{"id":668172,"date":"2018-07-06T07:00:24","date_gmt":"2018-07-06T05:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=668172"},"modified":"2018-07-06T01:17:34","modified_gmt":"2018-07-05T23:17:34","slug":"interview-mit-bettina-al-sadik-lowinski-deutsche-frauen-sollten-sich-an-der-zielstrebigkeit-chinesischer-managerinnen-ein-vorbild-nehmen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/07\/06\/interview-mit-bettina-al-sadik-lowinski-deutsche-frauen-sollten-sich-an-der-zielstrebigkeit-chinesischer-managerinnen-ein-vorbild-nehmen\/","title":{"rendered":"Interview mit Bettina Al-Sadik-Lowinski: Deutsche Frauen sollten sich an der Zielstrebigkeit chinesischer Managerinnen ein Vorbild nehmen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Global, flexibel, erfahren &#8211; Chinas Managerinnen haben weltweit die Nase vorn wenn es um Top F\u00fchrungspositionen geht, meint Bettina Al-Sadik-Lowinski, die mehrere Jahre in China als Coach Erfahrungen gesammelt, chinesische Frauenkarrieren analysiert und zu einem Buch verarbeitet hat, nachdem sie zuvor bei Konzernen wie Canon und Bayer im Marketing war.\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cuvillier.de\/sites\/wp-content\/uploads\/Al-Sadik-Lowinski-portrait.jpg\" \/><\/p>\n<p><strong>In Ihrer Zeit als Coach in China ist Ihnen aufgefallen, dass besonders viele Frauen im Top-Management sitzen &#8211; anders als als in Deutschland. Sie haben 35 Frauenkarrieren untersucht, daraus wurde am Ende ein ganzes Buch. Was ist in China anders, was erm\u00f6glicht ihnen diese Karrieren &#8211; die Deutschen bislang verwehrt sind? <\/strong><\/p>\n<p>Gerade in Shanghai , wo ich mit vielen weiblichen F\u00fchrungskr\u00e4ften fiel mir auf, dass Frauen sehr viel selbstverst\u00e4ndlicher und mit gro\u00dfem, sehr gelassenem Selbstbewusstsein hohen F\u00fchrungspositionen ausf\u00fcllen. China hat mit 38 Prozent einen der h\u00f6chsten Anteile von Frauen in Top-Management. Dahinter k\u00f6nnen sich Deutschland mit 16 Prozent oder die USA mit 20 Prozent verstecken. Dabei gibt\u00b4s in China keine Frauenquote. Vor allem wichtige Schl\u00fcsselfunktionen in den internationalen Konzernen Chinas wie Finanz- und Personalleitung sind mit 81 beziehungsweise 61 Prozent Frauenanteil fest in weiblicher Hand.\u00a0Das hat mich neugierig gemacht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>.<strong>..und wie erkl\u00e4ren Sie sich das?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Studie, an der 35 chinesische Top-Managerinnen teilnahmen, zeigt, dass das Erfolgsrezept der Chinesinnen aus einer Mischung von positiven Umweltfaktoren und individuellen Faktoren besteht. Die Zustimmung in der Gesellschaft f\u00fcr berufst\u00e4tige Frauen, die auch Kinder haben, ist in China extrem hoch. Frauen mit erfolgreichen Managementkarrieren sind gesellschaftlich hoch angesehen, ihr Image als F\u00fchrungskr\u00e4fte ist extrem positiv. \u201eDas Geschlecht ist kein Thema&#8220; lautete die h\u00e4ufigste Antwort der weiblichen F\u00fchrungskr\u00e4fte, wenn ich sie nach Unterschieden zu m\u00e4nnlichen Kollegen befragte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und warum nicht?<\/strong><\/p>\n<p>Die meisten Frauen, 71 Prozent, sind in China voll berufst\u00e4tig und haben auch ein Kind &#8211; sie sind der Normalfall. Zum Vergleich: In Deutschland sind 77 Prozent der Managerinnen kinderlos.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dann brauchen wir doch eher eine M\u00fctterquote? Denn der ewige Verweis auf die Probleme der Vereinbarkeit von Beruf und Familie &#8211; der ja reflexartig kommt, wenn\u00b4s um Frauenf\u00f6rderung geht &#8211; zieht bei den kinderlosen Managerinnen dann ja ohnehin nicht.\u00a0Also wie bewerkstelligen Chinesinnen beides, Kind plus Karriere?\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Sie bekommen volle Unterst\u00fctzung von ihren Familien und vor allem den Gro\u00dfeltern, die f\u00fcr Haushalt und Kindererziehung quasi im zweiten Beruf zust\u00e4ndig sind. Die 35 Managerinnen in meinem Buch bekommen den R\u00fccken freigehalten &#8211; sie k\u00f6nnen sich ihrer Karriere genauso widmen wie hier in Deutschland nur die M\u00e4nner, die zuhause von ihrer Ehefrau alles abgenommen bekommen wie Kinderaufzucht und Haushalt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Bedingungen im Umfeld sind das eine, was macht die chinesischen Managerinnen ansonsten aus?<\/strong><\/p>\n<p>Chinesinnen verfolgen ihre Karrieren von Anfang an sehr zielstrebig. Sie haben exzellente Ausbildungen an einer oder mehreren Top-Universit\u00e4ten, haben flie\u00dfende Fremdsprachenkenntnisse und sind extrem flexibel\u00a0 was Arbeitsort und Inhalte angeht. Sie sind einfach sehr karriereorientiert und stellen meistens berufliche Interessen \u00fcber ihre privaten Interessen. Sie tun, was n\u00f6tig ist, um im System der globalen Unternehmen die n\u00e4chste Karrierestufe zu erreichen und legen eine hohe Anpassungsf\u00e4higkeit Situationen und Menschen gegen\u00fcber an den Tag. So wie Ming Ming Liu, Vorstandsmitglied der deutschen Handelskammer Shanghai und Ex-Pr\u00e4sidentin von Voith Asia Paper, die wie viele Chinesinnen immer ein klares Karriereziel vor Augen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was raten Sie demnach anderen Frauen?<\/strong><\/p>\n<p>Die Managerinnen \u00fcberschreiben ihre Karrierestrategie so: \u201eDahin gehen, wo die Chancen warten\u201c. Sie sind flexibel und risikobereit, sie m\u00f6gen Ver\u00e4nderungen und suchen sie ganz bewusst. Chinesische Managerinnen verfolgen ihre Karrieren sehr selbstbewusst und mit gro\u00dfer Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Und alle 35 waren extrem mobil und nehmen in Kauf, dass sie zwischen Arbeit und Familie zu pendeln oder f\u00fcr die Karriere umziehen m\u00fcssen &#8211; innerhalb Chinas oder besser noch ins Ausland.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und die eigenen Eltern und den Gatten offenbar im Gep\u00e4ck, denn sonst w\u00fcrde es ja auch f\u00fcr sie schwierig?<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ziehen manchmal Ehemann und Gro\u00dfeltern mit um.\u00a0 Aber auch andere Modelle gibt es und oft je nach Karrierephase ein anderes: Ja, chinesische Mamis delegieren ihre Kinder &#8211; aber eben oft an ihre eigenen M\u00fctter. Das ist Delegieren im positivsten Sinne. Die Omas verbringen oft mehr Zeit mit ihren Enkeln als die Mami. Wenn die Baby-Phase vorbei ist, pendeln manche Karrierefrauen nur am Wochenende nach Hause. Oder sie engagieren eine Nanny, die sich &#8211; wenn n\u00f6tig &#8211; rund um die Uhr um das Kind k\u00fcmmert. Chinesische Karrieristinnen werden meistens schon sehr jung Mutter und haben nur ein einziges Kind, um das sich das Familiensystem drum herum organisiert. Besonders in der Kleinkindphase.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was treibt Chinesinnen an, ist es die Erziehung?<\/strong><\/p>\n<p>Sie sind Teamplayer und wollen gleichzeitig die erste im Team sein. Fairer Wettbewerb spornt Chinesinnen an und hat seine Wurzeln in ihrer fr\u00fchen Erziehung. Ihr F\u00fchrungsstil dann ist situativ demokratisch, aber auch autorit\u00e4r, was in China heute immer noch durchaus gew\u00fcnscht wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Und trotzdem &#8211; so sagen sie &#8211; arbeiten chinesische Managerinnen erfolgreich mit westlichen Unternehmen zusammen?<\/strong><\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dfte herausragende F\u00e4higkeit der chinesischen Frauen im globalen Unternehmenskontext ist ihre F\u00e4higkeit, zwischen den Kulturen zu wandeln und agieren. Die Chinesinnen sprechen nicht nur die Sprache der Headquarter der ausl\u00e4ndischen Unternehmen flie\u00dfend, sondern sind ehrlich neugierig auf fremden Kulturen. Sie saugen praktisch alles neue Wissen in sich hinein samt kulturellen Besonderheiten und Traditionen. Es gelingt ihnen, sich je nach Situation und Gegen\u00fcber anderen kulturellen Gegebenheiten anzupassen und das, ohne Angst zu haben, die eigenen Integrit\u00e4t zu verlieren. Die Frauen f\u00fchren diese F\u00e4higkeit auch auf ihre konfuzianischen Traditionen zur\u00fcck, wonach lebenslanges Lernen der Garant ist f\u00fcr ein besseres Leben. So f\u00fchren sie auch: Teamarbeit und Wettbewerb ist f\u00fcr sie kein Widerspruch. Angel Li ist so ein Beispiel. Sie war Personalchefin f\u00fcr Pernod-Ricard und ging danach ins Ausland ins globale Management, erst Hongkong, dann Gro\u00dfbritannien und bald Kanada.,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was k\u00f6nnen Frauen in Deutschland und ohne Gro\u00dfeltern, die ihnen den R\u00fccken freihalten, von Chinesinnen lernen? Imitieren k\u00f6nnen sie sie nicht so ohne weiteres und viele kommen auch ohne Kinder nicht bis ganz oben.<\/strong><\/p>\n<p>Richtig, in Deutschland stehen einige Umfeldfaktoren im Weg.Was deutsche Karrierefrauen tun k\u00f6nnen: Sich etwas abgucken von der strategischen Karriereplanung und -verfolgung der Chinesinnen. Sie sollten sich zuerst klar machen, ob sie wirklich ins Top-Management aufr\u00fccken wollen und was die Entscheidung mit sich bringt. Dann sollten sie die n\u00f6tigen karriererelevanten F\u00e4higkeiten und Eigenschaften schon fr\u00fch ausbauen. Schlie\u00dflich ist es unerl\u00e4sslich, sich l\u00e4ngerfristig einen guten Coach zur Karrierebegleitung zu suchen. So wie man ja auch in Gesundheit und gutes Aussehen investiert, muss man auch in die eigene Karriere investieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Buch zur Untersuchung:\u00a0\u201cHow Chinese Women Rise \u2013Chinese women with successful careers in top management\u201d von Bettina Al-Sadik-Lowinski, Cucillier Verlag,\u00a0336 Seiten, 29,90 Euro<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/cuvillier.de\/sites\/wp-content\/uploads\/Unbenannt-9-222x315.png\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Global, flexibel, erfahren &#8211; Chinas Managerinnen haben weltweit die Nase vorn wenn es um Top F\u00fchrungspositionen geht, meint Bettina Al-Sadik-Lowinski, die mehrere Jahre in China als Coach Erfahrungen gesammelt, chinesische Frauenkarrieren analysiert und zu einem Buch verarbeitet hat, nachdem sie &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/07\/06\/interview-mit-bettina-al-sadik-lowinski-deutsche-frauen-sollten-sich-an-der-zielstrebigkeit-chinesischer-managerinnen-ein-vorbild-nehmen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[7501,7503,224,7505,7500,3180,7504,6672,7506,7499,5463,7502],"class_list":["post-668172","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-angel-li","tag-bettina-al-sadik-lowinski","tag-china","tag-chinesinnen","tag-chinesische-top-managerinnen","tag-coach","tag-cucillier-verlag","tag-frauenkarrieren","tag-handelskammer-shanghai","tag-ming-ming-liu","tag-pernod-ricard","tag-voith-asia-paper"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668172","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=668172"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668172\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":668238,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/668172\/revisions\/668238"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=668172"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=668172"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=668172"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}