{"id":668459,"date":"2018-08-14T23:36:28","date_gmt":"2018-08-14T21:36:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=668459"},"modified":"2018-08-14T23:38:13","modified_gmt":"2018-08-14T21:38:13","slug":"sind-sie-noch-tourist-oder-reisen-sie-schon-fragt-cnn-kultmoderator-richard-quest-in-seinem-gastbeitrag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/08\/14\/sind-sie-noch-tourist-oder-reisen-sie-schon-fragt-cnn-kultmoderator-richard-quest-in-seinem-gastbeitrag\/","title":{"rendered":"&#8222;Sind Sie noch Tourist oder reisen Sie schon?&#8220; fragt CNN-Kultmoderator Richard Quest in seinem Gastbeitrag"},"content":{"rendered":"<p><strong>F\u00fcr echtes Reisen braucht es einen Reisenden, findet Wirtschaftsmoderator Richard Quest von CNN International. Sein Gastbeitrag exklusiv f\u00fcr den Management-Blog.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_668504\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668504\" class=\"size-full wp-image-668504\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/08\/Quest.8.2018.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"431\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/08\/Quest.8.2018.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/08\/Quest.8.2018-300x199.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/08\/Quest.8.2018-452x300.jpg 452w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-668504\" class=\"wp-caption-text\">Richard Quest (Foto: CNN International)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sind Sie Tourist oder reisen Sie schon? Nichts gegen Touristen, denn seien wir mal ehrlich: Wir alle haben schon staunend unter dem Eiffelturm oder einem \u00e4hnlich imposanten Bauwerk gestanden und f\u00fcr die Kamera posiert. Aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man gen\u00fcgend Orte angesteuert hat und man h\u00f6rt auf, Tourist zu sein und ver\u00e4ndert sich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vom Touristen zum Reisenden<\/strong><\/p>\n<p>Dar\u00fcber mache ich mir in letzter Zeit viele Gedanken, etwa im Rahmen meiner Arbeit f\u00fcr die neue CNN-Serie &#8222;Quest&#8217;s World of Wonder&#8220;. Ich bin vermutlich in fast jedem Land gewesen, das ich besuchen wollte. Doch manchmal bin ich die Sache falsch angegangen. Ich war Tourist. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt, dass man einem Reiseziel den geb\u00fchrenden Respekt entgegenbringen muss, um das, was es bietet, voll und ganz w\u00fcrdigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich spreche nicht von der Suche nach dem obskuren Restaurant, von dem nur die Einheimischen wissen \u2013 gemeint ist etwas, das auch auf die bekanntesten Orte zutreffen kann.<\/p>\n<p>Ein Beispiel ist das Opernhaus von Sydney. Jeder, der in Sydney \u2013 eine meiner absoluten Lieblingsst\u00e4dte der Welt \u2013 gewesen ist, hat vor ihrem ber\u00fchmtesten Geb\u00e4ude gestanden und wahrscheinlich ein paar Fotos gemacht (Heutzutage postet man solche Schnappsch\u00fcsse auf Instagram). Dann ist man wom\u00f6glich weiter gezogen, um die Harbour Bridge zu besichtigen oder mit der F\u00e4hre nach Manly zu fahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eine andere Denkweise: Geb\u00e4ude verstehen, ihre Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>Ja, Sie haben das Opernhaus gesehen. Ja, Sie haben das Troph\u00e4enfoto. Aber haben Sie das Geb\u00e4ude wirklich verstanden? Haben Sie sich die Zeit genommen, seine surreale, unm\u00f6gliche Sch\u00f6nheit zu sch\u00e4tzen, die ihrer Zeit so weit voraus, so gewagt und doch so untrennbar ist von der Stadt und dem Land, in dem es liegt? Haben Sie sich die Zeit genommen, die Geschichte des Architekten J\u00f8rn Utzon und die Schwierigkeiten beim Bau dieses wunderbaren Bauwerks zu erfahren? Was ist mit Ihrer Beziehung und Interaktion mit der Stadt, ihren Menschen und ihrer Identit\u00e4t? Das erfordert einen anderen Ansatzpunkt, eine andere Denkweise.<\/p>\n<p>Vielleicht entwickelt man diese Einstellung erst mit den Jahren. Zweifellos \u00e4ndern sich die Ansichten \u00fcber das Reisen mit zunehmendem Alter. Es gibt Dinge, die ich vor zwanzig Jahren akzeptiert und sogar genossen h\u00e4tte, die heutzutage entweder unzumutbar oder einfach nur langweilig w\u00e4ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der zweite Blick, wenn man mehr \u00fcber Menschen und Orte wei\u00df<\/strong><\/p>\n<p>Aber ich spreche nicht davon, wie viel man f\u00fcr ein Hotel ausgibt \u2013 obwohl meine Hostel-Tage schon l\u00e4ngst vorbei sind, bin ich auch heute mit einem sauberen und funktionalen Zimmer immer noch vollkommen zufrieden. Oder ob ich in einem Michelin-Stern-Restaurant kulinarisch verw\u00f6hnt werde. Hier geht es vielmehr darum, wie sich die Neugierde wandelt und der Verstand andere Verkn\u00fcpfungen und Zusammenh\u00e4nge herstellt. Pl\u00f6tzlich fallen mir Dinge auf, die ich als unerfahrener Jugendlicher vielleicht \u00fcbersehen habe \u2013 vielleicht die Art, wie die untergehende Sonne ein vertrautes altes Geb\u00e4ude auf eine bestimmte Weise erhellt. Oder wie einem das Neonlicht eines Wolkenkratzers ins Auge f\u00e4llt, w\u00e4hrend man in einem Taxi eine Br\u00fccke \u00fcberquert. Vielleicht ist es ein Gef\u00fchl der Romantik, das man erst entdeckt, wenn man mehr \u00fcber einen Ort und seine Menschen erfahren hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die entscheidende Zutat: die Menschen<\/strong><\/p>\n<p>In der Tat ist dieser letzte Aspekt vermutlich der wichtigste. Die entscheidende Zutat f\u00fcr jedes Erlebnis sind Menschen. Einer der schwierigsten Aspekte des Alleinreisens ist es, niemanden zu haben, mit dem man die Erlebnisse teilen und sich austauschen kann. Das bedeutet nicht, dass man eine Reise oder einen Ort nicht alleine genie\u00dfen oder w\u00fcrdigen kann. Es macht durchaus viel Spa\u00df, den Einheimischen bei ihren t\u00e4glichen Aufgaben zuzusehen. Aber ohne jeden Zweifel sind die denkw\u00fcrdigsten Momente, die ich in der gro\u00dfen weiten Welt genossen habe, diejenigen gewesen, die ich mit anderen geteilt habe.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich lebhaft daran, wie ich mit meiner Mutter zum prachtvollen Machu Picchu reiste, wo ich eines der wahren Wunder der Welt erblickte und dieses Privileg mit jemandem teilte, der genauso sehr davon verzaubert war wie ich. Oder an meine erste Reise nach Paris, mit einer Gruppe von Freunden, und wie wir \u2013 gemeinsam \u2013 kopf\u00fcber in das Beste, was die Stadt zu bieten hatte, eintauchten.<\/p>\n<p>Selbst wenn ich beruflich unterwegs bin, gibt es Momente, in denen ich einen Ort mit dem frischen Blick eines Kollegen betrachten kann, der ihn zum ersten Mal sieht &#8211; auch wenn ich selbst schon viele Male dort war. Gott wei\u00df, ich war schon \u00f6fter in Davos als ich zugeben mag. Aber zeige mir den Gesichtsausdruck von jemandem, der zum ersten Mal mit dem Zug die Pracht der Schweizer Alpen erklimmt, und es wird niemals alt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was eine Stadt einzigartig macht<\/strong><\/p>\n<p>Auch geht es hier nicht nur um die atemberaubenden Sehensw\u00fcrdigkeiten. Die Wertsch\u00e4tzung der verschiedenen Elemente, die einen Ort zu dem machen, was er ist \u2013 und zwar das Historische, Kulturelle, Politische, Religi\u00f6se oder K\u00fcnstlerische \u2013 bereichert die Erfahrung.<\/p>\n<p>Nehmen wir mal als Beispiel Berlin, das wir f\u00fcr die zweite Folge unserer Serie besucht haben: Dort gibt es die dynamische Tech-Szene der Stadt und ihre tiefe und lebendige k\u00fcnstlerische Kultur, die sich \u00fcber Geschichtliches wie den Kalten Krieg legt \u2013 all die verschiedenen Elemente, die die Stadt als Ganzes einzigartig machen. Dann sind da noch die verschiedenen Pers\u00f6nlichkeiten, die die Stadt beheimaten. Was gewinnt eine Burlesque-T\u00e4nzerin oder ein Grafiker einer Stadt wie Berlin ab &#8211; und was gibt ihnen Berlin zur\u00fcck? Das sind Fragen, die man sich nur stellt, wenn man sich in die Gesinnung eines Reisenden versetzt.<\/p>\n<p>In der Tat bieten einige Orte, die ich schon oft besucht habe, immer neue Entdeckungen \u2013 wenn ich bereit bin, sie zu suchen. In Berlin hatte ich das Privileg, Margot Friedlander, eine Holocaust-\u00dcberlebende, zu treffen. Ich erfuhr, wie sie sich im Berlin der Nazis verstecken und \u00fcberleben konnte. Wenn man ihre Geschichte geh\u00f6rt hat, wird die Vergangenheit der Stadt lebendig und die Holocaust-Gedenkst\u00e4tte nimmt eine tiefere, pers\u00f6nliche Bedeutung an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Fokus auf Reisende statt Touristen<\/strong><\/p>\n<p>Die Tourismusbranche ist eine der gr\u00f6\u00dften Wirtschaftszweige der Welt und wird auch in Zukunft weiter wachsen. Jetzt, da L\u00e4nder wie China einen gr\u00f6\u00dferen Appetit auf den Rest der Welt zeigen, und gr\u00f6\u00dfere Teile der Welt ihre Neugier auf L\u00e4nder wie China stillen wollen, werden jene Ziele, die die richtigen Erfahrungen bieten k\u00f6nnen, reichlich belohnt. Der Kniff wird meines Erachtens zunehmend darin bestehen, daf\u00fcr zu sorgen, dass diese Erfahrungen auf den Reisenden und nicht auf Touristen zugeschnitten sind.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich werden die Leute immer dem Alltag entfliehen oder das ber\u00fchmte Denkmal einmal gesehen haben wollen, und das ist auch in Ordnung. Auch daf\u00fcr ist Platz &#8211; und manchmal ist das tats\u00e4chlich alles, was man im Rahmen eines Besuches schaffen kann. Aber es gibt immer mehr Menschen, die sich zus\u00e4tzlich nach Authentizit\u00e4t sehnen, sie wollen tief in einen Ort eintauchen und erleben, was ihn und seine Bewohner bewegt. Das ist das Reich des Reisenden, in dem die wahren Wunder der Welt zu finden sind.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Quest&#8217;s World of Wonder&#8220; wird auf CNN International ausgestrahlt. Die n\u00e4chste Folge, aus Berlin, ist am Samstag, den 18. August um 13:30 Uhr zu sehen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Weitere Informationen unter:<\/strong><br \/>\n<strong><a href=\"https:\/\/edition.cnn.com\/travel\/specials\/quests-world-of-wonder\">https:\/\/edition.cnn.com\/travel\/specials\/quests-world-of-wonder<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr echtes Reisen braucht es einen Reisenden, findet Wirtschaftsmoderator Richard Quest von CNN International. Sein Gastbeitrag exklusiv f\u00fcr den Management-Blog. &nbsp; &nbsp; Sind Sie Tourist oder reisen Sie schon? 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