{"id":668683,"date":"2018-09-11T07:01:49","date_gmt":"2018-09-11T05:01:49","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=668683"},"modified":"2018-09-11T00:57:15","modified_gmt":"2018-09-10T22:57:15","slug":"interview-unternehmensberater-gloger-ueber-mittelmanager-in-der-falle-marathonlaufen-erhoeht-den-druck-nur-noch-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/09\/11\/interview-unternehmensberater-gloger-ueber-mittelmanager-in-der-falle-marathonlaufen-erhoeht-den-druck-nur-noch-mehr\/","title":{"rendered":"Interview: Unternehmensberater Gloger \u00fcber Mittelmanager in der Falle &#8211; Marathonlaufen erh\u00f6ht den Druck nur noch mehr"},"content":{"rendered":"<p><strong>Interview mit Unternehmensberater Boris Gloger, zur seiner Studie zusammen mit Erika Regnet, Professorin f\u00fcr Personal und Organisation an der Hochschule Augsburg.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_668686\" style=\"width: 470px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/09\/Gloger.Boris2018._1000x1400.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668686\" class=\"size-full wp-image-668686\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/09\/Gloger.Boris2018._1000x1400.jpg\" alt=\"\" width=\"460\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/09\/Gloger.Boris2018._1000x1400.jpg 460w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/09\/Gloger.Boris2018._1000x1400-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 460px) 100vw, 460px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-668686\" class=\"wp-caption-text\">Boris Gloger (Foto: Presse)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Herr Gloger, Ihre neue Studie zeigt, dass Top-Manager immer weniger Stress haben, je h\u00f6her sie auf der Karriereleiter klettern. Die mittleren Manager dagegen laufen gnadenlos in den Burnout hinein, sagen Sie. K\u00f6nnen Sie das bitte n\u00e4her ausf\u00fchren?<\/strong><\/p>\n<p>Die Manager aus der mittleren Ebene, die ich bei Workshops und Veranstaltungen treffe, sagen mir immer wieder, dass sie die Arbeitsbedingungen f\u00fcr sich und ihre Mitarbeiter gerne \u00e4ndern w\u00fcrden. Dazu f\u00fchlen sie sich aber oft nicht in der Lage, weil sie entsprechenden Druck von den Chefs haben, die Prozesse schlichtweg anders sind, der Kunde keine Ver\u00e4nderung will oder manchmal sogar der Gesetzgeber im Weg steht.<\/p>\n<p>Alle Antworten weisen darauf hin, dass sich Mittelmanager als extrem fremdbestimmt empfinden. Die Indizien: Mitarbeiter d\u00fcrfen sie nur einstellen, wenn die n\u00e4chste F\u00fchrungsebene &#8211; und sogar manchmal der Vorstand &#8211; zustimmt, Budgets sind bereits im Vorjahr zugeordnet worden. Sie haben kaum Spielraum f\u00fcr etwas anders, Ungeplantes. Selbst das eigene Handeln bestimmt ihr Chef operativ. Gleichzeitig w\u00e4chst aber der Arbeitsdruck. Viele Konzerne und noch mehr familiengef\u00fchrte Mittelst\u00e4ndler erhalten sich ihre Profite, indem sie von Jahr zu Jahr Kosten senken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Also sitzen Mittelmanager in der Falle?<\/strong><\/p>\n<p>Neue und innovative Produkte haben da keinen Platz. Mehr und mehr Arbeit und mehr und mehr Projekte m\u00fcssen sie mit weniger Mitarbeitern und mit weniger externer Unterst\u00fctzung durchf\u00fchren.\u00a0All das f\u00fchrt bei vielen Managern zu noch mehr Arbeit. Manager geben h\u00e4ufig an, sie m\u00fcssten ihre Teams sch\u00fctzen und die Mehrarbeit selbst erledigen. Gleichzeitig haben viele Manager noch immer die Vorstellung, nur sie selbst k\u00f6nnten die Dinge am besten und am schnellsten erledigen. Gerade neue Dinge sind selbst schneller erledigt, als man es den Mitarbeitern beigebracht hat.<\/p>\n<p>All das f\u00fchrt zu einer objektiv existierenden und subjektiv wahrgenommen Fremdbestimmung und zu hohem Leistungsdruck. Erholung bleibt auf der Strecke, aber noch wichtiger: Das macht das eigene Denken eng. Innovation braucht nicht unbedingt unz\u00e4hlige Mussestunden, aber ein gewisser Freiraum muss schon da sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nach Ihrer Umfrage f\u00fchlen sich alle F\u00fchrungskr\u00e4fte \u2013 egal auf welcher Ebene fit und leistungsf\u00e4hig. Doch Sie glauben, die unteren Ebenen bel\u00fcgen sich nur?<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man unser Umfrage genau anschaut, dann sieht man, dass gerade die 30- bis 49-J\u00e4hrigen, also die, die den Gro\u00dfteil der mittleren F\u00fchrungsebene stellen, sich als sehr stark empfinden. In unsere Studie nennen wir das die Rushhour des Lebens. Das passt zum Image. In diesem Alter will man und muss man leisten, will Karriere machen. So proklamiert es uns die Gesellschaft. An diesem Punkt zuzugeben, dass man \u00fcberlastet ist und sich das vor allem selbst einzugestehen, ist oft schwer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und f\u00fcrchten sich Mittelmanager vor der Digitalisierung?<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Selbsteingest\u00e4ndnis, den Job zeitlich und auch wegen der eigenen Kompetenzen nicht zu schaffen, ist ihnen so gut wie unm\u00f6glich. Als F\u00fchrungskraft sich selbst eingestehen, dass man keine Ahnung von der Materie hat, dass die vielen Digitalisierungsprojekte, die auf uns zukommen, zu viel sind? Ausgeschlossen. Gerade in meinem Job, in dem wir Unternehmen dabei unterst\u00fctzen, ihre Mitarbeiter in Management-Methoden auszubilden, die sie fit f\u00fcr das digitale Zeitalter machen, wird das sehr deutlich. Neue Ideen brauchen Verst\u00e4ndnis von neuen Technologien und davon, was Kunden brauchen.<\/p>\n<p>Doch dieses Wissen fehlt ihnen oft. In den Management-Etagen sitzen viel zu viele Menschen ohne profundes Wissen in Physik, Informatik, oder modernen Produktentwicklungsverfahren. Das ist die \u00dcberforderung gro\u00df, gleichzeitig streckt man sich nach der n\u00e4chsten Karrierestufe. Doch solange man vorgibt, sich anzustrengen und fit zu sein, solange man sich t\u00fcchtig erweist, und dann auch noch zeigen kann, wie man am Wochenende Marathon l\u00e4uft, ist alles in Ordnung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Manager stehen neuerdings um f\u00fcnf Uhr auf, um f\u00fcr den n\u00e4chsten Marathon zu trainieren und ihre Fitness zu st\u00e4rken \u2013\u00a0 doch Sie sagen, es ist ein Trendsport, der nur die Belastung der Mittelmanager erh\u00f6ht?<\/strong><\/p>\n<p>Ja, Marathonlaufen ist in. Der 30-min\u00fctige Dauerlauf am Wochenende reicht nicht mehr. Es muss nach Feierabend schon eher CrossFit sein. Wer das schon einmal ausprobiert hat, der wei\u00df: Das ist extrem, danach ist man mehr als fertig. Ich finde, das ist Selbstbetrug und ein Raubbau an er eigenen Gesundheit. Vielleicht funktioniert das, wenn man Single ist. Mit Familie nicht. 50 bis 60 Stunden Arbeit, sechs Stunden Training in der Woche f\u00fcr den Marathonlauf, dann noch Freude treffen, ein Haus bauen und dann sollte man noch eine funktionierende Beziehung haben und Kinder bekommen. Absurd.<\/p>\n<p>Schon bei meinem Executive MBAs in St. Gallen wurde uns gesagt, wir m\u00fcssen uns fit halten. Es geht in dieser Managementkaste eben weiterhin um Leistung, Leistung, Leistung. Und das wurde auch entsprechend kommuniziert. Wer dann morgens um f\u00fcnf Uhr aufsteht, oder sogar vier Uhr, wie es uns einige Professoren einer anderen Uni angeraten haben, der kann vermeintlich gl\u00e4nzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aber die Gesundheits-Programme ihrer Unternehmen nutzen Mittelmanager nicht, warum? Wollen sie nicht zusammen mit ihren Mitarbeitern schwitzen? Haben sie mehr Abstand in der Hierarchie als Manager andere L\u00e4nder?<\/strong><\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte am Image liegen, da entstehen Bilder von R\u00fcckengymnastik, Yoga und Wassertreten. Viele Kurse sind auch zu unm\u00f6glichen Zeiten, die f\u00fcr Manager nicht passen. Die br\u00e4uchten andere Angebote. In den hippen Start-Ups oder in modern gef\u00fchrten Unternehmen wird das Fitnessstudio ins B\u00fcro integriert. Hier gibt es fortlaufend Kurse und zwar in Trendsportarten. Das funktioniert schon eher.<\/p>\n<p>Aber eben nicht auf den Fluren deutscher Konzerne. Oder habe sie da schon mal die Kettlebells den ganzen Tag auf den Boden knallen h\u00f6ren? Sicher spielt auch Distanz eine Rolle. Viele Manager m\u00f6chten nicht schwitzend mit ihren Angestellten in einem Raum trainieren. Viele Chefs setzen sich ja schlie\u00dflich auch nicht mit ins Gro\u00dfraumb\u00fcro.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eDie Arbeit wird schneller, aber nicht menschlicher\u201c, sagen Sie. Inwiefern?<\/strong><\/p>\n<p>Menschen brauchen soziale Kontakte um kreativ und effektiv arbeiten zu k\u00f6nnen. Wer sich in einer Gemeinschaft sicher aufgehoben f\u00fchlt, ist f\u00fcr diese da und wird produktiv. Die Digitalisierung k\u00f6nnte das leisten. Sie k\u00f6nnte Menschen besser vernetzten. Technologie und agile Management-Methoden haben das erm\u00f6glicht. Bei Google und Co. wird in Teams und in Gemeinschaft gearbeitet. Dort wird ein Raum geschaffen, der fast s\u00fcchtig nach Gemeinschaft macht.<\/p>\n<p>In deutschen Gro\u00dfunternehmen hingegen versteht man unter Digitalisierung Effizienzsteigerung. In letzter Konsequenz ist das Automatisierung. Und das ist unmenschlich. Der Prozessor, das gut geschriebene Computerprogramm, \u00fcberfl\u00fcgelt uns Menschen bei Jobs, die sich wiederholen, das ist einfach so. Wir alle nehmen das schon jetzt bei unseren allt\u00e4glichen G\u00e4ngen in Gesch\u00e4fte und bei Hotelbuchungen wahr. Aber so angenehm es auf den ersten Blick ist. Dass ich durch eine App im Zug nichts mehr mit dem Schaffner zu tun haben muss, ist eine vertane Chance &#8211; f\u00fcr die Deutsche Bahn, das Reisen zu einem menschlichen Erlebnis zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_668407\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668407\" class=\"size-medium wp-image-668407\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/07\/Grafik_DieKo\u0308nigeDerBlogospha\u0308re_A4_DRAFT_02-1.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-668407\" class=\"wp-caption-text\">Der neue Blogger-Relevanz-Index 2018<\/p><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit Unternehmensberater Boris Gloger, zur seiner Studie zusammen mit Erika Regnet, Professorin f\u00fcr Personal und Organisation an der Hochschule Augsburg.\u00a0 &nbsp; &nbsp; Herr Gloger, Ihre neue Studie zeigt, dass Top-Manager immer weniger Stress haben, je h\u00f6her sie auf der &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/09\/11\/interview-unternehmensberater-gloger-ueber-mittelmanager-in-der-falle-marathonlaufen-erhoeht-den-druck-nur-noch-mehr\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[4980,4972,420,1545,731,7649,2316,1020],"class_list":["post-668683","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-boris-gloger","tag-erika-regnet","tag-fuhrungskrafte","tag-interview","tag-manager","tag-marathonlaufen","tag-mittelmanager","tag-studie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668683","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=668683"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668683\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":668690,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668683\/revisions\/668690"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=668683"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=668683"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=668683"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}