{"id":669364,"date":"2019-01-30T06:30:58","date_gmt":"2019-01-30T05:30:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=669364"},"modified":"2019-01-30T01:04:37","modified_gmt":"2019-01-30T00:04:37","slug":"buchauszug-hajo-schumacher-maennerspagat-wie-wir-mit-offenheit-respekt-und-leidenschaft-die-alten-rollen-ueberwinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2019\/01\/30\/buchauszug-hajo-schumacher-maennerspagat-wie-wir-mit-offenheit-respekt-und-leidenschaft-die-alten-rollen-ueberwinden\/","title":{"rendered":"Buchauszug Hajo Schumacher: &#8222;M\u00e4nnerspagat. Wie wir mit Offenheit, Respekt und Leidenschaft die alten Rollen \u00fcberwinden&#8220;"},"content":{"rendered":"<h1><\/h1>\n<h1 id=\"title\" class=\"a-size-large a-spacing-none\"><span id=\"productTitle\" class=\"a-size-large\">Buchauszug aus Hajo Schumachers &#8222;M\u00e4nnerspagat: Wie wir mit Offenheit, Respekt und Leidenschaft die alten Rollen \u00fcberwinden.&#8220;\u00a0<\/span><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_669365\" style=\"width: 444px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-669365\" class=\"size-full wp-image-669365\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/Hajo_Schumacher.2018._Copyright-Anatol-Kotte-Hamburg-Berlin-003.jpg\" alt=\"\" width=\"434\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/Hajo_Schumacher.2018._Copyright-Anatol-Kotte-Hamburg-Berlin-003.jpg 434w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/Hajo_Schumacher.2018._Copyright-Anatol-Kotte-Hamburg-Berlin-003-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 434px) 100vw, 434px\" \/><p id=\"caption-attachment-669365\" class=\"wp-caption-text\">Hajo Schumacher (Foto: Anatol Kotte)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Willkommen im\u00a0<\/strong><strong>D\u00e4monen-Zoo<\/strong><\/p>\n<p>Geht ja gut los. Ich f\u00fchle mich wie vor einer Selbsterfahrungsgruppe, eher noch wie bei einem Verh\u00f6r: ich und meine M\u00e4nnlichkeit.\u00a0Meine M\u00e4nnlichkeit und ich. Ich muss Verlegenheiten\u00a0unterdr\u00fccken. Ich h\u00f6re Frauenlachen. Warum kommt mir der<br \/>\nBegriff \u00bbM\u00e4nnlichkeit\u00ab so albern vor? Weil ich vermutlich gar nicht wei\u00df, was das ist.<br \/>\nWelche Tugend ist typisch maskulin? Ist Mut m\u00e4nnlich? F\u00fcrsorge weiblich? Was ist mit Treue, Ehrlichkeit, Ausdauer?\u00a0Und ihren h\u00e4sslichen Geschwistern wie Misstrauen, Neid,<br \/>\nK\u00e4lte, Feigheit? Ich zucke immer zusammen, sobald Frauen ein Wert zugemessen wird, den ich auch gern auf mich bezogen\u00a0h\u00e4tte. Soziale Intelligenz? Wieso ist das jetzt weiblich? Ich\u00a0kann auch telefonieren. Und warum ist Klarheit m\u00e4nnlich? Ich bin nie klar, jedenfalls nicht oft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>N\u00e4chste Frage: Woher stammt mein Konzept von M\u00e4nnlichkeit, das dar\u00fcber entscheidet, welche Tugend ich f\u00fcr maskulin\u00a0halte? Klar, von meinem Vater, meinem gro\u00dfen Bruder,\u00a0aus Schule und Sportverein, aus Film und Fernsehen, von Willy Brandt und J\u00fcrgen Hingsen, aus der abendl\u00e4ndischen\u00a0Kultur und vielen Jahrhunderten Patriarchat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber wie definiere ich meine m\u00e4nnliche Identit\u00e4t? Ganz ehrlich, ich wei\u00df es nicht so genau. Eine identit\u00e4tsstiftende\u00a0Rolle ist sicher die Vaterschaft, auch wenn der Staat manche\u00a0Versorgeraspekte \u00fcbernommen hat. Der aggressive Typus ist<br \/>\njedenfalls nicht gefragt, der ruppige Holzf\u00e4ller oder, in seiner\u00a0domestizierten Form, der Handwerker, der in der Werbung\u00a0attraktiver ist als in der Realit\u00e4t. M\u00e4nnlichkeit, so definiert\u00a0es der britische Transvestit und K\u00fcnstler Grayson Perry, sei ein \u00bbKonstrukt konditionierter Emotionen f\u00fcr Menschen mit\u00a0Penis\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und dieses Konstrukt erlebt seit einiger Zeit massive, auch widerspr\u00fcchliche Ver\u00e4nderungen. Kraft, H\u00e4rte, Wille\u00a0sind aktuell als identit\u00e4tsstiftende Eigenschaften verp\u00f6nt.\u00a0\u00bbWeichei\u00ab ist das klassische Etikett f\u00fcr M\u00e4nner, die Schw\u00e4che zeigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wom\u00f6glich befinden wir M\u00e4nner uns in einer paradoxen Lage: Je mehr wir versuchen, \u00fcber Definitionen unsere Identit\u00e4t\u00a0neu zu bestimmen, desto zuverl\u00e4ssiger tappen wir in die\u00a0alten Fallen. Wenn wir uns nicht l\u00e4nger als Nullmeridian begreifen,\u00a0an dem sich alle anderen Geschlechter definieren,\u00a0dann erscheinen wom\u00f6glich neue Spielfelder. Statt Krieger\u00a0ein sanfterer K\u00e4mpfer mit neuen, sozialvertr\u00e4glichen Zielen,\u00a0statt Machthaber besser ein verantwortungsvoller Entscheider\u00a0mit mehr R\u00fccksicht und Weitblick.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die schmerzhafte Nachricht: Eine neue Identit\u00e4t beinhaltet zwingend das Ende des patriarchalischen Denkens.\u00a0Wir M\u00e4nner sind in unserer Wahrnehmung nicht l\u00e4nger<br \/>\ndie Gr\u00f6\u00dften, sondern einige unter vielen. Die gute Nachricht:\u00a0Diese Ver\u00e4nderung ist m\u00f6glich, war vielleicht nie\u00a0einfacher als jetzt. M\u00e4nnlichkeit ist kein Marmor. Der Soziologe\u00a0w\u00fcrde eher von einem sozialen und damit fluiden Konstrukt\u00a0sprechen, vereinbart im permanenten \u00f6ffentlichen\u00a0Gespr\u00e4ch der Multiminorit\u00e4tengesellschaft, Modernisierungen\u00a0ebenso wenig ausgeschlossen wie Widerspr\u00fcche\u00a0oder R\u00fcckf\u00e4lle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich mag mich nicht in den epischen Streit zwischen Gender-Forschern und Konservativen einmischen, ob und wie\u00a0viel unver\u00e4nderliche Natur im Spiel mit diesem sozialen Konstrukt\u00a0wirkt. Zum Testosteron kommen wir noch, schon jetzt i verraten: Man kann mit dem M\u00e4nnerhormon einiges erkl\u00e4ren,\u00a0aber nichts rechtfertigen. Zumal die Forschung st\u00e4ndig\u00a0neue Eigenschaften findet. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit\u00a0dem Gen-Apparat. Die vermeintlich seit 100 000 Jahren weitgehend\u00a0\u00a0unver\u00e4nderte DNA erweist sich als Dauerbaustelle,\u00a0immer in Bewegung, nie fertig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>J\u00fcngste epigenetische Studien weisen darauf hin, dass sich Traumata, Sucht, Stress, Angst\u00a0relativ schnell im genetischen Code abbilden, aber auch wieder\u00a0verschwinden k\u00f6nnen. Die DNA scheint \u00fcber ein Ged\u00e4chtnis\u00a0zu verf\u00fcgen. Nicht entweder Umwelt oder Natur\u00a0pr\u00e4gen Mensch und Mann, sondern sowohl Umwelt als auch\u00a0Natur, in einem dauernden Wechselspiel.\u00a0Ein Baby tr\u00e4gt offenbar schon die seelischen Verletzungen\u00a0seiner Vorfahren in sich, die in seinem Leben verst\u00e4rkt oder\u00a0geheilt werden k\u00f6nnen. Die Erlebnisse des Zweiten Weltkriegs\u00a0sind gerade mal ein, zwei, drei Generationen, der Drei\u00dfigj\u00e4hrige\u00a0Krieg etwa f\u00fcnfzehn Generationen alt. Bilden sich\u00a0die Gr\u00e4uel tats\u00e4chlich im Erbgut ab und werden weitergegeben,\u00a0dann tr\u00e4gt nahezu jeder von uns noch Reste von Kriegstraumata\u00a0in sich, \u00fcberlagert von zahllosen weiteren Schichten aus Vergangenheit und Gegenwart.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Spannende Einblicke in die Unterwelt geben die sogenannten Trigger, gleichsam Piekser, die das Unterbewusstsein\u00a0im Inneren anregen und uns Dinge f\u00fchlen, sagen, tun\u00a0lassen, ohne dass wir genau wissen, warum. Warum zum Beispiel ist es mir unangenehm, wenn meine S\u00f6hne weinen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich wei\u00df es nicht. Jeden Tr\u00e4nentropfen beziehe ich auf mich. Heulen empfinde ich als manifestierte Schw\u00e4che und\u00a0Vorwurf zugleich, da kann ich noch so mitf\u00fchlend drumherumreden.\u00a0Weint meine Frau, stehe ich hilflos daneben\u00a0und f\u00fchle mich schlecht. Bestraft. Schuld. Weinen ist unfair.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00e4nner d\u00fcrfen das nur in Ausnahmef\u00e4llen, wenn sie ein\u00a0Endspiel verloren haben oder den Job, wie Gerhard Schr\u00f6der,\u00a0der sich beim finalen Zapfenstreich die Augenwinkel<br \/>\nwischte. Sinatras My Way ist ein sicherer Weg zur Emotion.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie das Weinen, so ist mir das ganze M\u00e4nnlichkeitsgegr\u00fcndel\u00a0unheimlich. Gef\u00fchle nehme ich wahr, aber ungern\u00a0lange. Wovor habe ich Angst? Wie m\u00e4chtig sind Schuld und\u00a0Scham, und woher stammen sie? Warum hat es so lange gedauert,\u00a0bis ich mir erlaubt habe, meine Bed\u00fcrfnisse wahrzunehmen\u00a0und zu \u00e4u\u00dfern? Und woher r\u00fchrt diese Panik,\u00a0Erwartungen nicht erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen? Schuld, Scham, Versagensangst \u2013 der dunkle Seelen-Dreiklang des Mannes, den\u00a0wir tapfer zu ignorieren versuchen. Doch immer wieder stimulieren\u00a0Trigger diese Reizpunkte. Manchmal gen\u00fcgt ein<br \/>\nSatzanfang wie \u00bbDeine Mutter &#8230;\u00ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Trigger sind m\u00e4chtig. Sie l\u00f6sen Reaktionen aus, meist unbewusst. Das Bild einer Spinne gen\u00fcgt, um bei Arachnophobikern\u00a0einen Panikschub zu verursachen. Der Geruch von\u00a0Kohlrouladen in einem fremden Treppenhaus kann Ekel\u00a0oder spontane Gl\u00fccksgef\u00fchle hervorrufen. Trigger sind immer gut als Filmgags. Im Jux-Klassiker Tote tragen keine Karos\u00a0dreht Steve Martin durch, sobald er das Wort \u00bbPutzfrau\u00ab<br \/>\nh\u00f6rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer seine Trigger verdr\u00e4ngt, gibt ihnen Steuerungsmacht.\u00a0Wer seine Trigger kennenlernen will, kommt nicht umhin,\u00a0seine d\u00fcsteren Seiten anzuschauen und zu erforschen, woher\u00a0manch unerkl\u00e4rlicher Wutausbruch, manches reflexartige<br \/>\nEingeschnapptsein stammt. Um den liebevoll-bestimmten\u00a0Umgang mit Triggern k\u00fcmmern wir uns im letzten Teil.\u00a0Ich habe meinen Triggern viel zu lange freien Lauf gelassen,\u00a0weil ich sie ignoriert habe. Vor dem Blick nach innen\u00a0habe ich mich immer gef\u00fcrchtet. Mein Zuhause war das Au\u00dfen.\u00a0Dann rumorte es lauter. Ich stellte fest, dass sich da in\u00a0mir nicht nur tektonische Platten verschieben, sondern auch<br \/>\nmerkw\u00fcrdige Wesen unterwegs sind, gute und b\u00f6se. Das, was\u00a0ich f\u00fcr ein solides Ich gehalten habe, war kein Fels, sondern\u00a0ein Kn\u00e4uel von D\u00e4monen, das den guten Jungen in mir \u2013 ja,\u00a0den gibt es \u2013 permanent hin- und herzerrt. D\u00e4monen sind\u00a0Viecher, die mir unentwegt meine Glaubenss\u00e4tze in die Ohren\u00a0br\u00fcllen: Du musst alles planen! Ich bin zu langsam. Du\u00a0musst zu allem eine Meinung haben! Ich kann das nicht!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Denk an deine Altersvorsorge! Dein Vater h\u00e4tte dir das nicht verziehen!\u00a0Die D\u00e4monenjagd ist Kerngesch\u00e4ft jedes Therapeuten,\u00a0sp\u00e4testens in der Burn-out-Klinik. Die einfache Frage lautet:\u00a0Welcher Satz, etwa aus der Kindheit, treibt uns unterbewusst<br \/>\n\u00fcber alle Grenzen von Vernunft und Gesundheit?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine D\u00e4monen tragen die Fratzen von Menschen oder Typen, die einst einen Glaubenssatz predigten, der bis heute\u00a0in mir nachklingt: Jungen weinen nicht! Du musst ein guter\u00a0Versorger sein! Du darfst kein Spie\u00dfer werden! Du musst erfolgreich\u00a0sein! Du darfst als Liebhaber nicht versagen! Du\u00a0musst flei\u00dfig sein! Du darfst nicht st\u00f6hnen! Du musst topfit\u00a0sein! Du darfst keine Schw\u00e4che zeigen!<br \/>\nDie D\u00e4monen steigen auf aus den Nebelschichten der Seelenlandschaft,\u00a0mal ganz sanft, mal unerwartet heftig, manche\u00a0wispern nur ganz kurz, andere r\u00f6hren dauerhaft. Zwei\u00a0Grundmodelle sind erkennbar: Von links kommen die Verbots-D\u00e4monen (\u00bbDu darfst nicht\u00ab), von rechts die Befehls-D\u00e4monen (\u00bbDu musst\u00ab). Dazwischen liegt mein Spielraum.\u00a0Der soll jetzt gr\u00f6\u00dfer werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jeder Mensch hat seine pers\u00f6nliche Kollektion von Glaubenss\u00e4tzen und damit seinen individuellen D\u00e4monen-Zoo,\u00a0der ein ganz eigenes Stressprogramm schafft. Denn Glaubenss\u00e4tze\u00a0sind Vorschriften, Verbote, Panikmache. Sie erzeugen\u00a0immer Spannung zwischen Anspr\u00fcchen und Wirklichkeit.\u00a0Glaubenss\u00e4tze zwingen zu Spagaten, immer wieder,\u00a0manchmal gleichzeitig. In der M\u00e4nnerseele ist dauernd Turnfest.\u00a0Das tut auf Dauer weh.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lange Jahre habe ich die D\u00e4monenmacht nicht wahrhaben wollen, ihre Kommandos, das meckernde Lachen. Bin\u00a0ich ein freier Mann, unabh\u00e4ngig wie in der Bierwerbung?<br \/>\nAusgeglichen wie in der Reklame f\u00fcr Balance-Duschgel?\u00a0Bullshit. Ich bin Sklave widersprechender Energien, von \u00bbIch will\u00ab bis \u00bbDu musst\u00ab. Stabile Mitte? Innere Ruhe? Eher ist es\u00a0ein hektisches Hin- und Herrennen auf einer Wippe, nur ein\u00a0hohes Tempo h\u00e4lt m\u00fchsam das Gleichgewicht. Entspannt ist\u00a0das nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was nach au\u00dfen ruhig erscheint, ist eine innere Hochgeschwindigkeitsschlacht<br \/>\nzwischen aggressiven D\u00e4monen und heroischen Abwehrman\u00f6vern. M\u00e4nnermythos gegen M\u00e4nneralltag,\u00a0Verehren gegen Verachten, asketisch gegen dauerbreit,<br \/>\nSchweigen gegen Gr\u00f6len. Immer ist es zu viel oder\u00a0zu wenig. Ich wei\u00df das eine, tue das andere. M\u00e4nner k\u00f6nnen\u00a0keine Mitte. Ich bin stolz auf diesen Satz, denn er klingt<br \/>\nso sch\u00f6n heroisch: M\u00e4nner k\u00f6nnen keine Mitte. Womit wir\u00a0bei einem zentralen Merkmal jedes Mannes w\u00e4ren \u2013 seinem\u00a0Heldenfimmel. Und der gebiert solche fundamentalen Glaubenss\u00e4tze.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-669366\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/Cover.Hajo_.Schumacher-Maennerspagat-org.jpg\" alt=\"\" width=\"439\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/Cover.Hajo_.Schumacher-Maennerspagat-org.jpg 439w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/Cover.Hajo_.Schumacher-Maennerspagat-org-203x300.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 439px) 100vw, 439px\" \/><\/p>\n<h1 class=\"a-size-large a-spacing-none\"><a href=\"https:\/\/www.luebbe.de\/eichborn\/buecher\/politik-und-gesellschaft\/maennerspagat\/id_6919225\"><span class=\"a-size-large\">Hajo Schumacher: &#8222;M\u00e4nnerspagat: Wie wir mit Offenheit, Respekt und Leidenschaft die alten Rollen \u00fcberwinden&#8220; Eichborn Verlag, 256 Seiten,20,&#8211; Euro\u00a0<\/span><\/a><\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Superman-Spagat<\/strong><\/p>\n<p><strong>Zwischen Heldenfimmel und Alltag<\/strong><\/p>\n<p>Dort, wo ich aufgewachsen bin, gab es eine umz\u00e4unte Brache mit B\u00e4umen und Str\u00e4uchern. Nat\u00fcrlich wussten wir Jungs, wo\u00a0der Zaun ein Loch hatte. Inspiriert von meinen ersten Tarzanfilmen\u00a0hatte ich ein St\u00fcck d\u00fcnne, glatte W\u00e4scheleine an einen<br \/>\nAst geknotet. Ich wollte auch an der Liane schwingen. Leider\u00a0rutschte ich ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heldentum ist oft schmerzhaft. Als Kind fieberte ich mit Robin Hood und Sir Francis Drake,\u00a0mit Winnetou, Old Shatterhand und nat\u00fcrlich Tarzan. Von\u00a0Lianen in T\u00fcmpel springen, fechten, f\u00fcr die Schwachen, gegen\u00a0die Widerlinge, echte Freundschaft und immer irgendwo\u00a0ein schmachtendes Fr\u00e4ulein \u2013 so wollte ich leben. Die Realit\u00e4t,<br \/>\neine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung f\u00fcr einen Vierpersonen-Haushalt in einem Eisenbahner-Mietshaus, peitschte\u00a0die Fantasie nur zu bunteren Bl\u00fcten. Jeder Stock wurde zum\u00a0Schwert, mein rotes Fahrrad (Rixe, 24er) zum Pferd, die\u00a0Nachbarjungs zu Schergen des Sheriffs von Nottingham. Wie\u00a0viele unschuldige \u00c4ste habe ich mit Paketschnur in einen edlen\u00a0Bogen verwandeln wollen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Weile habe ich den Tarzanruf zu imitieren versucht,\u00a0bin damit aber ebenso kl\u00e4glich gescheitert wie sp\u00e4ter mit\u00a0meinem geheimen Zigarrentraining. Mit einer l\u00e4ssig in der<br \/>\nBackentasche getragenen Mohrr\u00fcbe versuchte ich, wie Clint\u00a0Eastwood zu reden und hin und wieder auszuspucken. Es sah\u00a0leider nicht cool, sondern sehr albern aus, wie ich auf mein\u00a0Karohemd sabberte. Meine Bewunderung f\u00fcr Django wuchs\u00a0ins Unendliche. Anbeten und Scheitern \u2013 M\u00e4nner k\u00f6nnen\u00a0keine Mitte, wie wir wissen.<br \/>\nMein Heldenfimmel war mir peinlich, weil ich nat\u00fcrlich\u00a0davon ausging, dass ich als Einziger diese Macke hatte. Ich\u00a0konnte ja nicht wissen, dass viele Jungen diese Phase erleben.<\/p>\n<p>Seit der Steinzeit gilt: Die Trends wechseln, der Berufswunsch jedes Jungen bleibt \u2013 Held.\u00a0Jerry Siegel war siebzehn, als sein Vater erschossen wurde,\u00a0in seinem Laden, bei einem \u00dcberfall. Ein Jahr sp\u00e4ter, Hitler\u00a0hatte in Deutschland soeben die Macht \u00fcbernommen,\u00a0schrieb der unauff\u00e4llige Highschool-Knabe Jerry die erste<br \/>\nSuperman-Geschichte, von einem Helden, der schneller flog\u00a0als die Zeit und deswegen in Zukunft und Vergangenheit wirken\u00a0konnte, immer im einsamen Kampf gegen die M\u00e4chte\u00a0des B\u00f6sen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der traumatisierte Knabe hatte ein m\u00e4nnliches Mega-Ich erfunden, einen kompensatorischen Helden, der w\u00e4hrend\u00a0des Zweiten Weltkriegs seine ersten gro\u00dfen Erfolge sammelte,\u00a0weil er die Geschichte von S\u00f6hnen und V\u00e4tern, von<br \/>\nHeldenwelt und Tretm\u00fchle so nachvollziehbar illustriert und\u00a0f\u00fcr unseren Alltag \u00fcbersetzt hatte.\u00a0Dank Superman wuchsen selbst unsere V\u00e4ter zu Helden.\u00a0Sie glichen zwar eher Clark Kent, dem langweiligen Schreibtischmann.\u00a0Aber wir Kinder konnten uns einbilden, dass\u00a0Papi sich heimlich verwandelte, wenn er im \u00bbB\u00fcro\u00ab war, in\u00a0seiner \u00bbFirma\u00ab, im \u00bbJob\u00ab, im \u00bbLaden\u00ab, auf der \u00bbBaustelle\u00ab \u2013\u00a0allesamt Chiffren f\u00fcr Dschungel und Pr\u00e4rie, St\u00e4tten der Gefahr,\u00a0des Kampfes, wo Leistung, Durchhalten, \u00dcberleben gefragt<br \/>\nwar. Dieses Pendeln zwischen der tristen Welt des Clark\u00a0Kent und dem aufregenden Reich Supermans, das spielte ich\u00a0mit St\u00f6cken, W\u00e4scheleinen, Fahrrad nach. Unklar war nur,\u00a0mit welcher Superheldenf\u00e4higkeit ich ausgestattet war. Kraft, K\u00f6pfchen, Charme, Witz, Ausdauer, Perfektion? Das w\u00fcrde\u00a0sich herausstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Heros, das Meta-Narrativ der M\u00e4nnlichkeit, ist so\u00a0m\u00e4chtig, dass er sogar scheinbar Unm\u00e4nnliches maskulin\u00a0aufladen kann, universell, in allen Schichten und Kulturen.\u00a0Der Marlboro-Mann etwa, Archetyp des einsamen Cowboys,\u00a0brachte M\u00e4nnern weltweit das Rauchen von Filterzigaretten\u00a0bei, was lange Zeit als weich und weiblich galt. Echte Kerle\u00a0rauchten bis dahin filterlos. David Beckham f\u00fcgte dem globalen\u00a0M\u00e4nnerbild den Aspekt des Metrosexuellen hinzu, wonach\u00a0es okay ist, wenn Kerle t\u00fctenweise Klamotten, Parf\u00fcm\u00a0und Lifestyle-Schnickschnack shoppen.\u00a0Der m\u00e4nnliche Heldenfimmel spielt immer mit, selbst\u00a0beim scheinbar harmlosen Kick im Park. Noch zehn Minuten\u00a0bis zum Abpfiff, 2:2, es geht um nichts. Pl\u00f6tzlich vertrete\u00a0ich mir in einem Hasenloch den Kn\u00f6chel. Der Fu\u00df\u00a0schwillt umgehend an. Ich humple. Mein Fu\u00df fleht: \u00bbH\u00f6r\u00a0sofort auf!\u00ab Mein Kopf entgegnet: \u00bbStell dich nicht so an,\u00a0Schwachmat. Die paar Minuten wirst du ja wohl durchhalten.\u00a0Die anderen denken doch, dass ich keine Puste mehr\u00a0habe.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kurzer Check, ob Lebensbedrohliches vorliegt, Bruch oder B\u00e4nderriss. F\u00fchlt sich grenzwertig an. Weiterhumpeln.\u00a0Ein Mitspieler fragt, ob alles okay sei. \u00bbGeht schon\u00ab,<br \/>\npresse ich hervor und winke brucewillishaft ab. Ich m\u00f6chte\u00a0den Eindruck erwecken, dass ich alles gebe f\u00fcr die Mannschaft,\u00a0alles. Mit H\u00e4rte l\u00e4sst sich mangelnde Begabung bestens\u00a0ausgleichen. Einer f\u00fcr alle, alle f\u00fcr einen. Jetzt nur nicht\u00a0das entscheidende Gegentor kassieren. Die anderen werden\u00a0nichts sagen, aber ich wei\u00df, was sie denken. Exakt das, was\u00a0ich auch denken w\u00fcrde, falls jemand anders pl\u00f6tzlich humpelt:\u00a0Weichei! Anti-Held! Es geht nicht um die Mannschaft,\u00a0sondern um mein Selbstwertgef\u00fchl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kn\u00f6chel? Welcher Kn\u00f6chel?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ich sp\u00fcre nichts.<\/strong><\/p>\n<p>In meiner pers\u00f6nlichen Rangliste \u00bbHelden aus der Realit\u00e4t\u00a0\u00ab liegt Boris Becker unangefochten auf Platz eins, kein\u00a0Clooney, kein Einstein. Er ist der Prototyp des deutschen\u00a0Babyboomer-Helden, mit siebzehn aus seinem Leimener<br \/>\nDurchschnittsleben herauskatapultiert, um fortan als Projektionsfl\u00e4che\u00a0f\u00fcr M\u00e4nnlichkeiten aller Art zu dienen. Der\u00a0schmerzhafte Becker-Hecht, die riesigen gl\u00e4nzenden Pokale,\u00a0die Frauen, die W\u00e4schekammer, Trennungen, Peinlichkeiten,<br \/>\nPleiten. Zugleich das Comeback als Trainer. Die\u00a0Einsamkeit. Die Brutalit\u00e4t des Boulevards, die Bosheit von\u00a0uns allen. Das wissende Schweigen. Die disziplinierte Coolness.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was ihn im Sport erfolgreich gemacht hatte, die Finten, das Grenzentesten, Kaltbl\u00fctigkeit und Risikolust, die\u00a0Gewalt gegen sich selbst, waren im richtigen Leben nicht\u00a0zu gebrauchen. Da waren R\u00fccksicht, Kooperation, Vorsicht\u00a0und weniger Ego gefragt, Eigenschaften, die einen\u00a0Wimbledon-Sieg todsicher verhindern. Und da ist sie wieder,\u00a0die Dualit\u00e4t zwischen Held und Welt, Kernkonflikt des\u00a0Mannseins.\u00a0Auf Platz zwei meiner Heldenliste \u2013 ich habe nie Anspruch\u00a0auf Originalit\u00e4t erhoben \u2013 steht Dieter Hoene\u00df beim\u00a0Pokalfinale von Bayern M\u00fcnchen gegen den 1. FC N\u00fcrnberg\u00a01982. Fr\u00fch im Spiel ein Zusammenprall, Platzwunde, Blut auf\u00a0dem Trikot, in der Pause mit zwei Stichen gen\u00e4ht, ohne Bet\u00e4ubung.\u00a0Weitermachen. Die M\u00fcnchner liegen 0:2 zur\u00fcck.<br \/>\n\u00bbDa konnte ich doch nicht rausgehen\u00ab, sagte Hoene\u00df. Warum\u00a0nicht? Das 4:2 macht er schlie\u00dflich selbst, mit dem Kopf,\u00a0der in einem blutdurchweichten Turban steckt.<br \/>\nRang drei geh\u00f6rt nat\u00fcrlich Bastian Schweinsteiger, WMFinale\u00a02014, der epische Cut unterm Auge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was h\u00e4tte da alles passieren k\u00f6nnen. Das ist Helden doch egal. Und ich bin\u00a0noch keiner Frau begegnet, die sagte, dass der Junge lieber\u00a0h\u00e4tte aufh\u00f6ren und sich schonen sollen. Mangels milit\u00e4rischer\u00a0Idole haben wir uns auf den Sport als gesellschaftliche\u00a0Heldenakademie geeinigt, wo die gro\u00dfen Epen von Sieg und<br \/>\nNiederlage immer neu geschrieben werden. Botschaft: Was uns nicht umbringt, macht uns h\u00e4rter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir M\u00e4nner lachen. Und meinen es todernst. Vieles von dem, was ich jeden Tag an Aufgaben bew\u00e4ltige, ordne ich in\u00a0ein Heldenraster ein: Mit vier Einkaufst\u00fcten auf dem letzten\u00a0Treppenabsatz, Plastik schneidet in Finger, Beine brennen,\u00a0die letzten Stufen \u2013 das ist Die Harder. Die letzten Kilometer\u00a0beim Marathon. Nachts am Steuer auf dem Weg in die Alpen,\u00a0wenn die Familie schl\u00e4ft \u2013 der Alltag wird oft ertr\u00e4glich, weil<br \/>\ner sich unterbewusst mythologisch aufladen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Woher stammt diese unheimliche, universelle Macht der Heldenstory? Joseph Campbell hat schon vor siebzig Jahren eine aufregende Antwort gegeben. Campbell war Mythologe in\u00a0New York, beeinflusst von dem Schweizer Psychiater C. G.Jung und dessen vier m\u00e4nnlichen Archetypen: K\u00f6nig, Magier,\u00a0Verf\u00fchrer, Krieger. Campbell war ebenso fasziniert von\u00a0Thomas Mann und James Joyce wie von den Sagen der amerikanischen\u00a0Ureinwohner. Einem breiten Publikum wurde\u00a0der Forscher erst im Jahre seines Todes bekannt. 1987\u00a0wurde die Interview-Reihe The Power of Myth gesendet,\u00a0aufgezeichnet auf der Skywalker-Ranch des Star-Wars-Regisseurs<br \/>\nGeorge Lucas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Campbell hat Hollywood und das Kopfkino der Menschen in aller Welt wom\u00f6glich st\u00e4rker beeinflusst als der Gigant\u00a0Lucas, Steven Spielberg oder sonst einer der Filmzauberer.\u00a0Der Mythologe Campbell hat, basierend auf Joyces\u00a0Gedanken vom Monomythos, den Begriff der \u00bbHeldenreise\u00ab\u00a0gepr\u00e4gt, eine universale Dramaturgie, die immer und \u00fcberall\u00a0auf der Welt funktioniert. Der Dramaturg Christoph Vogler\u00a0hat die Heldenreise f\u00fcr Hollywood \u00fcbersetzt und ein Art\u00a0Universalanleitung f\u00fcr erfolgreiche Drehb\u00fccher vorgelegt, ob\u00a0Frodo, Harry Potter oder Luke Skywalker.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Campbell war ein ungew\u00f6hnlicher Wissenschaftler,\u00a0weil er die schwer zu fassende Welt der Mythologie mit der pragmatischen Klarheit einer Forschungsfrage zusammenbrachte. \u00dcber Jahre hinweg hatte Campbell Sagen und\u00a0Epen in einer globalen Metastudie gesammelt und verglichen,\u00a0ob Bibel und Dreamtime der australischen Aborigines,\u00a0Ilias und Wagners Ring, die Sagen der Indianer oder<br \/>\ndie M\u00e4rchen der Gebr\u00fcder Grimm. Das faszinierende Ergebnis:\u00a0Alle Storys folgten einem \u00e4hnlichen Muster, ganz\u00a0gleich, wo, wann und in welcher Kultur sie entstanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die\u00a0Partnerschaft von Sonne und Mond etwa findet sich in allen\u00a0Teilen der Welt.<br \/>\nDer k\u00fchne Campbell ging noch ein paar mutige Schritte\u00a0weiter: Aus den Einzelgeschichten kompilierte er eine Urstory, die vermutlich als globale kulturelle DNA in allen von\u00a0uns wohnt \u2013 die sogenannte \u00bbHeldenreise\u00ab, die faszinierenderweise<br \/>\nf\u00fcr Siegfried und Obama, f\u00fcr Kapitalismus und\u00a0Sozialismus, f\u00fcr Jesus und Asterix, f\u00fcr Ghetto und Villa, f\u00fcr\u00a0Jim Knopf und Odysseus, f\u00fcr Eingeborene und Metropoliten,<br \/>\nf\u00fcr M\u00e4nner und Frauen gleicherma\u00dfen funktioniert.\u00a0Campbells Heldenreise hat 17 Schritte:<\/p>\n<p>\u2022 Der Ruf des Abenteuers.<br \/>\n\u2022 Weigerung: Der Held zaudert.<br \/>\n\u2022 \u00dcbernat\u00fcrliche Hilfe: Mentoren treten auf.<br \/>\n\u2022 Das \u00dcberschreiten der ersten Schwelle: Die Reise beginnt.<br \/>\n\u2022 Der Bauch des Walfischs: Die Probleme werden gewaltig.\u00a0Dem Helden wird das Ausma\u00df der Aufgabe bewusst.<br \/>\n\u2022 Der Weg der Pr\u00fcfungen: Eine Reihe von Problemen ist zu\u00a0bew\u00e4ltigen, zum Beispiel als Kampf mit eigenen Widerst\u00e4nden\u00a0oder Abschied von Illusionen.<br \/>\n\u2022 Die Begegnung mit der G\u00f6ttin: Dem Helden wird die Macht\u00a0des anderen Geschlechts klar.<br \/>\n\u2022 Die Frau als Versuchung: Held oder Lebemann?<br \/>\n\u2022 Vers\u00f6hnung mit dem Vater: Dem Helden wird sein Erbe, seine Pflicht bewusst.<br \/>\n\u2022 Apotheose: Dem Helden wird seine edle Herkunft bewusst.<br \/>\n\u2022 Die endg\u00fcltige Segnung: Ein Schatz wird erobert, der die\u00a0 Alltagswelt des Helden rettet.<br \/>\n\u2022 Verweigerung der R\u00fcckkehr: Der Held z\u00f6gert.<br \/>\n\u2022 Die magische Flucht: Der Held wird zur R\u00fcckkehr gezwungen, oft als Rettung vor negativen Kr\u00e4ften.<br \/>\n\u2022 Rettung von au\u00dfen: Eine gute Tat oder ein empathischer\u00a0Gedanke des Hinwegs wird zur Rettung auf dem R\u00fcckweg.<br \/>\n\u2022 R\u00fcckkehr \u00fcber die Schwelle: Der Held trifft daheim auf Unverst\u00e4ndnis\u00a0und muss das Eroberte in den Alltag integrieren.<br \/>\n\u2022 Herr der zwei Welten: Der Held vereint Neues und Alltagswissen\u00a0und integriert damit seine innere mit der Au\u00dfenwelt.<br \/>\n\u2022 Freiheit zum Leben: Der Held hat Wachstum und Freiheit\u00a0gebracht und l\u00e4sst die Welt daran teilhaben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum, fragt die Feministin des 21. Jahrhunderts zu Recht,\u00a0sind die meisten dieser Erz\u00e4hlungen eigentlich m\u00e4nnlich\u00a0besetzt? Eine m\u00f6gliche Erkl\u00e4rung lautet, dass die Heldenreise auf dem archaischen Motiv der Initiation aufbaut, jener Transformation vom Jungen zum Mann, vom Kind zum\u00a0Krieger, zum J\u00e4ger, zum vollwertigen Sammesmitglied. Heldsein beinhaltet oft das Abgrenzen zum Weiblich-M\u00fctterlichen,\u00a0das Verlassen des Nestes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Frau ihr Erwachsenwerden biologisch eindeutig\u00a0durch Menstruation, Empf\u00e4ngnis, Schwangerschaft,\u00a0Geb\u00e4ren erleben kann, fehlen dem Jungen derlei physisch\u00a0und psychisch intensive Erlebnisse. Um den Knaben zum\u00a0Mann zu machen, wird die Transformation zum Erwachsenen\u00a0in vielen Kulturen in kunstvollen Ritualen nachgespielt.<\/p>\n<p>Diese Initiationsriten bringen oft reale Entbehrungen,\u00a0Pr\u00fcfungen und Schmerzen mit sich \u2013 ein Angsttunnel, der dem Knaben klarmacht: Mannsein ist vor allem Panik-<br \/>\nund\u00a0Schmerz-Management. Bei den Samburu in Ostafrika werden\u00a0Jungen ohne Bet\u00e4ubung beschnitten. Wer zuckt, schreit,\u00a0weint, wird nicht in die Gemeinschaft der \u00bbM\u00e4nner\u00ab aufgenommen.\u00a0Gef\u00fchlsverleugnung ist \u00fcberall auf der Welt\u00a0ein Merkmal des M\u00e4nnlichen.\u00a0Und immer wieder beliebtes\u00a0Motiv\u00a0in Literatur und Film.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dem jungen Mann wird beigebracht, dass er seine Emotionen\u00a0und Bed\u00fcrfnisse besiegen kann, wenn er nur die\u00a0Z\u00e4hne zusammenbei\u00dft. Die Selbstkontrolle ist kein Selbstzweck,\u00a0sondern eine Priorisierungs\u00fcbung: Der Krieger ist in\u00a0der Lage, den altruistischen Dienst an der Gemeinschaft \u00fcber\u00a0sein Ego zu stellen. In zahlreichen M\u00e4nnergruppen wird das\u00a0Motiv der Initiation nachgeholt, gerade so, als ob es ein Bed\u00fcrfnis\u00a0gibt, diesen mythologischen Schritt, egal in welchem\u00a0Alter, nachzuholen. Geh\u00f6rt eine wie auch immer geartete Initiation\u00a0unabdingbar zu einer gesunden, erwachsenen M\u00e4nnlichkeit? Auf die Initiation als rituelle Kontrolle ttosteronbeg\u00fcnstigter<br \/>\nAusraster gehe ich in Kapitel 3 n\u00e4her ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Heldenreise ist eine universelle Erz\u00e4hlung, die in\u00a0Frauen wie M\u00e4nnern vermutlich gleicherma\u00dfen angelegt ist.\u00a0Als Symbol des Erwachsenwerdens spricht sie aber wom\u00f6glich\u00a0vorwiegend die m\u00e4nnliche Seele an: Der Mann als labiler\u00a0Akteur in Grenzbereichen der Weltrettung, die Frau als staunende,\u00a0zweifelnde, am\u00fcsierte Rezensentin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>K\u00fchne Vermutung: Ist diese jahrtausendealte kollektive Sage von der Heldenreise wom\u00f6glich so m\u00e4chtig, dass sie\u00a0sich in unsere DNA geschlichen hat? Hat der Mann den Heroen-\u00a0Fimmel in den Genen? Was zun\u00e4chst bizarr klingt,\u00a0wird, mit aller Vorsicht, von aktuellen Forschungsarbeiten\u00a0aus der Epigenetik gest\u00fctzt. Stress, Traumata, vererbte\u00a0Denkmuster, etwa eine Heldenerz\u00e4hlung, k\u00f6nnen sich im\u00a0Blut, im Hirn, in der DNA abbilden, wie Peter Spork in seinem\u00a0Bestseller Gesundheit ist kein Zufall: Wie das Leben unsere\u00a0Gene pr\u00e4gt \u2013 Die neuesten Erkenntnisse der Epigenetik ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fragen \u00fcber Fragen: Ist die Heldenreise ein geheimes Programm, dem M\u00e4nner weltweit folgen? Ist diese Metaerz\u00e4hlung\u00a0vom Heldenmann modernisierbar, trivialisierbar, adaptierbar\u00a0f\u00fcr eine Zukunft, die mehrdimensionalere Helden\u00a0braucht als Superman oder Uwe Seeler? Und wie toxisch ist\u00a0der m\u00e4nnliche Heldenfimmel, der sich auf Lebensqualit\u00e4t\u00a0und -erwartung nicht immer positiv auswirkt?\u00a0In jeder Heldenfigur ist das Tragische eingebaut. Eines Tages\u00a0kommt der Tag des Falls. Der Held versagt. Sein Mythos\u00a0stirbt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Dualit\u00e4t von Idolisieren und Entzaubern haben\u00a0viele M\u00e4nner in der eigenen Familie erlebt, bei V\u00e4tern und\u00a0Br\u00fcdern oder bei medialen Figuren: Superschauspieler Helmut\u00a0Berger, dem alles egal war. Supermusiker Michael Jackson, der den Kopf verlor. Tarzan Johnny Weissm\u00fcller, der mit\u00a0den Nerven runter war. Old Shatterhand Lex Barker, der einen\u00a0Herzanfall erlitt und in einer Pf\u00fctze endete. Schlie\u00dflich\u00a0Superman Christopher Reeve, der seit einem Sturz vom Pferd einen Rollstuhl brauchte. Scott F. Fitzgerald sagt: \u00bbZeig mir\u00a0einen Helden, und ich schreibe dir eine Trag\u00f6die.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nichts ist grausamer, als den eigenen Heldenvater zu erleben,\u00a0wenn er besoffen heimkommt, sich den Frust von\u00a0der Seele br\u00fcllt, still weint oder einfach nur den undenkbaren\u00a0Satz sagt: \u00bbIch kann nicht mehr.\u00ab Der Heranwachsende\u00a0sp\u00fcrt, dass mit den \u00fcblichen maskulinen Parolen \u2013 \u00bbWird\u00a0schon!\u00ab, \u00bbKopf hoch!\u00ab, \u00bbGeht vorbei!\u00ab \u2013 nichts auszurichten\u00a0ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein Vater kam nie betrunken nach Hause, gleichwohl\u00a0erlebte ich eine dramatische Entzauberung \u2013 seinen \u00fcberraschenden\u00a0Tod. Krebs. Er war kein Premium-Held. Aber Sterben,\u00a0einfach so, das war auch f\u00fcr mittlere Helden undenkbar.\u00a0Ich bin sicher, dass er sich noch auf den allerletzten Metern\u00a0heftige Vorw\u00fcrfe gemacht hat, weil er glaubte, versagt zu haben,\u00a0als Versorger, als Vater, als Ehemann, als Vorbild, als\u00a0K\u00e4mpfer.<br \/>\nEiserne M\u00e4nnerregel: Den Entzauberungsmoment nie ansprechen,\u00a0sondern tief vergraben, auch wenn exakt aus diesem\u00a0Loch schon bald der n\u00e4chste D\u00e4mon kriechen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber der Erhalt der Legende geht vor. Schlie\u00dflich ist da die\u00a0Hoffnung aufs Comeback. Hat bei Rocky und dem Terminator\u00a0ja auch geklappt.\u00a0Im Heldenfimmel offenbart sich ein \u00fcberaus schmerzhafter\u00a0M\u00e4nnerspagat, der unaufl\u00f6sliche Konflikt zwischen den<br \/>\n\u00fcberm\u00e4\u00dfigen Erwartungen, mindestens die Welt zu retten,\u00a0und den Schattenseiten wie Schw\u00e4che, Angst, Scham, Einsamkeit.\u00a0Breaking Bad und Magnolia, Schicksale wie der aussichtslose\u00a0Kampf von \u00bbThe Greatest\u00ab Muhammad Ali gegen\u00a0Parkinson oder die inneren Konflikte des Tatort-Kommissars\u00a0Faber offenbaren das ewige Dilemma, vom Motiv des Alleinseins\u00a0zus\u00e4tzlich dramatisiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gibt es einen heroischeren Alltagssatz als: \u00bbDas kriege ich allein hin\u00ab? Und wie oft ist\u2019s gelogen? Wer will schon wirklich lange allein sein? Spontane Panik. Kennt nicht jeder diese Figur\u00a0des leicht teigigen Mannes Mitte drei\u00dfig, Hoodie, Zopf,\u00a0der lange, technische Vortr\u00e4ge halten, Inhaltsangaben zu jeder TV-Serie liefern kann und allein wohnt? Leise h\u00f6hnen\u00a0die D\u00e4monen: Bald lebst du auch so. Das Drama des einsamen<br \/>\nK\u00e4mpfers, gescheitert am Erwartungsdruck, wird uns\u00a0noch in zahllosen Spielarten begegnen.\u00a0M\u00e4nner m\u00f6gen das Thema nicht. Es gilt der Imperativ des\u00a0kategorischen Verdr\u00e4ngens. Lieber ein paar Witze machen.\u00a0Rasch das Thema wechseln. Und Respekt f\u00fcr Gunther Sachs\u00a0\u00e4u\u00dfern, der die Cojones hatte, sich einen Pistolenlauf an den\u00a0Kopf zu halten. Schw\u00e4che zeigen, das bringt doch nichts. In\u00a0der Schule habe ich den ersten Selbstmord eines Jungen erlebt,\u00a0in der Uni den zweiten, im Freundeskreis unl\u00e4ngst den\u00a0dritten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einen Beitrag leistet wom\u00f6glich dieser kollektive M\u00e4nnerfimmel vom stillen Dulden. \u00bbNur ein Kratzer\u00ab, sagt jeder angeschossene\u00a0Mann, auch wenn er sich soeben einen Steckschuss\u00a0in die Herzkammer eingefangen hat. Schweigen unter\u00a0Folter, eiserne Knasth\u00e4rte, den bewusstlosen Kameraden auf\u00a0der Schulter durch die Sahara schleppen \u2013 und niemals aufgeben.\u00a0Wird schon. Der Mythos vom Durchhalter beg\u00fcnstigt\u00a0die Selbstvernachl\u00e4ssigung. Wer um letzte Dinge k\u00e4mpft, hat\u00a0keine Bed\u00fcrfnisse. Frauen gehen zum Arzt, M\u00e4nner sterben.Was ist das Leben schon gegen den Lohn des Helden, ewigen\u00a0Ruhm? Wir erz\u00e4hlen uns die Geschichten des Polarforschers<br \/>\nErnest Shackleton, wie er seine Mannschaft durchbrachte,\u00a0nachdem das Schiff im Packeis verloren war. 500\u00a0See- und Eistage hatten die M\u00e4nner schlie\u00dflich hinter sich, in<br \/>\ndenen der selbstlose Kapit\u00e4n Shackleton seine Handschuhe\u00a0verliehen hatte, was ihn ein paar Finger kostete. Oder Admiral\u00a0Nelson, der sich in der ruhmreichen Seeschlacht bei Trafalgar\u00a0den gegnerischen Scharfsch\u00fctzen derart ungesch\u00fctzt\u00a0darbot, als wollte er mit dem Tod ewigen Ruhm erlangen:\u00a0gefallen im Sieg gegen Napoleon, in jenem Gefecht, dessen\u00a0Strategie er auskl\u00fcgelte und das das britische Jahrhundert<br \/>\nbegr\u00fcndete. Geschichte wird mit dem Blut von Helden geschrieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Idealisieren von Tod und Leid ist zentrale S\u00e4ule des Heldenfimmels. Sich bei der Tour de France zu Tode radeln wie\u00a0Tom Simpson? Im Himalaya erfrieren? Aus dem Weltraum\u00a0zur\u00fcck auf die Erde springen? \u00bbDer Mann behandelt seinen\u00a0K\u00f6rper wie eine Flachzange\u00ab, sagt Ralf B\u00f6nt, Autor von Das\u00a0entehrte Geschlecht. Wir wiederholen bis heute Evergreens\u00a0wie \u00bbSchmerz ist, wenn Schw\u00e4che den K\u00f6rper verl\u00e4sst\u00ab und<br \/>\nbewundern Marathonl\u00e4ufer, Extrembergsteiger, Weltumsegler,\u00a0Start-up-Million\u00e4re und Das-schaffe-ich-schon-Rackerer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer wagt, auf seinen meuternden K\u00f6rper zu h\u00f6ren, ist ein\u00a0Weichei. F\u00fcnfmal mehr Jungen als M\u00e4dchen sterben an Diabetes, weil das Pr\u00fcfen als uncool gilt. Leben M\u00e4nner auch\u00a0deswegen etwa f\u00fcnf Jahre k\u00fcrzer als Frauen? Warum verschwindet\u00a0in Kibbuz und Kloster der Unterschied der Lebenserwartungen?<br \/>\nDrau\u00dfen wispern die D\u00e4monen: Doomsday! Abrechnung!\u00a0Genug ist genug! \u00bbEs kommt der Tag, da will die S\u00e4ge\u00a0s\u00e4gen\u00ab \u2013 v\u00f6llig hohl, aber urm\u00e4nnlich, dieses Motto aus Jede<br \/>\nMenge Kohle, dem Ruhrpott-Epos von 1981. Die S\u00e4ge will s\u00e4gen\u00a0\u2013 was genau wollen uns diese Worte sagen? Muss getan\u00a0werden, was getan werden muss? Ein Mann, ein Wort? Heldentexte\u00a0legitimieren jeden Unsinn, S\u00e4gen, Foltern, Vernichten.\u00a0Einer muss es ja tun. Die Mission. Alternativlos.\u00a0Kann uns Normm\u00e4nnern nat\u00fcrlich nicht passieren, oder?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon mal eine Grillwurst mit den Fingern vom Rost geangelt, w\u00e4hrend die Partnerin die Zange reichte? Klar. Bierflasche\u00a0mit ungew\u00f6hnlichen Methoden ge\u00f6ffnet? Logisch. Trotz\u00a0unklaren Wetters losgewandert in die Berge, unvern\u00fcnftig\u00a0schnell nachts \u00fcber die Landstra\u00dfe gebrettert? Eben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das &#8222;British Medical Journal&#8220; fragt, warum vor allem M\u00e4nner\u00a0v\u00f6llig irrsinnige Risiken eingehen, auf Autobahnmittelstreifen\u00a0balancieren oder an steilen Klippen turnen. Ist es die\u00a0Sucht nach Anerkennung oder Prahlerei mit der Furchtlosigkeit?\u00a0Auch. Aber zentrale Triebfeder ist am Ende wom\u00f6glich\u00a0der Heldenfimmel, der am einfachsten als Gegenteil von Vernunft zu erkl\u00e4ren ist. Unter Wissenschaftlern kursiert eine\u00a0scherzhafte Erkl\u00e4rung, die Male Idiot Theory (MIT), wie der\u00a0legend\u00e4re Darwin Award ist sie Menschen gewidmet, die auf\u00a0absolut hirnrissige Art ums Leben kommen. \u00dcberwiegend<br \/>\nM\u00e4nner nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gilt das Paradox: Vieles von dem, was den Mann zum\u00a0Mann macht, bringt ihn auch um. \u00bbMannsein\u00ab, so Walter\u00a0Hollstein, \u00bbist hochriskant.\u00ab Ob die Akteure im Darknet,<br \/>\nob Terroristen, Hardcore-Gamer, Hooligans, Soldaten,\u00a0G20-Steineschmei\u00dfer, Sportheroen \u2013 \u00fcberwiegend M\u00e4nnergeschichten.\u00a0Und sie werden immer und \u00fcberall weitererz\u00e4hlt.\u00a0\u00bbM\u00e4dchen sind verletzlich, Jungs sind stark\u00ab, ergab<br \/>\n2017 eine Studie der Johns Hopkins University, erhoben in\u00a0f\u00fcnfzehn L\u00e4ndern, in mehreren afrikanischen Nationen,\u00a0in\u00a0China, Indien, USA, \u00c4gypten, Schottland und Belgien. Die\u00a0Legende vom harten Kerl werde in allen Kulturen und sozialen\u00a0Schichten wiederholt, von Geschwistern und Eltern,\u00a0Mitsch\u00fclern und Lehrern, Trainern und Geistlichen,\u00a0sagt Studienleiter Robert Blum. Normabweichler wiederum w\u00fcrden bestraft. M\u00e4nner verstehen oft erst im Sterben, dass\u00a0sie wom\u00f6glich den falschen Heldenstorys hinterhergelaufen\u00a0sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Heldenerz\u00e4hlung, der Kampf bis zum Letzten, all diese archaischen Motive haben in der \u00bbpostheroischen Gesellschaft\u00a0\u00ab, wie der Historiker Herfried M\u00fcnkler sie nennt,<br \/>\nihren Glanz verloren. Der Philosoph Christoph T\u00fcrcke betont\u00a0die Vorbildfunktion des Heroen, beobachtet aber gleichzeitig,\u00a0wie der Heldenkult von kriminellen M\u00e4nnerb\u00fcnden\u00a0gekapert und missbraucht wird.\u00a0Es ist Irrsinn, mit einem Flugzeug in ein Hochhaus zu\u00a0fliegen,\u00a0aber: Die Tat erfordert eine geh\u00f6rige Portion Mut.\u00a0Sich mit einer Knarre in eine Menschenmenge zu stellen, um\u00a0sich zu ballern und ganz sicher zu wissen, dass man diesen\u00a0Ort nicht lebend verlassen wird, ist zu verachten, aber gewiss<br \/>\nnicht als \u00bbfeige\u00ab zu bezeichnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Islamisten und andere Attent\u00e4ter fordern die moderne\u00a0Gesellschaft an einer empfindlichen Stelle heraus. Wer w\u00fcrde\u00a0sich opfern f\u00fcr die Idee von Pluralit\u00e4t und Freiheit? Heldentum,\u00a0das bedeutet nichts anderes als Opferbereitschaft. \u00bbHerakles<br \/>\n\u00ab hei\u00dft: \u00bbDer von Hera zum Opfer Berufene\u00ab. Insofern\u00a0wird die Frage direkt an uns M\u00e4nner gestellt. Und negativ beantwortet:\u00a0Fr\u00fche Tode, auf welchem Schlachtfeld auch immer,\u00a0werden nicht mehr so gern gesehen.<br \/>\nWelche Heldenerz\u00e4hlungen taugen dem modernen Mann\u00a0als Vorbild? Das mutige Eingreifen in der S-Bahn? Den Jahresurlaub\u00a0f\u00fcr ein Aufforstungsprojekt im Regenwald drangeben?\u00a0Der Familie zuliebe einen hochdotierten Job sausen lassen?\u00a0Hier entstehen die alltagstauglichen Heldenerz\u00e4hlungen\u00a0der Zukunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sch\u00f6n, wenn wir unseren Kindern Programmieren und\u00a0Querfl\u00f6te beibiegen. Was ist mit dem Lernen am Modell, den Vorbildern au\u00dferhalb des YouTube-Kosmos? Wo sind die,<br \/>\ndie f\u00fcr eine \u00dcberzeugung einstehen, die Zivilcourage zeigen, die Einbu\u00dfen oder Nachteile in Kauf nehmen, um der guten\u00a0Sache zu dienen? Nicht G\u00f6tzen zum hirnlosen Anbeten,\u00a0sondern Bewahrer des Guten. Da bieten wir unseren S\u00f6hnen\u00a0bestenfalls die Idole der Computerspielwelt an. Oder Fu\u00dfballer, die mit der Vollj\u00e4hrigkeit schon Million\u00e4re sind. Und was\u00a0macht der Heldenpapa? Guckt Sportschau. Den d\u00fcrfen wir<br \/>\njetzt nicht st\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An dieser Stelle eine kleine Aufgabe: An einem der\u00a0n\u00e4chsten Wochenenden, wenn wieder versch\u00e4rfter Hobbydienst\u00a0ansteht, einfach die vielen wichtigen Verpflichtungen<br \/>\nsein lassen, sogar den Fu\u00dfball. Stattdessen nichts weiter\u00a0als auf einem St\u00fcck Papier die drei gr\u00f6\u00dften \u00c4ngste notieren\u00a0und dazu jeweils den einen Satz, der mit der Angst immer\u00a0und immer wieder durch den Kopf schie\u00dft. Mein langj\u00e4hriger\u00a0Favorit: \u00bbIch habe Angst, meine Familie nicht ern\u00e4hren\u00a0zu k\u00f6nnen.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und sonst? Nichts weiter. Nur die drei \u00c4ngste, ganz in\u00a0Ruhe. Und sacken lassen, vielleicht eine Runde spazieren gehen und hinterher sp\u00fcren, was los ist. Wenn es stimmt, dass\u00a0die Schatten umso m\u00e4chtiger sind, je unbekannter und verdr\u00e4ngter<br \/>\nsie wirken d\u00fcrfen, dann k\u00f6nnte diese kleine \u00dcbung\u00a0einen guten Schritt Richtung Erleichterung bedeuten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Sehnsuchts-Spagat\u00a0Zwischen Pflicht und ungelebtem Leben\u00a0Wenn ich mir den Tod vorstelle, dr\u00e4ngen gro\u00dfe Bilder in meinen\u00a0Kopf: der einsame Kampf in den letzten Stunden \u2026 ein Geheimcode,\u00a0der mit dem letzten Atemzug verraten wird \u2026 ein Holzboot\u00a0mit der Leiche gleitet auf den See. M\u00e4nner sterben nicht\u00a0einfach so, sondern dramatisch: durch eine Kugel aus dem Hinterhalt,\u00a0im heroischen Kampf, immer zu fr\u00fch. Und sofort kommt\u00a0die Frage auf: Ob ich wohl einen stolzen Abgang hinlege?<br \/>\nImmer, wenn ein Freund stirbt, dann stelle ich mir vor, ich sei\u00a0auch gerade gestorben. Interessante Fragen, die da hochkommen:\u00a0Was werden meine N\u00e4chsten auf der Trauerfeier \u00fcber\u00a0mich sagen? \u00bbEr war ein echter Kerl, ein ganzer Mann, mutig,<br \/>\nentschlossen, ein K\u00e4mpfer f\u00fcr das Gute und Wahre\u00ab? Bestimmt\u00a0nicht. Sagt jemand die Wahrheit, vom Schisser und\u00a0Anpasser? Von einem Mann, der nie so ganz richtig Mann<br \/>\nwar, sondern viel zu oft ein Erwartungserf\u00fcllungsdienstleister?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bitte nicht. Neulich habe ich tats\u00e4chlich fantasiert, ob es Rabatt f\u00fcr die Todesanzeige gibt, weil ich doch so lange bei\u00a0der Tageszeitung gearbeitet habe. Geld, Kosten, Ausgaben \u2013\u00a0das ewige Thema des Versorgers. M\u00e4nnlich?\u00a0Ich habe Angst, dass die ganze, brutale Wahrheit ans Licht\u00a0gezerrt wird \u00fcber einen \u00fcberforderten Egomanen, der Antworten\u00a0zu haben vorgibt, obgleich er nicht mal die richtigen\u00a0Fragen stellt. Einer, der sich vom Schiss um den eigenen Job,\u00a0die Kinder und die Beziehung zerfressen l\u00e4sst. Ich will ein\u00a0Pferd und die Pr\u00e4rie.\u00a0Wo ist der Kerl von fr\u00fcher geblieben? War er je da?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie wird wohl meine letzte Bilanz aussehen, kurz vor dem Sensenhieb, wenn es endlich ehrlich zugeht? Was werde ich bereuen? Den Sicherheitswahn. Das unerf\u00fcllte schwarze Loch\u00a0der Sehnsucht. Das schlechte Gewissen, diese Welt nicht ein\u00a0wenig besser gemacht zu haben. Die lebenslange Furcht davor,\u00a0einfach mein Ding zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mein Ding, mein Ding \u2026 was soll das \u00fcberhaupt sein?\u00a0Bauernhof mit Schnurtelefon, Slum-Doktor, Tantra in Goa,\u00a0Globalisierungskritiker, mit dem Rad um die Welt? Wo<br \/>\nkommen wir denn da hin? Wir kennen doch die Geschichten,\u00a0wie solche Flausen enden. Jetzt mal h\u00fcbsch auf dem Boden\u00a0bleiben. Lief doch gut, die ersten f\u00fcnfzig Jahre. Wohlgeratene\u00a0S\u00f6hne, eine kluge, sch\u00f6ne, geduldige Frau, die ein\u00a0Vierteljahrhundert mit mir aush\u00e4lt, ein Auskommen, Lebensversicherung\u00a0und neulich Prostata-Vorsorge ohne Auff\u00e4lligkeiten.\u00a0Ich m\u00fcsste dankbar sein, sehr dankbar. Bin ich aber nicht.\u00a0Stattdessen dieser hartn\u00e4ckige Reflex \u2013 schlechtes Gewissen.\u00a0\u00bbDu bist undankbar!\u00ab Das warf mir mein Vater zum ersten\u00a0Mal vor, als Adenauer gerade abgetreten war. Ich bin randvoll<br \/>\nmit diesen S\u00e4tzen, wie ich zu sein, was ich zu denken, zu\u00a0f\u00fchlen, zu machen habe. Tu das! Lass das! Das ist falsch! Das\u00a0geht nicht! Und morgen das Gegenteil. Wer bin ich? Was bin\u00a0ich? \u00dcberall Widerspr\u00fcche und Apokalypsen. Wie zwanzig,drei\u00dfig, vierzig weitere Jahre durchhalten trotz wachsender\u00a0Ersch\u00f6pfung von K\u00f6rper, Geist und Seele?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In kurzer Zeit haben sich drei M\u00e4nner aus meinen Leben verabschiedet, die mir wichtig waren, jeder auf seine Art. Lars\u00a0starb mit f\u00fcnfzig v\u00f6llig \u00fcberraschend auf dem OP-Tisch; eine\u00a0unentdeckte Herzgeschichte. Markus, knapp sechzig, verlor\u00a0im Kampf gegen den Krebs. Die Strahlenkanone hatte seinen\u00a0K\u00f6rper zu einem H\u00e4uflein zusammengeschossen, sein Herz wuchs zugleich ins Gigantische. Ein L\u00f6we. Georg schlie\u00dflich,\u00a0\u00fcber achtzig, hatte sich in das unheimliche Land Demenz\u00a0verabschiedet. Er war f\u00fcr sich, aber durchaus fr\u00f6hlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese drei repr\u00e4sentierten die bunte Welt des Mannseins:\u00a0schwul\/hetero, Ost\/West, Kriegszeuge\/Wirtschaftswunderkind,\u00a0Familie\/Kinder, angestellt\/freiberuflich, Feierbiest\/B\u00fccherwurm, Silberne Hochzeit\/Single, laut\/leise, polyamor\/monogam (angeblich), Bausparer\/Hipster, muskul\u00f6s\/leptosom,\u00a0geschieden\/verwitwet. Soziodemografisch nahezu alles\u00a0dabei. Mit allen dreien habe ich Abschiede, \u00c4ngste, letzte Einsichten erlebt und oft auch beredet. Und alle drei haben\u00a0mich best\u00e4tigt, mich auf die Suche nach dem Mann in mir zu\u00a0begeben. Denn sie haben einen anstrengenden Spagat gelebt:\u00a0Alle wussten, zumindest intuitiv, was ihnen zu einem erf\u00fcllteren\u00a0M\u00e4nnerleben fehlte. Aber sie haben dieses Wissen ignoriert.<br \/>\nDas soll mir nicht passieren.\u00a0So unterschiedlich ihre Leben verlaufen und ihre Werte<br \/>\nausgepr\u00e4gt waren, so \u00e4hnlich war ihr Verhalten auf den letzten\u00a0Metern: Bei allen fiel die Maske. Keine Status-Show mehr,\u00a0weder gro\u00dfe Klappe noch beredtes Schweigen, kein Wort\u00a0\u00fcber Autos, Fu\u00dfball, ETFs, all die Dinge, die M\u00e4nner angeblich\u00a0brauchen. Alle drei zeigten sich mutig in all ihrer Verletzlichkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie weinten, hatten Angst, suchten Kl\u00e4rung, N\u00e4he, Vergebung. Sie hatten ihre R\u00fcstungen abgelegt. Sie redeten\u00a0und zeigten Gef\u00fchle, was M\u00e4nner angeblich ja nie tun.\u00a0Sie lie\u00dfen den Druck erahnen, den sie ihr Leben lang versp\u00fcrt\u00a0hatten. Sie wagten es, ihr maskiertes Leben zu offenbaren,\u00a0sie gaben zu, dass sie viel zu oft gegen ihre Gef\u00fchle, ihre\u00a0Bed\u00fcrfnisse gelebt und stattdessen Erwartungen erf\u00fcllt, Rollen\u00a0gespielt hatten: Steh deinen Mann!<\/p>\n<p>Sie berichteten von einer lebensl\u00e4nglichen Einsamkeit,\u00a0von der Scham f\u00fcr Gef\u00fchle, die sie f\u00fcr Schw\u00e4che hielten, von\u00a0der unspezifischen Traurigkeit, der Wut, der Verzweiflung,<br \/>\ndiesem m\u00e4nnlichen Giftcocktail, der mir so vertraut war, den\u00a0wir aber von zerschrammten Kinderbeinen an gelernt hatten\u00a0zu verdr\u00e4ngen und zu verschleiern. Auf den letzten Metern\u00a0hatten Georg, Markus und Lars den Zugang zu ihrer inneren\u00a0Welt gefunden, die ihnen ihr Leben lang verborgen geblieben\u00a0war: eine Welt ohne Maskerade. Mit meiner Neigung\u00a0zum Drama bildete ich mir ein, ein Erbe, ein Verm\u00e4chtnis,\u00a0einen Auftrag zu erhalten, der lautete: Warte nicht so lange wie wir. Guck dir deine Giftf\u00e4sser an, du hast doch auch genug davon im Seelenkeller. Lass die Show und h\u00f6r auf deine\u00a0wahren Bed\u00fcrfnisse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der zunehmend demente Georg hatte in der gro\u00dfen Alzheimer-Lotterie ein vergleichsweise gl\u00fcckliches Los erwischt,\u00a0eine freundliche Form der Krankheit. Sein Leben lang war Georg eher grummelig und introvertiert gewesen, sehr ernst,<br \/>\nbescheiden, freudlos-protestantisch, gerade so, als wollte er\u00a0sich selbst bestrafen, f\u00fcr was auch immer. Georg entstammte\u00a0einer bildungsb\u00fcrgerlichen Familie mit Professoren und anderen\u00a0Gelehrten, die ihm immense Traditionspflichten aufgeladen<br \/>\nhatte. Doch traumatische Kriegserlebnisse als Junge,\u00a0die nie bearbeitet worden waren, hatten ihn versch\u00fcchtert\u00a0und verkapselt; sein Studium hatte er nicht beendet. Georg<br \/>\nlebte unter dem unmenschlichen Druck, den Erwartungen\u00a0seiner Dynastie nicht gerecht geworden zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Lockerheit von Achtundsechzig war spurlos an ihm\u00a0vor\u00fcbergegangen. Georg war zeitlebens verklemmt und verstockt,\u00a0fand immer einen Grund, sich zur\u00fcckzuziehen oder<br \/>\nzu sch\u00e4men, vor allem f\u00fcr Vergn\u00fcgungen. Sport, Sonnenbaden,\u00a0Konzerte, Feiern \u2013 alles Emotionale oder gar Erotische\u00a0war ihm unheimlich, Freude suspekt. Er hatte sie nicht verdient,\u00a0fand er.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun pl\u00f6tzlich, als die Krankheit die Diktatur der D\u00e4monen niedergerungen hatte, entdeckte er die Freundschaft zu\u00a0sich, seinem K\u00f6rper, seinen Bed\u00fcrfnissen. Wie befreit sang und lachte er, zog sich pl\u00f6tzlich aus, spielte bisweilen hemmungslos\u00a0\u00a0nicht mehr. Wer vermag zu beurteilen, welcher Georg der\u00a0gl\u00fccklichere, der authentischere, der m\u00e4nnlichere gewesen\u00a0ist?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Markus war einer dieser M\u00e4nner, die ich seit jeher bewunderte. Er war ein K\u00fcnstler durch und durch, keiner dieser\u00a0kreativen Arroganzlinge, sondern lebenst\u00fcchtiger Ausprobierer.\u00a0Ein St\u00fcck Holz, eine Kamera, ein Stift, ein Instrument,\u00a0eine Tastatur \u2013 was immer er vorfand, Markus machte\u00a0etwas Sch\u00f6nes, Schlaues, Dauerhaftes daraus. Er hatte eine\u00a0tolle Frau, tolle Kinder, es herrschte eine prima Atmosph\u00e4re,\u00a0wo immer er auftauchte. Ein gro\u00dfartiger Mann, er hatte alles\u00a0richtig gemacht. Dachte ich.<br \/>\nKurz vor seinem Tod berichtete Markus dann unter Tr\u00e4nen,\u00a0wie sehr er unter den Unzul\u00e4nglichkeiten gelitten hatte,\u00a0die er st\u00e4ndig empfand. Was ich f\u00fcr Kunst hielt, kam ihm ungen\u00fcgend\u00a0vor, banal. Nie hatte er einen gro\u00dfen Preis gewonnen,\u00a0einen Bestseller geschafft, irgendeine Hitliste erobert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er meinte, seine Perfektionspflicht als Mann nicht erf\u00fcllt zu haben, hatte zu wenig Erfolg, zu wenig Anerkennung, hatte\u00a0nicht gebracht, was er von sich selbst erwartet hatte. Obgleich\u00a0er unglaublich vielen Menschen Freude bereitet hatte, sah er\u00a0nur die, die er nicht begeistert hatte.\u00a0Seit seiner Kindheit hatte er die B\u00fcrde des Nicht-Gen\u00fcgens<br \/>\nmit sich geschleppt, den ewigen Imperativ des Nochmehrleistenm\u00fcssens.<br \/>\nErst im Angesicht des Todes konnte er\u00a0\u00fcber diese unsichtbare Last sprechen, \u00fcber seine Glaubenss\u00e4tze,\u00a0die ihm immer noch mehr abverlangten, die vermeintlichen<br \/>\nErwartungen, die in ihm w\u00fchlten, das unerf\u00fcllbare\u00a0Superheldensein. Eine befreundete Psychologin riet ihm zu\u00a0einer Meditation, mit der der Mensch sich selbst verzeihen<br \/>\nlernt, Frieden schlie\u00dft und Ruhe findet im Kampf mit der inneren\u00a0Peitsche. Markus hatte damit begonnen. Dann starb er,\u00a0tapfer, stark und stolz. Wir bewunderten seine W\u00fcrde; ihm\u00a0w\u00e4re es wahrscheinlich nicht gut genug gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lars war auch so einer, den ich beneidet habe, weil er scheinbar ein sozialvertr\u00e4gliches Bohemien-Leben f\u00fchrte\u00a0und jene unbefangene, hemmungslose Fr\u00f6hlichkeit verstr\u00f6mte, die festangestellte Familienv\u00e4ter an freiberuflichen\u00a0Singles verabscheuen, weil sich darin ihr eigenes ungelebtes\u00a0Leben so furchtbar pr\u00e4zise zu spiegeln scheint. Lars war<br \/>\nein fr\u00f6hlicher Schwuler, \u00bbmanchmal auch bi\u00ab, wie er gern erz\u00e4hlte,\u00a0er lebte offen polyamor, streifte durch die tollsten Berliner\u00a0Partys und die schummrigsten Klubs, er kannte die verr\u00fccktesten\u00a0Leute. Sein Job als Agent f\u00fcr Prominente hatte ihn\u00a0reich, ziemlich ber\u00fchmt und \u00fcberwiegend beliebt gemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lars lebte im dystopischen Babylon Berlin M\u00e4nnertr\u00e4ume vom Ungez\u00fcgeltsein aus. Der traut sich was, so dachte ich,\u00a0der lebt nur einmal, aber richtig. Manchmal fragt sich der<br \/>\nBausparer eben, ob er auf seinem Lebensweg immer die richtige\u00a0Abzweigung genommen hat.\u00a0Kurz vor einer Operation, die er nicht \u00fcberleben sollte,\u00a0schickte Lars eine knappe, bewegende SMS: Er habe mich\u00a0immer beneidet um meine Familie, um die N\u00e4he zu meinen\u00a0 Kindern, um die Tiefe meiner Partnerschaft. Sich selbst sah<br \/>\ner an der Oberfl\u00e4che des Lebens d\u00fcmpeln, immer mit diesem\u00a0Gef\u00fchl, vor lauter Szene-H\u00fcpfen etwas Wesentliches zu\u00a0verpassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mal abgesehen davon, ob Lars mein Leben richtig\u00a0einsch\u00e4tzte: Unsere beiden vermeintlich ungelebten Leben\u00a0passten ineinander wie Yin und Yang. Was ist eigentlich sinnloser,\u00a0als sich gegenseitig zu beneiden? Auch so eine M\u00e4nnersache\u00a0\u2013 die Jagd nach dem perfekten Leben und die Traurigkeit dar\u00fcber, dass scheinbar alles an uns vorbeil\u00e4uft, w\u00e4hrend wir die Hypothek abstottern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Scham und Schuld, der Druck von Familie oder den brutalen\u00a0eigenen Erwartungen, diese Angst, nicht zu gen\u00fcgen,\u00a0nicht richtig zu leben, der stete Antreiber im Kopf \u2013 ich<br \/>\nkonnte all diese D\u00e4monen bei Georg, Lars und Markus sehen,\u00a0h\u00f6ren, nachsp\u00fcren. Ich war nicht allein mit all diesen alten\u00a0Bekannten. Es war bewegend, diese drei M\u00e4nner in ihrer\u00a0ganzen ungesch\u00fctzten Ehrlichkeit erleben zu d\u00fcrfen. Und\u00a0ich betrachtete ihre Bilanzen als Geschenk und als Auftrag\u00a0zugleich, Spa\u00df und Tiefe am Mannsein zu empfinden, ohne\u00a0die B\u00fcrden von Evolution, Tradition, Kultur und Mindfucks<br \/>\nzu ignorieren. Ich nahm den deutlichen Hinweis wahr, nicht\u00a0erst im Sterben mit dem Aufr\u00e4umen anzufangen. Was n\u00fctzt\u00a0es dem Marathonl\u00e4ufer, wenn er auf den letzten Metern des\u00a0Rennens feststellt, dass er sein Leben lang falsch trainiert hat?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Tod der drei Freunde kam mir wie die Aufforderung zu einer Mutprobe vor. Markus h\u00e4tte gesagt: \u00bbWie lange willst\u00a0du dich noch in Arbeit und Konsum und Sucht und Grillbibeln\u00a0und Bundesligatabellen und all den anderen Ablenkungskram\u00a0fl\u00fcchten? Mach, was ganze Kerle machen: Stell\u00a0dich deinem h\u00e4rtesten Gegner \u2013 dir selbst.\u00ab<br \/>\nWas w\u00e4re, wenn ich mir meine Glaubenss\u00e4tze, meine Geschichte,\u00a0meine Pr\u00e4gungen, meine Ticks und Macken und all\u00a0die inneren Peitschen wirklich anschauen w\u00fcrde?<br \/>\nWas w\u00e4re, wenn ich das tantrische Prinzip des liebevollen\u00a0Beobachtens anwende? Was auch immer auftaucht, alles\u00a0ist willkommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was w\u00e4re, wenn ich auch unangenehme, peinliche, merkw\u00fcrdige\u00a0Gef\u00fchle etwas l\u00e4nger betrachte, ohne sofort zynisch\u00a0abzuwinken und wegzuzappen? Du hast Gef\u00fchle, aber du bist\u00a0nicht deine Gef\u00fchle.<br \/>\nWas w\u00e4re, wenn es mir gel\u00e4nge, meinen inneren Mann\u00a0als Freund zu gewinnen? Immer unter der Pr\u00e4misse: Du hast\u00a0eine M\u00e4nnlichkeit in dir, aber du bist nicht deine M\u00e4nnlichkeit.Sie kann dich steuern, wenn du das willst, sie muss das\u00a0aber nicht.<br \/>\nUnd was w\u00e4re, wenn ich sofort mit der Selbstinspektion beginnen w\u00fcrde, anstatt mich zu ermahnen, mich doch bitte\u00a0nicht so wichtig zu nehmen?<br \/>\nDie Killerfrage vor jedem Abenteuer lautet: Was kann im schlimmsten Fall passieren?<br \/>\nAntwort: nichts. Au\u00dfer dass D\u00e4monen ans Licht kommen\u00a0Na, dann los.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Defensiv-Spagat<\/strong><br \/>\n<strong>Abwehren, abwehren, abwehren<\/strong><\/p>\n<p>Sch\u00e4me ich mich? Wahrscheinlich. Weil Emotionen f\u00fcr mich\u00a0oftmals gleichbedeutend sind mit Schw\u00e4che. Das Wegschieben\u00a0unangenehmer Gef\u00fchle ist so fest in mir verankert, dass allein das Bewusstmachen schon eine gewaltige Anstrengung bedeutet.\u00a0\u00bbNa, wie geht\u2019s?\u00ab Typische M\u00e4nnerfrage, die allerdings nicht auf eine ehrliche Antwort zielt. Dann m\u00fcsste ich sagen: \u00bbNicht so doll.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine S\u00f6hne arbeiten sich gerade heftig an ihrem Vater ab. Das tut ganz sch\u00f6n weh. Meine Frau langweilt sich mit mir,\u00a0glaube ich. Und im Job erst: Die jungen Leute machen mich\u00a0fertig. Fr\u00fcher war ich immer der Dynamiker. Jetzt frage ich mich, wie ich die Jahre bis zur Rente rumkriegen soll, ohne\u00a0dass jemand merkt, wie fertig ich bin. Au\u00dferdem saufe ich zu\u00a0viel. Zu fett bin ich auch. Und dieses Ziehen im Magen wird<br \/>\nimmer schlimmer. Durchhalten, sage ich mir dann, durchhalten.\u00a0Und h\u00f6r auf zu jammern.\u00ab So w\u00fcrde eine ehrliche\u00a0Antwort lauten. Aber die mute ich maximal zwei sehr guten\u00a0alten Kumpels zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich versuche also ein bittercooles L\u00e4cheln zwischen Selbstironie und l\u00e4ssiger Tapferkeit und sage: \u00bbOch, muss ja, ne?\u00ab\u00a0So h\u00e4tte mein Vater geantwortet. Und ich habe diese<br \/>\nzwei Worte \u00fcbernommen. Immer, wenn mich jemand fragt,\u00a0wie\u2019s denn so geht, sage ich reflexartig: \u00bbMuss ja.\u00ab Ich fand\u00a0die westf\u00e4lische Lakonie eine Weile lustig, diesen selbstironischen\u00a0Alltagshelden-Blues zwischen Pflichtenhorror und\u00a0Duldsamkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00bbMuss ja\u00ab \u2013 ich bin mir nicht mehr sicher, ob diese Antwort gut ist. Sie ist eine Vermeidungsfloskel. Wer \u00bbMuss ja\u00ab\u00a0sagt, wird am Ende des Lebens keine optimistische Lebensbilanz\u00a0ziehen. Man musste ja. Aber wollte ich auch? \u00bbMuss\u00a0ja\u00ab impliziert Fremdsteuerung, jemand hat mir etwas befohlen.\u00a0Zufrieden ist, wer sein Leben in den eigenen H\u00e4nden zu\u00a0halten glaubt, sagt die Psychologie. Zufrieden sind Menschen,<br \/>\ndie sich autonom f\u00fchlen, aktiv zu entscheiden. \u00bbMuss\u00a0ja\u00ab ist passiv, die Bassline f\u00fcr das endlose Lied von Unerf\u00fcllt und\u00a0\u00dcberfordertsein durch andere: Ich h\u00e4tte so gern gewollt,<br \/>\naber ich konnte nicht. Da ist es wieder, das Heroische.\u00a0Mit dem duldsamen Heldendasein, das die Au\u00dfenwelt\u00a0bedient, kommt fast automatisch die Gef\u00fchlsreduktion, das\u00a0Vernageln der Innenwelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unsere eingebildete Mission verlangt Langmut, Disziplin, Unempfindlichkeit, Opfer, aber\u00a0kein Gejammer. Mannsein bedeutet, mit knappen Vorrat\u00a0an Emotionen zurechtzukommen. Jungen \u00fcberall auf der\u00a0Welt tr\u00fcgen eine \u00fcbergro\u00dfe \u00bbheroische H\u00e4lfte\u00ab in sich, sagt\u00a0der Harvard-Psychologe William S. Pollack, die zugleich verschn\u00fcrt\u00a0sei in einer viel zu engen emotionalen Zwangsjacke.\u00a0Mal sehen, ob der Aufwand berechtigt ist, den wir M\u00e4nner\u00a0treiben, um auf gar keinen Fall diese Gef\u00fchle an uns heranzulassen.\u00a0Einen der bewegendsten M\u00e4nnertexte hat der Moderator<br \/>\nund Lauftrainer Rafael Treite bei Facebook verfasst. Exakt\u00a0drei\u00dfig Jahre nach einer traumatischen Delle im Leben findet\u00a0er endlich die Kraft, dar\u00fcber \u00f6ffentlich zu berichten.<\/p>\n<p>Es war\u00a0der Moment, als seine Eltern ihn weggaben zu einer anderen Familie. Den Umzug bew\u00e4ltigte Rafael, sechzehn Jahre alt,\u00a0mit zwei Umzugskartons im Intercity, er trug den Abschiedsbrief\u00a0seiner ersten Freundin in der Tasche und dazu die Fahrkarte<br \/>\nf\u00fcr die Hinfahrt. R\u00fcckfahrkarte gab es keine.<br \/>\nRafael gesteht, dass er heute noch weinen muss, wenn er\u00a0an diesen Moment auf dem Bahnhof denkt. Er gibt zu, ein\u00a0sensibler Mensch zu sein, \u00bbein bekennendes Weichei\u00ab. Ich\u00a0war gefesselt von dem Mut dieses Kerls. Weil er alles auf den\u00a0Tisch packte, was wir so gern ignorieren: Angst, Einsamkeit,\u00a0Traurigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er ist jedem Suchtmittel aus dem Weg gegangen, aus Angst, dran h\u00e4ngenzubleiben, und musste sich daf\u00fcr als\u00a0Spielverderber beschimpfen lassen. Ihm hat das Laufen geholfen,\u00a0sein Leben mit den vielen Momenten des einsamen\u00a0Zweifelns zu bew\u00e4ltigen. Rafael Treite hat seine Geschichte\u00a0vor allem deswegen erz\u00e4hlt, weil ihm zu viel Neid und dummes\u00a0Gerede begegnet sind, von Menschen, die einfach nicht\u00a0wissen, wie es anderen ergangen ist. Respekt. Warum ber\u00fchrte\u00a0mich der kurze Text so? Weil diese Klarheit bei M\u00e4nnern\u00a0so selten ist, das freim\u00fctige Eingestehen dessen, was ich<br \/>\nso gut kenne und so sehr f\u00fcrchte.<br \/>\nScham \u2026 Ich gr\u00fcndele vorsichtig. Ja, da w\u00e4re was. Eine\u00a0Menge d\u00fcsterer Erinnerungen werden angesp\u00fclt: Momente\u00a0auf dem Schulhof, Garstigkeiten meiner Mutter gegen\u00fcber,<br \/>\nzahllose Anz\u00fcglichkeiten, die ich offenbar ganz allein komisch\u00a0fand. Bange Frage: Habe ich mich in meinen wenigen Jahren\u00a0als Vorgesetzter immer korrekt verhalten? Eher nicht. Abwerten,\u00a0das konnte ich gut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und da w\u00e4re noch was: Scham wegen Feigheit. Habe ich\u00a0jemals die Stimme erhoben, wenn andere in meiner Gegenwart\u00a0angemacht, runtergemacht, einfach schlecht behandelt\u00a0wurden, ganz gleich ob M\u00e4nner, Frauen, Kinder? Habe ich,\u00a0aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, weggeh\u00f6rt, gegrinst, mitgemacht?\u00a0Ja, klar. Ich war dabei. Vielleicht nicht in vorderster\u00a0Linie,\u00a0aber garantiert auch nicht im edlen Bereich. Nat\u00fcrlich<br \/>\nwar und ist die MeToo-Debatte mir unangenehm, weil ich\u00a0mich erwischt f\u00fchle. Ich kann das verdr\u00e4ngen, so wie ich es\u00a0lange gewohnt war. Oder damit umgehen. Aber wie?<br \/>\nDas Erweitern der m\u00e4nnlichen Gef\u00fchlspalette sei seine\u00a0Hauptaufgabe, sagt der gro\u00dfartige Therapeut Bj\u00f6rn S\u00fcfke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sein Buch M\u00e4nnerseelen ist ein ebenso klarer wie liebe- und\u00a0verst\u00e4ndnisvoller psychologischer Reisef\u00fchrer. Um mit den\u00a0eigenen Gef\u00fchlen umgehen zu k\u00f6nnen, muss man sie erst\u00a0einmal sehen, sp\u00fcren, wahrnehmen und bestenfalls sogar benennen k\u00f6nnen. Hier beginnt das Drama. M\u00e4nner, so S\u00fcfke,\u00a0haben durchweg eine Gef\u00fchlsblockade. Nicht weil sie dumm\u00a0oder unempathisch sind. Sondern weil sie es so gelernt haben,\u00a0Generation f\u00fcr Generation.Bj\u00f6rn S\u00fcfke sagt: \u00bbF\u00fcr uns M\u00e4nner ist das die schwerste\u00a0und gro\u00dfartigste Aufgabe \u00fcberhaupt: in den eigenen Teich zu\u00a0blicken, sich dabei nicht vom Spiegelbild der Oberfl\u00e4che beirren zu lassen, sondern in die Tiefe zu schauen, in die heimliche,\u00a0die unheimliche Innenwelt. Auf eine Entdeckungsreise<br \/>\nzu gehen, die Verborgenes zutage bringt. Und die Erkenntnis:\u00a0Dort unten, in uns drin, lauert nicht der Feind.\u00ab<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Warum aber sind diese elenden Gef\u00fchle so wichtig? Sind doch l\u00e4stig, die Dinger. \u00bbHeul nicht rum, mach weiter\u00ab, sagen\u00a0M\u00e4nner in vielen Varianten. Und das ist ungesund. M\u00e4nner\u00a0verkraften Trennungen schlechter als Frauen, trinken mehr,\u00a0fl\u00fcchten in Aggression, suchen selten nach Hilfe. Die seelischen\u00a0Verletzungen wachsen sich zu Depressionen aus oder\u00a0anderen Krankheiten. Warum leidet der Mann schweigend?<br \/>\nWeil negative Gef\u00fchle als unm\u00e4nnlich gelten, wie im Fr\u00fchjahr\u00a02018 der Fu\u00dfballer Per Mertesacker erfahren musste.\u00a0In einem Interview hatte er offen berichtet, wie sehr ihn der\u00a0doppelte Druck von \u00f6ffentlicher und eigener Erwartung\u00a0qu\u00e4lt; so sehr, dass er vor jedem Spiel massiven Brechreiz versp\u00fcrt.\u00a0Die H\u00e4me, die dem unerschrockenen Abwehrturm\u00a0daraufhin entgegenschlug, klang geradezu mittelalterlich. \u00bbWeichei!\u00ab, so lautete das Urteil vieler Fu\u00dfballanh\u00e4nger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die\u00a0SPD-Politiker Beck, Platzeck, Schulz haben \u00c4hnliches erlebt. Schw\u00e4che zeigen, das wird in der Theorie oft gefordert, aber\u00a0in der Praxis kaum geduldet.\u00a0Durchhalteparolen funktionieren in Krisenphasen, aber als dauerhafter Sirenenton verschlei\u00dfen sie sich und andere. Zufriedenheit ist das Gegenteil von Krise, ein Zustand von\u00a0befriedigten Bed\u00fcrfnissen.\u00a0Die ebenso simple wie herausfordernde Aufgabe f\u00fcr jeden\u00a0Mann: die eigenen Bed\u00fcrfnisse zun\u00e4chst einmal erkennen,<br \/>\nakzeptieren, befriedigen. Ein Mann, der sich einsam f\u00fchlt,\u00a0weil er an einem Mangel an sozialen Kontakten leidet, k\u00f6nnte\u00a0theoretisch alte Bindungen wiederbeleben und neue kn\u00fcpfen,\u00a0um seine Zufriedenheit zu erh\u00f6hen. So weit die Theorie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Praxis wird dieser Mann wom\u00f6glich viel fernsehen, im Internet trollen, AfD w\u00e4hlen.\u00a0Starke Emotionen dienen als deutlicher Hinweis, wo ein Bed\u00fcrfnis nach Aufmerksamkeit verlangt. Angst kann auf ein Gef\u00fchl des Kontrollverlusts hinweisen, Wut auf mangelnden\u00a0Lustgewinn, Trauer auf ein verletztes Selbstwertgef\u00fchl,<br \/>\naggressive Spottlust auf tiefsitzende Einsamkeit. Diese\u00a0Warnzeichen dauerhaft zu unterdr\u00fccken, f\u00fchrt zu gestauten\u00a0Gef\u00fchlen und damit wom\u00f6glich zu hartn\u00e4ckigeren, etwa psychosomatischen\u00a0Problemen wie Tinnitus oder R\u00fccken. Wer\u00a0dagegen die eigenen Gef\u00fchle und deren Ursachen lesen kann\u00a0und will, wer seine Bed\u00fcrfnisse wahrnimmt und befriedigt,\u00a0wird seine Seele gesund halten und den K\u00f6rper dazu.<br \/>\nUnsinn, entgegnet mein innerer Mann. Warum soll ich\u00a0Trauer oder irrationale Hoffnung wahrnehmen? Ist doch\u00a0Zeitverschwendung, sich mit schlechten Energien zu belasten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leider falsch. Gef\u00fchlssparsamkeit kommt einen teuer zu\u00a0stehen. Denn psychische Gesundheit bedeutet, dass sich Bewusstsein\u00a0und Emotionen in \u00dcbereinstimmung befinden. Wer traurig ist, sollte die Traurigkeit wahrnehmen und zulassen.\u00a0Der Therapeut spricht von Kongruenz. Wer Traurigkeit\u00a0dagegen verdr\u00e4ngt oder \u00fcberspielt oder niedertrinkt, der\u00a0steuert in die Inkongruenz. Entfremden sich Innenwelt und<br \/>\nBewusstsein aber dauerhaft, k\u00f6nnen die bekannten Symptome\u00a0einer Depression auftreten: Lustlosigkeit, Leere, die\u00a0gro\u00dfe Sinnfrage. \u00bbEin guter Kontakt zu seinen eigenen inneren\u00a0Impulsen verbessert per se die psychische Gesundheit\u00ab,<br \/>\nwei\u00df Bj\u00f6rn S\u00fcfke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die gute Nachricht: Zu ihren positiven Gef\u00fchlen haben die meisten M\u00e4nner Kontakt. Aber die d\u00fcsteren Emotionen\u00a0behandeln sie wie Giftm\u00fcllf\u00e4sser in ihrem Seelenkeller: Licht\u00a0auslassen, auf keinen Fall den Deckel heben. Leider wachsen\u00a0im Giftm\u00fcll die D\u00e4monen besonders gut. Und leider verst\u00e4rken\u00a0Partnerinnen den Gef\u00fchlsstau manchmal noch.\u00a0Immer wieder habe ich Partysituationen erlebt, wo\u00a0Frauen, bisweilen unter Alkoholeinfluss, die Gef\u00fchlswelt des\u00a0Mannes im Allgemeinen und des eigenen Mannes im Besonderen\u00a0herablassend kleinreden, was zu Lachern und Fremdsch\u00e4men<br \/>\nzugleich f\u00fchrt. Manche M\u00e4nner beeilen sich auch noch, das Narrativ vom emotionalen Einzeller zu best\u00e4tigen,\u00a0kn\u00f6pfen das Hemd auf und zeigen das Trikot vom Lieblingsverein,\u00a0das sie drunter tragen. Das muss reichen als Gef\u00fchlswelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gern wird auch die Nussknacker-Story genommen: Der\u00a0hilflose Mann tr\u00e4gt seinen edel-weichen Kern unter einer\u00a0rauen Schale. Die notorisch helfende Frau versucht sich unerm\u00fcdlich\u00a0als Nussknackerin. Dann der magische Moment:\u00a0Sie bricht den Panzer auf und befreit das sch\u00f6ne, sanfte Innere,\u00a0das nun f\u00fcr immer offen daliegt. Ewiges Gl\u00fcck f\u00fcr<br \/>\nbeide. Die Frau als heroische Expeditionsleiterin, als Indiana\u00a0Jane, der Mann in seiner Paraderolle als gutm\u00fctiger Trottel,\u00a0der nicht viel merkt.<\/p>\n<p>Leider Unsinn. Erstens baut diese symbolische Geschichte auf der toxischen alten Geschlechterpolarit\u00e4t auf, zweitens\u00a0wird ein Gegensatz von b\u00f6ser, harter Schale und gutem,\u00a0weichem Kern konstruiert. Und drittens gibt es diesen magischen\u00a0Knacks nur selten. Beim Weg in die Gef\u00fchlswelt haben\u00a0wir es weniger mit dem einen explosionsartigen Moment\u00a0zu tun als vielmehr mit einer l\u00e4ngeren Wanderung, mit<br \/>\nHerantasten, Entdecken, Ausprobieren v\u00f6llig neuer Spiel und Werkzeuge, die unseren emotionalen Vorrat Schritt f\u00fcr\u00a0Schritt erweitern.<\/p>\n<p>Warum nur best\u00e4tigen wir die Story vom emotional verkarsteten Kerl so gern? Ganz einfach: Die Geschichte ist\u00a0sch\u00f6n simpel. M\u00e4nner delegieren die Verantwortung f\u00fcrs<br \/>\nEmotionale bereitwillig. Und, ehrlich, wir f\u00fchlen uns ja auch\u00a0ganz wohl damit, dass unser Erleben und Verhalten durch\u00a0den vertrauten engen Korridor von M\u00fcssen und Nichtd\u00fcrfen\u00a0f\u00fchrt. Ein reduziertes Gef\u00fchlsangebot f\u00fchrt zu mehr \u00dcbersichtlichkeit.<br \/>\nHat doch ganz gut geklappt, all die Jahre. Never touch a running system.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch. Denn die d\u00fcsteren Gef\u00fchle sind immer noch da. Und sie kratzen und rumoren. Es gibt keinerlei Hinweis\u00a0darauf, dass M\u00e4nner Freude und Stolz, Liebe und Angst,<br \/>\nSehnsucht und Scham, Wut und Einsamkeit nicht genauso\u00a0empf\u00e4nden wie Frauen. Bei M\u00e4nnern stauen sie sich nur\u00a0h\u00e4ufiger.<br \/>\nWie viel Aufwand treiben wir, um diesen toxischen Cocktail\u00a0zu kaschieren? Die Maske der M\u00e4nnlichkeit hei\u00dft ein Buch\u00a0des fr\u00fcheren Football-Profis Lewis Howes. Er hat neun Tarnkappen\u00a0f\u00fcrs Emotionale identifiziert:<br \/>\n\u2022 die Maske des Stoikers: cool und unverwundbar<br \/>\n\u2022 die Maske des Athleten: immer fit und im Wettkampf-Modus<br \/>\n\u2022 die Maske des Materialisten: rackern und sich was leisten\u00a0k\u00f6nnen<br \/>\n\u2022 die Sex-Maske: allzeit bereit, perfekte Liebesmaschine<br \/>\n\u2022 die Maske der Aggression: Wut bis Killerinstinkt. J\u00e4ger,\u00a0nicht Sammler<br \/>\n\u2022 die Joker-Maske: Ironie und Sarkasmus sind die Waffen der\u00a0\u00dcberlegenen<br \/>\n\u2022 die Alleswisser-Maske: ist ja wohl klar<br \/>\n\u2022 die Maske des Unbesiegbaren: keine Angst, Risiko willkommen<br \/>\n\u2022 die Alpha-Maske: Es gibt nur zwei Sorten M\u00e4nner \u2013 Winner\u00a0und Loser<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>L\u00e4ngst \u00fcberholt? Leider nicht. Howes zitiert die New Yorker\u00a0Lehrerin Celine Kagan, die ihren Sch\u00fclern zehn Minuten\u00a0Zeit gibt, klassische m\u00e4nnliche Eigenschaften aufzuschreiben.\u00a0Das Ergebnis: \u00bbStark, gro\u00df, hart, tapfer, weint nicht, unabh\u00e4ngig, mag Autos und Sport, hat viel Sex, guckt Pornos.\u00ab\u00a0Danke sehr, alle Stereotypen versammelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Abgetrenntsein von den eigenen Gef\u00fchlen ist unser kollektives M\u00e4nnerproblem, Grundbaustein der maskulinen\u00a0Identit\u00e4t. Gerade \u00e4ltere M\u00e4nner k\u00f6nnen Gef\u00fchle weder erkennen\u00a0noch benennen. Wie sollen sie formulieren, was sie\u00a0belastet? Woher stammt aber die universelle m\u00e4nnliche Gef\u00fchlsblockade?\u00a0Bj\u00f6rn S\u00fcfke hat vier Stufen identifiziert: das\u00a0Entfremden von der Innenwelt in der Kindheit, das Orientieren\u00a0 in die Au\u00dfenwelt, dann die Hilflosigkeit, schlie\u00dflich dauerhaftes\u00a0Unbehagen.\u00a0Entfremdung von der Innenwelt\u00a0Mit der Geburt bekommen wir einen rosa oder hellblauen\u00a0Strampler. Die gesellschaftliche Pr\u00e4gung beginnt,\u00a0das sogenannte \u00bbGendering\u00ab. Wir lernen, wer wir sind, was\u00a0wir d\u00fcrfen und sollen und was nicht. Wer sitzt am Steuer?\u00a0Wer liest abends vor? Wer ist Hooligan? Wer telefoniert\u00a0l\u00e4nger? Wer bricht sich den Arm? Wer wuchtet den K\u00fchlschrank\u00a0in den dritten Stock? Wer kocht? Wer br\u00fcllt? Und\u00a0wie sind die Rollen in Kinderb\u00fcchern, Filmen, Spielzeugl\u00e4den\u00a0verteilt?<\/p>\n<p>Diese oft stereotypen Botschaften stanzen eine Mann\/ Frau-Dualit\u00e4t in die Kinderseele. Jungen k\u00f6nnen biologische\u00a0und soziale Ph\u00e4nomene nicht trennen und verinnerlichen<br \/>\ndas Rollenspiel als unver\u00e4nderlich, ja schicksalhaft: Frauen\u00a0bekommen Kinder, Frauen tr\u00f6sten mich, wenn ich mir wehgetan\u00a0habe. Und M\u00e4nner sind drau\u00dfen, auf der Jagd. Normabweichendes\u00a0Verhalten wird bis heute zart bis hart sanktioniert,\u00a0von M\u00fcttern und V\u00e4tern, Nachbarn und Erzieherinnen,\u00a0mit Blicken und Hinweisen: Jetzt ist gut mit dem Geheule!\u00a0Bei\u00df die Z\u00e4hne zusammen! Muss ja. Training f\u00fcrs Heldenleben.<\/p>\n<p>Bis heute sind die prim\u00e4ren Bezugspersonen des Jungen \u00fcberwiegend Frauen. Und zahlreiche Studien weisen nach,\u00a0dass positive Gef\u00fchle der Jungen von den weiblichen Betreuerinnen\u00a0gespiegelt werden, negative im Vergleich zu M\u00e4dchen\u00a0dagegen eher bagatellisiert oder ignoriert. M\u00fctter zeigen\u00a0ihren T\u00f6chtern von Geburt an eine breite Gef\u00fchlspalette; die Jungs bekommen ein vergleichsweise schmales Repertoire<br \/>\nvorgesetzt.\u00a0So wird den Knaben ins fr\u00fche, weiche Seelenwachs gepr\u00e4gt,\u00a0dass sie das Gegenteil von Frauen sind. \u00bbSei doch kein M\u00e4dchen!\u00ab \u2013 diesen Satz habe ich, wenn auch scherzhaft, mehrfach\u00a0zu meinen S\u00f6hnen gesagt. Und die Botschaft war klar: Mach<br \/>\ndas Gegenteil. Denn das Weibliche, Gef\u00fchlige ist als das Anti-M\u00e4nnliche abzulehnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der kleine Mann lernt, dass seine negativen\u00a0Gef\u00fchle nicht gut ankommen. Die Pers\u00f6nlichkeit und\u00a0ihre Emotionen werden fr\u00fch getrennt und machen es dem erwachsenen\u00a0Mann so schwer, sie wiederzufinden. Die vielen Frauen der Kindheit fordern vom Knaben noch\u00a0eine weitere Transferleistung. W\u00e4hrend sich M\u00e4dchen direkt<br \/>\nmit M\u00fcttern, Erzieherinnen, Lehrerinnen als weiblichen\u00a0Leitbildern identifizieren k\u00f6nnen, wird vom Jungen eine sehr\u00a0viel komplexere Identit\u00e4tsbildung verlangt, die eine doppelte<br \/>\nNegation verlangt. Die Frau ist ein Nicht-Mann, der Junge\u00a0definiert sich also als Nicht-Nicht-Mann, wenn vorwiegend\u00a0Frauen zur Identifikation bereitstehen. Zweimal minus ergibt\u00a0plus, aber der Weg ist komplex.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Junge definiert sich mangels\u00a0Vorbildern zun\u00e4chst ex negativo.\u00a0S\u00fcfke weist auf den logischen n\u00e4chsten Schritt hin: Jungen m\u00fcssen sich eines Tages von den Frauen des-identifizieren.\u00a0Um sich abzugrenzen, werden die emotionalen Anteile,\u00a0die die Jungen \u00fcberwiegend von Frauen kennen, nun rigoros\u00a0abgespalten. So werden Angst, Trauer, Einsamkeit sehr\u00a0fr\u00fch sehr tief in den Giftm\u00fcllf\u00e4ssern versteckt. All das sind\u00a0wir M\u00e4nner ja nicht. So gewinnt der Heldenfimmel Seelenraum,\u00a0um hineinzuwachsen.\u00a0Ein einziger geerdeter Kinderg\u00e4rtner oder Grundschulp\u00e4dagoge\u00a0im Leben eines Jungen k\u00f6nnte wom\u00f6glich manche\u00a0Identifikationsprozesse von fr\u00fch an positiv ausgleichen.\u00a0Wenn \u00fcberall Quoten helfen, warum dann nicht auch beim\u00a0Personal der fr\u00fchkindlichen Erziehung? F\u00fcnfzig Prozent\u00a0Kinderg\u00e4rtner, das w\u00e4re mal ein ambitioniertes gesellschaftliches\u00a0Ziel.<\/p>\n<p>Doch selbst wenn am Anfang eines Jungenlebens mehr M\u00e4nner auftreten, wenn der moderne Vater viel \u00f6fter pr\u00e4sent\u00a0ist als bei unseren Vorfahren, so bleibt doch die Sozialisierung\u00a0durch den eigenen Erzeuger: Wie soll ein Vater seinem\u00a0Sohn den Zugang zu Gef\u00fchlen vermitteln, wenn er es selbst\u00a0nicht gelernt hat? Bislang gibt der Vater viel zu oft, wenn auch\u00a0ironisch, sein selbst gelerntes Leitbild weiter \u2013 z\u00e4h wie Leder. Traurigkeit? Wird nicht so gern gesehen. Anerkennung?\u00a0Nicht getadelt ist Lob genug. Furcht? Sei doch kein Angsthase.\u00a0Es dauert, bis gen\u00fcgend Vorbilder, positive Helden,\u00a0Identifikationshelfer herangewachsen sind.<\/p>\n<p><strong>Die Orientierung im Au\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p>Abgeschnitten von einem Teil seiner Gef\u00fchlswelt sucht der angehende Mann nun zunehmend Best\u00e4tigung im Au\u00dfen\u00a0\u2013 mein Auto, meine Jacht \u2013 und h\u00e4lt die Kellert\u00fcr geschlossen.\u00a0Die Wissenschaft spricht von Externalisierung.\u00a0Der jugendliche Held betritt den Schulhof, als Hauptdarsteller\u00a0seines eigenen Helden-Epos. Das Leben wird zum permanenten\u00a0Darstellen, Abgleichen und Kontrollieren. Der\u00a0Gang, die Klamotten. Erst Moped, dann Auto. Die Immobilie.\u00a0Status und Karriere. Trophy-Frau und Vorzeigefamilie,\u00a0Drei-Sterne-Rallye und New-York-Marathon.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und st\u00e4ndig die Frage: \u00bbWie war ich, Schatz?\u00ab So rotiert der Teufelskreis. Denn mit wachsender Orientierung ins Au\u00dfen r\u00fcckt das Innen\u00a0immer weiter in die Ferne.<br \/>\nDogmatismus und Hilflosigkeit\u00a0M\u00e4nner suchen Sicherheit gern in der evidenzbasierten<br \/>\nWelt. Zahlen, Daten, Fakten sind unverhandelbar und bieten\u00a0ein rationales Bollwerk gegen alles Emotionale. Dazu gesellen\u00a0sich h\u00e4ufig scheinbar eiserne Lebensregeln, mit einem\u00a0unpers\u00f6nlichen, gleichwohl absoluten \u00bbman\u00ab angereichert:\u00a0Da darf man keine Schw\u00e4che zeigen! Das kann man sich in\u00a0meiner Position nicht leisten! Da muss man die Kirche im\u00a0Dorf lassen!<\/p>\n<p>In langen Jahren mit Excel-Tabellen und Man-Weisheiten wachsen Distanz und Abstraktion. Das Leben wird entlang\u00a0vermeintlicher Naturgesetze gelebt, die sich zu Dogmen auswachsen.\u00a0Wen wundert es, wenn die scheinbar rational unterf\u00fctterten<br \/>\nVerschw\u00f6rungstheorien der Rechten \u2013 etwa zu\u00a0Klimawandel, Kriminalit\u00e4t oder Zweitem Weltkrieg \u2013 ausgerechnet\u00a0bei gef\u00fchlsabwehrenden M\u00e4nnern ankommen,\u00a0die nichts mehr f\u00fcrchten als den einfachen Satz: \u00bbIch habe\u00a0Angst.\u00ab Warum kommt mir jetzt der hyperkorrekte Thilo\u00a0Sarrazin in den Sinn mit seinem statistikprallen Bestseller\u00a0Deutschland schafft sich ab und seinen geradezu roboterhaften<br \/>\nAuftritten im Jahr 2010? Sarrazin hatte offenkundig\u00a0Angst, kam an dieses Gef\u00fchl aber nicht heran. Die unbewusst\u00a0gef\u00fchlte Schw\u00e4che wird \u00fcberkompensiert mit \u00dcberlegenheitsfantasien\u00a0einerseits und Abwertungen andererseits.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dilemma, Depression\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Spaltet sich der Mann dauerhaft von seinen Gef\u00fchlen ab, w\u00e4chst die Abh\u00e4ngigkeit vom Weiblichen. Denn Frauen mit\u00a0ihren Nussknackerambitionen finden den Weg in sein Inneres,\u00a0zumindest dann und wann. Diese emotionale Abh\u00e4ngigkeit wird wiederum als Schw\u00e4che wahrgenommen, die ein\u00a0Gef\u00fchl von Hassliebe zur Frau erzeugt. Ja, man liebt sie. Aber\u00a0zugleich hebe ich hilflos die Schultern, begleitet von Augenrollen\u00a0und leisem St\u00f6hnen, wenn sie wieder retten, reden, das\u00a0Emotionale hervorheben will.<br \/>\nDie unbewusste Hassliebe beg\u00fcnstigt wiederum eine Kultur\u00a0des Abwertens, durch Spott oder Ignorieren, Runtermachen\u00a0oder Gewalt. Viele Frauen, meine leider auch, hadern<br \/>\nmit diesem unspezifischen Gef\u00fchl, bisweilen nicht f\u00fcr voll\u00a0genommen zu werden, was M\u00e4nner wiederum dementieren.\u00a0War doch lustig gemeint.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Frauen kontern mit spitzen Bemerkungen\u00a0\u00fcber emotionale Defizite der Herren. Manche Paare, die privat angeblich ganz nett miteinander umgehen, f\u00fchren sich in der \u00d6ffentlichkeit aufs Peinlichste gegenseitig\u00a0vor. Killersatz zum Abschied: \u00bbZu Hause ist er ganz anders.\u00a0Aber drau\u00dfen muss die Abgrenzung sicht- und sp\u00fcrbar werden. Der Mann hat die Wahl zwischen zwei toxischen Optionen:\u00a0Dringt er zu seinen Bed\u00fcrfnissen vor, wird er als\u00a0Schlappschwanz qualifiziert und von Frauen wom\u00f6glich in\u00a0die schreckliche Kategorie \u00bbguter Freund\u00ab einsortiert, \u00dcbersetzung:\u00a0taugt nicht f\u00fcr Sex. Bleibt er seiner gelernten Abwehrstrategie\u00a0treu, schleicht sich dauerhaft Niedergeschlagenheit\u00a0ins Leben. Hat alles keinen Zweck. Mit Kindern, Karriere,<br \/>\nKonsum kann man sich eine Weile ablenken, aber die D\u00e4monen r\u00f6hren un\u00fcberh\u00f6rbar. Und bringen Sucht, Gewalt, Einsamkeit,\u00a0Narzissmus und viele andere Ekligkeiten mit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fchrt die m\u00e4nnliche Gef\u00fchlsabwehr zwangsl\u00e4ufig zur Eskalation? Ja, sagt Therapeut S\u00fcfke, solange sich an der Sozialisierung\u00a0der angehenden M\u00e4nner nichts \u00e4ndert.<br \/>\nMuss das so bleiben?\u00a0Nein, sagt S\u00fcfke. Man kann dran arbeiten.\u00a0Und wie?\u00a0Indem wir uns die Mechanismen der Gef\u00fchlsabspaltung\u00a0und ihre Herkunft bewusst machen.<br \/>\nIm Vergleich zu unseren V\u00e4tern hat sich schon eine Menge\u00a0getan. M\u00e4nner sp\u00fcren das Dilemma und suchen Hilfe. Kaum\u00a0beim Therapeuten, fl\u00fcchtet der Patient zun\u00e4chst aber gern in\u00a0die vertrauten Rollen. Da wird heruntergespielt und banalisiert,\u00a0Heldenstoff aufgetischt, Internet-Halbwissen aufgesagt.<\/p>\n<p>Oft sind etliche Sitzungen vergangen, bis der erste kurze, klare, ehrliche Satz f\u00e4llt, etwa: \u00bbIch f\u00fchle mich \u00fcberfordert.\u00ab\u00a0Gef\u00fchlsabwehr ist einer Sucht nicht un\u00e4hnlich und auf\u00a0Dauer genauso anstrengend. Es geht ja nicht um lockere Ignoranz,\u00a0sondern um aktives Abwehren. Die seelische Innenverteidigung\u00a0muss stehen, unser innerer Jer\u00f4me Boateng\u00a0rackert, um die eigene Identit\u00e4t zu sch\u00fctzen, den\u00a0Nicht-Nicht-Mann. Drau\u00dfen wiederum ist der kompensatorische\u00a0Nachweis von M\u00e4nnlichkeit gefragt: mehr Karriere,<br \/>\nder 2000-Euro-Grill, verschlei\u00dfreiche Triathlon-Abenteuer (Anmerkung: Der Autor ist Experte auf dem Gebiet\u00a0des Kompensationssports), dazu die Harley. M\u00e4nner veranstalten\u00a0die unm\u00f6glichsten Dinge, um nicht als schwach, weich, verletzlich wahrgenommen zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis der K\u00f6rper\u00a0Alarm schl\u00e4gt. Dem Kreislaufzusammenbruch folgt der Besuch beim Psychosomatiker. Herr Doktor, ich habe\u00a0keine Ahnung, woher Tinnitus, R\u00fccken, Impotenz stammen k\u00f6nnten. Die Gef\u00fchlsabwehr, der Zwang des Mannsein-M\u00fcssens,<br \/>\ndiktiert h\u00e4ufig das gesamte Denken und Handeln. Job, Geld,\u00a0Macht, die drei gehen immer. Familie, Gespr\u00e4che, guter Erzieher?\u00a0Sp\u00e4ter. Der freche britische Autor Jack Urwin vermutet\u00a0eine tiefe Entmannungsangst, die so m\u00e4chtig ist, dass sie\u00a0oftmals sogar Weltpolitik macht.<\/p>\n<p>Betrachten wir politische Anf\u00fchrer unter dem Blickwinkel von Gef\u00fchlsabwehr und Entmannungspanik, dann bekommt\u00a0das Handeln von Donald Trump und Alexander Dobrindt,\u00a0von Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan pl\u00f6tzlich einen gespenstischen Sinn. Ob in Osteuropa oder der T\u00fcrkei,\u00a0in Moskau, Washington oder der arabischen Welt \u2013 allenthalben\u00a0scheint ein Typus Mann zur\u00fcckzukehren oder sich sehr\u00a0z\u00e4h zu halten, den wir eigentlich hofften, im letzten Jahrhundert\u00a0zur\u00fcckgelassen zu haben. Das Duo Angela Merkel und\u00a0Barack Obama, die m\u00e4chtigste Frau der Welt und ein bekennender\u00a0Feminist im Wei\u00dfen Haus, galten uns eine Weile als starkes Zeichen, dass die Welt sich zum Besseren wende.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verfr\u00fcht\u00a0gehofft.<\/strong><\/p>\n<p>Mit US-Pr\u00e4sident Trump kehrte eine bis ins Operettenhafte glaubw\u00fcrdige Art toxischer M\u00e4nnlichkeit auf die Weltb\u00fchne\u00a0zur\u00fcck. Dass sich einer so was heute tats\u00e4chlich noch<br \/>\ntraute. Nicht nur die Worte waren peinlich, nicht das Geprotze,\u00a0die L\u00fcgen, all das Ignorante. Nein, am peinlichsten\u00a0war das Durchsichtige seiner permanenten Breitbeinigkeit: Da fummelte einer mit Atomraketen herum, um seine Gef\u00fchlsabwehr<br \/>\nzu stabilisieren.\u00a0\u00bbEr steht f\u00fcr den Typus des Schulhof-Tyrannen\u00ab, sagt M\u00e4nnerforscher Michael Kimmel, \u00bbder Tyrann hat st\u00e4ndig\u00a0Angst davor, zu klein, zu schwach zu sein. Deswegen sucht\u00a0er sich st\u00e4ndig Opfer, die ihm unterlegen sind.\u00ab Trump fasst das Vierstufen-Modell von Bj\u00f6rn S\u00fcfke geradezu prototypisch\u00a0zusammen, inklusive der Pr\u00e4gung durch den Vater,\u00a0der seinen Jungen brutalstm\u00f6glich auf Nicht-Nicht-Mann-<br \/>\nSein trimmte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Statt als weich und weiblich wahrgenommene Priorit\u00e4ten\u00a0wie Gesundheit, Bildung, Kultur zu f\u00f6rdern, setzt\u00a0ein verh\u00e4rteter Kerl auf Kohlef\u00f6rdern, Stra\u00dfenbauen, Milit\u00e4r-<br \/>\nVerst\u00e4rken \u2013 m\u00e4nnlicher geht es nicht.\u00a0Donald Trump, und das ist praktizierte Bildungspolitik,\u00a0pr\u00e4sentiert der ganzen Welt schonungslos offen die Techniken der Gef\u00fchlsabwehr, ob die Hassliebe zu Frauen, das Dogmatische,\u00a0das Leben im \u00e4u\u00dferen Schein des Blattgolds. Und\u00a0jeder Mensch erlebt die Spannung zwischen Hilflosigkeit und\u00a0H\u00e4rte, mit der die Camouflage betrieben wird. Gef\u00fchlsabwehr\u00a0ist nichts f\u00fcr Pussys.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Angst, nicht als ganzer Kerl\u00a0zu gelten, ist st\u00e4rker als die Angst vor Peinlichkeit und Weltkrieg.\u00a0 Wird dieser Mann S\u00f6hne erziehen, die wir uns f\u00fcr die Zukunft w\u00fcnschen?<br \/>\nUnsicherheit, Angst, Kr\u00e4nkung werden mit dr\u00f6hnender\u00a0Attit\u00fcde, absichtsvollem Chaos und notfalls jeder Menge Unwahrheit\u00a0\u00fcberspielt \u2013 das unreife M\u00e4nnliche bedeutet \u00dcberkompensation,\u00a0gerade so, als wollte der Mann durch lautes\u00a0Trompeten jede Kritik, jeden Zweifel noch vor deren Aufkommen\u00a0niederl\u00e4rmen. Es geht um Machtbeweise auf allen\u00a0Ebenen, gegen Mitarbeiter, Gegner, Frauen, Medien, Randgruppen.<\/p>\n<p>Die Stilmittel: Nationalismus, Rassismus, Sexismus. \u00dcberheblichkeit. Bist du nicht Freund, bist du Feind. Die\u00a0Welt wird allein durch die Polarisierungsbrille betrachtet.<br \/>\nToxisch\u00a0halt.\u00a0Die gute Nachricht: Wir sind nicht alle so. Die schlechte Nachricht: Aber ein wenig doch. Was in der Person Trump\u00a0wie unter einem Vergr\u00f6\u00dferungsglas sichtbar wird, tragen\u00a0die meisten von uns M\u00e4nnern in Anteilen mit sich herum.<br \/>\nDas Verdr\u00e4ngen von Gef\u00fchlen mobilisiert so unglaublich\u00a0viele Reflexe; jetzt gerade, beim Schreiben, merke ich, wie ich\u00a0st\u00e4ndig gegen den Selbstironie-Modus ank\u00e4mpfe. Es ist ungewohnt,\u00a0in der Gef\u00fchlswelt ernst und sachlich zu bleiben\u00a0und sich nicht das gewohnte \u00bbHeul doch\u00ab zuzuraunen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_668407\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668407\" class=\"size-medium wp-image-668407\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-668407\" class=\"wp-caption-text\">Der neue Blogger-Relevanz-Index 2018<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug aus Hajo Schumachers &#8222;M\u00e4nnerspagat: Wie wir mit Offenheit, Respekt und Leidenschaft die alten Rollen \u00fcberwinden.&#8220;\u00a0 &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Willkommen im\u00a0D\u00e4monen-Zoo Geht ja gut los. 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