{"id":668691,"date":"2018-11-12T07:00:37","date_gmt":"2018-11-12T06:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=668691"},"modified":"2018-11-12T11:16:08","modified_gmt":"2018-11-12T10:16:08","slug":"kontrollwahn-respektlosigkeit-im-umgang-und-regelhoerigkeit-beschaedigen-die-unternehmensseele-doch-die-ist-fuer-den-erfolg-unverzichtbar-gastbeitrag-von-bruno-hartmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/11\/12\/kontrollwahn-respektlosigkeit-im-umgang-und-regelhoerigkeit-beschaedigen-die-unternehmensseele-doch-die-ist-fuer-den-erfolg-unverzichtbar-gastbeitrag-von-bruno-hartmann\/","title":{"rendered":"Kontrollwahn, Respektlosigkeit im Umgang und Regelh\u00f6rigkeit besch\u00e4digen die Unternehmensseele &#8211; doch die ist f\u00fcr den Erfolg unverzichtbar. Gastbeitrag von Bruno Hartmann"},"content":{"rendered":"<p><strong>Haben Unternehmen eine Seele? Ja, und die ist entscheidend f\u00fcr den Erfolg. Das gilt insbesondere f\u00fcr den Fortschritt und die digitale Transformation, meint Bruno Hartmann, F\u00fchrungskraft im Vertrieb beim Industriehydraulikhersteller Bosch Rexroth und <a href=\"https:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783658135812\">Buchautor<\/a>. Der\u00a0Ingenieur f\u00fcr Antriebstechnik hat die Aufl\u00f6sung des Mannesmann-Konzerns miterlebt und den Wandel zu einem modernen Technologiekonzern. Ein Gastbeitrag.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_668692\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668692\" class=\"size-full wp-image-668692\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/09\/HartmannBruno.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"433\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/09\/HartmannBruno.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/09\/HartmannBruno-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/09\/HartmannBruno-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-668692\" class=\"wp-caption-text\">Bruno Hartmann (Foto: Presse)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Digitaler Wandel:\u00a0<\/strong><strong>Die Unternehmenssele kultivieren\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Wenn das Mitarbeitergespr\u00e4ch im Wesentlichen aus dem prozess-konformen Ausf\u00fcllen eines Online-Formulars besteht, sich die Belegschaft l\u00e4ngst in Digital Natives und Digital Immigrants teilt und Kollegen sich per Video-Bild ins Meeting begeben, wird klar: Die Digitalisierung steht nicht nur ins Haus, sie hat oft die Unternehmenskultur bereits fest im Griff.<\/p>\n<p>Nur: Viel von dem, was eigentlich Zeit sparen soll, kostet tats\u00e4chlich Verbundenheit. Der scheinbar seelenlose Datentransfer, die zunehmende Prozessorientierung und Automatisierung l\u00e4sst auf den ersten Blick wenig Raum f\u00fcr das, was die noch immer wichtigste Ressource eines Unternehmens ausmacht: die F\u00e4higkeit von Menschen, kreativ zu sein, zu lernen, und der Wille, gemeinsam mit anderen Ziele zu erreichen, die ein einzelner nie erreichen kann.<\/p>\n<p>Wenn man schon jetzt \u00fcber gut gemeinte IT-basierte Human-Ressource-Prozesse stolpert, weil ihre Nutzer den Sinn bezweifeln, wie will man dann erst digitale Ver\u00e4nderungen vom Kaliber einer vernetzten Fertigung, eines Internet der Dinge oder einer Blockchain-Technologie auf der menschlichen Ebene meistern? Diese Frage treibt mich als Manager in einem Technologieunternehmen intensiv um.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ohne Unternehmensseele kein wirtschaftlicher Erfolg<\/strong><\/p>\n<p>Ein Faktor, den kaum einer auf dem Radar hat, wird dabei ma\u00dfgeblich f\u00fcr den Erfolg oder Misserfolg der digitalen Transformation eine Rolle spielen: die Unternehmensseele. Was esoterisch anmutet und in keinem MBA-Lehrbuch steht, das ich kenne, hat tats\u00e4chlich gro\u00dfe Relevanz f\u00fcr den wirtschaftlichen Erfolg. Nach mehr als 25 Jahren Erfahrung habe ich aber gelernt: Gesunde und erfolgreiche Unternehmen haben durchaus eine Seele. Dieses kollektive Gef\u00fchl, mit anderen gemeinsam Wert zu schaffen, auf den man stolz sein kann \u2013 und das in der digitalen Transformation den Unterschied zwischen sehr erfolgreichen Unternehmen und allen anderen machen wird. Um Innovationen voranzutreiben und damit einhergehende Risiken zu meistern, brauchen Unternehmen kompetente, selbstst\u00e4ndig denkende Mitarbeiter mit hoher Identifikation. Die Seele eines Unternehmens ist dabei die Quelle f\u00fcr die n\u00f6tig Kraft, um Ver\u00e4nderungen zu stemmen, und f\u00fcrs Selbstbewusstsein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Indizien f\u00fcrs Seelenheil der Firma<\/strong><\/p>\n<p>Was in Zeiten starken Wandels Unternehmen robust macht? Das Engagement eigenverantwortlich handelnder, mitdenkender Experten, die in einer komplexen Arbeitswelt unverzichtbar sind. Der selbstheilende Regelkreise von Mitarbeitern, die Managementfehler kompensieren. Ein F\u00fchrungsteam, das seine unterschiedlichen St\u00e4rken bewusst, ohne gegenseitigen Futterneid einsetzt und dabei mutig, lernwillig sowie entschieden voranschreitet. Das alles sind unverkennbare Indizien f\u00fcrs unternehmerische Seelenheil.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wenn Kontrollparanoia regiert, leidet die Unternehmensseele<\/strong><\/p>\n<p>Was aber sind klare Zeichen f\u00fcr den Geist von Unternehmen? Chefs, die an den Schnittstellen ihrer Organisation pragmatische, wertorientierte L\u00f6sungen in der Zusammenarbeit suchen, statt politisch korrekt auf ihre eigene Macht zu bestehen. Oder die vielleicht die eigenen Mitarbeiter Stellvertreter-Kriege ums Ego f\u00fchren lassen, sind klare Zeichen daf\u00fcr, welcher Geist im Unternehmen herrscht. Der Faktor Seele l\u00e4sst sich zwar nicht in Kennzahlen messen, aber an verschiedenen Indikatoren ziemlich genau ablesen. Zum Beispiel: Wo die Seele darbt, herrschen Kontroll-Paranoia, Respektlosigkeit im Umgang und Regelh\u00f6rigkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ein Drahtseilalkt: Digitalisierung<\/strong><\/p>\n<p>Es ist beeindruckend, welche M\u00f6glichkeiten moderne Rechnerleistung und weltweite Vernetzung schaffen. Alle Unternehmensbereiche ver\u00e4ndern sich rasant \u2012 von der Produktentwickelung, dem Einkauf oder der k\u00fcnftigen Beziehungspflege mit den Kunden. Einige Start-Ups werden milliardenschwere Unternehmen, scheinbar \u00fcber Nacht.<\/p>\n<p>Die Frage ist: Lassen sich die Erfolgsmodelle so einfach kopieren? Die Herausforderung f\u00fcr das Gros unserer Unternehmen besteht doch vielmehr darin, eine eigene Balance zu finden zwischen digitalen Chancen und Risiken. Die Falschlieferung eines Buchs bei einem Online-H\u00e4ndler birgt ein anderes Risiko als falsche Daten im System eines Industriebetriebs, der damit m\u00f6glicherweise eine teure Anlage zum Erliegen bringt.<\/p>\n<p>Die Herausforderung f\u00fcr Unternehmen besteht im ausgewogenen Verh\u00e4ltnis zwischen Chance und Risiko, zwischen heutigem Cash-Flow und angemessener Investition in zuk\u00fcnftige Technologien, zwischen Prozess-Optimierung zur Effizienzsteigerung und Freiraum f\u00fcr Kreativit\u00e4t und Lernen. Gerade hier kommt der Seele eine zentrale Rolle zu: wenn Mitarbeiter wie F\u00fchrungskr\u00e4fte sich mit dem Unternehmen, der Gruppe und dem, was sie f\u00fcr ihre Kunden tun, identifizieren, entsteht ganz automatisch Ver\u00e4nderungsbereitschaft. Sie werden Neues ausprobieren und den Mut haben, kalkulierbare Risiken einzugehen und Fehler zu machen.<\/p>\n<p>Wo statt Freude am gemeinsamen Erfolg jedoch nur Kennzahlenparanoia, Gleichg\u00fcltigkeit oder gar Angst herrschen, bleibt Potenzial auf der Strecke \u2013 und die Bereitschaft, die Digitalisierung mitzutragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kunden zahlen f\u00fcr Probleml\u00f6sungen &#8211; und die \u00e4ndern sich laufend<\/strong><\/p>\n<p>Gr\u00fcnder treibt sie meist eine Idee: ein Problem um Lichtjahre besser zu l\u00f6sen als bisher. Diese Vision treibt sie an. Auf dem Weg m\u00fcssen sie immer wieder Geldgeber von ihrer Idee \u00fcberzeugen, und sie regelm\u00e4\u00dfig ihre Idee, ihren Weg und ihren Fortschritt hinterfragen.<\/p>\n<p>In gestandene Unternehmen f\u00e4llt das oft schwerer: Man hat ja &#8222;das ja schon immer so gemacht\u201c. Aber Achtung: Kunden bezahlen f\u00fcr Probleml\u00f6sungen und gute Gef\u00fchle. Und das ist keine Konstante, sondern ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig. Weil sich die M\u00f6glichkeiten, das Leben und auch Wettbewerber ver\u00e4ndern. Warum schicken Sie nicht Ihre alten Hasen, die Produkte, Gesch\u00e4ft und Kunden kennen, zusammen mit den Digital Natives in Workshops mit der Fragestellung: Wer sind unsere Kunden morgen? Welches Problem und welches gute Gef\u00fchl adressieren wir morgen f\u00fcr sie? Wof\u00fcr bezahlen sie uns morgen, und wof\u00fcr nicht mehr? Warum sollen nicht die Erfahrenen und die jungen Wilden zusammen eine Delle ins Universum hauen und neue Wertangebote schaffen?<\/p>\n<p>Diese Ideen gilt es zu testen, zu skalieren und ins ganze Unternehmens zu tragen. Lagerbildung in eine alte, wertlose analoge Welt und eine neue, sexy digitale Welt darf nicht sein. Stattdessen muss das Wissen der vermeintlich alten Welt mit den neuen Technologien zusammengebracht werden, um neues Wissen zu generieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nutzen, Stolz, Wert \u2013 weiche Faktoren mit harter Wirkung<\/strong><\/p>\n<p>Im Alltagstrubel verliert man den Blick daf\u00fcr, welchen Wert man f\u00fcr die Kunden schaffen. Wenn Mitarbeiter dagegen bei einer Messe die Maschinen sehen, auf denen ihre Komponenten verbaut wurden, oder an dem Haus vorbei fahren, das sie selbst mitgebaut haben, oder im Krankenhaus sehen, wie ihre scheinbar langweiligen Elektromotoren in Inkubatoren leise und schonend Fr\u00fchchen mit Atemluft versorgen, dann macht das stolz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>F\u00fcr den Kunden Werte schaffen &#8211; und dar\u00fcber reden<\/strong><\/p>\n<p>Auch Ihr Unternehmen bietet seinen Kunden sicherlich tolle Produkte oder Dienstleistungen an. Mein Tipp: Sprechen Sie dar\u00fcber! Lassen Sie in Meetings die eine Kennzahlen-Tabelle oder das andere Cockpit-Chart ungezeigt und nutzen Sie die Zeit, dar\u00fcber zu sprechen, welchen Wert Sie f\u00fcr Ihre Kunden schaffen. Erz\u00e4hlen Sie konkrete Kunden-Geschichten. Lassen Sie Stolz entstehen. Und gehen Sie im Unternehmen \u2013 unabh\u00e4ngig von der Hierarchie \u2013 so miteinander um, dass Sie aufeinander als Kollegen und Menschen stolz sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Entscheidend: Das Empfinden f\u00fcr den Wert, der f\u00fcr Kunden und Mitarbeiter geschaffen wird<\/strong><\/p>\n<p>Das Empfinden f\u00fcr den Wert, den man gemeinsam f\u00fcr die Kunden und die eigenen Mitarbeiter schafft, ist f\u00fcr das Seelenheil eines Unternehmens entscheidend. Dieses Empfinden gilt es, aufrechtzuerhalten und zu kultivieren \u2013 insbesondere in einer Zeit, in der schneller Wandel Verunsicherung mit sich bringt. Eine Herausforderung f\u00fcr Unternehmen, keine Frage. Aber eine der wichtigsten F\u00fchrungsaufgaben w\u00e4hrend der digitalen Transformation: Kultivieren Sie Ihre Unternehmensseele.<\/p>\n<p>\u201cDrahtseilakt Unternehmenswandel-So wird Change Management im Unternehmen \u00fcberfl\u00fcssig\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bruno Hartmann ist Autor des Buchs <a href=\"https:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783658135812\">\u201eDrahtseilakt Unternehmenswandel\u201c<\/a>, https:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783658135812<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #000000;font-family: Calibri;font-size: medium\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Haben Unternehmen eine Seele? Ja, und die ist entscheidend f\u00fcr den Erfolg. Das gilt insbesondere f\u00fcr den Fortschritt und die digitale Transformation, meint Bruno Hartmann, F\u00fchrungskraft im Vertrieb beim Industriehydraulikhersteller Bosch Rexroth und Buchautor. 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