{"id":667987,"date":"2018-06-07T07:03:31","date_gmt":"2018-06-07T05:03:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/?p=667987"},"modified":"2018-06-11T02:09:06","modified_gmt":"2018-06-11T00:09:06","slug":"management-coach-goldfuss-ueber-den-drolligen-englisch-wahn-der-personaler-human-ressources-management-ohne-ressourcen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/2018\/06\/07\/management-coach-goldfuss-ueber-den-drolligen-englisch-wahn-der-personaler-human-ressources-management-ohne-ressourcen\/","title":{"rendered":"Management-Coach Goldfu\u00df \u00fcber den drolligen Englisch-Wahn der Personaler: Human-Ressources-Management ohne Ressourcen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dass echt cool keine Temperaturangabe bedeutet, das ist wohl inzwischen jedem klar. Dass man aber bald ohne Englischkenntnisse kein Deutsch mehr versteht, das sieht <a href=\"http:\/\/www.goldfuss.com\">J\u00fcrgen Goldfu\u00df<\/a>, Coach und Management-Autor, nicht ein. Auch ein Ex-WiWo-Kollege parierte schon vor einigen Jahren eine Pressemitteilung in englischer Sprache \u00fcber deutsche Sachverhalte von einem deutschen Unternehmen so: Er antwortet auf franz\u00f6sisch. Eine Antwort bekam er darauf nie. So schnell war Weltmann Krause dann am Ende.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230;im Kostensparwahn\u00a0\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Noch ein Beispiel gef\u00e4llig? Eine vermeintlich pfiffiger PR-Manager aus dem Headquarter einer sehr gro\u00dfen US-Law-Firm lie\u00df seine Pressemitteilung \u00fcber die deutsche Presseabteilung an deutsche Medien auf englisch versenden &#8211; um die \u00dcbersetzungskosten zu sparen. Mit durchschlagendem Erfolg: Keine einzige Reaktion gab\u00b4s, niemand hat reagiert oder die Meldung ver\u00f6ffentlicht, erz\u00e4hlte mir eine Sprecherin hinter vorgehaltener Hand: &#8222;Ich hab\u00b4s denen in USA doch gleich gesagt.&#8220; Fazit: Dann h\u00e4tte man sich auch die Kosten einer Pressemeldung sparen k\u00f6nnen. Bei 200 bis 300 Mails am Tag gibt&#8217;s nicht mehr viel Ressourcen f\u00fcr lange \u00dcbersetzungen, von denen unklar ist, ob sich der Zeiteinsatz lohnt.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>&#8230; oder Angst vor Haftung<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eine \u00fcberraschende Info erhielt ich dagegen bei einer der Big-Four-Gesellschaften, warum sie eine teure, aufw\u00e4ndige Studie den deutschen Kunden &#8211; man wollte mit ihr die Mittelst\u00e4ndler ansprechen, die keineswegs als Firmensprache englisch haben &#8211;\u00a0 nicht \u00fcbersetzt hatten: Man will nicht haften, wenn ein Unternehmenskunde den Tipps und Ratschl\u00e4gen in der Studie folgt &#8211; damit aber auf der Nase landet und Schadenersatz fordert. Ob sich deutsche Mittelst\u00e4ndler massenhaft anwerben lassen mit englischsprachigen Studien \u00fcber deutsche Belange?\u00a0 \u00a0 \u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Goldfu\u00df hat jetzt die Englischhuberei der Personaler aufs Korn genommen &#8211; ein Gastbeitrag:\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_650505\" style=\"width: 216px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-650505\" class=\"size-full wp-image-650505\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2013\/09\/Goldfu\u00df-J\u00fcrgen.jpg\" alt=\"\" width=\"206\" height=\"244\" \/><p id=\"caption-attachment-650505\" class=\"wp-caption-text\">Management-Autor und Coach J\u00fcrgen Goldfu\u00df<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Human-Ressource-Management ohne Ressourcen<\/strong><\/p>\n<p>Nix mehr Deutsch? Dass Personalabteilungen sich Human Resource Management nennen, obwohl in vielen F\u00e4llen laut den Mitarbeitern gar keine Ressourcen gemanaged werden, daran hat man sich mittlerweile gew\u00f6hnt. Welche intelligent klingenden Wortsch\u00f6pfungen in der Branche sonst noch herumgeistern, das zeigt der Blick in eine Personalzeitung. \u00dcbrigens: die folgenden Begriffe wurden nicht erfunden, sondern existieren schwarz auf wei\u00df in gemischter Gro\u00df\/Kleinschreibung, nachlesbar in einer HRS-Publikation.<\/p>\n<p>Da werden recruiter informiert \u00fcber Chatbots, Candidate Experience, Employer Branding, Active Sourcing und Mobile Recruiting. Wichtig ist auch der Handlungsbedarf bei den Touch Points. Top-Performer berichten \u00fcber ihre Social-Media-Strategie und die Zusammenarbeit mit Job- und Talent-Recommendern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Titel f\u00fcr die eigene Wichtigkeit:\u00a0Head of Employer Branding and Social Innovation<\/strong><\/p>\n<p>Die Kreativit\u00e4t bei der Titelfindung scheint unbegrenzt zu sein. Da gibt es den Head of Employer Branding and Social Innovation und den Global Director Employer Branding. Da berichtet der Director Group Human Resources \u00fcber Employer Value Proposition, old-school Personaler und Hiring Manager.<\/p>\n<p>Im War for Talents geht es dann um Employer-Branding-Strategien, Bullet-Point-Listen und Soft-Skill-Wunschbilder. Ein Head of Sales und ein Head of Key-account-Management informieren \u00fcber Technologie-Cluster, ein anderer \u00fcber die Virtual Reality-Panorama-Galerie.<\/p>\n<p>Ein Vice President Strategy and Innovation kl\u00e4rt \u00fcber zielgruppengerechten Content auf, ein weiterer Experte berichtet \u00fcber Candidate Experience, CV-Parsing und Matching-Algorithmen. Sie entwickeln zum Beispiel EVP, die Employer Value Proposition mit der eine moderne, authentische Employer Brand entwickelt werden kann. Der Mitarbeiter einer Abteilung Labour Law, Labour Relations and Pensions Group informiert \u00fcber Active Sourcing, Social Media Monitoring, automatisierte Matching-Verfahren und Predictive Analytics.<\/p>\n<p>Ein Fachmagazin bietet Informationen im Recruiting von Inbound Marketing bis Social Referral, von Big Failure bis Best Practice und von People Business bis Chatbots. Beim Thema Team ist Team-Involvement und der Onboarding-Prozess ganz wichtig. Der Head of Recruitment Process Services macht auf Compliance-Checks und Sourcing-Methoden aufmerksam. Entscheidend scheint der Recruiting-Workflow bei der Suche nach Talent Scouts zu sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Talentry Jobs und Talentry Stories<\/strong><\/p>\n<p>Im Internet of Things darf auch die Artificial Intelligence und die State-of-the-Art Cloudl\u00f6sung mit einem Bewerber-Feedbackmodul nicht zu kurz kommen. Wichtig ist, dass das gesamte Hosting dann zu 100 Prozent Made in Germany ist. Auf der Content-Plattform findet man dann Talentry Jobs und Talentry Stories. Der Vorteil: geringere cost-per-hire und die Verk\u00fcrzung der Time-to-hire. Beim innovativen recruiting ist das Employer Branding Profil wichtig, um innovatives Candidate Relationship Management zu betreiben.<\/p>\n<p>Da gibt es im Bereich Recruiting Content-Autoren und Frontend-Entwickler, die eine Vorauswahl mittels Code-Challenge entwerfen, um die optimalen Mitarbeiter-Benefits sicherzustellen. Letzendes sollen Mitarbeiter sich nicht mit der Work-Life-Balance, die Arbeit und Freude trennt, auseinandersetzen, sondern mit dem Work-Life-Blend, der beides verbindet. Schlie\u00dflich geht es um das wellbeing, das das commitment der Mitarbeiter f\u00f6rdert. Mit dem Tool Total Reward Optimization werden nach der Conjoint-Analyse die Pr\u00e4ferenzen der Mitarbeiter ermittelt. Das search-Business wird schlie\u00dflich beim Thema Gender Diversity im Executive Search echt herausgefordert.<\/p>\n<p>Zum rechtskonformen, operativen Doing geh\u00f6ren auch eine Car policy, ein konsistentes Grading-System, kurz von den Basics bis zum Long Term Incentive Plan, vielleicht auch ein Retention-Plan, so ein HR-Steering-Partner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Foodrunner ist der Aushilfskellner<\/strong><\/p>\n<p>Wer nun glaubt, nur die HR-Branche leide unter einer babylonischen Sprachverwirrung, nein, auch in der Gastronomie finden sich kreative Wortsch\u00f6pfungen. So suchte ein Hotelbetrieb einen Backgroundprofi &#8211; gemeint war ein Hausmeister, der auch sp\u00fclen kann &#8211; und einen Foodrunner &#8211; einen Aushilfskellner. Dass man Begriffe aus anderen Sprachen \u00fcbernimmt wie etwa Portemonnaie, Boulevard undsoweiter, ist nicht ungew\u00f6hnlich. Dass Sprache sich im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert, geh\u00f6rt zur Evolution. Aber muss es unbedingt im Sekundentakt sein?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-664324\" src=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"212\" srcset=\"https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-300x212.jpg 300w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017-424x300.jpg 424w, https:\/\/blog.wiwo.de\/management\/files\/2017\/02\/Blog-Ranking2017.jpg 650w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass echt cool keine Temperaturangabe bedeutet, das ist wohl inzwischen jedem klar. Dass man aber bald ohne Englischkenntnisse kein Deutsch mehr versteht, das sieht J\u00fcrgen Goldfu\u00df, Coach und Management-Autor, nicht ein. 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