{"id":671507,"date":"2019-08-16T06:00:06","date_gmt":"2019-08-16T04:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=671507"},"modified":"2019-08-16T00:42:08","modified_gmt":"2019-08-15T22:42:08","slug":"eine-tasse-kaffee-im-verlagscafe-mit-wiebke-ankersen-und-christian-berg-von-der-allbright-stiftung-in-schweden-bringt-man-sich-selbst-mit-zur-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2019\/08\/16\/eine-tasse-kaffee-im-verlagscafe-mit-wiebke-ankersen-und-christian-berg-von-der-allbright-stiftung-in-schweden-bringt-man-sich-selbst-mit-zur-arbeit\/","title":{"rendered":"Eine Tasse Kaffee mit Wiebke Ankersen und Christian Berg von der Allbright-Stiftung: In Schweden bringt man sich selbst mit zur Arbeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der &#8222;laut nach Hause geht&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Wissen Sie, was es bedeutet, wenn ein schwedischer Chef um 17 Uhr &#8222;laut nach Hause geht&#8220;? Er verl\u00e4sst f\u00fcr m\u00f6glichst viele sichtbar das Haus, ruft nochmal laut &#8222;Sch\u00f6nen Feierabend&#8220; und geht.\u00a0Dann schleicht er sich gerade nicht versch\u00e4mt aus der T\u00fcr, etwa um seine Kinder von der Schule oder dem Hort abzuholen. So, wie es hierzulande abliefe. Wenn \u00fcberhaupt, aber eher nicht. Kaum ein Chef w\u00fcrde sich das hierzulande trauen.<\/p>\n<p>Stattdessen soll in Schweden jeder Kollege dieses Signal sehen und dem guten Beispiel folgen. Schwedische Vorgesetzte sollen auf diesem Weg allen anderen deutlich machen, dass es o.k. ist, zu gehen. Dass sie kein schlechtes Gewissen haben m\u00fcssen. Konkret soll es etwa im schwedischen Au\u00dfenministerium so laufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn das Leben der Mitarbeiter einen h\u00f6heren Stellenwert hat als ihre Anwesenheit in der Company<\/strong><\/p>\n<p>Die Lebensphilosophie der Schweden soll sich stark unterscheiden von den Deutschen. Das pers\u00f6nliche Leben der Menschen hat einen gr\u00f6\u00dferen Stellenwert als in Deutschland, versichern mir Wiebke Ankersen und Cristian Berg bei einer Tasse Kaffee im Verlagscaf\u00e9. Beide sind Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer bei der deutsch-schwedischen <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2019\/04\/09\/welche-dax-unternehmen-nicht-mal-das-ziel-haben-frauen-ins-top-management-zu-lassen\/\">Allbright Stiftung. Ihre Organisation setzt sich f\u00fcr mehr Frauen und Diversit\u00e4t in den F\u00fchrungspositionen der Wirtschaft ein<\/a> und wurde vor acht Jahren von dem Unternehmer Sven Hagstr\u00f6mer in Stockholm gegr\u00fcndet. Ankersen und Berg besuchten mich im Verlag an der Toulouser Allee.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_671508\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671508\" class=\"size-full wp-image-671508\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1659241.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1659241.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1659241-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1659241-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-671508\" class=\"wp-caption-text\">Wiebke Ankersen (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8222;Man bringt sich selbst mit zur Arbeit&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Die beiden erz\u00e4hlen mir von den grundlegenden Unterschieden zwischen dem schwedischen und dem deutschen Unternehmensalltag. &#8222;Man bringt sich selbst mit zur Arbeit&#8220;, fasst es Ankersen zusammen.<\/p>\n<p>Also Nicht nach der deutschen Devise: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Wo alle nur reibungslos funktionieren, ihr Privatleben zuhause lassen sollen. Von manchen Kollegen wei\u00df man nicht mal, was sie getan haben, bevor sie Kollege wurden oder was sie au\u00dfer dem Job tun, f\u00e4hrt mir bei der Gelegenheit durch den Kopf: Neue F\u00fchrungskr\u00e4fte stellen sich immer noch nicht mit ausf\u00fchrlicher E-Mail samt Foto allen\u00a0 vor. In der sie sich erst mal ihre Vita erz\u00e4hlen, aber eben auch die Zahl ihrer Kinder und so weiter. Einladungen von Vorgesetzten zu sich nach Hause? Selten. Ganz anders als auch in den USA. Die Kollegen in Schweden wissen auch mehr von einander als Deutsche. Welche Sorgen jemand hat oder einfach, ob sein Hund krank ist, erz\u00e4hlt sie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Es gibt ein Leben neben der Firma &#8211; jedenfalls in Schweden<\/strong><\/p>\n<p>Und Ankersen weiter: Schwedische Unternehmen lassen es zu, dass ihre Mitarbeiter auch ein Leben haben. Ein Leben neben der Firma. Ein Beleg: Meetings nach 16 Uhr gibt es gar nicht erst, falls Kollegen Kinder einsammeln m\u00fcssen. Sie anzuberaumen w\u00e4re ein Tabu-Bruch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hierzulande ist es noch immer verbreitet, dass M\u00fctter und V\u00e4ter, die mit ihren Kiddies w\u00e4hrend der Arbeitszeit zum Arzt m\u00fcssen, einen eigenen Arzttermin vorgeben. Und die Family lieber gar nicht erst erw\u00e4hnen. Hinter vorgehaltener Hand erz\u00e4hlen junge V\u00e4ter, die bei mittelst\u00e4ndischen Dienstleistern arbeiten: Dass sie gefeuert wurden, kaum dass sie es gewagt hatten, ein paar Monate Elternurlaub zu nehmen. Gleich am ersten Tag nach der R\u00fcckkehr bekamen sie die Quittung und konnten ihre Siebensachen gleich einpacken. Die Erkl\u00e4rung hinter der B\u00fcrot\u00fcr: Wir k\u00f6nnen das nicht dulden, sonst macht das hier bald jeder junge Vater. Sie sind leider das Exempel, das statuiert werden muss. Basta.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-671509\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1717049-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1717049-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1717049-450x300.jpg 450w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1717049.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Menschen kommen bei der digitalen Zukunft und Work. 4.0 eigentlich nicht vor\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"float: none;background-color: transparent;color: #333333;cursor: text;font-family: 'Helvetica Neue',Helvetica,Arial,'Nimbus Sans L',sans-serif;font-size: 15px;font-style: normal;font-variant: normal;font-weight: 300;letter-spacing: normal;text-align: left;text-decoration: none;text-indent: 0px;text-transform: none\">Und pl\u00f6tzlich kommen mir all das Gerede, die Philosophiererei um die ach-so-gelobte Arbeit Work 4.0 und die Digitalisierungsfantasien ganz klein vor. Vom Menschen ist genau genommen nie die Rede.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ankersen und Berg liefern mir weitere Beispiele f\u00fcr mehr Menschlichkeit im schwedischen Unternehmensalltag: Chefs, die das Alpha-M\u00e4nnchen geben, sind zum Beispiel verp\u00f6nt, sagen sie. Die w\u00fcrden sogar verachtet.<\/p>\n<p>Das gibt\u00b4s hier ebenso wenig. Auch wer dieselbe Ausbildung hat oder eine schlechtere als seine Mitarbeiter &#8211; und wie die allermeisten Vorgesetzten nicht mal ein F\u00fchrungstraining genossen haben &#8211; behandelt fortan mit der Bef\u00f6rderung seine Kollegen so, als sei er \u00fcber Nacht allwissend geworden. Klugheit qua Hierarchie ist die Devise. Anzweifeln kommt gar nicht in die T\u00fcte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_671512\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671512\" class=\"size-full wp-image-671512\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1659184.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1659184.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1659184-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/IMG_20190813_1659184-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-671512\" class=\"wp-caption-text\">Christian Berg (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fika Kaffeepause mit den Top-Managern laufend &#8211; nicht als Instrument, sondern als ehernes Ritual<\/strong><\/p>\n<p>Und so erkl\u00e4rt sich auch der hohe Stellenwert der <a href=\"https:\/\/www.handelskammer.se\/de\/nyheter\/warum-machen-schweden-staendig-kaffeepause\">Fika-Kaffeepause<\/a>, ein festes Ritual in ganz Schweden. Da versammeln sich alle bis hoch zum obersten Chef, trinken Kaffee und essen Kuchen, den jeder reihum mal mitbringen muss. Die Orga ist eine ernste Sache und kein Chef darf es wagen, fernzubleiben, beteuert Berg. Nichts mit Wegstehlen nach f\u00fcnf Minuten. Und sei sein Tagesgesch\u00e4ft noch so wichtig. Er muss &#8211; und tut es auch &#8211; dabei sein, redet mit all seinen Leuten auf Augenh\u00f6he und mit Respekt. Nicht wie bei einer l\u00e4stigen Pflichtaufgabe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Weniger Arbeitspensum? Sp\u00e4tabends zuhause arbeiten als Ausweichl\u00f6sung<\/strong><\/p>\n<p>Ob denn die Schweden weniger Arbeitspensum zu erledigen haben, frage ich? Hm, jedenfalls setzen sich dann doch viele zuhause nochmal an den Laptop sp\u00e4tabends, wenn die Family versorgt und im Bett ist, erfahre ich von Ankersen und Berg. Das finden die Unternehmen dann auch in Schweden in Ordnung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"UQuSPYGYuJ\"><p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2019\/04\/09\/welche-dax-unternehmen-nicht-mal-das-ziel-haben-frauen-ins-top-management-zu-lassen\/\">Welche DAX-Unternehmen nicht mal das Ziel haben, Frauen ins Top-Management zu lassen: Von Fielmann \u00fcber Sixt bis Xing und Zalando<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Welche DAX-Unternehmen nicht mal das Ziel haben, Frauen ins Top-Management zu lassen: Von Fielmann \u00fcber Sixt bis Xing und Zalando&#8220; &#8212; Management-Blog\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2019\/04\/09\/welche-dax-unternehmen-nicht-mal-das-ziel-haben-frauen-ins-top-management-zu-lassen\/embed\/#?secret=SpyMeQAXub#?secret=UQuSPYGYuJ\" data-secret=\"UQuSPYGYuJ\" width=\"584\" height=\"329\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zur Fika-Kaffeepause:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.handelskammer.se\/de\/nyheter\/warum-machen-schweden-staendig-kaffeepause\">https:\/\/www.handelskammer.se\/de\/nyheter\/warum-machen-schweden-staendig-kaffeepause<\/a><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_668407\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668407\" class=\"size-medium wp-image-668407\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-668407\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2018<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der &#8222;laut nach Hause geht&#8220; Wissen Sie, was es bedeutet, wenn ein schwedischer Chef um 17 Uhr &#8222;laut nach Hause geht&#8220;? 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