{"id":669318,"date":"2018-12-30T00:40:09","date_gmt":"2018-12-29T23:40:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=669318"},"modified":"2018-12-30T00:40:09","modified_gmt":"2018-12-29T23:40:09","slug":"buchauszug-eva-engelken-drei-kuesse-fuer-herkules","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/12\/30\/buchauszug-eva-engelken-drei-kuesse-fuer-herkules\/","title":{"rendered":"Buchauszug Eva Engelken: &#8222;Drei K\u00fcsse f\u00fcr Herkules&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Buchauszug Eva Engelken: &#8222;Drei K\u00fcsse f\u00fcr Herkules&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;Den politischen Anlass f\u00fcr das G\u00f6tter-Revival liefert der aktuelle desolate Zustand Europas. Weil der klamme griechische Staat sogar die Inseln der G\u00f6tter an superreiche Investoren verscherbelt hat, kommen sie zur\u00fcck, um Gelder f\u00fcr den R\u00fcckkauf einzuwerben. Ihre k\u00fchne Vision: Mit Herks Hilfe den Kontinent der Prinzessin Europa in eine moderne Republik zu verwandeln. Schafft es der antike Superheld Herk wieder unsterblich zu werden?&#8220;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-669329\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/Cover-engelken.3K\u00fcsse.jpg\" alt=\"\" width=\"406\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/Cover-engelken.3K\u00fcsse.jpg 406w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/Cover-engelken.3K\u00fcsse-187x300.jpg 187w\" sizes=\"auto, (max-width: 406px) 100vw, 406px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>VIVIAN BRICHT AUF<\/strong><br \/>\nAlles, was sie wollte, war ein perfekt aufger\u00e4umtes Haus, doch irgendjemand schien beschlossen zu haben, sie mit allen Mitteln daran zu hindern. Aktuell setzte dieser Jemand das Telefon dazu ein, das tief unter einem Kleiderberg nicht aufh\u00f6rte zu bimmeln. Bei Vivian rief selten jemand Spannenderes an als ihre Schwiegermutter, dennoch stellte sie ihre Kaffeetasse auf dem Boden ab und schob mit beiden H\u00e4nden die Karnevalskost\u00fcme auseinander, die ihre Kinder dort hatten fallen lassen. Don Johnson strich um ihre Beine und miaute vorwurfsvoll.<br \/>\n\u201eGeduld\u201c, sagte sie und setzte ihn zur Seite, woraufhin er die Tasse umkippte, sodass der dampfende Kaffee auf Emilys Prinzessinnenkleid landete.<br \/>\nEs war nicht die Schwiegermutter, sondern ihre Freundin Sofie.<br \/>\n\u201eIch habe die letzten beiden Tickets f\u00fcr heute Abend ergattert\u201c, sagte sie mit quengelnder Stimme, \u201eda wirst du mich doch nicht h\u00e4ngen lassen?&#8220;<br \/>\nVivian klemmte sich das Telefon zwischen Ohr und Schulter und schleuderte das nasse Kleid die Kellertreppe hinunter. \u201eFalls du mich schon wieder zum Karnevalfeiern \u00fcberreden willst, vergiss es. Die Putzfrau ist krank und in zwei Wochen kommt der franz\u00f6sische Austauschsch\u00fcler mit seinen Eltern. Die k\u00fcndigen die deutsch-franz\u00f6sische Freundschaft, wenn sie mitkriegen, wie deutsche Haushalte wirklich aussehen!\u201c<br \/>\nDon Johnson maunzte best\u00e4tigend.<br \/>\n\u201eWas ist los mit dir?\u201c, fragte Sofie, und Vivian konnte f\u00f6rmlich h\u00f6ren, wie sich Sofies perfekt gezupfte Augenbrauen hoben.<br \/>\n\u201eIch bin vierzig geworden, falls du das noch nicht bemerkt hast. Da ist man vern\u00fcnftig oder versucht es wenigstens\u201c, sagte Vivian und begann mit der freien Hand, die Kost\u00fcme von den Kinderschuhen zu trennen. Als sie mit den blo\u00dfen F\u00fc\u00dfen auf einen Legostein trat, biss sie die Z\u00e4hne zusammen, um nicht aufzuschreien. \u201eMit vierzig waren Frauen fr\u00fcher tot!\u201c, f\u00fcgte sie grimmig hinzu.<br \/>\n\u201eMein Gott, wie bist du denn drauf?\u201c, fragte Sofie.<br \/>\n\u201eIch bin todm\u00fcde, weil Tom die ganze Nacht gehustet hat.\u201c W\u00fctend kickte sie mit dem Fu\u00df gegen die Verkleidekiste. Die Kiste fiel um, und noch mehr Pistolen, Clownsnasen und Kleidungsst\u00fccke fielen heraus. Don Johnson biss ihr in den nackten Fu\u00df.<br \/>\n\u201eIch w\u00fcrde dich auch nicht alleine lassen\u201c, maulte Sofie.<br \/>\nDu hast ja auch keine Kinder, dachte Vivian und eilte in den W\u00e4schekeller, wo das Katzenfutter lagerte. Als es dunkel blieb, obwohl sie auf den Lichtschalter dr\u00fcckte, fiel ihr ein, dass sie die Gl\u00fchbirne hatte auswechseln wollen. Mit dem Schienbein rempelte sie gegen eine Klappliege, die an den W\u00e4schest\u00e4nder stie\u00df, der mitsamt W\u00e4sche zusammenbrach. Wie ein Stromschlag zischte der Schmerz durch ihr Bein und w\u00f6lbte sich auf dem Knochen zu einer kleinen Beule.<br \/>\nVivian schluckte die Tr\u00e4nen hinunter, w\u00e4hrend der Kater eifrig zu knurpsen begann, und stieg mit Sofie am Ohr die Treppe wieder hoch. Suchend sp\u00e4hte sie in den K\u00fcchenschrank, doch da war keine Gl\u00fchbirne. Dann musste die W\u00e4sche eben warten.<br \/>\n\u201eMein Gott, bist du langweilig geworden. Fr\u00fcher hatten wir doch immer Spa\u00df\u201c, unternahm ihre Freundin einen neuen Versuch.<br \/>\nFr\u00fcher war lange, bevor mit Kind Nummer drei das endg\u00fcltige Chaos ausgebrochen war. Als sie noch einen festen Job hatte und ihr Chef noch nicht mit einem Blick auf ihren dicken Bauch gesagt hatte: \u201eTut uns leid, Frau Sammer, aber Sie k\u00f6nnen nun wirklich nicht eine tolle, junge Mutti und eine tolle, junge Journalistin sein.\u201c<br \/>\n\u201eIch bin eben alt, na und?\u201c, sagte Vivian und zog w\u00fctend ihre Jeanshose \u00fcber die Speckrollen hoch, die sich dort breitmachten, wo eigentlich eine Taille h\u00e4tte sitzen sollen. War Speck der Preis, den man zahlte, wenn man vierzig geworden war und seinen Arbeitstag in der N\u00e4he des K\u00fchlschranks verbrachte?<br \/>\nAls ihr ein gemusterter Stofffetzen in die H\u00e4nde fiel, stutzte sie. Wie eine warme Dusche durchrieselte sie die Erinnerung, als sie mit den Fingerspitzen \u00fcber das L\u00f6wenfell streichelte. Aaron hatte es getragen, ihr Karnevalsflirt vor f\u00fcnf Jahren. Als die Kneipe geschlossen und der T\u00fcrsteher die letzten Jecken auf die Stra\u00dfe gefegt hatte, waren sie und Sofie bei Aaron auf einem schwarzen Ledersofa gelandet. Nat\u00fcrlich war Vivian schon damals verheiratet gewesen, und sie hatte Sofie die Chance nicht vermasseln wollen. Sofie bekam es mit keinem ihrer vielen Verehrer hin, weil sie an allen etwas auszusetzen fand. Deshalb hatte Vivian diesen g\u00f6ttlichen Mann nur ein bisschen angehimmelt und beim Tanzen traumhaft definierte Muskeln unter seiner samtglatten Haut gesp\u00fcrt.<br \/>\n\u201eAlso \u00fcberleg\u2019s dir. Ich muss mich jetzt umziehen, sonst komme ich nicht mehr rein.\u201c<br \/>\nDas Telefon klickte, und Vivian hockte mitten im Wohnzimmer und starrte abwechselnd das St\u00fcck Stoff und die Terrasse an, auf der es zu d\u00e4mmern begann. Ein Rotkehlchen pickte von dem Vogelfutter, das Vivian ausgestreut hatte, obwohl ihre Schwiegermutter immer sagte, das s\u00e4he so unordentlich aus. Aus Aaron und Sofie war damals nichts geworden. Sie hatte ganz umsonst verzichtet. W\u00fctend \u00fcber die vor vielen Jahren verpasste Chance pfefferte sie das Stoffst\u00fcck in die Kiste. Und was war, wenn er genau heute Abend da w\u00e4re? Wenn Sofie sp\u00e4ter erz\u00e4hlen w\u00fcrde: \u201eAch, \u00fcbrigens, ich hab Aaron getroffen?\u201c<br \/>\nWie zum Hohn dudelte im Radio ein Schlager von damals: \u201eNur nicht aus Liebe weinen, es gibt im Leben nicht nur den Einen.\u201c Leise summte sie den Refrain mit. Und wenn heute Abend etwas ganz Tolles passieren w\u00fcrde? Nicht, dass sie kein sch\u00f6nes Leben hatte. Andere h\u00e4tten davon getr\u00e4umt, einen Mann, ein Haus, drei wundervolle Kinder, einen Kater und Millionen von Gegenst\u00e4nden zu haben, die nie dort waren, wo man sie suchte. Andere h\u00e4tten sich auch gefreut, kleine Auftr\u00e4ge f\u00fcr Pressetexte zu bekommen. Doch Vivian wurde das Gef\u00fchl nicht los, bei ihrer Lebensplanung versagt zu haben.<br \/>\nDie Musik im Radio erstarb und der Nachrichtensprecher meldete drei Kilometer Stau auf der A57 in beide Richtungen. \u201eDie Autobahnbr\u00fccke ist wegen eines Brandes nach einem Unfall akut einsturzgef\u00e4hrdet. Es wird darum gebeten, die Unfallstelle weitr\u00e4umig zu meiden. Es ist 17.30 Uhr, wir w\u00fcnschen allen Jecken eine gute und sichere Fahrt!\u201c Vivians Mann Felix war auf dieser Autobahn nach K\u00f6ln gefahren, aber inzwischen musste er schon l\u00e4ngst in K\u00f6ln bei seinem coolen Freund Tobias angekommen sein, in dessen piekfeiner Singlewohnung garantiert nicht mal eine einzelne Socke herumlag.<br \/>\nSie wusste, dass ihr Mann seinen kinderlosen Freund beneidete. Um die viele Zeit, die er hatte, um im Fitnessstudio seinen Body zu st\u00e4hlen, und um seine st\u00e4ndig wechselnden Bekanntschaften, denen er an seiner Hausbar Cocktails mixte. Ob auch Felix mit jemandem flirten w\u00fcrde? Und wenn schon. Die Zeiten, in denen sie der Gedanke eifers\u00fcchtig gemacht h\u00e4tte, waren ebenso lange vorbei wie das letzte romantische Dinner oder \u00e4hnlicher Quark. Vermutlich sollte sie sogar froh sein, wenn Felix mit jemand anderem anbandelte \u2013 dann musste sie wenigstens kein schlechtes Gewissen haben, wenn Felix sie mal wieder fragte, warum sie sich denn im Bett, bitte sehr, nicht einfach mehr gehen lie\u00dfe. Oder wenigstens ein bisschen lasziv guckte.<br \/>\nDas Musikgedudel schwoll wieder an: \u201eNur nicht aus Liebe weinen \u2026\u201c. War es die Nachricht von dem Unfall, die in ihrem Kopf einen winzigen Schalter umgelegt hatte? Oder das L\u00f6wenfell? Was auch immer es war, dieses Etwas forderte ganz eindeutig, dass sie heute Abend ausgehen sollte, Aufr\u00e4umen hin oder her. Vivian sah auf die Uhr. Wenn sie sich furchtbar beeilte, w\u00fcrde sie die S-Bahn um 17:54 Uhr noch erreichen. Das gab den Ausschlag. Sie hatte sich zwar kein Kost\u00fcm besorgt, aber zur Not konnte sie als Clown gehen. Clown war so ungef\u00e4hr die unsexyste Verkleidung, die man sich vorstellen konnte, aber das war jetzt auch egal.<br \/>\nSie klaubte blau geringelte Socken und ein rot-wei\u00df gestreiftes T-Shirt aus der Kiste. Dann lief sie ins Schlafzimmer und \u00f6ffnete den wackligen Ikea-Schrank, um sich von Felix Schuhe auszuleihen. Es klapperte und nacheinander fielen eine Tube Gleitgel, ein Massagestab f\u00fcr M\u00e4nner und Felix\u2019 Kamm heraus. Den benutzte er, um seine oben sch\u00fctter werdenden Haare nach hinten zu streichen. Sie nahm ein Paar rote Freizeitschuhe heraus und warf die Utensilien zur\u00fcck in den Schrank.<br \/>\nMit einem ge\u00fcbten Rundumblick vergewisserte sie sich, dass keine Fenster oder Terrassent\u00fcren mehr offen standen, und schaltete das Radio aus. Dann schlug sie die T\u00fcr hinter sich zu und schwang sich auf ihr klappriges Fahrrad, um die S-Bahn zum Hauptbahnhof zu erwischen.<\/p>\n<div id=\"attachment_650242\" style=\"width: 193px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-650242\" class=\"size-full wp-image-650242\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2011\/01\/engelkeneva.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"275\" \/><p id=\"caption-attachment-650242\" class=\"wp-caption-text\">Eva Engelken<\/p><\/div>\n<p><strong>Eva Engelken: &#8222;Drei K\u00fcsse f\u00fcr Herkules&#8220;, 464 Seiten, Verlag Edition Eva &amp; Adams,\u00a0ISBN-10:\u00a03981990218, 15,99 Euro<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>2 ANKUNFT DER G\u00d6TTER<\/strong><br \/>\n\u201eNach oben lenken\u201c, kreischte das Eheweib mit schriller Stimme, und ihr Gatte tat, wie ihm gehei\u00dfen. Doch die altert\u00fcmliche Cabriolimousine trudelte wie ein schlecht gebauter Papierflieger um die eigene Achse und landete krachend im Wipfel einer Pappel. Dio, der mit seinem seidenen Reisekissen auf der gepolsterten R\u00fcckbank sa\u00df, schrak auf, als links und rechts die Zweige \u00fcber ihm zusammenschlugen. Mehrere Zweige gaben knirschend nach und das schwere Gef\u00e4hrt rutschte eine Astreihe tiefer, als die Gattin erneut schrie: \u201eKlettert raus, bevor es explodiert!\u201c<br \/>\n\u201eMein Auto explodiert nicht\u201c, erwiderte ihr Gatte, doch sie schob ihn einfach nach drau\u00dfen. Dio \u00fcberlegte sorgenvoll, ob wirklich eine Gefahr bestand oder ob er sitzen bleiben konnte. Aber sicher war sicher und au\u00dferdem musste er daf\u00fcr sorgen, dass sie ihr geheimes Ziel erreichten. Also raffte auch er seine neue zitronengelbe Reisetunika hoch und hievte seinen Bauch \u00fcber das Fenstersims nach drau\u00dfen.<br \/>\nDa standen sie nun. Auf dem Ast einer Pappel. Im kalten Februarwind und Nieselregen in Deutschland. Zeus, griechischer Chefgott und in offizieller Mission des G\u00f6tterrats unterwegs, Hera, seine Gemahlin, und Dio, der Weingott mit den kurzen Beinen, in der Antike als Dionysos verehrt. Einst stolze Bewohner des Olymps und zahlreicher vornehmer Tempelanlagen. Jetzt abgehalfterte Gesandte eines zerstrittenen Gremiums von Unsterblichen, die froh sein konnten, in einer Athener Seniorenresidenz Zuflucht gefunden zu haben, nachdem die griechische Regierung begonnen hatte, ihre Tempel und Inseln an Investoren zu verscherbeln.<br \/>\nDio warf einen Blick zur Seite. Das schicke Auto hatten sie nur bekommen, weil die klamme griechische Regierung sogar ihre Ministerkarossen verkauft hatte, woraufhin Hermes, der G\u00f6tterbote und Gott der Diebe, einige Fahrzeuge beiseitegeschafft hatte.<br \/>\nUnter ihnen fiel eine br\u00e4unliche B\u00f6schung zu einem Weg zwischen kahlen Feldern ab, der sich nach beiden Richtungen im D\u00e4mmerlicht verlor.<br \/>\nEr drehte den Kopf zur anderen Seite, wo der Obergott stand. Seine gerunzelten Brauen schienen deutlich zu sagen, dass ihm die Lage gar nicht behagte. Das war kein Wunder. Das wei\u00dfe Gewand, das der alte Mann mit einer korinthischen Goldspange an den Schultern zusammengerafft hatte, flatterte unw\u00fcrdig im Wind wie ein St\u00fcck W\u00e4sche auf der Leine. Und die Lederriemen seiner vornehmen kalbsledernen Sandalen hatten sich beim Herausklettern gel\u00f6st. Sollte er Zeus anbieten, die B\u00e4nder zuzubinden? Dio entschied sich dagegen. Der Herr des Olymps war cholerisch \u2013 genau wie sein Eheweib. Und er reagierte allergisch, wenn er den Eindruck bekam, man wollte ihn bevormunden. Zeus hob die Hand, und seine Waffe blitzte auf \u2013 der goldene Blitz- und Wetterstab, ein seit der Antike gef\u00fcrchtetes Symbol seiner Herrschaft.<br \/>\nMit dem Furchteinfl\u00f6\u00dfen war es allerdings nicht mehr weit her. Dio wusste, dass der rund 30 Zentimeter lange gezackte Stab Probleme mit der Z\u00fcndung hatte. Er beobachtete, wie Zeus den Wettermacher mehrmals pr\u00fcfend drehte und sch\u00fcttelte.<br \/>\nDer Wind frischte auf und unvermittelt l\u00f6ste sich zischend ein Blitz aus dem Stab. Er raste wie eine Silvesterrakete in die neblige D\u00e4mmerung. Ein ged\u00e4mpfter Knall ert\u00f6nte und irgendwo flackerte kurz ein Licht auf. Ein paar Kr\u00e4hen flatterten kreischend davon und stoben in den d\u00fcsteren Nachmittagshimmel.<br \/>\n\u201eKannst du nicht aufpassen? W\u00e4rst du ein Mensch, h\u00e4tte man dir l\u00e4ngst den Waffenschein weggenommen\u201c, zeterte Hera. Zeus war seit gut 4.000 Jahren mit ihr verheiratet. Ihr magentafarbenes Gewand flimmerte in den Augen, wenn man l\u00e4nger hinsah. Die G\u00f6ttermutter liebte kr\u00e4ftige Farben. Das passte zu ihrem dunkelroten Haar. Und es entsprach zu hundert Prozent ihrem Temperament. Ins Gesicht h\u00e4tte Dio es ihr nicht zu sagen gewagt, aber Tatsache war, sie war aufbrausend und schrecklich eifers\u00fcchtig. Sogar jetzt, wo sie nach Deutschland gekommen war, h\u00e4tte sie ihren Gatten vermutlich am liebsten Tag und Nacht bewacht. Auch das wusste Dio.<br \/>\nEs zischelte, und schneller, als man gucken konnte, glitten zwei purpurfarbene Pythonschlangen aus dem Cabrio und wanden sich um die F\u00fc\u00dfe der G\u00f6ttermutter. Die beiden Schlangen waren Heras Leibw\u00e4chter und dienten ihr als Sitzgelegenheit. Oder als Gehhilfe. Auch wenn sie das niemals zugegeben h\u00e4tte.<br \/>\nZeus grollte wie eine Gewitterwolke und die Cabriolimousine knirschte in den \u00c4sten.<br \/>\n\u201eVorsicht\u201c, brummte er und richtete einen Blick auf den Nachbarast, der gen\u00fcgt h\u00e4tte, Wasser gefrieren zu lassen. Doch Hera schien nicht im Geringsten beeindruckt. Daf\u00fcr schepperte es in der Entfernung, als h\u00e4tte jemand einen gigantischen Stapel T\u00f6pfe auf den K\u00fcchenboden geworfen.<br \/>\nHeras rote M\u00e4hne wehte, als sie den Kopf wandte. \u201eJetzt hast du auch noch einen Unfall produziert. Der G\u00f6tterrat wird entz\u00fcckt sein\u201c, sagte sie und zeigte geradeaus.<br \/>\nZeus und Dio drehten den Kopf in die Richtung, in die Heras Arm wies. Einen Steinwurf von der m\u00e4chtigen Pappel entfernt leuchtete das Feuer, und jetzt roch Dio auch den Qualm.<br \/>\n\u201eIch brauche Licht, um die Dunkelheit zu vertreiben\u201c, grummelte Zeus. Er hob seinen Stab in die H\u00f6he und sandte einen Blitz in die Wolken, der hell genug war, ein ganzes Fu\u00dfballstadion in Tageslicht zu tauchen. F\u00fcr einen Sekundenbruchteil war die Umgebung deutlich zu sehen. Ihre Pappel war die gr\u00f6\u00dfte einer ganzen Allee, die direkt zu einer flachen Autobahnbr\u00fccke f\u00fchrte und in eine Unterf\u00fchrung m\u00fcndete. Nur ein schmales Fahrzeug h\u00e4tte hier durchfahren k\u00f6nnen. Doch jetzt war der Weg versperrt. An der Stelle, wo die Unterf\u00fchrung begann, loderten Flammen. Dar\u00fcber stieg eine gewaltige schwarze Qualmwolke auf und h\u00fcllte die Autobahn ein. Sirenengeheul wurde lauter und zuckende Blaulichter spiegelten sich in dem zerbeulten Metall mehrerer ineinandergeschobener Autos.<br \/>\n\u201eDa ist offenbar ein Unfall passiert, da muss ich helfen\u201c, bemerkte Zeus mit krampfhaft zusammengekniffenen Augen. Er hob seinen Stab und ein m\u00e4chtiger Regenguss prasselte auf das Chaos nieder. Zischend stiegen Dampfwolken empor, und es roch nach Gummi und Teer, doch die gr\u00fcngelben Flammen in der Unterf\u00fchrung flackerten munter weiter. Pl\u00f6tzlich drehte der Wind, und mit einem Mal ging ein kr\u00e4ftiger Guss auf die drei Reisenden in der Pappel nieder. Hera versuchte, Zeus den Blitzstab aus der Hand zu rei\u00dfen, w\u00e4hrend ihre Schlangen blitzschnell den Stamm hochglitten und mit ihren Leibern eine Art Regenverdeck \u00fcber ihr bildeten. Dio zuckte zusammen. Sein feines Reisekissen wurde nass. Und die neue Reisetasche aus Ziegenleder. Verzweifelt bem\u00fchte er sich, das Faltdach wieder \u00fcber den Wagen zu ziehen, um wenigstens die R\u00fcckbank zu sch\u00fctzen, doch es war zu sp\u00e4t. Zeus\u2019 Regenschauer hatte das Innere des Wagens so gr\u00fcndlich eingeweicht wie ein Vollbad. Hoffentlich fuhr der Wagen noch. Und hoffentlich war das Navi immer noch auf D\u00fcsseldorf eingestellt.<br \/>\nAnders als Zeus und Hera glaubten, lenkte ihre Programmierung sie nicht nach Berlin, sondern nach D\u00fcsseldorf. Daf\u00fcr hatte Hermes, der den Fuhrpark der G\u00f6tter beaufsichtigte, gesorgt, nachdem Dio ihn darum gebeten hatte. W\u00e4re Zeus nicht am Steuer eingenickt und w\u00e4re sein Kopf nicht auf irgendeinen Hebel gesunken, w\u00e4ren sie l\u00e4ngst in dem Hotel in D\u00fcsseldorf, das Dio gebucht hatte. Von dort aus k\u00f6nnte er einem sehr alten Freund helfen, was zwar nichts mit ihrer offiziellen Reise zu tun hatte, ihm aber sehr am Herzen lag.<br \/>\nEin kr\u00e4chzendes Ger\u00e4usch aus dem Lautsprecher am Armaturenbrett erweckte seine Aufmerksamkeit. Er kletterte schnaufend zur\u00fcck ins Auto und auf den Fahrersitz und beugte sich nach vorn.<br \/>\n\u201eAllet klar bei euch?\u201c, meldete sich Hermes\u2019 verzerrt klingende Stimme. Auf dem kleinen Bildschirm erschien ein freundliches, zerknittertes Gesicht unter einer Schieberm\u00fctze. Links und rechts \u00fcber den abstehenden Ohren flatterten zwei zerrupfte Fl\u00fcgelchen.<br \/>\n\u201eLeider nein, alles l\u00e4uft schief\u201c, sagte Dio und f\u00fchlte, wie die N\u00e4sse von der Sitzfl\u00e4che in seine Kleidung kroch. \u201eZeus hat das Auto in den Baum gefahren.\u201c<br \/>\n\u201eNa, dit habt ihr ja jut hinjekriegt. Wof\u00fcr hab icke euch son schniekes Jef\u00e4hrt besorjt? F\u00e4hrt denn die Karre noch?\u201c Das Gesicht im Bildschirm putzte sich kr\u00e4ftig die Nase.<br \/>\n\u201eWoher soll ich das wissen?\u201c, fragte Dio und \u00fcberlegte, ob die weiche Lederbespannung des Lenkrads und die seitlich daraus hervorwachsenden H\u00f6rner von einem Satyr stammten. M\u00f6glich war alles, seit diese Investoren sogar seine Lieblingsinsel gekauft hatten, wo f\u00fcr Menschenaugen unsichtbar seine Nymphen und ziegenbeinigen Satyrn hausten.<br \/>\n\u201eDr\u00fcck mal son jr\u00fcnen Knopf\u201c, wies ihn Hermes an und zeigte mit dem Daumen \u00fcber seine magere Schulter in Richtung Lenkrad.<br \/>\nDio fand einen gr\u00fcn blinkenden Knopf und dr\u00fcckte gehorsam. Anstelle von Hermes\u2019 Gesicht ratterten Zahlen und Zeichenkolonnen \u00fcber den Bildschirm. \u201eSystem startklar\u201c, meldete der Bildschirm nach einigen Sekunden, und Hermes\u2019 Gesicht erschien wieder.<br \/>\n\u201eDat sieht jut aus, ihr k\u00f6nnt starten. Aber lasst den Alten nicht mehr ans Steuer!\u201c Er hob zwei Finger gr\u00fc\u00dfend zur M\u00fctze und sein Bild verschwand. Die Stra\u00dfenkarte wurde wieder sichtbar und eine qu\u00e4kende Stimme sagte: \u201eNoch 20 Kilometer bis D\u00fcsseldorf.\u201c Dio dachte an eine hei\u00dfe Sauna und ein Gl\u00e4schen Sekt, doch Heras Kreischen vertrieb die angenehme Vorstellung.<br \/>\n\u201eD\u00fcsseldorf? Wir m\u00fcssen nach Berlin! Und zwar so schnell, wie diese Kiste f\u00e4hrt. Oder sollen wir warten, bis auch die letzten Tempel zu Golfpl\u00e4tzen umfunktioniert worden sind? Los, los!\u201c<br \/>\nDer G\u00f6ttermutter lie\u00df ihre Schlangen auf die Sitze gleiten und winkte Zeus, dass er hinten Platz nehmen solle. Offenbar hatte Zeus ein schlechtes Gewissen, denn er setzte sich widerspruchslos auf die nasse R\u00fcckbank und fuhr damit fort, seinen Blitzstab zu untersuchen.<br \/>\nDio biss sich auf die Lippen. Jetzt musste er Farbe bekennen, warum sie hier waren und nicht in Berlin. Verdammt, es w\u00e4re so einfach gewesen, dem G\u00f6tterpaar seinen Plan zu gestehen, wenn sie direkt am bequemen Hotel gelandet w\u00e4ren und nicht in diesem Baum. Aber jetzt half alles nichts. Er nahm allen Mut zusammen, den er finden konnte, und guckte Hera in die nachtschwarzen Augen. \u201eEs ist wegen Herk. Er wohnt gerade in D\u00fcsseldorf und ich will ihn treffen.\u201c<br \/>\nEin Blitz, der sich versehentlich von Zeus\u2019 Stab gel\u00f6st hatte, fuhr krachend in den Wipfel der Pappel. Die Kr\u00e4hen, die irrt\u00fcmlich angenommen hatten, der Baum sei wieder sicher, stoben erneut kr\u00e4chzend auf, und das Cabrio rutschte knirschend einen Ast tiefer. Doch das war nichts gegen Heras kalte Wut.<br \/>\n\u201eHerakles? Dieser verdammte Bastard?\u201c, presste sie hervor. \u201eUnd wozu willst du ihn treffen, zum Saufen oder was?\u201c<br \/>\nDio seufzte. Herakles, kurz Herk genannt, war eines der vielen au\u00dferehelich gezeugten Kinder von Zeus. Hera hasste ihn f\u00fcr jedes einzelne, doch Herk war ihr ein besonderer Dorn im Auge, da es ihr nicht gelungen war, ihn vor knapp 4.000 Jahren um die Ecke zu bringen. Noch nicht einmal die zw\u00f6lf Challenges, sp\u00e4ter auch Herkulesaufgaben genannt, hatten vermocht, ihn zu t\u00f6ten.<br \/>\nDaf\u00fcr hatte Dio gesorgt. Und er hatte etwas getan, das in den Augen Heras noch viel schlimmer war. Er hatte ihr das Baby an die Brust gelegt, wo der kleine Herk sofort wie ein Wilder zu nuckeln begonnen hatte. Als Hera bemerkte, wen man ihr untergeschoben hatte, hatte sie den ganzen Olymp zusammengebr\u00fcllt, aber es war zu sp\u00e4t gewesen. Die wenigen Schlucke ihrer g\u00f6ttlichen Milch hatten gen\u00fcgt, um dem Halbgott Herakles die Kraft eines Titanen zu verleihen.<br \/>\nAuf Zeus hatte die Erw\u00e4hnung Herks eine ganz andere Wirkung. Er lehnte sich an die R\u00fccklehne und breitete die Arme aus, die vielen Furchen seines Gesichts zu einem breiten L\u00e4cheln verzogen. \u201eHerakles, nat\u00fcrlich! An ihn habe ich gar nicht mehr gedacht, er wird uns helfen. Mit ihm wird es uns gelingen, unsere Tempel und Insel den Spekulanten wieder zu entrei\u00dfen.\u201c<br \/>\nSeine Stimme begann zu dr\u00f6hnen, wie immer, wenn ihn die R\u00fchrung \u00fcbermannte.<br \/>\n\u201eIch habe eine Vision\u201c, fuhr der alte Obergott fort, und seine lockige graue M\u00e4hne wehte im Wind. \u201eMit Herk wird es gelingen, die Politeia dem Volk zur\u00fcckzugeben. Im aufs Neue vereinten Europa. Nicht die Armen hier und die Hochfinanz dort, sondern alle vereint und mit gleichen Rechten im Garten meiner Prinzessin Europa. Lasst uns zu Herk fahren und ihm seine Berufung verk\u00fcnden.\u201c<br \/>\nHera starrte ihn an, als habe er den Verstand verloren. \u201eAlter, komm runter. Die goldenen Zeiten der G\u00f6tter sind vorbei. Von unserer Magie ist fast nichts mehr \u00fcbrig. Du machst dich l\u00e4cherlich mit deiner Rettungsaktion. Sieh lieber zu, wie du dieses Feuer gel\u00f6scht kriegst.\u201c<br \/>\nDurch den Nebel waren gelblichgr\u00fcne Flammen zu erkennen. Auf der Autobahn und rund um die Br\u00fccke wieselte eine Gruppe uniformierter Gestalten, die das Gel\u00e4nde mit einem wei\u00df-roten Band absperrte und die Autos zur Seite winkte, bis schlie\u00dflich kein Wagen mehr auf diesem Stra\u00dfenabschnitt stand.<br \/>\n\u201eJetzt begreife ich das Ph\u00e4nomen\u201c, murmelte Zeus. \u201eDer Brand lodert unter der Br\u00fccke, deshalb verm\u00f6gen meine Regenfluten nichts auszurichten. Aber das haben wir gleich.\u201c<br \/>\nEr kurbelte das Seitenfenster runter und streckte den Blitzstab hinaus. \u201eSchluss mit dem Feuer\u201c, sagte er. Es zischte und knallte unter der Br\u00fccke. Funken stoben auf, es krachte und die Flammen erstarben. Quer \u00fcber die rechte Fahrspur zog sich ein Riss.<br \/>\n\u201eDas h\u00e4tten wir\u201c, sagte Zeus und zog zufrieden die Hand zur\u00fcck. \u201eGemeinsam werden wir jetzt um den Helden uns k\u00fcmmern.\u201c<br \/>\nDio r\u00e4usperte sich. \u201eDas mit Herk wird schwierig. Dein Sohn hat sich gerade als Mensch reinkarniert und hat bestimmt anderes zu tun, als f\u00fcr dich den Superhelden zu spielen, Zeus.\u201c Er \u00fcberlegte, welchen Knopf er dr\u00fccken sollte, als eine blinkende Schrift auf dem Bildschirm erschien: \u201eNebelmaschine anwerfen!\u201c<br \/>\nVerflixt, das Cabrio brauchte ja Tarnung. Das hatte ihm Hermes eingesch\u00e4rft. Ohne Tarnung w\u00fcrden die Menschen Ufo-Alarm schlagen, wenn die Limousine durch die Luft flog, und das konnte er jetzt nicht gebrauchen.<br \/>\nEin violetter Knopf mitten auf dem Lenkrad blinkte einladend und Dio dr\u00fcckte ihn. Der Wagen machte einen Satz nach vorne und das Motorenger\u00e4usch erstarb.<br \/>\n\u201eK\u00fcmmern?\u201c, sagte Hera mit vor Hohn triefender Stimme. \u201eDu meinst wohl, du h\u00e4ttest ihn besser gar nicht erst zeugen sollen. Mit dieser Schlampe!\u201c<br \/>\n\u201eSchweige, Weib, ich rede mit ihm\u201c, sagte Zeus.<br \/>\n\u201eNein, das mach ich lieber alleine\u201c, sagte Dio und dr\u00fcckte hektisch einen anderen Knopf, in der Hoffnung, dass es diesmal klappen w\u00fcrde. \u201eIn D\u00fcsseldorf ist Karneval, ich gehe mit ihm feiern. Ihr k\u00f6nnt einfach nach Berlin weiterfahren.\u201c<br \/>\nHera fuhr auf wie eine Furie. \u201eKarneval feiern? Wenn \u00fcberhaupt, dann in K\u00f6ln und nicht in D\u00fcsseldorf, das wei\u00df doch jedes Kind! Aber jetzt ist Feiern das Letzte, woran wir denken k\u00f6nnen. Es wird schon schwierig genug werden, die Minister dazu zu bringen, Gelder f\u00fcr den R\u00fcckkauf unserer Inseln freizugeben, bevor die Unionsmitglieder sich restlos zerstreiten. Da z\u00e4hlt jede Minute.\u201c<br \/>\nIm R\u00fcckspiegel sah Dio, wie Zeus die buschigen Augenbrauen zusammenzog. Er wurde von seiner eifers\u00fcchtigen Gemahlin bewacht wie ein Gefangener im Hochsicherheitstrakt. Witterte er wom\u00f6glich den Duft der Freiheit? Eine Chance, sich in D\u00fcsseldorf eine Auszeit von Hera zu nehmen?<br \/>\nEs schien, als h\u00e4tte er genau richtig vermutet. Unvermittelt brach Zeus in lautes St\u00f6hnen aus. \u201eMein Ischiasnerv!\u201c, jammerte er. \u201eIch muss ihn mir eingeklemmt haben, als wir mit dem Eukalyptusbaum kollidiert sind.\u201c<br \/>\nHera schnaubte. \u201eDu spielst Theater, mein Bester. Wenn du deine Gymnastik\u00fcbungen machen w\u00fcrdest, h\u00e4ttest du diese Probleme nicht. Au\u00dferdem ist dieser Baum hier eine Pappel. Und du, Dio \u2026\u201c, sie tippte ans Lenkrad, \u201emusst den Startknopf dr\u00fccken und die Steuerh\u00f6rner nach oben ziehen, sonst kommen wir hier nie raus. Oder lass einfach mich ans Steuer\u201c, f\u00fcgte sie seufzend hinzu. Dio rutschte auf den Beifahrersitz und beobachtete erleichtert, wie sich das Faltdach \u00fcber ihre K\u00f6pfe schob, w\u00e4hrend ein sattes Motorenger\u00e4usch die Karosserie vibrieren lie\u00df. Langsam erhob sich das Gef\u00e4hrt an den schabenden \u00c4sten vorbei, gleich w\u00fcrden sie die glitzernde Stadt von oben sehen.<br \/>\n\u201eDu herzloses Weib, mach du lieber deine \u00dcbungen\u201c, grummelte Zeus von der R\u00fcckbank. \u201eDann musst du mir nix vorheulen, dass du nicht mehr in deine Kost\u00fcme passt! Und das lass dir gesagt sein: Ich brauche \u00d6lb\u00e4der und ein Gymnasion, bevor ich nach Berlin fahre und dort in Symposien sitze. Ich habe entschieden: Du f\u00e4hrst nach Berlin und wir fahren zu Herakles.\u201c<br \/>\n\u201eDas ist eine gute Idee, mein Schatz\u201c, sagte Hera in einem Tonfall, als lobe sie einen Erstkl\u00e4ssler f\u00fcr seine Entscheidung, k\u00fcnftig den Schulweg alleine zu meistern, und dr\u00fcckte einen weiteren Schalter. Sofort stieg Dampf rings um den Wagen auf. Der eben noch dunkle Himmel f\u00e4rbte sich milchig wei\u00df. Die Limousine gewann an H\u00f6he. Die blinkenden Fahrzeuge und Menschen wurden kleiner und verschmolzen schlie\u00dflich mit der Dunkelheit. Dio linste durch die Scheibe nach unten und \u00fcberlegte, ob die verschwommen zu erkennenden Lichter schon zu D\u00fcsseldorf geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buchauszug Eva Engelken: &#8222;Drei K\u00fcsse f\u00fcr Herkules&#8220; &#8222;Den politischen Anlass f\u00fcr das G\u00f6tter-Revival liefert der aktuelle desolate Zustand Europas. 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