{"id":668719,"date":"2018-09-15T14:50:55","date_gmt":"2018-09-15T12:50:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=668719"},"modified":"2018-09-16T23:54:56","modified_gmt":"2018-09-16T21:54:56","slug":"aufgeschnappt-9-was-man-mittags-in-der-city-so-hoert-wenn-bei-metoo-vorwuerfen-personaler-stiekum-die-taeter-zu-schuetzen-versuchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/09\/15\/aufgeschnappt-9-was-man-mittags-in-der-city-so-hoert-wenn-bei-metoo-vorwuerfen-personaler-stiekum-die-taeter-zu-schuetzen-versuchen\/","title":{"rendered":"Aufgeschnappt (9) &#8211; Was man mittags in der City so h\u00f6rt: Wenn bei #metoo-Vorw\u00fcrfen Personaler stiekum die Top-Manager und T\u00e4ter zu sch\u00fctzen versuchen"},"content":{"rendered":"<p class=\"yiv8171220643MsoNormal\">Das \u00dcble an den #metoo-F\u00e4llen ist ja oft nicht so sehr der \u00dcbergriff selbst. Wenn Frauen &#8211; meist sind es ja doch Frauen &#8211; angetatscht, bedr\u00e4ngt oder gar tats\u00e4chlich so in die Enge gedr\u00e4ngt werden, dass sie sich &#8222;auf die Besetzungscouch&#8220; zwingen lassen. Gerade diesen Begriff verwenden dazu gerne augenzwinkernd oder laut lachend Herren 50+, bei denen auch heute noch die Ernsthaftigkeit des Themas nicht angekommen ist. Weil\u00b4s doch schon immer so war, hoho. Weil man\u00b4s doch kennt. Ist doch sowieso nichts Neues, sondern uralt &#8211; und quasi langweilig oder \u00fcblich, winken sie ab. Und deshalb sei es irgendwie doch nicht schlimm. Weil man\u00b4s doch wei\u00df. So die Logik. So weit so verquer.<\/p>\n<p class=\"yiv8171220643MsoNormal\">Doch zur\u00fcck zum Ausgangspunkt: Das \u00dcble f\u00fcr #metoo-Opfer ist nicht nur der kurze Augenblick der Erniedrigung, sondern die langen Jahre des Bestraft-Werdens danach. Wenn Mann zur Strafe f\u00fcrs Zur\u00fcck-gewiesen-werden und aus Rache der Karriere der Frau einen Handkantenschlag verpasst. Sie stoppt oder gar zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>So erging`s auch der Frau, die mir mittags in der City von ihren #metoo-Erlebnissen erz\u00e4hlte. Gleich zwei F\u00fchrungskr\u00e4fte auf der Hierarchieebene unterhalb der obersten Chefetage wollten sie anbaggern, stellten ihr nach, wurden anz\u00fcglich. Jedesmal hatte sie sich aus der Situation gewunden.<\/p>\n<p>Doch das bittere Ende kam trotzdem. Beide verhinderten Don Juans r\u00e4chten sich. Indem sie ihr Monate sp\u00e4ter ein Beinchen stellten und daf\u00fcr sorgten, dass sie ihren bereits zugesagten, unbefristeten Vertrag doch nicht bekam. Durch pures Madig-machen der Frau und lautem Anzweifeln ihrer Kompetenz &#8211; nat\u00fcrlich immer hinter geschlossenen T\u00fcren. Egal was die Frau schon vorgeleistet hatte, an Erfolg vorweisen konnte und egal wie qualifiziert sie sowieso war, so etwas wirkt, wenn\u00b4s von oben kommt. Und so ist es ja auch gewollt.<\/p>\n<p>Das sind die #metoo-F\u00e4lle, die nie vor irgendeinen Richter kommen. Gestern nicht, heute nicht und morgen sicher auch nicht. Denn wer will diese Kausalit\u00e4t beweisen? Genau.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Beschwerde erfolgte nicht schriftlich, kam gar nicht bis zur Personalakte &#8211; Pech\u00a0f\u00fcr Opfer, Gl\u00fcck f\u00fcr T\u00e4ter<\/strong><\/p>\n<p>Um Nicht-Beweisbarkeit geht\u00b4s auch in all den F\u00e4llen, in denen heute Anw\u00e4lte als interne Ermittler in Medienunternehmen oder Organisationen interne Ermittlungen zu\u00a0m\u00f6glichen #metoo-F\u00e4llen anstellen. Um aufzukl\u00e4ren, ob sich jemand etwas hat zuschulden kommen lassen, gucken sie in die Personalakten. Und wenn sie da keine Notizen oder sonstwas drin finden, ist f\u00fcr die Ermittler der Fall offenbar klar: dann war da wohl auch nix. Sprich: der Betroffene ist nicht als Schuldiger anzusehen und es muss auch kein Top-Manager\u00a0 abtreten, der weggeguckt hat, dem Organisationsverschulden und Kontrollversagen vorzuwerfen ist. Und dass er kein funktionierendes Hinweisgebersystem installiert hat.<\/p>\n<p>Ein Medienbetrieb beispielsweise beeilte sich nach \u00f6ffentlichen #metoo-Vorw\u00fcrfen anno 2018 Ansprechpartner f\u00fcr bel\u00e4stigte Frauen &#8211; oder vielleicht auch M\u00e4nner &#8211; erstmals zu benennen. Etwas sp\u00e4t. Und Vers\u00e4umnisse der Vergangenheit sind so jedenfalls nicht zu heilen. Im Nachhinein. Es mag Richter milder stimmen, wenn\u00b4s um die H\u00f6he einer Strafe geht, aber ungeschehen macht es nichts.<\/p>\n<p>Auch nicht, wenn in Personalakten m\u00f6glicher T\u00e4ter nur nichts dazu abgeheftet wurde. Denn: Wom\u00f6glich wurde<\/p>\n<p>a) von Personalern, denen sich Opfer offenbarten, nichts mitgeschrieben.<\/p>\n<p>b) Oder es wurde ein Notizzettel angelegt, aber der landete dann eben doch im Papierkorb &#8211; statt in der Personalakte oder &#8211; wo es hingeh\u00f6rt h\u00e4tte &#8211; auf dem Schreibtisch der Top-Manager, der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer.<\/p>\n<p>Denn, <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/08\/03\/interview-mit-arbeitsrechtler-marcus-iske-was-top-manager-wegen-metoo-faellen-in-ihrem-unternehmen-fuerchten-muessen\/\">so schrieb Arbeitsrechtler Marcus Iske von Fieldfisher schon hier im Management-Blog:<\/a> die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer sind diejenigen in der Company, die letztlich die Zust\u00e4ndigen sind f\u00fcr #metoo-Beschwerden: Zust\u00e4ndig daf\u00fcr, Beschwerdestellen einzurichten oder ausdr\u00fccklich die Personalabteilung als Verantwortliche f\u00fcr diese Beschwerden zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Welches Opfer marschiert schon zum Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer<\/strong><\/p>\n<p>Nur: Welches #metoo-Opfer kommt auf die Idee &#8211; und hat die Traute &#8211; gleich zum Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer zu marschieren, um sich \u00fcber Attacker oder \u00dcbergriffige zu beschweren? Richtig, keins.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Pflicht, Beschwerdestellen und Hinweisgebersysteme zu installieren<\/strong><\/p>\n<p>Solange die obersten Entscheider weder Hinweisgebersystem installieren noch jemand im Unternehmen f\u00fcr zust\u00e4ndig zu erkl\u00e4ren, l\u00e4uft es so wie im Fall der jungen Frau, die mir in der Mittagspause von ihren F\u00e4llen erz\u00e4hlte. Ihre beiden Beschwerden bei einer Personalabteilung \u00fcber zwei verschiedene F\u00fchrungskr\u00e4fte liefen ins Leere und sie bekam nie ein Feedback.<\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen sprach sie bei der Personalabteilung vor. Mitgeschrieben wurde nur in einem der zwei F\u00e4lle &#8211; Feedback bekam sie nie. In die Personalakten der T\u00e4ter wanderten diese Notizen wohl auch nicht. Und eine Zeugenaussage von ihr als Opfer wurde auch nie mehr nachgefragt. Nur eins fiel ihr auf: Im einen Fall wurde der T\u00e4ter ganz unauff\u00e4llig umgesetzt &#8211; an eine Stelle, wo es keine Werkstudentinnen wie sie mehr gab. Im andere Fall h\u00f6rten die Zudringlichkeiten des Mannes schlagartig auf.<\/p>\n<p>Erledigung durch Unter-den-Teppich-kehren &#8211; zumindest, f\u00fcrs erste. Disziplinarma\u00dfnahmen? Fehlanzeige. Auch nicht zur Abschreckung anderer m\u00f6glicher T\u00e4ter im Unternehmen. Summa summarum waren die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer hier f\u00fcrs erste vor Managerhaftung und juristischer Verfolgung gesch\u00fctzt, T\u00e4ter ebenso. Nur, wenn doch noch jemand genau hinsieht, wird es nicht helfen: es bleibt beim Organisationsverschulden der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer, die weder Hinweisgebersystem noch Beschwerdestelle installiert hatten.<\/p>\n<p>Ex-Siemens-Vorstand Hans-Joachim Neub\u00fcrger kostete dieses Vers\u00e4umnis mehrere Millionen Euro aus seinem Privatverm\u00f6gen und am Ende nahm er sich das Leben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"hs6gBfNHgl\"><p><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/08\/03\/interview-mit-arbeitsrechtler-marcus-iske-was-top-manager-wegen-metoo-faellen-in-ihrem-unternehmen-fuerchten-muessen\/\">Interview mit Arbeitsrechtler Marcus Iske: Was Top-Manager wegen #metoo-F\u00e4llen in ihrem Unternehmen f\u00fcrchten m\u00fcssen<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Interview mit Arbeitsrechtler Marcus Iske: Was Top-Manager wegen #metoo-F\u00e4llen in ihrem Unternehmen f\u00fcrchten m\u00fcssen&#8220; &#8212; Management-Blog\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/08\/03\/interview-mit-arbeitsrechtler-marcus-iske-was-top-manager-wegen-metoo-faellen-in-ihrem-unternehmen-fuerchten-muessen\/embed\/#?secret=xaulZagyo7#?secret=hs6gBfNHgl\" data-secret=\"hs6gBfNHgl\" width=\"584\" height=\"329\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<div id=\"attachment_668407\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668407\" class=\"size-medium wp-image-668407\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><p id=\"caption-attachment-668407\" class=\"wp-caption-text\">Der neue Blogger-Relevanz-Index 2018<\/p><\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p class=\"yiv8171220643MsoNormal\">:<\/p>\n<p class=\"yiv8171220643MsoNormal\">\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u00dcble an den #metoo-F\u00e4llen ist ja oft nicht so sehr der \u00dcbergriff selbst. 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