{"id":671491,"date":"2019-08-23T12:00:51","date_gmt":"2019-08-23T10:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=671491"},"modified":"2019-09-11T16:37:07","modified_gmt":"2019-09-11T14:37:07","slug":"buchauszug-boris-grundl-steh-auf-das-ende-aller-ausreden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2019\/08\/23\/buchauszug-boris-grundl-steh-auf-das-ende-aller-ausreden\/","title":{"rendered":"Buchauszug Boris Grundl: &#8222;Steh auf! &#8211; Das Ende aller Ausreden&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Boris_Grundl\">Boris Grundl<\/a>: &#8222;Steh auf! &#8211; Das Ende aller Ausreden&#8220;.\u00a0 Grundl ist Sachbuchautor, Managementtrainer und Rollstuhlsportler<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_671493\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671493\" class=\"size-full wp-image-671493\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/Grundl.Boris_Grundl_Portr\u00e4t_2018_Bildquelle_Nico_Pudimat.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/Grundl.Boris_Grundl_Portr\u00e4t_2018_Bildquelle_Nico_Pudimat.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/Grundl.Boris_Grundl_Portr\u00e4t_2018_Bildquelle_Nico_Pudimat-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/Grundl.Boris_Grundl_Portr\u00e4t_2018_Bildquelle_Nico_Pudimat-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-671493\" class=\"wp-caption-text\">Boris Grundl (Foto: Econ)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ich erf\u00fclle meine Pflicht &#8211; und bin voller Freude<\/strong><\/p>\n<p>Ich schlief und tr\u00e4umte, das Leben sei Freude.<br \/>\nIch erwachte und sah, das Leben ist Pflicht.<br \/>\nIch tat meine Pflicht, und siehe da, das Leben ward Freude.<br \/>\nRabindranath Tagore<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einer meiner Mentoren sagte einmal zu mir: \u00bbSeit ich Sie<br \/>\nkenne, Herr Grundl, muss ich beim Aufstehen immer daran<br \/>\ndenken, dass Sie morgens, wenn Sie in die Firma kommen,<br \/>\nschon weit mehr Anstrengungen hinter sich haben als andere,<br \/>\nwenn sie nach der Arbeit nach Hause kommen!\u00ab Da ist<br \/>\netwas Wahres dran. Wenn mein Wecker klingelt, liegt ein<br \/>\nzweist\u00fcndiges Programm vor mir, das ich absolvieren muss,<br \/>\nbevor ich sicher in den Tag starten kann. Und das jeden<br \/>\nMorgen, seit \u00fcber 27 Jahren!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oft habe ich nicht wirklich Lust dazu, und die immer<br \/>\ngleichen Handgriffe sind eine l\u00e4stige Pflicht. Was nutzt mir<br \/>\nPflicht, au\u00dfer dass sie \u2013 wie bei allen anderen auch \u2013 die<br \/>\nVoraussetzung daf\u00fcr ist, \u00fcberhaupt aus dem Haus gehen zu<br \/>\nk\u00f6nnen? \u00bbAber das ist doch schon etwas!\u00ab, h\u00f6re ich eine<br \/>\nvern\u00fcnftige Stimme sagen. \u00bbNur dass dies bei mir mal eben<br \/>\nzwei Stunden dauert!\u00ab, m\u00f6chte ich am liebsten antworten.<br \/>\nEs ist immer das Gleiche: Bevor ich mich \u00fcberhaupt irgendwie<br \/>\nhochwuchten kann, leere ich im Liegen meine Blase.<br \/>\nDann erst setze ich mich auf, und manchmal denke ich:<br \/>\nMann, heute bist du aber schwer! Mein K\u00f6rper ist wie ein<br \/>\nnasser Sack. Aber an manchen Tagen wirkt er noch schwerer<br \/>\nals an anderen, dann sind meine Arme nicht so fit oder<br \/>\nnoch m\u00fcde vom Vortag. Ich muss ja alles mit den Armen<br \/>\nmachen: mich aufsetzen, meine Beine vom Bett hin\u00fcber in<br \/>\nden Stuhl hieven, meinen K\u00f6rper umsetzen, meine Beine<br \/>\nsortieren. Dann geht es erst mit der Hygiene los. In der gleichen<br \/>\nZeit hat sich meine Frau schon lange angezogen und<br \/>\nist schon l\u00e4ngst zur T\u00fcr hinaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie gesagt, oft habe ich keine Lust auf die ganze Prozedur.<br \/>\nAber meist gelingt es mir, nicht dar\u00fcber nachzudenken.<br \/>\nIch versuche, es der alten Dame gleichzutun, die einmal<br \/>\nden ganzen Weg von San Diego nach New York zu Fu\u00df gegangen<br \/>\nsein soll. Auf die Frage, wie sie das geschafft habe,<br \/>\nantwortete sie: \u00bbIch habe einfach immer den n\u00e4chsten<br \/>\nSchritt gemacht.\u00ab Das h\u00e4tte von mir sein k\u00f6nnen! Bei mir ist<br \/>\nes morgens genauso. Ich wache auf. Ich atme. Ich denke<br \/>\nnicht. Ich fange einfach an. In den ersten 6 bis 10 Minuten<br \/>\nf\u00e4llt es mir manchmal noch schwer, dann wird es langsam<br \/>\nbesser. Ich bem\u00fche mich, daran zu arbeiten, diese t\u00e4gliche<br \/>\nPflicht mit dem geringsten Widerstand oder sogar mit Freude<br \/>\nzu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Durch Pflichterf\u00fcllung zur Freude<\/strong><\/p>\n<p>Pflicht ist Arbeit. Und Pflicht bleibt Arbeit. Nicht selten ist<br \/>\nsie sogar Qu\u00e4lerei. Aber wahrscheinlich kommt das Wort<br \/>\nQualit\u00e4t auch von qu\u00e4len. Sie k\u00f6nnen sie nicht austricksen,<br \/>\naber Sie k\u00f6nnen sich an sie gew\u00f6hnen. Irgendwann nehmen<br \/>\nSie nur noch kurz zur Kenntnis, dass Sie sich gerade zwingen,<br \/>\nund es kann sogar vorkommen, dass Sie Ihren Pflichten<br \/>\nmeditativ nachgehen. Sie denken nicht mehr, sondern machen<br \/>\neinfach. Oder, und das ist die beste Variante, Sie haben<br \/>\nsogar Freude daran. Wenn ich dar\u00fcber nachdenke, hatte ich<br \/>\nauch schon vor meinem Unfall Freude an meinen Pflichten.<br \/>\nAls Sch\u00fcler habe ich beispielsweise f\u00fcr 5 D-Mark pro Stunde<br \/>\nGetr\u00e4nkekisten gestapelt. Ich habe es gern getan. Die Pflichten<br \/>\nbei der Bundeswehr haben mir nichts ausgemacht. Ganz<br \/>\nselten entwickeln sich aus Pflichten sogar Rituale und liebe<br \/>\nGewohnheiten, die etwas sehr Hilfreiches, Beruhigendes und<br \/>\nPositives haben. Aber meist bleibt die Pflicht einfach Pflicht.<br \/>\nTrotzdem ist eine freudige Pflichterf\u00fcllung hundertmal besser,<br \/>\nals t\u00e4glich einen Kampf gegen innere Widerst\u00e4nde auszufechten,<br \/>\ndamit laufen Sie mental nur gegen die Wand und tun sich selbst keinen<br \/>\nGefallen.<\/p>\n<p>\u00bbUnd wenn es mal gar nicht geht?\u00ab, fragen Sie jetzt<br \/>\nbestimmt. Und zu Recht! Dann geht es eben nicht, ich bin<br \/>\nkeine Maschine. Auch ich gebe ab und zu mal nach. Wenn<br \/>\nes gar nicht geht, bleibe ich \u2013 an freien Tagen \u2013 eben bis<br \/>\n11 Uhr liegen. Umso besser geht es am n\u00e4chsten Tag weiter.<br \/>\nDann ist der Widerstand wieder geringer, ich denke<br \/>\nnicht, ich hadere nicht mit meinem Schicksal, sondern tue<br \/>\neinfach, was ich tun muss. Seien auch Sie kein Prinzipienreiter.<br \/>\nMachen Sie nicht den Fehler, sich zu oft zu zwingen.<br \/>\nVergleichen Sie Ihre T\u00e4tigkeiten mit einem Fluss: Pflichten<br \/>\nsind Steine, die Sie aus dem Fluss holen m\u00fcssen, damit er<br \/>\nflie\u00dfen kann. Wenn Sie sich aber zwingen, keine Pause<br \/>\nmachen und irgendwann nicht mehr k\u00f6nnen, holt niemand<br \/>\ndie Steine aus dem Wasser. Versuchen Sie deshalb alles im<br \/>\nGleichgewicht, im Fluss zu halten. Auch die Dinge, die<br \/>\nIhnen leicht von der Hand gehen, die Ihnen Spa\u00df machen,<br \/>\nIhre Talente, die K\u00fcr quasi, flie\u00dft erst, wenn Sie auch Ihre<br \/>\nPflichten ernst nehmen und im Idealfall mit Freude erf\u00fcllen.<br \/>\nPflicht und K\u00fcr geh\u00f6ren zusammen, Ihre Talente bringen<br \/>\nauch immer neue Pflichten mit sich \u2013 so wie das Lebenswerk<br \/>\naus dem Tagwerk entspringt, das gro\u00dfe Ganze aus<br \/>\nden kleinen Schritten. Deshalb kann die Pflicht Ihnen<br \/>\nFreude bereiten. Und genauso gilt der Satz von Hellmut<br \/>\nWalters: Wer seine Pflicht erf\u00fcllt, hat Charakter, wer nur<br \/>\nseine Pflicht erf\u00fcllt, hat keinen.<\/p>\n<p>TUE ICH ES F\u00dcR MICH ODER<br \/>\nF\u00dcR ANDERE?<\/p>\n<p>F\u00fchren Sie sich auch einmal vor Augen, wie Sie Ihre Kinder<br \/>\nerziehen, dann wird es Ihnen schnell klar. Solange die Kinder<br \/>\nklein sind, sagen wir ihnen lauter vern\u00fcnftige Sachen.<br \/>\nWenn meine Tochter fr\u00fcher gen\u00f6lt hat, sie habe keine Lust<br \/>\nzum Z\u00e4hneputzen, konnte sie bei mir damit nicht landen.<br \/>\nMein einziger Kommentar: \u00bbLos, du machst das jetzt!\u00ab Aber<br \/>\nwenn sie fertig war, fragte ich sie: \u00bbUnd wie geht es dir<br \/>\njetzt?\u00ab Wie zu erwarten war ihre Antwort: \u00bbGut!\u00ab So ist das<br \/>\nmit der Pflicht: Sie ist nicht angenehm, aber sie bringt uns<br \/>\nnicht um, sondern am Ende sogar weiter. Meine Tochter<br \/>\nmuss heute dadurch seltener zum Zahnarzt.<\/p>\n<p>Auch sp\u00e4ter, als sie in der Schule war, habe ich ihr zu<br \/>\nerkl\u00e4ren versucht, dass es keine sinnlosen Pflichten gibt.<br \/>\nWenn sie mir erz\u00e4hlte, auf Mathe und Physik habe sie keine<br \/>\nLust (\u00bbAu\u00dferdem werde ich das sp\u00e4ter nie brauchen!\u00ab), antwortete<br \/>\nich: \u00bbWoher wei\u00dft du das?\u00ab Ja, ich bin ein grausamer<br \/>\nVater! Im Ernst, ich finde, man sollte gerade in jungen Jahren<br \/>\ndie M\u00f6glichkeit zu entscheiden offenhalten. Wer sich zu<br \/>\nfr\u00fch einschr\u00e4nkt, hat sp\u00e4ter weniger Auswahl. Auch wenn<br \/>\nmeine Tochter schon fr\u00fch eine leise Ahnung davon zu haben<br \/>\nschien, dass Mathe und Physik nicht dazugeh\u00f6rten \u2013 man<br \/>\nkann nie sicher sein. Heute studiert sie jedenfalls Betriebswirtschaftslehre.<br \/>\nUnd da in diesem Kontext Mathematik sinnvoll ist, hat sie\u00a0 sich gerne damit besch\u00e4ftigt: Auf einmal l\u00e4uft es mit Mathe gut. Man darf sich durch eine momentane<br \/>\nUnlust nicht die Chance auf eine M\u00f6glichkeit in der Zukunft<br \/>\nrauben lassen. Dahinter steckt ein starkes Prinzip: Auf kurzfristigen<br \/>\nSchmerz (lernen) folgt mittelfristig gr\u00f6\u00dfere Freude<br \/>\n(Auswahl). Oder: auf kurzfristige Freude (nicht lernen) folgt<br \/>\nmittelfristig gr\u00f6\u00dferer Schmerz (keine Auswahl). Ob im Umgang<br \/>\nmit Lernen, Ern\u00e4hrung, Sport oder Geld: Es ist erstaunlich,<br \/>\nwie wenig Menschen dieses Prinzip tief verinnerlicht<br \/>\nhaben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heute liegt die Entscheidung dar\u00fcber, was meine Tochter<br \/>\nmachen will, in ihrer eigenen Verantwortung. Und das<br \/>\nmacht sie au\u00dfergew\u00f6hnlich gut f\u00fcr ihr Alter. Doch bis es so<br \/>\nweit war, lag es auch an mir, ihr so viele Wege aufzuzeigen<br \/>\nwie m\u00f6glich, damit sie eines Tages ihre Berufung entdeckt.<br \/>\nMeine Verantwortung lag darin, Wege m\u00f6glich zu machen.<br \/>\nIhre Verantwortung liegt darin, ihren Weg zu finden und zu<br \/>\ngehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Niemand, der sich immer nur daran orientiert, was er<br \/>\nm\u00f6chte, wird seine Berufung herausfinden. Viele haben das<br \/>\nnoch nicht verstanden. Stellen Sie sich vor, Sie schauen am<br \/>\nEnde Ihres Lebens auf Ihren langen, spannenden und sicher<br \/>\nnicht geradlinig verlaufenen Lebensweg zur\u00fcck. Als Vorbereitung<br \/>\nauf diesen Augenblick sollten Sie sich schon heute<br \/>\nfragen: \u00bbWas w\u00fcnsche ich mir sp\u00e4ter einmal, getan zu<br \/>\nhaben \u2013 und zwar f\u00fcr andere?\u00ab Zu \u00fcberlegen, was ich als<br \/>\nN\u00e4chstes tun m\u00f6chte, ist zu kurz gedacht. Es geht darum,<br \/>\nwas Sie in sich freisetzen, um andere durch Ihre Talente zu<br \/>\nbeschenken. Es geht um ein Talent, St\u00e4rken, eine Berufung \u2013<br \/>\num das herauszufinden bedarf es im Leben sehr vieler Pflicht\u00fcbungen.<br \/>\nNiemand kann diese Aufgabe f\u00fcr Sie \u00fcbernehmen,<br \/>\nauch wenn es Ihnen so mancher verspricht. Erwarten Sie<br \/>\ndiese Erkenntnis nur von sich selbst. Wenn ich mich heute<br \/>\nfrage, ob ich Tennis oder Klarinette oder Saxofon f\u00fcr mich<br \/>\ngespielt habe oder f\u00fcr andere, wei\u00df ich: Ich habe zwar oft<br \/>\nvor anderen gespielt, aber nicht f\u00fcr andere. Denn Musik und<br \/>\nSport sind nicht meine Berufung \u2013 das wei\u00df ich heute. Trotzdem<br \/>\nwar die \u00dcbung \u00bbMusik und Sport\u00ab extrem wichtig f\u00fcr<br \/>\nmeine Entwicklung. Gerade in den Bereichen \u00bbKreativit\u00e4t<br \/>\nund H\u00f6ren\u00ab sowie \u00bbK\u00f6rpergef\u00fchl\u00ab profitiere ich heute sehr<br \/>\ndavon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu gibt es Menschen, bei denen es keinen<br \/>\nZweifel gibt, dass sie Sport oder Musik f\u00fcr andere machen<br \/>\n\u2013 der leider so fr\u00fch verstorbene Saxophonist der E<br \/>\nStreet Band Clarence Clemens zum Beispiel oder der Schweizer<br \/>\nTennisspieler Roger Federer. Das sind nur zwei bekannte<br \/>\nBeispiele zur Erkl\u00e4rung des Prinzips. Denn es geht dabei<br \/>\nnicht unbedingt um Weltklasse, sondern darum, seinen Platz<br \/>\nin der Welt zu finden. Das ist der Ruf der Berufung. Mancher<br \/>\nRuf ist eben anders als bei anderen.<br \/>\nIch erlebe h\u00e4ufig, dass Menschen ihrer eigenen Berufung<br \/>\ngar nicht erst nachsp\u00fcren. Kinder ber\u00fchmter Eltern beispielsweise<br \/>\nmachen einfach das Gleiche wie ihre Ahnen,<br \/>\nohne dass sie wirklich Talent h\u00e4tten; Julius August Walther<br \/>\nvon Goethe hat sich beispielsweise nie von dem riesigen<br \/>\nSchatten seines Vaters zu befreien vermocht. Auf seinem<br \/>\nGrab in Rom steht bezeichnenderweise: Hier ruht Goethes<br \/>\nSohn. Ist er seinem Ruf gefolgt und hatte er seine Berufung<br \/>\ngefunden? Oder ist er etwas nachgesprungen, was gar nicht<br \/>\nzu ihm geh\u00f6rte?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Andere studieren Medizin, ohne die Begabung und den<br \/>\nRuf eines Heilers zu besitzen, sondern nur, weil die Eltern<br \/>\nvielleicht eine Praxis haben. Nat\u00fcrlich kann das auch funktionieren,<br \/>\nund der erste Weg war gleich der passende. So<br \/>\nwar das vielleicht bei Mozart oder bei Michael Schumacher,<br \/>\nauch wenn die Eltern t\u00fcchtig nachgeholfen haben. Am<br \/>\nAnfang ist es wichtig und normal, dass Heranwachsende<br \/>\ngelenkt werden. Und auch die Institutionen, die Kinder<br \/>\ndurchlaufen, sollen unter anderem helfen, ihre Begabung zu<br \/>\nfinden. Vieles wird vorgegeben, alles beeinflusst die Kleinen<br \/>\nund auch noch die Gr\u00f6\u00dferen. Je \u00e4lter Kinder werden, desto<br \/>\nst\u00e4rker werden ihre eigenen, ihrem Charakter gem\u00e4\u00dfen Bed\u00fcrfnisse.<br \/>\nUnd dann ist der n\u00e4chste normale Schritt die<br \/>\nLosl\u00f6sung von den Eltern. Jetzt m\u00fcssen \u2013 oder besser d\u00fcrfen<br \/>\n\u2013 sie selbst Entscheidungen treffen und daf\u00fcr Verantwortung<br \/>\n\u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen die Heranwachsenden nicht wissen,<br \/>\nwo sie in drei\u00dfig Jahren stehen werden. Und sie m\u00fcssen<br \/>\nauch nicht alles zu Ende bringen \u2013 Sie erinnern sich? Wenn<br \/>\nman merkt, dass etwas nicht den eigenen Bed\u00fcrfnissen und<br \/>\nTalenten entspricht, ist es sogar besser, man l\u00e4sst davon ab<br \/>\nund verschwendet nicht zu viel Energie darauf. Nicht aus<br \/>\nFaulheit, sondern aus Einsicht. Vielmehr sollte man auf dem<br \/>\nWeg weiterhin versuchen zu erkennen, was die wahre Berufung<br \/>\nhinter all den Dingen sein k\u00f6nnte, und sich dann<br \/>\ndarauf konzentrieren \u2013 egal, wie lange es dauert. Es liegt in<br \/>\nder Verantwortung eines jeden, sie dann auch zu verwirklichen.<br \/>\nBin ich wirklich ein Heiler oder nur Arzt, weil meine<br \/>\nEltern das wollten? Bin ich wirklich ein berufener Musiker?<br \/>\nOder habe ich da ein Hobby zum Beruf gemacht, das lieber<br \/>\nein Hobby h\u00e4tte bleiben sollen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-671492\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/cover.stehauf.jpg\" alt=\"\" width=\"410\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/cover.stehauf.jpg 410w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/08\/cover.stehauf-189x300.jpg 189w\" sizes=\"auto, (max-width: 410px) 100vw, 410px\" \/><\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #000000;font-family: Arial, sans-serif\">Boris Grundl: &#8222;Steh auf! Das Ende aller Ausreden.&#8220; Ullstein Verlag, 304 Seiten, 25 Euro.\u00a0<\/span><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif\"><a href=\"https:\/\/www.ullstein-buchverlage.de\/nc\/buch\/details\/steh-auf-9783430210140.html\">https:\/\/www.ullstein-buchverlage.de\/nc\/buch\/details\/steh-auf-9783430210140.html<\/a><\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aus Talenten St\u00e4rken formen<\/strong><\/p>\n<p>Woran erkennt man seine Talente, seine Begabungen? Daran,<br \/>\ndass man bestimmte Dinge sehr schnell lernt und das andere<br \/>\ndavon beeindruckt sind. Das Problem ist, dass unsere Talente<br \/>\nuns nicht so auffallen, da wir uns unbewusst mit dem besch\u00e4ftigen,<br \/>\nwas uns etwas schwerer f\u00e4llt. Glauben Sie nicht?<\/p>\n<p>Hier der Beweis: Ein Kind kommt mit zehn Schulnoten nach<br \/>\nHause \u2013 sechs Noten sind durchschnittlich, zwei herausragend<br \/>\ngut, zwei herausragend schlecht. Wohin geht die<br \/>\nmeiste psychische Energie? Ich erahne die Antwort \u2026 Diese<br \/>\nunbewusste Defizit\u00e4rorientierung lasst uns unsere Talente<br \/>\nzu wenig wahrnehmen. Sie fallen uns nicht auf, weil sie f\u00fcr<br \/>\nuns normal sind. Beobachten Sie doch einmal genau, was<br \/>\nSie schnell lernen, und fragen Sie doch mal andere, was sie<br \/>\nan Ihnen beeindruckend finden; anderen f\u00e4llt es n\u00e4mlich<br \/>\nmeist leichter, Sie richtig wahrzunehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Begabung ist etwas, das Sie gut k\u00f6nnen, nicht unbedingt etwas, das Sie<br \/>\nsofort gerne tun. Wer Ergebnisse lieben lernt, dem wird mit<br \/>\nder Zeit seine Berufung unendlich viel Freude bereiten. Und<br \/>\nSie werden aufgrund des schnelleren Lernens immer weniger<br \/>\nKonkurrenz haben und Ihre Einzigartigkeit erkennen.<br \/>\nDadurch werden Ihre Talente zu St\u00e4rken, welche sich in<br \/>\nErgebnissen zeigen, die einen Mehrwert f\u00fcr andere erzeugen.<br \/>\nBei mir, Sie wissen es l\u00e4ngst, ist es die Transformation<br \/>\ndes Menschen: Muster erkennen, die Probleme verursachen,<br \/>\nurs\u00e4chliche L\u00f6sungen f\u00fcr die Probleme finden, Menschen<br \/>\nbei der selbstst\u00e4ndigen L\u00f6sung begleiten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Form der Verantwortung ist ein Talent, welches zu einer St\u00e4rke geworden<br \/>\nist. Menschen kamen schon immer auf mich zu,<br \/>\nwenn es f\u00fcr sie schwierig wurde. Ob als Produktmanager,<br \/>\nRollstuhlrugby-Spieler, Unternehmer oder in der Familie,<br \/>\nob wegen schwieriger Kunden, Geldbeschaffung f\u00fcr den<br \/>\nVerein oder Betrug im vertrauten Umfeld: Ich werde gesucht,<br \/>\nund ich liefere. Aber ganz wichtig: Ich l\u00f6se nicht<br \/>\nProbleme, sondern ich kl\u00e4re den Blick auf die Ursache und<br \/>\nbiete Ideen zur L\u00f6sung. Danach fordere ich das konsequente<br \/>\nUmsetzen ein. Das hat auch seine Kehrseiten: Ich werde<br \/>\nselten zum entspannten Bier nach der Arbeit gefragt, eher<br \/>\nzu Problemen in der Unternehmensentwicklung. Ich kann<br \/>\ndas gut verstehen, denn eine gewisse Ernsthaftigkeit ist ein<br \/>\nTeil meines Wesens. Und sich mit mir auseinanderzusetzen,<br \/>\nist anstrengend, weil ich immer Menschen zum Nachdenken<br \/>\nauffordere. Alles hat mindestens zwei Seiten \u2013 auch eine<br \/>\nBerufung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Durch St\u00e4rken zur Berufung<\/strong><\/p>\n<p>Egal, welche Berufung die Ihre ist \u2013 sie sollte sich immer mit<br \/>\nden folgenden Fragen \u00fcberpr\u00fcfen lassen: \u00bbWas haben andere<br \/>\ndavon, dass ich geboren wurde? F\u00fcr was bin ich gemeint<br \/>\nworden? Was ist der gr\u00f6\u00dfte Mehrwert, den ich anderen<br \/>\ngeben kann?\u00ab Bitte stellen Sie sich diese Fragen immer wieder<br \/>\nernsthaft. Und seien Sie so mutig und konsequent, Ihren<br \/>\nWeg anzupassen, wenn Sie neue Erkenntnisse haben. Diesen<br \/>\nMut haben wenige, notfalls etwas abzubrechen, um daf\u00fcr<br \/>\netwas Neues zu beginnen. Auch das ist ein Weg, die eigene<br \/>\nBegabung herauszufinden: Probieren Sie so viel wie m\u00f6glich<br \/>\naus, aber brechen Sie es auch wieder ab, wenn es nicht das<br \/>\nRichtige ist. Sie wissen ja: Sie haben immer die M\u00f6glichkeit,<br \/>\nsich neu zu entscheiden. Jederzeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angeborene Talente werden durch Entwicklung zu St\u00e4rken.<br \/>\nUnd St\u00e4rken werden durch Handlungen zu Ergebnissen.<br \/>\nDie Entwicklung von Talenten zu St\u00e4rken umfasst die bekannten<br \/>\nvier Phasen aus dem Kapitel 5. Kennst du es, oder<br \/>\nkannst du es? Von der unbewussten Inkompetenz zur unbewussten<br \/>\nKompetenz. Doch es bedarf auch vier Phasen der<br \/>\nF\u00f6rderung: Im ersten Schritt ist es notwendig, die eigenen<br \/>\nTalente zu identifizieren, intellektuell, dass sie einem \u00fcberhaupt<br \/>\nauffallen. Anschlie\u00dfend braucht es eine Initialz\u00fcndung<br \/>\n\u2013 ein besonderes emotionales Erlebnis, welches einem<br \/>\nnoch tiefer den Kopf f\u00fcr dieses Talent \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei mir kam dieser Moment, nachdem ich ein Rollstuhlrugby-Finale f\u00fcr<br \/>\nden WDR moderiert hatte. Der Trainer der amerikanischen<br \/>\nNationalmannschaft sagte zu mir: \u00bbWow Boris. You are a<br \/>\nborn professional speaker. You are born to speak!\u00ab So sehr<br \/>\nmich das \u00fcberforderte, so tief sank der Satz in mein Innerstes.<br \/>\nF\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter wurde Redner mein Beruf. Im dritten<br \/>\nSchritt m\u00fcssen Sie diese werdende St\u00e4rke intensiv trainieren:<br \/>\nlesen, Fortbildungen besuchen, sich mit Gleichgesinnten<br \/>\naustauschen, \u00fcben, kopieren und verwerfen, und alles wieder<br \/>\nvon vorne \u2013 denn von nichts kommt bekanntlich auch<br \/>\nnichts. Zur Meisterschaft braucht es im letzten Schritt erneut<br \/>\nVorbilder: Durch eine gezielte Auseinandersetzung mit diesen<br \/>\nwird das vorhandene Talent letztlich perfektioniert und<br \/>\nzu wahrer Gr\u00f6\u00dfe entwickelt. Ralph Waldo Emerson beschrieb<br \/>\nes so: \u00bbWas wir am n\u00f6tigsten brauchen, ist ein<br \/>\nMensch, der uns zwingt, das zu tun, was wir k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Schwankendes Engagement<\/strong><\/p>\n<p>Das wirklich Schwierige daran: Wir sind auf dem Weg zu<br \/>\nunserer Berufung nicht immer gleich motiviert. Menschen<br \/>\nschwanken je nach Level an Kompetenz in ihrem Engagement,<br \/>\ndas sie an den Tag legen. Am Anfang sind wir hoch<br \/>\nengagiert und wissbegierig, dann lernen wir auch viel \u2013 doch<br \/>\nirgendwann schleichen sich Nachl\u00e4ssigkeiten oder Hindernisse<br \/>\nein, die diesen Entwicklungsprozess hemmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genauso wie im Sport l\u00e4uft es auch in der Wirtschaft.<br \/>\nUnternehmen schwanken, Menschen schwanken: in ihrer<br \/>\nAntriebskraft, in ihrer Leistungsbereitschaft, in ihrem Erfolg.<br \/>\nEs ist ein Auf und Ab, das vollkommen menschlich<br \/>\nund absolut normal ist. Jeder Mensch bewegt sich auf einer<br \/>\nAchse zwischen Engagement und Kompetenz. Das anfangs<br \/>\nmeist sehr hohe Engagement sinkt mit zunehmender Kompetenz.<br \/>\nJe mehr Ahnung ich bekomme (Kompetenz), desto<br \/>\nklarer wird, welchen Preis es zu zahlen gilt. Und wenn ich<br \/>\nmir \u00fcber den Preis voll bewusst bin (Stufe 3), ist mein<br \/>\nEngagement am geringsten. In dieser Phase, diesem Flaschenhals,<br \/>\ngeben die meisten auf. Doch Champions wissen<br \/>\num diese Phase und ziehen sie bis zur Phase vier durch.<br \/>\nUnd dann f\u00e4ngt alles wieder von vorne an. Das nennt man<br \/>\nauch Leben!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eines d\u00fcrfen Sie dabei jedoch bitte nicht vergessen:<br \/>\nDas wenigste, was wir den lieben langen Tag machen, ist<br \/>\nK\u00fcr. Die t\u00e4glichen Pflichten werden nie weniger, egal, wie<br \/>\ngut Sie irgendwann sind. Aber da Pflicht und K\u00fcr zusammengeh\u00f6ren,<br \/>\nist es umso wichtiger, dass wir beides lernen<br \/>\nmit Freuden zu tun. Denn ein Champion macht das, was<br \/>\ngetan werden muss. Er tut das Notwendige f\u00fcr ein bestimmtes<br \/>\nErgebnis, und nicht das, was er gerne machen<br \/>\nm\u00f6chte. Und wer das konsequent und best\u00e4ndig macht,<br \/>\ndessen Wirkung wird immer st\u00e4rker und erreicht ein viel<br \/>\nh\u00f6heres Niveau.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Berufung und Wertsch\u00f6pfung<\/strong><\/p>\n<p>Dazu eine passende Geschichte: Als Picasso 55 Jahre alt war,<br \/>\nmalte er Bilder auf einer Vernissage, und das manchmal in<br \/>\nnur 10 Minuten. Auf einer dieser Ausstellungen verkaufte er<br \/>\nein solches \u00bbSchnellbild\u00ab f\u00fcr 15 000 Dollar \u2013 in den F\u00fcnfzigerjahren<br \/>\neine enorme Summe. Als ein Journalist ihn daraufhin<br \/>\nfragte, wie er das rechtfertige, so viel Geld in so kurzer Zeit<br \/>\nzu verdienen, sagte er: \u00bbWieso rechtfertigen? Sehen Sie, was<br \/>\nSie f\u00fcr 10 Minuten halten, waren bei mir 55 Jahre, 7 Monate,<br \/>\n2 Wochen, 3 Tage, 15 Stunden und 10 Minuten.\u00ab Er hatte<br \/>\nsich sein ganzes Leben bis zu diesem Punkt entwickelt, und<br \/>\ndies war seinen Bildern anzusehen. Deshalb konnte er einen<br \/>\nso gro\u00dfen Wert f\u00fcr einen anderen in so kurzer Zeit schaffen.<\/p>\n<p>Doch auch Picassos Leben war durch t\u00e4gliche Pflichten bestimmt.<br \/>\nSie k\u00f6nnen davon ausgehen, dass bei den 55 Jahren,<br \/>\n7 Monaten, 2 Wochen, 3 Tagen, 15 Stunden und 10 Minuten<br \/>\nseines Lebens auch viel Pflicht dabei war. Wer sich mit den<br \/>\nBiografien gro\u00dfer K\u00fcnstler besch\u00e4ftigt, kann leicht nachlesen,<br \/>\nwie viel konsequente Arbeit (Pflicht) n\u00f6tig ist, bis einen die<br \/>\nMuse (K\u00fcr) k\u00fcsst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Manche sehr ehrgeizige Menschen wollen voller Anerkennungsstreben<br \/>\nschnell ganz nach oben und erkennen erst<br \/>\nauf ihrem Weg, welchen Preis es zu zahlen gilt. Vor lauter<br \/>\ninnerem Druck suchen sie st\u00e4ndig nach Abk\u00fcrzungen, wo<br \/>\nes keine gibt. Oder sie werfen ihrem Umfeld vor, ihnen im<br \/>\nWege zu stehen. Sie untersch\u00e4tzen die L\u00e4nge des Weges, wie<br \/>\nviele Pflichten, die das Obensein mit sich bringt \u2013 ob Manager,<br \/>\nK\u00fcnstler, Arzt oder Unternehmer \u2013 und dass diese ihnen<br \/>\nnicht unbedingt immer leichtfallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie tun gut daran zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob sie noch auf dem richtigen Weg zu ihrer<br \/>\nBegabung sind. Wenn sie klug oder mutig oder beides sind,<br \/>\nmerken sie noch fr\u00fch genug, dass sie viel eher zum Produktmanager<br \/>\nals zum Einkaufsleiter taugen, und wechseln die<br \/>\nSpur. Genauso ist es mit dem Studium: Nur weil Sie mit<br \/>\neinem Fach angefangen und es dann beendet haben, hei\u00dft<br \/>\ndas nicht, dass dieses Thema Ihre Berufung ist. Um welchen<br \/>\nBereich es auch immer geht: Folgen Sie Ihrer Berufung so,<br \/>\nwie Sie sie erkennen. Schritt f\u00fcr Schritt.<br \/>\nUnd noch etwas ist wichtig, um Ihrer Berufung nachzugehen:<br \/>\ndas richtige Timing und die passende Position.<br \/>\nNicht alle k\u00f6nnen und sollten H\u00e4uptling sein \u2013 berufene<br \/>\nIndianer sind genauso wertvoll. Menschen f\u00fchren liegt nicht<br \/>\njedem, und nicht alle k\u00f6nnen selbstst\u00e4ndige Unternehmer<br \/>\nsein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Gedankenexperiment: Eine berufene Schreibkraft<br \/>\nist gut in dem, was sie tut, sogar sehr gut, meckert aber<br \/>\ngerne mal \u00fcber ihre Chefin. Was sie an ihrer Stelle nicht<br \/>\nalles besser machen w\u00fcrde \u2026 Kennen Sie das? Der Klassiker:<br \/>\n\u00bbWenn ich Bundestrainer oder Bundeskanzlerin w\u00e4re,<br \/>\ndann \u2026\u00ab Ja, dann, was w\u00e4re wohl los, wenn sie nur einen<br \/>\nTag lang auf dem Chefsessel Platz n\u00e4hme? Trifft sie die ganze<br \/>\nVerantwortung, w\u00fcrde ihr schnell klar, dass sie sich einer<br \/>\nIllusion hingegeben hat und dass ihre Chefin genauso viele<br \/>\nPflichten erledigen muss wie sie auch. Und sofort wollen alle<br \/>\nwieder an ihre Arbeitspl\u00e4tze und erf\u00fcllen ihre Pflicht mit<br \/>\nFreude. Wetten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und die, die wirklich gute Chefs w\u00e4ren, haben die M\u00f6glichkeit, sich weiterzubilden, und die Chance, ihr Leben zu \u00e4ndern. Und viele verstehen ihre Vorgesetzten<br \/>\nerst, wenn sie in ihrem Leben das gleiche Level an Verantwortung tragen. So wie Kinder ihre Eltern erst besser verstehen, wenn sie selbst Kinder haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht alle geh\u00f6ren auf einen Chef- und nicht alle auf<br \/>\neinen Schreibkraftsessel \u2013 jeder geh\u00f6rt im Laufe seines<br \/>\nLebens auf seinen Platz. Hoffentlich. In einer Gesellschaft<br \/>\nkann jeder seinen Platz finden, aber Sie sollten auch so<br \/>\nehrlich sein, sich einzugestehen, wo Sie hingeh\u00f6ren und<br \/>\nwo nicht. Und genauso wichtig ist es, dass genug berufene<br \/>\nIndianer sich ihrer Pflichten bewusst und motiviert sind,<br \/>\ndenn sonst k\u00f6nnen alle H\u00e4uptlinge dieser Welt einpacken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist mein Wunsch, dass alle Menschen sich ihrer Pflichten<br \/>\nbewusst werden und Respekt vor den Pflichten anderer<br \/>\nhaben. So wie ich die Menschen respektiere, die sagen:<br \/>\n\u00bbHerr Grundl, ich bin kein Leistungstyp. Ich m\u00f6chte einfach<br \/>\nvon 8 bis 17 Uhr in Ruhe arbeiten. Sagen Sie mir einfach,<br \/>\nwas ich machen soll!\u00ab Ebenso wie diejenigen, die weiterkommen<br \/>\nwollen und bereit sind, den Preis daf\u00fcr zu zahlen.<br \/>\nWerden Sie der Chef in Ihrem eigenen Sessel \u2013 und in<br \/>\nIhrem eigenen Leben. Je deutlicher Sie Ihre Berufung erkennen,<br \/>\ndesto mehr erkennen Sie Ihren Platz und den Sinn<br \/>\ndes gro\u00dfen Ganzen. Diesen Platz in Ihrem Leben w\u00fcnsche<br \/>\nich Ihnen von Herzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie Sie morgens aufstehen ist Einstellungssache. Ich<br \/>\nnehme mir die Freiheit heraus, meine Pflicht mit Freude<br \/>\nzu erf\u00fcllen \u2013 anstatt mich oberfl\u00e4chlich des Lebens zu<br \/>\nfreuen und in den Tag hineinzuleben. Jedenfalls meistens!<br \/>\nDie Freude kommt angesichts des Tagwerks, das Sie schaffen.<br \/>\nUnd angesichts Ihres Talents; das entsteht unter anderem<br \/>\naus t\u00e4glichen Pflicht\u00fcbungen. \u00dcbernehmen Sie auch<br \/>\nVerantwortung daf\u00fcr \u2013 und seien Sie voller Freude! Erst<br \/>\ns\u00e4en, dann ernten. Und vergessen Sie nicht die Antwort<br \/>\nauf diese Frage: Was w\u00fcnsche ich mir sp\u00e4ter, einmal getan<br \/>\nzu haben?<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\n<strong>Zum Nachdenken<\/strong><\/p>\n<p>\u00b7 Wie sehr leitet Sie das Motiv \u00bbgerne tun\u00ab im Vergleich<br \/>\nzum Motiv \u00bbnotwendigerweise tun\u00ab? Wie bewusst<br \/>\nnehmen Sie Pflicht und K\u00fcr in Ihrem Leben wahr?<br \/>\n\u00b7 Welche Talente haben Sie bei sich schon erkannt und<br \/>\nzu St\u00e4rken geformt? Wie k\u00f6nnten Sie das noch intensivieren?<br \/>\n\u00b7 Wie definieren Sie den Unterschied zwischen \u00bbeine<br \/>\nSache gut zu k\u00f6nnen\u00ab und \u00bbsie gerne zu tun\u00ab?<br \/>\n\u00b7 Was w\u00fcnschen Sie sich am Ende Ihres Lebens, f\u00fcr<br \/>\nandere und sich selbst getan zu haben?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b><span style=\"color: #000000;font-family: Arial\">\u00dcber den Autor:\u00a0<\/span><\/b><span style=\"font-family: Arial\"><span style=\"color: #000000\"><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Boris_Grundl\">Boris Grundl<\/a> war F\u00fchrungskraft, ist heute Managementtrainer,\u00a0 Inhaber des <a href=\"http:\/\/www.grundl-institut.de\">Grundl Leadership Institut<\/a>. Er forscht zum Thema Verantwortung (<\/span><a href=\"http:\/\/www.verantwortungsindex.de\/\">www.verantwortungsindex.de<\/a><\/span><span style=\"color: #000000;font-family: Arial\">).<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"margin: 0px;font-family: 'Arial',sans-serif\"><span style=\"color: #000000\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_671683\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-671683\" class=\"size-medium wp-image-671683\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2019\/09\/IMG-20190906-WA0016.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-671683\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2019<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_668407\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668407\" class=\"size-medium wp-image-668407\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-668407\" class=\"wp-caption-text\">Blogger-Relevanz-Index 2018<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Boris Grundl: &#8222;Steh auf! &#8211; Das Ende aller Ausreden&#8220;.\u00a0 Grundl ist Sachbuchautor, Managementtrainer und Rollstuhlsportler &nbsp; &nbsp; Ich erf\u00fclle meine Pflicht &#8211; und bin voller Freude Ich schlief und tr\u00e4umte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2019\/08\/23\/buchauszug-boris-grundl-steh-auf-das-ende-aller-ausreden\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[8553,8562,1890,6863],"class_list":["post-671491","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-steh-auf-das-ende-aller-ausreden","tag-boris-grundl","tag-buchauszug","tag-ullstein-verlag"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/671491","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=671491"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/671491\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":671722,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/671491\/revisions\/671722"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=671491"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=671491"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=671491"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}