{"id":669736,"date":"2019-01-31T18:07:55","date_gmt":"2019-01-31T17:07:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=669736"},"modified":"2019-01-31T22:33:02","modified_gmt":"2019-01-31T21:33:02","slug":"wenn-migros-telefondaten-der-eigenen-mitarbeiter-floeht-fuenf-fragen-an-datenschutzanwalt-tim-wybitul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2019\/01\/31\/wenn-migros-telefondaten-der-eigenen-mitarbeiter-floeht-fuenf-fragen-an-datenschutzanwalt-tim-wybitul\/","title":{"rendered":"Wenn Migros Telefondaten der eigenen Mitarbeiter fl\u00f6ht &#8211; F\u00fcnf Fragen an Datenschutzanwalt Tim Wybitul"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Schwierig im Umgang &#8211;\u00a0Personalchefin (Sarah) Kreienb\u00fchl sorgt bei der Migros m\u00e4chtig f\u00fcr Unruhe&#8220; titelt das <a href=\"https:\/\/www.bilanz.ch\/unternehmen\/personalchefin-kreienbuhl-sorgt-bei-der-migros-machtig-fur-unruhe\">Schweizer Wirtschaftsmagazin &#8222;Bilanz&#8220;<\/a>. Die Rede ist von &#8222;Geheimdienst-Methoden&#8220; und dem &#8222;Vorwurf der falschen Kommunikation&#8220; der obersten Personal- und Kommunikationschefin. Die habe &#8222;auch Methoden angewandt, die an Geheimdienste erinnerten&#8220;. Im Detail: Laut \u00abHandelszeitung\u00bb seien\u00a0 Gesch\u00e4ftshandys nach Telefonaten mit Journalisten durchsucht worden. Auch E-Mail-Konten seien gescannt worden, schrieb die \u00abRepublik\u00bb. Die Handelsgruppe Migros habe dies best\u00e4tigt, das sei aber nur bei zwei Personen gemacht worden.<\/p>\n<p>In Kreienb\u00fchls Auftrag h\u00e4tten Forensik-Experten der Big-Four-WP-Gesellschaft KPMG die Handys der verd\u00e4chtigen Mitarbeiter gecheckt. Und: Die Gesch\u00e4ftsleitung und Verwaltungsrat seien nur in Kenntnis gesetzt worden, so &#8222;Bilanz&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_668975\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668975\" class=\"size-full wp-image-668975\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/10\/Wybitul.Tim-2018.neu_.Wybitul_FF_MIT.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"244\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/10\/Wybitul.Tim-2018.neu_.Wybitul_FF_MIT.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/10\/Wybitul.Tim-2018.neu_.Wybitul_FF_MIT-300x113.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/10\/Wybitul.Tim-2018.neu_.Wybitul_FF_MIT-500x188.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-668975\" class=\"wp-caption-text\">Tim Wybitul, (Foto: Latham Watkins)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dazu f\u00fcnf Fragen an Datenschutz-Anwalt Tim Wybitul von Latham Watkins:<\/strong><\/p>\n<p><strong>D\u00fcrfen Unternehmen auch in Deutschland Telefone der eigenen Mitarbeiter \u00fcberpr\u00fcfen lassen, um ein Leck zu finden?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wybitul:<\/strong> Ja, Anruflisten von Firmentelefonen darf der Arbeitgeber tats\u00e4chlich \u00fcberpr\u00fcfen. Das ist etwas Anderes, als wenn das Unternehmen die Anrufe mith\u00f6ren w\u00fcrde. Aber auch beim Auswerten von Telefon-Verbindungsdaten ist nicht alles erlaubt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und was ist nicht erlaubt bei solchen Mitarbeiterkontrollen?<\/strong><\/p>\n<p>Ganz wichtig ist: Die Mitarbeiter m\u00fcssen vorher wissen, mit welchen \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen sie zu rechnen haben. Je dringender, konkreter und wichtiger der Anlass einer solchen Kontrolle ist, desto eher kann eine Auswertung durch das Unternehmen zul\u00e4ssig sein.<\/p>\n<p>Das ist letztlich eine Abw\u00e4gung zwischen berechtigten Kontrollinteressen des Arbeitgebers und dem Recht der betroffenen Mitarbeiter auf den Schutz ihrer Daten. Vor allem darf der Arbeitgeber nur so viele Daten verarbeiten, wie er f\u00fcr die jeweilige Kontrolle tats\u00e4chlich braucht. Deutsche Gerichte schauen da sehr genau hin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Also ist es entscheidend, dass die Mitarbeiter wissen, dass ihre Telefonate und E-Mails kontrolliert werden k\u00f6nnen?<\/strong><\/p>\n<p>Transparenz ist eines der wichtigsten Prinzipien der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Die Mitarbeiter sollen die Kontrolle \u00fcber ihre Daten haben. Das setzt voraus, dass sie wissen, wie ihr Arbeitgeber ihre Daten verarbeitet. Im Klartext: Je besser ein Unternehmen seine Mitarbeiter dar\u00fcber informiert, mit welchen Kontrollen sie rechnen m\u00fcssen, desto eher darf es solche Kontrollen durchf\u00fchren. Viele Firmen informieren ihre Angestellten deshalb in entsprechenden Datenschutz-Informationen \u00fcber Compliance-Kontrollen oder andere \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wann w\u00e4re denn diese Ausforschung der Mitarbeiter-Telefonate definitiv rechtswidrig?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wenn\u00a0das Management etwa\u00a0seinen Mitarbeitern\u00a0nicht vorher gesagt\u00a0hat, mit welchen E-Mail-Kontrollen oder \u00dcberpr\u00fcfungen der gew\u00e4hlten\u00a0Telefonnummern\u00a0sie rechnen m\u00fcssen.\u00a0\u00dcber solche Datenschutzinformationen sollten die Unternehmen ihre\u00a0Mitarbeiter von Anfang an aufkl\u00e4ren: Beispielsweise \u00fcber eine\u00a0Anmeldemaske\u00a0auf ihrem PC, schon am ersten Arbeitstag.\u00a0 Auf\u00a0der sie anklicken m\u00fcssen, dass sie den Hinweis \u00fcber solche Kontrollen\u00a0gelesen und verstanden haben.<\/p>\n<p>Es reicht nicht, nur versteckt in einer Betriebsvereinbarung auf dem Firmenlaufwerk\u00a0oder mit einem Aushang am Schwarzen Brett in der Teek\u00fcche\u00a0auf diese Kontrollen hinzuweisen.\u00a0Das Unternehmen muss ja im Ernstfall\u00a0nachweisen k\u00f6nnen, dass es den einzelnen betroffenen Mitarbeiter informiert hat. Das Management\u00a0muss\u00a0bei jedem einzelnen Angestellten,\u00a0dessen Daten es pr\u00fcft, auch nachweisen k\u00f6nnen, dass er von dieser \u00dcberwachungsm\u00f6glichkeit &#8211;\u00a0jedenfalls theoretisch &#8211;\u00a0wusste. Es reicht\u00a0gerade\u00a0nicht, wenn ein Manager seiner erstaunten Belegschaft\u00a0erst im Nachhinein\u00a0mitteilt,\u00a0man wolle nunmehr\u00a0ein Leck\u00a0oder einen sonstigen Pflichtversto\u00df aufkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><b>Und derlei Datenschutzverst\u00f6\u00dfe w\u00fcrden sogar das Privatverm\u00f6gen von Top-Managern und sogar Managern auf den Ebenen darunter gef\u00e4hrden?<\/b><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit Google ein Bu\u00dfgeld von 50 Millionen Euro aufgebrummt bekam, laufen bei Datenschutzanw\u00e4lten in der EU die Telefone hei\u00df. Manche Manager haben offenbar erst jetzt begriffen, wie ernst es manche europ\u00e4ischen Beh\u00f6rden mit der DSGVO nehmen.<\/p>\n<p>Vielen F\u00fchrungskr\u00e4ften ist bis heute unklar, dass sie auch als Entscheidungstr\u00e4ger unterhalb der Top-Ebene f\u00fcr Datenschutzbu\u00dfgelder mithaften k\u00f6nnen. Die Bu\u00dfgelder gegen einzelne Manager pers\u00f6nlich k\u00f6nnen bis zu 20 Millionen Euro betragen. Und da kommen im schlimmsten Fall noch Regeressforderungen des Unternehmens oben drauf.\u00a0Dass die Beh\u00f6rden gegen gro\u00dfe Unternehmen sogar Milliarden-Bu\u00dfgelder bis zu vier Prozent vom Weltumsatz verh\u00e4ngen k\u00f6nnen, trifft am Ende auch die Boni der Manager. Bei einer H\u00f6chstsumme von bis zu vier Prozent vom globalen Umsatzes kann Einiges zusammenkommen &#8211; und manchen Manager k\u00f6nnte es den Job kosten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bilanz.ch\/unternehmen\/personalchefin-kreienbuhl-sorgt-bei-der-migros-machtig-fur-unruhe\"><strong>https:\/\/www.bilanz.ch\/unternehmen\/personalchefin-kreienbuhl-sorgt-bei-der-migros-machtig-fur-unruhe<\/strong><\/a><\/p>\n<p>https:\/\/www.juve.de\/nachrichten\/verfahren\/2018\/11\/erste-dsgvo-busse-latham-mandantin-knuddels-kommt-gut-davon<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_668407\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668407\" class=\"size-medium wp-image-668407\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-668407\" class=\"wp-caption-text\">Der neue Blogger-Relevanz-Index 2018<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Schwierig im Umgang &#8211;\u00a0Personalchefin (Sarah) Kreienb\u00fchl sorgt bei der Migros m\u00e4chtig f\u00fcr Unruhe&#8220; titelt das Schweizer Wirtschaftsmagazin &#8222;Bilanz&#8220;. 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