{"id":669268,"date":"2019-09-08T08:06:01","date_gmt":"2019-09-08T06:06:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=669268"},"modified":"2019-09-08T14:19:09","modified_gmt":"2019-09-08T12:19:09","slug":"ein-teller-kartoffel-waldpilzsuppe-mit-jones-day-anwaeltin-karin-holloch-nut-integere-erkennen-schlawiner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2019\/09\/08\/ein-teller-kartoffel-waldpilzsuppe-mit-jones-day-anwaeltin-karin-holloch-nut-integere-erkennen-schlawiner\/","title":{"rendered":"Ein Teller Kartoffel-Waldpilzsuppe mit Jones-Day-Anw\u00e4ltin Karin Holloch: Nur Integere erkennen Schlawiner"},"content":{"rendered":"<p>Nur integere Leute arbeiten in ihrem Team, erz\u00e4hlt Anw\u00e4ltin Karin Holloch aus der Kanzlei Jones Day, Spezialistin f\u00fcr interne Ermittlungen in Unternehmen. Denn: Das ist gar nicht so leicht und nur Integere erkennen die Schlawiner, wenn sie und ihre Kollegen im Einsatz f\u00fcr ein Unternehmen bei Internal Investigations Straft\u00e4ter enttarnen sollen. Es sei nicht so einfach, die zu erkennen, erz\u00e4hlt sie hier in der &#8222;L\u00f6ffelbar&#8220;, einer Kneipe in D\u00fcsseldorf-Pempelfort. Wie sie das meint? Die Schlawiner seien oft Sympathen, die jeder mag. Das sind die Typen, von denen alle Kollegen denken, sie h\u00e4tten alles im Griff, jeder h\u00e4lt sie f\u00fcr kompetent. Das seien die klassischen Betr\u00fcger.<\/p>\n<p>Ihre Kanzlei kennt man sp\u00e4testens seit dem VW-Skandal: Es ist Jones Day, die US-Soziet\u00e4t, die f\u00fcr VW in Sachen Diesel-Skandal versuchte, Licht ins Dunkle zu bringen, T\u00e4ter zu enttarnen im Auftrag des Autokonzerns &#8211; aber am Ende der \u00d6ffentlichkeit ihre Erkenntnisse nicht preisgab.<\/p>\n<p>Doch zur\u00fcck zu Karin Holloch, Sie nennt Korruptionsbek\u00e4mpfung ihr &#8222;Lieblingsthema&#8220;\u00a0 und erz\u00e4hlt, wie superkorrekt es heutzutage zugehe &#8211; und zugehen m\u00fcsse. Sie berichtet von einer Sch\u00f6ffin, die aus einem Strafprozess wegen Befangenheit rausflog &#8211; wegen eines Schokoladenweihnachtsmanns f\u00fcr drei Euro maximal. Den hatte n\u00e4mlich eine Sch\u00f6ffin\u00a0 am Nikolaustag an die Staatsanw\u00e4ltin und andere verschenkt.<\/p>\n<p>Noch ein Beispiel gef\u00e4llig? Wenn Polizisten ein Unternehmen durchsuchen, nehmen sie\u00a0 heutzutage nicht mal ein Glas Wasser dabei an, erz\u00e4hlt die Juristin. Um ja nicht als korrupt dazustehen. Deshalb br\u00e4chten die Polizisten sich inzwischen ihr eigenes Wasser mit.<\/p>\n<p>Umgekehrt bringt auch Holloch, wenn sie zu Verhandlungen ins Landeskriminalamt (LKA) f\u00e4hrt, ein Care-Paket gleich f\u00fcrs ganze Team mit. Das tut sie nicht, weil ihre Kollegen so hungrig und durstig sind, sondern um die Besprechungen so kurz wie m\u00f6glich zu halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr sich selbst hat die D\u00fcsseldorferin immer N\u00fcsse, Wasser und einen Thermobecher mit Ingwertee dabei, um im Zweifel nur ja lange durchhalten zu k\u00f6nnen. &#8222;Wenn\u00b4s der Aufkl\u00e4rung eines Falles dient, bleibe ich stundenlang.&#8220; Und wenn sie sich &#8211; wie bei einem ihrer letzten Auslandseins\u00e4tze &#8211; mit M\u00f6hren von einem Markt bewaffnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_669269\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-669269\" class=\"size-full wp-image-669269\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/holloch1.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/holloch1.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/holloch1-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/holloch1-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-669269\" class=\"wp-caption-text\">Karin Holloch (Foto: C.T\u00f6dtmann)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr sie ist ein Job professionell gelaufen, wenn ihr Einsatz so ausgeht: Entweder a) geht der T\u00e4ter, kassiert keine Abfindung, zahlt dem Unternehmen Schadenersatz und der Fall ist abgeschlossen. Oder b) der T\u00e4ter verl\u00e4sst die Company, bekommt eine kleine Abfindung und unterschreibt eine Klausel, dass er das Geld zur\u00fcck bezahlt, wenn strafrechtliche Ermittlungen erfolgen. Oder c) wenn die K\u00fcndigung des T\u00e4ters mit gerichtlicher Hilfe geschieht. Denn so selbstbewusste T\u00e4ter gibt es durchaus, die trotz Beweise ihrer Schuld die Firma wegen Rufsch\u00e4digung verklagen, sagt Holloch.<\/p>\n<p>Ebenso erstaunlich ist, wie brav T\u00e4ter ihre Laptops abliefern &#8211; im festen Glauben, ihre Untaten blieben unentdeckt. Dabei: Legal Techniker, Investigativ-Rechercheure, die intelligente Suchen aufsetzen, finden alles, meint Holloch. Nat\u00fcrlich schreiben T\u00e4ter nicht &#8222;Danke f\u00fcrs Kickback&#8220;. Einer schrieb immer &#8222;guy&#8220;, wenn er Zwischenh\u00e4ndler meinte. Ein anderer verwandte das Wort &#8222;Powerl\u00e4cheln&#8220;. Der Mann hatte Geld unterschlagen und beispielsweise Mitarbeiterinnen von Kunden umgarnt mit S\u00e4tzen wie &#8222;ich sende Dir ein Powerl\u00e4cheln&#8220;. Ein anderer sprach Frauen immer mit &#8222;Hello, Honey&#8220; an, um N\u00e4he herzustellen. Es wirkte tats\u00e4chlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was Holloch beeindruckt: Eigentlich wollen immer alle T\u00e4ter reden. Und sie sei Expertin f\u00fcr unangenehme Fragen. Sie wundere sich, wie ehrlich viele Menschen antworten. Denn sie hielten selbst den Druck nicht aus, sie wollten die Karten auf den Tisch legen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie sie mit Hinweisgebern, also Whistleblowern umgeht? Die m\u00fcsse sie bestm\u00f6glich sch\u00fctzen,sagt sie. Sie zum Beispiel treffen, ohne dass deren Vorgesetzte etwas mitbekommen. Die Handys m\u00fcssen abgeschaltet sein und man trifft sich an Orten, die plausibel seien.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jeder achtet auf andere Dinge<\/strong><\/p>\n<p>Und noch etwas hat sie in all ihren Berufsjahren gelernt: Dass sie verschiedene Leute im Team braucht, die auf Verschiedenes achten. Sie selbst erkenne ziemlich schnell, wer mit wem ein sexuelles Verh\u00e4ltnis habe. Typisch f\u00fcr Frauen, die eben immer auf Interaktionen achten. Aber in einem Moment, da war sie dem Team-Kollegen zutiefst dankbar, weil der besonders geistesgegenw\u00e4rtig war. Der n\u00e4mlich sah, dass ein Mitarbeiter ihres Auftraggebers eine Pistole mit sich f\u00fchrte. Nur: Der Mann war letztlich doch kein T\u00e4ter, aber er war in Russland t\u00e4tig und musste sich selbst sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-669271\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/holloch.suppe_.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/holloch.suppe_.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/holloch.suppe_-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/12\/holloch.suppe_-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur integere Leute arbeiten in ihrem Team, erz\u00e4hlt Anw\u00e4ltin Karin Holloch aus der Kanzlei Jones Day, Spezialistin f\u00fcr interne Ermittlungen in Unternehmen. 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