung.KI-Vortragdbs_jes8141_21sep2019-1.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/daimlerundbenzstiftung.KI-Vortragdbs_jes8141_21sep2019-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/daimlerundbenzstiftung.KI-Vortragdbs_jes8141_21sep2019-1-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-671902\" class=\"wp-caption-text\">Michael Feindt (Foto: Daimler und Benz Stiftung\/ Oestergaard)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach einigen Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schweizer Forschungszentrum f\u00fcr Elementarteilchenphysik CERN erhielt der studierte Physiker 1997 eine Professur f\u00fcr Experimentelle Kernphysik an der TH Karlsruhe, dem heutigen Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT). Gerade bei der Forschung mit solch hochkomplexen technischen Anlagen wie den Ringbeschleunigern entst\u00fcnden gewaltige Rohdatenmengen, erl\u00e4uterte Feindt. Diese Daten zu entschl\u00fcsseln und aus ihnen wissenschaftlich relevante Informationen zu extrahieren, stelle eine gewaltige Herausforderung dar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eLange bevor es den Begriff Big Data gab, mussten wir in der Teilchenphysik bereits mit vergleichbaren Situationen zurande kommen. Deshalb trainierte ich 1993 mein erstes sogenanntes neuronales Netz, bei dem Algorithmen auf einem Computer ungef\u00e4hr so arbeiten, wie die Neuronen im menschlichen Gehirn Informationen verarbeiten\u201c, so Feindt. Sein erstes neuronales Computernetz habe aus rund 100 Verbindungen bestanden, heute w\u00fcrde mit neuronalen Netzen gerechnet, die bis zu mehrere 100 Millionen Verbindungen aufweisen. 2000 erfand Feindt den sogenannten Neurobase-Algorithmus und gr\u00fcndete 2002 sein erstes Unternehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDas Thema Wahrscheinlichkeits-Erwartung ist in vielen Bereichen unserer Wirtschaft von herausragender Bedeutung. Nicht nur in der Produktion, sondern insbesondere auch in der Logistik oder der Konsumg\u00fcter- und Nahrungsmittelindustrie ist das Entscheiden unter \u00e4u\u00dferen Unsicherheiten zentral f\u00fcr den Erfolg eines Unternehmens geworden.\u201c Gemeinsam mit dem Vorstand der Otto Group gr\u00fcndete Feindt 2008 das Unternehmen Blue Yonder, das sich mit der Prognose von Kundenentscheidungen befasst. \u201eDurch den Einsatz von KI gelang es Otto beispielsweise, die durchschnittliche Lieferzeit f\u00fcr zwei Millionen Artikel von f\u00fcnf bis sieben Tagen auf ein bis zwei zu reduzieren.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gerade f\u00fcr Superm\u00e4rkte erweise sich der Einsatz von KI-Systemen ebenfalls zunehmend als unverzichtbar. Die schiere Vielzahl zu erwartender und sich wechselseitig beeinflussender Faktoren sei selbst f\u00fcr Branchenprofis nicht mehr handhabbar: Wochen- und Feiertage, Standortfaktoren, Lieferzeiten und Lagerbestand verderblicher Vorr\u00e4te, Wetterbedingungen, Rabattaktionen der Konkurrenz, saisonale Einfl\u00fcsse und vieles mehr bestimme letztendlich, welche Produkte in welchem Umfang nachgefragt w\u00fcrden. \u201eWird zu wenig Ware vorgehalten, so f\u00fchrt dies zu Kundenver\u00e4rgerung und Umsatzverlust, wird zu viel bevorratet, so bedeutet dies Lebensmittelvernichtung und die Abschreibung von Werten\u201c, so Feindt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gerade auch was die Vermeidung von Retouren und eine nachhaltige Logistik angehe, f\u00fchre kein Weg mehr an einer algorithmischen Planung vorbei. \u201eDie Margen sind heute oft so gering, dass ein auf KI-Entscheidungen basierender Wettbewerbsvorteil f\u00fcr viele Superm\u00e4rkte und die dahinterstehenden Ketten eine Frage des \u00dcberlebens ist\u201c, lautete Feindts Einsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine vergleichbare Entwicklung wie in der \u00d6konomie erwartet er in den n\u00e4chsten Jahren f\u00fcr zahlreiche Wissenschaftsdisziplinen. W\u00e4hrend in der Physik und der Mathematik der Einsatz von KI vielerorts selbstverst\u00e4ndlich sei, g\u00e4be es etwa in der Klimaforschung oder in der Psychologie noch einigen Nachholbedarf. Gerade in Medizin erkenne Feindt aber eine geradezu str\u00e4fliche Vernachl\u00e4ssigung der neuen technologischen M\u00f6glichkeiten; vielen Patienten k\u00f6nnte deutlich effizienter geholfen werden, w\u00fcrden ihre Daten entsprechend professionell erhoben und analysiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch m\u00fcssten die Universit\u00e4ten sich in den n\u00e4chsten Jahren anstrengen, nicht dauerhaft ihre besten Nachwuchswissenschaftler an die gro\u00dfen Technologienfirmen zu verlieren. In den USA wirke die Situation auf ihn mitunter so, als h\u00e4tten Google, Microsoft und Amazon die besten K\u00f6pfe einer ganzen Generation aufgekauft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWas die Situation in Deutschland angeht, so sind wir im weltweiten Vergleich leider ganz sch\u00f6n hintendran\u201c, stellte Feindt fest. \u201eDas liegt leider auch an der Kultur der \u00f6ffentlichen Debatte. Es gilt immer noch als am\u00fcsant, wenn jemand im Fernsehen sagt, er habe in der Schule mit Mathematik nichts anfangen k\u00f6nnen und er sei ausgesprochen technikkritisch eingestellt.\u201c Fortschritt bedeute heute, den Fokus auf harte Wissenschaft zu legen und ihr Ansehen in der Gesellschaft zu f\u00f6rdern. Er f\u00fcrchte, dass Deutschland sein hohes Wohlstandsniveau aufgrund einer gewissen Hochn\u00e4sigkeit und Negativstimmung gegen\u00fcber neuen Technologien in erheblichem Ma\u00dfe abhanden komme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die wertvollsten Firmen heute seien zweifelsohne Softwarefirmen \u2013 und diese w\u00fcrden sich auch in den n\u00e4chsten Jahren als Treiber der weltweiten Wertsch\u00f6pfung erweisen. Die Bedrohung, dass die Menschheit in Zukunft von einer allm\u00e4chtigen KI beherrscht werde, sehe er derzeit noch nicht am Horizont heraufziehen. Allerdings sei es, gerade auch auf politischer Ebene, ausgesprochen wichtig, den Umgang mit Daten sensibel und genau zu regeln und darauf zu achten, dass pers\u00f6nliche Daten nicht in die \u00d6ffentlichkeit gelangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Audio-Video-Podcast zum Vortrag:<\/strong><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Hfawo4gOpnw\"> www.youtube.com\/watch?v=Hfawo4gOpnw<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zur Daimler und Benz Stiftung: <\/strong>&#8222;Die Daimler und Benz Stiftung f\u00f6rdert Wissenschaft und Forschung. Dazu richtet sie innovative und interdisziplin\u00e4re Forschungsformate ein. Ein besonderes Augenmerk legt die Stiftung durch ein Stipendienprogramm f\u00fcr Postdoktoranden sowie die Vergabe des Bertha-Benz-Preises auf die F\u00f6rderung junger Wissenschaftler. Mehrere Vortragsreihen sollen die \u00f6ffentliche Sichtbarkeit der Wissenschaft st\u00e4rken und deren Bedeutung f\u00fcr unsere Gesellschaft betonen.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_671683\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671683\" class=\"size-thumbnail wp-image-671683\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-671683\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019: Blogs von Frauen<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_668407\" style=\"width: 160px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668407\" class=\"size-thumbnail wp-image-668407\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><p id=\"caption-attachment-668407\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2018<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWenn Maschinen entscheiden \u2013 M\u00fcssen wir Angst vor k\u00fcnstlicher Intelligenz haben?\u201c Gastbeitrag von Johannes Schnurr von der Daimler und Benz Stiftung \u00fcber einen Vortrag des\u00a0Wissenschaftlers Michael Feindt \u00fcber die Bedeutung von K\u00fcnstlicher Intelligenz f\u00fcr \u00d6konomie und Wissenschaft. 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