{"id":669151,"date":"2018-11-13T07:00:34","date_gmt":"2018-11-13T06:00:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=669151"},"modified":"2018-11-13T01:31:26","modified_gmt":"2018-11-13T00:31:26","slug":"das-richtige-timing-fuer-den-ruecktritt-ulrich-goldschmidt-analysiert-wie-man-die-deutungshoheit-behaelt-und-seinen-guten-ruf-behaelt-so-wie-angela-merkel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/11\/13\/das-richtige-timing-fuer-den-ruecktritt-ulrich-goldschmidt-analysiert-wie-man-die-deutungshoheit-behaelt-und-seinen-guten-ruf-behaelt-so-wie-angela-merkel\/","title":{"rendered":"Das richtige Timing f\u00fcr den R\u00fccktritt: Ulrich Goldschmidt analysiert, wie man die Deutungshoheit beh\u00e4lt und seinen guten Ruf beh\u00e4lt &#8211; so wie Angela Merkel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Angela Merkels R\u00fcckzug ist ein Vorbild &#8211; auch f\u00fcr Manager, meint\u00a0\u00a0Ulrich Goldschmidt,\u00a0CEO vom Berufsverband DFK &#8211; Die F\u00fchrungskr\u00e4fte.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_665877\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-665877\" class=\"size-full wp-image-665877\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/09\/goldschmidt.neu_.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"488\" \/><p id=\"caption-attachment-665877\" class=\"wp-caption-text\">Ulrich Goldschmidt<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die R\u00fccktritts-Allergie<\/strong><\/p>\n<p>Ob in der Politik, in der Wirtschaft oder im Sport: Menschen, die lange an der Spitze gestanden haben, schaffen es nicht los zu lassen und verpassen den Zeitpunkt, rechtzeitig zur\u00fcck zu treten. Bei einigen entwickelt sich eine regelrechte R\u00fccktritts-Allergie. Ist aber der richtige Moment erstmal vorbei, beginnt oft ein qu\u00e4lender Prozess mit einem am Ende schmerzhaften Abschied. Und der vernichtet schlimmstenfalls die\u00a0 \u00fcber viele Jahre aufgebaute Reputation. Selbst langj\u00e4hrige Vertraute und Wegbegleiter durchleben dann Phasen des Unverst\u00e4ndnisses, des Mitleids und des Zorns. Eine Mischung, die oft genug dazu f\u00fchrt, dass der R\u00fccktrittsallergiker am Ende mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Theoretisch kennt jeder das Problem&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Ja, jeder kennt diese F\u00e4lle. Jeder wei\u00df, was passieren kann &#8211; und trotzdem tun sich die Menschen so schwer damit, f\u00fcr sich selbst die richtigen Entscheidungen daraus abzuleiten.<\/p>\n<p>Woran liegt das? Warum erkennt der Tennis-Profi nicht, dass er nicht mehr Center-Court-Qualit\u00e4t hat, sondern bestenfalls noch zu Provinzturnieren \u00fcber die D\u00f6rfer tingeln kann. Warum haben Politiker wie Helmut Kohl oder Maggie Thatcher nicht rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkannt? Warum mussten diese qu\u00e4lend langen Abschiede von Wirtschaftsgr\u00f6\u00dfen wie Josef Ackermann oder Ferdinand Pi\u00ebch sein?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Ironie: Was einst erfolgreich machte, steht sp\u00e4ter im Weg<\/strong><\/p>\n<p>Nun, zum einen hat es schon eine gewisse Ironie, dass erfolgreichen Menschen in solchen Situationen oft genug genau das auf die F\u00fc\u00dfe f\u00e4llt, was sie erfolgreich gemacht hat. Der Aufstieg in Spitzenpositionen erfordert n\u00e4mlich ein hohes Ma\u00df an Resilienz und die F\u00e4higkeit, Ziele mit gro\u00dfer Durchsetzungsst\u00e4rke auch gegen interne und externe Widerst\u00e4nde zu erreichen. Und genau f\u00fcr diese Durchsetzungsst\u00e4rke werden diese Spitzenkr\u00e4fte ja auch gesch\u00e4tzt \u2013 von Sportfans, von Investoren, Aufsichtsr\u00e4ten, Mitarbeitern oder W\u00e4hlern.<\/p>\n<p>Wandelt sich diese Resilienz aber irgendwann in eine sch\u00e4dliche Kritik-Immunit\u00e4t und Beratungsresistenz, stehen die Eigenschaften, die die Menschen gro\u00df und erfolgreich gemacht haben, ihnen in Krisensituationen im Weg. Insbesondere wenn es darum geht, den richtigen Weg und richtigen Zeitpunkt f\u00fcr den Abschied von der Macht zu erkennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Ende vom Lied: Sturheit und pathologisches Beharrungsverm\u00f6rgen<\/strong><\/p>\n<p>Mehr noch: Resilienz f\u00fchrt nicht nur zu Kritik-Immunit\u00e4t, sondern dann auch zu Sturheit und pathologischem Beharrungsverm\u00f6gen. Statt sich in die Notwendigkeit des Abschieds zu f\u00fcgen, entfachen sie nochmal besonderen Aktionismus, angefeuert durch das Gef\u00fchl der eigenen Unfehlbarkeit und Unangreifbarkeit. Denn die Kritiker k\u00f6nnen ja nicht recht haben. Denn wenn sie so klug w\u00e4ren, s\u00e4\u00dfen sie ja auf dem Spitzenplatz und an den Schalthebeln der Macht und w\u00e4ren nicht nur anma\u00dfende Kritiker.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die eigene Reputation im Nachhinein besch\u00e4digen<\/strong><\/p>\n<p>Man rennt immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand in der Erwartung, die Wand werde schon irgendwann ihre intellektuelle Unterlegenheit erkennen und freiwillig zur Seite treten. Ein Erkenntnisprozess, der bei W\u00e4nden eher selten zu beobachten ist. Am Ende steht dort jemand, der nicht nur eine blutige Nase und Kopfschmerzen hat, sondern der auch seine Reputation durch seine eigene Uneinsichtigkeit nachhaltig ruiniert hat. Und genau dieses Bild bleibt den Menschen im Ged\u00e4chtnis und \u00fcberlagert alle Erfolge der Vergangenheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das gute Beispiel: Angela Merkel<\/strong><\/p>\n<p>Wesentlich eleganter hat da in diesen Tagen Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren Abschied von \u00c4mtern und Macht eingeleitet. Angenehm unaufgeregt ist es ihr gelungen, den Eindruck einer klaren strategischen Planung zu erwecken. Der Zeitpunkt war klug gew\u00e4hlt, weil keine Kollision mit anstehenden Wahlk\u00e4mpfen ausgel\u00f6st wurde. Sie hat einen nachvollziehbaren Zeitplan mit definierten Zwischenschritten kommuniziert. Am Anfang steht der R\u00fcckzug vom Parteivorsitz und der weitere Weg zum geplanten Ende der Kanzlerschaft ist erkennbar und mit einem Endpunkt terminiert. Sie machte nicht den Eindruck einer Getriebenen, sondern einer politischen F\u00fchrungskraft, die die Dinge noch selbst und aus eigenem Antrieb bestimmt. Das hatte Stil und gibt die Chance, das Ganze entsprechend w\u00fcrdevoll zu Ende zu bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was kann man also daraus lernen? Was man f\u00fcr einen R\u00fcckzug ohne Ansehensverlust braucht:<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte brauchen die F\u00e4higkeit zur Selbstkritik, die F\u00e4higkeit sich immer wieder selbst zu hinterfragen und die Erkenntnisbereitschaft, dass die Sache, der man dient, gr\u00f6\u00dfer ist als man selbst.<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte brauchen ein Umfeld, von dem sie n\u00f6tigenfalls auch unbequeme Wahrheiten zu h\u00f6ren bekommen und die Bereitschaft, Ratschl\u00e4ge auch anzunehmen.<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte sollten f\u00fcr sich rechtzeitig eine Exit-Strategie entwickelt haben. Ein R\u00fccktritt sollte m\u00f6glichst nicht aus der Not heraus geboren sein, sondern das Ergebnis klarer Planung und \u00dcberlegung sein. Hat man einen Plan A als die Ideall\u00f6sung f\u00fcr sich definiert, sollten idealerweise Plan B, C und D als Alternativen hinzutreten, auf die man eventuell sogar in Kombination zur\u00fcckgreifen, wenn Plan A nicht funktionieren sollte.<\/p>\n<p>Man sollte zudem Indikatoren definieren, die einem selbst die regelm\u00e4\u00dfige Kontrollm\u00f6glichkeit geben, ob man noch auf dem richtigen Platz sitzt oder es Zeit ist zu gehen, wenn die Kontrollleuchte auf rot springt.<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte sollten alles daran setzen, die Deutungshoheit zu behalten. Unverzichtbarer Teil der Exit-Strategie ist deshalb die Kommunikation. Storytelling ist auch hier mitentscheidend f\u00fcr den Erfolg, wenn man die F\u00e4den in der Hand behalten, Chaos bei der Amts\u00fcbergabe vermeiden und die Reputation sch\u00fctzen will.<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte sind auch nur Menschen und haben durchaus dieselben \u00c4ngste. Die durchaus menschliche Furcht vor Bedeutungsverlust muss daher durch neue Ziele und Aufgaben kompensiert werden. Das k\u00f6nnen durchaus auch ehrenamtliche Funktionen sein, mit der man der Gesellschaft etwas zur\u00fcckgibt und die pers\u00f6nlich bereichernd sind.<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte sollten mit Stil und W\u00fcrde abtreten. Bitte kein Nachtreten, kein Begleichen alter Rechnungen, keine Revanche-Fouls, keine \u201eNacht der langen Messer\u201c zum Abschied. Es hilft die schlichte Frage: Wie m\u00f6chte ich den Menschen in Erinnerung bleiben? Soll meine Person mit den Begriffen Erfolg, Stil und W\u00fcrde verbunden bleiben oder f\u00fcr kleinkarierte Rachsucht stehen, f\u00fcr schmutzige W\u00e4sche, die in aller \u00d6ffentlichkeit ausgebreitet wird und Besserwissereien, die vom Trib\u00fcnenplatz aufs Spielfeld gerufen werden?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fchrungskr\u00e4fte sollten erkennen, dass kein Amt auf dieser Welt so wichtig ist, dass es t\u00e4glich qu\u00e4lende Verteidigungsk\u00e4mpfe rechtfertigen w\u00fcrde. Und keine F\u00fchrungskraft ist so wichtig, dass nur sie selbst in der Lage w\u00e4re, dieses Amt auszu\u00fcben. Vielleicht der wichtigste Rat: Etwas mehr Demut und sich selbst nicht so wichtig nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8222;Es ist eine Regel der Klugen, die Dinge zu verlassen, ehe sie uns verlassen&#8220;, lautet ein Aphorismus des spanischen Schriftstellers und Philosophen Balthasar Graci\u00e1n. Dass er diesen Satz schon im 17. Jahrhundert aufgeschrieben hat, zeigt uns auch dass es sich um kein Problem der Neuzeit handelt, sondern sich wohl eher durch die gesamte Menschheitsgeschichte zieht. Umso wichtiger ist es, sich dies als st\u00e4ndige Mahnung und Erinnerung vor Augen zu halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_668407\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668407\" class=\"size-medium wp-image-668407\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-668407\" class=\"wp-caption-text\">Der neue Blogger-Relevanz-Index 2018<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angela Merkels R\u00fcckzug ist ein Vorbild &#8211; auch f\u00fcr Manager, meint\u00a0\u00a0Ulrich Goldschmidt,\u00a0CEO vom Berufsverband DFK &#8211; Die F\u00fchrungskr\u00e4fte. &nbsp; &nbsp; Die R\u00fccktritts-Allergie Ob in der Politik, in der Wirtschaft oder im Sport: Menschen, die lange an der Spitze gestanden haben, &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/11\/13\/das-richtige-timing-fuer-den-ruecktritt-ulrich-goldschmidt-analysiert-wie-man-die-deutungshoheit-behaelt-und-seinen-guten-ruf-behaelt-so-wie-angela-merkel\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[7181,428,7784,2315],"class_list":["post-669151","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-dfk-die-fuehrungskraefte","tag-gastbeitrag","tag-ruecktritt","tag-ulrich-goldschmidt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/669151","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=669151"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/669151\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":669154,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/669151\/revisions\/669154"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=669151"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=669151"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=669151"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}