{"id":668431,"date":"2018-08-10T19:26:42","date_gmt":"2018-08-10T17:26:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=668431"},"modified":"2018-08-13T17:54:45","modified_gmt":"2018-08-13T15:54:45","slug":"kuenstliche-intelligenz-in-der-arbeitswelt-warum-es-in-zehn-jahren-keine-wirtschaftspruefer-mehr-geben-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/08\/10\/kuenstliche-intelligenz-in-der-arbeitswelt-warum-es-in-zehn-jahren-keine-wirtschaftspruefer-mehr-geben-wird\/","title":{"rendered":"Digitalexperte Wolf Ingomar Faecks \u00fcber K\u00fcnstliche Intelligenz in der Arbeitswelt: Warum es in zehn Jahren keine Wirtschaftspr\u00fcfer mehr geben wird (Gastbeitrag)"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00dcber K\u00fcnstliche Intelligenz in der Arbeitswelt und warum es in zehn Jahren keine Wirtschaftspr\u00fcfer mehr geben wird, schreibt Gastautor Wolf Ingomar Faecks. Er ist <\/strong><strong><span style=\"text-align: left;color: #333333;text-indent: 0px;letter-spacing: normal;font-family: 'Helvetica Neue',Helvetica,Arial,'Nimbus Sans L',sans-serif;font-size: 15px;font-style: normal;font-variant: normal;text-decoration: none;cursor: text;float: none;background-color: transparent\">Spezialist f\u00fcr die digitale Business Transformation bei der Unternehmensberatung Publicis.Sapient und betreut weltweit Unternehmen aus den Automobil-, Healthcare- und produzierenden Industrien bei der Digitalisierung.<\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_668432\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-668432\" class=\"size-full wp-image-668432\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/08\/faecks.Wolf-Ingomar-Faecks_Publicis.Sapient.jpg\" alt=\"\" width=\"650\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/08\/faecks.Wolf-Ingomar-Faecks_Publicis.Sapient.jpg 650w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/08\/faecks.Wolf-Ingomar-Faecks_Publicis.Sapient-300x196.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2018\/08\/faecks.Wolf-Ingomar-Faecks_Publicis.Sapient-459x300.jpg 459w\" sizes=\"auto, (max-width: 650px) 100vw, 650px\" \/><p id=\"caption-attachment-668432\" class=\"wp-caption-text\">Wolf Ingomar Faecks (Foto: Presse)<\/p><\/div>\n<p>Um keine Innovation ranken sich so viele Mythen wie um die k\u00fcnstliche Intelligenz (KI). War die Technologie bisher f\u00fcr die Menschen noch weit von ihrem Alltag entfernt, r\u00fcckt sie heute immer st\u00e4rker in unser Bewusstsein. Und ver\u00e4ndert bereits unser Arbeitsleben: Nicht nur manuelle Arbeitsschritte und Berufsbilder \u2013 wie bei der Flie\u00dfbandmontage \u2013 verschwinden. Auch klassische B\u00fcro- und Management-Jobs geht es nun an den Kragen. Sie werden sich in den kommenden Jahren ver\u00e4ndern \u2013 und mitunter sogar komplett verdr\u00e4ngt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Glauben Sie nicht? Hier ein Beispiel. Ich prophezeie, dass es den Berufsstand der Wirtschaftspr\u00fcfer so wie heute in zehn Jahren nicht mehr geben wird. Wie ich darauf komme? Die typischen, gleichf\u00f6rmigen Arbeitsschritte und Aufgaben eines Wirtschaftspr\u00fcfers sowie das st\u00e4ndige Analysieren von gro\u00dfen Datenmengen sind wie daf\u00fcr geschaffen, durch KI-Systeme \u00fcbernommen zu werden. Die Maschine ist in der Lage, wesentlich schneller und genauer zu arbeiten und dem Menschen die Routine abzunehmen und mit bisherigen Erfahrungswerten zu vergleichen. Am Ende der Pr\u00fcfung nimmt dann nur noch ein erfahrener Wirtschaftspr\u00fcfer die Ergebnisse ab und erteilt das Testat. Klingt auf den ersten Blick nicht schlecht.<\/p>\n<p>Dumm nur, dass sich ein \u201aerfahrener\u2019 Wirtschaftspr\u00fcfer das Know-how f\u00fcr das Erteilen eines Testats \u00fcber viele Jahre erarbeiten musste \u2013 und zwar mit genau den Routine-T\u00e4tigkeiten, die k\u00fcnftig die KI \u00fcbernehmen wird. F\u00fcr junge Berufseinsteiger, denen die Chance zu lernen durch Maschinen genommen wird, wird dieser Schluss-Check mangels Erfahrung zur unl\u00f6sbaren Aufgabe. Im Ergebnis fehlt dann also eine ganze Generation junger Pr\u00fcfer, da diese ihren Job ohne Fachwissen nicht mehr erf\u00fcllen k\u00f6nnen \u2013 und entsprechend nicht mehr gebraucht werden. Irgendwann geht aber auch der letzte zugelassene \u201aEnd-Pr\u00fcfer\u2019 altersbedingt in Rente. Den Beruf des Wirtschaftspr\u00fcfers wird es dann nicht mehr geben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>KI raubt dem Menschen die Chance zu lernen<\/strong><\/p>\n<p>Das Dilemma an der ganzen Situation: Die k\u00fcnstliche Intelligenz soll den Menschen von l\u00e4stigen, eint\u00f6nigen Arbeiten befreien und ihm die Zeit schenken, sich mit den wichtigen Dingen seines Jobs oder Lebens zu besch\u00e4ftigen. Gleichzeitig besteht aber die Gefahr, dass die KI den Menschen erdr\u00fcckt, ihn seiner M\u00f6glichkeiten und seines Potenzials beraubt. Denn: Notwendige Erfahrung zu sammeln, gelingt nur durch kontinuierliches Lernen. Der Journalist und Unternehmensberater Malcolm Gladwell pr\u00e4gte in seinem Buch \u201e\u00dcberflieger\u201c die These, dass es mindestens 10.000 \u00dcbungsstunden braucht, um Experte auf einem beliebigen Fachgebiet zu werden \u2013 gleich, ob als Speerwerfer, Raumdesigner oder eben Wirtschaftspr\u00fcfer. Bei letzterem ist es das langwierige Durcharbeiten von Aktenbergen in den Jahren als Berufsanf\u00e4nger, die durch die KI ersetzt wird.<\/p>\n<p>Dieses Szenario macht auch vor anderen Disziplinen nicht halt. F\u00fcr \u00c4rzte etwa ist die Erfahrung der Ma\u00dfstab f\u00fcr Diagnostik und Therapie. Algorithmen sto\u00dfen in die Medizin vor und k\u00f6nnen heute schon auf Basis gespeicherter Forschungs- und Patientendaten sogar die Behandlung \u00fcbernehmen. Die langj\u00e4hrige Erfahrung und das fachliche Wissen eines Arztes sind aber unabdingbar, um die Entscheidungen des maschinellen Kollegen zu validieren. Es stellt sich also die Frage, wie zuk\u00fcnftige Generationen ihren Experten-Status erlangen, um in Folge noch Herr \u00fcber die Maschine zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Licht am Ende des Tunnels: Ohne menschliche Aufsicht geht es nicht<\/strong><\/p>\n<p>Nun zur\u00fcck aus dieser sicher \u00fcberzeichneten Dystopie. Ich selbst glaube nicht an Horrorszenarien, in denen der Mensch in naher Zukunft vollkommen von k\u00fcnstlichen Intelligenzen ersetzt wird. Das Thema bedarf einer differenzierteren Betrachtung: In absehbarer Zeit werden KIs nicht in der Lage sein, ohne menschliche Aufsicht autonom zu handeln, da die Methoden f\u00fcr maschinelles Lernen auf Basis k\u00fcnstlicher neuronaler Netze noch nicht weit genug entwickelt sind \u2013 KIs sind immer noch d\u00fcmmer als man allgemein glaubt. Forscher der Universit\u00e4t von Washington zeigten erst k\u00fcrzlich, wie einfach es ist, die KI auf eine falsche F\u00e4hrte zu locken, in dem sie Verkehrsschilder mit einfachen Aufklebern versahen und autonome Fahrzeuge diese in der Konsequenz komplett anders interpretierten. Zudem dauert der Lernprozess einer Maschine sehr lange und ist nur f\u00fcr eng eingegrenzte Anwendungsf\u00e4lle \u00fcberhaupt realisierbar. So kann die KI definierte Elemente auf Bildern nur erkennen, wenn vorher riesige Trainingsdatenmengen h\u00e4ndisch korrekt kategorisiert wurden \u2013 von Menschen wohlgemerkt.<\/p>\n<p>Es geht beim Thema KI nicht darum, den Menschen zu ersetzen, sondern ihm aufzuzeigen, wie er vom Einsatz innovativer Algorithmen profitieren und dabei sogar v\u00f6llig neue Chancen und Potenziale kreieren kann. Das Stichwort lautet: Intelligente Augmentierung (IA). Dies bezeichnet die Verkn\u00fcpfung von menschlichen F\u00e4higkeiten mit Algorithmen und Maschinen, wodurch neues Know-how entstehen kann. Dies kann nur gelingen, wenn bereits in der Ausbildung der Umgang mit neuen Technologien im Arbeitsalltag erlernt wird. Gleichzeitig m\u00fcssen Unternehmen das Potenzial und die Anwendungsbereiche der neu erworbenen Skills verstehen und ihre Prozesslandschaft entsprechend anpassen. Sofern der Mensch Technologie als selbstverst\u00e4ndlicher Partner begreift, wird er die Kontrolle behalten und mit seiner Kreativit\u00e4t und Empathie die Vorteile der Maschinen in den Bereichen Analyse und Geschwindigkeit auch in Zukunft beherrschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dc. Seit November 2017 bringt sich Faecks aktiv im Branchenverband Bitkom ein und ist kooptiertes Mitglied des Hauptvorstandes. Dort treibt er insbesondere das Thema digitale Transformation voran.<\/p>\n<p>Vor seinem Wechsel zu Sapient im Jahr 2005 geh\u00f6rte Faecks der Gesch\u00e4ftsleitung von Capgemini an. Insgesamt verf\u00fcgt der Wirtschaftsingenieur \u00fcber mehr als 20 Jahre Erfahrung als Berater und Vordenker im Bereich Digitalisierung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber K\u00fcnstliche Intelligenz in der Arbeitswelt und warum es in zehn Jahren keine Wirtschaftspr\u00fcfer mehr geben wird, schreibt Gastautor Wolf Ingomar Faecks. 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